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Spiele spielen: das schönste Gesellschaftsspiel für Vorschulkinder

So, kurz vor Weihnachten möchte ich Euch ein paar Gesellschaftsspiele vorstellen, die wir in den letzten Monaten gespielt haben. Dabei muss man wissen, dass diese Vorlieben natürlich total individuell sind. Meine Zwillinge sind nämlich sehr unterschiedliche Spieltypen. Das kann von Vorteil sein, weil sie permanent Kompromisse schließen. Das kann vor Nachteil sein, weil sie ständig Kompromisse schließen müssen.

Mein Kind mit den vielen kleinen Herzen im Brustkorb ist ein Rollenspieler durch und durch. Wenn wir ein Gastkind haben mit einem hohen Sinn für Rollenspiel, dann bietet er Dinos, Schlangen und Hunde an. Mädchen sind ebenso beliebt bei ihm. Vater-Mutter-Kind oder Pferde mit Flügeln – kein Thema für ihn.
Ein Kompromiss ist für ihn, wenn ein Kind mit weniger Lust auf Rollenspiel kommt (und das ist sein Bruder meistens eben auch), dann versucht er es mit Ninjago oder Kämpfen. Er kann sich stundenlang in seiner eigenen Geschichtenwelt bewegen. Für ihn ist es also wichtig, dass wir den Anteil an Rollenspiel nicht zu kurz kommen lassen – es muss zumindest eine Geschichte dabei sein.

Mein Kind mit dem einen großem Herzen ist ein Erbauer. Er mag Konstruieren – Lego, Bausteine, Kugelbahnen. Er mag es, wenn die Welt strukturiert und mit Regeln daherkommt. Gesellschaftsspiele sind für ihn ein sehr großes Thema.

Ihr seht, die Kunst ist nun, diese beiden Typen zu vereinen und sie gemeinsam ein Gesellschaftsspiel spielen zu lassen, dass ihnen beiden Spass macht.

Not an easy job.

Dschungelbande

Da erste Spiel, das ich euch gerne ans Herz legen möchte, ist die Dschungelbande. Leider ist die Geschichte nicht so wichtig für das Spiel, machen also eher das Setting aus: Verschiedene Tiere rutschen verschiedene Wasserrutsche hinunter. Dabei werden von vier rutschenden Tieren immer zwei verdeckt. Der Spieler muss sich jetzt merken, welche zwei Tiere das sind, weil man kann nämlich nur vorwärts gehen, wenn man genug von einer Tierart sieht. Kommt man also mit *Affen* diesmal weiter, so legt man ein Plättchen so an eine der Rutschen, dass möglichst viele *Affen* zu sehen sein werden, wenn das neue Tier anfängt zu rutschen. Dazu muss man sich natürlich merken, wo sich diese verstecken. Eine Form des Spiels *memory*. Für mein Baumeister/Regel-Kind ein tolles Spiel. Für den Rollenspieler eher mau, aber er sieht ganz gerne zu.

Spiegelspukschloss

Spiele von dem Verlag *Die drei Magier* haben den Vorteil, dass immer mehr Geschichte dabei ist. Bei diesem Spiel geht es darum, herauszufinden welcher Geist ein echter Geist ist und welche nur verkleidete Kinder sind. Der echte Geist hat nämlich kein Spiegelbild, d.h. die Spiegel klappen nach unten weg. Wir leihen die meisten Spiele aus und hier war ein Spiegel schon beschädigt, was für uns bisschen blöd war, aber es ist wirklich eine schöne Spielvariante.

Das magische Labyrinth

Beim magischen Labyrinth wird mit Magneten gearbeitet. Unter dem Spielbrett sind Mauern gesteckt, die eine Magnetkugel von der Spielfigur trennt und so weiß man überhaupt, dass eine Mauer da ist. Ansonsten muss man eben durch das unsichtbare Labyrinth ziehen und seine Figurenplättchen zusammensuchen…eigentlich ein total schöne Spiel, aber ich fand es echt noch bisschen zu schwer für Vorschulkinder – ein gutes Spiel für ab der 1. Klasse. Vielleicht auch etwas, um jüngere Geschwisterkinder mit einzubeziehen.

Schach

Keine Angst vor den Klassikern. Eigentlich spielen wir sehr viel sehr klassische Spiele. Schach war ein Wunsch von meinem Baumeister-Kind und ich verstehe es. Ist es doch ein Spiel ganz ohne Zufall oder Glück. Beim Schach kommt es nur auf das eigene Können an. Hier seht ihr eine der Varianten für Vorschulkinder: man stellt alle Bauern auf und dann dürfen die Bauern auch nur so ziehen, wie die eben können. Zwei Felder zu Beginn und ein Feld immer vorwärts. Gewonnen hat der, der als erstes einen seiner Bauern ganz zum Spielfeldrand gebracht hat. Dabei wird natürlich ganz normal geschlagen. Interessant ist hier, dass sich für Kinder ja mitten im Spiel das Ziel verändert: Zuerst schützen sie ihre Bauern, aber dann muss man ein paar opfern, damit es einer schafft bis zum Rand des Gegners zu kommen. Das fällt natürlich total schwer, ist aber auch bisserl aufregend. Es gibt auch andere Varianten für Kinder. Ich schreib da mal was drüber….

