Kategorie: Medien (Seite 3 von 9)

Buchrezensionen, Filmkritiken und Fernsehabende

Dark Canopy und Dark Destiny von Jennifer Benkau

Dark canopyKennt ihr das? Wenn man von einem Buch so gnadenlos in den Bann geschlagen wird, dass es eigentlich keinen Spaß mehr macht? Wenn man die halbe Nacht liest und sich verzweifelt im Internet spoilern will, es aber nicht schaffte, weil keiner die entscheidenden Informationen verrät? Wenn man wirklich erleichtert ist, wenn man das Buch ausgelesen hat und es einem damit wieder entlässt?

Mir passiert das nicht oft. Ich lese dystopische Jugendbücher und ich bleibe als erwachsene Frau dann doch eher Herrin der Lage, spiele in Gedanken bisschen mit der Idee, träume ein wenig, aber entlarve dann meist die lächerlichen Details und spotte in Gedanken über das eine oder andere.

Nicht hier.

irgendwo hat sich eine Schleuse geöffnet und ich kam nicht mehr raus. Knapp 1000 Seiten in 10 Tagen und ich habe gelitten wie ein Tier.

Schlimm.

Ich drösle auf:

Sprache

Die Sprache der beiden Bücher von Jennifer Benkau Dark Canopy und Dark Destiny ist wirklich gut. Ohne Frage. Die Bücher sind nicht übersetzt, sie wurden in deutsch geschrieben und das merkt man ihnen an. Sie ist detailliert und schmückt aus, verliert sich aber nicht, denn ein Endzeitbuch lebt auch von der Spannung.

Thema

Das Motiv ist nicht neu, und ich bin ja ein Fan von bekannten Dingen, die man nicht gewaltsam neu erfindet, sondern nur geschickt neu verbindet.

Die Geschichte spielt in England irgendwo in der Zukunft, unsere Welt ist vergessen. Es geht um eine Stadt und das darum liegende Umland. Mehr Horizont ist für eine lange Zeit in der Geschichte nicht auszumachen. In der Stadt herrscht eine genveränderte Spezies von Soldaten, die aus den lange vergangenen Weltkriegen übriggebliebene ist und sich aus der Sklaverei der Menschen einst befreit haben. Sie leben in einem militärischen System und haben die Menschen der Stadt unterjocht. Ihre Regeln sind grausam. Die Autorin läßt hier nichts aus. Es fließt Blut, es wird vergewaltigt und Menschen sterben. Außerhalb der Stadt leben Rebellen. Sie sind auf den zweiten Blick nicht minder grausam.

Klassisches Motiv, also.

Natürlich gibt es ein paar interessante Details über die Supersoldaten, die mir in dieser Form noch nicht untergekommen sind, aber das Gerüst wirkt bekannt.

Die Geschichte entfaltet sich als Romeo-und-Julia-Thema um ein Rebellenmädchen und einen der Soldaten. Das wirkt jetzt auf den ersten Blick sehr überschaubar, aber irgendwas an den beiden hat mich doch grundsätzlich berührt. Vielleicht, weil die Autorin mich in entscheidenen Momenten überraschen konnte, vielleicht, weil weder Romeo noch Julia besonders unschuldig sind. Sie laden in Laufe der Geschichte eine Menge Schuld auf ihre Beziehung, aber ihre Handlungen sind immer so gut nachzuvollziehen, dass es wehtut, wenn man ein bisschen mehr weiß als sie.

Das erste Buch hat einen klareren Spannungsbogen als das zweite Buch, aber ich habe sie eh in einem gesehen und gelesen, denn es geht nahtlos weiter. Das Ende zieht sich sehr und ist dann doch abrupt.

In den meisten dystopischen Romanen gibt es eine oder mehrere Verknüpfungen zu unserer heutigen Welt und das ist hier ganz klar der Rassismus. Besonders gegen Ende des zweiten Buches wird das nochmal deutlich unterstrichen und das tut weh, denn man hofft automatisch, dass er überwunden werden kann.

