Jahr: 2016 (Seite 1 von 6)

Dezember, der perfekte

Zugegeben, ich war keine gute Blog-Tante in letzter Zeit. Wenn ich jetzt sage, mir ging es gesundheitlich jetzt ned rasend gut, dann ist das mehr als die Hälfte der Wahrheit. So ein Blog läßt sich mit flauem Magen und klitzekleinen Augen auch nicht gut voll schreiben.

Aber während andere ihren Blog mit Winterzauber und Weihnachtskeksen anfüllen, muss ich hier mal sagen:

Ich mag Weihnachten nicht besonders gerne.

Ok, jetzt ist es mal raus: Ich bin nicht der jingle-bells-Typ. Ich habe einen selbstgenähten Adventskalender, ich kümmere mich mindestens um eine Sorte beim Plätzchenbacken und ich dekoriere liebevoll den Weihnachtsbaum. Ich bin aber auch heilfroh, dass meine Mutter das Weihnachtsessen kocht und mein Mann in die Christmette geht. Ich glaube, es gibt halt einfach Menschen, denen das ganze Weihnachtszeug grundsätzlich zu viel ist. Ich gehöre dazu. Mir ist der Dezember zu rot und das *wir müssen uns noch unbedingt vor Weihnachten sehen* suspekt. Dabei läuft Weihnachten bei uns auch noch entspannt ab. Ich kenne Leute, die tingeln von einem Weihnachtsessen zum nächsten und können dazwischen nicht mal Luft holen.

Die Menschen machen das, weil Weihnachten das große Familiensymbol ist. In zig Filmen sieht man den verlorenen Sohn, der zurückkommt an Heiligabend. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Weihnachten grundsätzlich eigentlich die Zeit ist, wo sich Familien am meisten streiten, weil alle das Zusammensein so überladen. Mit Vorstellungen und Bildern überladen.

Ich finde es schon süß, wenn meine Kinder vor ihren Geschenken stehen und wild auspacken. Ich mag es, wenn sie sich freuen und spielen. Ich finde es gut, dass es was Leckeres zu essen gibt. Vielleicht geht es mir auch nicht um das Fest an sich, sondern um den elendigen Advent, der mich jedes Jahr aufs Neue stresst. Dieser Countdown der zu erledigenden Dinge, die man vorschiebt und rumschiebt und eigentlich nicht genau weiß, für wen oder was man das jetzt eigentlich macht.

Vielleicht erwischt mich der Dezember auch mit meinen überhöhten Vorstellungen selber schon. Dass ich nicht einfach den Milka-Adventskalender vom Penny für meine Kinder kaufen kann und gut ist, sondern ich muss natürlich einen selber nähen und den dann auch supergut und pädagogisch wertvoll füllen. Nachdem wir dieses Jahr dann mal nur zwei Luftballone reingetan haben und meine Kinder sich darüber gefreut haben wie die Schnitzel, da wurde mir klar, dass ich selbst schuld bin an meinem Weihnachtsfrust. Ich muss den Dezember für mich loslassen lernen.

Vielleicht mögen wir uns dann wieder.

Eines Tages.

Erzähl mir von….deinem Lieblingslehrer

Alle wollen vorwärts kommen. Zukunft, Kind, Karriereplan. Immer geht es um das Morgen. Aber wie war dein Leben denn, als du ein Kind warst? Wie war es denn als Teenager? Erzähl mal.

Larissa vom No Robots Magazine, Roxana vom early birdy und Sabine vom fadenvogel tauschen jeden ersten Sonntag im Monat Erinnerungsstücke aus. Ein Thema – drei unterschiedliche Texte, drei unterschiedliche Frauen, drei unterschiedliche Leben.

Manchmal tauchen hier so Themen auf, über die ich mir seit Jahren keine Gedanken mehr gemacht habe. Wie das von Roxana für diesen Sonntag. Lieblingslehrer – keine Ahnung. Ich hatte mal eine verrückte Englischlehrerin, die erkannte, dass ich gerne in der modernen englischen Literatur herumlese und das ganz großartig fand. Sie brachte mir ein Buch mit und ich habe es nie zurückgegeben. Ich Arschlochkind.

