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Die verlassenen Blogs: Was denkt ihr darüber?

Verlassene BlogsKennt ihr das? Ihr surft ein bisschen im Internet oder räumt euer Newsfeed auf. Da fällt euch ein Blog ein, den ihr echt lange nicht mehr besucht habt. Er taucht irgendwo in einer Schublade eurer digitalen Vergangenheit auf und da ist er wieder da.

Der verschollene Blog.

Er sieht noch genauso aus, wie ihr ihn verlassen habt. Ihr klickt auf den Header, der euch sicher zu dem letzten veröffentlichten Artikel führt und bäm: 12.Mai 2015 oder etwas in der Richtung. Die Seite reloaded sich nur und baut sich genau so wieder auf, wie ihr sie verlassen habt. Ihr kennt den Artikel schon. Es war der letzte, den ihr darin gelesen habt. Mann, wie eine verschimmelte Kaffeetasse steht der Artikel da im Netz. Die Schreiberin ist offensichtlich schon lange aus dem Café gegangen. Kein Hinweis, keine Erklärung, einfach weg.

Ich verstehe es, dass man einen Blog nicht von heute auf morgen verlässt. Wahrscheinlich ist es ein schleichender Prozess. Man veröffentlicht eine Woche lang nichts, dann einen Monat und irgendwann ist es ein halbes Jahr. Innerlich hat man sich noch gar nicht so richtig entschieden, ob man aufhört oder nicht, ob es eine *Beziehungspause* ist oder eine Trennung.

Aber dennoch komme ich mir versetzt vor, so als Leser. Bestellt und nicht abgeholt. Zu Beginn schreit man ein so lautes Hallo an die Welt und zum Abschied gibts noch nicht mal ein leises Servus?

Ich möchte nicht, dass es dem Fadenvogel mal so geht. Das er für jemanden eine verschimmelte Kaffeetasse ist. Ich werde ihn auf jeden Fall verabschieden. Letztes Jahr habe ich schon überlegt, ob ich nicht mal eine komplette Bloggerphase auslasse – Weihnachten, im Dezember gibt es halt nichts digital zu sagen oder so. Oder mal Sommerferien machen. Die Fastenzeit vor Ostern den Blog ruhen lassen. Aber auch das würde ich ankündigen.

Das endgültige Gehen steht ja noch in den Sternen. Ich bin ja immer noch gerne hier und die Blogs, die geschlossen wurden mit einem echt eindeutigem Schlussartikel, die sind mir da als positive Beispiele schon noch im Hinterkopf. Der Schreiber hat noch mal ein lautes Winken in die Welt gerufen und sich dann vom Tisch erhoben. Großer Stil. Daumen hoch.

Manchmal ist man aber ja in der Krise und kriegt die Kurve nicht. Ist mir auch schon so gegangen. Erst kürzlich. Ich hatte einfach nichts zu sagen. Ich wollte auch gar nichts sagen. Da kann sich dann so ein Abschied einschleichen. Bei der nächsten Krise nehme ich mir vor, dass einfach mal unfertig ins Netz zu stellen. Zwei Wochen gebe ich mir. Nach zwei Wochen und noch immer kein neuer Artikel hat er verdient, das er einen Pause-Artikel kriegt. Fertig. Dieser Blog hat grad ne Schreiberkrise. Wer A sagt, sollte dann auch B sagen. Oder?

 

Schöne Texte von den anderen

Texte von anderenDas Meer der Texte ist groß. Tausende Blogs zu allen Dingen und allen Leben scheint es zu geben. Manchmal wandere ich herum und lasse mich von Text zu Text spülen. Manche Blogs bleiben mir in Erinnerung, andere verschwinden wieder im Meer. Ein paar Sandkörner habe ich euch festgehalten. Vor allem jene, die mir neu sind.

Vanessa hat einen unglaublich schönen Text für sich selbst geschrieben. Über einen sehr privaten Jahrestag. Sehr leise und berührend.

Die schnellen Urteile, die halben Blicke auf fremde Leben sind das Thema dieses Textes. Marcella lebt ein Leben, dass sich viele nicht vorstellen können. Anders und doch normal, heißt ihr Blog.

Für mehr Realität macht eni mai einen Text zur Poesie und verbindet ihn mit einem Lied. Verträumt, irgendwie.

Zum Lachen in den Garten gehen. Kurze Momentaufnahme, wie es ist, wenn man für die eigene Schwiegermutter Dahlien besorgen soll.

Von einer eher ungewöhnlichen Online-Herausforderung habe ich hier erfahren. Ich habe keine Ahnung, was die Aufgaben denn sein werden, aber ich habe mich mal angemeldet. Meine eigene Komfortzone zu verlassen, da bin ich so schlecht wie jeder andere. Ich bin gespannt.

Einen bissigen Text über die ständige Frage, wann denn das obligatorische *zweite* Kind folgen würde, findet sich hier.

Ja, das Meer der Blogs ist groß, aber streift man außerhalb seiner normalen Lesezone herum, da tut man sich schwer. Geht es euch auch so? Lest ihr eure Stammtagebücher oder lasst ihr euch von Kommentarfeld zu Kommentarfeld treiben und wundert euch, wo ihr da dann landen könntet? Findet ihr mehr oder eher immer weniger? Könnt ihr schon keine Kekse mehr essen, die überall angeboten werden?

 

 

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Die Schere im Kopf: #regrettingbloggerhood

#regrettingbloggerhoodEin eben nicht handelsüblicher Familienblog (I Love Noch ne Muddi) hat die Frage nach der Schere im Kopf gestellt. Die Schere, die man selber hat, wenn man öffentlich seine Alltagsgeschichten ins Netz trägt.

Ob das denn ein Problem wäre. Ob man schon mal bereut habe, dass man bloggt.

Zugegeben, ich habe auch schon Beiträge von öffentlich auf privat umgestellt, vor allem aber deswegen, weil das Thema des Blogs sich über die Zeit verändert hat und manche Beiträge einfach keinen Sinn mehr machten.

Erzähle ich im privatem Umfeld viel davon? Keine Ahnung, ich mache jetzt kein Geheimnis draus. Ich lade auch mache meiner Freunde direkt ein, hier mitzulesen. Aber es ist nicht das erste, was mir einfällt. Manchmal erzähle ich aus praktischen Gründen von meinem Blog. Wenn ich ein Foto mache von einem komischen Blickwinkel aus – nur Hände oder absichtlich ohne Gesicht.

Aber das ist auch kein Familienblog. Hier sind an die 250 Artikel angesammelt, unter 50 davon handeln von Erziehung, Kindern oder dem ganzen Kram. Ich glaube, dass das schon einen Unterschied macht. Letztendlich blogge ich über Randthemen aus meinem Leben. Etwas, was ich einer Freundin erzählen würde. Mal ein Buch gelesen, mal einen Film gesehen, mal ein Rock genäht. Der Blog ist der Ort, an dem ich mich parke und auf die Dinge schaue, die mich interessieren. Schließlich geht es sonst immer um die anderen.

