Kategorie: Tagebuch (Seite 2 von 19)

Samstagskaffee

Der September hat volle Fahrt aufgenommen. TecWando, Musikschule, Vorschule, Schnupfen, Geburtstagsfeiern, Kuchen für WeißGottWas abgeben. Ein Schwall an Ereignissen und Tagen. Mein Mann arbeitet Samstags jetzt fast immer und mein Samstagskaffee leidet darunter.

Aber das ist kein Jammern jetzt. Ich mag den September von allen Monaten am liebsten. Wenn es Strickjackenwarm ist und die Herbstfarben kommen. Ich könnte dann ständig Apfelkuchen backen. Alles kurz vor Glühwein sozusagen. Der Oktober ist für mich der verlängerte September und ab November geht es für mich dann bergab. Ich mag die Vorweihnachtszeit nicht besonders gerne. Ich bin bekennender Weihnachtsmuffel. Ich bin halt Apfelkuchen und Schwarzer Tee statt Spekulatius und Glühwein.

Das ist aber auch der September, der überall die Flaggen der Völkisch-Nationalen hat sichtbar gemacht. Deswegen war es vielleicht auch gut, dass ich letzte Woche keinen Samstagskaffee getrunken habe. Ich habe statt dessen vor Wut einen Kinderstuhl mit dem Fuß gekickt. Und noch so manch anderes.

In Bad Tölz gab es in den letzten Tagen als Reaktion eine Herzchen-Aktion. Überall Herzen gegen den Hass. Die AfD hat sich trotzdem ins CSU-Stammland gefressen. Wie ein kleines Stich gegen das Etablierte wollen sie sein und merken nicht, dass sie der Fußpilz sind, der das Laufen schwer machen wird und den man eigentlich nur so schnell wie möglich loswerden will.

Dabei frage ich mich manchmal, wer denn nun eigentlich zu dem Volk gehört, dass jetzt so heraufbeschworen wird. Wir und die anderen. Wer ist da wir und wer sind die anderen? Die Nazis von früher wußte das auch nicht so genau. Sie haben Lehrbücher geschrieben, mit denen man Kindern den Kopf ausmessen konnte. Großes Kino. Ich möchte mal wissen, wie viele Köpfe von heute man da aussortiert hätt. Ist denen das gar nicht klar?

Aber ich rede lieber von Septemberfarben als von Naziköpfen.Naziköpfe sind ein endloses Thema, dass am Ende nur eine Botschaft hat: Es ist alles Erfindung. Ein Voodoo-Zauber für das heimelige Gefühl, jemand anderes ist Schuld daran, dass man keinen Stich landet. Eine Loose-Religion für die, die keine Heimat im Herzen haben.

Ich krieg den Bogen nicht. Ich krieg den Bogen nie bei dem Thema. Ich muss ehrlich sein. ich halte mich meistens raus. Ich bin das, was man 1933 einen Biedermeier-Mitläufer genannt hätte. Rückzug ins Private. Lass die Lauten reden. Hunde, die bellen, beißen nicht. Das hat schon mal nicht geklappt, diese Einstellung.

Vielleicht ist es gut, dass jemand Herzen in Bad Tölz gemalt hat.

 

Samstagskaffee….ist heute ein Glas Wasser

September. Die letzte Ferienwoche geht für die bayrischen Schulkinder zu Ende. Wir müssen heute noch los und Hausschuhe für den Kindergarten kaufen. Und ich habe die Tomaten reingeholt und zwischen Äpfel gelegt. Für das letzte Rotwerden.

In der letzten Woche waren wir in Ravensburg. Vor allem wegen dem Spieleland, das wir schon letztes Jahr besucht haben. Diesmal halt mit Baby und das ist schon ne andere Nummer. Nicht, weil das Baby so schwierig zu haben ist. Nein, nein, das macht, was es machen soll: essen, schlafen und rumgucken. Nein, ein Elternteil ist halt immer blockiert mit einem Baby. Drei Kinder auf zwei Erwachsene aufteilen: da wartet immer einer. Tut ihnen ja nicht weh, aber unsere Familie muss geduldiger werden. Vor allem ich.