Den einzigen Lehrer, den ich nach meinem Abitur wiedergesehen habe, war mein alter Sozialkunde- und Geschichtslehrer. Ich kann schon sagen, dass er mich wesentlich beeinflusst hat. Wir hatten jetzt keine stundenlangen Diskussionen, aber manchmal habe ich ihn Sachen gefragt, die heutzutage Teenager wohl im Internet nachlesen würden. Damals hatte ich aber noch kein Internet und wenn ich was wissen wollte zu einem Ereignis oder einer Person, dann hat er mir geantwortet. Wir mochten uns.

Später hat er mir bei meiner ersten Uni-Hausarbeit geholfen. Wir trafen uns beim Italiener und es war ein sehr väterliches Gespräch über diese Hausarbeit. Ich hatte gemerkt, dass er es mochte, dass ich ihn so zu Rate zog.

Ich würde jetzt gerne erzählen, dass diese erste Hausarbeit der Wahnsinnserfolg für mich geworden wär. Aber dem ist ned so gewesen. Diese Hausarbeit führte zu einem Gespräch mit der Assistentin des Professors. Zerrissen ist ein nettes Wort für das, was sie davon hielt. Völlig durchgefallen. Sie hat mir nahegelegt, dass ich mich umorientieren sollte. Vielleicht wäre dieses Studium mental zu viel für mich.

Danach saß ich auf der Treppe und habe geheult. Ich habe meinem Lehrer die Hausarbeit zurückgebracht und er hat nichts mehr dazu gemeint. Er verstehe es auch nicht. Wir haben danach nicht mehr miteinander geredet. Vielleicht war es ihm zu peinlich. Heute glaube ich das. Als ich ein teenager war, träumte er bereits von der Pension und ich denke, diese Hausarbeit, die an der Uni gescheitert ist, war für ihn ein Dämpfer. Ganz ehrlich gesagt, war ich auch bisschen sauer. Nicht auf ihn persönlich, mehr so auf die Gesamtsituation. Zuerst habe ich die Arbeit wegen seinen Tipps völlig umgestellt und dann habe ich sie nochmal schreiben müssen wegen der Assistentin. Wenn ich das so schreibe, dann war es genau richtig. danach habe ich fachlich immer nur meinen eigenen Stiefel gemacht und habe unglaublich an Selbstbewusstsein dazu gewonnen. Jetzt erst recht, das war meine Antwort.

Vielleicht hätte es ihn gefreut, wenn er erfahren hätte, dass ich am Ende meines Studiums, das ich im Hauptfach mit 1,0 abschloss, den Job jener Assistentin bekommen habe. Natürlich auch, weil Mittel übrig waren und natürlich auch, weil mein Professor mich mochte und ich grad da war. An der Uni hat viel mit Glück und wenig mit Können zu tun. Aber trotzdem.

Als statt ihrem Namen mein Name an jener Tür stand, da war ich mit jener Hausarbeit wieder ausgesöhnt. Und am Ende haben wir gelacht über jenes erste Gespräch zwischen uns beiden. Sie war noch einige Zeit da und wir hatten eine Art Betriebsausflug zusammen. Und auf jener Wanderung, als wir so herzlich über meine Erinnerung lachten und an ihr *mental überfodert* und so dachten, da habe ich am Ende gemerkt, so aus dem Augenwinkel, dass es ihr jetzt peinlich war. So schlecht war die Arbeit vielleicht nicht, meinte sie dann so ins Blaue. Ich nickte. Und sagte was über das Wetter.

Die Stille am Blog

Meine Lieben, Ihr Leser ihr – unbekannte und bekannte.

Ich bin mit dem Leben beschäftigt. Das ist natürlich eine faule Ausrede, aber manchmal muss man so einen Blog auch ruhen lassen können.

Ich plane keine Artikel im Voraus und das merkt man dann. Wenn es wieder still wird. Manchmal fällt mir einfach nichts ein, was ich gerne aufschreiben würde. Das ist nicht schlimm, das ist nur eine Pause.

Ich wünsche Euch allen einen schönen 1. Advent und hoffe, ich werde mal wieder was finden zum Aufschreiben. Ansonsten ist ja nächste Woche wieder der Sonntag von „Erzähl mir von…“

Man hört sich!

