Kategorie: Rabeneltern (Seite 1 von 7)

Kriegsgebiet Elternschaft – Freud und Leid

Freud und die Kinder: Die Grenzen der guten Erziehung

Manchmal muss man sich ja um die großen Dinge Gedanken machen. Erziehung, zum Beispiel.  Was ist das eigentlich genau?  Gute Erziehung, schlechte Erziehung.  Sagt man ja, wenn es um das Benehmen von Menschen geht. Wie benimmst du dich denn? 

Ich bin Mutter von drei Kindern, eines ist grad 1 Jahr alt. Ich sag das nicht, weil ich irgendwie dadurch eine Expertin bin, aber im Bedürfniskatalog von Kleinkindern. hey, da kenn ich mich aus.

Nach Freud besteht die menschliche Psyche ja aus drei Instanzen: dem Es, dem Ich und dem Über-ich. Oder: der Forderung, der Reaktion und dem Werte-Katalog.  Aus dem Es kommen die Bedürfnisse, die Instinkte. Sie kommen in das Ich und werden von dem Über-Ich gelenkt. Das Über-Ich kontrolliert, ob das Bedürfnis jetzt befriedigt werden kann oder nicht. Ob das grad gesellschaftstechnisch geht, ob das Bedürfnis jetzt grad irgendwie *in Ordnung * ist. Und das Ich ist dann das Ergebnis, dass ständig versucht zwischen dem ES und dem Über-Ich zu vermitteln. Ein stressiger Job. Könntest du bitte mit dem Essen warten, bis alle am Tisch sitzen? Klar, gar kein Problem…

Als mein Tag noch daraus bestand, kluge oder unkluge  Dinge zu lesen, fand ich das interessant genug, es mir zu merken. Normalerweise bin ich keine Philosophin. Schopenhauer hat mir meine erste Liebe ruiniert. Mir reicht´s mit den alten Herren. Aber, trotzdem, manchmal kommt mir noch Freud in den Sinn.

Mal offensichtlich, was Freud von Erziehung hielt. Dieses dunkle konfuse ES in den Griff zu kriegen, indem man als Eltern das Über-Ich ersetzt und formt, damit das ICH dann hoffentlich mal selber ein gut funktionierendes Über-Ich besitzt.

Kann ziemlich schief gehen. Das hat Freud auch gewußt.

Mein jüngstes Kind ist grad eine wundervoll knuddelige ES-Wolke.  Auf Normen wird geschissen. Bedürfnisse werden durchgesetzt. Keine Rücksicht auf Verluste.

Zu Beginn so eines Menschenlebens sind die ES-Impulse ja überschaubar: Hunger, Schlafen, Liebe. (Da halt ich mich ja nicht so an Freud, ich weiß)

Aber es kann auch da schon differenzierter werden: Heiß, Kalt, dunkel ,hell…und mit jedem Monat wird es ja unübersichtlicher und dann fängt man meistens an zu raten. Magst du den Ball? Magst du nix essen? Ach nee, du magst essen, aber selber. Cool. …..Äh, nein, wir werfen nicht mit Essen nach der Mama. . Aber das Beste an Babys ist ja, dass sie alle so herrlich unterschiedlich sind. Wie viel Schlaf, wie viel Nähe, wie viel Hunger – da gibt es ja nur Richtwerte. Ungefähre Abschätzungen. Da gibt es Kinder, die schlafen wenig. Da gibt es Kinder, die schlafen viel. Da gibt es Kinder, die essen wenig. Da gibt es Kinder, die essen viel.

Und immer irgendwo eine Mutter, die ganz ängstlich auf die Nachbarbabys schaut, um herauszufinden, ob sie denn all diese ES-Laute richtig erkennt und befriedigt.

Und immer irgendwo eine Mutter, die die Nase rümpft, nur weil sie das unverschämte Glück hat, dass ihre kleine ES-Wolke grad bedürfnisskompatibel ist mit dem Rest des Raumes. Denn nur das ist es: Glück. Das hat nichts mit dir und deinen Erziehungsnormen und Werten zu tun. Es ist einfach grad gut gelaufen.

Gut, irgendwann hört das auf. Irgendwann hat es dann doch mit dir zu tun. Der Übergang ist schleichend, aber vorhanden. Kinder haben feine Antennen. Die wissen ganz genau, was dir wichtig ist und was nicht und sie versuchen, ihr kleines gepflegtes ES zu befriedigen. Das ist ja auch ihr gutes Recht. Und es ist ja auch schön, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse so erforschen. In gewisser Hinsicht sind sie herrlich gesund. Sie hören auf sich und ihr Inneres.