Ich habe in vielen Rezensionen gelesen, dass man unzufrieden mit dem Ende gewesen wäre. Das Ende eines Buches, vor allem in diesem Genre, ist auch nicht einfach. Ich habe noch keines gelesen, dass mir wirklich gefallen hätte. Entweder die Protagonisten blicken einem Sonnenaufgang entgegen oder einem Sonnenuntergang. Meistens ist es ein Sonnenaufgang. Klappe zu. Zum Ende des zweiten Buches hat man das Gefühl, dass man bis zum Mittagessen geblieben ist und den romantischen Abgang mit allen offenen Möglichkeiten leider nicht serviert bekommt. Sie schließt an einem anderen Punkt ab, wodurch das Ende abrupt wirkt und nicht mehr so verschlafen schön ist. Aber die Autorin hat das Buch auch angefangen mit der ersten Begegnung des Rebellenmädchens mit einem Supersoldaten und diese pinkelt erst mal ihre Hose nass…Gut, so fiel Realitätssinn bleibt das ganze Buch über bestehen und so ist auch das Ende.

Einfach nur schlimm.

Und leider berührte es mein Herz.

ich kann jetzt abends wieder andere Dinge machen wie nähen, fernsehgucken oder Blogartikel schreiben. Ich wünsche allen, die diese Bücher nach mir lesen viel Glück, viel Kaffee und sende doch einen Dankesgruß an Early Birdy für die Empfehlung. Vielen Dank auch, der Scheiß hat mich jetzt 10 Nächte gekostet und ich hätte fast geweint. Wer will schon Bücher lesen, die einen verliebt machen.

 

Bildquelle: pixabay

Die Partials Serie von Dan Wells

Dan Brown PartialsEine Weltmacht hatte einen simplen Plan: Nicht mehr die eigenen Soldaten in ihre Kriege zu schicken, sondern genmanipulierte, menschenähnliche Wesen, die zu diesem Zweck gezüchtet wurde. Partials. Sie gewonnen den Krieg, doch dann blieben sie übrig. Mit Empfindung ausgestattet, stellten sie plötzlich eine neue Spezies dar. Doch die Integration in die menschliche Gesellschaft scheiterte. Die Revolte war unvermeidlich. Die Partials starteten einen Bürgerkrieg, der letztendlich zur Auslöschung von über 90% der Erdbevölkerung führte. Eine Seuche, von der man glaubte, es sei eine biologische Waffe der Partials, raffte alle dahin.

Ein kleiner Rest Menschheit blieb übrig und überdauerte fast 20 Jahre.  Doch die Menschheit hat einen schweren Schaden aus der Seuche mitgenommen: Kein Neugeborenes überlebte die ersten paar Stunden.

Kira Walker macht sich auf, um mehr über die Partials und die Seuche herauszufinden. Denn auch die Partials werden in ihrer Existenz bedroht: Ein in ihrer Genstruktur eingebautes Verfallsdatum lässt Tausende binnen Tagen qualvoll sterben. Wenn beide Spezien kurz vor ihrer endgültigen Ausrottung stehen, können vielleicht nur vereinte Kräfte den Untergang aufhalten.

In den 3 Bänden erzählt Dan Wells viel über Biologie, Verschwörungen, Freundschaft, eine apokalyptische Welt und eine unmögliche Liebe. Geheimnisse werden entdeckt und die Lösung der Geschichte ist gelungen. Die Details sind nicht überfrachtet und die Spannung bleibt. Ich hätte an manchen Stellen gern mehr über die Loyalität und Selbstwahrnehmung der Partials erfahren, aber ich kann die Bände als dystopischen Jugendroman uneingeschränkt empfehlen.

Bildquelle: Pixabay

Kälberbrüten von Wolfgang Ramadan

Kälberbrüten im Kurpark3

Es geht nicht bergab, wir nehmen Anlauf nach bergauf.

Ich war um die Ecke beim Frisör. Meine Frisöse ist aus NRW und schwärmt von ihrem Leben in Geretsried. Außerdem kennt sie Wolfgang Ramadan, wie viele hier. Wolfgang Ramadan ist der Landpoet, der Musikmacher, der Alltagslyriker des Oberlandes.
Kälberbrüten im Kurpark2
Im Kurhaus lief drei Monate lang jeden Sonntag die Premiere seines ins bayrisch übersetzte Kälberbrüten von Hans Sachs. Angekündigt sind weiter Aufführungen.

