Kategorie: Rabeneltern (Seite 2 von 7)

Kriegsgebiet Elternschaft – Freud und Leid

Dezember, der perfekte

Zugegeben, ich war keine gute Blog-Tante in letzter Zeit. Wenn ich jetzt sage, mir ging es gesundheitlich jetzt ned rasend gut, dann ist das mehr als die Hälfte der Wahrheit. So ein Blog läßt sich mit flauem Magen und klitzekleinen Augen auch nicht gut voll schreiben.

Aber während andere ihren Blog mit Winterzauber und Weihnachtskeksen anfüllen, muss ich hier mal sagen:

Ich mag Weihnachten nicht besonders gerne.

Ok, jetzt ist es mal raus: Ich bin nicht der jingle-bells-Typ. Ich habe einen selbstgenähten Adventskalender, ich kümmere mich mindestens um eine Sorte beim Plätzchenbacken und ich dekoriere liebevoll den Weihnachtsbaum. Ich bin aber auch heilfroh, dass meine Mutter das Weihnachtsessen kocht und mein Mann in die Christmette geht. Ich glaube, es gibt halt einfach Menschen, denen das ganze Weihnachtszeug grundsätzlich zu viel ist. Ich gehöre dazu. Mir ist der Dezember zu rot und das *wir müssen uns noch unbedingt vor Weihnachten sehen* suspekt. Dabei läuft Weihnachten bei uns auch noch entspannt ab. Ich kenne Leute, die tingeln von einem Weihnachtsessen zum nächsten und können dazwischen nicht mal Luft holen.

Die Menschen machen das, weil Weihnachten das große Familiensymbol ist. In zig Filmen sieht man den verlorenen Sohn, der zurückkommt an Heiligabend. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Weihnachten grundsätzlich eigentlich die Zeit ist, wo sich Familien am meisten streiten, weil alle das Zusammensein so überladen. Mit Vorstellungen und Bildern überladen.

Ich finde es schon süß, wenn meine Kinder vor ihren Geschenken stehen und wild auspacken. Ich mag es, wenn sie sich freuen und spielen. Ich finde es gut, dass es was Leckeres zu essen gibt. Vielleicht geht es mir auch nicht um das Fest an sich, sondern um den elendigen Advent, der mich jedes Jahr aufs Neue stresst. Dieser Countdown der zu erledigenden Dinge, die man vorschiebt und rumschiebt und eigentlich nicht genau weiß, für wen oder was man das jetzt eigentlich macht.

Vielleicht erwischt mich der Dezember auch mit meinen überhöhten Vorstellungen selber schon. Dass ich nicht einfach den Milka-Adventskalender vom Penny für meine Kinder kaufen kann und gut ist, sondern ich muss natürlich einen selber nähen und den dann auch supergut und pädagogisch wertvoll füllen. Nachdem wir dieses Jahr dann mal nur zwei Luftballone reingetan haben und meine Kinder sich darüber gefreut haben wie die Schnitzel, da wurde mir klar, dass ich selbst schuld bin an meinem Weihnachtsfrust. Ich muss den Dezember für mich loslassen lernen.

Vielleicht mögen wir uns dann wieder.

Eines Tages.

Für Lukas

In letzter Zeit muss ich immer wieder an mein erstes Kind denken. Jenes, dass nicht geboren wurde. Jenes, dass ich nie erwähne. Vielleicht streift hier eine Frau vorbei, deren Kinder auch nicht alle geboren wurden. Vielleicht ist es eine Geschichte über uns alle.

Kinder, die die ersten drei Monate einer Schwangerschaft nicht überleben, werden meistens weggepackt. So, als ob es sie nicht wirklich geben würde oder auch nie gegeben hätte. In dieser Zeit darf noch abgetrieben werden. In dieser Zeit erzählt man auch niemanden, dass man schwanger sei. Gehört sich nicht. Ist ja noch nicht *richtig* da. Man ist ja auch noch nicht *richtig* schwanger.