Ich bin da ja am unentspanntesten. Ich will schon mit der ersten Öffnung da sein und ich will auch, dass keiner zu kurz kommt. Mein Mann hat mir da mal den Kopf gewaschen und ich sollte doch mein Tempo drosseln. Recht hat er bisserl, aber wenn es nur nach seinem Tempo geht, dann essen wir um 16 Uhr zu Mittag. Und ich stille noch. Habt ihr mal einer stillenden Frau gesagt, dass das Mittagessen ausfällt? Haha. Wer nicht weiß, was ich damit meine: Probiert es mal aus. Überlebt ihr nicht.

Nun gut, das ist eben so der Perfektionismus, der das Leben übersieht. Leiden eine Menge Mütter dran. Es ist aber auch ein Spagat. Zwischen entspannter Mama und gut organisiertem Haushalt. Aber wenn ich mich mal *gehen lasse* und so, dann gibt es eben keine Hausschuhe in der richtigen Größe fürs neue Kindergartenjahr oder auch mal nix zu essen oder mal kein Klopapier. Dann möchte ich die Herren dieses Hauses aber auch sehen.

Eine Freundin meinte, dass ich schon recht ordentlich wäre. Das ist richtig. Ich bin ordentlich, weil ich faul bin. Ich möchte nix suchen, nix zweimal kaufen oder umsonst, ich will nicht in der Früh hetzen und es ist einfach so, dass Kinder besser alleine spielen, wenn es wenige Spielsachen gibt, die irgendwie aufgeräumt sind. Meine Faulheit hat eben einen Preis. Den Preis der Ordnung.

Aber ich philosophiere hier so am Rande des mütterlichen Perfektionismus herum, während ich eigentlich die Kurve kriegen möchte, um zu sagen, dass Ravensburg eine großartige Jugendherberge hat. Mit einem erstaunlich gutem Essen.

Jugendherberge sind ja bekannt für Kantinenfrass. Manche sind immer noch traumatisierte von ihren eigenen Klassenfahrten und würden nie in eine Jugendherberge fahren. Aber es ist so entspannt da. Überall Kinder, meistens ein Spielplatz, keiner regt sich über brüllende Kinder oder wahlweise brüllende Eltern auf. Und die in Ravensburg, die ist in einer echten Burg, stadtzentral sozusagen.

Am zweiten Tag im Spieleland konnte ich dann auch besser loslassen. Wir sind eben nicht pünktlich gewesen und wir haben aber was zu essen mitgebracht. Wir sind nicht alles alles gefahren und manchmal musste jemand lange warten. Als einer der Zwillinge aber sein komplettes Shirt im Wasserpark nass gemacht hat, waren alle wieder froh, dass der Perfektionismus in mir dafür gesorgt hat, dass wir auch Wechselklamotten dabei haben.

Ich bin eine Alge.

 

Samstagskaffee

Heute habe ich lange geschlafen. Hmmm, das stimmt natürlich so nicht. Ich schlafe überhaupt nicht lange oder viel. Ich habe ein Baby und das bestimmt meinen Schlaf. Ich lag nur lange im Bett und damit haben wir eher ein Brunch als ein Frühstück.

Mein Mann ist selbstständig und wir haben vor, noch ein paar Tage wegzufahren. Es ist aber auch gleichzeitig viel los im *Geschäft*. Deswegen arbeitet er samstags. Das Brunchen macht es möglich, heute auch spät Mittag zu essen. Vielleicht kommt er zu Mittagessen nach Hause. Er ist oft und viel zu Hause. Aber er ist nie ganz *frei* wie ein Angestellter. Vielleicht sollte ich das mal erwähnen, weil vieles hier manchmal so einfach aussieht.