Es ist Slapstick, sehr bodenständige Unterhaltung, eingeschränkt auf eine Bühne, nicht wie bei dem Riesending des Naturschauspiels am Blomberg. Aber es gibt Wortkunst und herbe Schläge gegen die Biolandkultur. Ein Yoga für den bayrischen Bierbauch wird zelebriert, statt Rescue-Tropfen gibt es ein Lied auf Rescue-Hopfen.

Insgesamt tue ich mir bei manchem Humor schwer, aber die Glühwürmchen flirren in dieser lauen Sommernacht, man kann Bier, Hugo oder Spritz trinken, die Leute lachen und in der Pause kommt es einem so vor, als ob zwischen Touristen und Zufallsgäste langjährige Freunde und Bekannte der Schauspieler und des Regisseurs sitzen.
Kälberbrüten im Kurpark
Wenn euch also irgendwo in München, in seinem Speckgürtel oder weiter draußen ein Plakat auffällt, dass auf Wolfgang Ramadan verweist: Geht einfach hin. Eine Wortverdrehung nimmt man immer mit.

Alles will episch werden. – Kommentar zum Feuilleton

Süddeutsche_immer weiterIch habe ein Abo der Süddeutschen Zeitung gewonnen. Großartig. Unendliches Papier. Gut, wenn man wie ich umzieht. Jetzt habe ich heute doch mal durchgeblättert. Die Zeitung als  Zeitung gelesen. Ich lese täglich Zeitung, aber nur digital, in youtube verpackt, in Newsfeed sortiert. So eine gedruckte große Zeitung kann einen schon nostalgisch stimmen. Längst sind ja Zeitungen handlicher geworden und haben sich verkleinert, sind handtaschengroß. Die Süddeutsche ja nicht. Da kann man seine eigene weltoffene Wissbegierde noch mit ordentlichem Rascheln untermalen. Unter Studenten wurden Zeitungen auch manchmal gesammelt, als Indiz für den eigenen Intellekt. Ich kenne jemanden mit seinem eigenem kleinen Archivstapel.

Der erste Artikel, dem ich eine Chance gebe, ist auch riesig, eine Doppelseite journalistischen Intellekts, hat aber einen kleinen Titel: Immer weiter. Und schält man sich durch die belehrende Feuilletonsprache hat er auch eine interessante Kernfrage. Wobei man eher Kernbeobachtung sagen müsste.

Es geht um das Fehlen des Endes. Das Ende einer Geschichte. Sei es in Büchern, sei es im Film. Computerspiele, die Welten erschaffen. Städte, die sich ausdehnen. Nie ist irgendwo mal Schluss. Kann es noch eine Geschichte sein, wenn sie kein Ende hat? Kann es noch eine Stadt sein, wenn sie ohne Rand in die Vorstädte mündet? Ohne mit der Wimper zu zucken, schlägt mir der Stellenmarkt der SZ auch Jobs in München vor, obwohl ich eine ganz andere Stadt eingegeben habe. Eine Kleinstadt. Die würden im Rathaus hier wild husten, wenn ich ihnen erzähle, dass sie ein Vorort von München sind…

Manchmal wähle ich mir Bücher aus, von denen ich weiß, dass es keine Fortsetzung gibt. Ich sehne mich nach dem Ende der Geschichte. Ich finde es zunehmend schwierig, festzustellen, ob es sich bei einem Band um eine Reihe handelt oder nicht. Öfter mal habe ich unbedacht ein Buch ausgeliehen oder gekauft, von dem dann rauskam, dass es doch der zweite Band von drei Bänden ist.

Ich warte auf Staffelfortsetzungen – quälend lange. Manchmal fangen wir eine Serie erst gar nicht an, wenn nicht wenigstens eine Staffel veröffentlicht ist. Manchmal fange ich Bücher gar nicht an, wenn ich nicht weiß, dass alle (drei?) Bände veröffentlicht sind.