Von meiner ersten Schwangerschaft habe ich wie im Traum erfahren. Ich lag in der Badewanne und schickte meinen Freund jetzt doch noch mal zur Apotheke um die Ecke. Wir kamen grad von einer Beerdigung und sinnierten über das Leben. Da ich mich nicht erinnern konnte, wann ich jetzt eigentlich meine Tage das letzte Mal hatte, wollten wir jetzt doch noch mal einen Schwangerschaftstest machen. Wir lachten. Wir glaubten nicht im Traum daran, dass es ein Baby geben könnte. Im Urlaub am Strand hatte ich Bauchschmerzen und wir hatten Angst, dass ich irgendwo in Nordafrika in ein Krankenhaus musste wegen Blinddarm. Wir kamen zurück und gingen auf jene Beerdigung. Ziemlich naiv alles. Am Ende war ich nur schwanger.

Das ist das Schöne an so einem Blog. Da kann man diese Dinge, die nie in ein Gespräch passen, aufschreiben und sie so irgendwie erzählend machen.

Wir waren so glücklich. Nicht, dass wir uns unbedingt ein Baby gewünscht hätten, aber wir wussten sofort, dass wir jetzt glücklich sind. Wir erzählten es. Manche winkten sofort ab und sagten, wir sollten jetzt erst mal abwarten. Da fließt schließlich noch viel Wasser die Isar herunter. da wurde ich böse. Wieso sollte man die Klappe halten, wenn einem ein Märchen passiert?

Mein Freund kaufte mir ein Kleid auf einem Markt. Wir guckten zusammen in den Spiegel und prüften, ob ich damit auch noch mit Bauch herumrennen konnte. Wir lächelten und konnten es nicht fassen. Ich bin schwanger, sagte ich der Verkäuferin. Ich musste es ganz oft sagen. Ich glaubte es nämlich gar nicht. Wir waren Mitte 20, wir waren frisch verliebt. Jenes Kleid habe ich heute noch.

Kurze Zeit später – es war fast Weihnachten – sagte mir mein Frauenarzt, dass er das Herz nicht mehr schlagen sehen würde. Es tue ihm leid. Ich soll mir draußen einen Termin geben lassen. Für eine Ausschabung.

Ich stand in einer vollen Praxis, mit meinem neuen Kleid und hielt mich am Riemen. Ich machte alles – einen Termin, ein Lächeln, ein Kopfnicken. Als ich draußen war, bin ich zusammengebrochen. So viel geweint hatte ich selten.

Die Wochen danach war ich wie ein Gespenst. Kinder, die nicht geboren werden, haben schließlich einen guten Grund dafür. Man darf jetzt da nicht so ein Tamtam machen. Das gehört zum Leben. Und so schlimm sei es ja auch nicht. Waren ja nur 12 oder 13 Wochen. Da passiert so was. War ja noch kein richtiges Kind.

Für mich war es ein richtiges Kind. ich habe ihn Lukas genannt und ihm eine Kerze auf das Fensterbrett gestellt. Damit er nach Hause findet. Die Kerze hat mein Freund besorgt. Manche Leute sagen, wir haben ziemlich schnell geheiratet damals. Nur zwei Jahre nach dem ersten Kuss. Aber der Typ hat Lukas eine Kerze gekauft. Natürlich heirate ich den. Was für eine Frage.

Meine Trauer wurde nicht besser. Ich wurde auch nicht mehr schwanger. Irgendwann bin ich in eine Kirche gegangen. Dort habe ich eine Frau getroffen. In unserer Kirche damals wurde manchmal nach dem Gottesdienst noch Kaffee ausgeschenkt. Die Frau war krank, hatte ein lahmes Bein, roch streng und war auch sonst einsam und ein bisschen verrückt. Sie hieß Verena. Verena fragte mich, wie es mir denn ginge. Ich stand abseits und wollte eigentlich schon gehen. Ich bin sofort in Tränen ausgebrochen. Sie hatte sich die ganze Geschichte mit Lukas angehört und beim Erzählen fiel mir auch auf, warum ich so in dieser Situation feststeckte. Weil es diese Kinder gar nicht gab – so im gesellschaftlichen Kontext. Als Frau hatte man dies so hinzunehmen. Diese Föten, keine Kinder. Abtreibungsmaterial. Noch nicht *richtig*. Sie hat eigentlich gar nicht viel gesagt. Sie war nur entsetzt, dass ich annehme, dass es kein richtiges Kind gewesen wäre. Natürlich, sagte sie. Natürlich hatte er eine SeeleUnd es hatte auch ein Leben. Und in diesem Leben war es nie alleine. Du warst immer bei ihm. Kinder, die so früh sterben, die sind unschuldig. Die kommen sofort zu Gott. Sie fliegen zu ihm. Ich stand da und es wurde ganz warm. Wirklich. Ich hatte eine so schöne Vorstellung von meinem Kind. Es war wie ein Traum. Ich ging aus dieser Kirche und war ganz leicht. Ich hüpfte fast nach Hause. Meine Trauer war bei Verena geblieben.

