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Buchrezensionen, Filmkritiken und Fernsehabende

Geschichten zum Gruseln: Podcasts aus den Abgründen

Seit kurzem höre ich mir Podcasts an. Den Hype darum kenne ich bereits schon länger, aber wirklich beschäftigt habe ich mich mit dem gesprochenem Wort im Netz noch nicht. Irgendwie hatte ich immer die Idee, dass diese Podcasts vor allem Lebenshilfen, Bloggerkram und Selbstbeweihräucherung ist.

Weit gefehlt.

Podcasts können spannende Geschichten ein. Erst bei einem meiner letzten Posts über den Oktoberspaziergang habe ich mich bei den Landschaften an einen berühmten Mord erinnert gefühlt. Dieser Mord aus den 20er Jahren in Hinterkaifeck ist nicht nur gruselig an kalten Herbsttagen anzuhören, in dem Podcast geht es auch darum, sich selbst zu hinterfragen.

Hier nun meine drei Empfehlungen für einen gruseligen Halloween- Abend. An alle, die sich nicht verkleiden und auch auf keine Parties gehen, sondern in der Nacht vor Allerheiligen ganz ohne viel Hokuspokus ein wenig Gänsehaut bekommen wollen:

Hinterkaifeck ist der Name eines Bauernhofes, der Tatort eines wirklich schaurigen Verbrechens wurde. Der alte Bauer, seine Frau, die Magd, die erwachsene Tochter und deren beide Kinder wurden erschlagen. Im Dorf findet man Gründe dafür, aber keinen Täter. Es gibt Theorien und Familiengeheimnisse. So ist nicht klar, wer der Vater des jüngsten Kindes ist. Es gibt auch begründete Vermutungen, dass der alte Bauer seine Tochter missbraucht hat. Der Ehemann der Tochter ist angeblich im Krieg geblieben, aber kann man sich da sicher sein? Im Laufe der 8 Folgen entwickelt jeder eine eigene Theorie. Und man findet für jede Theorie genügend Beweise.

Das Wissen und Nichtwissen von Dingen, das Geheimniskrämertum und die Täuschung ist auch Thema eines anderen Podcasts. Eines viel jüngeren Mordfalls. Christin und ihre Mörder... Christin ist ein junges Mädchen aus Brandenburg, die sich in den falschen Mann verliebt. Auf einem Pferdehof kommen die dunklen Familiengeschichten zu Tage: es geht um Versicherungsbetrug und schließlich Mord. Keiner weiß es genau, aber alle scheinen Bescheid zu wissen. Es gibt nicht nur einen Mörder, es gibt viele, die sich schuldig gemacht haben.

Die Redaktion der Zeit bringt mehrere Podcasts heraus, aber einer hat es mir besonders angetan: ZEIT Verbrechen.  Sabine Rückert aus der Zeit-Chefredaktion spricht als Expertin für das Ressort Verbrechen über die Fälle ihres Lebens. Sie fasst sie im Gespräch mit Andreas Sentker, dem Leiter des Ressorts Wissen, zu neuen Fragestellungen zusammen, gibt Beispiele aus Abgründen und vergisst dabei nicht, uns selbst dabei zu hinterfragen. Eine Folge geht um das Wesen von Geständnissen und warum es so schwierig ist, sich selbst dabei nicht aufzugeben. Eine andere Folge dreht sich um die Rechtsmedizin und warum Morde so oft übersehen werden. Es geht um Psychopathen, Serienkiller und den netten Nachbarn von nebenan.

Einen guten letzten Oktoberabend an Euch!

 

 

 

 

Die lustige Galerie des Scheiterns 

Wie weit Realität und Netz voneinander entfernt sind, ist häufig Thema verschiedener Blogbeiträge. Trotzdem bemühen sich alle, dass es glitzert und blinkt. Vor allem im DIY-Bereich. Home-Dekor mit Filter und Weichzeichner. Kurz vor Weihnachten wird es hier in unserer Ecke des Netzes dann besonders schlimm: da werden dann die Lichterketten ausgepackt und der ganze Blog blinkt und leuchtet.

Höchste Zeit, mal was Hässliches zu zeigen. Sich mal dem eigenen Scheitern zuwenden. Pläne, die nicht funktioniert haben.

Das war ein sehr schöner Plan: der Burda-Plan

Im September wollte ich jeden Monat ein Schnittmuster aus der aktuellen Burda nachmachen. Ich weiß, sehr ambitioniert. Hätte vielleicht so oder so nicht geklappt. Aber ich bin schnell mit der Nähmaschine. Ich nähe meistens abends und *höre* Fernsehen. Also, wäre im Bereich des Möglichen gewesen, dass ich es doch geschafft hätte. Aber dann hat mir etwas ganz anderes einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mein erstes Modell war ein britisch angehauchtes Herbstkleid. Ich kann aus rechtlichen Gründen kein Foto davon hier hochladen, aber ich kann es euch verlinken: Herbstkleid Original

Und ich habe daraus das hässlichste Kleid aller Zeiten kreiert.