Fanfiction interessiert mich wenig, aber ich habe aktiv nach Geschichten zu the walking dead gesucht. Nach ähnlichen Büchern, nach ähnlichen Serien. Das Rad muss nicht neu erfunden werden, der heutige Thrill ist, dass man hofft, dass die persönliche Lieblingsfigur nicht stirbt – denn sterben kann jeder. Game of Thrones wird unnötig zitiert. Eine Geschichte ist heute eine Idee, die unendlich weitergesponnen wird. Aber die Grundidee ist die Essenz, die fasziniert. the walking dead ist die immer gleiche Handlung: lebende Menschen sind gefährlicher als tote Menschen. Auch wenn tote Menschen dich fressen wollen. Ich mag diese Grundidee, deswegen mag ich auch alle Geschichten dazu. Ich bin froh, dass es nicht nur ein kurzer kleiner Film ist. Wo am Ende dann the end eingeblendet wird. Gleichzeitig bin ich müde der ganzen Superhelden, die neu ins Kino kommen. Teil 1, Teil 2, Teil 25? Aber wie schon bei Karate Kid angemerkt, erkennt man gut den Zeitgeist bei den Teilen, die vom *Original*  abweichen. Was geht heutzutage – und was geht nicht mehr.

Gleichzeitig trifft er (der Artikel, mein ich)  mit einem Satz (auch und wohl ungewollt) die Grundangst der Blogger: „……hat sich der geschlossene Mikrokosmos des Buches verflüssigt. (…) Dass nicht alle, die lesen können, auch schreiben können, spielt keine Rolle mehr, wenn jeder Text irgendwann nur noch einen Leser hat: den, der ihn schreibt.“

Na, Prost Mahlzeit, mal ein ordentlicher Seitenhieb an all die jungen Literaten da draußen ohne Verlag, aber im Selfpublishing-business ganz groß. Ja, so ist das heute. Der Senf zum Weltgeschehen und zum Privaten wird halt nicht mehr durch die Zeitung dazugegeben. Felle davongeschwommen. Blogs, Kommentare und twitter sind auch laut geworden. Gott sei Dank muss man keinen Doktor in Germanistik haben, um schreiben zu dürfen.

Ich überlege, ob ich mit Serviettentechnik Teile der Süddeutschen an eine Schale klebe. Zur Zierde für die Schlüssel (also eine Schlüssel-schale) , die hier überall verstreut liegen. Darüber könnte ich gut einen Blogartikel verfassen. DIY Serviettentechnik kommt bestimmt an. Einen Archivstapel werde ich nicht anlegen. Irgendwo muss man ja mal anfangen mit dem Ende – wenigstens ein Papier-Ende in diesem Haushalt.

 

Das Verlorene Dorf von Stefanie Kasper

das verlorene DorfIn der Mitte des 19.Jahrhunderts findet diese Geschichte statt, in der Abgeschiedenheit, irgendwo in einem Dorf. Die Stimmung ist kalt, düster und es riecht nach Wald und Nebel. Die Autorin verknüpft eine alte Legende mit einem bereits verlassenem real existierendem Dorf für eine Art Gruselgeschichte.

Dabei wirken die Figuren hölzern und unnahbar, sie schafft es nicht, ihnen genug Leben einzuhauchen, aber seltsamerweise hat mich das nicht sonderlich gestört. Es ist eher ein Film, den ich ansehe ohne mich zu identifizieren.

Die Hauptfigur ist Rosalie, eine Waise. Sie heiratet Romar und er bringt sie in sein Dorf, dass abgeschieden in den Wäldern liegt. Sie findet das erste Mal in ihrem Leben Anschluss, doch das Dorf birgt ein düsteres Geheimnis. Rosalie findet langsam heraus, was hinter den Türen des Dorfes vor sich geht und schwebt selbst in Gefahr. Schafft sie es, sich und ihr ungeborenes Kind zu retten?

Bildquelle Header: pixabay

Griechenland ist Europa

#MontagskommentarDer reiche Norden und der arme Süden. Eine europäische Realität. Griechenland hat also gewählt. Keiner weiß so richtig, was die Frage war. Eine Ja oder ein Nein zu Europa? Ein Ja oder ein Nein zu den Schuldbedingungen und Rückzahlungsklauseln? Ein Ja oder ein Nein zu der neuen Regierung?

