Jahr: 2015 (Seite 1 von 13)

Der letzte Eintrag…..nur für dieses Jahr

Jahresende im Sonnenschein2014 galt mein letzter Jahreseintrag einer TV-Serie. Ich habe bei amazon die Outlander-Serie gekauft und war zwischen den Jahren in den Highlands. Im Verlauf dieses Jahres lief das Ganze auch in deutsch, auch im Fernsehen, aber da musste ich mich fremdschämen. Bei manchen Serien ist es ganz gut, wenn man nur die Hälfte versteht. Ein wenig hab ich mich dann aber doch erschreckt: Das soll jetzt schon ein Jahr her sein? Und das Titelphoto des Eintrages zeigte einen Haufen Schnee.

Schneelandschaft

Gut, Schnee gibt es hier bis jetzt noch nicht. Heute saß ich an fast derselben Stelle, bei der ich letztes Jahr das Foto aufgenommen habe – ohne Jacke und im Sonnenstuhl.

Zu Jahresende ziehen die meisten Menschen ja ihre emotionalen Bilanzen aus dem Jahr. Was hat sich verändert ? Was ist gleich geblieben? Was wurde erreicht ? An was ist man so gescheitert? Wer ist gegangen ? Wer ist gekommen?

Das Gute an einem Blog ist ja, dass man so einige Sachen für sich Revue passieren lassen kann, die man so vielleicht vergessen hätte. Gut, einiges fällt einem auch so auf – ich wohne nicht mehr in einer Stadt, sondern auf dem Land. Wäre mir jetzt ohne Blog auch nicht entgangen. Ich sitze heute vor einem eigenem Haus. Krasse Kiste. Richtig angekommen bin ich noch nicht. Es fühlt sich alles noch ziemlich neu an. Ungewohnt. Hat noch keinen Tritt. Keine Geschichte. Ist ziemlich unwirklich. Aber deswegen bereue ich den Auszug aus München nicht. Nicht angekommen zu sein bedeutet nämlich nicht automatisch, dass man noch wo anders ist. Man ist halt dazwischen.

Wie nach einer Nacht richtig langem Schlaf, wenn man mit dem Kindern am Abend eingeschlafen und dann gleich liegengeblieben ist. Und dann wacht man um 5 Uhr morgens auf, ist völlig ungewohnt hellwach und überlegt sich: Was mach ich jetzt bloß? Und dann fällt einem ein, was man am Abend zuvor noch alles hätte erledigen müssen, dass man jetzt verpasst hat und wo das denn jetzt in diesen einen kleinen Tag noch reinpassen würde – mit dem Ergebnis, dass man am besten gleich aufsteht und loslegt.

Alles frisch, alles Chaos, alles überfüllt. Typisch Umzug.

Seit meine Kinder auf der Welt sind, mache ich jedes Jahr ein Fotobuch. Sie sehen es sich echt gerne an, denn es geht in diesem Fotobuch nur um sie. Ich lasse mit den Bildern des Jahres auch damit gleich im Dezember mein Jahr ein bisschen an mir vorüber gleiten. Dieses Jahr war der Titel ihres Buches: 2015 – das Jahr der Veränderungen.

Sehr originell für ein Kinderbuch für 3jährige – wo sich ja praktisch jedes Jahr so viel verändert, aber Stadt/Land und Kinderkrippe/Kindergarten waren dann doch erwähnenswerte Passagen.

Aber jetzt mal weg von den Kindern. Das ist schließlich mein Blog. Was hat sich 2015 für mich im kleinen geändert? Im Mikrokosmos, sozusagen.

Ich glaube, dass ich es ziemlich toll finde, dass meine diesjährige Frühlingsdiät so gut geklappt hat. Beim letzten Mal auf der Waage Mitte Dezember waren es doch immer noch 12 kg weniger als zu Beginn des Jahres. Ohne es zu wollen, mache ich tatsächlich jedes Jahr in der Frühlingszeit irgendeinen Diäten/Erährungsversuch, aber dieses Jahr hat es sehr nachhaltig geklappt.

Ich bin dieses Jahr echt wenig zum Lesen gekommen. Im Jahr 2014 hatte ich noch 18 Bücher in meiner Liste, dieses Jahr sieht es nach sehr viel weniger aus. Aber nach dem letzten Rush mit Dark Canopy hatte ich echt keine Lust mehr, mich so fesseln zu lassen. Da war dann erst mal Pause angesagt.

In 2016 werde ich im Frühjahr eine große Prüfung für mich ablegen. Bei der Industrie- und Handelskammer. Das klingt jetzt für jemandem im Studium nach einer kleinen Nummer, aber ich lerne praktisch nachts. Mit den Jahren und Kindern und Haushalt und Job und Haus wird es immer schwieriger, sich Zeit raus zu schaufeln. Das ging früher einfacher. Jetzt kapsle ich an jeder Ecke ein bisschen Zeit für die IHK ab und hoffe, es wird reichen. Wenn diese Prüfung rum ist, dann ist mir ein ganz schön großer Klotz vom Bein abgefallen. Dieses Jahr war der erste Teil der Prüfung. Nächstes Jahr der zweite, dann ist auch mal gut.

Die Begegnungen veränderten sich. Ich habe lange in der Wohnung gewohnt, aus der ich von München gegangen bin. 10 Jahre oder so. Eine lange Geschichte. Mit sehr vielen Höhen und sehr vielen Tiefen. Meine Nachbarn dort habe ich zu manchen Zeiten regelrecht gehasst. Die Enge war wie ein Dorf. Von Großstadtanonymität keine Spur. Wir haben gestritten, waren falsche Schlangen, haben Wein getrunken und dann wieder gestritten. Ein anstrengendes Haus. Jetzt sehe ich nicht mehr morgens meine Nachbarin mit den Leopardenschuhen, sondern die Berge. Kann man als Verbesserung werten. Meine Blogparade 2015 zu den alltäglichen Begegnungen würde heute anders ausfallen. Aber es gibt sie inzwischen, die Begegnungen.

