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Patchwork von Uwe Rosenberg: Spiel für Alle

Die Tage werden länger, die Kinder größer und irgendwann kommt die Stunde, auf die erwachsene Spieler warten: Kinder, die Erwachsenenspiele mitspielen und toll finden.

Yeah!

Eines meiner persönlichen Lieblingsspiele ist das 2-er Spiel *Patchwork* von Uwe Rosenberg. Ok, thematisch auch nah an mir dran, denn es ist tatsächlich *Patchwork* im Sinne von *Flickennähen* gemeint.

Bei Patchwork baut jeder Spieler aus verschiedenen *Flicken*, die man nach einem einfachem Muster erwerben kann, einen kleinen Teppich zusammen. Ein *Bauspiel*, bei dem es mal nicht um Rohstoffe wie Fisch oder Lehm geht, sondern um ein Quadrat. Sehr abstrakt eigentlich.

Das Spiel ist hochwertig gemacht, die Währung sind Knöpfe und Zeit. Herrlich.

Im Netz sind  manch männliche Spieler davon begeistert, weil es sehr geometrisch, klar und strategisch ist und die hübschen Fleckenuntensilien, die ich ja schön finde, wohl grundsätzlich ignoriert werden.

Meine Quelle für neue Spiele und Rezensionen ist der youtube-Kanal

„Hunter  & Cron“.  , die hier mit einer Bestenliste verlinkt sind. In dieser Top 10 aus dem Jahre 2016 liegt *Patchwork* bei meinen beiden liebsten Nerds aus den 90ern auf Platz 1. Die Spielerszene ist echt begeistert und so sind wir es hier auch. Vor allem, weil das Spiel eben kein *Kinderspiel* ist, sondern einfach ein Spiel. Für alle.

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Spiel für Kinder

Spiel für zwei Spieler

 

Da es echt so eine Sache ist mit den glücklichen Momenten und weil sie manchmal selten sind und noch seltener abfotographiert werden, wird dieser Beitrag geteilt auf dem Freu-Tag. Eine Linkparty, gie genau solche Momente sammelt: die glücklichen.

 

München ist ein Dorf

Stellt euch vor, ihr seid ein Stadtmensch. Vielleicht müsste ihr euch das auch gar nicht vorstellen. Aber ich versuche mal, präziser zu sein: Stellt euch vor, in eurer Stadt gibt es ein Viertel,in dem ihr echt lange gelebt habt. Als Student irgendwann hingezogen, verliebt, verlobt, zusammengezogen, Kinder. Das erste Jahr mit Baby. Und dann stellt ihr fest, dass ihr noch an keinem Ort zuvor so lange gelebt habt wie dort. In jenem Viertel.

Mir geht es so. Ich habe die größte Zeit meines bisherigen Lebens im Münchner Westend verbracht.

Dann bin ich verschwunden. Aufs Land verzogen.

Nach genau einem Jahr bin ich zum Sommerfest-Picknick unserer ehemaligen Krippe wieder dahin zurück gekommen. Ich war neugierig, wie die Kinder auf ihre alte Heimat reagieren. Ob ihnen bestimmte Menschen, Kinder und Plätze noch was sagen.

Schließlich war unser Leben doch anders hier als auf dem Land. Wir sind die meiste Zeit mit dem Fahrrad herumgefahren und nicht mit dem Auto. Wir hatten unsere Crew am Spielplatz getroffen und haben erst gegen 4 Uhr nachmittag überlegt, was wir denn zum Abendessen machen. Dann sind wir noch schnell zum Türken was einkaufen gegangen. Oder zum Griechen. Oder zum Edeka. Oder zum Aldi.

Mein erster Weg führte mich zur San Francisco coffee company. Die Jungs wollten Babycappuccino – ok, sie erinnern sich doch. Bisschen nostalgisch war ich da. Habe ich mich dort oft mit meiner Freundin getroffen. Die ist inzwischen auch weg.

München is a Dorf Kaffeelove

Und während wir da so draußen sitzen und ich irritiert bin, dass alles noch so aussieht, wie es mal war, treffe ich die erste Bekannte. Eine Frau, deren Namen ich nicht mehr weiß, aber die ich immer exakt an dieser Stelle traf. Sie wohnt ein Haus weiter und die Schneise hin mit dem San Francisco an der Ecke ist ihr Weg. Ich kreuze also nach einem Jahr wieder ihren Weg. Wir unterhalten uns kurz. Wie immer. Sie sagt, dass die anderen Zwillinge vom Viertel sich nachher im Biergarten treffen. Ich verspreche, vorbeizuschauen.

Ich weiß nicht, ob ich das so richtig wiedergebe, aber unser letztes Gespräch verlief ähnlich. Sie lehnte auf ihrem Fahrrad, ihre Kinder waren um sie herum und die Sonne schien. Alle unsere Gespräche verliefen so. Die Menschen gehen weiter ihren Weg. Ob du nun da bist oder nicht. Wären wir wieder hergezogen, dann hätte sich diese Bekanntschaft wieder nahtlos eingefügt. So, als ob wir nicht weg gewesen wären. So muss es sich anfühlen, in sein Dorf zurückzukehren. Alles auf Anfang. Alles wie immer.

Wir gehen weiter auf unseren alten Wegen. Manchmal hat sich ein Laden verändert, ist plötzlich aufgeploppt und wirkt für mich irgendwie unwirklich. Es gibt jetzt einen veganen Supermarkt mit Superfood und eine Salatbar-kette. Früher war an der Stelle ein Jogging-Laden. Man geht halt mit dem Trend. Das ist München.

