Entschleunigung oder der goldene Topf am Ende des Regenbogens

Unsere Welt ist zu schnell. Um genauso gut zu sein wie im Jahr zuvor, sagt unser Leitungsprinzip, dass wir eine Schippe Arbeit oben drauf legen müssen. Die Kapazitäten erhöhen. Ziel: Wachstum.

Dabei ist dieses Prinzip nicht nur ein wirtschaftliches. Auch Blogger wollen größer, weiter werden. Mehr Follower, mehr Kanäle.

Auch Mütter. Ich treffe immer wieder eine Mutter, die für mich der Inbegriff der Leistungsorientiertheit ist. Lustig dabei, dass sie mit Studium und intellektuellem Job und Yoga-Kursen eigentlich  mit mir vor allem über Entschleunigung spricht. Wie ein Guru. Kurz vor den Klavierstunden ihrer Tochter. Und dem Fußballtrainings ihres Sohnes.

Ja, die Entschleunigung, das Heilmittel gegen Stress und Burn-out. Zu finden zwischen Spaeinrichtungen und Klangschalengymnastik. Da wird dann das Gefühl gesucht, mit sich selber im Reinen zu sein.

Was bedeutet das genau? Im Reinen zu sein, bedeutet Loszulassen. Seinen Anspruch an sich selber loslassen, die Ansprüche der Gesellschaft, die Ansprüche des Partners.

Im Umkehrschluss: seine Aufgaben erledigt zu haben.

Entweder, in dem man sie erledigt oder indem man sie für erledigt erklärt.

Unter Müttern ist das ein zweischneidiges Schwert, ein Fall ohne doppelten Boden: erkläre ich die Aufgabe *Wäscheberge* oder *Abendessen* für erledigt, dann hat das in der Regel negative Konsequenzen. Ich habe nur die Chance, sie tatsächlich zu erledigen. Aber, ich sollte ja entschleunigen. Ziemliche Zwickmühle, finde ich ja.

Da gibt es aber auch eine Klangschalengymnastik:

Wenn du mit deinen Aufgaben nicht zurecht kommst,
dann hast du einfach schlecht geplant.
Plane besser.

Ist das der goldene Topf am Ende des Regenbogens? Planung? Also, wenn ich gut plane, dann erhöhen sich meine Ansprüche: selber kochen statt Tiefkühlpizza, um mal konkret zu sein.

Um ehrlich zu sein: Ich bin gut im Zeitmanagement, aber ich finde es ziemlich verfrohren, einer Mutter mitzuteilen, dass sie nur deswegen grad zusammenbricht, weil sie schlecht geplant hat. Mal versucht, Kinderaktionen vorherzusagen? Kann ich gleich eine Glaskugel befragen. Wobei, ich weiß im Vorfeld schon, dass das Baby die Hose voll hat, wenn ich grad meine Stiefel angezogen hab. Eh klar.  Ich plane gut und trotzdem ist Stress ein mir bekannter Zeitgenosse.

Entschleunigung kann aber auch bedeuten, dass du die Aufgaben für erledigt erklärst, die nicht unweigerlich alltagsbedrohlich sind. Jede hat schon man den Spruch gelesen.

Gibt es in ganz unterschiedlichen Zusammensetzungen. Aber die Botschaft ist immer gleich:

Arbeite an deiner Prioritätenliste.

Wenn du gestresst bist,

dann setzt du einfach die falschen Prioritäten.

Gut, denke ich mir.

Bis ich die erste Murmel aus der Windel meines Babys gefischt habe und mir ganz schlecht geworden ist bei dem Gedanken, was er sonst noch alles verschlucken könnte hier. Daraufhin habe ich wieder aufgeräumt.

Weder gute Planung noch schmutzige Fussböden bringen mich also in die Entschleunigung. Vielleicht eine Mischung?