Die Frage ist dabei, dass man ihnen sanft und ehrlich beibringt, damit den Rest der Menschheit nicht zu stören.  Wobei, auch das ist ja Blödsinn, denn in gewissen Momenten sollen sie ja eben nicht geräuschlos bleiben: bei Ungerechtigkeit aufstehen, bei Fehlern dagegen sein. Also: Stör mit deinem Bedürfnis nicht den Rest der Menschheit, aber sei bitte im richtigen Moment ein Held.

Freud ist ja auch schon überholt. Keine Ahnung, wie und ob das geht. Wenn ich hier rumbrülle, weil irgendjemand mal wieder igendeinen Kacka gemacht hat, dann frag ich mich schon, warum mir das so wichtig ist grad. Wegen mir? Bin ich eine kleine ES-Wolke grade?

Wenn Kinder so bedürfniskompatibel mit dem Leben der Eltern mitlaufen, macht man sich ja wenig Gedanken um Erziehung. Lustig wird es erst bei Konflikten. Wenn in Familien der Bedürfniskampf ausbricht.

In unserer Gesellschaft suchen wir immer nach der allgemein gültigen Norm: Vereinbarkeit, Krippen, Stillzeit – wie lange, wie viel, blabla. Da gibt es die Mütter, die behaupten, nur als Hausfrau kann man den Bedürfnissen gerecht werden. Da gibt es die Mütter, die behaupten, dass ein Kind ab einem Jahr vollbetreut werden sollte, weil man selber einfach arbeiten gehen muss.

Ich glaube, dass ist alles Schall und Rauch.

Es gibt nicht *das Kind und sein Bedürfniss* – es gibt nur lauter kleine verschiedene Menschen und wenn du es nicht zu extrem hälst, kannste ein Kind haben, dass sich super gut in deinen eigenen Bedürfniskatalog eingliedert. Vielleicht aber auch nicht. Und wenn nicht, dann ist es sehr hilfreich, das Bedürfnis zu kennen und nach irgendeinem Befriedigungsmodus zu suchen. Das kann kompliziert sein. Mehr Nähe, andere Nähe, vielleicht auch das Bedürfnis, dabei zu sein. Wo dabei? Kann man etwas machen, wo das geht?

Am einfachsten erscheint es, einfach genug Zeit und Geld zu haben, dass man alle Bedürfnisse von Kindern stillt. Geile Lösung der Cappuccino-Fraktion. Im Erwachsenen-Leben geht das bestimmt gut aus, wenn man gewohnt ist, dass man kriegt, was man will. Immer. Hauptsache, man hört mit dem Gebrüll auf.

Es gibt nicht *die Lösung*. Wenn es in deinem Leben also grad total harmonisch läuft, dann hat das nichts damit zu tun, dass du irgendwas *richtig* gemacht hast und die anderen irgendwas *falsch*. Es liegt daran, dass du grad das Glück hast, ein mit deinen persönlichen Möglichkeiten zufriedenes Kind zu haben.

Und wenn dein Kind grad sich auf den Boden wirft und versucht, mit allen Mitteln das Bedürfniss zu stillen, dann genieße die Fahrt in den Urinstinkt. Das ist okay. Brüllst du jetzt, weil es um Leben und Tod geht? Bist du in ernsthafter Gefahr? Nein? Okay, es ist okay, das Überraschungsei an der Supermarktkasse zu wollen, aber ich als dein Über-Ich habe grad gesagt, dass das nicht geht. Und ich bin ein gutes Über-Ich. ich knicke jetzt nicht ein, nur weil du so laut und wütend um die Ecke kommst. Ich halte auch die Blicke der anderen aus und mein eigenes Bedürfnis (leise, sauber und gepflegt dazustehen?) Ich kann das aufgeben. Ich kann mich von den anderen anstarren lassen. Weil du und dein Benehmen mir wichtiger sind. Ich kann konsequent bleiben. Pass auf. 

Eigentlich ist so ein harmonisches Familienleben ja nur ein Ausbalancieren der verschiedenen Bedürfnisse, wobei die Regel gilt: je jünger das Mitglied, desto weniger Kompromissbereitsschaft ist vorhanden. Aber, wenn man ganz viel Glück und ganz viel Geduld hat, baut sich diese Kompromissbereitschaft ja aus. Kinder lernen ja, was ihren Erziehern wichtig ist und was nicht. Kindern haben Antennen. Und, wenn man sich vorhersehbar verhält und dann auch mal so völlig blödsinniges Kinderbedürfnis nach Pommes mit Honig (bildhaft gesprochen) erfüllt, na, dann wird das auch mit dem Kompromiss: Ich achte auf dich. Du kriegst, was du brauchst. Versprochen. Soll  auch.  Sozial verträgliche Zufriedenheit und so. Das wär doch so ein gutes Erziehungsziel.