Ich bin für *mein Bauch gehört mir*. ich bin für Selbstbestimmung und Feminismus. Wenn so eine Nonne einer vergewaltigten Frau ins Gewissen quatscht, dann rege ich mich auch auf. Sollen die doch mit ihrem patriarchalen Gotteszeugs von mir fern bleiben.

Aber ich kann nicht leugnen, dass ich einst einen Ort brauchte, der ein Fötus von 12 Wochen für einen Menschen hielt, denn für mich war er das. Ich brauchte einen Glauben und ich brauchte ein Bild, dass nur aus Wärme und Gold gemacht wurde. Ich brauchte einen anderen Menschen, einen fremden Menschen, der dem Zellhaufen im Biomüll einer Abtreibungsklinik eine Seele zusprach. Denn sonst wäre ich in meiner Trauer wahnsinnig geworden. So machte es wieder Sinn. Es gab einen anderen Menschen in meinem Leben. Er ist gestorben ohne geboren zu werden. Ich habe geweint. Jetzt höre ich auf zu weinen und denke ab und zu voller Liebe an ihn. Wenn mich jetzt jemand fragt, wie viele Kinder ich habe, so sage ich immer zwei und flüstere in Gedanken: drei.

 

Foto: pixabay

 

 

On the road: Augsburger Zoo. Kinderferien 5 von 5

Nach Sonnenbühl mit der Bärenhöhle und dem Traumland war Augsburg unsere letzte Station. In einem zentrumsnahem Hostel zu günstigen Preisen und schönem Ambiente haben wir eine letzte städtische Nacht erlebt.

Leider hat sich der kleine Sommervirus bis zu mir durchgeschlagen und mir ging es gar nicht gut.

Der nächste Tag im Augsburger Zoo fiel also aufgrund allgemeinem Kränkeleien bisschen kurz aus. Nichtsdestotrotz war es ein gelungener Abschluss – ein kleiner romantischer Zooausflug.

Gut, nicht alle finden Tierpark romantisch. Eingesperrte Tiere betrachten, die weit weg von hier eigentlich ihr Zuhaue haben – damit hatte und habe ich immer noch meine Schwierigkeiten, aber inzwischen kann ich durch solche Anlagen laufen ohne es völlig furchtbar zu finden.

Unsere Ferien hatte also 5 Stationen.

zuerst eine Nacht in Lindau

dann ein Ausflug ins Ravensburger Spieleland

danach einmal eine Höhlenwanderung

und ein kleiner Freizeitpark mit Namen *Traumland*

abschließend Augsburg

 

Ich habe neu die Jugendherbergen als gute Adresse für Kinderferien für uns entdeckt und bin heilfroh, dass wir Vagabunden-Kinder haben, die gerne unterwegs sind. Gut, mal kann man auch länger wo bleiben, aber ein bisschen Reiseluft tut uns gut.

 

On the road: Traumland auf der Bärenhöhle. Kinderferien 4 von 5

Die Bärenhöhle ist nicht die einzige Attraktion, die es dort um die Ecke gibt. Direkt daneben gibt es einen kleinen Freizeitpark. Das Traumland.

Der Park liegt ein bisschen versteckt im Wald und beginnt mit einem kleinen Märchenrundgang.

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Die meisten Besucher kommen wohl auch aus nostalgischen Gründen. Viele kennen den Park noch aus Kindertagen. Trotzdem sieht es hier nicht runtergekommen aus. Viel wurde investiert, wurde neu gemacht. Aber an manchen Stellen seufzt wohl die schwäbische Mutter und erinnert sich an ihre Kindheit – weil´s noch genauso aussieht.