Kommt man an einen neuen Ort, zu einer neuen Arbeit, zu neuen Kollegen, zu fremden Müttern und setzt sich an einen Tisch, so ist es ein bisschen so, als ob man eine Serie ansieht und mitten drin erst eingestiegen ist. Nicht jeden Namen kennt man, nicht jede Geschichte sagt einem was, man versteht nicht jeden Witz. Oft sitzt man stumm da und hört zu. Versteht einfach noch nicht alles. Aber das macht mir im Gegensatz zu früher keine Angst mehr. Das ist wohl die größte Veränderung, die ich bemerkt habe an mir. Es macht mir nichts aus, nicht zum altem Schlag zu gehören. Obwohl ich mich heimisch bei den Frauen hier fühle, gerne mit ihnen spreche und es mich freuen würde, zu ihren Freundinnen zu zählen. Aber ich weiß, dass ich neu bin und viele hier bereits miteinander zur Schule gegangen sind. Mit Mitte 20 habe ich den Wegfall von meinen besten Freundinnen aus der Schulzeit immer als Manko empfunden. Ich war diejenige, die eben keine Schulfreundinnen hatte. Keine beste Freundin aus der Kindheit mit auf meiner Party saß. (Wir kennen uns schon ewig. Sind die allerbesten Freundinnen und kennen alle Geheimnisse. Wir sind *kicher* wie Schwestern.) Jetzt nicht falsch verstehen, ich habe alte Freundschaften und die bedeuten mir auch was, aber ich mache auch ziemlich gerne Sachen alleine. Oder ich muss nicht immer alles erzählen. Oder ständig was erleben. Und werte Freundschaften nicht mehr nach der Zeit, sondern irgendwie anders. Nach Gesten; Dingen, die mir gefallen; Sätzen; Gesprächen – ich muss nicht mehr mit jemanden 10 mal betrunken gewesen sein und ihn mein halbes Leben lang kennen, um ihn einen Freund zu nennen. Ich nehme die Menschen heute eher aus dem Bauch heraus. Kann lange Funkstille vertragen, glaube an die Freundschaft auf den ersten Blick (!) und nehme es nicht mehr übel, wenn ich merke, dass Menschen von mir nicht genauso begeistert sind wie ich von ihnen. Ich bin irgendwie zufrieden mit meinem Leben.

 

 

Happy birthday, Toast Hawaii

ToastLetztens habe ich einen Artikel über den Toast Hawaii in der Zeitung gelesen. Der hat nämlich dieses Jahr Geburtstag. 60 Jahre ist er alt.

Allgemein wird die Erfindung des Toast Hawaii einen längst in Vergessenheit geratenen Fernsehkoch der 50er Jahre zugeschrieben. Einem gewissen Clemens Wilmenrod. Einem Fernsehkoch! Wohl der erste überhaupt. Einer, der eigentlich gar kein Koch war, sondern Schauspieler. Hier habe ich euch ein Video über seine Erfindung der gefüllten Erdbeeren verlinkt. Besonders dramatisch sein Aufruf gegen Ende, man möge jetzt anrufen, sollten Zuschauer schon jemals mit Mandel gefüllte Erdbeeren gekostet haben! Er ramme sich augenblicklich jenes Küchenmesser in die Brust!

Aber selbst Wikipedia räumt ein, dass es dahinter wohl eine kulinarische Kriminalgeschichte steckt: Das Rezept über den Ananas-Toast scheint geklaut worden zu sein – vom Wilmenrods Konkurrenten Hans Karl Adam.

Ich lese um den Toast Hawaii ein bisschen herum, entdecke ein interessantes Buch über Rezepte und ihre Geschichten. Aus diesem Buch scheinen sich alle Zeitungsartikel zu speisen.

Kochshows sind aus der deutschen Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken. Stunde um Stunde wird im TV gekocht – Ost gegen West, Promi gegen Sternekoch, Lokal gegen Lokal. Aber noch niemand scheint Kulturgeschichte geschrieben zu haben wie jener kleine Toast. Und ich stelle ihn mir vor, den Moment, als 1955 Herr Wilmenrod die Cocktailkirsche vor laufender Kamera auf seinen Toast Hawaii gelegt hat – mit wohl ähnlicher Dramatik wie bei den gefüllten Erdbeeren. Und zu Hause vor dem Fernseher so ein Ruck durch dieses Land gegangen ist, dass heut wirklich jeder mit diesem Gericht eine Kindheitserinnerung zu verbinden scheint. Großmütter – damals noch Mütter mit kleinen Kindern – diesen Fernsehabend als eine gute Idee empfanden und die Dosenananas öffneten – und damit Generationen prägten.

Mich auch. Ich sehe meine Oma, wie sie uns Toast Hawaii macht. Als Kinder, wenn wir bei ihr waren und sie auf uns aufgepasst hat. Und ich so viel davon gegessen habe, dass mir schlecht wurde. Sonst haben wir Ananas für kein Gericht verwendet. Ananas wurde nur auf Toast gelegt.

Der Artikel zum Geburtstag hat mich so überrascht, dass ich ihm hier auf dem Blog ein wenig Raum geben wollte – und dem Toast Hawaii. Denn der Gedanke, dass es sich hierbei um ein Gericht handelt, dass nicht regional geprägt ist wie viele deutsche Gerichte, hat mich schon beschäftigt. Und auch, dass er bei vielen Menschen tatsächlich Gefühle auslöst, denn die meisten verbinden damit doch ihre Kindheit.

Ist das bei euch auch so? Ist der Toast Hawaii tatsächlich ein kulturgeschichtlicher Höhepunkt? Ein Massenphänomen? Eine Erinnerung?