Hallelujah,

Das ist  kein Können,wenigstens nicht nur,  das ist auch eine Menge Glück. Und ab und zu mal ein Gedanke daran, was dahinter steht. Hinter dem Benehmen.

Patchwork von Uwe Rosenberg: Spiel für Alle

Die Tage werden länger, die Kinder größer und irgendwann kommt die Stunde, auf die erwachsene Spieler warten: Kinder, die Erwachsenenspiele mitspielen und toll finden.

Yeah!

Eines meiner persönlichen Lieblingsspiele ist das 2-er Spiel *Patchwork* von Uwe Rosenberg. Ok, thematisch auch nah an mir dran, denn es ist tatsächlich *Patchwork* im Sinne von *Flickennähen* gemeint.

Bei Patchwork baut jeder Spieler aus verschiedenen *Flicken*, die man nach einem einfachem Muster erwerben kann, einen kleinen Teppich zusammen. Ein *Bauspiel*, bei dem es mal nicht um Rohstoffe wie Fisch oder Lehm geht, sondern um ein Quadrat. Sehr abstrakt eigentlich.

Das Spiel ist hochwertig gemacht, die Währung sind Knöpfe und Zeit. Herrlich.

Im Netz sind  manch männliche Spieler davon begeistert, weil es sehr geometrisch, klar und strategisch ist und die hübschen Fleckenuntensilien, die ich ja schön finde, wohl grundsätzlich ignoriert werden.

Meine Quelle für neue Spiele und Rezensionen ist der youtube-Kanal

„Hunter  & Cron“.  , die hier mit einer Bestenliste verlinkt sind. In dieser Top 10 aus dem Jahre 2016 liegt *Patchwork* bei meinen beiden liebsten Nerds aus den 90ern auf Platz 1. Die Spielerszene ist echt begeistert und so sind wir es hier auch. Vor allem, weil das Spiel eben kein *Kinderspiel* ist, sondern einfach ein Spiel. Für alle.

Andere Artikel zum Thema Brettspiele aus diesem Blog:

Spiel für Kinder

Spiel für zwei Spieler

 

Da es echt so eine Sache ist mit den glücklichen Momenten und weil sie manchmal selten sind und noch seltener abfotographiert werden, wird dieser Beitrag geteilt auf dem Freu-Tag. Eine Linkparty, gie genau solche Momente sammelt: die glücklichen.

 

Spiele spielen: das schönste Gesellschaftsspiel für Vorschulkinder

So, kurz vor Weihnachten möchte ich Euch ein paar Gesellschaftsspiele vorstellen, die wir in den letzten Monaten gespielt haben. Dabei muss man wissen, dass diese Vorlieben natürlich total individuell sind. Meine Zwillinge sind nämlich sehr unterschiedliche Spieltypen. Das kann von Vorteil sein, weil sie permanent Kompromisse schließen. Das kann vor Nachteil sein, weil sie ständig Kompromisse schließen müssen.

Mein Kind mit den vielen kleinen Herzen im Brustkorb ist ein Rollenspieler durch und durch. Wenn wir ein Gastkind haben mit einem hohen Sinn für Rollenspiel, dann bietet er Dinos, Schlangen und Hunde an. Mädchen sind ebenso beliebt bei ihm. Vater-Mutter-Kind oder Pferde mit Flügeln – kein Thema für ihn.
Ein Kompromiss ist für ihn, wenn ein Kind mit weniger Lust auf Rollenspiel kommt (und das ist sein Bruder meistens eben auch), dann versucht er es mit Ninjago oder Kämpfen. Er kann sich stundenlang in seiner eigenen Geschichtenwelt bewegen. Für ihn ist es also wichtig, dass wir den Anteil an Rollenspiel nicht zu kurz kommen lassen – es muss zumindest eine Geschichte dabei sein.

Mein Kind mit dem einen großem Herzen ist ein Erbauer. Er mag Konstruieren – Lego, Bausteine, Kugelbahnen. Er mag es, wenn die Welt strukturiert und mit Regeln daherkommt. Gesellschaftsspiele sind für ihn ein sehr großes Thema.

Ihr seht, die Kunst ist nun, diese beiden Typen zu vereinen und sie gemeinsam ein Gesellschaftsspiel spielen zu lassen, dass ihnen beiden Spass macht.

Not an easy job.