Mein Sohn legt sich plötzlich auf den Boden. Er will nicht weiter. Ich verspreche ihm den Kuchen, den ich gemacht habe. Er mag nicht zum Picknick. Er mag nicht, dass er nicht weiß, was passiert und wen er trifft. Verdammtes Landei. Ich zweifle an der Idee und schupse ihn mit Worten liebevoll weiter. Für das letzte Stück brauchen wir eine gefühlte Ewigkeit, aber schließlich sitzen sie auf einer Decke am Rand der Feier und mampfen Kuchen. Unser Kuchen lockt die anderen Kinder an und es dauert nicht lange, da ist er mit der Situation doch einverstanden und verschwindet auf dem nahegelegenen Spielplatz.

Es ist so unglaublich voll hier. Ich bin unsicher, wie stark ich auf meine Kinder achten soll. ich habe vergessen, was so der Rahmen der Freiheit ist. Ich mein, der ganze verdammte Park ist voller Leuten. Waren hier immer so viele Leute? Habe ich meine Kinder hier früher so unbekümmert zwischen den ganzen Menschen herumlaufen lassen oder hab ich die dabei beobachtet? Ich weiß es nicht mehr.

Die Begrüßung mit den anderen Eltern verläuft herzlich. Die meisten Väter sitzen im Anzug oder schon im Freizeitdress auch mit auf den Decken rum. Ja, da ist normal hier. Moderne Elternschaft und so. Working parents, Kinderkrippe. Wo ich jetzt herkomme, taucht die Mehrzahl der Frauen alleine mit ihren Kindern auf. So wie ich heut. Ich war gar nicht auf die Idee gekommen, meinen Mann zu überreden mitzufahren. Wie schnell man sich an Geschlechterrollen gewöhnt. Man macht immer das, was die Mehrheit macht. Picknick am frühen Freitag Nachmittag? Frauensache. Die letzen Jahre waren wir hier zu zweit. Ich habe mich schneller ans Land angepasst, als ich dachte.

Eine Mutter bemerkt trocken, dass ich ganz schön bayerisch reden würd. Ich muss fast lachen. Dass muss ich meinen Landfrauen erzählen. Die kippen mir glatt vom Stuhl. Grad ich. Ich rede ein gepflegtes Münchner Hochdeutsch. Die müssten hier mal hören, wie es klingt, wenn man wirklich Dialekt spricht. Da ist das hier nicht mehr München, sondern Minga und kein Mensch würd glauben, dass man sich hier wie am Dorf vorkommen könnt.

Ich bemerke, dass es wenig zu essen gibt. Aprikosen, Reiswaffeln, jemand hat Pizza besorgt. Auch das ist normal hier. Meine Landfrauen haben mich stadttechnisch völlig ruiniert. Die würden einen Haufen Essen zu einem Picknick anschleppen – glaub ich zumindest. Ich habe auch Kuchen gemacht und habe belegte Brote dabei. Massenweise. Letztes Jahr ist mir das auch noch nicht passiert.

Die Details, die anders sind, sind nicht die Details, die ich so damals im Blick hatte. Die Leute verändern sich nirgends. Vielleicht sind neue Gesichter dazugekommen, aber wie man sich so verhält, was man so macht. Da gibt es überall Rhythmen, aus denen nicht ausgebrochen wird. Klar, die meisten Frauen arbeiten. Man tauscht sich schnell über Berufe und Perspektiven aus. Meine Landfrauen arbeiten auch, aber darüber wird nicht so viel gesprochen. Wer nicht arbeitet, der arbeitet auch nicht weniger. Der hat dann halt Hühner oder so. Die Männer sind auch hier selbstständig oder auch nicht. Aber der Beruf Schreiner kommt nicht vor. Die arbeiten hier in verenglischten Berufsbezeichnungen und sitzen im Büro. Aber tauchen zu großer Zahl an einem Freitag nachmittag beim Picknick auf.

Jetzt heulen meine Kinder fast, weil wir gehen. Sie wollen ihre alte Erzieherin am liebsten mitnehmen. Ich verspreche den Spielplatz am Biergarten. Das stimmt sie zumindest friedlich.

Es wuselt am Biergarten und doch finde ich meine Zwillingseltern wieder. Ein Dorf. Dieses Viertel ist ein Dorf und die Leute verlassen die Dorfgrenze nicht. Aus der Masse an Aktivitäten und Plänen, die eine ganze Stadt bietet, wählt man halt doch nur das, was im Viertel passiert. Da passiert ja auch genug. Keiner würde groß mit einem Auto rumfahren. Und fährt man mal mit der U-Bahn bis zum Marienplatz, dann sagen die hier: Wir sind in die Stadt gefahren und das ist als Ausflug zu werten. Der Radius auf dem Land ist viel weiter als in der Stadt. Da fährt man zu dem nächsten Dorf zwengs am Judounterricht und zum nächsten für die Milch. Das fällt einem erst auf, wenn man weg ist. Die Entfernungen schrumpfen. Meine Freundin hat mal gesagt, der Weg von der Stadt zum Land ist viel weiter als umgekehrt. Da hatte sie recht. Es ist kein großes Ding, mal ne Stunde wo hinzufahren, aber ich bin nie freiwillig weit aus dem Viertel rausgefahren, als ich noch hier lebte. Obwohl es kleiner war, war es groß genug.

