Aufruf zur Blog-Nostalgie: Wie habt ihr angefangen?

Westendzwillinge Letztes Jahr habe ich begonnen, ernsthaft diesen Blog zu füllen. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte hier privater schreiben und manche Artikel kommen gar nicht zum Zuge, die ich tippe oder mir nur ausdenke. Manchmal überlege ich mir, einen privaten Teil zu machen, zu dem nur ich und eine Handvoll Menschen Zugang hätten. Ich verstehe auch langsam, warum es Blogger gibt, die plötzlich aussteigen oder ihren Blog nur noch im Privatem füllen. Manchmal wünsche ich mir aber für den einen oder anderen Artikel mehr Aufmerksamkeit oder Austausch. Da wundere ich mich, wenn er im Nirvana des digitalen Überfluss völlig verschwindet. Dann gucke ich mir Statistiken an und frage mich, warum das jetzt keine Sau interessiert. Zwischen zwei Stühlen sitzen – das trifft es nicht so ganz – eher zwischen zwei Kontinenten.

Mein allererster Blog hatte einen ganz anderen Hintergrund. Als meine Zwillinge auf die Welt kamen, habe ich plötzlich keinen sozialen Kontakt mehr gehabt. Wenn andere sich trafen, habe ich geschlafen und wenn andere im Büro saßen, war ich am Kinderwagenschieben. Ein völlig anderer Rhythmus. Da ich keinen Vorbereitungskurs besucht habe und auch keine Bauchbeckengymnastik anstrebte, haben mit auch die anderen froschgebackenen Mütter gefehlt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich es das erste mal bis zum Wochenmarkt geschafft habe: beide Babys gestillt, gewickelt, angezogen, ich halbwegs passable gekleidet – und das alles VOR der nächsten Stillrunde. Ein Triumphzug war das – geplatzt vor Stolz zwei Straßen weit gekommen. Leider völlig „alleine“.

Da habe ich über soziale Dienste versucht, herhauszufinden, ob es ein Treffen von Zwillingsmüttern gibt. Gibt es auch – organisiert von einer Frau in Starnberg, deren Kinder Teenager sind. OK, Stammtisch war nicht ganz das, was ich mir so vorstellte, aber es gab von der Organisation immer Rundmails, wenn Leute ihren Zwillingskram zu verkaufen hatten. Und ich habe dann so eine kleine Kontaktanzeige aufgegeben, ob andere Zwillingsmütter mit mir Kinderwagenherumschiebengehen wollen.

Auf die Mail habe ich eine Antwort bekommen – und bin bis heute mit dieser Mutter gut befreundet. Wir haben uns getroffen und gingen jede Woche mit fester Uhrzeit und festem Tag spazieren. Zusammen haben wir ein Treffen ins Leben gerufen, zu dem immer mal wieder neue und dann auch alte Gesichter kamen. Aus dem Viertel, aus München, manchmal auch bisschen weiter weg. Mit einer whatsapp-Gruppe haben wir Kontakt gehalten, aber da wir immer mehr Frauen angesprochen haben, habe ich dann – zusammen mit meiner *Gründer*-Freundin – einen Blog geschrieben. Jede Woche haben wir das *Thema des Spaziergangs* zusammengefasst, damit die Frauen, die es nicht geschafft haben, zu kommen, sich informiert fühlen. Wir wollten offen bleiben und nicht so ein *Geklüngel* sein. Auch wenn man mal zwei Monate nicht kommen konnte, war man so irgendwie dabei und kam das nächste Mal leichter ins Gespräch. manchmal waren wir auch nur zu zweit, weil es keiner geschafft hat, aber auch da hatten wir dann irgendein *Thema*, über das man schreiben konnte.

Der Blog hatte also wenig mit großem digitalem Ruhm zu tun, sondern war eher ein Ausläufer und Mittel zum Zweck für das *echte* Leben.

Obwohl ich absolut nichts mehr mit diesem Blog mache und er nur noch eine verblasste digitale Erinnerung im Netz ist, bekomme ich immer mal wieder Anfragen von Müttern über die Seite, die sich gerne anschließen wollen würden. Obwohl der Blog so formuliert ist, dass klar ist, dass er nicht mehr *aktiv* ist. Ich antworte dann immer, indem ich die Geschichte dieses Blogs erzähle und die Leute ermutige, ihre eigene Gruppe zu gründen und auch einen Blog zu erstellen oder auch nur eine whatsapp-Gruppe.

Mit allen Artikeln habe ich jetzt für mich und meine *Gründer* – Freundin ein Buch drucken lassen, damit wir im Bücherregal etwas aus dieser Zeit übrig lassen und werde den Blog jetzt dann vom Netz nehmen – wahrscheinlich zum Jahresende.

Ein bisschen wehmütig bin ich da schon.