Dschungelbande

Da erste Spiel, das ich euch gerne ans Herz legen möchte, ist die Dschungelbande. Leider ist die Geschichte nicht so wichtig für das Spiel, machen also eher das Setting aus: Verschiedene Tiere rutschen verschiedene Wasserrutsche hinunter. Dabei werden von vier rutschenden Tieren immer zwei verdeckt. Der Spieler muss sich jetzt merken, welche zwei Tiere das sind, weil man kann nämlich nur vorwärts gehen, wenn man genug von einer Tierart sieht. Kommt man also mit *Affen* diesmal weiter, so legt man ein Plättchen so an eine der Rutschen, dass möglichst viele *Affen* zu sehen sein werden, wenn das neue Tier anfängt zu rutschen. Dazu muss man sich natürlich merken, wo sich diese verstecken. Eine Form des Spiels *memory*. Für mein Baumeister/Regel-Kind ein tolles Spiel. Für den Rollenspieler eher mau, aber er sieht ganz gerne zu.

Spiegelspukschloss

Spiele von dem Verlag *Die drei Magier* haben den Vorteil, dass immer mehr Geschichte dabei ist. Bei diesem Spiel geht es darum, herauszufinden welcher Geist ein echter Geist ist und welche nur verkleidete Kinder sind. Der echte Geist hat nämlich kein Spiegelbild, d.h. die Spiegel klappen nach unten weg. Wir leihen die meisten Spiele aus und hier war ein Spiegel schon beschädigt, was für uns bisschen blöd war, aber es ist wirklich eine schöne Spielvariante.

Das magische Labyrinth

Beim magischen Labyrinth wird mit Magneten gearbeitet. Unter dem Spielbrett sind Mauern gesteckt, die eine Magnetkugel von der Spielfigur trennt und so weiß man überhaupt, dass eine Mauer da ist. Ansonsten muss man eben durch das unsichtbare Labyrinth ziehen und seine Figurenplättchen zusammensuchen…eigentlich ein total schöne Spiel, aber ich fand es echt noch bisschen zu schwer für Vorschulkinder – ein gutes Spiel für ab der 1. Klasse. Vielleicht auch etwas, um jüngere Geschwisterkinder mit einzubeziehen.

Schach

Keine Angst vor den Klassikern. Eigentlich spielen wir sehr viel sehr klassische Spiele. Schach war ein Wunsch von meinem Baumeister-Kind und ich verstehe es. Ist es doch ein Spiel ganz ohne Zufall oder Glück. Beim Schach kommt es nur auf das eigene Können an. Hier seht ihr eine der Varianten für Vorschulkinder: man stellt alle Bauern auf und dann dürfen die Bauern auch nur so ziehen, wie die eben können. Zwei Felder zu Beginn und ein Feld immer vorwärts. Gewonnen hat der, der als erstes einen seiner Bauern ganz zum Spielfeldrand gebracht hat. Dabei wird natürlich ganz normal geschlagen. Interessant ist hier, dass sich für Kinder ja mitten im Spiel das Ziel verändert: Zuerst schützen sie ihre Bauern, aber dann muss man ein paar opfern, damit es einer schafft bis zum Rand des Gegners zu kommen. Das fällt natürlich total schwer, ist aber auch bisserl aufregend. Es gibt auch andere Varianten für Kinder. Ich schreib da mal was drüber….

Der verzauberte Turm

Jetzt kommt das Spiel, dass wir uns auch echt kaufen werden, weil es alle Bedürfnisse hier abdeckt: eine Geschichte, Rollenspiel und Regeln. Great.

Eine Prinzessin wurde von dem Zauberer Rübenzahn in einen Turm gesperrt. Dabei hat der Zauberer das Schloss verzaubert und den Schlüssel im Zauberwald versteckt. Ein Kind spielt jetzt den Zauberer und versteckt den Schlüssel. Die anderen Kinder gehören zum Team Robin, der versucht, den Schlüssel zu finden.

Es gibt zwei Würfel, die gleichzeitig geworfen werden. Alle Kinder bleiben so immer wachsam und beim Spiel. Ein Würfel entscheidet, ob Team Robin zuerst ziehen kann oder der Zauberer. Der andere Würfel bestimmt, wie viel Felder. Der Zauberer und Robin gehen also durch den Zauberwald und während der Zauberer genau weiß, wo der Schlüssel ist, muss Robin ihn suchen. Er beobachtet dabei den Zauberer und ist aber bisschen schneller unterwegs. Schließlich findet einer den Schlüssel und steckt ihn in eines der 6 Schlösser am Turm. Weder der Zauberer noch Robin wissen, welches das richtige Schloss ist. Wenn die Prinzessin in die Höhe springt, dann ist das Spiel vorbei. Wenn sie das nicht tut, fängt alles von vorne an. Mit dem einzigen Unterschied, das der Zauberer den Schlüssel nicht an derselben Stelle verstecken darf. Es werden also immer weniger Verstecke.

Ihr seht, so viele tolle Dinge kommen vor: Schlüssel, Rollen, Geschichte, Suchen, Würfel….ein Geschenk vom Christkind. Definitiv.