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Die Fahrgeschäfte sind allerdings ganz anders als im Ravensburger Spieleland. Es geht vieles im Kreis und ist eher Actionlastig. Trotzdem gibt es wunderschön angelegte Spielplätze. Weiter hinten kann man grillen.

Trotzdem blutet ein bisschen mein Herz, wenn ich in Freizeitparks echte Tiere entdecke. Ich mag es nicht. Tiere gehören nicht zu tausend Kindern und ihren photographierenden Müttern. Ponyreiten auf echten Ponys! Ich kotz gleich.

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Bis auf diesen kleinen Stich hatten wir eine sehr schöne Zeit in diesem Freizeitpark, der genau auf das erste Jahrzehnt einer Kindheit ausgelegt ist. 4jährige, 5jährige, 6jährige – das sind genau die Altersstufen, die im Traumland eine Traumzeit haben werden.

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On the road: Bärenhöhle in Sonnenbühl. Kinderferien 3 von 5

Nach dem Spieleland Nähe Ravensburg waren unsere Kinder erstmal durch mit Blingbling und Maus und allem. Ein guter Zeitpunkt, um in die Abgeschiedenheit der Schwäbischen Alp zu fahren.

Die Jugendherberge Sonnenbühl-Erpfingen sieht aus wie aus einer anderen Zeit. Es schmeckt dort auch so. Damit meine ich nicht, dass es irgendwie schlecht dort ist. Es ist nur altmodisch. Von dem Ravensburger Spieleland gut 2 h entfernt, genau die richtige Dosis Autofahrt.

Angekommen haben wir auch noch ein Abendessen bekommen, herzlich und schwäbisch war der Empfang.

Am nächsten Tag war das Wetter schlecht. Ein bisschen Regen hing am Himmel und wir haben uns für eine kleine Höhlentour entschieden.

Zuerst waren wir in der Bärenhöhle.

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Die Höhle ist übersichtlich und klein. Am Montag Morgen waren wir auch die einzigen Besucher und haben die Stille genossen. Die Höhle ist gut gesichert und für Kinder sehr leicht zu bewältigen. Der Höhepunkt sind die Bärenknochen, die der Höhle auch ihren Namen gegeben haben. Die Sonnenbühler mögen es zudem, ihre Höhle aufwendig zu illuminieren. Es gibt ganze Lichtshows an manchen Abenden.

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Danach haben wir noch einen Abstecher zur Nebelhöhle gemacht, die wirklich sehr groß ist und schon echte Kletterpartien hat. Mir persönlich ist das Thema *Höhlen* ja total suspekt und ich habe herausgefunden, dass ich so eine leichte Panikerin bin bei massivem Stein über mir. Ich kann dafür in die Höhe hinauf, aber die Tiefe ist nicht mein Fall.

Da war ich aber die einzige.

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Draußen vor den Nebelhöhlen ist eine kleine Gaststätte, der Maultaschenwirt. Der wurde seinem Namen wirklich gerecht. Ein netter Spielplatz ist auch noch dabei.

Gelungener Vormittag.

Blieb noch genug Zeit, um nach Reutlingen zu fahren und ein Eis zu essen.

reutlingen

On the road: Ravensburger Spieleland. Kinderferien 2 von 5

Von Lindau ist es nur ein Katzensprung zum nahe Ravensburg gelegenen Spieleland – so heißt ein echt großer Freizeitpark, den der große Spielehersteller *Ravensburger* dort angelegt hat.

Seit diesem Sommer kann man dort auch übernachten – entweder in so kubushaften Holzhäusern oder in sogenannten *Forscherzelten*. Das war also unsere zweite Station. Über Preise reden wir da aber lieber nicht. Dafür eher darüber, wie großartig dieser Park ist. Die Zielgruppe ist ganz klar jüngere Kinder – 4jährige können schon eine Menge machen.

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Auch mal ohne die Eltern ein bisschen herumpaddeln, zum Beispiel. Der Park ist so groß und in verschiedene Themenbereiche unterteilt, dass ein Tag gar nicht ausreicht, um alles zusehen. Wir haben vier Stunden gebraucht, um einmal rumzulaufen. Deswegen rechnet sich das *Übernachten* doch wieder, weil man zwei Tage Eintritt damit inklusive hat.