Aber meine Schere gibt es doch. Manchmal, wenn ich über irgendein Nähprojekt schreibe oder meine Kaffeetasse fotografieren, dann komme ich mir vor wie in einem Werbefilm der 50er Jahre. Ich mag manchmal nicht, welches Frauenbild ich hier unterstütze. Oder denke, dass ich es unterstütze. Diese ganzen Frauenthemen hier. Alles schön weiblich. Alles weich. Wird Zeit, dass ich über Menstruationsprobleme blogge.

Aber meine Schere gibt es doch. Manchmal, wenn ich so schreibe, kommt doch der Leser auf und rollt die Augen. Alles so Butter bei dir. Harmonisch, glücklich, wieder ein Werbefilm. Wann haste denn dafür Zeit? Arbeitest du nicht wirklich? Leben deine Kinder im Schrank? Sieht es bei dir aus wie Sau? Ich komme mir vor wie ein Teenager und vor mir steht ein dreizehnjähriges Mädchen und fragt gelangweilt: Ach, bei dir ist das so? Ach ja? Da frage ich mich dann schon, ob ich nicht übertreibe. Ob ich nicht eine Art Seelen-selfie hier mache, um möglichst toll zu wirken. Ob ich nicht lieber die Klappe halten sollte, denn Selbstlob stinkt ja bekanntlich.

Aber meine Schere gibt es doch. Manchmal, wenn ich so schreibe, kommen mir die Leute in den Sinn, die mich so kennen. So privat. Dann überlege ich mir, was die wohl denken. Oder denken könnten. Ob ich jemanden auf den Schlips trete. Unabsichtlich. Oder ob die auch mit den Augen rollen und sagen: Guck mal, für was die Trulla hier wieder Zeit hat. Kommt sie sich wieder mächtig geil vor mit ihrer Nähmaschine, der Kindererziehung und dem ganzen Kram.  

Aber meine Schere gibt es doch. Die Welt um mich herum ist es, die mich manchmal am Bloggen zweifeln lässt. Nicht die kleine Welt, die große. In der Kinder verdursten, in der Menschen sich auf Schlauchbooten übers Meer fahren lassen, in der Beiträge über Familien in ausgebombten Straßenzügen hämische Kommentare ernten und in der der Rassismus wieder salonfähig geworden ist. Das Internet ist zu einem Ort des Hasses geworden. Kann man hier noch Frühjahrsdiäten posten oder Strickmodelle? Wie eine römische Patrizierin stelle ich im Netz meine Traubenschale zur Schau und komme mir manchmal dumm dabei vor. Ob ich unbewusst mit dem Veröffentlichen vom satten reichen Leben nicht das Bild einer Welt hochhalte, das angefüllt ist mit Selbstverliebtheit, Oberflächlichkeit und dem privilegiertem westlichen Leben.

Führen diese Gedanken dazu, dass ich das Bloggen bereue?

Bereuen ist ein zu schweres Wort. Im Endeffekt habe ich mehr positive Begegnungen durch meinen Blog gehabt als negative. Und die negativen waren nicht so heftig für mich, dass ich irgendwas grundsätzlich bereuen würde. Ich glaube, den meisten Bloggern geht es nach wie vor um Austausch, um Vernetzung, um eine positive Begegnung.

In diesem Zuge habe ich mich gefragt, ob ich zensiere. Zensur ist etwas, was veröffentlicht werden will, es aber verhindert wird. Aus den falschen Gründen verhindert. Von den falschen Leuten. Das ist ja nicht so. Kein Mensch redet mir hier groß rein, aber ich halte es da mit dem guten Grundsatz: Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Rede ich also von anderen oder über andere, dann mache ich mir klar, was das für mich heißt – vor allem in Bezug auf Kinder. Ich schreibe meine Artikel bewusst und hoffe, dass meine Definition für sie am Ende stimmig sein wird. Das gilt auch für Geschichten, die mir Freunde erzählen. Manchmal frage ich direkt nach, was ich verwenden darf. Ob es sie stört, wenn ich aus diesem oder jenem einen Artikel schreiben würde. Meistens ernte ich ein Schulterzucken. Es gibt auch die Variante, dass ich mehrere Geschichten zusammenfasse und damit Fiktion und Fakten zum Schutz der betroffenen Personen mische, um den wahren Kern darstellen zu können.

Es gibt hier also keine Zensur. Ich schreibe, was ich denke, was ich sehe und was ich erlebe. Meine Scheren drehen sich eher um Selbstzweifel und Selbstbild. Ich muss manchmal damit zurecht kommen, dass ein Blog nur eine Momentaufnahme ist, ein Bild aus eine Sommertag, ein Lächeln, ein Satz dazwischen. Zwischen was? Na, zwischen dem echten Leben. Zwischen jetzt und nachher. Ich denke manchmal, ob die Menschen aus meinem Seelen-selfie nicht die falschen Schlüsse ziehen und sagen, dass ich oberflächlich wäre, weil es mir selbst manchmal zu hübsch vor kommt alles. Weil ein Blog eben nur ein sprechendes Bild ist, es ist nicht das Leben. Und wie bei allen Bildern kann niemand wirklich beeinflussen, was der Betrachter darin sieht. Aber das ist Teil des Spieles.

Der letzte Eintrag…..nur für dieses Jahr

Jahresende im Sonnenschein2014 galt mein letzter Jahreseintrag einer TV-Serie. Ich habe bei amazon die Outlander-Serie gekauft und war zwischen den Jahren in den Highlands. Im Verlauf dieses Jahres lief das Ganze auch in deutsch, auch im Fernsehen, aber da musste ich mich fremdschämen. Bei manchen Serien ist es ganz gut, wenn man nur die Hälfte versteht. Ein wenig hab ich mich dann aber doch erschreckt: Das soll jetzt schon ein Jahr her sein? Und das Titelphoto des Eintrages zeigte einen Haufen Schnee.

Schneelandschaft

Gut, Schnee gibt es hier bis jetzt noch nicht. Heute saß ich an fast derselben Stelle, bei der ich letztes Jahr das Foto aufgenommen habe – ohne Jacke und im Sonnenstuhl.

Zu Jahresende ziehen die meisten Menschen ja ihre emotionalen Bilanzen aus dem Jahr. Was hat sich verändert ? Was ist gleich geblieben? Was wurde erreicht ? An was ist man so gescheitert? Wer ist gegangen ? Wer ist gekommen?

Das Gute an einem Blog ist ja, dass man so einige Sachen für sich Revue passieren lassen kann, die man so vielleicht vergessen hätte. Gut, einiges fällt einem auch so auf – ich wohne nicht mehr in einer Stadt, sondern auf dem Land. Wäre mir jetzt ohne Blog auch nicht entgangen. Ich sitze heute vor einem eigenem Haus. Krasse Kiste. Richtig angekommen bin ich noch nicht. Es fühlt sich alles noch ziemlich neu an. Ungewohnt. Hat noch keinen Tritt. Keine Geschichte. Ist ziemlich unwirklich. Aber deswegen bereue ich den Auszug aus München nicht. Nicht angekommen zu sein bedeutet nämlich nicht automatisch, dass man noch wo anders ist. Man ist halt dazwischen.

