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Elefantös – die Elefantenparade aus Stoff- DIY

Elefantös 1Diese Jahr war Babyalarm in unserem Freundeskreis. Also habe ich mich auf die Suche nach passenden Geschenken gemacht. Und bin auf einen Elefanten gestoßen.

Ursprünglich kommt die Idee daher, dass eine Freundin dieses Jahr ein Kind bekommen hat und sie in ihrer Schwangerschaft dünnhäutig wie ein Elefant war, ebenso hat sie dieses Kind gefühlte 20 Monate ausgetragen und ja, darauf passt auch du, Sandra, vor allem der Teil mit den 20 Monaten, aber keine Sorge, ich habe dich nicht für so dünnhäutig gehalten.

Ich habe dann aber auch Elefanten für meine Kinder machen müssen…und gleich für andere Zwillinge mit und dann war da noch das Lenalein, dass auch einen Elefanten zum Geburtstag bekommen hat…alles keine Babys, aber Kleinkinder….und als mein Bruder dann angefangen hat zu fragen, warum er keinen Elefanten bekommt. OK, es waren viele. Ich sehe meine Fotos durch und habe gar nicht von allen Varianten ein Foto gemacht vor dem Verschenken. Vielleicht lesen aber ein paar Beschenkte mit und senden mir auf info@fadenvogel.de ein Foto, dass ich später noch hier einfügen kann.

Hier die Elefanten-Eckdaten für die Inspiration im Netz:

Schnittmuster von farbenmix

Füllmaterial

Und mal sehen, was es alles sonst noch gibt an DIY beim creadienstag und den Dienstagsdinge.

Abschied von der Kinderkrippe

Krippe_1Vor zwei Jahren habe ich meine Zwillinge in eine Kinderkrippe gebracht. Heute war ihr letzter Tag dort. Die Praktikantin hat geweint. Zeit für einen Rückblick.

Blackbox Kinderkrippe.

Keine Ahnung, wie andere das empfinden, aber ich fand es nicht so schlimm, meine Kinder in fremde Hände zu geben. Ich hatte schnell Vertrauen in die Erzieher. Ich fands eher komisch, dass sie jetzt neue Dinge entdecken und ich bin nicht dabei. Bis jetzt habe ich immer anderen Erwachsenen von den Eigenschaften und Vorlieben meiner Kinder erzählt und plötzlich ist es anders herum. Das erste Mal hängen Geburtstagskalender mit ihren Namen an der Wand, sie haben Becher mit Namen und der Raum dort ist ihr Revier. Ich bin außen vor und andere Erwachsene erzählen mir von ihnen und kennen meine Kinder intensiver als ich diese Menschen kenne. Sie haben eigenständige Beziehungen dort – ohne mich als Vermittler oder Chief.

Selbstständigkeit – das große Ziel aller Eltern und es fängt an. Bis zu dem Punkt, dass sie mich irgendwann mal anrufen und sagen, dass sie es Weihnachten nicht schaffen, nach Hause zu kommen, aber gewiss mal über die Feiertage Mutti besuchen werden. Der erste leise Hauch davon weht hier jetzt vorbei.

Aber noch ist es ja nur ein Hauch (Gott sei Dank)

Das ist ein Teil des Textes, den ich vor zwei Jahren geschrieben habe. Als ich sie gebracht habe, waren es 14 Monate alte Babys. Sprachlos, mit Windel, ohne laufen zu können. Heute gehen sie als Kindergartenkinder aufrecht aus den Räumen wieder heraus, mit einen Haufen Wörter, ohne Windel oder Schnuller. Das Bild von der Wand des Geburtstagskalenders wurde wieder abgenommen und mir mit all Ihren Fotos und Werken als sogenanntes Portfolio mit nach Hause gegeben. Ein Ordner voller Eindrücke, pädagogisch sortiert.

Obwohl wir nur zwei Tage die Wochen in der Einrichtung verbracht haben, war es doch eine prägende Zeit. Doch sollte ich heute ein oder zwei Dinge nennen, die konkret prägend waren, welche waren das?