Mein Sohn fällt von der Wippe und heult, es ist Zeit zu gehen. Die sind jetzt müde. Komisch, dass ich die Zeit überhaupt nicht im Blick hab. Ich muss doch noch weiter fahren und nicht bis um die Ecke. Ich bin deswegen aber überhaupt nicht nervös. Dann fahr ich halt noch.

Ich muss das Abschlusseis noch einlösen. Die Schlange ist mir zu lang am Biergarten und ich will zum Edeka. (Allein bei dem Gedanken, dass mir irgendwo zu viel los sein könnte, da muss ich schon innerlich grinsen)

Als wir den Biergarten verlassen, sagt eine Frau grad zu ihrer Tochter, sie solle zum X gehen. Mein Sohn horcht auf und sagt, er sei X. Sie lächelt und meint, dass ihr Sohn auch so heiße und sie den Bruder des Mädchens meinte. Mein Sohn sagt, sein Bruder heiße Y. Da bleibt die Frau stehen und lächelt diesmal mich an. Ihr Sohn heiße XY. Da grinse ich auch. Wir erinnern uns beide an ein lustige Gespräch vor Jahren vor dem Italiener im Viertel. Da haben wir nämlich festgestellt, dass sie ihren Sohn XY genannt hat und ich meine Zwillinge X und Y. Und wir fanden es total witzig. Ein bisschen ist sie irritiert, mich zu treffen und dann geht sie wieder weiter.

Westend München

Beim Edeka, den ich echt in und auswendig kenne, fröstelt es mich dann doch. Wenn was total gleich aussieht. Und ich den Impuls unterdrücken muss, hier noch schnell was einzukaufen. Die Zeit schien eingefroren. Irgendwie bin ich auch stolz, dass ich so verwurzelt war. Dass ich ein Dorf hatte, in dem ich viele zu kennen schien. Es ist erst ein Jahr vergangen. Vergehen 10 Jahre, lehnt die Frau vielleicht nicht mehr an der einen Stelle an ihrem Fahrrad oder versammeln sich die üblichen Verdächtigen um den Spielplatz am Biergarten.

München ist nur die Imitation eines Dorfes. Für eine gewisse Zeit fühlt es sich wohl ähnlich an, aber die Besetzung wechselt schon schneller. Die meisten, denen ich begegnet bin, sind hier nicht geboren worden und aufgewachsen. Wir kennen uns nicht aus Schulzeiten und es tauchen bei jedem Lebensabschnitt nicht immer wieder die gleichen 5 Hanseln auf. Aber ist man in einem bestimmtem Lebensabschnitt, dann kommt man auch nicht voran ohne einen Ratsch an der Ecke. Ich habe ein paar Leute zu uns eingeladen. Vielleicht verlassen sie für uns doch mal das Viertel. Für einen Kaffee am Land.

 

Riesenseifenblasen DIY

Das Thema dieses Gartensommers lautet aber gar nicht Kamille. Für die überwiegende Mehrheit dieses Hauses lautet das Thema: Riesenseifenblasen.

Nachdem wir einige Versuche mit selbstgebrauter Lauge nach diesem Rezept ausprobiert haben, haben wir uns entschieden, die Pampe von professioneller Seite zu beziehen: Peter Pat Riesenseifenblasen

Die Lauge selber haben wir in verschließbaren Malereimern zusammengemischt und auch aufbewahrt. Diese Malereimer sind in jedem Baumarkt vorhanden und ursprünglich gedacht, Farbe anzumischen. Hervorragend geeignet für Seifenlauge, kann ich da nur sagen.

Die Riesenseifenblasen werden traditionell mit zwei Holzstäben gezaubert, zwischen denen eine Baumwollkordel so gespannt ist, dass  diese einen Kreis (mehr oder weniger) bildet. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Die Baumwollkordel wird mit Lauge getränkt, der Kreis wird geöffnet und der Wind bläst eine Seifenblase auf. Beim Schließen (beim geschickten Schließen) formt sich die Seifenblase und trägt sich im besten Falle fort.

Riesenseifenblasen Stöcke

Ich dacht immer, das Ding mit den Stöcken können nur so Künstler machen, auf irgendwelchen Festivals oder so. Aber es ist echt für Kinder geeignet. Auch 4jährige bringen damit Seifenblasen zam. Eine echt schöne Beschäftigung, die bisschen süchtig macht.

Im Baumarkt habe ich Holzstäbe gekauft, so einen Ring reingebohrt und die Baumwollkordel durchgezogen. Bevor ich das lange erkläre: auf den Bildern ist es doch zu erkennen. Wer nicht unbedingt der Baumarkt-Typ ist: die Stäbe gibt es schon fertig zu kaufen, also, man muss auch nicht unbedingt basteln. Peter Pat verkauft auch Stäbe, könnt ja mal in dem Shop durchgucken. Wenn man sie selber macht, ist nur wichtig, dass man wirklich die teure Baumwollkordel nimmt.

Riesenseifenblasen DIY

Und für alle, die ihre Wiese lieben: Nach dem Spaß solltet ihr die Stelle, an der gepanscht wurde, sehr gut wässern. Die Lauge macht nämlich tatsächlich den Rasen bisschen kaputt. Ich denke, er erstickt. In unserem Garten sind die Stellen der Seifenblasenkünstler jedenfalls gut sichtbar. Wird sich verwachsen. Bestimmt läßt es sich auch hervorragend in städtischen Hinterhöfen bewerkstelligen. Im Park nehmt halt eine Decke mit. Ist ja am Ende nur Seife und läßt sich daher auswaschen.