Das Bild vom Brunchen wird jemanden zum Lachen bringen. Darauf sind nämlich versteckt nur Dinge zu sehen, die Anna gekocht hat. Eingekocht hat.  Marmelade und Zwetschgen. Da wir uns trotzdem sehen wollten, hat sie bei mir ihre Zwetschgen eingekocht und ein paar Gläser dagelassen. Dabei habe ich gelernt, wie einfach das Einkochen geht, was für einen phantastischen Dampfgarer ich doch habe und mit meinen Tomaten im Garten gleich damit weitergemacht.

Ich weiß, jetzt werden sich einige meiner Freundinnen ans Hirn fassen und sich fragen, wie man in seinem Leben das Einkochen von Tomatensoße hat auslassen können, aber ich habe es ausgelassen. Ich habe es nie gebraucht, denn die Industrie hat mir eh vorgegaukelt, dass ich Tomatensoße im Glas nie selber machen könnte, deswegen kann man ja auch Tomatensoße im Glas kaufen. Gut, ist einfach. Werde ich wohl auch einfach in Zukunft mehr machen. Dinge einkochen.

Was ich aber diese Woche tatsächlich gemacht habe, ist Sauerteig. Einige Versuche gingen daneben, aber jetzt ist aus Mehl, Salz, Wasser und dem Atem dieses Hauses Brot gebacken worden. Ein Prozess über Tage. Aber der Sauerteig vom Sommer werde ich jetzt liebevoll füttern und weiter Roggenbrot backen. Brot zu kaufen ist an bestimmten Tagen nämlich das einzige, was ich so wirklich besorgen muss und dafür dann ins Auto? Klar, wenn normaler Betrieb ist mit Kindergarten und Larifari ist das ja kein Problem, aber nur und einzig wegen Brot wegfahren? Nervt mich total. Und der Winter wird auch kommen und damit das Problem von wirklich unfahrbaren Tagen. Selbermachen liegt da ab und zu nahe. Aber ich wollte kein Hefe-Baguette im Schnellverfahren. Ich wollte ein schönes Brot ohne alles.

Wenn man Blogs so liest, so kommt es einem ja manchmal so vor, als ob sich bestimmte Menschen nur in Schönheit hüllen. Brotbacken, Marmelade einkochen, ein neues Baby. Ach ja.

Dabei habe ich eine Tonne Wäsche gewaschen, die heute aufs Einräumen wartet. Wie ein Monster sitzt der Wäscheberg neben der Waschmaschine. Und auf dem Bild ist eh nur die Hälfte zu sehen. Das ist nicht schlimm. Ich und das Wäschemonster – wir verstehe uns und meistens ist er eh mein sekundärer Kleiderschrank. Aber ich sollte auch das mal erwähnen, weil machmal hier alles zu einfach aussieht.

Manchmal schreit mein Baby auch die Bude hier zam und einer von meinen Zwillingen braucht einen persönlichen Sklaven. Der andere beschäftigt sich selber, aber einer von beiden steht immer mit vorwurfsvollen Gesicht neben mir und möchte ein Spiel spielen, ein Glas Wasser, ein Spiel spielen, Mittagessen, alles gleich, sofort und jetzt.

Das macht mich zur Zeit wahnsinnig. Ich spiele gerne, wirklich, aber ich hab das Gefühl, dass es nie genug ist. Kinder können einem auch das Gefühl vermitteln, dass es nie genug ist. Was du vor einer halben Stunde gemacht hast, ist für sie nämlich Schnee von vorgestern. Nie hast du Zeit, Mama.

Diese Woche habe ich einen Entschluss gefasst. Dieser Entschluss dreht sich darum, wie ich die Dinge sehe. Ich finde nämlich, dass diese Kinder hier eine ausgezeichnete Kindheit haben. Und ich lass mich nicht mehr davon wegbringen. Auch von einem vorwurfsvollen Kindergesicht nicht. Ich habe manchmal Zeit, manchmal nicht. Und ich finde, dass sich jeder hier auch mal mit seinem eigenen Scheiß beschäftigen kann.

