Tagebuch

Ein Jahr später

Kennt ihr das? Ein Blog wird verlassen und steht als digitales Relikt im Netz. Keiner weiß, wo sein Schreiber geblieben ist. Versetzt im Netz. Im Mai 2016 habe ich meinem Blog einmal versprochen, dass es ihm nicht so ergehen wird, aber jetzt ist es ihm doch so ergangen.

Wer einmal den digitalen Faden verloren hat, der findet ihn auch nicht so schnell wieder. Das habe ich in dieser Pause gelernt. Zuerst denkt man noch dran und dann verschwindet ein Blog auch aus dem eigenen Sichtfeld.

In dem Jahr ist viel passiert.

Und doch ist alles beim Alten geblieben.

Ich glaube, dass ich endlich angekommen bin in meinem Leben und voll erfüllt bin mit den Aufgaben aus 1.0. Der Wechsel von Kindergarten in die Schule, ein Baby ist aufgestanden und ist jetzt ein Kleinkind mit seiner eigenen Welt. Freundschaften wurden vertieft, sind dazu gekommen und andere haben sich aufgelöst.

Manchmal gab es ein Thema, dass früher in diesem Blog beschrieben wurde und ich habe nachgedacht, warum ich damit aufgehört habe. Ich denke, mir ist etwas passiert, was ganz typisch in dieser Bloggerwelt ist. Mir war es wichtig, wie viele Leute das dann auch lesen. Aber bei manchen Leuten, die ich im wahren Leben kenne, denen wollte ich nicht so viel mitteilen. Eine doppelte Falle: Anonym bleiben und doch gesehen werden. Selbstverliebt und schüchtern – eine seltsame Kombination.

Letztes Jahr haben meine Kinder regelmäßig an einer Veranstaltung hier im Ort teilgenommen. Der Veranstalter hat mich zu einem Gespräch geladen und es wurden Vorwürfe gegen meine Person geäußert. Das hat mich schwer getroffen, weil ich nicht wußte, wer sich da gegen mich gewandt hat. Der Veranstalter hat mich da in der Luft hängen lassen und darauf verwiesen, dass solche Vorwürfe eben auch unter dem Mantel der Verschwiegenheit geäußert werden dürften und ich war sehr verletzt, weil mir damit auch die Möglichkeit genommen wurde, mich zu verteidigen.

Das hat mich kalt erwischt.

Ich denke, danach war es sehr schwierig für mich, einen öffentlichen Blog weiterzuführen.

Aber ich will jetzt nicht alles auf dieses negative Erlebnis schieben. Selbstverliebtheit und Schüchternheit spielten schon auch mit rein.

Nun ja, aus jeder Niederlage lernt man, man kommt weiter, man denkt nochmal genauer über sich nach. Und ich bin jetzt an einem Punkt, dass es mir egal ist, wer über mich redet. Ich möchte das Positive, dass mir das bloße Aufschreiben der täglichen Augenblicke gebracht hat früher, wieder aufgreifen und schauen, wohin das führt.

Und wer es lesen möchte, der kann es lesen.

Und wer es kommentieren möchte, der kann es kommentieren.

Am Ende überwiegt immer das Gute.

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.