Wahnsinn. Ich kann davon gar kein Foto von mir darum ins Netz stellen. Chapeau. Nach diesem Kleid verlies mich glatt der Ehrgeiz.

Ach, die Details sind wirklich schöne, aber der Stoff hat alles kaputt gemacht. Und natürlich, dass Burda und Größen echt so ein Ding ist. Keine Ahnung, wie die ihre Größen berechnen, aber ich denke, es sind eher *schmeichelnde Größen*. Wenn du eigentlich eine 42 hast, dann macht Burda eine versteckte 44 draus. Und denkt, dass du (als Frau mit schmeichelnden Blick auf dich selbst) dann eine 42 nähst, obwohl du eine 44 brauchst, es dir aber gar nicht auffällt und du dann so glücklich bist, weil du in den Fummel so großzügig reinpasst. NEIN, ich nähe eine 44, wenn  ich eine Kack-44 ausrechne. Und dann schwimme ich in den Burda-Modellen. Meine Mutter sagt ja immer, man darf bei Burda nie größer wie 42 nähen. Dann kommt man ungefähr hin.

Der nächste Plan: Gemüsesuppe einkochen. 

Einkochen ist ja mein neues Thema. Ich finde es sehr praktisch, immer ein paar *frische* Zutaten im Vorrat zu haben. Und meine Freundin Anna hat mich ja mit ihren Zwetschgen dann völlig fürs Einkochen begeistern können. Auch dieser Weg ist steinig. Ich habe es mit Kartoffeln versucht. Kartoffeln sind natürlich eine krasse Nummer, weil Stärke ja gerne fault. Und faulende Kartoffeln in Salzwasser – Leute, das stinkt. Das könnt ihr euch nicht vorstellen. In meiner Gemüsesuppe sind gar keine Kartoffeln drin, trotzdem hat es nicht geklappt: ich kann es sehen.  Es wächst bereits ein Unterwasser-Pilz in einem Glas. 

Hmm, ein hässliches Bild. Der Weg ist das Ziel. Nicht alles klappt auf Anhieb. Manchmal braucht es mehrere Versuche. Schlimm. Ich würd so Sachen echt gerne aus dem Ärmel schütteln.

Nächster Plan: Sauerteig-Brot-Experimente

Ich backe inzwischen regelmäßig Brot. Und es wird inzwischen richtig gut. Aber machmal auch nicht. Brot ist ein sehr einfaches Rezept. Aber minimale Änderungen können zum Misserfolg führen. Eine minimale Änderung war, dass ich einmal das Brot nicht auf einem Backblech gebacken habe, sondern auf einem gelöcherten Untergrund. Ich hatte die Idee, dass mehr Luft oder so zu einem besseren Ergebnis führen würde. Was mich da wohl geritten hat. Das Ergebnis war, dass mir die Kruste unten vollständig angebrochen ist. Ja, das geht. Schlimm.

Manchmal muss man auch mal im Internet sagen, dass es Stunden dauert bis man so verschlafen süß auf Instagram aussieht. Im übertragenen Sinne trage ich hier meinen Teil dazu bei. Sich selbst und das Netz mal wieder zu erinnern, dass das Leben eine Reise ist mit dem Spruch: man lernt nie aus.

Samstagskaffee

Der September hat volle Fahrt aufgenommen. TecWando, Musikschule, Vorschule, Schnupfen, Geburtstagsfeiern, Kuchen für WeißGottWas abgeben. Ein Schwall an Ereignissen und Tagen. Mein Mann arbeitet Samstags jetzt fast immer und mein Samstagskaffee leidet darunter.

Aber das ist kein Jammern jetzt. Ich mag den September von allen Monaten am liebsten. Wenn es Strickjackenwarm ist und die Herbstfarben kommen. Ich könnte dann ständig Apfelkuchen backen. Alles kurz vor Glühwein sozusagen. Der Oktober ist für mich der verlängerte September und ab November geht es für mich dann bergab. Ich mag die Vorweihnachtszeit nicht besonders gerne. Ich bin bekennender Weihnachtsmuffel. Ich bin halt Apfelkuchen und Schwarzer Tee statt Spekulatius und Glühwein.