Mein Scheiß ist ja neben dem Einkochen und Brotbacken ja oft das Nähen. Wenn ich hier alles zeigen würde, was ich so nähe, pffff. Ich nähe zur Entspannung abends. Manche gehen in ein Schaumbad, manche sitzen vor dem Fernseher. ich nähe am liebsten. Klar brauch ich dafür auch einen bestimmten Schwung, Ab und zu bin ich so müde, da komm ich tagelang nicht vom Fernseher los, aber in guten Zeiten nähe ich, wenn alle Kinder schlafen…oder auch, wenn nur das Baby schläft.

Dem Baby habe ich gestern dafür auch noch kleine Schuhe genäht. Eher Socken. Und es ihm heute morgen gleich alles angezogen. Mich nervt es, dass Menschen dann als erstes zu meinen Nähobjekten dann Sachen sagen wie *Dass du dafür noch Zeit hast….* oder so ähnlich. Ich lasse das dann so stehen. Nähen ist für die meisten dann doch eher *Arbeit*. Und vielleicht unterschätzen sie auch, wie lange man braucht für manche Sachen. Wer viel näht, wird halt auch immer schneller. Für so einen Strampler brauche ich keine 2 Stunden. Vielleicht ist es auch ein Vorwurf. Dass man solche überflüssigen Dinge wie Nähen nicht mehr machen darf als Mutter. Weil man nur eine gute Mutter sein kann, wenn man sich aufopfert. 24/7. So Sklavenmäßig. Dass würde meinem einem Sohn ja gefallen. Immer eine Mama, die Ja und Amen sagt zu seinen Vorstellungen. Ich hätte keine Lust darauf zu sehen, was da für ein Mensch dann rauskommt.

Alles sieht im Internet so einfach aus. Manches ist einfach, anderes sieht nur so aus. Ich habe meinen schnell genähten Strampler übrigens bereits in der Waschmaschine. Das Baby hat ihn vollgeschissen – so schnell wie ich ihn genäht habe.

Samstagskaffee … am Sonntag im Garten

Diesen Samstag habe ich es nicht geschafft, einen kleinen Beitrag zum Kaffee zu schreiben. Deshalb gibt es den Samstagskaffee am Sonntag.

Obwohl noch August ist, spüre ich schon an manchen Ecken den Herbst. Morgens, wenn die Luft bisschen kühler ist und ganz nass vom Nachtregen.

Unsere Gartensaison neigt sich damit dem Ende entgegen und wir haben einen Haufen Tomaten, Gurken und Bohnen gehabt/haben. Die letzte/erste Zucchini versucht noch ihr Glück. Wir halten ihr beide Daumen.

Gartenarbeit bindet. So eine Pflanze wächst zwar von allen, aber man muss sie zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort setzen. Und ich muss gestehen, ohne meine Schwiegermutter und ihr herzhaftes Eingreifen in unser Hochbeet wäre das nicht möglich gewesen. Meine Schwiegermutter ist aus Kroatien und da pflegt man seinen Nutzgarten mit Liebe. Da wachsen aber auch Feigen, Datteln und Aprikosen. Dass wir hier im Norden sind und wir uns auf robustere Pflanzen spezialisieren müssen, sieht sie zwar immer wieder nicht ein, aber die Tomaten, die sie vorbeigebracht hat, die wachsen wie Unkraut.

Beim Kaffee besprechen wir unsere Pläne für das nächste Jahr. Die Bohnen brauchen höheres Klettergerüst, die Tomaten brachen einen eigenen Kasten. Welche Pflanzen wollen wir noch einpflanzen, welche lassen wir weg. Ein typisches Gartengespräch für Ende August.