Samstagskaffee und ein Tag für Zwillinge

Aus der Sicht einer Zwillingsmutter war heute ein wichtiger Tag. Heute war der erste Kindergeburtstag, an dem nur einer der beiden Jungs eingeladen wurde.

Das muss man sich kurz plastisch vorstellen: Ich packe alle drei Kinder ins Auto und fahre zum Haus des Geburtstagskindes. Während dem Baby alle Feierlichkeiten noch herzlich egal sind, steigt von den übrigen Zweien nur einer aus und der andere bleibt sitzen. Ich finde, dass das ein ganz schön harter Moment ist, vor dem ich mich auch ein bisschen gefürchtet habe.

Aber es traf mein durchwegs gesundes Kind: der rief nämlich dem Kindergartenfreund fröhlich aus dem Autofenster einen schönen Geburtstag zu. Ich kenn auch andere Geschichten von Zwillingsmüttern, bei denen dieser Tag voll das Thema war. Gut, das zurückgelassene Kind durfte ein Gastkind einladen. Beim Mittagessen haben die beiden dann besprochen, ob mein Kind nicht gleich zu dem Gastkind ziehen könnte.

Ich glaube, es ist immer schwierig bei Geschwisterkindern, warum der eine jetzt da hindarf und er andere nicht. Eltern reden da ja gerne ihren Kinder die Welt schön. *Mädchengeburtstag – jetzt lass doch deine Schwester hin.* * das ist halt ein Geburtstag für die Kleinen. Du bist da schon zu groß:* Blablabla. Meine Kinder sind beides Jungs (nichts mit Gender-Ausreden) und mein einer Sohn ist genau eine Minute älter als der andere (nichts mit *Babygeburtstags-Begründungen). Bei uns ist es halt so wie es ist: das Geburtstagskind mag den einen und den anderen halt nicht.

Für Mütter ein total einfaches Thema. ich geh ja auch nicht zu deinem Kind und sag ihm, dass es nicht zu uns kommen darf, weil es zu laut ist. Oder zu anstrengend. Oder weil ich seine Mutter nicht mag.

Aber die ganzen schweren Brocken zerbröselten. Klar, a weng geweint hat mein Nicht-Eingeladener schon im ersten Moment. Ein bisschen schwierig war es dann schon, weil er ja auch nicht blöd ist. Aber als ich ihn bei Wegfahren fragte, ob ihm das jetzt was ausmacht, dass er da nicht dabei ist, da hat er kurz überlegt und gesagt: Nö.

Thema gegessen.

Irgendwie ist jetzt Nachmittag und der Tag mit Gastkind/Geburtstagsfeier/Babyschlaf ging einfach so vorbei. Wie schön. Ich kenne Zwillingsmütter, bei denen war es anders.

Dinge, die sich lohnen: Hörbert

Viele Eltern kennen den Holzkasten. Und finden ihn zu teuer für einen Kinder-Abspielgerät. Und kaufen haufenweise Plastik aus China, billig und schnell wieder kaputt. Und damit liegen die meisten deutlich über den Preis für den Hörbert. Denn eines kann ich euch sagen: Er hat bis jetzt 3 Jahre Zwillingshaushalt überlebt – ohne einen Tag Mucken zu machen.

Dabei ist er von Betten geflogen, wurde wild herumgedrückt, ist vergessen worden zwischen Kissen, wurde mal an die Wand gefeuert – alles ohne zu Bruch zu gehen.

Deswegen bin ich so ein Fan. Er ist nämlich großartig und hat eine extrem gute Akustik.

Kauft das Ding, falls ihr noch überlegt.

Dabei muss man den Hörbert aber immer selber bespielen. Das heißt man setzt sich als Eltern abends an seinen Rechner, nimmt den Chip aus dem Gerät raus, lädt sich so eine Software runter und überlegt dann, welche Hörspiele und CDs auf den Hörbert übertragen werden sollen.

Ja, das ist Arbeit.

Ja, ich habe mal ein Jahr den Hörbert mit immer den gleichen Sachen gehabt, weil ich zu faul war, meinen Kindern irgendeine geile Abwechslung zu bieten.

Ja, Kinder stehen auf Wiederholung und wollen nur die eine Pumuckle-Folge monatelang hören.

Perfekt.

Dazu kommt jetzt, dass ich ein Fan bin von Hörspielen.

Letztens habe ich folgende Seite entdeckt: OHRKA

Meine Söhne stehen total auf Baron Münchhausen und überlegen noch, ob sie Alice im Wunderland doof finden. Schaut auf der Seite vorbei, lohnt sich.

Und nein, ich habe von Hörbert nix dafür bekommen, dass ich hier so Lobeshymnen anstimme. Das ist keine Werbung, sondern eine Liebeserklärung.