Das ist aber auch der September, der überall die Flaggen der Völkisch-Nationalen hat sichtbar gemacht. Deswegen war es vielleicht auch gut, dass ich letzte Woche keinen Samstagskaffee getrunken habe. Ich habe statt dessen vor Wut einen Kinderstuhl mit dem Fuß gekickt. Und noch so manch anderes.

In Bad Tölz gab es in den letzten Tagen als Reaktion eine Herzchen-Aktion. Überall Herzen gegen den Hass. Die AfD hat sich trotzdem ins CSU-Stammland gefressen. Wie ein kleines Stich gegen das Etablierte wollen sie sein und merken nicht, dass sie der Fußpilz sind, der das Laufen schwer machen wird und den man eigentlich nur so schnell wie möglich loswerden will.

Dabei frage ich mich manchmal, wer denn nun eigentlich zu dem Volk gehört, dass jetzt so heraufbeschworen wird. Wir und die anderen. Wer ist da wir und wer sind die anderen? Die Nazis von früher wußte das auch nicht so genau. Sie haben Lehrbücher geschrieben, mit denen man Kindern den Kopf ausmessen konnte. Großes Kino. Ich möchte mal wissen, wie viele Köpfe von heute man da aussortiert hätt. Ist denen das gar nicht klar?

Aber ich rede lieber von Septemberfarben als von Naziköpfen.Naziköpfe sind ein endloses Thema, dass am Ende nur eine Botschaft hat: Es ist alles Erfindung. Ein Voodoo-Zauber für das heimelige Gefühl, jemand anderes ist Schuld daran, dass man keinen Stich landet. Eine Loose-Religion für die, die keine Heimat im Herzen haben.

Ich krieg den Bogen nicht. Ich krieg den Bogen nie bei dem Thema. Ich muss ehrlich sein. ich halte mich meistens raus. Ich bin das, was man 1933 einen Biedermeier-Mitläufer genannt hätte. Rückzug ins Private. Lass die Lauten reden. Hunde, die bellen, beißen nicht. Das hat schon mal nicht geklappt, diese Einstellung.

Vielleicht ist es gut, dass jemand Herzen in Bad Tölz gemalt hat.

 

Dinge, die sich lohnen: Hörbert

Viele Eltern kennen den Holzkasten. Und finden ihn zu teuer für einen Kinder-Abspielgerät. Und kaufen haufenweise Plastik aus China, billig und schnell wieder kaputt. Und damit liegen die meisten deutlich über den Preis für den Hörbert. Denn eines kann ich euch sagen: Er hat bis jetzt 3 Jahre Zwillingshaushalt überlebt – ohne einen Tag Mucken zu machen.

Dabei ist er von Betten geflogen, wurde wild herumgedrückt, ist vergessen worden zwischen Kissen, wurde mal an die Wand gefeuert – alles ohne zu Bruch zu gehen.

Deswegen bin ich so ein Fan. Er ist nämlich großartig und hat eine extrem gute Akustik.

Kauft das Ding, falls ihr noch überlegt.

Dabei muss man den Hörbert aber immer selber bespielen. Das heißt man setzt sich als Eltern abends an seinen Rechner, nimmt den Chip aus dem Gerät raus, lädt sich so eine Software runter und überlegt dann, welche Hörspiele und CDs auf den Hörbert übertragen werden sollen.

Ja, das ist Arbeit.

Ja, ich habe mal ein Jahr den Hörbert mit immer den gleichen Sachen gehabt, weil ich zu faul war, meinen Kindern irgendeine geile Abwechslung zu bieten.

Ja, Kinder stehen auf Wiederholung und wollen nur die eine Pumuckle-Folge monatelang hören.

Perfekt.

Dazu kommt jetzt, dass ich ein Fan bin von Hörspielen.

Letztens habe ich folgende Seite entdeckt: OHRKA

Meine Söhne stehen total auf Baron Münchhausen und überlegen noch, ob sie Alice im Wunderland doof finden. Schaut auf der Seite vorbei, lohnt sich.

Und nein, ich habe von Hörbert nix dafür bekommen, dass ich hier so Lobeshymnen anstimme. Das ist keine Werbung, sondern eine Liebeserklärung.

 

Gute und schlechte Serien auf Amazon Prime

Amazon prime und ich – wir haben sowas wie eine Beziehung. Immer wieder blättere ich durch die Serienvorschläge und sehe mir das eine oder andere an.

Meine Ansprüche an Serien sind simpel. Ich mag SF, ich mag Endzeit, ich mag Zombies oder Geheimnisse. Oder beides. Ich mag aber auch FBI-Fälle mit Mord und Totschlag.
Soviel zum Inhalt.

Ich mag aber auch Serien, deren Folgen irgendwie abgeschlossen sind. Ein *Monster of the week*, sozusagen. Aber dabei ist es die große Kunst, doch einer übergeordneten Geschichte zu folgen.
Soviel zur Technik.