Meine Lösung kam von ganz woanders her. Ich habe ein Frühstück gegeben mit anderen Müttern. Manche schauen mich immer ganz schief an, wenn ich Sachen genäht oder gestrickt habe. Woher du nur die Zeit nimmst. Ich zucke mit den Schultern und das Gespräch plätschert weiter. Und da kommen dann Schundromane und Freizeitliteratur dran. Ich frage höflich nach den Autoren. Und habe in meinem Leben schon viele Bücher gelesen.Aber das ist eine ganz schön lange Zeit her. Und habe dann keine Lust mehr und sage einfach: Ich lese nicht mehr.

Große Augen.

Gut, so dramatisch ist es nicht, aber ich lese fast nichts. Vielleicht zwei Bücher im Jahr wo mal 20 waren.

Und da fällt es mir auf: deswegen habe ich Zeit, so viele Dinge zu nähen. Ich habe das Lesen aufgegeben.

Das klingt jetzt für die einen dramatisch und für die anderen weniger dramatisch, steht aber exemplarisch. Ich habe noch ganz andere Dinge einfach aufgegeben. Und wie wir untereinander annehmen, dass niemand die wirklich wichtigen Dinge aufgibt, sondern nur so was Zweitraniges wie  ein perfekt aufgeräumter Kleiderschrank – nein, das ist eben nicht so.

Der goldene Topf am Ende des Regenbogens ist für mich eher aus Blech.

Die Prioritätenliste besteht weder aus allem noch nur aus wichtigen Dingen.

Man muss auch Sachen streichen,

die wichtig sind.

Einfach streichen – weder gut irgendwo reinplanen, noch die Liste neu ordnen. Manche Sachen verpasst man einfach.  Und einen Haufen Sachen sind einfach auch nicht die eigene Wahl. Manche Sachen verschwinden und man trauert ihnen echt ne lange Zeit nach. Und denkt, man würde es schon hinkriegen, wenn man besser plant oder wenn man die Prioritätenliste neu sortiert. Bullshit. Du wirst einfach damit leben müssen.

Damit gut zu leben, damit zufrieden zu sein – ich glaube, dass ist wahre Entschleunigung.

Ich weiß, dass ist jetzt politisch total unkorrekt, aber schau dich doch um. Keiner hat alles und die, die Glück hatten, durften wählen. Manche stopfen ihr Leben voll mit total unwichtigem Zeug, aber finden es halt selber wirklich wichtig, dreimal die Woche mit Mausi zum Ballett zu gehen. Neid ist ein ganz guter Wegweiser.  Die Menschen, auf die wir neidisch sind, haben alle ihre dunklen Flecken.

Eine Freundin von mir bewundert total eine andere Mutter. Wirklich, ein flauschiger Freizeitpark für Kinder ist sie. Total viele tolle Aktionen – meine Freundin hechelt immer ein bisschen hinterher. alles scheint perfekt: ein Beruf, Kinder, Vereinbarkeit, schöne Wochenenden im Grünen – a modern utopia.

Meine Freundin ist neidisch. Sie will auch einen Vollzeitjob mit ausgeglichenen Kindern und spannenden Ausflügen haben. Sagt sie, während sie mir ihr eingekochtes Gemüse, selbstgebackenes Brot und ihre Marmelade vorbeibringt.

Dann war sie einmal bei der Flausche-Mutter zu Hause und erzählt mir, dass sie fast der Schlag getroffen hat, so ein Chaos war da. Und meine Freundin kann Chaos. Wenn sie von Chaos sprich, dann hat das eine ganz andere Qualität als  ein paar staubige Regale. Wir haben lange über unseren Hochmut gesprochen. Wir haben der Mutter halt einfach unterstellt, dass sie alles hinkriegt, aber jeder lässt was los. Und niemand ist perfekt. perfekt ist nur, wenn du selbst entscheiden darfst, welche Sachen du aufgibst: Partynächte, Jobs, Staubsauger – alles eine Frage der Perspektive. Und eine Frage der Bewertung. Die Gesellschaft, in der du dich bewegst, findet es manchmal scheiße, welche Sachen du aufgibst und zwingt dich dann dazu, diese toten Felder aufrechtzuerhalten. Das ist dann der echte Stress, aber das sprengt jetzt dann den Rahmen…. Ich sag nur so viel:

Wähle klug und solange du kannst.