 

Erzähl mir von…deinem ersten Job

Alle wollen vorwärts kommen. Zukunft, Kind, Karriereplan. Immer geht es um das Morgen. Aber wie war dein Leben denn, als du ein Kind warst? Wie war es denn als Teenager? Erzähl mal.

Larissa vom No Robots Magazine, Roxana vom early birdy und Sabine vom fadenvogel tauschen jeden ersten Sonntag im Monat Erinnerungsstücke aus. Ein Thema – drei unterschiedliche Texte, drei unterschiedliche Frauen, drei unterschiedliche Leben.

In meinem Zeugnis zur 9.Klasse steht vermerkt, dass dies einem Hauptschulabschluss gleichkäme. Auch in meinem Zeugnis zur 10. Klasse steht so ein Äquivalent mit der Realschule. Ich war auf dem Gymnasium, aber mein Vater hat dafür gesorgt, dass dies reingeschrieben wird.

Ich habe nicht ganz verstanden, warum er das wollte. Ich glaube, um mir zu zeigen, dass ich es jetzt schon schulisch irgendwie geschafft hätte. Mit einem Realschulabschluss kriegt man einen Job. Man braucht das Abitur nicht. Ich habe dennoch Abitur gemacht. Klar, sie waren wirklich stolz. Ich habe ein teures Schmuckstück geschenkt bekommen, aber mir wurde früh vermittelt, dass man mit 16 Jahren eigentlich anfängt zu arbeiten.

Trotzdem habe ich lange gebraucht, bis ich mal einen Beruf erlernt habe. Studiert, an der Uni gearbeitet, dann noch mal eine Lehre.

Trotzdem habe ich mit 16 Jahren angefangen zu arbeiten.

Eine Freundin hat mich da reingebracht. Ich weiß noch, dass ich mich erst gar nicht getraut habe, anzurufen. Mein Vater hat schließlich bei meinem ersten Arbeitgeber angerufen. furchtbar peinlich. Ich habe ihn gebeten, weil ich mich nicht getraut habe. Aber Probleme mit dem Telefon – gut, da bin ich wohl nicht die einzige. Und letztendlich habe ich auch mal in einem Call Center gearbeitet, also alles gut geworden mit mir und dem Telefon.

Mein erster Arbeitgeber war die Agentur, die am Gasteig in München die Karten für den Konzertsaal abreißen läßt. Von einer Horde wie Stewardessen gekleideter Mädchen. Es war ein guter Job. Ich habe in Haidhausen gewohnt, konnte in ein paar Minuten zum Gasteig kommen, habe dort meine Karten abgerissen für zwei oder drei Abende in der Woche. Manchmal auch ein Programm verkauft. Bis zur Pause auf kleinen Klappstühlen drinnen dem Konzert zugehört. Danach mit der Kollegin gewechselt und draußen gesessen bis zum Ende. Gelesen und dafür bezahlt. Es war ein toller Job.

Manchmal hast du in der Agentur angerufen, um die Tage abzusprechen. Manche der Mädchen waren Philharmonie-Freaks. So Musikerinnen, die bei dem oder dem Konzert unbedingt dabei sein wollten, wenn der Held aus Japan mit seiner Millionen-Querflöte irgendein klassisches Stück geflötet hat. Da haben die mich dann mit großen Manga-Augen angeguckt und entsetzt gefragt, ob ich MeiJong DingDong jetzt wirklich nicht kennen würde. Ich habe eine lange Geschichte mit gebildeten Musikerfreundinnen. Meine erste Freundin aus Grundschultagen veröffentlicht inzwischen Arien auf youtube. Aber zurück zu meinem Job.

Jede Woche kam eine Postkarte mit den Terminen, zu denen du eingeteilt wurdest. Wie gesagt, ich habe da weniger Wert darauf gelegt, bei welchem Konzert ich arbeite.