Bildquelle: Pixabay

Weihnachten ist immer Stress

Weihnachten ist immer StressKeine zwei Wochen bis Weihnachten. Unser Adventskalender hängt formschön quer im Wohnzimmer. Ansonsten sieht es bei uns aus wie bei Messies auf`n Sofa. Unbearbeitete Post, Einrichtungskataloge, Zeitungen…die Jungs brauchen jetzt dann unbedingt ein Bücherregal. Die ganzen Bilderbücher, die hier rumfliegen, gehen mir auf den Keks. Unsere Zeit in Bad Tölz ist fast abgelaufen – denn unser Haus ist fertig geworden und wir können einziehen. Natürlich VOR Weihnachten noch. Ja, wir haben dieses Jahr tatsächlich ein Haus gebaut. Bald gibt es mehr davon. Hier in der Nähe. Deswegen sind wir ja erstmal nach Bad Tölz gezogen, damit wir nicht mehr so weit fahren müssen und damit die Kinder im September gleich in *ihren* Kindergarten gehen können. Eine Zwischenstation mit keinem Ankommen-Gefühl. Alles provisorisch. Unser Kleiderschrank ein Camping-Teil. Unsere Fernsehkommode mein Nähtisch.

Gestern saßen mein kranker Sohn und ich auf dem Sofa – mit sehr vielen Decken um uns herum. Er war schlecht gelaunt.Die Nacht davor war Magen-Darm-Session bei uns. So ist es im Dezember hier. Faulheit, Krankheit und unerledigte Aufgaben.

Eigentlich mag ich zu Dezember schon gar nichts mehr ausmachen, mit Freunden zum Glühwein oder ein Wochenende unter Spielern – weil eh alles im Chaos untergeht. Und jedes Jahr benennen wir einen anderen Grund: Umzug, Kinderkriegen, Prüfungen – weiß der Teufel, aber ich kann mich an keine besinnliche Vorweihnachtszeit erinnern.

Ich habe Plätzchendekoration im Internet bestellt – und werde damit wohl Cookies für den Januar bestreichen, denn der Karton steht grad ungeöffnet auf dem Bügelbrett.

Meine Nähmaschine wurde schon mal eingepackt. Mein Strickzeug liegt weinerlich hinter dem Sofa in seiner Kiste. Hoffentlich ist es noch kalt genug, wenn es fertig wird.

Von meinem Fernstudium möchte ich gar nicht sprechen. Da bin ich natürlich auch hinten dran. Keine Frage, ist auch der Wahnsinn. Aber es fehlt nur noch ein Stückchen. Ein kleines Stückchen. Aber dieses Stückchen fehlt mir immer im Dezember.

Weihnachten überfordert mich jedes Jahr. Als ob es um die Apokalypse ginge und wie ein starres Kaninchen vor der Schlange warte ich irgendwann auf den 1. Januar oder zumindest auf den 24sten. Ab da atme ich wieder durch und greife die Dinge an. Dazwischen bin ich einfach irgendwann Standby. Als ob mir kurz vor Schluss die Puste ausgeht. Der Jahresmarathon wird am Ende im Schleichgang zu Ende gebracht.

Gut, die Spuckerei in der Nacht kann einen schon aus dem Konzept bringen, aber es ist jedes Jahr irgendwas. Es ist auch immer überfrachtet. Überall blinken die Lichter. Alarm. Alarm. Der Anspruch ist wohl zu hoch. Alles geputzt, alles sauber, alles erledigt und die Fingernägel frisch gemacht.

In Wahrheit wird bei uns (wie bei den meisten) bis kurz vor dem 24sten gearbeitet und es sind so viele Dinge unerledigt. Trotz Arbeit. Jedes Jahr fallen Sachen hinten über – aber dank Oma gibt´s zumindest was Ordentliches zu essen. Und wenn wir Glück haben, isst bis in 2 Wochen jeder wieder ohne Spuckerle mit.

Die Zeit ist halt knapp im Dezember, knapper als in anderen Monaten. Und überall wird einem suggeriert, dass man jetzt doch einen Gang zurückschalten sollte. Tee trinken. Plätzchen backen. Einen Glühwein trinken.

Ja, schon richtig. Machen wir ja irgendwie.

Aber es tickt die Uhr dabei. Essenpläne müssen ausgearbeitet werden. Einladungen ausgesprochen. Von Ruhe erstmal keine Spur. Denn damit Ruhe einkehrt an Weihnachten, muss halt vorgearbeitet werden.

Nehmen wir an, dein Tag besteht aus 100 Aufgaben. Dein normaler durchschnittlicher Tag. Wenn du jetzt vom 24sten bis zum 27sten mal Ruhe haben möchtest und aus den 100 Aufgaben nur 10 machen möchtest, dann trinken sich die restlichen 4 mal 90 auch nicht einfach durch ne Tasse Tee weg. Da musst du dann vorher halt gut ackern und auf 150 kommen, denn die 100….die sagen jeden Tag *Guten Morgen* zu mir.

Milchmädchenrechnung. Ist aber so. Vielleicht gehört der Stress deshalb auch dazu. Und die Sache mit dem Magen-Darm-Virus.

Besinnliche Weihnachten euch allen.

Ein Rock zu Leonhardi – Trachtenrock selber nähen

Trachtenrock selber nähenIn meinem Beitrag über die Tölzer Leonhardifahrt habe ich ja schon erwähnt, dass ich mich trachtenmäßig dem Landleben ein wenig angenähert habe. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass ich sehr wohl Tracht besitze. Das trägt man in München genau einmal im Jahr: Firmenausflug Oktoberfest.

Oder – für die ganz Harten – Starkbierfest Nockherberg.