Der verzauberte Turm

Jetzt kommt das Spiel, dass wir uns auch echt kaufen werden, weil es alle Bedürfnisse hier abdeckt: eine Geschichte, Rollenspiel und Regeln. Great.

Eine Prinzessin wurde von dem Zauberer Rübenzahn in einen Turm gesperrt. Dabei hat der Zauberer das Schloss verzaubert und den Schlüssel im Zauberwald versteckt. Ein Kind spielt jetzt den Zauberer und versteckt den Schlüssel. Die anderen Kinder gehören zum Team Robin, der versucht, den Schlüssel zu finden.

Es gibt zwei Würfel, die gleichzeitig geworfen werden. Alle Kinder bleiben so immer wachsam und beim Spiel. Ein Würfel entscheidet, ob Team Robin zuerst ziehen kann oder der Zauberer. Der andere Würfel bestimmt, wie viel Felder. Der Zauberer und Robin gehen also durch den Zauberwald und während der Zauberer genau weiß, wo der Schlüssel ist, muss Robin ihn suchen. Er beobachtet dabei den Zauberer und ist aber bisschen schneller unterwegs. Schließlich findet einer den Schlüssel und steckt ihn in eines der 6 Schlösser am Turm. Weder der Zauberer noch Robin wissen, welches das richtige Schloss ist. Wenn die Prinzessin in die Höhe springt, dann ist das Spiel vorbei. Wenn sie das nicht tut, fängt alles von vorne an. Mit dem einzigen Unterschied, das der Zauberer den Schlüssel nicht an derselben Stelle verstecken darf. Es werden also immer weniger Verstecke.

Ihr seht, so viele tolle Dinge kommen vor: Schlüssel, Rollen, Geschichte, Suchen, Würfel….ein Geschenk vom Christkind. Definitiv.

Liebster Award

Hier, im Netz, im Cybermeer, da gibt es auch sehr sonderbare Freundschaften, die eigentlich nur in dieser seltsamen Zwischensphere existieren. Man liest sich, kommentiert ab und zu, nickt sich über die virtuelle Kaffeetasse hinweg zu. So eine Freundin ist mir Uli von lowredeyes . 

Letztens hat sie mich beim Liebsten Award nominiert. Das ist im Prinzip ein Kettenbrief, der von Blog zu Blog weitergereicht wird und der Witz ist, dass man Fragen zu sich selbst und seinem Blog beantwortet. Uli hatte folgende 11 Fragen für mich und – obwohl ich jetzt bisschen gebraucht habe – beantworte ich sie meiner Blogfreundin selbstverfreilich.

Warum bloggst du?

Na ja, man fängt halt irgendwann an. Mit einer Idee, manchmal wird man auch von anderen dazu überredet. Ich habe zuerst die Idee gehabt, mein Handarbeitszeug in Netz zu spülen. Irgendwann habe ich meinen ersten richtigen Beitrag geschrieben und irgendwie gab es immer Themen, über die ich weiter schreiben konnte. Wie ein persönlicher Fluss.

Welche Blogs liest du?

Seitdem ich vor Jahr und Tag mal bei der Kaffeerunde zum Samstagskaffee mitgemacht habe (eine wöchentliche Linkparty) lese ich immer noch ab und zu jene Blogs, die sich damals dort regelmäßig eingefunden haben. Nicht ganz so regelmäßig, aber immerhin. Ich mag Blogs mit was vom eigenem Leben, eine Geschichte über den Alltag von jemand anderem. Gerne auch, an was jemand arbeitet und warum. Ich mag persönliche Blogs.

Was magst du nicht am Bloggen?

High fashion victims. Die ganz große Nummer. Blogs mit Glitzer Glitzer. Für mich mag ich nicht, dass es sehr rau hier im Meer werden kann. Es gibt Leute, die pöbeln gerne. Also mag ich am bloggen die beiden Extreme nicht: Unhöfliche Menschen und oberflächliche Menschen

Welcher ist dein Lieblingsbeitrag, den du veröffentlicht hast?

Mein eigener? Puh, keine Ahnung. Immer der letzte, glaub ich.

Was kann dich im real life auf die Palme bringen?

Alles Mögliche, wenn ich nicht gut geschlafen und richtig gegessen habe. Gar nichts, wenn ich gut geschlafen und richtig gegessen habe….

Welchen Promi findest du richtig cool?

Die Prominenz, die Prominenz…hmmmm, ich bin nicht so der Prominente, aber ich mag ein paar Fernsehköche. Ich habe mal einem im Kaufhof gesehen. Der wollte Nagellack für seine Freundin kaufen und hat sich dabei so angestellt wie viele Männer (rot? einfach nur rot?) Das fand ich in dem Moment cool.