 

Die Flut, die Alge und ein drittes Kind

Ja, das war eine lange Pause. Fast über einen Monat kein Wort ans weite weite Internet. Aber dafür gibt es natürlich wie immer gute Gründe.

Es wurde hier nämlich ein Baby geboren.

Ja, jetzt sind es drei Kinder. Zwillinge mit inzwischen stolzen 5 Jahren und ein kleiner Käfer, um die Crew komplett zu machen.

Wenn man den Partner für´s Leben gefunden hat, dann sind ja innerhalb so einer Partnerschaft bestenfalls zwei Menschen. Na ja, kommt wieder darauf an. Gibt auch Partnerschaften mit mehr als zwei Menschen, aber das führt jetzt zu weit. Kommt ein Kind dazu, wird es zu einer Familie – doch jetzt, und das merken wir hier sehr wohl – sind wir nicht mehr zwei und zwei, sondern die Kinder sind uns zahlenmäßig überlegen.

Kinder sind wie Wasser. Schlupfen durch alle Nischen, schäumen sich in Rage, plätschern vor sich hin, überwinden jedes Hindernis und sehen doch meistens völlig harmlos aus. Fast harmonisch still, wenn man sie photographiert. Drei Kinder können wie eine Flut sein. Zack und weg. Ertrunken im Chaos des Augenblicks.

Bist du wie ein störrischer alter Baum, der denkt, dass es immer schon so war und deswegen muss es jetzt auch so sein. Hast du richtig tiefe Wurzeln und glaubst nicht daran, dass diese Kinderflut dir irgendwas antun könnte – tja, dann knickst du um.

So einfach ist es.

Nichts läuft so, wie du dir das erdacht hast. Stur einem Plan zu folgen, das nützt gar nichts mehr. Klar, du kannst so grobe Eckpunkt haben – Essen, schlafen, duschen.

Ansonsten musst du dich den Elementen anpassen und eine kleine Alge im Wasser werden. Lass dich hin und hertreiben – reg dich nicht auf. Pass dich an – am Ende wirst du sowieso am Strand landen. Hauptsache, du stellst dich nicht gegen die Flut.

Gut, das ist natürlich übertrieben, aber ich stelle mir oft vor, eine Alge im Wasser zu sein. Ich versuche, mich nicht aufzuregen, wenn was nicht nach meinen Plan läuft. Ich versuche, keine Energie an Dinge zu verschwenden, die ich eh nicht ändern kann.

Das ist und war ein langer Weg bis dahin. Manchmal gelingt es mir nicht. Manchmal schon.

Ein Beispiel.

Heute war Musikschule. Einer meiner älteren Söhne möchte da immer ganz besonders pünktlich abgeholt werden. Die Kinder kommen vom Keller rauf und die meisten Mütter sitzen dann schon oben und warten. Mein Sohn wünscht sich auch, dass ich oben sitze und warte. Das gelingt mir nicht immer.

Heute hatte ich aber den Mega-Plan: ich wollte vorher mit dem Säugling zum Einkaufen fahren und dann – natürlich pünktlich – zur Musikschule zu kommen. Ich fuhr los – früh genug. Mein Baby wacht aber auf, als ich es vom Auto raushole. Aufwachen heißt noch essen. Also baue ich den ganzen Kinderwagen am Parkplatz des Supermarktes zusammen. Und setzte mich dann wieder auf den Beifahrersitz, um zu stillen.

Er schläft tatsächlich dann die ganze Penny-tour durch.  Am Kassenband habe ich – wichtig, weil ich nix gekocht habe – das Essen so schon hingelegt, dass ich die Dinge, die ich jetzt direkt zu den Großen mitnehme, bereits oben im Kinderwagen verstauen kann. Alles läuft. Hinter mir eine Riesenschlange. Die Kassiererin ist nicht die schnellste. Läuft trotzdem noch.

Ich verstaue alles, zücke meine Karte und  – gebe die Geheimzahl falsch ein. Ich muss mich konzentrieren, aber es wird nicht. Es wurde auch nix mehr. Mein permanenter Baby-Schlafmangel hat diese Information gelöscht. Ich fühle direkt das Loch in meinem Kopf. Ein Nebel aus Stilleinlagen, Kopfläusen und Geburtstagswünschen.

Meine Karte ist jetzt gesperrt. Normalerweise wimmelt es in diesem Kack-Dorf-Supermarkt immer von Müttern, die ich kenne und vielleicht anschnorren könnte, aber heut natürlich nicht. Ich gebe meinen kompletten Einkauf zurück – unter den zischenden Augen der Kassiererin. Die zischen wirklich. Sie rollt und rollt und ihre Kollegin rollt auch. Habe schließlich Sachen besorgt, bei dem die Kack-Kühlkette jetzt unterbrochen ist.