Dabei ist der Landhauschick ein weit gefasster Begriff. Von Plastik-Dirndl-Grauen bis hin zu den Must-Haves der ersten Herbsttage. Also: ein modisch weit gefasster Begriff. Ich habe ein wenig herumüberlegt….

Für mich war dann aber schnell klar: ein Rock muss her.

Nicht zuletzt deswegen, weil die Rockmacherin hierzulande große Wellen schlägt, aber ihre ganze Kollektion eine Preiskategorie erreicht, die man trotz heimischer Produktion und lokalen Stoffen nicht so einfach ausgibt.

Aber das Nachnähen ist gar nicht nur auf meinen Mist gewachsen. Hier ein sehr schöner Beitrag von einer anderen Bloggerin: >KLICK<

Trachtenrock nähen Rockmacherin

Nun aber zu meinem Rock.

Der Schnitt ist von hier.

Den Bund habe ich ein wenig verlängert.

Und mit den Falten, da habe ich mich ja lange beschäftigt.

Trachtenrock nähen Kellerfalte

Der erste Trick ist, dass man einen schweren Stoff nimmt. Ich habe Leinen verwendet.

Der zweite Trick ist, dass man die Falten sehr tief legen sollte…und auch nicht zu viele. Ein Rock in dieser Länge hat schnell etwas mädchenhaftes. Da muss man aufpassen, dass er nicht zu sehr *aufspringt* bei zu vielen kleinen Falten.

Ich würde bei einem zweiten Versuch zuerst die Passe nähen und dann den Stoff für den Rock  in Falten legen ohne den Stoff vorher geschnitten zu haben. In diesem Schnittmuster sind die Falten nämlich sehr klein. Für einen Trachtenrock daher eher schwierig.

Bei Leinen braucht man eigentlich keine Overlock, es läßt sich sehr gut  mit einer Nähmaschine nähen. Allerdings habe ich für den Reißverschluss hinten einen nahtverdeckten Reißverschluss verwendet…und da gibt es so ein kleines geniales Füßchen dazu…Näheres hier.

Rock_Tracht

Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es ist kein Dirndl, aber mit einem Mieder getragen für mich eine schöne Alternative. Ein wenig stolz stelle ich ihn zu den anderen in die Sammlung zu Rund ums Weib.

Eltern packen ihre Ellenbogen aus: Tatort Kinderkarussell

Kinderkarusell_TumultWeihnachtsmärkte sind beliebte Ausflugsziele hierzulande. Fast überall gibt es einen. Letztes Jahr standen wir noch bei Honigwein am Tollwood in München herum, jetzt sind wir halt bei den Alpenhörnern. Die Kinder finden es großartig. Vor allem, weil auf dem Christkindlmarkt in Bad Tölz ein Karussell seine Runden dreht.

Alles ist so harmonisch. Stellt euch vor, die ersten Schneeflöckchen tanzen im Wind, man hält einen nicht gepanschten Glühwein in der Hand, alles ist schon erledigt, alles in schon getan. Extra Lebenszeit. Die Füße werden ein bisschen kalt, aber man freut sich auf die kuschelige Couch daheim, während man von pausbäckigen Kindern aus kleinen Feuerwehrautos ein *Huhuuuuu, Mama, hier bin ich.* zugerufen bekommt.

Goldig, alles.

Ich glaube, für die Kinder ist es auch so.

Die Eltern stehen aber in Trauben vor dem Karussell und wenn die Glocke ertönt und das Karussell stoppt, bricht der Tumult los.

Eine Frau packt ihr Kind (im roten Wollmantel sieht er aus wie ein Weihnachtself) und schiebt ihn in das Feuerwehrauto. Ich lasse einen amüsierten Kommentar fallen. Sie fährt mich an, dass IHR Kind schon seit 3 Runden auf das Feuerwehrauto warte. Ich erschrecke ein wenig. Das ist nicht lustig hier, das ist total ernst. Die Frau trägt einen hippen Turban aus gebatikten Tüchern. Es lehnt ein Kinderfahrrad aus Holz an ihrem Kinderwagen. Sie bringt ihrem Sohn sicherlich die westlichen Werte aus Toleranz, Biokaffee und Holzspielzeug bei, aber beim Kinderkarussell hört der Spaß auf. Kein Zucker in den ersten 3 Lebensjahren,aber das Feuerwehrauto wird mit Ellenbogen durchgesetzt.

Ich sehe mich um. Viele Eltern reagieren so, schieben ihre Kinder auf eines der sechs Fahrgeräte. Viele, nicht alle. Aber viele sehen zu, dass ihr Kind nicht zu kurz kommt. Vor allem die Eltern der Jüngeren. Die Älteren können sich schon ohne Mama durchsetzen. Aber es ist wie die Reise nach Jerusalem – es sind einfach nicht genug da. Oder etwa doch? Es gibt nur ein Feuerwehrauto, ein Auto in Regenbogenfarben, ein Kreisel. Mein erster Impuls ist es, auch meinen Kinder den gewünschten Platz zu sichern. Ihnen ihre Wünsche zu erfüllen. Gerecht geht es nämlich nicht zu. Der erste mahlt zuerst. Wer wartet, verliert. Auf dem Kinderkarussell regiert das Recht des Stärkeren.

Aber das Feuerwehrauto hat vier Plätze. Zwei vorne, zwei weiter hinten. ich erkenne, dass wir Erwachsenen die hinteren als schlechtere Wahl empfinden. Die Kinder müssen vorne sitzen. Immer in der ersten Reihe.

Mein erster Impuls lässt nach und ich setze keinen Platz für meine Kinder durch. Ich gebe ihnen ihre Karten und lasse sie ziehen. Klar, der eine sitzt jetzt nicht ganz vorne. Aber – während ich im leichten Nieselregen stehe (von Schneeflocken keine Spur) – sehe ich auch, wie scheißegal ihnen das ist. Ihnen geht es ums Karussellfahren. Nicht, um irgendwelche Plätze. Sie verhandeln mit mir schon während der Fahrt, weil sie mir – immer wenn sie an mir vorbeifahren – zurufen: Noch eine? Noch eine?