Die Sache mit dem Puzzle

Ich saß mit Leitungswasser und Knabberkeksen in einem meiner ersten Erziehungsgespräche. fand ich erst völlig übertrieben.  Die Leitung hatte ihr pädagogisches Programm vor Augen und sprach mit mir über Entwicklung und Sprachvermögen. Beziehungen zu anderen, Gefühle, Beobachtungen. Sie erwähnte die Spielsachen, mit denen meine Kinder gerne spielten. Als Entwicklungsschritt nannte sie, dass beide 5 teilige Puzzles legen können. Puzzle, was? dachte ich mir. Bei mir zu Hause gab es noch Babyspielsachen. Ich dachte, sie wären noch mit Greifbällen und Schlüsselbund zufrieden. Waren sie auch, aber sie waren auch schon weiter. Ich bin also Puzzles kaufen gegangen.

So ging es mir die ganzen 2 Jahre über bis kurz vor Schluss. Ich habe meine Kinder ständig unterschätzt. Die Kinderkrippe hat mich immer überrascht. Meine Söhne decken den Tisch und kämmen sich die Haare. Sie gehen aufs Klo und malen mit Acrylfarbe. Sie können sehr genau ihr Umgebung benennen. Letztens haben wir einen Vogel beobachtet und mein einer Sohn sagte: Guck, eine Kohlmeise. Ich bin fast vom Rand des Sandkastens gefallen. (Es war keine Kohlmeise, sondern eine Amsel, aber in meiner Erziehungs-Welt habe ich bis jetzt nur gesagt: Vogel)

Ich nenne das also den Puzzle-Moment. Ich hatte einige Puzzle-Momente in den letzten zwei Jahren. Dass meine Kinder heute ohne Windel nach Hause gehen, ist auch so ein Puzzle-Moment. (Wie, die gehen bei euch aufs Klo????)

Die Sache mit den Arschloch-Eltern

Keine Frage, es ist eine zumindest interessante Kiste, dass man auch gleichzeitig in einer Art Gemeinschaft hineinkommt. Eine Gemeinschaft von Eltern. Darunter gibt es nette und weniger nette Exemplare. Freundschaften entwickeln sich langsam, wenn überhaupt. Die Kinder der Eltern sind die Bezugspunkt meiner Kinder und ich habe es mit *nicht ernstzunehmenden* Bedauern bemerkt, dass sie sich unter Umständen auch prächtig mit den Kindern verstehen, deren Eltern für mich zu der Kategorie Arschloch-Eltern gehören.

Vor ein paar Jahren hatte ich eine Nachbarsfamilie, die mich nervte. Die Mutter war laut und unfreundlich. Ihre 8jährige Tochter hatte ich automatisch zu ihr dazugetan. Emotional. Einmal spielte die Tochter alleine im Hof. Ich rollte mit den Augen und verstand nicht, wieso eine andere Nachbarin so nett zu ihr war. Du darfst die Kinder nicht mit den Eltern verwechseln. sagte sie mir und ich habe die Ausmaße dieser Antwort noch nicht voll begriffen. Nicht intellektuell, intellektuell wußte ich das schon immer, aber so emotional. Emotional war mir das noch nicht klar. Ich schämte mich meiner Gedanken, aber so war es halt.

Jetzt bin ich einen kleinen Schritt in meinem internen Eltern-Kind-Arschlochstatus-Rassismus weiter. Ich versuche es wenigstens aktiv, die Kinder nicht mit den Eltern zu verwechseln. Die eigenständigen Beziehungen in der Krippe, von denen ich in meinem ersten Eindrücke vor zwei Jahren schon mal einen Hauch wahrgenommen habe, haben sich im Laufe der Zeit verfestigt und sie helfen mir, selbst kleine Kinder ernst zu nehmen und für sich stehen zu lassen – machen meine Kinder ja auch so. In gewisser Weise lerne ich von ihnen, in denen ich ihr Verhalten kopiere.