Wir kamen alle in unseren Uniformen und versammelten uns vorher zur Ansprache von Herrn T. Der teilte uns auf die unterschiedlichen Blöcke ein, sagte irgendwas zu Besonderheiten, teilte uns mit, wann die Nachzügler denn in den Saal gelassen werden könnten. Die Uniform machte jedes Mädchen gleich. Die mit den Hennafarben in den Haaren, die mit den Dreadlocks, die mi den blonden Dünnen, alle. Alle sahen gleich aus. Es war echt der Wahnsinn.

Ich hatte diesen Job echt lange. Ich hatte dadurch auch eine Menge Geld. war ja noch zu D-Mark-Zeiten. Und man musste echt nichts machen. Einmal habe ich den Sommer/Winterzeitwechsel verpasst und kam eine Stunde zu spät. Als ich es gemerkt habe, schlich ich mich wieder raus und ging halt nicht zur Arbeit. Jeder wußte, dass sie auch immer mehr Mädchen eingeteilt haben als benötigt, weil es immer welche gab, die nicht auftauchten. So wie ich heute.

Zu meinem Abitur hab ich ein  oder zwei Monaten Pause gemacht und danach aufgehört. Irgendwann bin ich mal mit einer Freundin zu Tori Amos gegangen. Da waren wir im Gasteig und ich fragte das Mädchen in der Uniform, ob es immer noch die und die Agentur wäre, für die sie hier arbeitet. Sie bejaht und als ich fragte, ob man immer noch Postkarten bekäme. Da hat sie mich kurz irritiert angeguckt und gesagt, sie bekomme emails mit ihren Terminen. Darüber musste ich lange lange nachdenken. Und kam mir vintage vor.

Dreieckstuch stricken: Jane Eyre Shawl by literary knits

Wenn ich wieder anfange zu stricken, dann werden die Tage kürze und die Temperatur fällt. Stricken ist eine November-Beschäftigung.

Manchmal werde ich gefragt, wann ich denn das ganze Zeug mache und ich muss sagen: Abends vor dem Fernseher. Ehrlich, ich stricke und sehe fern.

Sehr oft passiert es aber, dass mein Strickzeug den ganzen Sommer über unberührt, aber dekorativ neben der Couch steht. und es erst wieder kälter werden muss, bevor ich es fertig stricke. So erging es diesem Stück.

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Ursprünglich wollte ich aus der Trachtenwolle tatsächlich eine Trachtenweste stricken, aber dann wurde die Wolle von Lana Gross mit Namen *Ascot* ein Dreieckstuch aus diesem wundervollem Buch (Link zu amazon):

Das Buch enthält verschiedene Entwürfe zu den Klassikern der englischsprachigen Literatur, so eine Weste inspiriert von Jack Kerouac, einen Pullover nach Moby Dick und eben Jane Eyre. Die Vorlagen sind mal für Frauen, mal für Männer, mal für Kinder. Ein wirklich schönes Buch zum Verschenken an StrickerInnen.

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Dieser Beitrag wird wieder verlinkt zu der Sammlung Rums – Rund ums Weib am Donnerstag. 

Alles digital. Über die sinnlose Effektivität unserer Zeit

Ich lebe gerne in diesen Zeiten. Schon öfters habe ich hier lang und breit aufgeschrieben, wie sehr ich den Luxus der Modernen genieße.

Ich muss das sagen, denn es folgt Kritik.

Und ich möchte nicht am Ende nochmal darauf hinweisen, wie glücklich und selbstzufrieden ich doch bin. Hier in meinem Leben.

Alles fing mit meinem Kindle an. Ich liebe mein Kindle. Unsere Beziehung verfestigte sich, als ich heimlich unter dem Gitterbettchen im schwachen Licht den Roman fertig las und gleichzeitig meine andere Hand zur Beruhigung auf den Bauch meines Säuglings legte. Wir konnten immer zusammen sein. Wog ja fast nichts, das dumme Ding. Ich konnte mich mit Wickeltasche und Wechselwäsche stundenlang auf irgendwelchen Spielplätzen rumdrücken. Am Ende – wenn meine Kinder dann doch im Kinderwagen schliefen – hatte ich immer Zeit für mein Kindle. Passte ja noch in meine Tasche.