Pippi, Tommy und Annika

In der Medienerziehung meiner Jungs bin ich nostalgisch. So, als ob Pumuckl und Pippi Langstrumpf irgendwie besser wären als die Minions. Wie jede Elterngeneration vor mir versuche ich, die Helden meiner Kindheit hochzuhalten und blicke mit höchster Skepsis auf die Horde Eisprinzessinnen und die Gelbeinaugenknirpse.

Mit einem Grinsen habe ich so festgestellt, dass mein einer Sohn ein ernsthaftes Auge auf Pippi Langstrumpf geworfen hat. Manchmal erwähnt er sie fachmännisch. Wenn ich zum Beispiel versuche, das Gartentor auszuhebeln und er mir mit seinen Patschehänden unterstützend zur Seite springt, sagt er Dinge wie: Jetzt brauch ma Pippi Langstrumpf. 

Figuren, die ich wage von meinem eigenen Früher kenne, werden bei mir automatisch als positiv registriert. Also gucken wir Pippi Langstrumpf an.

Ich schlucke ein bisschen, nachdem das Wort Negerkönig zum fünften Mal auftaucht und schiele zu meinen Kindern. Soll ich jetzt sagen, dass des kein Wort ist, dass man heute noch benutzt? Soll ich jetzt ganz ausmachen? Soll ich einfach abwarten, ob sie das Wort überhaupt registriert haben? Wieso ist mir das nicht früher aufgefallen? Haben wir wirklich als Kinder vom Negerkönig gesprochen? Wieso ist es nicht komisch, dass er da König ist? Kolonialgeschichte   is ja ned grad ne Erfolgsstory, die man so unreflektiert Kindern rüberbringen sollte. Aber gut, ich mache weiter mit meiner Pippi Langstrumpf Medienerziehung und warte einfach ab.

Pippi, Tommy und Annika machen sich ständig zu irgendeinem Ausflug fertig. Erst ist es mir gar nicht gekommen, aber es ist immer Annika, die die Brote schmiert. Pippi und Tommy machen nie so was wie Brote schmieren. Klar, Frauenarbeit.

Pippi, Tommy und Annika starten mit einem selbstgebauten Flugzeug nach Taka Tuka. Ich mache kurz die Augen zu und hoffe, es ist nicht Annika, die die Pedale treten muss. Doch, ich gucke wieder hin. Annika strampelt, Tommy steuert das Flugzeug. Natürlich steuert er das Flugzeug. Er ist der Junge. Pippi rennt und rennt. Danach fliegt es und sie wechseln die Positionen. Tommy muss gar nichts mehr machen. Annika darf steuern.

Gut, Pippi ist ein Mädchen. Aber Pippi ist ein Übermädchen. Eine Kunstfigur. Der Troll in der Geschichte. Es geht auch meinen Kindern darum, mit Pippi befreundet zu sein. Sie hat den Koffer voller Gold und kauft immer allen Kindern, was die wollen. So sollte Freundschaft ja auch funktionieren. (Haha)

Aber die Identifikationsfiguren in der Geschichte sind Tommy und Annika. Und nicht nur, weil ich hier nur Söhne habe. Vielleicht ist es bei Mädchen anders. Vielleicht sehen sie sich eher als Pippi Langstrumpf. Aber Annika ist das eigentliche Mädchen. Und sie verhält sich auch genau so. Auf der einsamen Insel ist sie es, die kreischt und vor den wilden Tieren wegläuft. Tommy hat zwar auch gestrichen die Hosen voll, aber er bleibt nur kreidebleich. Jungs weinen halt nicht. Annika schmiert Brote. Und als Annika auch noch anfängt, die Kleidung von Pippi und Tommy zu waschen, da stirbt irgendwo in mir eine bunte Fee.

Gut, was will man auch von einer Geschichte von vorgestern erwarten. Alle starrten sie gebannt auf Pippi und ihre rotzfreche Art. Das Mädchen, dass es geschafft hat, ein Draufgänger zu sein. Der Punk, das feministische Urgestein. Was habe ich in die Hände geklatscht, als meine Kinder sich dafür interessierten. Ja, jetzt zeig ma euch mal, wie des so ist mit den starken Mädels. SO sollten Frauen sein, aussehen und sich benehmen. Spuckend und prügelnd sollten sie sein.

Aber ich sitze zwischen meinen Kindern beim sonntäglichen Kinonachmittag und sehe Annika beim Kleiderwaschen zu. Annika, wie konnte ich dich vergessen! Du bist ja noch da und zeigst uns ganz genau, wie man sich als normales Mädchen so zu verhalten hat. Also alle Mädchen, die kein Pferd stemmen können. Also alle anderen.

Wie viele Generationen werden noch ins Land gehen, bevor man beiläufig einen Tommy beim Brote schmieren und Kleiderwaschen sehen wird?

Es ist nicht das Laute, dass mir Sorgen macht, sondern immer nur das Leise. Die leisen Selbstverständlichkeiten. Mir fällt es auch, meinen Kindern nicht. Wie auch. Sie nehmen alles so hin. Ich beginne, im Netz nach kritischen Stimmen zu Pippi Langstrumpf zu suchen. Aber es geht da vor allem um Kolonialgeschichte. Sonst passt alles. Annika wird nicht gesehen. Bei MakellosMag treffe ich auf weitere Links zu einer gesellschaftskritischen Auseinandersetzung mit Bibi Blocksberg und co. Interessant. Benjamin Blümchen als Wutbürger aus Stuttgart, Familie Blockberg als angepasstes Familienidyll. Doch Pippi schneidet überall ziemlich gut ab. Sie ist halt immer noch cool.