Was ist dir richtig peinlich?

Das ist eine schwierige Frage, weil man ja Dinge, die einem peinlich sind, nicht unbedingt immer vor Augen hat. Die überfallen einen ja im unrichtigen Moment und es wird einem ganz heiß und kalt. Ich war schon oft in einzelnen peinlichen Situationen, die ich dann im Nachhinein immer wieder überdenke. Inzwischen kann ich aber solche Momente schneller loslassen, weil ich weiß, dass am Ende alles vergessen wird. Nichts bleibt ewig. Weder das Gute noch das Schlechte.

Kannst du singen?

Mein Baby findet schon. Ich bin eine normale erwachsene Frau, ich finde es toll, wenn sich jemand zu singen traut und stimme gerne mit ein, aber so ganz alleine, das bin ich nicht.

Wenn du an dein 10-jähriges Ich zurück denkst – was hat sich verändert?

Alles. Nichts. Vor 10 Jahren habe ich gerade geheiratet, mein Studium beendet und ich lebte in meinem Stadtviertel. Heute bin ich seit 10 Jahren verheiratet, habe 3 Kinder und die Wenigsten wissen, was und ob ich studiert habe. Manche Dinge sind unwichtig geworden und ich hätte gern damals schon gewusst, dass sich alles immer verändert.

Was würdest du gerne können?

Schneller stricken. Ich bin so eine lahme Ente beim Stricken. Es ist furchtbar.

Deine Message an die Welt?

Ich habe keine Message. Und erst recht nicht an die Welt. Ich finde, jeder sollte sein eigenes Glück suchen. Insgesamt sollte die ganze Welt leiser werden. Ach doch, in irgendeinem Theaterstück kam der Satz mal vor: Beruhige dich, so wichtig bist du nicht. 

Im Herzen ein Quilter: Patchwork vor der Türe

Die Hauseingänge der Frauen hier sind voller Holzherzen oder sonstigem Deko-Graffel. Vögelchen oder Waschzuber mit Blumen sind auch schon vorgekommen. Mich hat das genervt. Vor allem, weil mein eigener Eingang keine Dekorationsoase ist. Ich habe auch keinen Schreiner zum Ehemann, der mir zu irgendeinem Jubiläum ein Holzherz schenken tät. Obwohl ich viele Hinweise gegeben habe, hab ich auch keine Blumenschale zum Rausstellen bekommen. Meistens lagerte dort Müll. Und Kinderfahrräder.

Jetzt hat sich das geändert. Ich bin zwar kein Handwerker, der seine eigenen Keramikschüsseln töpfern kann, aber ich kann mit Nadel und Faden umgehen.

Dieser Quilt, der liegt hier rum seit 2010. Vor dem Haus, vor den Kindern. Der Quilt bestand nur aus Blöcken und sollte ursprünglich ganz anders werden, aber er war immer ein bisschen zu spießig, um ihn tatsächlich fertig zu machen und so habe ich ihn irgendwo vergraben und jetzt – nachdem ich im Land der Outdoor-Deko-Herzen gelandet bin, da habe ich ihn doch noch fertig gestellt und jetzt hängt er vor der Tür. Kann man jetzt Angeberei nennen, erfreut aber trotzdem mein Herz, wenn ich nach Hause komme. Ein Quilt ist das Erste, was ich von zu Hause sehe.

Die lustige Galerie des Scheiterns 

Wie weit Realität und Netz voneinander entfernt sind, ist häufig Thema verschiedener Blogbeiträge. Trotzdem bemühen sich alle, dass es glitzert und blinkt. Vor allem im DIY-Bereich. Home-Dekor mit Filter und Weichzeichner. Kurz vor Weihnachten wird es hier in unserer Ecke des Netzes dann besonders schlimm: da werden dann die Lichterketten ausgepackt und der ganze Blog blinkt und leuchtet.

Höchste Zeit, mal was Hässliches zu zeigen. Sich mal dem eigenen Scheitern zuwenden. Pläne, die nicht funktioniert haben.

Das war ein sehr schöner Plan: der Burda-Plan

Im September wollte ich jeden Monat ein Schnittmuster aus der aktuellen Burda nachmachen. Ich weiß, sehr ambitioniert. Hätte vielleicht so oder so nicht geklappt. Aber ich bin schnell mit der Nähmaschine. Ich nähe meistens abends und *höre* Fernsehen. Also, wäre im Bereich des Möglichen gewesen, dass ich es doch geschafft hätte. Aber dann hat mir etwas ganz anderes einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mein erstes Modell war ein britisch angehauchtes Herbstkleid. Ich kann aus rechtlichen Gründen kein Foto davon hier hochladen, aber ich kann es euch verlinken: Herbstkleid Original

Und ich habe daraus das hässlichste Kleid aller Zeiten kreiert.

Wahnsinn. Ich kann davon gar kein Foto von mir darum ins Netz stellen. Chapeau. Nach diesem Kleid verlies mich glatt der Ehrgeiz.