Samstagskaffee und die Frage nach dem Glück

Wir sind in Sommerferien. Sommerferien daheim. Das heisst, mit Besuch und Ausflügen. Nach einer langen Woche des Sonnenscheins heute der erste Regentag. Die größeren Jungs sind mit dem Papa zum Metzger gefahren, ich und das Käferle bleiben zu Hause. Wir wollen heute Spätzle machen.

Diese Woche kam viel Besuch zu uns. Der Besuch der anderen lässt einem ja gerne übe das Eigene nachdenken. In manchen Familien kracht es und die Leichen kommen aus dem Keller gekrochen – wobei, wie unsauber formuliert. Es sind ja gar nicht die Familien, die auseinander brechen, sondern die Paare. Papa und Mama bleibt man auf ewig. Und manche formen neue Familien oder erweiterte Teile von alten Familien. Manche Väter verschwinden.

Ich habe Freundinnen, die, wenn man ihr Leben vertauscht, keine Sekunde in der Ehe der anderen leben könnten. Ich will damit sagen, dass man vorsichtig sein soll mit der Wertung. Was einem selber guttut, muss nicht einem anderen guttun. Frauen vergleichen sich ja auch ganz gerne untereinander. Wessen Mann hilft wie viel im Haushalt, mit den Kindern, im Streit mit der Schwiegermama. Wer schläft lange, wer schläft nicht mehr. Dabei gibt es keine Formel, dabei hilft kein Messbecher zum Glück. Das ist für jeden anders. Wobei ich meistens den Ansatz schon seltsam finde, aber das bin ich. Es ist ja auch sein Haus, seine Kinder und seine Mutter. Da ist man ein Team oder man ist nix mehr. Einer Frau helfen? Ich würd eher sagen, jeder schaut, dass es allen gut geht. Immer.

Alle meine Besuche und alle Gespräche kann man auf diese eine Frage reduzieren: Was ist das Glück? Meine Version davon. Was macht mich aus?

Viele kennen mich in dieser Version und denken wohl, dass mich so Sachen wie das Handarbeiten ausmachen oder meine Kinder oder das Haus, in dem ich lebe, aber das stimmt nicht. Mich gibt es ja schon länger als diese Kinder und dieses Haus und selbst länger als das Nähen oder Stricken. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind unbedingt lesen können wollte. Ich weiß auch noch, welchen Buchstaben ich als Erstes von der Schule mit nach Hause brachte und dann dachte, ich könnte endlich das Buch über Kleopatra lesen. Mein Vater hat es mir gegeben und war wirklich einfühlsam, als er sagte, ich könne gerne alle Os aus dem Buch heraussuchen, wenn ich wollte. Ich konnte nicht gleich lesen und das hat mich geärgert, aber ich habe es mit viel Geduld gelernt. So wie alle Dinge danach.

Ich nähe nicht gerne, ich lerne gerne – das macht mein Glück aus: Eine Mischung aus Neuem und Vertrautem. Ein bisschen Herausforderung und dann aber auch Erfolg.

Jetzt bin ich auf dem Land in einem Haus mit drei Kindern gelandet – und versuche mich in Sauerteig, Nähzeitschriften und Brotbackbüchern. Mein Glück besteht darin, dass ich – auch nach etlichen Misserfolgen – etwas neues Gelernt habe und das erfolgreich.

Kein Wunder, dass ich gerne mit Kindern lebe. Kinder sind nie gleich. Sie wollen immer andere Sachen und sind in anderen Phasen. Mit Kindern lernt man echt viele Dinge kennen.

Kein Wunder, dass eine meiner ältersten Freundschaften aus einem Lehrer-Schüler-Verhältnis entstand. Ich bin gerne Schülerin.

Hätte ich ein anderes Leben und würde nicht nähen, so hätte ich sicher mein Glück in ähnlichen Strukturen gefunden: Neue Sprachen, Fortbildungen, eine berufliche Karriere mit immer höher hinaus.

Ich bedauere nicht, dass ich lerne, indem ich mir neue Schnittmuster besorge statt neuen Positionen in irgendeiner Firma. Ich meine bloss, dass eben aus dem Lernen mein Glück besteht. Das macht mich aus.