Da fällt mir ein anderes Sprichwort ein.

Eines, dass vielleicht viel ehrlicher mit dem Leben umgeht.

 

 

 

 

Ein Augenblick am Freitag: Freitags-Füller

 

Barbara von scrapimpulse stellt jeden Freitag einen Lückentext auf ihren Blog. Der Freitags-Füller. Ich habe ihn heute mal zu mir geholt. Lückentexte sind gar nicht so einfach. Manchmal sitzt man da schon eine Weile da und weiß genau, was für da für ein Text jetzt passen würde, aber findet es auch zu ehrlich, den so reinzuschreiben. Ich habe es trotzdem versucht.

Der Geruch von einer mit beißender Kinderkacke gefüllten Windel war der erste Geruch heute morgen.

Irgendwie ist dann der Kaffegeruch dreimal so gut und ich schiebe vieles auf die gestrige Impfung,die ich befürworte, die nächste auch, aber bitte erst im nächsten Jahr.

Nein, wir werden nicht jammern, sondern das neue Album von Marianne Faithful beim Frühstück hören. 

Für die kleinen perfekten flüchtigen Augenblicke , die so vergänglich sind, dafür bin ich dankbar.

Gestern  habe ich Brotteig angesetzt, den werde ich jetzt gleich verarbeiten. Auf Brotgeruch freue ich mich immer am meisten.

 Brot zu backen fällt mir inzwischen leicht, Ich bin halt der SauerteigTyp. Ich komme mit Hefe nicht zurecht. Ich finde, Hefe ist zickig. Braucht die richtige Temperatur, musste genügend lange kneten lassen und genau lange genug gehen. Sauerteig hat nicht so viele Allüren, ist zwar langwieriger, aber verzeiht mehr. Hefe führt sich auf wie eine Diva, lächerlich.

Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf den Martinsumzug im Kindergarten , morgen habe ich geplant, nichts zu machen und Sonntag wollte ich alle überreden, schwimmen zu fahren. 

 

Kleiner Mann – neu eingenäht: ottobre 1/2016

Manchmal komme ich nicht dazu. Manchmal schon.

Wir alle haben unser eigene Zeitkonto und wenn da mal im Plus ist, dann kommen wir auf die verrücktesten Ideen: mal 5 Minuten länger duschen, mal die Milchleitung der Kaffeemaschine reinigen und einen echten Cappuccino rauslassen, mal ein Buch lesen, mal was nähen.

Vor kurzem habe ich das jüngste Familienmitglied eingenäht. Mit einem ärmellosen Strampler aus der Ottobre vom Frühjahr 2016. Ich habe von meiner Mama einen kuscheligen Sweat ‚geborgt‘ und ihm ein kleine Eichkatzerl drauf gestickt. Das Stickmuster kommt von urban threads – toller Shop, by the way.

Mit nur einem Body drunter sind Strampler meine Lieblingsgarderobe für Zwergerl. Das ist dann wie: mit einer kleinen Decke umhüllt.

 

Dieser Beitrag findet seinen Weg zum

creadienstag

made for boys

 

Freud und die Kinder: Die Grenzen der guten Erziehung

Manchmal muss man sich ja um die großen Dinge Gedanken machen. Erziehung, zum Beispiel.  Was ist das eigentlich genau?  Gute Erziehung, schlechte Erziehung.  Sagt man ja, wenn es um das Benehmen von Menschen geht. Wie benimmst du dich denn? 

Ich bin Mutter von drei Kindern, eines ist grad 1 Jahr alt. Ich sag das nicht, weil ich irgendwie dadurch eine Expertin bin, aber im Bedürfniskatalog von Kleinkindern. hey, da kenn ich mich aus.