Gut, noch eine. Ich lasse den Tumult der anderen am Ende der ersten Fahrt an mir vorbeiziehen. Die Mutter mit Holzfahrrad (ich muss zugeben, wir haben dasselbe, wir spielen eigentlich in der gleichen Bio-Liga, oder?) rät ihrem Weihnachtselfen, einfach sitzen zu bleiben. Ein anderer Vater versucht, sein schreiendes Kind auf ein Holzpferd zu hieven. Offensichtlich mag die Kleine keine Karusselle. Sie schreit und er nimmt sie schließlich runter. Er redet mit seiner Frau. Ratlosigkeit. Sie haben bereits den Sparpreis mit 7 Fahrten und eine umsonst gekauft. Schenkelklopfer. So ein Karussell scheint ein Kleinkosmos von Elternwünschen zu sein. Welcher Platz der beste ist. Was denn alles den Kindern Spaß machen MUSS. Manche Kinder wollen einfach nicht auf Holzpferden im Kreis fahren. Das soll es auf dieser bunten Welt auch geben.

Ich habe keine Ahnung, ob es Kinder gibt, die nur glücklich werden, wenn sie im Regenbogenauto rechts vorne sitzen. Vielleicht gibt es auch stille Schüchterne, die nie zu einem Ritt auf dem Holzpferd kommen, wenn man sie nicht drauf sitzt und das ältere Kind böse anguckt dabei. Vielleicht sollte man aber auch gar nicht hinschauen und sie machen lassen. Vielleicht ist es auch eine Kettenreaktion. Fängt irgendjemand an, sein Kind vorzuschieben und durchzuboxen, haben alle anderen auch das Gefühl, dass jetzt mal für ihr Kind auch richten zu müssen.

Der Tumult ist nach einer knappen Minute auch wieder vorbei. Alle Eltern stehen wieder besinnlich um das Fahrgeschäft und winken ihren Kindern zu. Die Frau mit dem Holzfahrrad macht Handyphotos von ihrem Weihnachtselfen. Und lächelt stolz dabei. Bei der dritten und letzten Fahrt sitzen meine Kinder auf der Kuh. Ich finde die Kuh doof. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kuh besser sein soll als das Feuerwehrauto. Aber ich fahre ja nicht mit dem Karussell. Und meine Kinder turnen auf der Kuh rum und winken mir pausbäckig zu. Ihre Wahl, ihr Platz, ihre Fahrt.

Es weihnachtet sehr.

Adventskranz selber binden

Adventskranz HeaderKindergarteneltern erinnern mich an Klassenkameraden – mit manchen freundet man sich an, andere würde man auf der Strasse nicht wieder erkennen. Und ab und an gibt es dann Aktionen. Diesen Freitag werden Adventskränze in der Kirche verkauft. Diese Adventskränze werden von den Kindergarteneltern vorher gebunden…but, let´s face it: diese Kränze werden von den Müttern vorher gebunden. Nun gut, ich hatte Zeit und habe mich eingetragen. Ich habe zwar noch nie einen Adventskranz gebunden, aber man sollte sich die Dinge ja immer erst grundsätzlich angucken. Im Hinterkopf meines städtischen Ichs muss ich aber zugeben, dass ich die Vorstellung von klassischen Adventskränzen oder Türkränzen schon sehr sehr *hüstl* spießig finde.

Advenzkranz selber binden 1

Der Vorraum des Kindergartens wurde in ein Meer aus Immergrünen getaucht. Es gab so unglaublich viel Material – selbst Moos und Efeu wurden gebracht. Von vielen Sachen kenne ich nicht die Namen. Okay, ich weiß, wie der Busch da aussieht, aber ich bin noch nie in Versuchung gekommen, den Namen dafür gebrauchen zu müssen. Bäume habe ich das letzte Mal in der 4.Klasse benennen müssen. Ihr seht, mein Weg ist noch weit zwischen Daxen aus Tannen oder auch Fichten?

Aber bevor ich mich gewunden habe zwischen Namen wurde mir gezeigt, wie ich die Daxen in kleine Teile schneiden sollte. Ich schnitt also erstmal das Material klein. Es wurde auch schnell klar, dass diese Frauen das schon oft gemacht haben. Mein Wollrock war schnell eingesaut und ich verstand da auch, warum hier viele Schürzen tragen. Nadelt halt wie wild. Den Landfrauen wird ja oft vorgeworfen, dass man sich schwer tut mit ihnen. Sie seien verschlossen und eigenbrötlerisch. Anschluss fände man nicht. Man bleibe immer fremd. Ich spüre davon nichts.

IAdventskranz selber binden 2

Man rät mir, mich doch an einen eigenen Kranz zu wagen. Kaffee und Glühwein wird gereicht und da ist es dann passiert – ich war im Tunnel. Was für eine meditative und schöne Tätigkeit. Alles ist noch frisch, grün und es riecht nach Wald. Ein Kranz dauert Zeit, aber auch nicht ewig – vielleicht eine Stunde, vielleicht eineinhalb. Ich weiß es gar nicht so genau, aber ich fand diese rohen, ruppigen, mit Moos bespannten Kränze so schön. Keine Ahnung, wie ich je den Gedanken denken konnte, es wäre spießig, öde oder langweilig. Es muss dir halt bloß mal jemand zeigen.

Am selben Abend noch habe ich die erbeuteten Reste verarbeitet und ein paar Fotos gemacht.

Adventskranz selber binden 3

Zuerst braucht man einen Strohring – im Baumarkt für ein paar Euros zu haben. Dazu gibt es Bindedraht im Baumarkt.