Viele Fahrgeschäfte sind auf Spielen ausgerichtet und gar nicht so sehr auf Action. Manche Spiele erkennt man wieder. So gibt es viele Stationen und Spielplätze, bei denen man Riesenpuzzles machen kann. Oder einfach nur sehr sehr lange rutschen.

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Die beliebteste Attraktion für unsere Kinder war die Fix & Foxi– Raketenbahn im Abenteuerland. Ich kenne noch die alten Fix &Foxi – Comics und als ich mal so 12 jährige vor mir in der Schlange fragte, ob ihnen die Figuren überhaupt was sagen, da kam ich mir alt vor. Die hatten nämlich keinen Plan, wer Fix & Foxi sind. Und als ich wie die alte Tante von der Parkbank erklärte, dass des mal ein Comic war, den vorzugsweise Omas mitgebracht hatten, haben die mich angeguckt wie Mondkälber. Nun gut, als Raketenbahn wahrgenommen zu werden – es gibt schlimmere Comicschicksale aus den 80ern.

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Die Spiele sind sehr unterschiedlich. Mal kann man einfach nur in einem Loch buddeln – wie hier im Abenteuerland. (Der erste rosa Bagger, den ich je gesehen habe. Mein Gender-Herz hüpfte)

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Das war mein persönliches Lieblingsspiel. Ein riesiges Memory, dass mit vier Hubschrauber gespielt wird. Bei einem richtigen Tipp geht der Hubschrauber in die Höhe, bei einem falschen senkt er sich ab. Gestartet wird von einer mittleren Position. Der Hubschrauber ist aber sehr eng – klar, er ist für Kinder gemacht.

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Beim Schnecken-Scooter für Kinder ab 3 oder 4 Jahren bleiben die Eltern draußen. Manchmal ist auch ein Höchstalter angegeben. Damit die 12jährigen Wichtigtuer-Pubertier-Säcke den Mäusen nicht den Spaß verderben.

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Ihr seht, viele Fahrgeschäfte sind eigentlich Spiele. Hier muss man als Team das Feuerwehrauto bis nach hinten fahren, dann rausspringen und den *Brand* löschen. hinterher wieder zurück fahren. Viele Spiele gehen auf Zeit und Highscore. Eigentlich unmodern, weil der Spieltrend eher in Richtung *Wir gegen das Spiel* geht. Also eher Teambildung und so. Aber der ganze Themenpark hatte so viele schöne Ecken, dass ich fleißig gegen den Highscore angekämpft habe.

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Zwei Sachen sind mir aufgefallen: das Eine ist die echt super Altersangabe, die vor jeder Attraktion steht. Die Mitarbeiter achten auch darauf, dass sich keiner durchmogelt.

Das ist das positive.

Das absolut Negative ist das Essen. Eine lieblose Fast-Food Pampe. Überteuert und fettig. Im Park selbst und auch im Feriencamp. Beim Übernachten konnte man ein Büffet dazu wählen. Da gibt es auch so ein Restaurant. Das Essen sah im Vorbeigehen besser aus, aber 25 € pro Person und die Kinder 9 € pro Kind. Ohne Getränke. Total übergeschnappt. Und alternativlos. Es gibt auf dem Gelände dann auch nix anderes.

Die Schwaben sind da pragmatisch und schleifen ihre Kühlbox in den Park. Die essen dann höchstens einen frischen Crepes für 3 €. Alles andere wird mitgebracht. Das kann man auch wirklich nicht anders machen. Da wir aus Lindau von einer Jugendherberge gekommen sind, wäre das für uns auch kein Thema gewesen. Ich werde mir jetzt angewöhnen, immer etwas zu essen mitzunehmen, wenn ich in einen Freizeitpark gehe.

Ds Übernachten war spannend. Eine echt schöne Anlage mit frischen Duschen und Betten. Modern, spartanisch, kindgerecht.