Nach Freud besteht die menschliche Psyche ja aus drei Instanzen: dem Es, dem Ich und dem Über-ich. Oder: der Forderung, der Reaktion und dem Werte-Katalog.  Aus dem Es kommen die Bedürfnisse, die Instinkte. Sie kommen in das Ich und werden von dem Über-Ich gelenkt. Das Über-Ich kontrolliert, ob das Bedürfnis jetzt befriedigt werden kann oder nicht. Ob das grad gesellschaftstechnisch geht, ob das Bedürfnis jetzt grad irgendwie *in Ordnung * ist. Und das Ich ist dann das Ergebnis, dass ständig versucht zwischen dem ES und dem Über-Ich zu vermitteln. Ein stressiger Job. Könntest du bitte mit dem Essen warten, bis alle am Tisch sitzen? Klar, gar kein Problem…

Als mein Tag noch daraus bestand, kluge oder unkluge  Dinge zu lesen, fand ich das interessant genug, es mir zu merken. Normalerweise bin ich keine Philosophin. Schopenhauer hat mir meine erste Liebe ruiniert. Mir reicht´s mit den alten Herren. Aber, trotzdem, manchmal kommt mir noch Freud in den Sinn.

Mal offensichtlich, was Freud von Erziehung hielt. Dieses dunkle konfuse ES in den Griff zu kriegen, indem man als Eltern das Über-Ich ersetzt und formt, damit das ICH dann hoffentlich mal selber ein gut funktionierendes Über-Ich besitzt.

Kann ziemlich schief gehen. Das hat Freud auch gewußt.

Mein jüngstes Kind ist grad eine wundervoll knuddelige ES-Wolke.  Auf Normen wird geschissen. Bedürfnisse werden durchgesetzt. Keine Rücksicht auf Verluste.

Zu Beginn so eines Menschenlebens sind die ES-Impulse ja überschaubar: Hunger, Schlafen, Liebe. (Da halt ich mich ja nicht so an Freud, ich weiß)

Aber es kann auch da schon differenzierter werden: Heiß, Kalt, dunkel ,hell…und mit jedem Monat wird es ja unübersichtlicher und dann fängt man meistens an zu raten. Magst du den Ball? Magst du nix essen? Ach nee, du magst essen, aber selber. Cool. …..Äh, nein, wir werfen nicht mit Essen nach der Mama. . Aber das Beste an Babys ist ja, dass sie alle so herrlich unterschiedlich sind. Wie viel Schlaf, wie viel Nähe, wie viel Hunger – da gibt es ja nur Richtwerte. Ungefähre Abschätzungen. Da gibt es Kinder, die schlafen wenig. Da gibt es Kinder, die schlafen viel. Da gibt es Kinder, die essen wenig. Da gibt es Kinder, die essen viel.

Und immer irgendwo eine Mutter, die ganz ängstlich auf die Nachbarbabys schaut, um herauszufinden, ob sie denn all diese ES-Laute richtig erkennt und befriedigt.

Und immer irgendwo eine Mutter, die die Nase rümpft, nur weil sie das unverschämte Glück hat, dass ihre kleine ES-Wolke grad bedürfnisskompatibel ist mit dem Rest des Raumes. Denn nur das ist es: Glück. Das hat nichts mit dir und deinen Erziehungsnormen und Werten zu tun. Es ist einfach grad gut gelaufen.

Gut, irgendwann hört das auf. Irgendwann hat es dann doch mit dir zu tun. Der Übergang ist schleichend, aber vorhanden. Kinder haben feine Antennen. Die wissen ganz genau, was dir wichtig ist und was nicht und sie versuchen, ihr kleines gepflegtes ES zu befriedigen. Das ist ja auch ihr gutes Recht. Und es ist ja auch schön, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse so erforschen. In gewisser Hinsicht sind sie herrlich gesund. Sie hören auf sich und ihr Inneres.

Die Frage ist dabei, dass man ihnen sanft und ehrlich beibringt, damit den Rest der Menschheit nicht zu stören.  Wobei, auch das ist ja Blödsinn, denn in gewissen Momenten sollen sie ja eben nicht geräuschlos bleiben: bei Ungerechtigkeit aufstehen, bei Fehlern dagegen sein. Also: Stör mit deinem Bedürfnis nicht den Rest der Menschheit, aber sei bitte im richtigen Moment ein Held.