Mein fast Vierjähriger träumt jetzt also davon, ein Mädchen wie Pippi kennen zu lernen- stark, ein Koffer voller Gold und ein Pferd auf der Veranda. Findet er großartig. Nur manchmal weint er, wenn es um den Papa geht. Warum der nicht da sei. Warum der denn mit einem Schiff wegfährt. Gut, der Film ist auch erst ab 6 Jahren und so streichle ich ihm über den Kopf und beschwichtige. Der kommt doch wieder. Diese Anflüge sind kurz, denn die meiste Zeit sitzen wir da und Pippi macht irgendeinen Käse…da schielen sie zu mir rüber und warten ab. Ich (als Mutter, bei der man im Wohnzimmer keinen Eimer Wasser ausschütten darf) werde dann aufgefordert zu fragen, ob man denn das jetzt auch bei uns machen dürfe. Nein, kommt dann der lachende Chor. Des darf man nur bei Pippi. Wird Zeit für Ronja Räubertochter.

Foto: pexels.com

Dinge aus meiner Kindheit

Ich hatte in meiner Kindheit keinen Fernseher im Zimmer. Als Teenager hatte ich allerdings eine quadratische Kiste, die das absolute technische Highlight meines Daseins verkörperte. In der Nacht habe ich einmal einen Horrorfilm gesehen. Die Szene eines verbrannten Mannes darin hatte mich später noch jahrelang verfolgt. Sei´s drum. Diese Kiste konnte VON ALLEINE Sendungen auf eine Vhs-Kassette aufnehmen, vorausgesetzt man hatte die Sendung anhand einer Nummer gefunden. Damit habe ich die Aufnahme meines ersten Freundes unabsichtlich ruiniert. Er hatte einen Film über unseren Abiball gemacht und ich habe die Vhs-Kassette überspielt. Dieser Film war wie eine stille Liebeserklärung und ich würde sie heute gern noch einmal sehen. Die Vhs-Kassette ist aber verloren und der Film mit meinem Freund verschwunden.

Öfter geht ein Raunen durch die heutige Elternschaft. Was früher nicht alles einfacher gewesen wäre. Was früher nicht alles besser war. Laptop, Iphone, Tablet, Smart TV….wer soll sich da noch ungestört entwickeln können? Dabei habe ich es geschafft mit einer Kiste, die kaum großer war als ein doppelter Schuhkarton, meinen ungestörten Nachtschlaf mit einem Horrorfilm zu ruinieren.

Alles also eine Frage der Perspektive.

Eltern packen ihre Ellenbogen aus: Tatort Kinderkarussell

Kinderkarusell_TumultWeihnachtsmärkte sind beliebte Ausflugsziele hierzulande. Fast überall gibt es einen. Letztes Jahr standen wir noch bei Honigwein am Tollwood in München herum, jetzt sind wir halt bei den Alpenhörnern. Die Kinder finden es großartig. Vor allem, weil auf dem Christkindlmarkt in Bad Tölz ein Karussell seine Runden dreht.

Alles ist so harmonisch. Stellt euch vor, die ersten Schneeflöckchen tanzen im Wind, man hält einen nicht gepanschten Glühwein in der Hand, alles ist schon erledigt, alles in schon getan. Extra Lebenszeit. Die Füße werden ein bisschen kalt, aber man freut sich auf die kuschelige Couch daheim, während man von pausbäckigen Kindern aus kleinen Feuerwehrautos ein *Huhuuuuu, Mama, hier bin ich.* zugerufen bekommt.

Goldig, alles.

Ich glaube, für die Kinder ist es auch so.

Die Eltern stehen aber in Trauben vor dem Karussell und wenn die Glocke ertönt und das Karussell stoppt, bricht der Tumult los.

Eine Frau packt ihr Kind (im roten Wollmantel sieht er aus wie ein Weihnachtself) und schiebt ihn in das Feuerwehrauto. Ich lasse einen amüsierten Kommentar fallen. Sie fährt mich an, dass IHR Kind schon seit 3 Runden auf das Feuerwehrauto warte. Ich erschrecke ein wenig. Das ist nicht lustig hier, das ist total ernst. Die Frau trägt einen hippen Turban aus gebatikten Tüchern. Es lehnt ein Kinderfahrrad aus Holz an ihrem Kinderwagen. Sie bringt ihrem Sohn sicherlich die westlichen Werte aus Toleranz, Biokaffee und Holzspielzeug bei, aber beim Kinderkarussell hört der Spaß auf. Kein Zucker in den ersten 3 Lebensjahren,aber das Feuerwehrauto wird mit Ellenbogen durchgesetzt.

Ich sehe mich um. Viele Eltern reagieren so, schieben ihre Kinder auf eines der sechs Fahrgeräte. Viele, nicht alle. Aber viele sehen zu, dass ihr Kind nicht zu kurz kommt. Vor allem die Eltern der Jüngeren. Die Älteren können sich schon ohne Mama durchsetzen. Aber es ist wie die Reise nach Jerusalem – es sind einfach nicht genug da. Oder etwa doch? Es gibt nur ein Feuerwehrauto, ein Auto in Regenbogenfarben, ein Kreisel. Mein erster Impuls ist es, auch meinen Kinder den gewünschten Platz zu sichern. Ihnen ihre Wünsche zu erfüllen. Gerecht geht es nämlich nicht zu. Der erste mahlt zuerst. Wer wartet, verliert. Auf dem Kinderkarussell regiert das Recht des Stärkeren.