Ach, die Details sind wirklich schöne, aber der Stoff hat alles kaputt gemacht. Und natürlich, dass Burda und Größen echt so ein Ding ist. Keine Ahnung, wie die ihre Größen berechnen, aber ich denke, es sind eher *schmeichelnde Größen*. Wenn du eigentlich eine 42 hast, dann macht Burda eine versteckte 44 draus. Und denkt, dass du (als Frau mit schmeichelnden Blick auf dich selbst) dann eine 42 nähst, obwohl du eine 44 brauchst, es dir aber gar nicht auffällt und du dann so glücklich bist, weil du in den Fummel so großzügig reinpasst. NEIN, ich nähe eine 44, wenn  ich eine Kack-44 ausrechne. Und dann schwimme ich in den Burda-Modellen. Meine Mutter sagt ja immer, man darf bei Burda nie größer wie 42 nähen. Dann kommt man ungefähr hin.

Der nächste Plan: Gemüsesuppe einkochen. 

Einkochen ist ja mein neues Thema. Ich finde es sehr praktisch, immer ein paar *frische* Zutaten im Vorrat zu haben. Und meine Freundin Anna hat mich ja mit ihren Zwetschgen dann völlig fürs Einkochen begeistern können. Auch dieser Weg ist steinig. Ich habe es mit Kartoffeln versucht. Kartoffeln sind natürlich eine krasse Nummer, weil Stärke ja gerne fault. Und faulende Kartoffeln in Salzwasser – Leute, das stinkt. Das könnt ihr euch nicht vorstellen. In meiner Gemüsesuppe sind gar keine Kartoffeln drin, trotzdem hat es nicht geklappt: ich kann es sehen.  Es wächst bereits ein Unterwasser-Pilz in einem Glas. 

Hmm, ein hässliches Bild. Der Weg ist das Ziel. Nicht alles klappt auf Anhieb. Manchmal braucht es mehrere Versuche. Schlimm. Ich würd so Sachen echt gerne aus dem Ärmel schütteln.

Nächster Plan: Sauerteig-Brot-Experimente

Ich backe inzwischen regelmäßig Brot. Und es wird inzwischen richtig gut. Aber machmal auch nicht. Brot ist ein sehr einfaches Rezept. Aber minimale Änderungen können zum Misserfolg führen. Eine minimale Änderung war, dass ich einmal das Brot nicht auf einem Backblech gebacken habe, sondern auf einem gelöcherten Untergrund. Ich hatte die Idee, dass mehr Luft oder so zu einem besseren Ergebnis führen würde. Was mich da wohl geritten hat. Das Ergebnis war, dass mir die Kruste unten vollständig angebrochen ist. Ja, das geht. Schlimm.

Manchmal muss man auch mal im Internet sagen, dass es Stunden dauert bis man so verschlafen süß auf Instagram aussieht. Im übertragenen Sinne trage ich hier meinen Teil dazu bei. Sich selbst und das Netz mal wieder zu erinnern, dass das Leben eine Reise ist mit dem Spruch: man lernt nie aus.

Samstagskaffee mit Zucker oder: der neuste Schrei ist zuckerfrei

Ernährung ist ja in unseren Tagen eher eine spirituelle Frage. Sinnsuche im Bodymassindex. Da reicht es einfach nicht mehr, Freitags halt Fisch zu essen, um religiös zu wirken. Da muss schon mehr her für das innere Chi. Chia-Samen zum Beispiel oder Tofuwurst.

Ja, ich beschäftige mich gerne mit den neuen Göttern der Ernährung. Vor ein Paar Jahren war *Vegan* das neue Vegetarisch. Als ich als Teenager in einer katholischen Schulmensa zu Mittag gegessen habe und alle Formen des Fertigpuddings bis hin zum Mangogeschmack kennen lernen durfte, da hat ein Mädchen verlangt, ab jetzt vegetarisch essen zu dürfen. Es war ein Riesenthema. Vegetarisch! So eine Rebellin! Was ist mit dem Freitags-Fisch? Und geht jetzt Hühnchen noch? Die Schülerinnen durften darüber abstimmen, ob die Schulmensa ihr eine vegetarische Variante des Mittagessens ausgeben durfte oder nicht. Ich stimmte dagegen. Aber mehr aus persönlichen Gründen als aus politischen: ich galt als ihre beste Freundin und Schwester Lioba vermutete, dass ich zu abhängig von ihr war. Indem ich dagegen stimmte, wollte ich der Schwester zeigen, dass ich nicht so unter der Fuchtel stand  wie sie meinte. (Mein Sohn hat jetzt übrigens das gleiche Thema. Er wird immer als derjenige wahrgenommen, das unter der Fuchtel seines Zwillingsbruders steht. Aber so wenig wie ich damals, so wenig ist er es heute: kopflos.) 