Aber ich bin fast erstaunt. Ich ärgere mich gar nicht. Weder über mich, noch über die zischenden Augen, noch über die wartende Schlange, die mich beobachtet. Das Baby schläft nämlich immer noch, mein Sohn wird pünktlich abgeholt. Ich bin eine Alge. Gut, das Chaos war total selbstgemacht. Das Chaos ist immer müttergemacht. Kinder machen kein Chaos. Sie haben nämlich keine Ahnung, wie es eigentlich sein sollte. Trotzdem hat es kein  Kind schließlich veranlasst, dass ich mich nicht mehr an meine Geheimzahl erinnere. Trotzdem ist es typisch für diese Tage. Wenn was klappen soll, klappt es nicht. Wie ein Gelassenheit-test…Neee, bringt mich nicht um. Next round.

Solange das Baby schläft, ist eh alles gut. Solange das Baby isst, ist alles gut. Solange die Zwillinge sich wegen was den Ast ablachen, ist alles gut.

Ich packe also mein Baby wieder in das Auto, klappe den Kinderwagen auseinander, zusammen, mache ihn klein, verstaue ihn auch und fahre zur Musikschule.

Jetzt muss ich essentechnisch improvisieren, was in modernen Haushalten ja Nudeln mit Butter bedeutet, aber es gab tatsächlich auch Tomaten – die Zwiebeln sind mir nur verbrannt, weil einer der Zwillinge nur unter heulenden Protest seine Kindergartentasche aus dem Auto holen wollte. Aber ich kann hier nicht alles machen. Irgendwann müssen halbe Vorschulkinder ihre Sachen auch selber tragen. Aber es war trotzdem kurz ein Drama deswegen ausgebrochen. So geht das ewig weiter. Und ich bin eine Alge.

Passt auch, hat schließlich auch die ganze Zeit geregnet.

Am Ende hat mein Mann nach seinem Termin noch einen Haufen Essen aus dem Supermarkt geholt. Ein Jäger. Das ist auch Liebe.

Joghurtbombe

Ganz ehrlich, ich mag die Frauen aus dem Alpenland. Im Prinzip schütteln die nämlich mit Thermomix und kitchen aid ausgestattet gerne mal eine Sonntagstorte aus dem Ärmel. Oder laden zum üppigen Frühstück ein. Man darf sich da nur nicht unter Druck setzen lassen. Tue ich auch nicht. Wer mich einlädt, der bekommt vielleicht ein besticktes Geschirrtuch oder mal nen Sandkuchen oder so. Ich bin nämlich weit entfernt von den Primabella-Köchinnen, aber noch ist das nicht so aufgefallen (hoffe ich). Ich schätze vor allem eine beliebte Frühstücksgabe hier: die Joghurtbombe. (an dieser Stelle möchte ich den italienisch-bayerischen Kaffeetisch, der Bad Heilbrunn für das letzte Kaff auf Gottes weiter Erde hält, ausdrücklich danken)

Und die ist so einfach zu machen, damit habe selbst ich schon Pfingstsonntag bei der Horde Besuchskinder geglänzt.

Joghurtbombe

500 g Joghurt

60g bis 120 g Zucker

Vanillezucker

2 Becher Sahne

Selbst wenn man beim Zucker deutlich variieren kann, das da bleibt eine Nachspeise…bisschen wie Schokolade zum Frühstück.

Am Abend schlägt man die Sahne steif und rührt sie unter den Joghurt mit dem Zucker. Man kann auch einen Spritzer Zitronensaft dazutun. Danach füllt man die Masse in ein mit einem Geschirrtuch ausgelegten Sieb und lässt die Flüssigkeit über Nacht im Kühlschrank abtropfen. Der Joghurt wird dann wie Fruchtzwerge steif und läßt sich am nächsten Tag *kippen*. Mit Früchten dekoriert ist man der Held am Kaffeetisch – oder am Kindertisch.

 

Löwenzahnsirup selber machen

Lange ist es still gewesen auf diesem Blog. Das hat natürlich Gründe – aber, ganz ehrlich, ist auch egal. Man darf sich von seinem eigenen Hobbys schließlich nicht unter Druck setzen. Die Welt setzt einen schon genug unter Druck – das kann man selber auch sein lassen.

Deswegen zum Wiedereinstieg mal was Leichtes für zwischendurch.

Der Löwenzahnsirup

Löwenzahnsirup ist sehr spannend – vor allem für Kinder. Dabei handelt es sich um Löwenzahnblüten, die man mit einem Liter Wasser zu einem Sud kocht. Wirklich nur die Blüten, sonst wird das eine bittere Angelegenheit.