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On the road: Lindau für eine Nacht. Kinderferien 1 von 5

Diese Ferien waren anders – weg von den bekannten Routinen mit Sonne, Strand und Spaghetti Napoli. Dieses Mal haben wir Urlaub gemacht wie wir das gerne machen: unterwegs sein. Dabei haben wir natürlich Kleinkinder dabei, die wir beobachten mussten: Gefällt ihnen diese Art der Ferien? Ist es zu viel hin und her? Oder ist unsere Brut wie wir: im Herzen Vagabunden.

Die Route war klein, nur ein paar Tage und enthielt viel Kinderkram. Keine Frage, sie waren begeistert. Und fuhren von jedem Ort wieder mit Spannung weg. Vagabunden halt.

Die erste Station war Lindau am Bodensee.

Die historische Altstadt von Lindau liegt auf einer Insel und ist über eine Brücke erreichbar. Der Bodensee spielt dabei ein wenig mit dem Gedanken, doch ein kleines Meer zu sein und die Hafenstadt sieht nicht mehr nach Binnengewässer aus.

Es riecht auch ein bisschen nach Meer. Die Vögel kreischen, der Wind weht und kündigt einen wundervollen Altweibersommer an.

Irgendwo in den Gassen finden sich kleine Lokale. Wir waren bei einem Sarden und haben uns einen Haufen Oliven, Tomaten, Schinken und Käse bestellt. Die Jungs waren ganz scharf auf dieses haudünne knackige Brot, dass so ein bisschen nach Leinsamen schmeckt. Und haben sich die Oliven reingehauen. Und ein paar Nudeln.

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Jugendherberge Lindau

Die erste Nacht haben wir in der Jugendherberge in Lindau verbracht. Eine wirklich großartige, moderne Jugendherberge, die mit heller Architektur, einem schönem Spielzimmer für Kinder und gutem Frühstück aufwarten kann. Der Innenhof hat eine kleine *Kneipe* und im Gang findet sich eine *Quelle* mit Sprudelwasser und stillem Wasser. Die Zimmer sind mit Stockbetten ausgestattet – keine Frage, wie toll das die Kinder fanden. Im Winter ist in Lindau ein wunderschöner Weihnachtsmarkt – wir werden dann wieder ein Zimmer in dieser der Bodenseeinsel recht nahen Herberge nehmen – aber mit eigener Dusche/WC. Im Sommer macht mir das nicht so viel aus, in der Nacht über einen Gang zu laufen zu den nächsten Toiletten, aber im Winter – brrr. In den meisten Jugendherberge gibt es diese Zimmer, die sich von normalen Hotelzimmern nicht groß unterscheiden – außer im Preis.

Fährt man am Bodensee entlang, so scheint es nur eine einzige Berufung zu geben: Apfelbauer. Die Äpfel reihen sich kilometerlang. Irgendwo haben wir angehalten und eine Kiste gekauft. Köstlich.

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Lindau war auch ein strategisches Ziel – 20 Minuten davon entfernt liegt ein kleines Dorf, in dem sich ein berühmter deutscher Spielehersteller mal so richtig ausgetobt hat. Mehr davon im nächsten Beitrag.

Riesenseifenblasen DIY

Das Thema dieses Gartensommers lautet aber gar nicht Kamille. Für die überwiegende Mehrheit dieses Hauses lautet das Thema: Riesenseifenblasen.

Nachdem wir einige Versuche mit selbstgebrauter Lauge nach diesem Rezept ausprobiert haben, haben wir uns entschieden, die Pampe von professioneller Seite zu beziehen: Peter Pat Riesenseifenblasen

Die Lauge selber haben wir in verschließbaren Malereimern zusammengemischt und auch aufbewahrt. Diese Malereimer sind in jedem Baumarkt vorhanden und ursprünglich gedacht, Farbe anzumischen. Hervorragend geeignet für Seifenlauge, kann ich da nur sagen.

Die Riesenseifenblasen werden traditionell mit zwei Holzstäben gezaubert, zwischen denen eine Baumwollkordel so gespannt ist, dass  diese einen Kreis (mehr oder weniger) bildet. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Die Baumwollkordel wird mit Lauge getränkt, der Kreis wird geöffnet und der Wind bläst eine Seifenblase auf. Beim Schließen (beim geschickten Schließen) formt sich die Seifenblase und trägt sich im besten Falle fort.