Freud ist ja auch schon überholt. Keine Ahnung, wie und ob das geht. Wenn ich hier rumbrülle, weil irgendjemand mal wieder igendeinen Kacka gemacht hat, dann frag ich mich schon, warum mir das so wichtig ist grad. Wegen mir? Bin ich eine kleine ES-Wolke grade?

Wenn Kinder so bedürfniskompatibel mit dem Leben der Eltern mitlaufen, macht man sich ja wenig Gedanken um Erziehung. Lustig wird es erst bei Konflikten. Wenn in Familien der Bedürfniskampf ausbricht.

In unserer Gesellschaft suchen wir immer nach der allgemein gültigen Norm: Vereinbarkeit, Krippen, Stillzeit – wie lange, wie viel, blabla. Da gibt es die Mütter, die behaupten, nur als Hausfrau kann man den Bedürfnissen gerecht werden. Da gibt es die Mütter, die behaupten, dass ein Kind ab einem Jahr vollbetreut werden sollte, weil man selber einfach arbeiten gehen muss.

Ich glaube, dass ist alles Schall und Rauch.

Es gibt nicht *das Kind und sein Bedürfniss* – es gibt nur lauter kleine verschiedene Menschen und wenn du es nicht zu extrem hälst, kannste ein Kind haben, dass sich super gut in deinen eigenen Bedürfniskatalog eingliedert. Vielleicht aber auch nicht. Und wenn nicht, dann ist es sehr hilfreich, das Bedürfnis zu kennen und nach irgendeinem Befriedigungsmodus zu suchen. Das kann kompliziert sein. Mehr Nähe, andere Nähe, vielleicht auch das Bedürfnis, dabei zu sein. Wo dabei? Kann man etwas machen, wo das geht?

Am einfachsten erscheint es, einfach genug Zeit und Geld zu haben, dass man alle Bedürfnisse von Kindern stillt. Geile Lösung der Cappuccino-Fraktion. Im Erwachsenen-Leben geht das bestimmt gut aus, wenn man gewohnt ist, dass man kriegt, was man will. Immer. Hauptsache, man hört mit dem Gebrüll auf.

Es gibt nicht *die Lösung*. Wenn es in deinem Leben also grad total harmonisch läuft, dann hat das nichts damit zu tun, dass du irgendwas *richtig* gemacht hast und die anderen irgendwas *falsch*. Es liegt daran, dass du grad das Glück hast, ein mit deinen persönlichen Möglichkeiten zufriedenes Kind zu haben.

Und wenn dein Kind grad sich auf den Boden wirft und versucht, mit allen Mitteln das Bedürfniss zu stillen, dann genieße die Fahrt in den Urinstinkt. Das ist okay. Brüllst du jetzt, weil es um Leben und Tod geht? Bist du in ernsthafter Gefahr? Nein? Okay, es ist okay, das Überraschungsei an der Supermarktkasse zu wollen, aber ich als dein Über-Ich habe grad gesagt, dass das nicht geht. Und ich bin ein gutes Über-Ich. ich knicke jetzt nicht ein, nur weil du so laut und wütend um die Ecke kommst. Ich halte auch die Blicke der anderen aus und mein eigenes Bedürfnis (leise, sauber und gepflegt dazustehen?) Ich kann das aufgeben. Ich kann mich von den anderen anstarren lassen. Weil du und dein Benehmen mir wichtiger sind. Ich kann konsequent bleiben. Pass auf. 

Eigentlich ist so ein harmonisches Familienleben ja nur ein Ausbalancieren der verschiedenen Bedürfnisse, wobei die Regel gilt: je jünger das Mitglied, desto weniger Kompromissbereitsschaft ist vorhanden. Aber, wenn man ganz viel Glück und ganz viel Geduld hat, baut sich diese Kompromissbereitschaft ja aus. Kinder lernen ja, was ihren Erziehern wichtig ist und was nicht. Kindern haben Antennen. Und, wenn man sich vorhersehbar verhält und dann auch mal so völlig blödsinniges Kinderbedürfnis nach Pommes mit Honig (bildhaft gesprochen) erfüllt, na, dann wird das auch mit dem Kompromiss: Ich achte auf dich. Du kriegst, was du brauchst. Versprochen. Soll  auch.  Sozial verträgliche Zufriedenheit und so. Das wär doch so ein gutes Erziehungsziel.