Um die Ecke bei mir hat ein neuer Feinkostladen aufgemacht. Es ist ein älteres griechisches Ehepaar. Sie verkaufen Oliven und Obst. Meine Kinder dürfen da fast alles probieren. Sie kennen die Oliventheke bereits und langen da immer kräftig zu. (Meine Kinder lieben Oliven und Fisch, ich weiß, sie sind komisch) Die Frau winkt immer ab, wenn ich meine Jungs vom Plündern abhalten will. *Ach, von den zwei Oliven werd ich jetzt nicht arm.* Ich habe sie gefragt, ob sie am Sonntag wählen wird. plötzlich war sie verunsichert. Sie wollte mit mir nicht über ihr Land sprechen und schüttelte nur den Kopf. *Dazu müsste man in Griechenland sein.* sagte sie knapp. Offensichtlich hat sie keine Lust, mit mir über Politik zu sprechen. Ich bewundere statt dessen die Pfirsiche. Mit der Karte zahlen kann man bei ihr nicht. Nur Bargeld, sagt sie lächelnd. Kommt aber noch, verspricht sie mir. Der Mann gibt mir weiche Pfirsiche mit. Für die Kinder, sagt er.

Ich hätte gerne gewußt, was sie denken, denn ich kann mir kaum ein Bild machen, wie es ist, wenn die Banken schließen und man kein Geld mehr hat, seine Medikamente zu zahlen. Im Netz geht das Bild des weinenden Rentners vor den geschlossenen Banken herum. Ein alter Mann, das ist das Sinnbild der Krise.

Von den Kindern wird wenig berichtet. Die Kindersterblichkeit wäre hochgegangen, sagt mir eine Freundin mit griechischer Familie. Von den Berichten fehlt mir jede Spur.

Der Weltspiegel verweist auf andere Länder, die im Euro aus der Krise gekommen sind und tadelt damit wortlos den griechischen Weg. Den anderen Ländern im Süden ginge es auch nicht besser.

Ich beschäftige mich schon lange mit europäischer Geschichte. Die Souveränität des einzelnen Staates ist tief im europäischen Bewusstsein. Wir mögen keine Bundesstaaten, wir mögen nur den Staatenbund. Und ein Souverän lässt sich nicht erpressen. Auf der anderen Seite leider auch nicht. Der Hauch des Erpressbaren wird den Weg zu einer Einigung erschweren und Griechenland letztendlich ausscheiden lassen – aus was auch immer. Die Sparpolitik gibt es schon lange und Europa hat nicht viel auf Griechenland geblickt. Höchstens, um Ferienhäuser auszusuchen. Jetzt sind sie laut und jeder schaut erschrocken hin. Besser wird es dadurch nicht.

Den Letzten beißen die Hunde. Das hat auch Varoufakis gespannt und kündigt für den heutigen Montag seinen Rücktritt an – digital auf twitter und seinem Blog. Immer schön direkt. Ein österreichischer Pensionist, der behauptet, mit Varoufakis blogtechnisch verbunden zu sein, kommentiert jubelnd (ein Fan) und schickt eine Videobotschaft mit.

Popkultur, Coolness, Punk und Politik scheinen sich zu mischen und werden ideologisch aufgeladen. Oh Mann, Leute, kein Mensch kümmert sich um Coolness, wenn man nichts mehr zu fressen hat.

Dabei ist Griechenland Europa. Allein der Name *Europa* kommt von einer griechischen Sage. Wer Geschichte studiert, kennt 3 Epochen, manchmal 4: Alte Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Neuere und Neueste Geschichte.

In der Alten Geschichte geht es nur um Griechenland oder Rom. Am Anfang des Zeitstahls steht Homer und damit meine ich nicht eine gelbe Witzfigur aus Springfield.

Das ist der Unterschied zu den anderen südlichen Ländern in Europa. Wir glauben alle, unsere Demokratie sei eine griechische Erfindung. Oliven und Pfirsiche sind nicht die einzigen griechischen Importgüter.

Die Griechen sind schließlich nach Italien gesegelt und einige Italienische Städte haben griechische Namensgeber. Dann stiegen die Römer auf und haben das römische Reich gegründet. Danach ist Mittelalter. So mal grob.

Die ideologische Aufladung hat erst begonnen.