Das Für und Wider von Kinderkrippen ist in diesem Land eine Diskussion, die höchst emotional geführt wird. Der Kokon *Mutter und Kind* wird irgendwann aufgelöst, nur wann, dass ist die Frage. Dass wir es alle als ungesund empfinden, wenn Mutter und Kind nach 30 Jahren noch so aufeinander hocken wie im ersten Lebensjahr – ok, da sind wir uns einig. Aber wann dann? Da gibt es so viele Thesen und Entwürfe wie Kinder. Mein persönlicher Blick auf meine Runde *Mutterkinder* (im Gegensatz zu *Krippenkinder*) zeigt mir aber, dass es da meist noch eine Oma gibt, die im Zweifel im selben Haus wohnt. Ob da mehr *Kokon* noch da ist, als ich das persönlich für gut empfinde, kann und will ich gar nicht beurteilen, aber ich will damit nur sagen, dass ohne Krippe nicht Mutter und Kind automatisch zusammenkleben. Ich finde das Oma-Konzept toll (gibt es hier bei uns ja auch), aber die Krippenkinder haben es deswegen nicht schlechter. Sie profitieren von anderen Dingen. Ich bedanken mich für diese Zeit und würde mich immer wieder für eine Krippe entscheiden – nicht für mich, sondern für meine Kinder.

Weiterlesen: Krippenkinder haben es besser und Regretting motherhood

 

 

Camping mit Kindern – 5 Tipps für die Auszeit

Camping Kleinkinder TippsIch bin ein Zelt-Typ, ein Camper-Girl, ein Freiluft-Schlafer. Unsere letzte große Reise *on the road* haben wir 2012 unternommen – vor den Kindern. Mit den Babys haben wir uns nicht mehr getraut, in einem Zelt mit den Ungewissheiten und Temperaturschwankungen zu übernachten und haben uns auf Kinderhotels spezialisiert.

Aber unsere Kinder sind jetzt 3 Jahre alt und der Sommer ist heiß – wir haben es also einfach gemacht und sind auf einen Bauernhof mit Zeltplatz gefahren. Es war super. Die Kinder waren super aufgeregt und haben es genossen, mit Mama und Papa in dem 3-Mann-Zelt zu kuscheln.

Camping Kinder Zelt

Dabei sind mir einige Sachen aufgefallen, die man beim Camping mit Kleinkindern doch einiges beachten sollte.

1. Thema: die Auswahl des Campingplatzes

Unsere Idee, auf einem Bauernhof zu übernachten, war schon spannend, aber ich würde empfehlen, dass man auf einem *echten* Campingplatz übernachtet. Vor allem, wegen der Grundversorgung mit Essen. Klar, man nimmt was mit, aber auf den meisten Campingplätzen bricht der Kaffee-und-Brötchen-Verkauf um 7 Uhr morgens an. Und das war auf dem eigentlichen *Tagesausflugsziel* Bauernhof nicht der Fall.

Kleiner Verstau-Tipp von Obst: Alte Eierschachteln…
Camping Verstauen Obst

2. Thema: Ordnung

In unserem Zelt ist nicht genug Platz, um den ganzen Kram, den man für Kinder und Camping braucht, unterzubringen. Ich habe aber zu Hause für ganz anderen Kram diese Boxen:

Really useful Boxes.

Der Vorteil ist, dass man damit Kleidung auch über Nacht draußen lagern kann.

Camping Kisten

Gleichzeitig dienen sie als Tische und Sitzgelegenheiten.

Beim Thema Ordnung fällt mir noch ein, dass ich Schmutzwäsche gerne gleich separiere. Normalerweise kann man auf den *echten* Campingplätzen auch waschen (auch so ein Grund…) und zum Separieren eignet sich neben Plastiktüten, die man gerne unbedacht wegschmeißt und die auch gammelig aussehen, einfach Kissenbezüge…

Camping Aufbewahrung Schmutzwäsche

3. Thema: Spielzeug, Technik und die Ruhe

Ganz klar, ein Wochenende ohne Fernseher, geregeltem Spühlmaschinengängen, Laptop und Essen am Tisch kann sehr befreiend sein. Ein Gespräch unter Erwachsenen, alle am Spielplatz und Zeit für den Sonnenuntergang ist mit Camping sehr gut zu realisieren. Wir haben auf Spielsachen verzichtet, das nächste Mal würde ich Ball und Sandförmchen mitnehmen. Aber es hat auch so gut geklappt.

4. Thema: Licht und andere nützliche Dinge

Man kann es nicht oft genug sagen, aber man sollte folgende Sachen mitnehmen:

Licht!!!!! Die Nacht ist dunkel. Wer in der Zivilisation lebt, vergisst das oft.

Müllsäcke

Spühli

Reiseapotheke ( Fenistil gegen Mückenstiche, Wunddesinfektion und Pflaster, bei allem schwereren wird heimgefahren oder zur Apotheke)

immer Pullis, egal, was der Wetterbericht sagt.