Gut, ich würde mich mal interessieren, was man heute für Rebellenernährungen durchziehen könnte als knapp 12Jährige: Vegan? Paleo? Oder der neuste Schrei: Zuckerfrei.

Anastasia Zampunidis hat ein Buch darüber geschrieben. eine Mischung aus Biographie und Ernährungsberatung. Ihre Geschichte mit dem Zucker.

Anastasia wer? Ja, meine Generation kennt die Frau schon. Sie war Moderatorin bei MTV und mir kam sie aber auch nur vage bekannt vor. Ich kannte sie nicht wirklich, aber ich hab das Gesicht schon irgendwo mal gesehen. Sie ist 15 Jahre älter als ich, hatte also eine Karriere als ich anfing, dieses Wort schreiben zu lernen. Irgendwie habe ich sie bestimmt in der einen oder anderen Sendung wahrgenommen.

Ich habe angefangen, ihr Buch zu lesen. Das fällt mir bisschen schwer, weil ich diese Art von Lebensberatung trifft F-Prominenz nicht besonders gerne habe. Aber diese kinderlose Frau mit einem Jetset-Job ist genau das, was mir im Moment gefehlt hat. Sie kommt von einem anderen Stern. Ich kenne diese Frauen nicht, ich treffe sie nicht in meinem Alltag und ich vermisse sie auch nicht, aber ich bin froh, dass es sie gibt. Liga Beyonce-Frauen: Girls, we rule this world. Und so weiter und so fort. Frauen mit handelsüblichen Karrieren: Damen hoch.

Gut, Anastasia hat den Zucker für sich entdeckt. Sie hält ihn für reines Gift und nennt ihn im gleichen Atemzug wie Koks. In ihrer zuckerfreien Ernährung geht sie sehr sehr weit: bis in die traditionelle chinesische Medizin hinein und sie beschäftigt sich mit ihrem Chi und mit veganer Ernährung und mit der Fünf-Elemente-Küche. das Chi muss fließen, das ist uns allen klar.

Nur wie wir es zum Fließen bringen, das ist schwierig und sie räumt ein, dass man in Kantinen und bei Backstage-Catering  selten zuckerlose Gerichte findet. Das finde ich süß. (An dieser Stelle sei auf das Buch verwiesen, dass auch irgendwo auf unsere Sprache eingeht und sagt, dass man *süß* immer mit positiven Eigenschaften verbindet und wie falsch das doch wäre.) ich finde es süß, weil ich vor 10 Jahren das letzte Mal in einer Kantine gegessen habe und ich noch nie ein Backstage-Catering gesehen habe, aber ich habe auch ein anderes Leben geführt. Vielleicht fällt es mir leichter, Zucker aus meiner Ernährung herauszulassen, vielleicht fällt es mir schwerer. Vielleicht hat Anastasia auch keine Ahnung, dass es tatsächlich Leben gibt, die mit Kantinen nichts zu tun haben. Oder mit Restaurants.

Manches aus dem Buch hat mich aber doch zum Nachdenken gebracht. Zum Beispiel, dass es wirklich immer in Ordnung ist, einem anderen zum Geschenk ein bisschen Zucker mitzubringen. In Form von Pralinen oder von Gummibärchen. Zucker geht immer, in allen Generationen.

Oder dass man Kinder gerne mit Zucker belohnt oder bestraft. Meine innere Mutter schreit da natürlich auf und sagt: Niemals, das tue ich nicht. Und dann tue ich es doch. Bei uns gibt es Nachspeise und das ist eigentlich immer so Zucker pur: gefroren oder in Gelatine oder so. Und wenn jemand sich nicht an die Regeln hält, dann sag ich schon: Dann ist halt deine Nachspeise gestrichen. Und ich streiche die sehr gerne. Ist so schön effektiv, weil die kleinen neuen Zuckersüchtlinge natürlich dann sofort spuren.

Ich schaue also von meinem Buch hoch und sage meinen Kindern so nebenbei mal beim Frühstück: Bei uns gibt es jetzt nur noch sonntags Nachspeise. 

Im ersten Moment dachte ich, jetzt bricht der Sturm los. aber meine Kinder haben nur gefragt (weil sie eben eine Bestrafung witterten:) Wieso?

Dank dem Kindergarten und bestimmten Vorwissen habe ich nur geantwortet, dass zuviel Zucker ungesund sei. Ah, ungesund. ja, damit können sie was anfangen. Und sie zuckten mit den Schultern und sagten : Okay.

Okay, echt? Ich entziehe euch das Nachmittags-Eis und dann krieg ich nur ein: Okay?

Aber es ist seit zwei Wochen wirklich nur ein Okay gewesen.

In der ersten Woche kam dann eine kleine Delegation in die Küche und hat nochmal diplomatisch nachverhandelt: Ist jetzt Süß an sich ungesund oder nur Zucker? Das fand ich sehr interessant. Sie machen da schon Unterschiede und sehen ein, dass Äpfel an Bäumen wachsen aber Marshmallows halt nicht. Und das das schon was mit gesund und ungesund zu tun hat: ob es an einem Baum hängt oder nicht.