Einer der erfolgreichsten SF-Serien aller Zeiten ist gerade auf amazon prime zu sehen:

Supernatural erzählt die Geschichte zweier Brüder: Dean und Sam Winchester. Die beiden reisen durch die USA, um Dämonen, Vampire und Geister zu jagen. Geleitet werden sie dabei durch das Tagebuch ihres Vaters, der seitdem seine Frau einem Dämon zum Opfer gefallen ist, seine beiden Jungs zu Jägern ausgebildet und alles Wissenswerte in dieses Tagebuch geschrieben hat. Die übergeordnete Geschichte ist hier die Jagd auf den Dämon, der Mama Winchester einst ins Jenseits befördert hat. Dazwischen gibt es pro Folge immer eine in sich geschlossene Geschichte, die auch nie völlig platt daher kommt. Man bemüht sich, mehr als drei Wörter über den Hintergrund des Bösen zu verlieren. Dabei wird die Serie von Staffel zu Staffel immer komplexer, Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und das Übernatürliche bekommt immer mehr biblische Züge – was der Spannung keinen Abbruch tut.

Daneben ein ähnliches Serienkonzept: Grimm. Die Jäger hier sind die letzten der Familie, die einst als die Märchensammler berühmt geworden sind. Nur haben jene die Märchen nicht gesammelt aus reiner Freude an den Geschichten, sondern es ist eigentlich Recherche – man jagt hier nämlich Märchenwesen: der böse Wolf, Hexen, lauter so ein Kram. Auch hier gibt es ein *monster of the week*, aber leider sehr lieblos gestaltet. Die Spezialeffekte scheinen wichtiger als die Figuren zu sein. Das Übernatürliche hat von Beginn an keine Tiefe. Stirbt die einzige familiäre Bezugsperson der Hauptfigur in einer Folge, ist in der nächsten nichts mehr davon zu spüren. Man hechelt durch die folgen durch – unspannend und oberflächlich – absolut nicht sehenswert.

Die Serie *lie to me* umfasst nur 3 Staffeln, die leider kontinuierlich schlechter werden – trotzdem sollte man sich Staffel 1 unbedingt anschauen. Diesmal keine Monster, sondern ein sogenannter *Lügenexperte*. Dr. Lightman erkennt in den *Mikroausdrücken* seiner Gesprächspartner sofort, ob derjenige die Wahrheit sagt. Ein spannendes Konzept, das wirklich Spass macht. Lightman ist sich seiner Sache dabei auch noch so sicher, dass er selber ein großer sozialer Kotzbrocken sein kann. Zwischen Arroganz und Überheblichkeit löst er Fälle des FBI oder nimmt Anfragen privater Auftraggeber an. Unterstütz wird er dabei von einem interessanten Team. Allerdings übertreibt die zweite Staffel dann und überspannt den Bogen: Lightman gerät immer wieder in Todesgefahr, die Fälle werden unübersichtlich und es fehlt eine große Hintergrundstory. Es bleibt nichts an Spannung übrig – die großartige Idee zerfällt. Trotzdem. Staffel 1 ist toll.

Ein Klassiker unter den Serien ist Homeland. Nachdem man jetzt die Staffel 6 auf amazon kaufen kann, sind die ersten 5 Staffeln in prime enthalten und somit für Prime-Kunden kostenlos anzusehen. Ich finde, dass das Intro (so verspuhlt es zunächst ist) am besten die erste Staffel zusammen fasst: Im Zentrum steht die CIA-Agentin Carrie Mathison, die mit einer bipolaren Störung zu kämpfen hat und damit gleichzeitig verrückt und genial ist. Genial ist ihre Fähigkeit, Zusammenhänge zwischen Ereignissen zu erkennen, verrückt wirkt das auf ihre Umwelt, die sich oft von Klischees täuschen lässt. Die Geschichte geht kontinuierlich weiter und man kann wirklich kaum eine Folge verpassen – kein Monster der Woche. Die Geschichte sieht man auch andeutungsweise im Trailer: Im Labyrinth steht der Soldat Brody, der 8 Jahre lang im Irak verschollen war und schon längt für tot erklärt wurde. Als Heimkehrer wird er von der ganzen Nation als Held gefeiert – nur Carrie glaubt nicht an seine weiße Weste. Sie läßt ihn auf eigene Faust überwachen und fördert Dinge zutage, die jenseits von einem strikten Schwarz/weiß Denken liegen. Absolut sehenswert.