Hallelujah,

Das ist  kein Können,wenigstens nicht nur,  das ist auch eine Menge Glück. Und ab und zu mal ein Gedanke daran, was dahinter steht. Hinter dem Benehmen.

Patchwork von Uwe Rosenberg: Spiel für Alle

Die Tage werden länger, die Kinder größer und irgendwann kommt die Stunde, auf die erwachsene Spieler warten: Kinder, die Erwachsenenspiele mitspielen und toll finden.

Yeah!

Eines meiner persönlichen Lieblingsspiele ist das 2-er Spiel *Patchwork* von Uwe Rosenberg. Ok, thematisch auch nah an mir dran, denn es ist tatsächlich *Patchwork* im Sinne von *Flickennähen* gemeint.

Bei Patchwork baut jeder Spieler aus verschiedenen *Flicken*, die man nach einem einfachem Muster erwerben kann, einen kleinen Teppich zusammen. Ein *Bauspiel*, bei dem es mal nicht um Rohstoffe wie Fisch oder Lehm geht, sondern um ein Quadrat. Sehr abstrakt eigentlich.

Das Spiel ist hochwertig gemacht, die Währung sind Knöpfe und Zeit. Herrlich.

Im Netz sind  manch männliche Spieler davon begeistert, weil es sehr geometrisch, klar und strategisch ist und die hübschen Fleckenuntensilien, die ich ja schön finde, wohl grundsätzlich ignoriert werden.

Meine Quelle für neue Spiele und Rezensionen ist der youtube-Kanal

„Hunter  & Cron“.  , die hier mit einer Bestenliste verlinkt sind. In dieser Top 10 aus dem Jahre 2016 liegt *Patchwork* bei meinen beiden liebsten Nerds aus den 90ern auf Platz 1. Die Spielerszene ist echt begeistert und so sind wir es hier auch. Vor allem, weil das Spiel eben kein *Kinderspiel* ist, sondern einfach ein Spiel. Für alle.

Andere Artikel zum Thema Brettspiele aus diesem Blog:

Spiel für Kinder

Spiel für zwei Spieler

 

Da es echt so eine Sache ist mit den glücklichen Momenten und weil sie manchmal selten sind und noch seltener abfotographiert werden, wird dieser Beitrag geteilt auf dem Freu-Tag. Eine Linkparty, gie genau solche Momente sammelt: die glücklichen.

 

Geschichten zum Gruseln: Podcasts aus den Abgründen

Seit kurzem höre ich mir Podcasts an. Den Hype darum kenne ich bereits schon länger, aber wirklich beschäftigt habe ich mich mit dem gesprochenem Wort im Netz noch nicht. Irgendwie hatte ich immer die Idee, dass diese Podcasts vor allem Lebenshilfen, Bloggerkram und Selbstbeweihräucherung ist.

Weit gefehlt.

Podcasts können spannende Geschichten ein. Erst bei einem meiner letzten Posts über den Oktoberspaziergang habe ich mich bei den Landschaften an einen berühmten Mord erinnert gefühlt. Dieser Mord aus den 20er Jahren in Hinterkaifeck ist nicht nur gruselig an kalten Herbsttagen anzuhören, in dem Podcast geht es auch darum, sich selbst zu hinterfragen.

Hier nun meine drei Empfehlungen für einen gruseligen Halloween- Abend. An alle, die sich nicht verkleiden und auch auf keine Parties gehen, sondern in der Nacht vor Allerheiligen ganz ohne viel Hokuspokus ein wenig Gänsehaut bekommen wollen:

Hinterkaifeck ist der Name eines Bauernhofes, der Tatort eines wirklich schaurigen Verbrechens wurde. Der alte Bauer, seine Frau, die Magd, die erwachsene Tochter und deren beide Kinder wurden erschlagen. Im Dorf findet man Gründe dafür, aber keinen Täter. Es gibt Theorien und Familiengeheimnisse. So ist nicht klar, wer der Vater des jüngsten Kindes ist. Es gibt auch begründete Vermutungen, dass der alte Bauer seine Tochter missbraucht hat. Der Ehemann der Tochter ist angeblich im Krieg geblieben, aber kann man sich da sicher sein? Im Laufe der 8 Folgen entwickelt jeder eine eigene Theorie. Und man findet für jede Theorie genügend Beweise.