Sie wollten dann an meinen persönlichen Vorrat Trockenobst und Nüssen, haben alles durchprobiert und verlangen jetzt Datteln, weil se Datteln und Cashewnüsse mögen, aber keine Walnüsse und so schaue ich erstaunt auf meine Kinder, die sich echt gut anpassen können. Und dann halt Studentenfutter statt Gummibärchen in sich reinstopfen.

Und ich fühle mich ertappt, weil ich so einfach Dinge verändern kann von denen ich glaubte, sie wären so wichtig. Wie eben das Nachmittagseis. Aber das war nur mir wichtig, weil ich mir ja auch ganz gerne eines *gönne* weil ich ja so schwer arbeite und mich eben auch mit Zucker belohne.

Richtig an dem Buch ist auch, dass Zucker inzwischen wirklich überall beigemischt wird und man praktisch nur eine Chance hat, indem man viele Dinge selber kocht und vorbereitet. In unserem Naturjoghurt ist Zucker, in Müslis sowieso, in Tomatensoße, in Senf, in Suppenwürfel. Das wußte ich schon, aber das macht mich immer nochmal extra wütend. Ich schmecke salzige Brühwürfel und dann ist da immer noch Zucker drin. Irgendwie gemein. Hinterhältig. Zuckerdamönen.

Überall gibt es sie und so schaffen wir es halt auf durchschnittlich 30 Kilo Zucker im Jahr.

Es hilft also wenig, seinen Kaffee ohne Zucker zu trinken, aber damit kann man ja mal anfangen. Und auch sonst so einfach mal mehr auf seinen inneren Zuckerhund zu schauen. 30 Kilo im Jahr sind auch einfach zu viel. Wie man dem entgeht ohne sich selbst zu kasteien, das macht mich schon nachdenklich. Und lässt man Zucker mal für ne Zeitlang weg, dass schmecken Datteln tatsächlich extrem süß.

Ich glaube auch wie Anastasia, dass wir Opfer der Industrie sind, die uns sagt, wir hätten keine Zeit, um Dinge selber zu machen. Wir bräuchten die Industrie mit den 1000 verschiedenen Joghurtsorten und den Fertigprodukten, weil wir sonst unser modernes Leben nicht mehr leben könnten. Dabei ist nicht Zeit das Problem, sondern nur Geduld. Ich glaube, dass wir alle wenig Zeit haben, aber wir können eine Menge Zucker weglassen, indem wir Geduld aufbringen. Einen Joghurt zu machen kostet keine 8 Stunden Zeit, aber 8 Stunden Geduld halt.

Ich denke, ich finde das Buch von der MTV Moderatorin inspirierend und dämlich zugleich. Inspirierend, weil richtige Dinge drinstehen über die man mal nachdenken könnte. Dämlich, weil Zucker nicht aus der Hölle kommt und man Kindern nicht vegan und mit Kräutersud groß bekommt.

Aber ich finde es mit Lesen dieses Buches auch folgendes seltsam und da bin ich Anastasia schon ein bisschen dankbar, dass es mir auffällt:

So ne Dokumentation lief dieser Tage im Fernsehen. Es ging um einen Magersüchtigen Teenager. Der lebt in einer Einrichtung und muss jetzt zunehmen. Er und seine Therapeuten stehen in einer bayerischen Konditorei und er muss sich was aussuchen und es essen. Das scheint irgendwie ein Therapieerfolg zu sein, dass er wieder Torten isst. Lebensfreude mit Zucker und so. Kameraschwenk auf die Kuchentheke: Bienenstich, Sahnetorte, Himbeerschnitte. Die Therapeuten spricht mit leiser Zunge zu ihm: Geh, das ist jetzt schwierig für dich, oder? er tippelt von einem Fuß auf den anderen und weint ein bisschen. Ja, sagt er, das ist schwierig.

Das Buch von Frau Zampounidis würde ihm jetzt ein wenig recht geben. Sie findet die zuckerlastige westliche Fett-Ernährung nämlich alles andere als normal und gut für unseren Körper. Sie würde jetzt ihm NICHT recht geben, denn gar nichts essen ist keine Lösung.  Aber sie fände es bestimmt unverantwortlich, dass er sich ausgerechnet an Zucker (zurück) gewöhnen muss. Vielleicht sollte man ihm eher ein paar Datteln geben und ihm Milchreis mit Honig hinstellen. Vielleicht hat er recht, wenn er sagt, er findet diese Torten ekelig. Vielleicht sollte man ihn lassen und ihm sagen, dass unser *Normal* auch nicht mehr normal ist, aber das gar nichts essen auch nicht hilft.