Wie nach einer Nacht richtig langem Schlaf, wenn man mit dem Kindern am Abend eingeschlafen und dann gleich liegengeblieben ist. Und dann wacht man um 5 Uhr morgens auf, ist völlig ungewohnt hellwach und überlegt sich: Was mach ich jetzt bloß? Und dann fällt einem ein, was man am Abend zuvor noch alles hätte erledigen müssen, dass man jetzt verpasst hat und wo das denn jetzt in diesen einen kleinen Tag noch reinpassen würde – mit dem Ergebnis, dass man am besten gleich aufsteht und loslegt.

Alles frisch, alles Chaos, alles überfüllt. Typisch Umzug.

Seit meine Kinder auf der Welt sind, mache ich jedes Jahr ein Fotobuch. Sie sehen es sich echt gerne an, denn es geht in diesem Fotobuch nur um sie. Ich lasse mit den Bildern des Jahres auch damit gleich im Dezember mein Jahr ein bisschen an mir vorüber gleiten. Dieses Jahr war der Titel ihres Buches: 2015 – das Jahr der Veränderungen.

Sehr originell für ein Kinderbuch für 3jährige – wo sich ja praktisch jedes Jahr so viel verändert, aber Stadt/Land und Kinderkrippe/Kindergarten waren dann doch erwähnenswerte Passagen.

Aber jetzt mal weg von den Kindern. Das ist schließlich mein Blog. Was hat sich 2015 für mich im kleinen geändert? Im Mikrokosmos, sozusagen.

Ich glaube, dass ich es ziemlich toll finde, dass meine diesjährige Frühlingsdiät so gut geklappt hat. Beim letzten Mal auf der Waage Mitte Dezember waren es doch immer noch 12 kg weniger als zu Beginn des Jahres. Ohne es zu wollen, mache ich tatsächlich jedes Jahr in der Frühlingszeit irgendeinen Diäten/Erährungsversuch, aber dieses Jahr hat es sehr nachhaltig geklappt.

Ich bin dieses Jahr echt wenig zum Lesen gekommen. Im Jahr 2014 hatte ich noch 18 Bücher in meiner Liste, dieses Jahr sieht es nach sehr viel weniger aus. Aber nach dem letzten Rush mit Dark Canopy hatte ich echt keine Lust mehr, mich so fesseln zu lassen. Da war dann erst mal Pause angesagt.

In 2016 werde ich im Frühjahr eine große Prüfung für mich ablegen. Bei der Industrie- und Handelskammer. Das klingt jetzt für jemandem im Studium nach einer kleinen Nummer, aber ich lerne praktisch nachts. Mit den Jahren und Kindern und Haushalt und Job und Haus wird es immer schwieriger, sich Zeit raus zu schaufeln. Das ging früher einfacher. Jetzt kapsle ich an jeder Ecke ein bisschen Zeit für die IHK ab und hoffe, es wird reichen. Wenn diese Prüfung rum ist, dann ist mir ein ganz schön großer Klotz vom Bein abgefallen. Dieses Jahr war der erste Teil der Prüfung. Nächstes Jahr der zweite, dann ist auch mal gut.

Die Begegnungen veränderten sich. Ich habe lange in der Wohnung gewohnt, aus der ich von München gegangen bin. 10 Jahre oder so. Eine lange Geschichte. Mit sehr vielen Höhen und sehr vielen Tiefen. Meine Nachbarn dort habe ich zu manchen Zeiten regelrecht gehasst. Die Enge war wie ein Dorf. Von Großstadtanonymität keine Spur. Wir haben gestritten, waren falsche Schlangen, haben Wein getrunken und dann wieder gestritten. Ein anstrengendes Haus. Jetzt sehe ich nicht mehr morgens meine Nachbarin mit den Leopardenschuhen, sondern die Berge. Kann man als Verbesserung werten. Meine Blogparade 2015 zu den alltäglichen Begegnungen würde heute anders ausfallen. Aber es gibt sie inzwischen, die Begegnungen.

Kommt man an einen neuen Ort, zu einer neuen Arbeit, zu neuen Kollegen, zu fremden Müttern und setzt sich an einen Tisch, so ist es ein bisschen so, als ob man eine Serie ansieht und mitten drin erst eingestiegen ist. Nicht jeden Namen kennt man, nicht jede Geschichte sagt einem was, man versteht nicht jeden Witz. Oft sitzt man stumm da und hört zu. Versteht einfach noch nicht alles. Aber das macht mir im Gegensatz zu früher keine Angst mehr. Das ist wohl die größte Veränderung, die ich bemerkt habe an mir. Es macht mir nichts aus, nicht zum altem Schlag zu gehören. Obwohl ich mich heimisch bei den Frauen hier fühle, gerne mit ihnen spreche und es mich freuen würde, zu ihren Freundinnen zu zählen. Aber ich weiß, dass ich neu bin und viele hier bereits miteinander zur Schule gegangen sind. Mit Mitte 20 habe ich den Wegfall von meinen besten Freundinnen aus der Schulzeit immer als Manko empfunden. Ich war diejenige, die eben keine Schulfreundinnen hatte. Keine beste Freundin aus der Kindheit mit auf meiner Party saß. (Wir kennen uns schon ewig. Sind die allerbesten Freundinnen und kennen alle Geheimnisse. Wir sind *kicher* wie Schwestern.) Jetzt nicht falsch verstehen, ich habe alte Freundschaften und die bedeuten mir auch was, aber ich mache auch ziemlich gerne Sachen alleine. Oder ich muss nicht immer alles erzählen. Oder ständig was erleben. Und werte Freundschaften nicht mehr nach der Zeit, sondern irgendwie anders. Nach Gesten; Dingen, die mir gefallen; Sätzen; Gesprächen – ich muss nicht mehr mit jemanden 10 mal betrunken gewesen sein und ihn mein halbes Leben lang kennen, um ihn einen Freund zu nennen. Ich nehme die Menschen heute eher aus dem Bauch heraus. Kann lange Funkstille vertragen, glaube an die Freundschaft auf den ersten Blick (!) und nehme es nicht mehr übel, wenn ich merke, dass Menschen von mir nicht genauso begeistert sind wie ich von ihnen. Ich bin irgendwie zufrieden mit meinem Leben.

 

 

Aufruf zur Blog-Nostalgie: Wie habt ihr angefangen?

Westendzwillinge Letztes Jahr habe ich begonnen, ernsthaft diesen Blog zu füllen. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte hier privater schreiben und manche Artikel kommen gar nicht zum Zuge, die ich tippe oder mir nur ausdenke. Manchmal überlege ich mir, einen privaten Teil zu machen, zu dem nur ich und eine Handvoll Menschen Zugang hätten. Ich verstehe auch langsam, warum es Blogger gibt, die plötzlich aussteigen oder ihren Blog nur noch im Privatem füllen. Manchmal wünsche ich mir aber für den einen oder anderen Artikel mehr Aufmerksamkeit oder Austausch. Da wundere ich mich, wenn er im Nirvana des digitalen Überfluss völlig verschwindet. Dann gucke ich mir Statistiken an und frage mich, warum das jetzt keine Sau interessiert. Zwischen zwei Stühlen sitzen – das trifft es nicht so ganz – eher zwischen zwei Kontinenten.