Irgendwann hatte ich den Geruch von Papier fast vergessen. Ich vermisste auch nichts. Doch dann kehrte ich doch zu den Büchern zurück. In letzter Zeit schleife ich mein derzeitiges Lesewerk immer von Couch zum Bett und wieder zurück. Es zerfleddert unter meiner ständigen Benutzung und es riecht wieder nach Papier. Ich glaube, es liegt an der Überdosis. Wer nur noch digital ist, der mag auch mal was anderes machen. Ich lese ja nur noch am Computer. An irgendeinem.

Dabei war das gar kein so aktiver Akt. Die Sache mit dem Buch. Seit Jahren bin ich Mitglied der Büchergilde Gutenberg. Ich habe eine Kaufverpflichtung von 4 Büchern im Jahr. Machbar, sozusagen. In den letzten Jahren sind mehr Kinderbücher dazu gekommen. Trotzdem- in die Buchhandlung Moths am Isartor in München gehe ich bei meinen Stadtausflügen immer noch gerne. Jetzt habe ich den Buchkauf dieses Jahr ewig aufgeschoben und jetzt doch mal einen Roman für mich ausgesucht.

Und ich bemerke, dass ich unbemerkt seufzte, wenn ich in einer Fernsehserie der 90er eine Plastik- Kaffeemaschine sehe. Es gab mal Sachen, die konnten echt nur eine einzige Sache. Wie Kaffee. Keine Multifunkionsgeräte.

Da war ein Mixer noch ein Mixer und kein Thermomix.

Ein Buch noch ein Buch und keine digitale Bibliothek.

Ich will jetzt nicht jammern, aber ich jammere doch. Oft hänge ich an meinem Handy wie ein Junkie an der Nadel. Ich chatte, ich mache ein Foto, ich lese die Zeitung, ich beantworte eine whatsapp-Nachricht, ich schaue mal bei Facebook vorbei, da sehe ich meistens Nachrichten, dann lese ich einen Artikel.

Und am Ende sieht man mich nur ein dem kleinen Ding herumtippen.

Ich bin halt effektiv. Mein kleines Handy kann alles.

Ich könnte mit drei Geräten in den Urlaub fahren und wäre wochenlang beschäftigt.

Manchmal, wenn ich jetzt mein altmodisches Buch lese, möchten meine Kinder, dass ich ihnen daraus vorlese. Sie kuscheln sich zu mir und wollen von mir wissen, wo in dem Text ich gerade bin. Machmal benutze ich ihre Finger und wir streichen gemeinsam die gelesenen Wörter entlang.

Klingt höchst romantisch.

Klingt nicht nur so, ist auch so. Da bemerke ich, dass diese Welt für sie wohl völlig abstrakt ist. Mein Handy, das ein Foto ist, das eine Zeitung ist. Ich lege es weg und kaufe eine Zeitung aus Papier. Die wurde letztens zerknüllt und zum Herumschließen verwendet.

Und als ich schließlich einen Brief geschrieben habe, hat mein Sohn sehr wichtig danach gefragt. Ist mir bei den 1000 Emails davor noch nicht passiert.

Und da nehme ich mir vor, ab und zu uneffektiv zu sein. Mal so richtig die altmodische Sau raus zu lassen und Termine in ein Notizbuch schreiben oder so. Mal die Dinge wieder bisschen anschaulicher machen.

Aber damit meine ich auch, dass ich mal mehr darauf achte, dass ich mal nicht so brennend effektiv bin und alles in einem Gerät bündele und alles gleichzeitig erledige. Denn nachdem ich wirklich gut in der modernen Effektivität bin – während dieses Artikels habe ich im Internet herumgeturnt, nach einer Studie zum digitalen Lesen gesucht, die Fernsehwerbung auf lauflos geschalten und jetzt läuft die Ermittlung von Medical Detectives oder so ähnlich in stumm weiter, meiner Mutter über unseren Familienchat mitgeteilt, dass ich eine eingefrorene Suppe aus ihrem Gefrierschrank rausgenommen habe (ok, geklaut habe) und ja, das ist alles total praktisch. Aber nachdem ich hier wirklich ein Könner bin, auf gehobenem Level – muss ich euch leider mitteilen, dass die Zeit trotzdem nicht mehr geworden ist. Sind immer noch lächerlich kurze 24 Stunden, die so einen Tag ausmachen. Wird nie reichen -deswegen könnt ma mal auch bisserl mehr aufhören, es ständig zu versuchen.