Zum Anfangen – so riet man mir – soll man einen kleines Stück Draht stehenlassen, damit man diesen zum Schluß zum Zusammenbinden verwenden kann. Ist ja ein Kreis – der Anfang ist auch das Ende.

Adventskranz Anfang machen

Man legt sein Grün um den Strohkranz und wickelt den Draht herum. That´s it. Keine Kunst. Sehr simpel. Der Rohling hat aber ein flacheren Teil. Dieser ist dazu da, dass man das Ding noch auf einen Tisch stellen kann und bleibt ohne Grünzeug.

Adventskranz anfang 2

Ich habe festgestellt, dass die Kränze gleichmäßiger und schöner werden, wenn man sich an Muster hält. Nun gut, mit Mustern kenn ich mich als Patchworker aus. Hat man also vier verschiedene Materialien wie Moos, Daxen, Misteln oder anderes, so legt man halt immer alles nach dem anderen. Aber ich bin ja noch der blutige Anfänger in diesem Bereich (blutig übrigens wörtlich, weil ich mir bei der Kindergartenaktion mit einer Heckenschere in den Finger geschnitten habe….)

Adventskranz selber binden 4

Natürlich ist das ein Land-Ding. In der Stadt fährt auch niemand schnell mal auf seinen Hof zurück, um noch das eine oder andere Grünzeug abzuschneiden. Ich kann mich erinnern, wie teuer das ganze Material ist, wenn man es beim Blumenhändler kauft. Für meinen eigenen Garten habe ich jetzt schon eine innere Liste von Pflanzen, die ich vor allem zum Kränzebinden anpflanzen werde – und ja, es wird Türkränze geben. Zu jeder Scheiß Gelegenheit im Jahr. Und es wird immer roh, waldig und frisch aussehen. Ich träume bereits von dem Kranz aus Lavendel.

Adventskranz fertig selber binden

 

Outdoorjacken selber nähen – cold stopper ottobre 4/2014

Ottorbe 4 2014 cold stopper headerEin großes Nähprojekt im November waren die Outdoorjacken der Jungs. Meine Kinder sind 3 Jahre alt und haben jetzt Größe 104. Eigentlich passen ihnen auch Sachen in kleineren Größen, aber ich kaufe nichts mehr unter 104.

Der Schnitt ist aus der Ottobre 4/2014. Diese Zeitschrift habe ich inzwischen abonniert, denn vor allem die Kinderschnitte sind sehr gut umzusetzen. Nach ein paar Ausgaben hat man ein schönes Sortiment an verschiedenen Möglichkeiten, die man eigentlich immer wieder verwenden kann.

Der Schnitt des sog. *cold stopper* ist eigentlich für Fleece gedacht, aber ich wollte eine regensichere Variante aus Softshell.

Ottobre 4 2014 cold stopper

Den Softshell habe ich bei extremtextil bestellt. Ein sehr gutes Material ist da gekommen. Gut zu verarbeiten und sehr schön zu tragen. Die Neonfarben finde ich toll, da im dunklen Nieselwetter jetzt die Kinder gut zu sehen sind.

ottobre 4 2014 cold stopper 3

Genäht wurde das Ganze mit einer Nähmaschine ( Elna 6600) und einer Overlock-maschine (babylock). Das Material verzieht sich aber gar nicht so schlimm, deswegen ist es wohl auch mit einer guten Nähmaschine zu nähen, ohne dass man wahnsinnig wird. Allerdings macht man ja *Löcher* in die Membranschicht, deswegen ist es zu empfehlen bei diesem Material auf alle Fälle eine Jersey-Nadel zu nehmen. Damit man nicht zu große Löcher sticht.

Ottorbe 4 2014 cold stopper 2

Da das Material wirklich toll ist, hat der Papa eine ähnliche Jacke bekommen – ohne Neon. Der Schnitt ist ein furchtbar konservativer, aber ich wollte eine Jacke, die ich ein bisschen ähnlich abwandeln konnte und man nicht auf den ersten Blick, aber auf einen zweiten sieht, dass die Jacken irgendwie zusammengehören.

kwik sew K4017

Schnitt ist Kiwi sew K4017.

Ab damit zu made for boys – eine schöne Zusammenstellung für Jungsklamotten.

 

Aufruf zur Blog-Nostalgie: Wie habt ihr angefangen?

Westendzwillinge Letztes Jahr habe ich begonnen, ernsthaft diesen Blog zu füllen. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte hier privater schreiben und manche Artikel kommen gar nicht zum Zuge, die ich tippe oder mir nur ausdenke. Manchmal überlege ich mir, einen privaten Teil zu machen, zu dem nur ich und eine Handvoll Menschen Zugang hätten. Ich verstehe auch langsam, warum es Blogger gibt, die plötzlich aussteigen oder ihren Blog nur noch im Privatem füllen. Manchmal wünsche ich mir aber für den einen oder anderen Artikel mehr Aufmerksamkeit oder Austausch. Da wundere ich mich, wenn er im Nirvana des digitalen Überfluss völlig verschwindet. Dann gucke ich mir Statistiken an und frage mich, warum das jetzt keine Sau interessiert. Zwischen zwei Stühlen sitzen – das trifft es nicht so ganz – eher zwischen zwei Kontinenten.

Mein allererster Blog hatte einen ganz anderen Hintergrund. Als meine Zwillinge auf die Welt kamen, habe ich plötzlich keinen sozialen Kontakt mehr gehabt. Wenn andere sich trafen, habe ich geschlafen und wenn andere im Büro saßen, war ich am Kinderwagenschieben. Ein völlig anderer Rhythmus. Da ich keinen Vorbereitungskurs besucht habe und auch keine Bauchbeckengymnastik anstrebte, haben mit auch die anderen froschgebackenen Mütter gefehlt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich es das erste mal bis zum Wochenmarkt geschafft habe: beide Babys gestillt, gewickelt, angezogen, ich halbwegs passable gekleidet – und das alles VOR der nächsten Stillrunde. Ein Triumphzug war das – geplatzt vor Stolz zwei Straßen weit gekommen. Leider völlig „alleine“.