Mein allererster Blog hatte einen ganz anderen Hintergrund. Als meine Zwillinge auf die Welt kamen, habe ich plötzlich keinen sozialen Kontakt mehr gehabt. Wenn andere sich trafen, habe ich geschlafen und wenn andere im Büro saßen, war ich am Kinderwagenschieben. Ein völlig anderer Rhythmus. Da ich keinen Vorbereitungskurs besucht habe und auch keine Bauchbeckengymnastik anstrebte, haben mit auch die anderen froschgebackenen Mütter gefehlt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich es das erste mal bis zum Wochenmarkt geschafft habe: beide Babys gestillt, gewickelt, angezogen, ich halbwegs passable gekleidet – und das alles VOR der nächsten Stillrunde. Ein Triumphzug war das – geplatzt vor Stolz zwei Straßen weit gekommen. Leider völlig „alleine“.

Da habe ich über soziale Dienste versucht, herhauszufinden, ob es ein Treffen von Zwillingsmüttern gibt. Gibt es auch – organisiert von einer Frau in Starnberg, deren Kinder Teenager sind. OK, Stammtisch war nicht ganz das, was ich mir so vorstellte, aber es gab von der Organisation immer Rundmails, wenn Leute ihren Zwillingskram zu verkaufen hatten. Und ich habe dann so eine kleine Kontaktanzeige aufgegeben, ob andere Zwillingsmütter mit mir Kinderwagenherumschiebengehen wollen.

Auf die Mail habe ich eine Antwort bekommen – und bin bis heute mit dieser Mutter gut befreundet. Wir haben uns getroffen und gingen jede Woche mit fester Uhrzeit und festem Tag spazieren. Zusammen haben wir ein Treffen ins Leben gerufen, zu dem immer mal wieder neue und dann auch alte Gesichter kamen. Aus dem Viertel, aus München, manchmal auch bisschen weiter weg. Mit einer whatsapp-Gruppe haben wir Kontakt gehalten, aber da wir immer mehr Frauen angesprochen haben, habe ich dann – zusammen mit meiner *Gründer*-Freundin – einen Blog geschrieben. Jede Woche haben wir das *Thema des Spaziergangs* zusammengefasst, damit die Frauen, die es nicht geschafft haben, zu kommen, sich informiert fühlen. Wir wollten offen bleiben und nicht so ein *Geklüngel* sein. Auch wenn man mal zwei Monate nicht kommen konnte, war man so irgendwie dabei und kam das nächste Mal leichter ins Gespräch. manchmal waren wir auch nur zu zweit, weil es keiner geschafft hat, aber auch da hatten wir dann irgendein *Thema*, über das man schreiben konnte.

Der Blog hatte also wenig mit großem digitalem Ruhm zu tun, sondern war eher ein Ausläufer und Mittel zum Zweck für das *echte* Leben.

Obwohl ich absolut nichts mehr mit diesem Blog mache und er nur noch eine verblasste digitale Erinnerung im Netz ist, bekomme ich immer mal wieder Anfragen von Müttern über die Seite, die sich gerne anschließen wollen würden. Obwohl der Blog so formuliert ist, dass klar ist, dass er nicht mehr *aktiv* ist. Ich antworte dann immer, indem ich die Geschichte dieses Blogs erzähle und die Leute ermutige, ihre eigene Gruppe zu gründen und auch einen Blog zu erstellen oder auch nur eine whatsapp-Gruppe.

Mit allen Artikeln habe ich jetzt für mich und meine *Gründer* – Freundin ein Buch drucken lassen, damit wir im Bücherregal etwas aus dieser Zeit übrig lassen und werde den Blog jetzt dann vom Netz nehmen – wahrscheinlich zum Jahresende.

Ein bisschen wehmütig bin ich da schon.

Schließlich war das in der Form ziemlich einzigartig und hat eine Menge Spaß gemacht – zwischen privaten Themen, die man nicht ins Netz stellt, die öffentlichen zu wählen, die einen Mehrwert für andere darstellen und die anderen, die ja auch nicht über ganz Deutschland oder der Welt verteilt sein sollten, sondern ganz in der Nähe waren.

Ziemlich andere Intension eines Blogs als üblich, die Westendzwillinge

Manchmal vermisse ich das. Das konkrete Netzwerken, dass dahinter steckte. Allerdings ist diese Zeit aber auch definitiv vorbei. Meine *Gründer*-Freundin hat das mal so ausgedrückt: Am Anfang hat man mit Kindern so viele Fragen und möchte einen Austausch unbedingt haben, später ist man immer sicherer, dass man das jetzt halt so oder so macht. Da sind die Fragen dann nicht mehr so fundamental.

Ja, und das hatten wir mit unseren Spaziergängen. Der Austausch im wichtigen ersten Jahr mit Kindern. Wir haben über das Stillen und Nicht-stillen gesprochen, über Kinderwägen und über Väter, die zum Duschen kommen und die man deswegen wirklich hasst, über Schreibabys, über den ersten Brei, über die Folter des Schlafentzuges.

Westendzwillinge 2

Ihr seht, ich bin grad nostalgisch. Blog-Nostalgisch.

Später habe ich dann diesen Blog gestartet, erst als reinen *Nähblog*, der sich dann aber (wie von alleine) ausgeweitet hat über verschiedene Bereiche meines Lebens. Aber nicht alle. Manche, weil sie mir zu langweilig vorkommen. Manch andere, weil sie mir zu privat vorkommen. Dabei gerate ich immer wieder in den Konflikt, dass ich mich im Internet nicht wie eine unendlich Zeit habende, nähende Cappuccino-Mutter darstellen möchte, wenn ich heute grad wieder zwischen Arbeit, Hausbau und Kinder auf dem Zahnfleisch daher krieche und das hier grad schreibe, während mein Mann so nett ist und die Kinder alleine ins Bett bringt, damit ich *zur Ruhe komme*.

Zur Ruhe komme ich beim Stricken, Nähen, lesen oder schreiben. Und wenn jemand tatsächlich bis hierher gelesen hat, so gebe ich die Frage jetzt mal an die (Blogger-) Welt ab:

Gab es einen Blog vor euren jetzigen Blog? Wenn ja, welcher?
Was war der Einstieg? Warum wurde er wieder beendet?
Was war überhaupt der Anlass für euch, zu bloggen?

Zeit gegen Ende des Jahres, ein bisschen Blog-Nostalgie auszuleben. Wer macht mit?