Unreal läßt uns hinter die Kulissen einer Dating/Bachelor- Fernsehproduktion schauen und damit wahre Abgründe. ich habe die erste Staffel echt gerne verfolgt, habe aber bei der zweiten die Lust verloren. Ich finde, man kann die erste Staffel gut mal anschauen. Sehenswert.

Mit dieser Serie tue ich mir echt schwer. Ich meine, schaut euch den Trailer an: tolle Effekte, eine mysteriöse Geschichte, nichts wirkt billig gemacht. Aber trotzdem verlor ich die Lust daran – bereits irgendwann in Staffel 1. Die Charaktere bleiben irgendwie formlos, Handlungen werden aufgebaut und verlieren sich dann im Nichts. ein Beispiel: Eine Kellnerin wird von ihrem Psycho-Ex tagelang in einen Bunker eingesperrt. Wir verfolgen es, und verfolgen es und dann – dann ändert es weder ihren Charakter, noch den Lauf der Geschichte, noch seinen Charakter, eigentlich bringt es serientechnisch überhaupt nichts….so geht das mit vielen Details. Und ich habe keine Lust mehr, zuzugucken. Ging es jemanden ähnlich?

Medienkonsum bei Kindern: vielleicht mehr WAS als weniger WIE LANGE

Öfters schon habe ich hier über meine Kinder gesprochen. Über Schlafgewohnheiten oder Ipad-Nutzungen und Iphones. Dieser ganze Technikkram schient sowieso einer der Herausforderungen unserer Zeit zu sein. Vor allem, wenn es um Erziehung geht. Meine Kinder werden jetzt dann 5 Jahre. Wie viel Technik sollte ein 5jähriger kennen?

Ganz ehrlich – ich glaub, dass kommt auch auf das Kind drauf an. Es gibt Kinder, die sind vom Internet genauso beeindruckt wie unsere Generation von Flugzeugen  – mei, schon schön, aber war doch schon immer da. Schulterzucken. Und es gibt Kinder, die setzen sich vor Fernseher, Tablet oder Handy und sind total fixiert. Zombiebabys. Unansprechbar. Großes Geheule, wenn das Ding wegkommt.

Bei Zwillingen ist es ja das Schöne, dass man meistens verschiedene Varianten von Kindergehabe hat. Gleichzeitig. Ich hab einen kleinen Medienjunkie und eine gemütliche Hörbuch-Kinderbuch-Ausgabe.

Diese beiden zusammenzubringen, wird alle paar Monate mal ausdiskutiert. Es ging von totalem *Es gibt kein Ipad unter der Woche* bis zu *Spielen auf dem Ipad mit Papa abends*. Von *Ein Film am Sonntag* zu *mal abends vor dem Fernseher lümmeln*

Im Moment geht es mir immer weniger um das *Wie lange* sondern eher um das *Was*. Vor allem, weil sie bei schönem Wetter wirklich den ganzen Tag draußen sind. Und da ist es eher so, dass ich zusehe, dass sie dann gegessen haben und Zähne geputzt sind, bevor sie irgendwo in einer Couchecke einschlafen.

Jetzt gibt es natürlich viel Mist am Vorabend. Aber vielleicht sollte man mal auf die Nischenprogramme gucken. Arte, zum Beispiel. Arte zeigt gegen halb sieben meistens irgendeine Naturdokumentation. Große Walfische im tiefblauen Meer mit einer beruhigenden Erzählerstimme. Und zack, mein Hörspiel-Kind pennt schon.

Es gibt auch schöne Regionalsender. In Bayern den Bayerischen Rundfunk mit sehr gemütlichen Abendprogrammen. Da gehts dann um irgendwelche Marathonläufe oder so.

Ich wollte damit nicht sagen, dass meine Kinder jetzt nur naturnahe Dokus ansehen. Sie kennen den ganzen Kinderquatsch und natürlich sehen sie sich das an. Manchmal schnappen sie sich das Ipad und gucken am Samstag morgen. Gut, ist halt so. Passiert auch nicht immer. Passiert aber auch.

Vielleicht muss man als Eltern auch einsehen, dass es bei Thema Medien keinen Status quo gibt, sondern es immer im Fluss ist. Und vielleicht sollte man auch zulassen, dass man sich auch auf ne Couch kuscheln kann und einen Walfisch beobachtet. Auch wenn man lieber seine Crime-serie guckt. Kompromisse können vielfältig sein.

 

David Hunter Reihe: Totenfang von Simon Beckett

Reden wir über Bücher. Gute Bücher. Ich lese immer noch – doch immer seltener finden diese ihren Weg hierher. Doch das hier – das muss man mal erwähnen

David Hunters 5.Fall

Vor über 10 Jahren startete die Reihe um den britischen Forensiker Dr. David Hunter – eine Art Berater der Polizei, der als Rechtsmediziner und Experte für Verwesungsprozesse zu heiklen Mordfällen hinzugerufen wird. Dabei geht es sehr detailliert um Leichen und Leichenteile, Fliegen und Gase.