Aber das Feuerwehrauto hat vier Plätze. Zwei vorne, zwei weiter hinten. ich erkenne, dass wir Erwachsenen die hinteren als schlechtere Wahl empfinden. Die Kinder müssen vorne sitzen. Immer in der ersten Reihe.

Mein erster Impuls lässt nach und ich setze keinen Platz für meine Kinder durch. Ich gebe ihnen ihre Karten und lasse sie ziehen. Klar, der eine sitzt jetzt nicht ganz vorne. Aber – während ich im leichten Nieselregen stehe (von Schneeflocken keine Spur) – sehe ich auch, wie scheißegal ihnen das ist. Ihnen geht es ums Karussellfahren. Nicht, um irgendwelche Plätze. Sie verhandeln mit mir schon während der Fahrt, weil sie mir – immer wenn sie an mir vorbeifahren – zurufen: Noch eine? Noch eine?

Gut, noch eine. Ich lasse den Tumult der anderen am Ende der ersten Fahrt an mir vorbeiziehen. Die Mutter mit Holzfahrrad (ich muss zugeben, wir haben dasselbe, wir spielen eigentlich in der gleichen Bio-Liga, oder?) rät ihrem Weihnachtselfen, einfach sitzen zu bleiben. Ein anderer Vater versucht, sein schreiendes Kind auf ein Holzpferd zu hieven. Offensichtlich mag die Kleine keine Karusselle. Sie schreit und er nimmt sie schließlich runter. Er redet mit seiner Frau. Ratlosigkeit. Sie haben bereits den Sparpreis mit 7 Fahrten und eine umsonst gekauft. Schenkelklopfer. So ein Karussell scheint ein Kleinkosmos von Elternwünschen zu sein. Welcher Platz der beste ist. Was denn alles den Kindern Spaß machen MUSS. Manche Kinder wollen einfach nicht auf Holzpferden im Kreis fahren. Das soll es auf dieser bunten Welt auch geben.

Ich habe keine Ahnung, ob es Kinder gibt, die nur glücklich werden, wenn sie im Regenbogenauto rechts vorne sitzen. Vielleicht gibt es auch stille Schüchterne, die nie zu einem Ritt auf dem Holzpferd kommen, wenn man sie nicht drauf sitzt und das ältere Kind böse anguckt dabei. Vielleicht sollte man aber auch gar nicht hinschauen und sie machen lassen. Vielleicht ist es auch eine Kettenreaktion. Fängt irgendjemand an, sein Kind vorzuschieben und durchzuboxen, haben alle anderen auch das Gefühl, dass jetzt mal für ihr Kind auch richten zu müssen.

Der Tumult ist nach einer knappen Minute auch wieder vorbei. Alle Eltern stehen wieder besinnlich um das Fahrgeschäft und winken ihren Kindern zu. Die Frau mit dem Holzfahrrad macht Handyphotos von ihrem Weihnachtselfen. Und lächelt stolz dabei. Bei der dritten und letzten Fahrt sitzen meine Kinder auf der Kuh. Ich finde die Kuh doof. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kuh besser sein soll als das Feuerwehrauto. Aber ich fahre ja nicht mit dem Karussell. Und meine Kinder turnen auf der Kuh rum und winken mir pausbäckig zu. Ihre Wahl, ihr Platz, ihre Fahrt.

Es weihnachtet sehr.

Frühstück mit Kinder: Saras weltbestes Müsli

Müsli selbstgemachtMeine Kinder sind Frühstückskinder. Um 6 Uhr 30 steht der eine senkrecht im Bett und singt Frühstück! Frühstück! Früüüühstück!

Der andere liegt da eher noch länger faul herum, aber gegen 7 Uhr wird gefrühstückt.

(An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich ein totaler Morgenmuffel bin und als Letztes aufstehe und die ganze Frühstückskiste ein Papa-Job bei uns ist. Der Papa hat mal versucht, mich mehr zu involvieren, indem er den Kindern sagte, sie sollen doch mal zu mir gehen für die Frühstücksgesänge, aber da kamen dann entsetzte Blicke und ein Flüstern..die Mama schläft doch noch…ok, ich bin ein Morgenmuffel und meine Kinder machen da wohl respektvoll einen Bogen um mich…Ich möchte ja nicht, dass dieser Blog den Eindruck von SuperMOM macht, deswegen diese Erwähnung der tatsächlichen Verhältnisse…ich komme schon zum Frühstückstisch und setze mich zum Kaffee. Nach 10 Minuten werde ich auch angesprochen…jeder hat seine dunklen Seiten)

Aber zurück zum Frühstück. Wenn ich dann komme, gibt es meistens Honigbrote.(Das finde ich noch gut.)  Oder auch mal Müsliriegel. (Jetzt geht es dann um komisches Erdbeermilchgedönse) Oder dieses Plastikschokomüslizeug. (Jetzt essen dann lustige Tiger/Bären/Sonstwas bei uns mit) Es wurde auf jeden Fall immer süßer. Wobei die Süße nicht mein Problem ist, eher die *Plastiksüße* (Versteht man da, was ich meine?) Das habe ich selbst in meiner Morgenmuffelstimmung bemerkt.