Musik & du – ein Song für die Zeit als Teenager

London and meMaribel Skywalker trägt jeden Monat nach euren Songs. Diesen Monat geht es um eine Lied zu eurer Teenagerzeit. Ein *young and wild and free* Mix … Larissa von No Robots fällt da vor allem die Stadt ein. Die Stadt als Symbol. Nicht mal irgendeine Konkrete.

Bei mir ist das ziemlich konkret. Die Stadt.

London

Mit einer Cordjacke vom Kleidermarkt, weiten Cordschlaghosen und Anstecknadeln gelangweilt durch Camden Market zu marschieren, dabei Zigaretten zu rauchen und ein abgewetztes Buch unterm Arm geklemmt zu haben – das war es. August 1998. Dabei wurden kaum Fotos geschossen, weil man sich nicht zu touristisch geben wollte. Aber selbst wenn es damals Selfiesticks gegeben hätte, wir wären (hoffentlich) einfach zu cool dafür gewesen.

Dabei kam mir nie in den Sinn, nach England ziehen zu wollen. Aber wir fanden so ziemlich alles toll, was von der Insel kam…die Musik, die Teenagerhefte (Sugar?), Fish and Chips, das Bier (da waren wir nicht so genau, wir tranken auch irisches….) die Frisuren…wir waren sogar Beatles-Fans.

Britpop war ein Trend, eine Modeerscheinung, aber damals empfanden wir das alles ziemlich individuell und einzigartig. Blur, Pulp, Oasis, Garbage – das gehörte alles zu unserem Soundtrack, während wir heimlich auf dem Schulklo rauchten.

Wer *wir* überhaupt waren, weiß ich gar nicht mehr so genau. Aber als mein Mann mir einmal sagte, dass er noch nie in London gewesen sei, bin ich fast vom Stuhl gekippt. I can not marry a man who has never been to England, Baby.
Ihm haben letztendlich Bettwanzen in unserer billigen Absteige gebissen und ich denke, er fand es mäßig spannend und lächelte bisschen über meine Begeisterung, aber wat cool war, is halt einfach cool.

Dabei verschwand das alles bei mir und kam dann wieder, wie in Wellen. Typisch für einen Teenager, denk ich mir. Alles nicht so stringent, alles nicht so einheitlich. Ich kann mich auch dunkel daran erinnern, dass wir Winter 1997 wie russische Zarentöchter rumgelaufen sind und in Hinterhof-Kinos wichtige Stummfilme angesehen haben. (von denen ich jetzt keinen einzigen mehr benennen könnte…) Schwarzer Tee mit Rum war da groß in Mode. Da war dann kurz nix mehr mit Jarvis Cocker, England und God save the music. Das war dann ein anderes *wir*. Andere Mädchen. Manchmal kam es mir aber nicht wie ein *wir* vor, sondern eher wie ein *bloß ich*. Aber darum geht es ja nicht, sondern nur um einen Song, der für eine bestimmte Zeit als Teenager steht. Also nehmen wir England. Nehmen wir Suede. Mitsingen kann ich immer noch.

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7 Fakten über mich ….

Lovely Blog AwardIn der Bloggerwelt gibt es ja bekanntlich Kettenbriefe, die man annehmen kann oder nicht. Im Prinzip ist es aber eine Ehre, für diese sogenannten Awards nominiert zu werden. Das ist bisschen wie ein kleiner Gänseblümchenstrauch und meint: Ich finde dich toll. Larissa von No Robots Magazine hat mir einen Gänseblümchenstrauch in Form des Lovely Blog Awards geschickt. Da fühle ich mich natürlich geehrt und überlege. Gefragt sind diesmal 7 Fakten…pfff. schwieriger als gedacht.

1. Ich trage lieber Birkenstock als Flip Flops.

Birkenstock

2. Ich hatte eine Zulassung für den Studiengang Pharmazie. Ich habe mir ein Buch über Chemie gekauft und im Waschsalon in Giesing darin herumgeblättert. In unserer WG damals hatten wir noch keine Waschmaschine und ich saß da so rum, die Sonne schien und mir wurde klar, dass ich nicht mein Leben mit Chemie verbringen will. Kurz darauf schrieb ich mich in Geschichte ein.

3. Meinen Mann habe ich in der Fachschaft Geschichte kennengelernt. Ich war ziemlich schnell verschossen in ihn. Er bemerkte mich erst gar nicht wirklich und hat mich mehr als Mitglied der Gruppe wahrgenommen. Überhaupt war die ganze politische Arbeit dort ein ziemliches Dating. Da gingen einige Paare hervor. Montag Abend war Sitzung, leidenschaftliche Diskussion, später Bier, dann Club, morgens nach Hause.

4. Ich wußte, dass Steuern, Buchhaltung und Bilanzen ein interessanter Themenkreis sind, als wir in der Fachschaft einen Haufen Schwarzgeld hatten. So nannten wir das Geld zumindest. Normalerweise war das Geld auf einem Privatkonto von irgendwem. Da haben diese Studierenden dann angefangen, Probleme mit dem Bafögamt zu bekommen. Ist ja de facto privates Vermögen. Und das darf man unter Umständen gar nicht haben. Mein Vater als Steuerberater hat mir ein Konzept erklärt, wo keiner mehr Schwierigkeiten damit hatte, weil das Geld ja auch legal eingenommen wurde und unter sämtliche Grenzen der Besteuerung fällt. Ich habe ein großes Pamphlet geschrieben, Steuererklärungen abgegeben und alle haben meine Genialität bewundert. Und wie praktisch es ist, wenn man jemanden kennt, dessen Vater mit Steuererklärungen sein Geld verdient. Heute weiß ich, nachdem ich einen Beruf in dieser Richtung später erlernt habe, wie simpel das Konzept war. Als ich herausgefunden habe, dass die Fachschaft BWL mein Konzept auch umgesetzt hat, sank meine Erwartung an BWLer und ist bis heute dort unten geblieben. Ich dachte, die hätten das schon alles tiptop gehabt. Sind ja vom Fach. Die Möglichkeiten für Studierende sind heute nicht mehr dieselben und ich denke, es gibt das Konstrukt gar nicht mehr. Trotzdem war das der erste Moment, als ich dachte. Mann, das is schon interessant, die Sache mit den Zahlen und den Gesetzen. Ganz verlassen habe ich die Sache mit der Geschichte trotzdem nicht: Ich gucke meistens nach, wann und warum ein Gesetz erfunden wurde.

5. Ich mag Mittelalter-Folk. Ich mag Bands mit Namen Schandmaul, Faun und Die Streuner. In meinem durchwachsenem Spieler- und Festivalfreundeskreis ist das gar nicht unüblich. Nur wenn ich auf Freunde ohne Rollenspielvergangenheit treffe, wird es schwierig damit und es bleibt dann ein Guilty Pleasure.