Diesmal also geht es um kalte Leichen im Wasser einer unwirklichen Küstengegend Großbritanniens, den sogenannten Backwaters. Die Stimmung ist modrig, kalt und manchmal stürmisch. David Hunter wird zu der Bergung einer Wasserleiche gerufen. Wer der Tote ist, scheint zunächst klar zu sein. Ein reicher Sohn hat sich umgebracht. Und seine Geliebte gleich mit. Hunter ist schon wieder auf dem Rückweg, da zwingt ihn eine Autopanne doch noch zum Bleiben. Gerade lange genug, um einen treibenden Fuß zu finden – der alles nochmal aufwirbelt. Und sehr langsam fügt sich das Bild um die Toten aus dem Wasser.

Oftmals habe ich in dieser oder jener Rezension gelesen, dass dieser neue Fall den Leser nicht so mitreißt wie die alten Fälle. Ich sehe das jetzt nicht unbedingt. Klar, es gibt Elemente, die sich in der Reihe wiederholen. Zum Beispiel, dass David Hunter es immer schafft, unbeteiligt sein zu wollen und sich dann doch mittendrin zu befinden. Er ist immer derjenige, der die Geschichte weiterbringt – wobei, das gehört sich doch wohl auch so für eine gute Hauptfigur. Natürlich ist das eine Geschichte. Eine, die man gut lesen kann.

Ich werde mich jetzt mal wieder an Band 1 machen. Ich möchte die Reihe sozusagen nochmal von vorne beginnen, um zu sehen, ob ich mich wieder daran erinnere oder nicht und ob die Kritik an diesem Band wirklich zutrifft. Ich habe die Bände nämlich vor wirklich vielen Jahren nur als Hörbuch gehört und entsinne mich nur wage.

Lesen gehört doch zum Sommer wie stricken zum Winter.

The walking dead und der Song

Immer wieder kommt hier durch, dass ich am Rande von *being a nerd* herumschleiche. Am Rande. Denn ich kenne echte Nerds. Ich weiß, ich habe in einschlägigen Serien, Comics, Spielen und sonstigen Errungenschaften zu wenig Durchblick, um ein echter Nerd zu sein. Aber ich hab da so eine Ahnung. Ich bin ein Nerd-Tourist.

Ich habe einen Hang zu Apokalypse. Ich mag marode Bilder, eigene oder von anderen, ich mag Bücher über Zombies, manchmal sogar kitschige.

Und ich mag die Serie The walking dead.

Ursprünglich ein Comic, jetzt ein Hype in 7 Staffeln. Wir sind bei Staffel 6. Hinterher sozusagen, aber dennoch ziemlich weit dabei. Wir sehen Serien gerne durch und warten nicht eine Woche lang auf die nächste Folge. Zwei oder drei Folgen an einem Abend – das ist unser Ding.

Begonnen hat die Geschichte mit Rick Grimes, der in einem verlassenen Krankenhaus aufwacht. Er wurde als Deputy Sheriff angeschossen, lag wohl in einer Art Koma und wurde im Zusammenbruch der Welt vergessen oder für tot gehalten. Er wacht auf und begreift langsam die Postapokalypse um sich herum. Obwohl keiner in der Serie *Zombie* sagt, ist das passiert: Wer stirbt, der kommt als klassischer Zombie wieder. Tote, die die Lebenden aufessen wollen. Sie sind nicht besonders schnell, sie denken auch nicht mehr, sie reagieren auf Licht und Ton, und sie sind sehr sehr viele. Wie die Toten, verrottet auch die Welt um Rick Grimes. Er trifft auf eine Gruppe Überlebender, darunter sein ehemaliger bester Freund, seine Frau und sein Sohn. In 7 Staffeln wird der Überlebenskampf der Gruppe mit einem immer anderen Fokus gezeigt. Manche sterben und manche schließen sich der Gruppe an, andere verlieren sich wieder. Aber Rick und dem Kern der Gruppe bleibt die Serie treu. Sie suchen nach Antworten, dann suchen sie nach einem sicheren Schlafplatz.

Irgendwann sterben die Menschen nicht mehr, weil es Tote gibt, die sie auffressen. Irgendwann sterben die Menschen, weil sie von anderen Überlebenden getötet werden. War Lords führen Kriege um Ressourcen, manchmal spricht man auch einfach nicht miteinander. Alles, was du tust, hat direkte Konsequenzen. Meistens tödliche. Schuld überall.