 

 

das perfekte shirt – Burda 6911

Zugegeben, ich bin kein großer Burda-Fan. Die Mode finde ich meistens zu aufgesetzt, die Schnitte zu langwierig und verkünstelt.

Dazu kommt, dass Burda dich manchmal wenig schmeichelhafte Größen ausschneiden läßt. Da kann aus einer ehrlichen 42 gerne mal eine 46 werden, wenn du dich korrekt ausmisst. so was sollte doch nicht sein. Man sollte sich eher schlanker nähen als fetter.

Gut, aber dennoch ist es ein Burdaschnitt, den ich hiermit zu dem perfekten shirt küre. Wirklich perfekt und in der richtigen Größe.

Lillestoff Libellen Burda 6911

Man muss sich da bisschen durch die Beschreibung durchlesen, weil es zuerst nicht so aussieht, als ob das mit dem verdrehten Ausschnitt so passt, aber dann macht plötzlich alles Sinn.

Lillestoff Libellen Burda 6911

Der Stoff ist von Lillestoff und heißt Libellen. Google findet mehrere Anbieter. Ein Traum von einem Stoff.

Dieser Beitrag wird mit RUMS verlinkt.

 

 

Popcorn, überall Popcorn – wie man Popcorn selber macht

Es gibt tatsächlich nix auf dera Welt, was sich so einfach machen läßt wie Popcorn.

Und trotzdem verkauft sich des fertige Popcorn in den Plastiksäcken immer noch – völlig überteuert und pappsüß.

Zugegeben, ich war genauso…eine Fertig-Popcorn-Käuferin, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man ohne hypermoderne Maschine sowas wie Popcorn herstellen könnte. Ich habe einfach ned so weit gedacht. Ich war faul.

Aber jetzt ist freilich alles anders. Haha. Nein, ich bin immer noch faul, aber Popcorn machen wir inzwischen selber.

Man nehme handelsüblichen Mais. Hier ein Beispiel aus dem großen Reich von Amazonien.

Man nehme zwischen 50 und 70 Gramm. Das schaut wirklich nach wenig aus, aber des reicht. In einem Topf Öl erhitzen, so ein Spritzer Öl, einen kleinen Schwenk, dass grad so der Topfboden bedeckt ist. Und stellt so auf Stufe 6 oder 7 den Herd an. Also nicht superheiß, aber schon so ordentlich.

popcorn-selber-machen-2

Mais rein, Deckel drauf und warten – vielleicht 5 Minuten.
Dann kommen seltsame Geräusche aus dem Innenren des Topfes – es poppt geradezu auf. Vielleicht eine halbe Minuten, ich schüttle ein wenig am Topf bis es aufhört.

Öffnet man den Topf, sieht es so aus:
popcorn

Zucker drüber oder Salz. Ab vor den Fernseher, Wollsocken an, Regenwetter aus dem Wohnzimmer zuwinken.

Erzähl mir von….deinem ersten Konzert

Alle wollen vorwärts kommen. Zukunft, Kind, Karriereplan. Immer geht es um das Morgen. Aber wie war dein Leben denn, als du ein Kind warst? Wie war es denn als Teenager? Erzähl mal.

Larissa vom No Robots Magazine, Roxana vom early birdy und Sabine vom fadenvogel tauschen jeden ersten Sonntag im Monat Erinnerungsstücke aus. Ein Thema – drei unterschiedliche Texte, drei unterschiedliche Frauen, drei unterschiedliche Leben.

Mein erstes Konzert war ein Missverständnis und ist mir bis heute peinlich. Als Kind musste ich wohl zu David Hasselhoffs *I´ve been looking for freedom* getanzt haben – irgendwie waren meine Eltern der Meinung, ich wäre da ein Fan. Ohne jemals ein anderes Plakat als die Beatles in meinem Zimmer, trotzdem wurden mir mit 12 oder 13 Jahren CDs von David geschenkt. Klar, ich bin Generation Baywatch, aber ich hatte nie besonders viel übrig für diese Art von Musik.