Riesenseifenblasen Stöcke

Ich dacht immer, das Ding mit den Stöcken können nur so Künstler machen, auf irgendwelchen Festivals oder so. Aber es ist echt für Kinder geeignet. Auch 4jährige bringen damit Seifenblasen zam. Eine echt schöne Beschäftigung, die bisschen süchtig macht.

Im Baumarkt habe ich Holzstäbe gekauft, so einen Ring reingebohrt und die Baumwollkordel durchgezogen. Bevor ich das lange erkläre: auf den Bildern ist es doch zu erkennen. Wer nicht unbedingt der Baumarkt-Typ ist: die Stäbe gibt es schon fertig zu kaufen, also, man muss auch nicht unbedingt basteln. Peter Pat verkauft auch Stäbe, könnt ja mal in dem Shop durchgucken. Wenn man sie selber macht, ist nur wichtig, dass man wirklich die teure Baumwollkordel nimmt.

Riesenseifenblasen DIY

Und für alle, die ihre Wiese lieben: Nach dem Spaß solltet ihr die Stelle, an der gepanscht wurde, sehr gut wässern. Die Lauge macht nämlich tatsächlich den Rasen bisschen kaputt. Ich denke, er erstickt. In unserem Garten sind die Stellen der Seifenblasenkünstler jedenfalls gut sichtbar. Wird sich verwachsen. Bestimmt läßt es sich auch hervorragend in städtischen Hinterhöfen bewerkstelligen. Im Park nehmt halt eine Decke mit. Ist ja am Ende nur Seife und läßt sich daher auswaschen.

Pippi, Tommy und Annika

In der Medienerziehung meiner Jungs bin ich nostalgisch. So, als ob Pumuckl und Pippi Langstrumpf irgendwie besser wären als die Minions. Wie jede Elterngeneration vor mir versuche ich, die Helden meiner Kindheit hochzuhalten und blicke mit höchster Skepsis auf die Horde Eisprinzessinnen und die Gelbeinaugenknirpse.

Mit einem Grinsen habe ich so festgestellt, dass mein einer Sohn ein ernsthaftes Auge auf Pippi Langstrumpf geworfen hat. Manchmal erwähnt er sie fachmännisch. Wenn ich zum Beispiel versuche, das Gartentor auszuhebeln und er mir mit seinen Patschehänden unterstützend zur Seite springt, sagt er Dinge wie: Jetzt brauch ma Pippi Langstrumpf. 

Figuren, die ich wage von meinem eigenen Früher kenne, werden bei mir automatisch als positiv registriert. Also gucken wir Pippi Langstrumpf an.

Ich schlucke ein bisschen, nachdem das Wort Negerkönig zum fünften Mal auftaucht und schiele zu meinen Kindern. Soll ich jetzt sagen, dass des kein Wort ist, dass man heute noch benutzt? Soll ich jetzt ganz ausmachen? Soll ich einfach abwarten, ob sie das Wort überhaupt registriert haben? Wieso ist mir das nicht früher aufgefallen? Haben wir wirklich als Kinder vom Negerkönig gesprochen? Wieso ist es nicht komisch, dass er da König ist? Kolonialgeschichte   is ja ned grad ne Erfolgsstory, die man so unreflektiert Kindern rüberbringen sollte. Aber gut, ich mache weiter mit meiner Pippi Langstrumpf Medienerziehung und warte einfach ab.

Pippi, Tommy und Annika machen sich ständig zu irgendeinem Ausflug fertig. Erst ist es mir gar nicht gekommen, aber es ist immer Annika, die die Brote schmiert. Pippi und Tommy machen nie so was wie Brote schmieren. Klar, Frauenarbeit.

Pippi, Tommy und Annika starten mit einem selbstgebauten Flugzeug nach Taka Tuka. Ich mache kurz die Augen zu und hoffe, es ist nicht Annika, die die Pedale treten muss. Doch, ich gucke wieder hin. Annika strampelt, Tommy steuert das Flugzeug. Natürlich steuert er das Flugzeug. Er ist der Junge. Pippi rennt und rennt. Danach fliegt es und sie wechseln die Positionen. Tommy muss gar nichts mehr machen. Annika darf steuern.