Ach ja, mein Samstagskaffee beschäftigt sich wieder mit den großen Fragen der modernen Götter: Du bist was du isst. Und tief in mir weiß ich, dass all diese Fragen lächerlich sind, denn es ist Luxus, gegen die Zuckerdämonen kämpfen zu können. Wir alle leben im Luxus. Wer aussuchen darf, was er zu sich nimmt, der lebt auf der Sonnenseite dieses Planeten. Und so muss ich langsam zum Schluss meines Samstagskaffees kommen und die Linsensuppe auf den Herd stellen. Es wird ja schon Mittag hier.

Fortsetzung folgt bestimmt.

 

 

Samstagskaffee und ein Tag für Zwillinge

Aus der Sicht einer Zwillingsmutter war heute ein wichtiger Tag. Heute war der erste Kindergeburtstag, an dem nur einer der beiden Jungs eingeladen wurde.

Das muss man sich kurz plastisch vorstellen: Ich packe alle drei Kinder ins Auto und fahre zum Haus des Geburtstagskindes. Während dem Baby alle Feierlichkeiten noch herzlich egal sind, steigt von den übrigen Zweien nur einer aus und der andere bleibt sitzen. Ich finde, dass das ein ganz schön harter Moment ist, vor dem ich mich auch ein bisschen gefürchtet habe.

Aber es traf mein durchwegs gesundes Kind: der rief nämlich dem Kindergartenfreund fröhlich aus dem Autofenster einen schönen Geburtstag zu. Ich kenn auch andere Geschichten von Zwillingsmüttern, bei denen dieser Tag voll das Thema war. Gut, das zurückgelassene Kind durfte ein Gastkind einladen. Beim Mittagessen haben die beiden dann besprochen, ob mein Kind nicht gleich zu dem Gastkind ziehen könnte.

Ich glaube, es ist immer schwierig bei Geschwisterkindern, warum der eine jetzt da hindarf und er andere nicht. Eltern reden da ja gerne ihren Kinder die Welt schön. *Mädchengeburtstag – jetzt lass doch deine Schwester hin.* * das ist halt ein Geburtstag für die Kleinen. Du bist da schon zu groß:* Blablabla. Meine Kinder sind beides Jungs (nichts mit Gender-Ausreden) und mein einer Sohn ist genau eine Minute älter als der andere (nichts mit *Babygeburtstags-Begründungen). Bei uns ist es halt so wie es ist: das Geburtstagskind mag den einen und den anderen halt nicht.

Für Mütter ein total einfaches Thema. ich geh ja auch nicht zu deinem Kind und sag ihm, dass es nicht zu uns kommen darf, weil es zu laut ist. Oder zu anstrengend. Oder weil ich seine Mutter nicht mag.

Aber die ganzen schweren Brocken zerbröselten. Klar, a weng geweint hat mein Nicht-Eingeladener schon im ersten Moment. Ein bisschen schwierig war es dann schon, weil er ja auch nicht blöd ist. Aber als ich ihn bei Wegfahren fragte, ob ihm das jetzt was ausmacht, dass er da nicht dabei ist, da hat er kurz überlegt und gesagt: Nö.

Thema gegessen.

Irgendwie ist jetzt Nachmittag und der Tag mit Gastkind/Geburtstagsfeier/Babyschlaf ging einfach so vorbei. Wie schön. Ich kenne Zwillingsmütter, bei denen war es anders.

7 Sachen Sonntag

Es gab ja mal einen Blog, der bereits vor Jahren geschlossen wurde. Er hieß *Frau Liebe – 24 Stunden, 4 Hände* oder irgendwie so in die Richtung. Frau Liebe hat immer sonntags Fotos ins Netz gestellt, die so einen kleinen Ausschnitt aus ihrem Leben zeigten. Obwohl die Regel ja war, dass es 7 Sachen sind, die man an dem Tag in Händen hält, musste es bei dem Wetter auch ein Stück Himmel sein.


Samstagskaffee 

Heute ist Backtag. Brotbacktag. In meinem Kühlschrank lebt ein Sauerteig. Diese Sauerteig ist wie der Atem dieses Hauses.

Es ist 10:00 Uhr morgens und ich bin sehr müde. Wir waren heute schon beim Friseur wegen der Jungs und haben Fleisch beim Metzger des Ortes gekauft. Mein Mann ist nach dem Frisörtermin in die Arbeit gefahren und die Kinder packen ihr Gästegeschenk von einem Kindergeburtstag aus.

Ich trinke Tee und diktiere diesen Artikel meinem Handy, während ich die Hand meines Babys halte und er mich angeguckt als würde ich ihm diese Geschichte erzählen.  Mein Baby ist auch sehr müde. Er mag aber nicht so gerne einschlafen, deswegen sitze ich hier, trinke Tee und rede.

Ein Brot zu backen dauert drei Tage.

Am ersten Tag hole ich einen Teil des Sauerteiges aus dem Kühlschrank und lasse ihn draußen stehen. Ich gebe ihm ein bisschen Mehl und ein bisschen Wasser und hoffe, dass er sich vom Kühlschrank erholt.

Am zweiten Tag gebe ich ein Teil des Sauerteig es in den Vorteig. Diesen lasse ich wieder den ganzen Tag stehen.

