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Erzähl mir von….deinem ersten Konzert

Alle wollen vorwärts kommen. Zukunft, Kind, Karriereplan. Immer geht es um das Morgen. Aber wie war dein Leben denn, als du ein Kind warst? Wie war es denn als Teenager? Erzähl mal.

Larissa vom No Robots Magazine, Roxana vom early birdy und Sabine vom fadenvogel tauschen jeden ersten Sonntag im Monat Erinnerungsstücke aus. Ein Thema – drei unterschiedliche Texte, drei unterschiedliche Frauen, drei unterschiedliche Leben.

Mein erstes Konzert war ein Missverständnis und ist mir bis heute peinlich. Als Kind musste ich wohl zu David Hasselhoffs *I´ve been looking for freedom* getanzt haben – irgendwie waren meine Eltern der Meinung, ich wäre da ein Fan. Ohne jemals ein anderes Plakat als die Beatles in meinem Zimmer, trotzdem wurden mir mit 12 oder 13 Jahren CDs von David geschenkt. Klar, ich bin Generation Baywatch, aber ich hatte nie besonders viel übrig für diese Art von Musik.

Trotzdem habe ich mich gefreut. Man freut sich schließlich über Geschenke. Man bedankt sich, fällt demjenigen um den Hals. Der andere hat sich schließlich Gedanken gemacht.

Die vielen Missgriffe, die man macht. Vielleicht sollte man sein Herz im Gesicht tragen und seine Gefühle stets in Worte verpacken. Vielleicht sollte man nicht höflich sein, damit den Menschen um einem herum mitkriegen, wenn sie daneben liegen.

Vielleicht hätte ich die CD wieder zurückgeben sollen mit den Worten: *Du, ich finde das Lied zwar machmal ganz gut, aber der Typ ist nicht so meine Wellenlänge, sorry.*

Mache ich nicht. Ich bedanke mich und behalte Kram. Bis ich den Kram wegwerfe. Meinen Eltern gegenüber habe ich gelernt, die unnützen Dinge abzulehnen, aber in meinem jetzigen Leben sind andere Menschen, deren Kram ich sang- und klanglos behalte.

Zurück zu meinem Konzert.

Ich bin trotzdem mit meinem Vater bei David Hasselhoff in der Münchner Olympiahalle gewesen. Für mich ist das Thema Konzert seither total bizarr. Vielleicht hat mich dieses Erste auch sehr geprägt und ich habe mich einfach nicht mehr dafür interessiert. Ich gehe bis heute nicht gern auf Konzerte. ich mag die großen sowieso nicht und ich steh nicht besonders auf Selbstinszinierung. I´ve been looking for nothing, sozusagen.

Vielleicht spielt das Thema Musik doch eine zu geringe Rolle in meinem Leben.

Vielleicht liegt es auch an meinem Hören. Ich höre ständig zu. Mein Mann und ich sind deswegen im Radio-dauerclinch. ER will Radio hören, mich macht eine ständige Beschallung wahnsinnig.

Viellicht ist es das. Ich höre schon Musik. Mit Ohrstöpsel und alleine.

Zu ein paar Konzerten bin ich als Teenager aber gegangen, dennoch ich fand es immer anstrengend. Die Leute, mit denen du gehst, unterhalten sich. Der Musiker singt die ganze Zeit. Ich höre allen zu. Da muss die Musik schon ziemlich gut sein, dass ich das toll finde.

Zwischendurch war Britpop. Und, obwohl ich auch die großen Bands wie Oasis und Blur großartig fand – hatte eine Band *Olympiahallengröße* erreicht – no change.

Kein Wunder also, dass ich mich auch erinnern kann, alleine unterwegs gewesen zu sein. Fast jedes Jahr bin ich zu Noa gegangen. Da hörte ich gerne zu. Und musste auch niemanden sonst zuhören.

Seltsam finde ich das heute. Wenn ich das so lese, so wird mir klar, dass ich (wie alle anderen wohl auch) gerne anders gewesen wäre. Ich wäre gerne Teil einer Clique gewesen. Ich hätte gerne für die richtigen Jungs und die richtige Musik geschwärmt. Ich wäre gerne schlank und belesen gewesen. Statt dessen kann ich mich kaum konzentrieren, wenn mehr als 4 Leute gleichzeitig sprechen. Und wenn dann jemand auch noch singt – Gute Nacht. Manchmal passiert mir das heute noch. Wenn ich in einer Runde sitze und mehrere Gespräche laufen – dann sagt mir mein Gegenüber was und ich merke, dass ich nicht mehr richtig zuhöre. Weil ich zu vielen zuhöre. Dann konzentriere ich mich ganz stark auf mein Gegenüber oder rede selber. Oder so. Mein Mann sagt manchmal, ich könne abschalten. Ich kann mich so fokussieren, dass ich tatsächlich Dinge nicht mehr höre. Ich höre dann nicht, wenn mir jemand was erzählt. Dass heißt, hören muss man ja immer, aber ich verarbeite das Gehörte nicht mehr. Ich bin dann weg. Letztendlich bin ich eben ein Mensch der Stille. Kein Wunder, dass ich jetzt auf einem Feld hock. Und kein Wunder, dass ich nie auf einem Festival war.

2 Comments

  • Roxy
    2. Oktober 2016 at 21:54

    Das mit dem ewigen Zuhören verstehe ich ziemlich gut. Bei mir kommt noch erschwerend hinzu, dass ich als sehr kurze Person auf Konzerten meist eh nur den Rücken der Vorderperson sehe. Deshalb gehe ich schon seit längerer Zeit nicht gerne in große Konzerte und wenn ja, dann nur wenn es Sitzplätze gibt…
    Aber hey, David ist immer noch besser als mein erstes Konzert 😉 (oder?)

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  • uli
    3. Oktober 2016 at 17:12

    Ich tu mich sehr schwer, mich zwischen David und BSB zu entscheiden, nein David ist cooler. Aber er hat bis heute noch ganz großen KITT-Bonus 🙂 ich war ja doch eine Boyband-Generation vor euch, konnte mit TT aber auch nix anfangen. Als Acdc-Fan war ich in der katholischen Mädchenschule eh totaler Outlaw.

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