Jetzt lebe ich in einer Ehe, in dem mein Glück so arg gefördert wird. Manchmal mit einem Augenrollen, aber grundsätzlich findet mein Mann diese Eigenschaft an mir toll. Das ich immer was Neues anschleife und daran dann arbeite. Er belächelt meine Versuche, Brot zu backen und wartet ab, was ich so herausfinde und findet es dann sicherlich ganz großartig, wenn es hier mal richtiges echtes Brot gibt – kein kleines Hefe-Thermomix-baguett, sondern Sauerteig-Brot mit Vorteig und Gärkörbchen. Ich weiß nicht, ob er mich genauso großartig finden würde, wenn ich kinderlos wäre und ihm von dem neuen Job in Singapur erzählen würd. Vielleicht überhaupt nicht, aber darum geht es in der totalen Innenperspektive ja nicht. Ich weiß, ich bin glücklich, solange ich was zu lernen habe.

Was macht dich aus?

Samstagskaffee #3

Heute kommt ein Kaffee aus dem Chaos. Eine befreundete Familie macht bei uns Halt auf dem Weg nach Italien. Jetzt sind es 7 Kinder hier. Zwillinge mit 5 Jahren, Zwillinge mit 2 Jahren, ein Mädel mit 3 und eines mit 8 Jahren und dazwischen unser Baby mit seinen 6 Wochen. 

Der erste Zwetschgendatschi des Jahres. 

Kaffee und eine Kanne Kakao. 

Die Großen spielen nachher „Achterbahn“ mit dem Bollerwagen. Besser, man guckt nicht genau hin. Solang sie lachen, ist doch eh alles in Ordnung. 

Die Kleineren räumen jede Spielzeugbox aus und untersuchen den Inhalt. Eine lange Schlange aus Dinosauriern wird aufgestellt. 

Das Baby kommt aber nicht zur Ruhe und wir beide ziehen uns ins Schlafzimmer zurück. Er guckt mich mit großen Augen an. Willkommen im Leben, Kleiner. 

Samstagskaffee #2

Meine Söhne haben sich die Schuhe ausgezogen. Jetzt schon. Verspricht ein heißer Tag zu werden.  Wir sind auf einem Spielplatz. Es ist erst halb 9.


Der letzte Friseurtermin für alle Männer war nur noch um 8 Uhr morgens zu bekommen. Also sind wir vor dem Frühstück los und haben am Lenggrieser Bahnhof Kaffee getrunken.

Klingt stressig, war es auch. Aber auch ruhig, als alle was zu essen hatten. So ist es mit Kindern immer: gleichzeitig stressig und ruhig.

Mein großes Thema diese Woche ist tatsächlich mein eigenes Bett. Die ersten Wochen habe ich auf der Couch geschlafen, um meinen Mann nicht zu stören und meinen anderen Kindern nicht ausgerechnet jetzt beibringen zu müssen, dass sie nicht mehr nachts unter unsere Bettdecke schlüpfen können. Und auch, um nahe beim Fernseher zu sein. Ich bin nachts schwer wach zu bekommen und wenn ich dann den Fernseher anschalte, geht es irgendwie besser. Aber die Couch und ich – wir sind an unsere Grenzen gestoßen. Mein Rücken hat das nicht mehr mitgemacht und so bin ich mit meinem Baby wieder ins Ehebett gezogen. Neben dran das Kinderbettchen – wobei, Baby schläft sowieso im Bett. Ich weiß, aber ich habe unseren Bereich mit so nem Riesen-Stillkissen abgetrennt von dem der anderen Schläfer und da ich nachts jetzt sowieso ständig wach bin, trage ich auch die älteren Kinder wieder in ihr eigenes Bett. Manchmal breche ich vor Müdigkeit zusammen und werde garstig zu allen und ich kann mir auch schwerer Sachen merken. Mitten im Satz weiß ich dann nicht mehr, welche Geschichte ich erzählt habe, aber ich weiß, dass sind nur die wenigen blöden Sachen – meistens ist es schön. Ruhig und stressig eben.