Das Wissen und Nichtwissen von Dingen, das Geheimniskrämertum und die Täuschung ist auch Thema eines anderen Podcasts. Eines viel jüngeren Mordfalls. Christin und ihre Mörder... Christin ist ein junges Mädchen aus Brandenburg, die sich in den falschen Mann verliebt. Auf einem Pferdehof kommen die dunklen Familiengeschichten zu Tage: es geht um Versicherungsbetrug und schließlich Mord. Keiner weiß es genau, aber alle scheinen Bescheid zu wissen. Es gibt nicht nur einen Mörder, es gibt viele, die sich schuldig gemacht haben.

Die Redaktion der Zeit bringt mehrere Podcasts heraus, aber einer hat es mir besonders angetan: ZEIT Verbrechen.  Sabine Rückert aus der Zeit-Chefredaktion spricht als Expertin für das Ressort Verbrechen über die Fälle ihres Lebens. Sie fasst sie im Gespräch mit Andreas Sentker, dem Leiter des Ressorts Wissen, zu neuen Fragestellungen zusammen, gibt Beispiele aus Abgründen und vergisst dabei nicht, uns selbst dabei zu hinterfragen. Eine Folge geht um das Wesen von Geständnissen und warum es so schwierig ist, sich selbst dabei nicht aufzugeben. Eine andere Folge dreht sich um die Rechtsmedizin und warum Morde so oft übersehen werden. Es geht um Psychopathen, Serienkiller und den netten Nachbarn von nebenan.

Einen guten letzten Oktoberabend an Euch!

 

 

 

 

Dreieckstuch – eine Strickliebe

Der Titel macht es klar: Ich liebe Dreieckstücher.

Dreieckstücher sind relativ einfach zu stricken, passen immer und je nach Material oder Muster wirken sie stets unterschiedlich. Man hat also eine Vielzahl an Variationsmöglichkeiten. Nicht nur im Machen, auch im Tragen. Als Schal oder als Schultertuch – ach ja, ein wirklicher Allrounder.

Aber, gerade wer zu stricken anfängt: Ein Schultertuch ist eine laaange Angelegenheit. Fix mal runtergestrickt ist das echt nicht. Meistens geht es am Anfang ganz erfreulich schnell und das Tuch wächst, aber dann – dann folgt die lange Flaute. Zumindest ist das bei mir so.

Schultertücher wachsen eigentlich bei den meisten Vorlagen an – und genau dieses Anwachsen macht es zum Ende hin zu dieser langwierigen Sache. Erst kleine Reihen hin und her – es wächst und wächst. Und dann, wenn mal eine ordentliche Maschenzahl mal auf der Nadel liegt, da strickt man dann schon lange an so einer Reihe.

Eine meiner Lieblingsdesignerinnen für Dreieckstücher ist

Sylvia McFadden

aus Vancouver, die gerade mit spielerischen, aber leisen Stücken bei mir hoch im Rennen ist. Auch das gezeigt Modell ist von ihr. Der Name ist „Water“ – die Technik ist auch interessant mit immer einem Musterabschnitt in verkürzten Reihen gestrickt. Ein bisschen habe ich gebraucht, um „reinzukommen“, weil mir nicht ganz klar war, wie und wo man verkürzt, aber schließlich hat es doch ganz gut geklappt.

Das verwendete Material ist ein sommerliches Verlaufsgarn von Lana Grossa „Shades of Merino cotton“. Eine Merinowolle mit Baumwollanteil. Leider bin ich nicht besonders zufrieden damit, weil ich erst hinterher gesehen habe, dass das schöne Muster damit untergeht. Eine Verlaufswolle ist wirklich geeignet für Tücher, die mit wenig Muster auskommen – eigentlich fast nur kraus rechts oder glatt recht gestrickt werden. Eine Tuch mit Muster braucht für mich ab jetzt eine kräftige Farbe, eine eindeutige Struktur – eine Wolle eben ohne viel Schischi.