Und heute, am dritten Tag, gebe ich den Vorteig zu dem Hauptteil und knete ihn, lasse ihn wieder für ein oder 2 Stunden stehen und knete ihn wieder und lasse ihn wieder stehen. Brot backen hat nur etwas mit Zeit und Geduld zu tun. Die Zutaten sind Wasser, Mehl, Salz und Zeit.

Das hört sich so ermüdend an, dass mein Baby jetzt eingeschlafen ist.

Zeit ist sowieso so ein Thema. Zeit verwandelt Mehl in Brot. Zeit verändert Menschen. Zeit verändert Beziehungen. Zeit macht viele Dinge besser. Hat man mehr Zeit, wird es halt ordentlich.

Manchmal ermüdet mich die Zeit auch. Wenn Sachen so festgefahren scheinen und es sich eben nicht verbessert, sondern immer weiter verhärtet.

Ich bin mit einem Verwandten gerade im Streit und die Zeit, die alle Wunden heilen sollte, macht es nur immer schwieriger. Da wird kein Brot mehr gebacken werden. Da fragt man sich manchmal, wo der Anfang ist und wo das Ende.

Ich frage mich, was so die schlimmsten Dinge sind, die man mir sagen könnte. ich frage mich auch, ob man die schlimmen Dinge mit der Zeit eher vergisst oder ob es die guten sind, die man eher zur Seite schiebt. Oder ob dazu nicht auch Wille gehört. Möchte man eben die guten Dinge vergessen oder die schlechten?

Ich vergesse die schlechten Dinge immer eher zuerst. Deswegen trauere ich auch so ewig alten Freundschaften hinterher oder bestimmten Zeiten. Ich bin kein nachtragender Mensch. Ich trage niemandem schlechte Gefühle hinterher. Ich denke immer, dass man aus Zeit Brot machen kann.

Samstagskaffee

Der September hat volle Fahrt aufgenommen. TecWando, Musikschule, Vorschule, Schnupfen, Geburtstagsfeiern, Kuchen für WeißGottWas abgeben. Ein Schwall an Ereignissen und Tagen. Mein Mann arbeitet Samstags jetzt fast immer und mein Samstagskaffee leidet darunter.

Aber das ist kein Jammern jetzt. Ich mag den September von allen Monaten am liebsten. Wenn es Strickjackenwarm ist und die Herbstfarben kommen. Ich könnte dann ständig Apfelkuchen backen. Alles kurz vor Glühwein sozusagen. Der Oktober ist für mich der verlängerte September und ab November geht es für mich dann bergab. Ich mag die Vorweihnachtszeit nicht besonders gerne. Ich bin bekennender Weihnachtsmuffel. Ich bin halt Apfelkuchen und Schwarzer Tee statt Spekulatius und Glühwein.

Das ist aber auch der September, der überall die Flaggen der Völkisch-Nationalen hat sichtbar gemacht. Deswegen war es vielleicht auch gut, dass ich letzte Woche keinen Samstagskaffee getrunken habe. Ich habe statt dessen vor Wut einen Kinderstuhl mit dem Fuß gekickt. Und noch so manch anderes.

In Bad Tölz gab es in den letzten Tagen als Reaktion eine Herzchen-Aktion. Überall Herzen gegen den Hass. Die AfD hat sich trotzdem ins CSU-Stammland gefressen. Wie ein kleines Stich gegen das Etablierte wollen sie sein und merken nicht, dass sie der Fußpilz sind, der das Laufen schwer machen wird und den man eigentlich nur so schnell wie möglich loswerden will.

Dabei frage ich mich manchmal, wer denn nun eigentlich zu dem Volk gehört, dass jetzt so heraufbeschworen wird. Wir und die anderen. Wer ist da wir und wer sind die anderen? Die Nazis von früher wußte das auch nicht so genau. Sie haben Lehrbücher geschrieben, mit denen man Kindern den Kopf ausmessen konnte. Großes Kino. Ich möchte mal wissen, wie viele Köpfe von heute man da aussortiert hätt. Ist denen das gar nicht klar?

Aber ich rede lieber von Septemberfarben als von Naziköpfen.Naziköpfe sind ein endloses Thema, dass am Ende nur eine Botschaft hat: Es ist alles Erfindung. Ein Voodoo-Zauber für das heimelige Gefühl, jemand anderes ist Schuld daran, dass man keinen Stich landet. Eine Loose-Religion für die, die keine Heimat im Herzen haben.

Ich krieg den Bogen nicht. Ich krieg den Bogen nie bei dem Thema. Ich muss ehrlich sein. ich halte mich meistens raus. Ich bin das, was man 1933 einen Biedermeier-Mitläufer genannt hätte. Rückzug ins Private. Lass die Lauten reden. Hunde, die bellen, beißen nicht. Das hat schon mal nicht geklappt, diese Einstellung.

Vielleicht ist es gut, dass jemand Herzen in Bad Tölz gemalt hat.

 

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