Letztens drehte sich eine ganze Folge darum, dass eine Nebendarstellerin mit Namen Denise unbedingt einmal die schützenden Mauern verlassen wollte. Denise hatte die ganze Zeit über hinter diesen Mauer gelebt und so wundert man sich, dass diese *schwachen* Menschen mit ihren Zivilisationsproblemen die Apokalypse so weit überleben konnte. Das ist auch einer der Hauptkonflikte zwischen denen, die lange Zeit *draußen* waren und jenen, die innerhalb der Mauer lebten. Denise will das jetzt durchbrechen und geht mit zwei von der *alten Crew* nach draußen. Irgendwie ist dem Zuschauer aber schon klar, dass sie Essig ist.

Der Typ, der da den Pfeil geschossen hatte. Der ist kein Unbekannter. Er wurde ausgerechnet von dem gerettet, mit dem Denise da gerade gesprochen hat. So schließt sich der Kreis mal wieder. Wenn Daryl den Typen nicht gerettet hätte, dann hätte der auch seine Armbrust nicht stehlen können und hätte dann auch wiederum nicht Denise….und so geht es ständig. Jemand versucht, sich *richtig* zu verhalten und es ist am Ende trotzdem Scheiße. Es war nämlich augenscheinlich *richtig*, den Typen zu retten. Es gibt aber leider kein *Richtig* mehr. Die Verwahrlosung der zivilisatorischen Werte, die Regellosigkeit, das ist das Motiv, dass immer wieder durchgespielt wird. In unzähligen Variationen.

Denise stirbt also, mal wieder von einem Lebenden getötet statt von einem Toten gefressen zu werden. Sie liegt noch ne Zeit lang auf den Gleisen und die Gruppen bekriegen sich. Dazu kommt der eigentliche Aufhänger dieses Artikels. Ein Song. Ein Stück Soundtrack. Eine junge kanadische Sängerin mit einer ziemlich hohen Stimme. Nicole Dollanganger

Stark.

Der Sommer der schlechten Bücher

Zugegeben, ich bin kein Literaturfetischist. Ich steh schon auf Literatur, aber ganz oft lese ich Schund. Am liebsten Schund aus den Rubriken *Dystopie/ Jugendbuch/ Zombies/ everlasting love* 

Nur diesen Sommer, dieser Sommer ist nur Mist dabei. Kein Wunder, dass ich hier keine Rezensionen mehr veröffentliche. Ich klappe mein kleines elektronisches Büchlein zu, seufzte und denke mir: Wat a Käse.

Vielleicht habe ich auch das magische Alter der *first kiss Bücher* mit meinen 35 Sommern endgültig überschritten und das Gezeter der jungendlichen Protagonisten langweilt mich. Kann sein. Aber selten habe ich von so vielen guten Ideen gelesen, die von den Schreibern so fröhlich in den Sand gesetzt wurden. A Schand.

Zeitrausch-Trilogie von Kim Kestner

*Es sollte ein gewöhnlicher Sommerferientag werden. Ausschlafen, frühstücken, vom kleinen Bruder genervt werden, die Sonne genießen. Doch dann muss die siebzehnjährige Alison feststellen, dass ihr Bruder verschwunden ist. Schlimmer noch, es hat ihn nie gegeben – zumindest nicht in dieser Realität. Und damit beginnt das Spiel: Im Rausch durch die Zeiten, vor Millionen von Zuschauern und einer unerbittlichen Jury bekommt Alison die Aufgabe, die Vergangenheit so zu korrigieren, dass sie wieder in ihre ursprüngliche Gegenwart zurückkehren kann. Eine Aufgabe, die Alison durch sämtliche Jahrhunderte führt, vor unmögliche Herausforderungen stellt und viel schwieriger ist, als sie es sich jemals vorgestellt hat. Gerade mit dem geheimnisvollen Kay an ihrer Seite, der sie viel besser kennt, als es eigentlich möglich sein sollte…* Zitat aus der Buchbeschreibung von amazon. 

Klingt das nicht geil? Doch, das ist auch cool. Eine coole Idee. Drei Bücher lang kann man Alison folgen wie sie sich durch ein Gemisch aus Hungerspielen mit Rubinrot,Saphierblau und Smaragdgrün kämpft. Und dann liest man und liest man und dann kommt der große Absturz. Das Buch findet nicht zu seinem Ende. Oder: die Bücher finden nicht zu ihrem Ende. Man konnte richtig zusehen, wie die Welle immer weiter abflachte. Ein Graus. Der Showdown ist nicht das Gelbe vom Ei. Und was mit den Menschen in der Zukunft passiert, das kümmert dann eh keine Sau mehr.