Schließlich war das in der Form ziemlich einzigartig und hat eine Menge Spaß gemacht – zwischen privaten Themen, die man nicht ins Netz stellt, die öffentlichen zu wählen, die einen Mehrwert für andere darstellen und die anderen, die ja auch nicht über ganz Deutschland oder der Welt verteilt sein sollten, sondern ganz in der Nähe waren.

Ziemlich andere Intension eines Blogs als üblich, die Westendzwillinge

Manchmal vermisse ich das. Das konkrete Netzwerken, dass dahinter steckte. Allerdings ist diese Zeit aber auch definitiv vorbei. Meine *Gründer*-Freundin hat das mal so ausgedrückt: Am Anfang hat man mit Kindern so viele Fragen und möchte einen Austausch unbedingt haben, später ist man immer sicherer, dass man das jetzt halt so oder so macht. Da sind die Fragen dann nicht mehr so fundamental.

Ja, und das hatten wir mit unseren Spaziergängen. Der Austausch im wichtigen ersten Jahr mit Kindern. Wir haben über das Stillen und Nicht-stillen gesprochen, über Kinderwägen und über Väter, die zum Duschen kommen und die man deswegen wirklich hasst, über Schreibabys, über den ersten Brei, über die Folter des Schlafentzuges.

Westendzwillinge 2

Ihr seht, ich bin grad nostalgisch. Blog-Nostalgisch.

Später habe ich dann diesen Blog gestartet, erst als reinen *Nähblog*, der sich dann aber (wie von alleine) ausgeweitet hat über verschiedene Bereiche meines Lebens. Aber nicht alle. Manche, weil sie mir zu langweilig vorkommen. Manch andere, weil sie mir zu privat vorkommen. Dabei gerate ich immer wieder in den Konflikt, dass ich mich im Internet nicht wie eine unendlich Zeit habende, nähende Cappuccino-Mutter darstellen möchte, wenn ich heute grad wieder zwischen Arbeit, Hausbau und Kinder auf dem Zahnfleisch daher krieche und das hier grad schreibe, während mein Mann so nett ist und die Kinder alleine ins Bett bringt, damit ich *zur Ruhe komme*.

Zur Ruhe komme ich beim Stricken, Nähen, lesen oder schreiben. Und wenn jemand tatsächlich bis hierher gelesen hat, so gebe ich die Frage jetzt mal an die (Blogger-) Welt ab:

Gab es einen Blog vor euren jetzigen Blog? Wenn ja, welcher?
Was war der Einstieg? Warum wurde er wieder beendet?
Was war überhaupt der Anlass für euch, zu bloggen?

Zeit gegen Ende des Jahres, ein bisschen Blog-Nostalgie auszuleben. Wer macht mit?

4 Kommentare

  1. Hey Lieblingsvogel! Wusste das mit deinem „Zwillingsmütter“ Blog gar nicht! Ist ja witzig, wie das bei dir angefangen hat! Meine Geschichte ist zwar wesentlich uncooler, aber ich schreibe dir am Wochenende gerne was dazu!

  2. Nach einem dreiviertel Jahr bloggen, kann ich eigentlich gar nicht von Nostalgie reden, aber ich mach auch gerne mit – schaffe es aber vermutlich nicht vor nächster Woche…
    Lg Uli

  3. Wenn mein Kind mich lässt, berichte ich dir bald von meinen Anfängen. Kleiner Spoiler vorweg: Die Schnecke gab’s bei mir früher auch mal. :D
    (Du hast keinen Rückbildungskurs gemacht? Oi, wie hat dein Körper das überlebt? :o)

    • fadenvogel

      13. November 2015 at 17:25

      Ich würd mich sehr für deine Anfänge interessieren….

      Hmmm, keine Ahnung, wie ich eine Zwillingsschwangerschaft ohne Rückbildung überlebt habe, aber

      1. Kaiserschnitt….(macht das andere Sachen *kaputt*?)
      2. Ich habe das mit Rücksprache meines Arztes beschlossen.

      Er hat mir mal ein sehr seltsames Kompliment gemacht….er hat mir mal gesagt, ich sehe *von innen* sehr gut aus. Ziemlich straff alles…(Ich weiß, ein äußerst komisches Kompliment, aber er musste mich mal bauchspiegelnd und da war das so eine der Analysensätze) Vor allem, weil ich ja nicht so einen Yogakörper *von außen* habe. Aber ich war sehr kurz nach der OP schon auf den Beinen und war die ganze Zeit unter Strom. Meinen Kindern ging es ja zu Beginn nicht soooo gut. Aber insgesamt habe ich dann nach ein paar Wochen meinen Arzt und meine Hebamme gefragt, ob ich das jetzt wirklich auch machen muss und sie haben beide verneint. Ich hatte auch keine Beschwerden und es hat sich alles so wieder eingefunden, wie es sein sollte…na ja, es gab ja auch nicht immer schon Rückbildungskurse. Die sind bestimmt gut und wichtig, aber bei mir zum Glück nicht notwendig gewesen.

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