I am going gay for…not only Ruby Rose

#MontagskommentarRuby Rose geistert durch mein Newsfeed. Who the f*** is Ruby Rose? Ein australisches Model,eine Seriendarstellerin, hat sie auch irgendwas gesungen? Keine Ahnung. Ruby hat vor einer gefühlten Ewigkeit ein youtube-Video veröffentlicht, dem nachgesagt wird, dass selbst die straighte Hetero-Hausfrau ganz feucht im Höschen wird.

I kissed a girl and I Liked it ist so 2008. Aber die Debatte um die Kategorisierung von Sexualität ist mal wieder im vollem Gange. Gender-fluid ist die Kategorie der Stunde und meint, dass man sich weder als Mann noch als Frau fühlt oder aber mal als Mann und mal als Frau. Fluid, halt. Wenn man jetzt aber davon ausgeht, dass Gender eh ein gesellschaftliches Konstrukt ist und *männliche* und *weibliche* Eigenschaften eine Erfindung sind – wäre dann Gender-fluid die Kategorie *Mensch*? Keine Ahnung, Verwirrung ist nicht mein Thema. Sexualität könne man sich nicht aussuchen, sagen die Kritiker. Und recht haben sie, denn es ist sicherlich nicht einfach, in einer heterosexuellen Gesellschaft homosexuell zu sein.

Sexualität sollte man aber ausprobieren, sage ich. In meiner Teenager-Zeit hatte ich ganz herzergreifende Liebesgeschichten mit Frauen und trotz meiner momentanen Sexualität habe ich mir dieser Tage mal überlegt, welche Frauen ich nicht so locker von der Bettkante schubsen könnte…und ja, Ruby Rose wäre jetzt auch darunter. Ich habe mal eine short list erstellt.

1. Kate Winslet

2. Lauryn Hill

3. Emmanuelle Béart

4.Tatiana Maslany

5. Lara Croft in der Version von Angelina Jolie

Ist Grexit dramatisch genug?

#MontagskommentarIn Amerika wird kräftig dekonstruiert. Da gehen einem doch glatt die Schubladen aus. Ein Mann, der in der Öffentlichkeit durch seine sportlichen Leistungen als echter Mann wahrgenommen wurde, wird zur Frau. Eine Weiße gibt sich als eine schwarze Bürgerrechtsaktivistin aus und wird von den Eltern als „blondes Mädchen“ entlarvt. Nur aus Texas taucht ein Video auf, dass einen weißen Polizisten dabei filmt, wie er ein völlig aufgelöstes, heulendes Bikini-Mädchen auf den Boden drückt. Sie brüllt: Call my Mom und weiß auch nicht mehr weiter. Er zieht sogar die Waffe. Alles beim alten. Das Mädchen ist schwarz.

In Europa blickt die Tagespresse in das journalistische Sommerloch, weil keiner mehr Bock hat über Griechenland zu reden. Allerdings haben wir ein wundschönes neues Wort erfunden. Den Grexit, eine Mischung aus Exit und Griechenland. Gemeint ist damit der Ausstieg Griechenlands aus der €-Zone. Grexit klingt wie eine kurzer schmerzhafter Schlag, so vom Wortklang, mein ich. Und Exit ist hierzulande meistens der Notausgang, also durchwegs nicht Negatives. Ich würde mir ein dramatischeres Wort wünschen. Greabortion oder Grefall oder Grebroke, aber Grexit? Ich weiß ja nicht, Leute.

Frisch aus dem Meer gefischt : Liste der besten Blogs Teil 1

beste BlogsWer mit dem Bloggen anfängt, der erkennt schnell, dass es alles bereits gibt. Es gibt Tausende von Blogs. Ein Meer. Ein Ozean persönlicher Statements zum persönlichem Tagesgeschehen. Dabei gibt es große Fische und kleine Fische. Die meisten streben danach, ein großer Fisch zu werden. Was man mit dem Blog dann eigentlich macht, wenn er eine bestimmte Leserschaft erreicht hat – keine Ahnung. Manche schreiben weiter, manche werden zu Werbeplattformen.