6. Ich kann sehr diszipliniert sein, verzichte auf Kohlenhydrate, gehe auch nur auf Wasser aus, lerne um 10 Uhr abends für meine Fortbildung – nur früh aufstehen, dass ist mein großer Makel. Ich versuche es ständig und es wäre auch viel viel besser, wenn wir den Tag früher starten würden, aber ich stelle den Wecker auch 2 Stunden lang immer 10 min weiter….schlimm…null Kondition in dieser Richtung…

7. Ich bin ein Struktur-Monster. Ich mag klare Regeln, ausgesprochene Gefühle und einen Tagesablauf. Ich bin echt schlecht im Loslassen von Vorstellungen. Mein Mann ist genau das Gegenteil und wir ergänzen uns da mehr als dass wir uns reiben. Ich mache den Plan, das Leben wirft ihn über den Haufen und er hilft mir, damit zurecht zu kommen. Oder andersherum: Er macht das Frühstück der Jungs, ihm fällt auf, dass er nicht an den Obstteller für die Krippe gedacht hat, aber ich hatte schon einen Plan dazu und es gibt doch genug Obst…gaaaanz spontan…

Ich gebe das 7-Fakten-Spiel in Form des Liebsten Awards an Mademoiselle Moment, die anscheinend gerade nur in ihrem Garten herumhängt.;-)

und an Noch ne Muddi , weil mich da ja insgesamt alles interessiert – vor allem mal ein paar unwichtige Details von ihr selber…

Bildquelle Artikelbild: Pixabay

 

Frisch aus dem Meer gefischt : Liste der besten Blogs Teil 1

beste BlogsWer mit dem Bloggen anfängt, der erkennt schnell, dass es alles bereits gibt. Es gibt Tausende von Blogs. Ein Meer. Ein Ozean persönlicher Statements zum persönlichem Tagesgeschehen. Dabei gibt es große Fische und kleine Fische. Die meisten streben danach, ein großer Fisch zu werden. Was man mit dem Blog dann eigentlich macht, wenn er eine bestimmte Leserschaft erreicht hat – keine Ahnung. Manche schreiben weiter, manche werden zu Werbeplattformen.

Blogs sind für Unternehmen attraktiv. Es gibt Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben, Bloggbetreiber anzuschreiben und zu fragen, ob sie nicht ein bestimmtes Kontingent bezahlter Artikel aufnehmen – mit Links zu Produkten, Produkttests und Kaufempfehlungen. Dabei wird auch gerne gleich des Pudels Kern angesprochen: Am liebsten, ohne dass die Leser bemerken, dass es sich um gesponserte Artikel handelt. Ich fühle mich geschmeichelt bei diesen Anfragen und lehne dankend ab. Ich halte mich für einen kleinen Fisch, freue mich über Klicks und Kommentare, Verlinkungen und Ideen, aber bemerke auch, dass die großen Blogger nicht mehr unbeschwert ihren Müll raushauen können, weil da der Gegenwind dann weht – vielleicht auch nur im Kopf.

So denke ich mir es zumindest, weil es wenige große Blogger gibt, bei denen ich das Gefühl habe, sie flachen nicht ab. Eine Mama-Bloggerin mit großer Leserzahl hat mal über Fahrradanhänger gebloggt. In ihren Kommentarfelden wimmelte dann die Frage, warum sie auf den Bildern keinen Fahrradhelm trägt. Die Internetgemeinschaft ist kritisch, Unbeschwertheit beizubehalten stelle ich mir da schwierig vor.

Im Meer der Blogs lese ich auch gerne herum. Dabei habe ich noch lange nicht das Gefühl, ich habe alle *meine* Blogs entdeckt. Hier kommt mal meine Auswahl der Blogs, die ich unabhängig ihrer Lesergröße für großartige Blogger halte. Die Liste ist nicht hierarchisch, sondern zeitlich:

Einer der ersten Blog, auf den ich gestoßen bin und bei dem ich nicht regelmäßig, aber immer mal wieder mitlese, ist Mädchen mit Herz. Katja ist definitiv ein größerer Fisch und hat es trotzdem geschafft, dass ihr Blog nicht zum Werbeträger verkommt. Sie mag die Sache mit dem Bloggen einfach und das merkt man. Sie ist unperfekt perfekt, liebt Ostfriesland und bastelt viel herum. Auffallend an ihrem Blog ist tatsächlich das runde Design: Fotos, Text, Thema und Aufbereitung sind schon ziemlich gut. Ihre Ode an das Unperfekte oder der Blick hinter dem Blog sind einfasch Gute-Laune-Texte zum Lesen. Unpolitisch, ungenörgelig, ein Popsong als Blog.

Mehr in das intellektuelle Leben geht es mit Larissa von No Robots Magazine. Larissa ist so der erste Mensch, den ich über ihren Blog kennen gelernt  und auch im Leben 1.0 getroffen habe. Ein langes Gespräch über Kommentarfelder führen wir seit fast einem Jahr. Sie hebt sich absichtlich ab von einem Tagebuch, sonder schreibt in Magazinstil Artikel zu politischen Themen, zur Popkultur, zu Kinofilmen und zu ihrem persönlichem Kampf mit der Nähmaschinen und Kochtöpfen: Wie man es nicht tun sollte. Selbstironisch, einen klaren Hang zu Öko ohne Schischi, ein Augenrollen in Richtung Blingbling und Protz, einer Liebe zu klaren Linien und guter Musik.

Vanessa Piccola ist Punk und Parodie. Partyfähnchen für kugel rum! Hier wird nicht mit gephotoshopten Texten zu Herzchenbilder weischgespühlt, sondern hier geht es derb zu, mit Intelligenz, Witz und (Selbst)ironie. Vanessa schreibt über Phänomene der modernen Gesellschaft, Netzkulturfragen, macht mal einen Abstecher zu den Kuscheltieren ihrer früheren Beziehungen, hört Musik und ist für mich eine der großen Fische, die sich nicht verbiegen lassen. Hamburg ist ihr Kiez und Game of thrones ihre Serie. Sie ist laut und bunt und kann – im Gegensatz zum Meer der Blogger – wirklich schreiben. Viele haben es bedauert, dass sie ihren youtube Channel nicht mehr füttert, aber mei, Vanessa macht, was ihr Spaß macht. Ihr Blog ist ihr Partykeller – the place to be Saturday night.

Frau Margarete ist die TV-Spezialistin unter meinen Lieblingsblogs, dabei ist ihr Spektrum natürlich nicht so eingeschränkt. Alle Geschichten sagen ihr etwas – erzählt, gespielt, gesungen – egal. Dennoch sind Serien und auch ihre regelmäßige Blogparade dazu mein absolutes Lese-Highlight. Sie ist die Interaktive, schätzt den Austausch, möchte was von anderen wissen, diskutiert und stellt auch mal Kontroversen zusammen. Auch das ist klein Blog des täglichen Grauens moderner Frauenleben, sondern eine der besten medialen Überblicke, die ich so kenne. Sie ist der informative Kommentar zur Popkultur.