Da habe ich über soziale Dienste versucht, herhauszufinden, ob es ein Treffen von Zwillingsmüttern gibt. Gibt es auch – organisiert von einer Frau in Starnberg, deren Kinder Teenager sind. OK, Stammtisch war nicht ganz das, was ich mir so vorstellte, aber es gab von der Organisation immer Rundmails, wenn Leute ihren Zwillingskram zu verkaufen hatten. Und ich habe dann so eine kleine Kontaktanzeige aufgegeben, ob andere Zwillingsmütter mit mir Kinderwagenherumschiebengehen wollen.

Auf die Mail habe ich eine Antwort bekommen – und bin bis heute mit dieser Mutter gut befreundet. Wir haben uns getroffen und gingen jede Woche mit fester Uhrzeit und festem Tag spazieren. Zusammen haben wir ein Treffen ins Leben gerufen, zu dem immer mal wieder neue und dann auch alte Gesichter kamen. Aus dem Viertel, aus München, manchmal auch bisschen weiter weg. Mit einer whatsapp-Gruppe haben wir Kontakt gehalten, aber da wir immer mehr Frauen angesprochen haben, habe ich dann – zusammen mit meiner *Gründer*-Freundin – einen Blog geschrieben. Jede Woche haben wir das *Thema des Spaziergangs* zusammengefasst, damit die Frauen, die es nicht geschafft haben, zu kommen, sich informiert fühlen. Wir wollten offen bleiben und nicht so ein *Geklüngel* sein. Auch wenn man mal zwei Monate nicht kommen konnte, war man so irgendwie dabei und kam das nächste Mal leichter ins Gespräch. manchmal waren wir auch nur zu zweit, weil es keiner geschafft hat, aber auch da hatten wir dann irgendein *Thema*, über das man schreiben konnte.

Der Blog hatte also wenig mit großem digitalem Ruhm zu tun, sondern war eher ein Ausläufer und Mittel zum Zweck für das *echte* Leben.

Obwohl ich absolut nichts mehr mit diesem Blog mache und er nur noch eine verblasste digitale Erinnerung im Netz ist, bekomme ich immer mal wieder Anfragen von Müttern über die Seite, die sich gerne anschließen wollen würden. Obwohl der Blog so formuliert ist, dass klar ist, dass er nicht mehr *aktiv* ist. Ich antworte dann immer, indem ich die Geschichte dieses Blogs erzähle und die Leute ermutige, ihre eigene Gruppe zu gründen und auch einen Blog zu erstellen oder auch nur eine whatsapp-Gruppe.

Mit allen Artikeln habe ich jetzt für mich und meine *Gründer* – Freundin ein Buch drucken lassen, damit wir im Bücherregal etwas aus dieser Zeit übrig lassen und werde den Blog jetzt dann vom Netz nehmen – wahrscheinlich zum Jahresende.

Ein bisschen wehmütig bin ich da schon.

Schließlich war das in der Form ziemlich einzigartig und hat eine Menge Spaß gemacht – zwischen privaten Themen, die man nicht ins Netz stellt, die öffentlichen zu wählen, die einen Mehrwert für andere darstellen und die anderen, die ja auch nicht über ganz Deutschland oder der Welt verteilt sein sollten, sondern ganz in der Nähe waren.

Ziemlich andere Intension eines Blogs als üblich, die Westendzwillinge

Manchmal vermisse ich das. Das konkrete Netzwerken, dass dahinter steckte. Allerdings ist diese Zeit aber auch definitiv vorbei. Meine *Gründer*-Freundin hat das mal so ausgedrückt: Am Anfang hat man mit Kindern so viele Fragen und möchte einen Austausch unbedingt haben, später ist man immer sicherer, dass man das jetzt halt so oder so macht. Da sind die Fragen dann nicht mehr so fundamental.

Ja, und das hatten wir mit unseren Spaziergängen. Der Austausch im wichtigen ersten Jahr mit Kindern. Wir haben über das Stillen und Nicht-stillen gesprochen, über Kinderwägen und über Väter, die zum Duschen kommen und die man deswegen wirklich hasst, über Schreibabys, über den ersten Brei, über die Folter des Schlafentzuges.

Westendzwillinge 2

Ihr seht, ich bin grad nostalgisch. Blog-Nostalgisch.

Später habe ich dann diesen Blog gestartet, erst als reinen *Nähblog*, der sich dann aber (wie von alleine) ausgeweitet hat über verschiedene Bereiche meines Lebens. Aber nicht alle. Manche, weil sie mir zu langweilig vorkommen. Manch andere, weil sie mir zu privat vorkommen. Dabei gerate ich immer wieder in den Konflikt, dass ich mich im Internet nicht wie eine unendlich Zeit habende, nähende Cappuccino-Mutter darstellen möchte, wenn ich heute grad wieder zwischen Arbeit, Hausbau und Kinder auf dem Zahnfleisch daher krieche und das hier grad schreibe, während mein Mann so nett ist und die Kinder alleine ins Bett bringt, damit ich *zur Ruhe komme*.

Zur Ruhe komme ich beim Stricken, Nähen, lesen oder schreiben. Und wenn jemand tatsächlich bis hierher gelesen hat, so gebe ich die Frage jetzt mal an die (Blogger-) Welt ab:

Gab es einen Blog vor euren jetzigen Blog? Wenn ja, welcher?
Was war der Einstieg? Warum wurde er wieder beendet?
Was war überhaupt der Anlass für euch, zu bloggen?

Zeit gegen Ende des Jahres, ein bisschen Blog-Nostalgie auszuleben. Wer macht mit?