Müsli selbstgemacht Frühstück

Deswegen kam mir das selbstgemachte Müsli von Sara präsentiert von Early Birdy gerade recht. Ich habe mal versucht, Haferflocken als Frühstück zu etablieren, aber das scheiterte. Jetzt haben wir das Müsli selbst gemacht und damit stieg das Interesse an. Das Rezept findet ihr auf diesem tollen Blogbeitrag. Ich bin also grad eher ein Blog-Trittbrettfahrer, aber manchmal lese ich irgendwo irgendwas und setze es dann auch tatsächlich um und hinterlasse dem Blog noch nicht mal einen lausigen Kommentar. Blogs sollen ja auch still inspirieren, aber schöner ist es doch, wenn man es mitbekommt. (An dieser Stelle werde ich mir vornehmen, jetzt mal mehr Blog-Trittbrettfahrer zu sein und Sachen auch öfter kommentieren oder sie hier gar vorstellen)

Müsli selbstgemacht 2

Das Müsli war also eine erfolgreiche Frühstücksidee. Gut, der eine von meinen Kindern isst jetzt morgens am liebsten nur Rosinen, aber der andere findet das Müsli mit Joghurt und Apfelmus *echt lecker*. Und wenn einer es toll findet, dann zieht der andere meistens irgendwann mit. I hope so.

Danke an Early!

 

Mach mal das Ipad aus. Kindererziehung 2.0

Ipad und KinderBis vor kurzen sah ich in der Verwendung des Ipads als Kinderspielzeug kein Problem. Wer viel draußen ist, darf auch bisschen mit dem Ipad herumspielen. Es gibt auch wirklich schöne Kinderspiele. Und ein youtube-Video von Dinosauriern zu zeigen – so what.

Dann kam aber relativ schnell der Sog. Meine Kinder sind 3 Jahre alt. Ich beobachtete eine beängstigende Fixierung auf das Gerät. Ich habe angefangen, einen Wecker zu stellen und nach der vorgegebenen Zeit sollten sie mir das Ding wieder bringen und dann ist die Ipad-Zeit halt vorbei. Das hat auch gut geklappt. Es ging viel besser, weil sie das Gefühl hatten, nicht ich komme (übermächtige Mutter) rein und beende ihr Zocken, sondern der Wecker klingelt und sie beenden es selber. Manchmal habe ich so getan, als ob ich den Wecker nicht gehört habe und mir die Diskussion angehört. Das Ergebnis war aber immer, dass sie das Ding ausgemacht haben. Manchmal aber mit Schluchzen.

Kinder sind halt Abziehbilder ihrer Eltern. Der Papa spielt auch gerne Computerspiele und ich hänge auch gerne an meinem Laptop herum.

Trotzdem. Als sie angefangen haben, zu fragen, wann denn wieder Ipad-Zeit ist, war mir das alles zu viel. Es war uns zu viel. Kinder mit 3 Jahren brauchen doch wohl nicht vor dem Ipad rumhängen. Auch nicht kurz vor dem Schlafen, auch nicht Sandmännchen. Ein Bilderbuch tut es doch da auch. Wir haben also als Eltern beschlossen, dass Ipad irgendwie wieder abzuschaffen.

Leichter gesagt, als getan. Unser Horrorszenario von sich auf den Boden werfenden Wutbündeln blieb aber aus. Wir haben ihnen gesagt, dass Ipad brauche der Papa in der Arbeit und er hat es morgens mitgenommen. Das Ganze wurde über das Wochenende immer wieder erwähnt. Dann kam der Montag und das Ipad war weg.

Ich wartete gespannt auf die Reaktion und versuchte mich auf Ruhe zu schalten.

Und es passierte….nichts.

Sie spielten nach dem Kindergarten mit ihrer Eisenbahn, wollten raus zum Fahrradfahren und kein Ton über Computerspiele.

Aber damit viel auch ein Stück meiner Zeit weg, dann mit dem Ipad kannst du ja Kinder stumm schalten und deinen eigenen Kram machen. Und mir dämmerte es: Ich bin diejenige, die das Ipad benutzt hat: Um zu kochen, um aufzuräumen, um auf der Couch zu sitzen.

Ohne Ipad musst du halt manchmal mitspielen bei der Eisenbahn.

Nach geschlagenen 3 Tagen fiel es einem der beiden wieder ein: Ipad?  Das hat doch der Papa in der Arbeit. Ach, stimmt.

Fertig war die medienkonsumfreie Woche.

Am Wochenende ist es wieder erlaubt (Papa ist ja auch nicht im Büro), aber sie wollen da dann viel lieber Sendungen ansehen. Wir sitzen also alle vor dem Fernseher, essen zu Abend und machen Kino. Für uns eine ideale Lösung.

Und wie immer habe ich meine Kinder unterschätzt. Es ist sehr wohl möglich, ungewünschte Tendenzen zu unterbinden und bei bestimmten Sachen wieder zurückzurudern. (Keine Ahnung, ob und wie man das mit älteren Kindern dann macht, ich werde es noch herausfinden…) Man braucht nur Eltern, die sich hundertprozentig einig sind, Konsequenz und den Willen, selber wieder aktiv zu werden. Kippt man einmal um, weil es grad *praktisch* wäre, dann klappt das alles nicht. Ziehen nicht beide Eltern an einem Strang, klappt das nicht. (DAS gilt doch wohl auch bei älteren Kindern) 

Dieses Thema wird mich noch lang Zeit begleiten. In der heutigen Zeit ist der Umgang mit elektronischen Medienkonsum einfach ein Thema. Und wie immer hilft es nicht, sich zu versteifen, sondern man muss sich irgendwie anpassen und selber als Vorbild vorangehen. (Kinder sollen beim Essen nicht auf ihre Handy gucken? ja, aber dann bitte die Eltern auch nicht…) Das ist anstrengend. Kinder zu erziehen ist anstrengend. Es hat einfach sehr viel damit zu tun, dass man sich selbst einschränkt. Man muss sich ein bisschen selber erziehen. Aber dabei authentisch bleiben. Sich selbst begeistern. Pffff, mach das mal an einem Migränemontag…

I´ll do my very best.