Ein alter Beitrag von mir zu einem anderen Dreieckstuch findest du hier.

Heute ist ja Dienstag und das nicht ohne Grund. Da kann man mal in Ruhe stöbern. Hier die Liste der Verlinkung:

 

Dienstagsdinge

Lieblingsstücke

Handmade on Tuesday

 

 

Dieser Beitrag enthält natürlich Verlinkungen zu anderen. Ich erwähne auch Marken oder Firmen. Das ist ja der Kack-Sinn von so nem Blog!!!! Aber ich kriege dafür weder Geld noch Macht noch Lebenssinn noch Umsonstwolle noch sonst was. Es ist unbezahlte Werbung. Danke.

 

 

Goldener Oktober

Lange Zeit war es still auf meinem Blog. Heute haben wir alle Kinder gepackt und sind auf einen langen Oktoberspaziergang gegangen. Da hat mich wieder ein wenig die Lust gepackt. Die Lust, dass Netz mit etwas von mir zu füllen.

Goldener Oktober. Überall Menschen. Bis auf hier.

Ich mag die unschönen, stillen Dinge in Bayern. Die, die sich nicht herausputzen für die Gäste und die Welt. Jene, die abseits liegen.

Die Dinge, die ein bisschen nach Hinterkaifeck riechen.

In München gab es auch solche Ort. Fast verschwunden hinter Geld, Mauerputz und dem neustem Schrei. Hier sind sie auch. Nur weiter.

Manchmal muss man einfach nur hinschauen. Und dann sieht man es.

Ich stelle mir oft die Frage, wie unterschiedlich wir alle die Welt sehen. Welche Details dem einem auffallen und dem anderen nicht. Warum etwas wichtig oder unwichtig ist und worauf es eigentlich ankommt.
Das ist mein Detail.

Ein Schal für´s Leben

Seit ein paar Jahren gibt es so Anfang November das Strickpaket *Ein Schal fürs Leben*. Ein Wohlfühl-Projekt auf allen Ebenen. Zuerst ist es mal eine Spende, denn beim Kauf einer Box gehen 10€ an ein Hilfsprojekt für syrischen Kinder. Abgesehen davon sind  die 45 € so oder so gut investiert, denn die Wolle und eben das ganze Projekt sind echt schön. Schön zu stricken und schön zu tragen.

Gestrickt werden 4 Wollknäuel von Lana Grossa, der hier wohl führenden Wollmarke eng mit Italien verbunden und der Produzent von so 20 Millionen Wollknäuel jährlich. Die Wolle aus dem Projekt heißt *Cloud* ist ein Fluscheflausch aus Alpaka und Schurwolle mit Polyamid.

Der fertige Schal ist fast 2 Meter lang und in Halbpatent gestrickt. Das bedeutet, dass in einer Reihe rechte und linke Maschen verstrickt werden und in der Rückreihe nur die rechten Maschen, die linken Maschen werden abgehoben und das Garn wird nur so drüber gelegt. Ist wirklich super einfach, das Gestrickte wird dadurch noch flauschiger, weil es damit alles bisschen dicker wird. Die rechten Maschen auf der rechten Seite werden auf 2 Reihen *langgezogen*. Sehr schön also alles. Sehr sehr schön.

Ich habe das Projekt zufällig bei Instagram gesehen, bei denen sich neuerdings ja alle tummeln und ihre unwichtigen Dinge photographiert. Ich auch. Werde ich hier wohl auch einbetten. Auf jeden Fall bin ich so über den Schal gestolpert und habe ihn d sofort wieder vergessen. Später habe ich die Pakete im Handarbeitsladen vor Ort gesehen und hatte Lust darauf. In ein paar Tagen gestrickt – also werde zu lang noch zu kurz.

Über Weihnachten also ein Schal. Als Geschenk für die Oma, die abwesend war. Dann war sie doch dabei. Ich bin gespannt, was sie sagt.

 

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