Bei Splitter von Glück schaue ich gar nicht so oft vorbei wie ich wollte. Jedes Mal, wenn ich ihn anklicke, streife ich durch meine verpassten Artikel und verweile ziemlich lange. Es sind Auszüge aus ihrem Leben – man kommt mit auf ihre Reisen und den persönlichen Details dazu, sie regt zum Nachdenken an und photographiert. Für mich ist dieser Blog wie ein Bergsee – er ist klar und ruhig, persönlich und charakterstark. Lesenswert, gut geschrieben ohne exhibitionistische Züge oder Effekthascherei.

Early Birdy hat wie ich einen Vogel im Kopf und schreibt, worüber sie Lust hat. Sie beweist, dass Schubladendenken in der Bloggerei unangebracht ist, denn ich kann gar nicht richtig fassen, was ich an ihr so mag. Ihre an die Wand genagelten Garne? Ihre Liebe zu Reisen und Architektur?  Sie hatte mich mit nur einem Satz: Mein Herzblut fließt durch die Donnersbergerstrasse. Ganz ehrlich, das hat mich geflasht. Aber all ihre Texte zeichnen sich einfach durch ihren hervorragenden Schreibstil aus. Sie ist mein Kneipenbesuch mit einer Freundin, ich höre Geschichten und lache dazu. Es ist mir egal, ob ich mich für Fototechnik interessiere oder nicht, ich freue mich wie ein Schnitzel auf ihren Fotokurs. Vielleicht wird sie der Grund sein, wenn ich mir auch mal ne Kamera wünsche und nicht nur mit dem Handy photographiere….

Jetzt bewegen wir uns mal mit Noch ne Muddi in die Sphere der Mamablogs – oder doch nicht? Bei Kindern hört der Spaß ja auf. Meine Muddi stellt nicht ihr Kind in selbst genähten Rock online, sondern schreibt über zerstörte Illusionen und wie man seinen Platz in der Realität mit Kind findet. Da geht es um die Grauen der Spielzeugindustrie, die ganz anders durchzechten Nächte, aber ohne voyeuristischen Blick aufs Kind. Muddi will nicht andere Mütter beraten, Muddi will schreiben – und kann das auch. Unter all der Realität mit Kind findet man aber eine ganz große unterschwellig immer: die große Liebe zur Tochter.

Andrea Harmonika ist eine ganz Bissige. Ein Mama-Blog der oberen Unterhaltungsklasse. Sie kommentiert sarkastisch die Auswüchse mancher Erziehungsvorschlägen, ihren Blick auf ein Kinderbuch werde ich mein Leben lang nicht mehr loswerden: Henriette Pimmelbahn? Ich brech ab. Sie trifft den Nagel auf den Kopf – mit wenigen Worten, einem Bild, einem Kommentarartikel. Großartiger Blog, der Spaß macht – meine Morgenzeitung.

*to be continued

Da ist meine Liste der großartigen Blogger nicht zu Ende. Es gibt noch einen Haufen neumodischen Quatsch, den ich mir auf der Bloggerebene reinziehe, aber es soll ja eine zeitliche Liste werden. Die neu entdeckten Blogs müssen noch warten, denn ich interessiere mich brennend für eure Vorschläge. Welche Blogs lest ihr so? Und vor allem, warum? Zugebenen, ich hüpfe an manchen lauen Sommerabenden auch gerne von Blog zu Blog und lese Artikel, die ich so beim Schwimmem im Bloggermeer mitkriege – manche speichere ich für später, manchen hinterlasse ich einen Kommentar, bei vielen mache ich gar nichts. Dass mir ein Blog so im Gedächtnis bleibt, dass ich ihn regelmäßig besuche, kommt nur ab und an vor. Wie gesagt – ich geh lieber im offenem Meer baden. Trotzdem: Vorschläge? 

Eine andere Liste mit Blogs findest du HIER und HIER 

Über den Tellerrand: Der Vogel und das Soziale Netzwerk

bake-608264_1280_FotorÜber den Tellerrand blicken – das ist das Credo der Blogparade, die Kato von Innocent Glow ausgerufen hat. Insgesamt 35 Blogger haben sich diesem Aufruf angeschlossen. Es ist ein Spiel. Es gibt eine Liste, auf der man seinen Namen findet und man soll der Person, die unter einem steht, ein Thema zuteilen, dass nicht oder wenig blogtechnisch von dieser Person behandelt wird. Meine Person war ein Mädchen – im besten Sinne des Wortes. Blutjung und von der Welt inspiriert: Mademoiselle Moment. Der Name ist Programm und ich habe Mademoiselle Moment einen Moment heute innehalten lassen und gab ihr das weite Feld der Kindheitserinnerungen.
Carmen von online-wirbel hat mir ein Thema gegeben.

Ich sehe, dass Du bei Twitter, Google+ und Facebook aktiv bist, über Bloglovin kann man Dir auch noch folgen. Erzähl doch etwas über Dein Verhältnis zu den verschiedenen Plattformen, wo bist Du gerne aktiv, wo weniger, was macht Dir Spass daran und auf welchen Plattformen folgst Du am Liebsten anderen Menschen?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich keinen anderen Menschen folge. Ich folge Stimmen, Bildern, Geschichten, Zitaten, Musik und Firlefanz, hinter denen natürlich Menschen stecken. Ich blicke aber nicht ungefragt in fremde Wohnzimmer. Ich folge Blogs, die explizit einen gewählten Einblick in ihr Leben lassen. Manchmal habe ich aber auch da freilich das Gefühl, dass ich gerade auf die nackten Brüste einer stillenden Mutter starre, aber meistens denke ich eher, dass is so gelackt, das kann nicht echt sein. Mit diesen anderen Blogs interagiere ich grad am liebsten auf Facebook. Ich like oder teile, ich hinterlasse Kommentare oder öffne die Blogs über ihren Facebook-Link. Dabei hatte ich nicht immer so ein easy Facebook-Verhältnis.

Ich habe meinen privaten Account gelöscht und mir selbst eine Pause verordnet. Inzwischen bin ich privat und mit diesem Blog als Seite wieder dort zu finden. In meiner privaten Timeline werden aber meistens Zeitungen oder Nachrichten angezeigt, es gibt weniger Freundesstatusgedönse. Diesen Umgang mit dem Medium habe ich von No robots gelernt.

In meinem privaten Account ist alles öffentlich. Ich möchte mich selbst zum Nachdenken bringen, was ich wie poste. Ich möchte, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, dass das eh nur meine Handvoll „Freunde“ lesen. Es ist Facebook. Es ist nicht privat.

Mit dem Fadenvogel folge ich anderen Blogs und teile oder like gerne mit meinem Vogel. Ich sehe Facebook inzwischen eher als Sammelsurium und bin immer skeptisch, wenn Blogs gar keinen anderen Beitrag als ihre eigenen auf ihrer Seite haben. Früher habe ich meine Beiträge auch automatisch dorthin verlinkt. Heute mache ich das händisch und schreibe nochmal einen kleinen Text dazu. Dabei ist mir aufgefallen, dass manche Blogger ihnen fremde Beiträge nicht wirklich teilen, sondern direkt in ihrer Facebookseite verlinken. Auch das biete ich ja bei Fadenvogel an, nur manchmal sehe ich dann in meiner Statistik, dass meine Klicks hochgehen und ich wundere mich und suche nach meinen Beiträgen bei Facebook. Ein so verlinkter Beitrag in der Timeline von jemand anderen kann auch mal Kommentare abkriegen, die wohl nicht passieren würden, wenn der Beitrag nicht so scheinbar herrenlos im Netz stehen würde. Ich hatte zwar noch keinen richtigen Shitstorm, aber die Menschen reden garstiger, wenn sie denken, man höre ihnen nicht zu. Ich höre immer. Und ich antworte auch, wenn Facebook es zulässt.