Gut, Pippi ist ein Mädchen. Aber Pippi ist ein Übermädchen. Eine Kunstfigur. Der Troll in der Geschichte. Es geht auch meinen Kindern darum, mit Pippi befreundet zu sein. Sie hat den Koffer voller Gold und kauft immer allen Kindern, was die wollen. So sollte Freundschaft ja auch funktionieren. (Haha)

Aber die Identifikationsfiguren in der Geschichte sind Tommy und Annika. Und nicht nur, weil ich hier nur Söhne habe. Vielleicht ist es bei Mädchen anders. Vielleicht sehen sie sich eher als Pippi Langstrumpf. Aber Annika ist das eigentliche Mädchen. Und sie verhält sich auch genau so. Auf der einsamen Insel ist sie es, die kreischt und vor den wilden Tieren wegläuft. Tommy hat zwar auch gestrichen die Hosen voll, aber er bleibt nur kreidebleich. Jungs weinen halt nicht. Annika schmiert Brote. Und als Annika auch noch anfängt, die Kleidung von Pippi und Tommy zu waschen, da stirbt irgendwo in mir eine bunte Fee.

Gut, was will man auch von einer Geschichte von vorgestern erwarten. Alle starrten sie gebannt auf Pippi und ihre rotzfreche Art. Das Mädchen, dass es geschafft hat, ein Draufgänger zu sein. Der Punk, das feministische Urgestein. Was habe ich in die Hände geklatscht, als meine Kinder sich dafür interessierten. Ja, jetzt zeig ma euch mal, wie des so ist mit den starken Mädels. SO sollten Frauen sein, aussehen und sich benehmen. Spuckend und prügelnd sollten sie sein.

Aber ich sitze zwischen meinen Kindern beim sonntäglichen Kinonachmittag und sehe Annika beim Kleiderwaschen zu. Annika, wie konnte ich dich vergessen! Du bist ja noch da und zeigst uns ganz genau, wie man sich als normales Mädchen so zu verhalten hat. Also alle Mädchen, die kein Pferd stemmen können. Also alle anderen.

Wie viele Generationen werden noch ins Land gehen, bevor man beiläufig einen Tommy beim Brote schmieren und Kleiderwaschen sehen wird?

Es ist nicht das Laute, dass mir Sorgen macht, sondern immer nur das Leise. Die leisen Selbstverständlichkeiten. Mir fällt es auch, meinen Kindern nicht. Wie auch. Sie nehmen alles so hin. Ich beginne, im Netz nach kritischen Stimmen zu Pippi Langstrumpf zu suchen. Aber es geht da vor allem um Kolonialgeschichte. Sonst passt alles. Annika wird nicht gesehen. Bei MakellosMag treffe ich auf weitere Links zu einer gesellschaftskritischen Auseinandersetzung mit Bibi Blocksberg und co. Interessant. Benjamin Blümchen als Wutbürger aus Stuttgart, Familie Blockberg als angepasstes Familienidyll. Doch Pippi schneidet überall ziemlich gut ab. Sie ist halt immer noch cool.

Mein fast Vierjähriger träumt jetzt also davon, ein Mädchen wie Pippi kennen zu lernen- stark, ein Koffer voller Gold und ein Pferd auf der Veranda. Findet er großartig. Nur manchmal weint er, wenn es um den Papa geht. Warum der nicht da sei. Warum der denn mit einem Schiff wegfährt. Gut, der Film ist auch erst ab 6 Jahren und so streichle ich ihm über den Kopf und beschwichtige. Der kommt doch wieder. Diese Anflüge sind kurz, denn die meiste Zeit sitzen wir da und Pippi macht irgendeinen Käse…da schielen sie zu mir rüber und warten ab. Ich (als Mutter, bei der man im Wohnzimmer keinen Eimer Wasser ausschütten darf) werde dann aufgefordert zu fragen, ob man denn das jetzt auch bei uns machen dürfe. Nein, kommt dann der lachende Chor. Des darf man nur bei Pippi. Wird Zeit für Ronja Räubertochter.

Foto: pexels.com

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