Das Meer der Seelen von Jodi Meadows

*Ana ist das Mädchen mit der reinen, neuen Seele. Und das macht sie zur Außenseiterin. Denn jeder in ihrer Welt wurde mehrmals wiedergeboren und kann sich an seine vorherigen Leben erinnern. Doch als Ana geboren wurde, passierte etwas Ungewöhnliches: Eine Seele musste für sie sterben. Weil jeder dies als schlechtes Omen deutet, will niemand etwas mit ihr zu tun haben, niemand außer Sam. Doch plötzlich greifen schreckliche Wesen an. Trägt Ana tatsächlich die Schuld daran? Sie wird es herausfinden müssen, wenn sie in dieser Welt überleben will …* Zitat aus der Buchbeschreibung von amazon. 

High Fantasy ist eigentlich von vornherein nicht so mein Fall. Ich mag es nicht, ständig von mystischen Kreaturen bedroht zu werden und mich in ein Gesellschaftssystem einzulesen, dass so ganz ganz anders ist. Aber dem Buch habe ich eine Chance gegeben. Die Idee, dass dort nur Menschen rumlaufen, die sich an 5000 Jahre eigenes Leben erinnern, machte es kurzzeitig spannend, aber das Problem war, dass Ana es einfach nicht herausfindet, warum das jetzt alles so passiert ist. Klar, es ist der Auftakt einer Trilogie, aber ich war zwischendrin so gelangweilt. Manchmal wußte ich gar nicht, wer jetzt mit wem spricht und die Liebesgeschichte ist so an den Haaren herbeigezogen, es ist wirklich nix rübergekommen. Ich lese selten Trilogien nicht zu Ende, aber diesmal is es wohl so. Bin wohl im Meer der Seelen abgesoffen.

Einen Lichtblick habe ich aber schon:

Eine Leserin hat mir Reset von Jens Bühler empfohlen.

*Hauptkommissar Markus Steller leitet einen Polizeieinsatz von Spezialkräften in der Frankfurter Innenstadt. Zeitgleich, nur wenige hundert Meter entfernt, überfällt Demir Kara zusammen mit seinem Komplizen einen Diamantenkurier. Beide Unternehmungen versinken im Chaos, als sich die Stadt innerhalb von Minuten in ein Tollhaus verwandelt. Von rasender Wut besessen beginnen die Menschen übereinander herzufallen. Wer sich nicht in Sicherheit bringt, wird in Stücke gerissen. Verzweifelt versuchen beide Männer, gemeinsam mit anderen Überlebenden, der Hölle zu entkommen. 

Während die Welt dem Wahnsinn zu erliegen droht, erfährt die Kommandantin des Forschungsbunkers Fenris, Generalmajor Aila Torbeck, dass der Feuersturm der Wut, der die Welt verbrennt, erst der Anfang ist. Der Druck, der auf Torbeck lastet, ist gewaltig. Sie und ihre Mitarbeiter sind die letzte Hoffnung auf Rettung vor dem drohenden Untergang. Aber die Kommandantin hat noch ganz andere Sorgen. Wie soll sie ihre Tochter Katta retten, die alleine in Frankfurt um ihr Leben kämpft?* Zitat aus der Buchbesprechung von amazon.

Jens Bühler kommt mit einer Handvoll Protagonisten aus. Er wechselt die Perspektive, führt sie zusammen, wieder auseinander. Gibt ihnen realistische Pläne. Und ein Profil. Die Figuren sind nicht platt und Stereotyp, sondern haben eine für Horrorszenarien erstaunliche Tiefe. Zeichnet sich so ein Roman doch im Allgemeinen weniger durch Charakterstudien aus, sondern eher durch Aktion.

Doch die Spannung und die Aktion kommen nicht zu kurz. Das ist auf jeden Fall gelungen. Ich finde, dass die Geschichte nur einen echten Haken hat. Obwohl die Charaktere und ihre persönliche Geschichte gut aufgelöst werden, mag ich die große Erklärung darüber nicht so besonders. Da sind wohl die Pferde mit Jens durchgegangen. Aber diese Kritik kann ich jetzt gar nicht weiter ausbauen, denn da würde ich zu viel von der Geschichte verraten. Und das will ich nicht. Wer noch einen Roman für den Strand sucht und sich gerne mit Zombies und der Apokalypse auseinandersetzt, der kann das gut lesen.

Ihr seht, ich bin diesen Sommer nicht so zufrieden mit meinem Schund. Ich hoffe, ich entdecke noch eine Reihe oder ein Buch, dass mich gefangen nimmt, mich verliebt macht und mich gegen die Zeit/die Zombies oder gegen sonst was Böses kämpfen lässt. Empfehlungen?

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