Blogs sind für Unternehmen attraktiv. Es gibt Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben, Bloggbetreiber anzuschreiben und zu fragen, ob sie nicht ein bestimmtes Kontingent bezahlter Artikel aufnehmen – mit Links zu Produkten, Produkttests und Kaufempfehlungen. Dabei wird auch gerne gleich des Pudels Kern angesprochen: Am liebsten, ohne dass die Leser bemerken, dass es sich um gesponserte Artikel handelt. Ich fühle mich geschmeichelt bei diesen Anfragen und lehne dankend ab. Ich halte mich für einen kleinen Fisch, freue mich über Klicks und Kommentare, Verlinkungen und Ideen, aber bemerke auch, dass die großen Blogger nicht mehr unbeschwert ihren Müll raushauen können, weil da der Gegenwind dann weht – vielleicht auch nur im Kopf.

So denke ich mir es zumindest, weil es wenige große Blogger gibt, bei denen ich das Gefühl habe, sie flachen nicht ab. Eine Mama-Bloggerin mit großer Leserzahl hat mal über Fahrradanhänger gebloggt. In ihren Kommentarfelden wimmelte dann die Frage, warum sie auf den Bildern keinen Fahrradhelm trägt. Die Internetgemeinschaft ist kritisch, Unbeschwertheit beizubehalten stelle ich mir da schwierig vor.

Im Meer der Blogs lese ich auch gerne herum. Dabei habe ich noch lange nicht das Gefühl, ich habe alle *meine* Blogs entdeckt. Hier kommt mal meine Auswahl der Blogs, die ich unabhängig ihrer Lesergröße für großartige Blogger halte. Die Liste ist nicht hierarchisch, sondern zeitlich:

Einer der ersten Blog, auf den ich gestoßen bin und bei dem ich nicht regelmäßig, aber immer mal wieder mitlese, ist Mädchen mit Herz. Katja ist definitiv ein größerer Fisch und hat es trotzdem geschafft, dass ihr Blog nicht zum Werbeträger verkommt. Sie mag die Sache mit dem Bloggen einfach und das merkt man. Sie ist unperfekt perfekt, liebt Ostfriesland und bastelt viel herum. Auffallend an ihrem Blog ist tatsächlich das runde Design: Fotos, Text, Thema und Aufbereitung sind schon ziemlich gut. Ihre Ode an das Unperfekte oder der Blick hinter dem Blog sind einfasch Gute-Laune-Texte zum Lesen. Unpolitisch, ungenörgelig, ein Popsong als Blog.

Mehr in das intellektuelle Leben geht es mit Larissa von No Robots Magazine. Larissa ist so der erste Mensch, den ich über ihren Blog kennen gelernt  und auch im Leben 1.0 getroffen habe. Ein langes Gespräch über Kommentarfelder führen wir seit fast einem Jahr. Sie hebt sich absichtlich ab von einem Tagebuch, sonder schreibt in Magazinstil Artikel zu politischen Themen, zur Popkultur, zu Kinofilmen und zu ihrem persönlichem Kampf mit der Nähmaschinen und Kochtöpfen: Wie man es nicht tun sollte. Selbstironisch, einen klaren Hang zu Öko ohne Schischi, ein Augenrollen in Richtung Blingbling und Protz, einer Liebe zu klaren Linien und guter Musik.

Vanessa Piccola ist Punk und Parodie. Partyfähnchen für kugel rum! Hier wird nicht mit gephotoshopten Texten zu Herzchenbilder weischgespühlt, sondern hier geht es derb zu, mit Intelligenz, Witz und (Selbst)ironie. Vanessa schreibt über Phänomene der modernen Gesellschaft, Netzkulturfragen, macht mal einen Abstecher zu den Kuscheltieren ihrer früheren Beziehungen, hört Musik und ist für mich eine der großen Fische, die sich nicht verbiegen lassen. Hamburg ist ihr Kiez und Game of thrones ihre Serie. Sie ist laut und bunt und kann – im Gegensatz zum Meer der Blogger – wirklich schreiben. Viele haben es bedauert, dass sie ihren youtube Channel nicht mehr füttert, aber mei, Vanessa macht, was ihr Spaß macht. Ihr Blog ist ihr Partykeller – the place to be Saturday night.