Danach wird der Sud mit 1 kg Zucker und Zitrone geliert. Ich würde das nächste Mal mit 500g normalen Zucker und 500g Gelierzucker arbeiten. Die Zuckersoße muss nämlich extrem lange köcheln – so 5/6 Stunden, bis da mal was fester wird.

Jetzt haben wir einen schönen Honigersatz im Haus – wobei ich ihn am liebsten zum süßen von Tee verwende. Sommerlicher Eistee ist damit bestimmt eine Wucht.

Pfeif mal dein unmögliches Kind zurück.

Bald beginnt wieder die Freibadesaison und mit ihr ein ganz spezielles Sommervergnügen unter Müttern. Das Spiel heißt: „Pfeif mal dein unmögliches Kind zurück.“

Ja, das Schwimmbecken ist ein Tummelplatz für kleine Haifische und kleine Pinguine. Wer wen frisst, ist dabei ganz klar. Wobei, ganz so klar ist es nicht.

Neulich waren genau 3 Kinder im Kinderbecken. Und zwei Erwachsene. Übrigens ist es mir völlig schleierhaft, warum Mütter und Großmütter zu einem sehr ausgewachsenen Kindergartenkind ins Kinderbecken steigen müssen, aber das Pinguin-Mädchen war ein Augapfel-Kind. Ich habe es schon gesehen, als sie reingekommen sind. Zöpfe, bisschen übergewichtig, Kommandoton. Ihr kennt diese Kinder. Herzchens.

Meine beiden Jungs sind jetzt bald 5 und lernen schwimmen. Tauchen ist grad ihr Thema und sie tauchen diese Schwimmringe wie besessen aus dem Kinderbecken. Sie werfen sie ein/zwei Meter vor sich und tauchen danach.

Und dann passiert es. Mein Sohn wirft zu weit! Das Mädchen wird getroffen! Er versteckt sich hinter  so nem Wasserspielzeug. Hätte ich auch gemacht, denn das Riesenmädchen schaut, wer es da getroffen hat und setzt zur Rache an. Ich hätte mich auch versteckt. Ich hätte jetzt auch Angst.

Aber das Mädchen kann meinem Sohn gar nicht böse sein, denn es wird von Helikopter-Mom unterbrochen. Sie reist ihr den Kopf herum und schaut, wie schlimm es verletzt ist. Oma ist auch schon da. Das Mädchen beginnt zu heulen. Es wurde schlimm getroffen. Mein Sohn bleibt versteckt.

Dann kommt er. Der Blick zu mir. Zur Mutter des unmöglichen Kindes, das mit Tauchringen um sich wirft.

In solchen Momenten weiß ich immer nicht, was ich machen soll. Klar, ist es blöd.

Klar, tut das bestimmt weh. Klar, hat er es sofort gewusst, dass er zu weit geworfen hat. Klar, dass das Mädchen ihm das auch sehr deutlich gemacht hätte, wenn man sie gelassen hätte.  Vielleicht wäre es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft geworden. Vielleicht hätte sie ihm ordentlich eine verpasst. Vielleicht hätten am Ende alle geheult. Vielleicht sind meine Kinder Rotzlöffel. Vielleicht sollte man Kinder ihre kleinen Konflikte aber auch selber lösen lassen.

Die Oma watet im knietiefen Wasser zu mir und macht mir Erziehungsvorschläge. Ich solle meinen Kindern sagen, dass sie mit den Tauchringen nicht so weit werfen sollen. Ich nicke und schweige. Sie wartet ab. Offensichtlich erwartet sie eine bestimmte Reaktion von mir und ich weiß nicht, welche. Soll ich einmal quer über das Becken schreien, dass er mit den Schießteilen nicht auf unschuldige Mädchen werfen soll, weil die sonst heulen? Soll ich ins Wasser stürmen und ihm eine scheuern? Soll ich ihn ganz klein mit Hut zusammen brüllen?Was soll ich machen? Vielleicht sollte ich auch sagen, dass man Mädchen nicht zu solchen Heulsusen erziehen sollte. Die sollte sich lieber wehren lernen. Ja, das sind so meine Phantasien, wenn ich da sitze und schweige.

Aufgelöst hat sich das Ganze, weil ich eh am Gehen war. Ich habe meine Kinder also zu mir gerufen und bin zum Mittagessen angewatschelt. Das geht natürlich nicht immer. Ich muss mich wieder wappnen und zusehen, dass mich die anderen nicht verunsichern und ich fair bleibe. Ich brülle mein Kind nicht zusammen, nur weil jemand anderes es von mir erwartet. Ich brülle mein Kind nur zusammen, wenn ich der Meinung bin, es geht nicht anders grad.

Das ist nicht die erste Situation und wird nicht die letzte sein. Das Sommervergnügen kommt wie jedes Jahr. Ich freu mich drauf.

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