Blick von der Lenggrieser Brücke zur Isar an einem Samstag im August vor 9 Uhr morgens.

Zu Hochzeiten wird Geld verschenkt

Das Baby hat dafür gesorgt, dass wir von den drei Hochzeitseinladungen diesen Sommer zwei sausen lassen mussten. Noch im Krankenhaus liegend, musste mein Mann zu der dritten alleine hingehen.

Was halt so alleine heißt bei uns die Tage.

Mit 2/3 der Kinder halt hingehen.

Hier am Land gibt es Frauen, denen sträuben sich die Nackenhaare bei Hochzeiten, weil *de so deier san* (weil die so teuer sind)

Versteh ich ja nicht. Obwohl Geldgeschenke jetzt auch bei modernen Stadt-Hochzeiten üblich sind, aber dann habe ich mir mal erzählen lassen, was an den großen Bauernhochzeiten im Voralpenland zwischen Bad Tölz, Bad Heilbrunn, Garmisch und Tegernsee so teuer sein soll.

Mahlgeld wird veranschlagt. Zu dem üblichen Geldgeschenk zwischen 50-100 € kommt das Mahlgeld, das schon auf der Einladungskarte steht. Der Gast zahlt seine Mahlzeit selber. Keine Ahnung, wie das taktvoll eingesammelt wird.

Irgendwann kommt das *Braut vaziang*. Ein kleinerer Brautraub also.

Ich selbst als Braut wurde auch geraubt und saß in der Pracht meines Hochzeitskleides unter einem Kastanienbaum auf dem Viktualienplatz. Schnaps wurde auch getrunken. Ein bisschen. Es war ein sonniger Tag. Ich erinnere mich gerne.Manchmal laufe ich über den Münchner Viktualienmarkt und denke daran.

Das *Braut vaziang* wird hier meiner Bauernhochzeit-Quelle nach mit Wein begossen und findet wohl eher in der Kegelbahn der Gaststätte statt. Der Wein dabei zahlen die Brautleute nicht. Das zahlen die Gäste selber und im dusligen Licht der Kegelbahn wird der Nachmittag schnell zu einem handfesten Saufgelager. Das kann wirklich schnell teuer kommen. Dazu kommen Trinklieder. *Wer im Januar geboren wurde…sauf aus sauf aus sauf aus* Glück, wer da im Dezember erst Geburtstag hat. Genug Zeit, um zu verschwinden.

Und dann, dann wird noch für eventuelle Kinderkleidung Geld eingesammelt.  Meine Quelle nannte das *Diachalgeld*. Das geht selbst mir zu weit. Aber mit einer Hochzeit sollte man Gewinn machen. Und mir wird klar, warum nicht alle über Hochzeitseinladungen glücklich sind. Allein die Tracht, die man zu tragen hat, kann einem teuer kommen.

Die dritte Hochzeit bei uns war keine Bauernhochzeit, sondern eine städtische. Zu der eine Aufmerksamkeit in Form von genügend Scheinen nötig war und kein Mahlgeld, Brautgeld, Weingeld oder Kinderkleidung.

Was für Bräuche rund ums liebe Geld kennt ihr auf Hochzeiten?

Dieser Beitrag wird verlinkt auf Creadienstag.

Samstagskaffee

Zwischen 2014 und 2015 habe ich mal an einer wöchentlichen Blog-Plauderrunde teilgenommen. Jeden Samstag sollte man sein Getränk fotografieren und ein paar Gedanken zur Woche dalassen. Ich vermisse dieses Ritual immer noch.

Ohne Verlinkung und große Publikum ist jetzt mein neuer Samtagskaffee, denn keiner hält mich davon ab, dieses Ritual einfach wieder aufzunehmen.