Trotzdem habe ich mich gefreut. Man freut sich schließlich über Geschenke. Man bedankt sich, fällt demjenigen um den Hals. Der andere hat sich schließlich Gedanken gemacht.

Die vielen Missgriffe, die man macht. Vielleicht sollte man sein Herz im Gesicht tragen und seine Gefühle stets in Worte verpacken. Vielleicht sollte man nicht höflich sein, damit den Menschen um einem herum mitkriegen, wenn sie daneben liegen.

Vielleicht hätte ich die CD wieder zurückgeben sollen mit den Worten: *Du, ich finde das Lied zwar machmal ganz gut, aber der Typ ist nicht so meine Wellenlänge, sorry.*

Mache ich nicht. Ich bedanke mich und behalte Kram. Bis ich den Kram wegwerfe. Meinen Eltern gegenüber habe ich gelernt, die unnützen Dinge abzulehnen, aber in meinem jetzigen Leben sind andere Menschen, deren Kram ich sang- und klanglos behalte.

Zurück zu meinem Konzert.

Ich bin trotzdem mit meinem Vater bei David Hasselhoff in der Münchner Olympiahalle gewesen. Für mich ist das Thema Konzert seither total bizarr. Vielleicht hat mich dieses Erste auch sehr geprägt und ich habe mich einfach nicht mehr dafür interessiert. Ich gehe bis heute nicht gern auf Konzerte. ich mag die großen sowieso nicht und ich steh nicht besonders auf Selbstinszinierung. I´ve been looking for nothing, sozusagen.

Vielleicht spielt das Thema Musik doch eine zu geringe Rolle in meinem Leben.

Vielleicht liegt es auch an meinem Hören. Ich höre ständig zu. Mein Mann und ich sind deswegen im Radio-dauerclinch. ER will Radio hören, mich macht eine ständige Beschallung wahnsinnig.

Viellicht ist es das. Ich höre schon Musik. Mit Ohrstöpsel und alleine.

Zu ein paar Konzerten bin ich als Teenager aber gegangen, dennoch ich fand es immer anstrengend. Die Leute, mit denen du gehst, unterhalten sich. Der Musiker singt die ganze Zeit. Ich höre allen zu. Da muss die Musik schon ziemlich gut sein, dass ich das toll finde.

Zwischendurch war Britpop. Und, obwohl ich auch die großen Bands wie Oasis und Blur großartig fand – hatte eine Band *Olympiahallengröße* erreicht – no change.

Kein Wunder also, dass ich mich auch erinnern kann, alleine unterwegs gewesen zu sein. Fast jedes Jahr bin ich zu Noa gegangen. Da hörte ich gerne zu. Und musste auch niemanden sonst zuhören.

Seltsam finde ich das heute. Wenn ich das so lese, so wird mir klar, dass ich (wie alle anderen wohl auch) gerne anders gewesen wäre. Ich wäre gerne Teil einer Clique gewesen. Ich hätte gerne für die richtigen Jungs und die richtige Musik geschwärmt. Ich wäre gerne schlank und belesen gewesen. Statt dessen kann ich mich kaum konzentrieren, wenn mehr als 4 Leute gleichzeitig sprechen. Und wenn dann jemand auch noch singt – Gute Nacht. Manchmal passiert mir das heute noch. Wenn ich in einer Runde sitze und mehrere Gespräche laufen – dann sagt mir mein Gegenüber was und ich merke, dass ich nicht mehr richtig zuhöre. Weil ich zu vielen zuhöre. Dann konzentriere ich mich ganz stark auf mein Gegenüber oder rede selber. Oder so. Mein Mann sagt manchmal, ich könne abschalten. Ich kann mich so fokussieren, dass ich tatsächlich Dinge nicht mehr höre. Ich höre dann nicht, wenn mir jemand was erzählt. Dass heißt, hören muss man ja immer, aber ich verarbeite das Gehörte nicht mehr. Ich bin dann weg. Letztendlich bin ich eben ein Mensch der Stille. Kein Wunder, dass ich jetzt auf einem Feld hock. Und kein Wunder, dass ich nie auf einem Festival war.

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