 

 

Bildquelle: Pixabay

Über Kindergärten, Landfrauen und Nabelschnurkinder

Kindergarten EingewöhnungDer Kindergarten hat für uns begonnen. Das Leben besteht aus Kleinigkeiten. Eine Brotzeitdose, eine Matschhose, pünktlicher Morgenkreis.

Ich vermisse die Kinderkrippe. Ein kleines Team, 12 Kinder, enger Kontakt, pädagogisches Feedback. Im Kindergarten scheint alles ganz anders. Erzieherinnen im Hintergrund, viele Kinder, unbeobachtete Ecken.

Ich sitze mit einer anderen Mutter am Kaffeetisch der Einrichtung. Unsere Kinder machen sich unterschiedlich *gut*. Es ist klar, was ein problemloses Kind ist. Ein problemloses Kind ist ein Kind, dass alleine aufs Klo geht, unabhängig ist und sich auf die Mama freut, aber sie nicht unbedingt braucht.

Zuerst wachsen Kinder in deinem Bauch, dann kommen sie auf die Welt und wachsen heran. Sie gehen immer ein Stückchen weiter von dir weg. Ein ständiger kleiner Abschied. Je mehr du dich verabschiedest, desto unabhängiger werden sie.

Ich mag die andere Mutter. Wir unterhalten uns. Sie sagt, man nehme sich als Mutter doch etwas weg, wenn man sein Kind in die Krippe gibt. Die alte Leier. Innerliches Augenrollen. Ich nenne die Frauen hier *Landfrauen* und diese strikte Haltung gegen Krippen ist mir hier schon öfters begegnet. Bei den *Landfrauen*. In der Stadt waren alle Kinder in der Krippe und ich mit meinem 2-Tages-Modell ein Exot. Erklärungsversuche. Behutsam.

Ist es euch schon auch öfters so gegangen, dass man sehr wohl starke Sätze als Krippenmama einstecken muss aber umgekehrt nicht so wirklich austeilt? Und wenn ein Kind besonders anhänglich ist und man quasi die Nabelschnur noch sehen kann, dass da dann eher lächelndes Schweigen angebracht ist? Man sagt ja auch nicht zu einer anderen Mutter Sätze wie: Aber mit fast 4 Jahren sollte sie nicht in Tränen ausbrechen, wenn du den Raum verlässt…da wäre eine Krippe schon besser gewesen. Dann wäre sie jetzt halt nicht so ein Nabelschnurkind…. Sätze wie: Man verpasst doch so viel, wenn es in der Krippe ist. werden halt schicklich nicht mit Sätzen wie Ja, wenn es nicht in der Krippe ist, dann verpasst man auch eine Menge. Wie ich sehe, vor allem den Punkt der Unabhängigkeit.

Aber zurück zu den Kinder. Ich habe noch gar nicht wirklich Fuß gefasst, da bin ich schon vor der Tür und fahre weg. Lasse meine Kinder in fremder Obhut. Ich zweifle. Ich kenne die Erzieher noch nicht. Mir gefällt nicht, dass sie die Kinder gar nicht ansprechen. Kein Hineingleiten in eine neue Situation, eher ein Schubsen. Aber die Kinder fühlen sich gar nicht wie geschubst, ich bin die Geschubste.

Ich hole sie wieder ab und einer hat in die Hose gemacht. Ich bin bisschen wütend und kritisiere scharf, dass mein Kind erst 3 Jahre alt ist und es nicht reicht, ihm mal zuzurufen, er könne doch aufs Klo gehen. Er muss schon bisschen begleitet werden. Am Abend läuft er selber aufs Klo. Ich gehe hinterher. Er schickt mich weg. Mama, das kann ich alleine. Ich zweifle diesmal an mir. Vielleicht bin ich eine Helikopter-Mom.

Am Ende der Woche gehen sie schon den ganzen Tag in den Kindergarten. Ich beobachte sie beim Abholen heimlich und sie scheinen mir glücklich. Vielleicht sind sie befreit, ohne emotionale Erzieherbindung wie in der Krippe. Vielleicht sehe ich sie nur einsam und alleine, aber sie sehen sich unabhängig und frei.

Der Kindergarten hat zwei Gruppen, die Zwillinge sind getrennt. Bei meinem ersten Besuch hatte ich ein langes Gespräch mit der Leitung darüber. Zuerst fand ich es verstörend, die Kinder zu trennen, aber jetzt erkenne ich das Potential. Jeder Mensch muss sich selbst finden und die Werkzeuge dazu sollten in der Kindheit geschmiedet werden. Wenn sie sich in Kindergruppen nie alleine behaupten müssen und immer nur ein Zwei sind, wie sollen sie es dann plötzlich später können.

Am Ende ist man als Eltern meistens alleine mit seinen Entscheidungen. Welche Wege man einschlägt, um seine Kinder zu erziehen und ihnen den Weg in ihr eigenes Leben zu weisen. Alle Kinder sind verschieden, so wie alle Wege.

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