Die Kinder dürfen Samstag morgen mit dem Ipad spielen, das Käferle knuddelt mit dem Papa und die Sonne schaut auch wieder raus. Zeit, über die Woche nachzudenken.

Ich bin für 4 Wochen Säugling ziemlich unterwegs: Spielnachmittag bei einer Freundin mit den Jungs, Abschiedsgottesdienst im Kindergarten, der Versuch, einkaufen zu gehen
Klar, ist auch nur ein Säugling zu wickeln und zu stillen und nicht zwei. Aber dafür ist er viel anspruchsvoller, was meine Zeit und Kapazitäten angeht. Ein Baby rumzutragen, ist schließlich möglich – bei Zwillingen stellen sich viele dieser Fragen gar nicht. Dennoch, trotz wenig Schlaf und vergessenen Pin-Nummern bin ich sehr zufrieden mit unserem Start.

Dabei vermisse ich auch meine Stadt. Kinder sollten ja auf dem Land aufwachsen, haha. Die Realität zeigt: Die ganze Zeit ist man im Auto unterwegs. Klar, ich fahre auch mal zum Tegernsee für einen Schwimmkurs, also der Radius der möglichen Aktionen ist viel größer und ich lebe praktisch mit Ersatzklamotten, Regenschirm und Flip-Flop-Ersatz in meinem Auto – aber manchmal vermisse ich es, einfach vor die Tür zu treten und zu Fuß einkaufen zu gehen – Ohne den ganzen Aufwand dazwischen. Mal schnell noch ein Brot besorgen oder eingelegte Oliven. Gut, dafür wachsen bei uns im Garten jetzt Gurken und ich schneide zum Abendessen oft eine ab, aber ich werde nie die Stadt in mir völlig verlieren. Bei allem Negativen fällt sie mir sofort wieder ein. Und ich bin mir fast sicher: Irgendwann einmal kehre ich in eine Stadt zurück.

Aber zurück zu unserem Start mit drei Kindern. Mittags hole ich die Zwillinge schon vom Kindergarten ab. Ich bin wie alle Mütter überall unzufrieden mit dem angebotenem Essen und dann, ja dann finde ich es auch schön, die beiden Nachmittags hier zu haben. Dabei ist das gar nicht ganz richtig. Ich schaffe es gar nicht, die Kinder abzuholen. Mein Mann macht das und arbeitet nach dem Mittagessen dann weiter. Die Kinder liegen halb auf dem Weg und halb ist es ein irrer Umstand, aber nach 4 Wochen lässt sich das Baby nicht so leicht in Zeitpläne pressen. Wie gesagt, es ist schon mit allen Sinnen und Bedürfnissen angekommen. Es braucht einfach Zeit.

Die beiden Großen spielen auch nach dem Kindergarten gut alleine. Manchmal gibt es doch ein Gesellschaftsspiel, aber meistens verziehen sie sich mit den Lego-Sachen in eine martial-arts-Ninjago-Welt. In drei Wochen hat auch der Kindergarten Ferien und damit sind sie nach dieser Zeit Vorschulkinder.

Da bin ich echt froh drum, dass die Vorschulkinder dieses Jahrgangs jetzt dann weg sind. Diese großen Jungs und Mädels sind am Ende des Frühlings immer so überreif für die Schule. Manchmal bedauere ich es, dass unser Schulsystem keine halbjährlichen Schul-Starts zulässt. Die hängen dann pöbelnd im Kindergarten rum und machen den Kleinen das Leben schwer. Ich glaube, meine werden nächstes Jahr genauso unmöglich sein, aber jedes Problem zu seiner Zeit.

Wenn ich das so durchlese, dann merke ich, wie sehr mein Fokus auf Kindern liegt. Geht es allen gut? Gibt es was zu tun? Was zu waschen? was zu kochen? Und noch mehr erstaunt es mich, dass mich diese Gedanken nicht unbedingt unglücklich machen. Im Gegenteil.

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