*Leonhardi war* – ein Bericht aus Bad Tölz

Leonhardi Bad TölzWer in Tölz wohnt, kommt an Leonhardi nicht vorbei. Schon zum Anfang des Kindergartenjahres wurde ich darauf hingewiesen, dass am 6.November, also zu Leonhardi, die Einrichtung geschlossen sei. Beim Kaffeetrinken mit den anderen Kindergartenmüttern wurde es dann sehr deutlich: Auf Leonhard wird hier regelrecht hingefiebert. Was noch alles zu diesem Tag fertig sein muss…Die Geschäfte haben zu, die Hauptstraße ist gesperrt, der Janker für den Neffen muss fertig gestrickt werden. (An dieser Stelle ein Teaser: auch ich habe noch zu Leonhardi etwas fertig gemacht, was hier bald vorgestellt wird. Und JA, es hat etwas mit Tracht zu tun)

Gut, ich bin auch hier mittendrin aufgewachsen, ich kenne Leonhardi. Das hat mich also nicht so kalt erwischt, aber bis letzten Freitag war es der Tag, an dem wir immer nicht von der Stadt aufs Land fuhren, weil eben 25.000 andere es tun…

Also, Leonhardi war.

Leonhardi Bad Tölz 2015

Eine Leonhardifahrt ist eine Prozession zu Pferde. Sie gibt es an vielen Orten in Bayern. Dem Schutzpatron der landwirtschaftlichen Viecher – irgendwie vor allem des Nutztieres Pferd – wird eine Fahrt abgehalten und am Ende werden die Pferde geweiht.

Wir standen am Anfang der Prozession. Auf alten Fuhrwerken, geschmückten Festwägen, sitzen Frauen in bayerischer Tracht. Jungfrauen (ob das noch alles Jungfrauen im wörtlichen Sinne sind….) und verheiratete Frauen erkennt man am G´wand. Männer gibt es auch – als Schützenvereine oder Blasmusikkapellen. Die Wägen sind eng und bemalt. Da es eine Prozession ist, wird gebetet. Männer reiten auch, aber zwischendrin erkenne ich auch ein junges Mädchen in Männerkleidung auf einem der riesigen Tiere. Da muss ich lächeln. Im Nachhinein war dies aber wohl eine optische Täuschung. Viele haben gemeint, ein (verbotenerweise) Mädchen zu Pferd gesichtet zu haben, aber dies war wohl doch ein Junge. Also kein rebellischer Akt.

Bad Tölz Leonhardi

Es lohnt sich tatsächlich, die Tiere sind prächtig. Auch die Trachten können sich sehen lassen – unabhängig davon, ob man das jetzt im Generellen schön findet oder nicht. Es hat nämlich nichts mit Mode zu tun, nichts mit Dirndl-Wiens-schick, sondern es sind halt Elemente aus vergangenen Tagen aufgenommen worden und -ohne es wirklich zu wissen – halte ich es für authentisch. Wie viel hier für sich, für Touristen, für eine gefühlte Tradition oder für *war halt schon immer so* gemacht wird – ich denke, es ist eine Mischung aus allem. Dabei höre ich schon an einigen Ecken, dass man die Massen Besucher bedauert. Gefährliche Situationen entstehen. Unbedarfte gehen nahe an den Kaltblütern vorbei und es passieren Unfälle. Auch bei uns kommt ein Reiter gefährlich nahe und wir ziehen die Kinder zurück. Es sind Tiere. Fluchttiere. Die können auch mal durchgehen. Es wird herumgeraunt, dass morgens eines erschossen werden musste. Ein Wagen ging auf der Herfahrt durch und das Tier verletzte sich schwer. Ein Fuhrmann liegt im Krankenhaus. Das ist alles kein Glitzer-Glitzer-spaß, das kann auch sehr schnell sehr ernst werden. Hunde sind verboten als Zaungäste. Dass sich nicht alle dran halten, verantwortungslos.

Leonhardi Bad Tölz 4

Danach gibt es für mich einen Bruch. Wir haben die Kinder zu Oma und Opa gebracht und sind erst gegen Spätnachmittags in die Marktstraße zurück. Trauben von Menschen stehen vor den Wirtshäusern. Menschen begegnen sich, begrüßen sich – und sind unendlich betrunken. Die Mädchen in den altbayerischen Trachten laufen eingehakt in Zweierreihen die Marktstraße entlang. Die Letzte trägt die Flasche Schnaps. Sie johlen und machen Selfies. Wir holen uns auch was zu trinken und beobachten die Szenerien aus Trachten und Touristen. Da man wohl das Ganze mit Schnaps begonnen hat, ist es auch vor Einbruch der Dämmerung für manchen schon sichtlich vorbei. Das ist auch irgendwie das Lustige an Bayern, beten und saufen geht ganz einfach zusammen – wird meistens nur durch die 12-Uhr-Glocken getrennt. Wer vor dem Gottesdienst zwitschert und nicht betet, bekommt mächtig Ärger. Wer danach immer noch nüchtern ist, kommt wohl aus Preußen oder ist schwanger.

Leonahrdi Bad Tölz Nacht

Nächstes Jahr werden wir uns wohl das ganze Spektakel ansehen, mit dem Zug bis zur Kirche. Ob mit Schnaps oder ohne – kommt wohl auf die Kinder an, aber für johlend durch die Markstraße zu rennen und mich gestützt nach Hause schleifen zu lassen – da fühl ich mich zu alt. Aber ich sollte hier nicht so viel tönen – wenn es nächstes Jahr keinen Bericht zu Leonhardi gibt, gab es wohl Schnaps für mich. Trotz meines sehr wohl gepflegten Protestantismus.

Ältere Beiträge

© 2018 Fadenvogel

Theme von Anders NorénHoch ↑