Frau Margarete ist die TV-Spezialistin unter meinen Lieblingsblogs, dabei ist ihr Spektrum natürlich nicht so eingeschränkt. Alle Geschichten sagen ihr etwas – erzählt, gespielt, gesungen – egal. Dennoch sind Serien und auch ihre regelmäßige Blogparade dazu mein absolutes Lese-Highlight. Sie ist die Interaktive, schätzt den Austausch, möchte was von anderen wissen, diskutiert und stellt auch mal Kontroversen zusammen. Auch das ist klein Blog des täglichen Grauens moderner Frauenleben, sondern eine der besten medialen Überblicke, die ich so kenne. Sie ist der informative Kommentar zur Popkultur.

Bei Splitter von Glück schaue ich gar nicht so oft vorbei wie ich wollte. Jedes Mal, wenn ich ihn anklicke, streife ich durch meine verpassten Artikel und verweile ziemlich lange. Es sind Auszüge aus ihrem Leben – man kommt mit auf ihre Reisen und den persönlichen Details dazu, sie regt zum Nachdenken an und photographiert. Für mich ist dieser Blog wie ein Bergsee – er ist klar und ruhig, persönlich und charakterstark. Lesenswert, gut geschrieben ohne exhibitionistische Züge oder Effekthascherei.

Early Birdy hat wie ich einen Vogel im Kopf und schreibt, worüber sie Lust hat. Sie beweist, dass Schubladendenken in der Bloggerei unangebracht ist, denn ich kann gar nicht richtig fassen, was ich an ihr so mag. Ihre an die Wand genagelten Garne? Ihre Liebe zu Reisen und Architektur?  Sie hatte mich mit nur einem Satz: Mein Herzblut fließt durch die Donnersbergerstrasse. Ganz ehrlich, das hat mich geflasht. Aber all ihre Texte zeichnen sich einfach durch ihren hervorragenden Schreibstil aus. Sie ist mein Kneipenbesuch mit einer Freundin, ich höre Geschichten und lache dazu. Es ist mir egal, ob ich mich für Fototechnik interessiere oder nicht, ich freue mich wie ein Schnitzel auf ihren Fotokurs. Vielleicht wird sie der Grund sein, wenn ich mir auch mal ne Kamera wünsche und nicht nur mit dem Handy photographiere….

Jetzt bewegen wir uns mal mit Noch ne Muddi in die Sphere der Mamablogs – oder doch nicht? Bei Kindern hört der Spaß ja auf. Meine Muddi stellt nicht ihr Kind in selbst genähten Rock online, sondern schreibt über zerstörte Illusionen und wie man seinen Platz in der Realität mit Kind findet. Da geht es um die Grauen der Spielzeugindustrie, die ganz anders durchzechten Nächte, aber ohne voyeuristischen Blick aufs Kind. Muddi will nicht andere Mütter beraten, Muddi will schreiben – und kann das auch. Unter all der Realität mit Kind findet man aber eine ganz große unterschwellig immer: die große Liebe zur Tochter.

Andrea Harmonika ist eine ganz Bissige. Ein Mama-Blog der oberen Unterhaltungsklasse. Sie kommentiert sarkastisch die Auswüchse mancher Erziehungsvorschlägen, ihren Blick auf ein Kinderbuch werde ich mein Leben lang nicht mehr loswerden: Henriette Pimmelbahn? Ich brech ab. Sie trifft den Nagel auf den Kopf – mit wenigen Worten, einem Bild, einem Kommentarartikel. Großartiger Blog, der Spaß macht – meine Morgenzeitung.

*to be continued

Da ist meine Liste der großartigen Blogger nicht zu Ende. Es gibt noch einen Haufen neumodischen Quatsch, den ich mir auf der Bloggerebene reinziehe, aber es soll ja eine zeitliche Liste werden. Die neu entdeckten Blogs müssen noch warten, denn ich interessiere mich brennend für eure Vorschläge. Welche Blogs lest ihr so? Und vor allem, warum? Zugebenen, ich hüpfe an manchen lauen Sommerabenden auch gerne von Blog zu Blog und lese Artikel, die ich so beim Schwimmem im Bloggermeer mitkriege – manche speichere ich für später, manchen hinterlasse ich einen Kommentar, bei vielen mache ich gar nichts. Dass mir ein Blog so im Gedächtnis bleibt, dass ich ihn regelmäßig besuche, kommt nur ab und an vor. Wie gesagt – ich geh lieber im offenem Meer baden. Trotzdem: Vorschläge? 

Eine andere Liste mit Blogs findest du HIER und HIER 

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