Twitter habe ich erst kürzlich entdeckt. Ich hatte auch dort immer nur automatisch meine Beiträge online und habe sonst nie dorthin geguckt. Bis ich mal aus Spaß am HashtagTatort mitgetwittert habe. Ein großer Spaß. Die Verbindungen bei twitter sind lose. Man folgt, entflogt, man vergibt keine like-Herzchens, man zitiert – viel schneller als bei Facebook. Bei twitter ist immer die Hölle los. Ich verhalte mich zwar nicht anders bei twitter, aber ich kenne dort wirklich niemanden persönlich. Doch, eine. Ich liebe die Einschränkung der Worte und ich mag witzige treffende Kommentare zu Tatort oder zum Alltag. Sarkasmus liegt mir manchmal. Ich habe aktiv nach Kommentaren von Personen gesucht als ich diesen Artikel schrieb und ich war überrascht, wie offen twitter ist. Ob das allen immer so bewusst ist?

Ich habe dort auch erst Zeitungen und Politiker verfolgt, aber da Twitter so schnell ist, lese ich kaum meine Timeline, sondern suche nur über Hashtags direkt. Manche Bloggerkollegin treffe ich so fast nur auf twitter. Das ist wie ein anderer Ausschnitt. Inzwischen sagen mir die Accounts dort mehr und ich halte auch Kaffeeklatsch dort ab.

Bloglovin war meine erste Anlaufstelle für das Lesen von Blogs. Inzwischen bin ich dort gar nicht mehr so oft. Meine erste Begegnung mit dem Portal hatte ich hier schon mal beschrieben. Ich mag es nicht, dass ich nur über bloglovin zu den Post gelange und dabei manchmal Schwierigkeiten mit dem Kommentieren habe. Bloglovin entlässt mich nicht zu der Webseite, da ist Facebook einfacher. Vielleicht bin ich zu doof. Ich muss die Blogs und Artikel mal besser sortieren dort.

google+ ist mein Stiefkind. Ich werde nicht warm damit. Ich hatte lange Zeit nur einen Leser dort – meinen Mann…Dann ist ein Verlag dazugekommen und ich habe mich ein bisschen erschreckt, dass irgendwo eine Marketingtante oder ein Marketingonkel sitzt und meinen Blog aus beruflichen Gründen vernetzt. Ich überlege, die Seite wieder zu schließen oder sie weiterhin stiefmütterlich zu behandeln. Da ich keine private Email-adresse verwende, ist mein Account auch null verknüpft mit meinen Freunden. (Was für ein seltsames Facebook-Wort, dass *Freunde* nun synonym mit mir persönlich bekannte Personen verwendet.)

Meine Bücherkiste ist lovelybooks. Seitdem ich weiß, dass man seinen Lesestatut auf seinem Blog verknüpfen kann, bin ich da öfter. Ich finde es hochspannend, bei anderen Leuten im Bücherregal zu stöbern. Obwohl ich Posts über Bücher fast nie aktiv lese, sondern wenn dann nur passiv nach dem Buch auf anderen Blogs suche, mag ich zumindest den Lesestatus gerne. Abgeguckt habe ich das natürlich von einem anderem Blog. Aber wie sagt man da unter Bloggern?…Inspiriert von einem anderen Blog.

Insgesamt interagiere ich also irgendwie oft und viel. Ich lese Kommentare und sehe mir die Blogs dahinter an, wenn es welche gibt. Ich hüpfe von Blog zu Blog über Kommentarfelder und mag das große Gespräch. Oft wird unter Bloggern diskutiert, wie viel Aufmerksamkeit man denn wirklich für seinen Blog haben will. Ich sehe meinen Blog – also das Schreiben an sich – eher als positive Innenwirkung für mich. Ich halte mich selbst an, resümiere über die Dinge, die nur wirklich mich angehen. Fasse zusammen. Ich mag das Format, ich finde, es sieht irgendwie *fertig* aus, wenn es als Beitrag in meinem Blog steht. Mehr als ein Gedanke in einem Notizbuch. Ich mache das tatsächlich wegen der Innenwirkung für mich und mein Leben. Eine Insel, eine große Schwester, die mich ermahnt, Dinge durchhalten, Sachen wieder aufzugreifen, etwas genauer zu formulieren.

Die Außenwirkung, das Gespräch, schätze ich aber aus anderen Gründen auch. Ich finde, dass man im Netz zwar negative Kommentare wohl schneller kriegt als im Leben 1.0, dafür aber auch positive schneller. Die Reaktionen sind unmittelbar und in der heutigen schwammigen Welt ist das doch ein guter Grund für einen Blog, zwei gute Gründe.

Man könnte es auch so formulieren. (Um ein Hausfrauen-Bild zu gebrauchen…) Der Blog ist mein Kuchen, den ich Samstag Abend backe. Ganz alleine und für mich, zunächst. Das Backen ist eine ganz eigene Tätigkeit. Manchmal finde ich, ich mach richtig kreative kleine Törtchen, manchmal habe ich das Gefühl, ich reiße eine Backmischung auf. Ich weiß nie, was ich denn backe und kaufe wahllos Zutaten ein. Ich mag es, wenn mein Schrank voll ist.  Wenn der Kuchen fertig ist, bin ich erstmal stolz und habe das Gefühl, ich hätte was gemacht. Was Gutes.

Mit diesem Kuchen gehe ich dann Sonntag morgen zu einem Brunch. Ich stelle den Kuchen auf das Büffet ab, setze mich an den Tisch und beäuge die anderen mitgebrachten Sachen. Ich unterhalte mich mit den anderen, rolle mit den Augen über mitgebrachte Kekse aus dem Supermarkt, die auch noch die Keksfirma bezahlt hat, ich staune über die dreistöckige Torte vom Nachbartisch und mache Photos davon, weil ich auch mal so was backen möchte. Ich war schon immer jemand, der gerne Menschen um einen Tisch hatte. Ich wollte immer schon vernetzen und in einem Netz sein. Und ab und zu gucke ich, ob mein Kuchen schon gegessen wurde. Ich staune, wenn die Backmischung gut ankommt und bin enttäuscht, wenn meine verzierten Törtchens verschmäht werden. Und ich freue mich, wenn jemand mit vollem Mund an mir vorbeiläuft, mit einem Stück meines Kuchens in der Hand, und mir zuzwinkert.

Ist noch Kaffee da?

Photo: Pixabay.com

 

 

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