5.Thema: nicht so viel nachdenken…

Mit Kindern macht man sich schnell zu viele Gedanken. Klar, ein paar Gedanken zum Thema Windeln, Essen und Kleidung sind bestimmt wichtig, aber irgendwann sollte man einfach mal machen. Es ist nicht die Wildnis, es ist nur ein Zelt.

 

T-Shirt-Quilt aus alten Kindersachen nähen

t-Shirt-Quilt Anleitung 11Juhu, ich habe hier ein Projekt, dass ich lange lange schon auf der Agenda hatte. Ich habe ja Zwillinge und diese besitzen einen Haufen Kleidung. Einen Teil der Kleidung habe ich gesammelt, um diese a) weiter zu verleihen b) ihn einer Freundin zum Verkaufen zu überlassen oder c) für eventuelle weitere Kinder zu haben.

Punkt c habe ich jetzt aufgegeben. Nicht, dass ich nicht glaube, dass ich Kinder haben werde, sondern, weil man ja nicht weiß, welches Wetter sie in welcher Größe haben werden….

Einige Shirts sind bei mir mit echten Erinnerungen verbunden. Das erste Mal am Strand, Urlaub, hundertmal in der Hand gehabt…usw. Deswegen fiel es mir schwer, sie einfach in die Kisten für a oder b zu packen…ein Quilt daraus zu machen schwebte mir schon lange vor..

Da eine Freundin jetzt auch Zwillinge bekommen hat, wurde aus den Shirts ein Quilt…

Wir haben 25 T-Shirts gehabt und sie mit einem Rollschneider in Quadrate geschnitten. Die Ärmel wurden auch abgeschnitten.

Danach habe ich die Quadrate zusammengenäht. Ich habe aus jedem Shirt 2 Teile herausbekommen, von Vorder- und Rückseite des T-Shirts.

Als Hintergrundstoff habe ich einen Cordstoff verwendet. Der ist nicht so flexibel wie der Jersey und deswegen dachte ich mir, dass damit die Sache mehr in Form bleibt.

Als Vlies habe ich ein dünnes Naturprodukt verwendet. Aus Soya, glaub ich. In gut sortierten Patchworkläden kann man sich das gut auswählen. Nicht zu dick kaufen! Der Quilt wird nicht klassisch gequiltet, sondern verstützt. Das bedeutet, dass man die drei Lagen zusammennähen muss und das ist nicht jeder Nähmaschine so klar…

Zum Fixieren habe ich Sprühstoffkleber verwendet, aber nur für den Teil, wo das Vlies auf der linken Seite des Oberstoffes liegt. Alle drei Lagen habe ich zusätzlich mit Sicherheitsnadeln zusammengehalten. Des Mix hat es ganz gut beim Nähen festgehalten, denn das größte Problem ist, dass die Stoffe anders als bei Baumwolle beweglich sind und ein so großes Teil sich gerne verzieht.

Für Jersey verwendet man am besten eine Overlock-Maschine. Wer viel Kinderkleidung näht, hat diese vielleicht auch – ansonsten habe ich schon gesehen, dass man sich einen Nähplatz an einer Overlock-Maschine mieten kann.

Am Rand bleibt ein Teil offen, der dann mit der Hand geschlossen wird. Nach dem Umstülpen….

Zur Zierde habe ich die Ärmel am Rand mit eingenäht. Das hat eigentlich ganz gut geklappt. Das nächste Mal verwende ich kleine Kindersocken für den Rand…

Dieser Beitrag geht zum Made for boys und Creadienstag.

Kinder ohne Stress – 9 Ideen für das Kriegsgebiet Elternschaft

Kriegsgebiet ElternschaftIch bin eine Mutter, die keinen Stress haben will. Das ist doch mal ein hohes Ziel. Bin ich im Stress, wird die Situation nicht mehr gut. Verloren. Kinder sind da nie Schuld dran, mal vorausgeschickt. Nur meine miese Organisation. Getreu dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Dabei haben mir oft kleine Kniffe und Überlegungen geholfen, die ich beim Beobachten anderer Mütter oder beim abendlichen Analysieren irgendwelcher Katastrophensituationen für mich mitgenommen habe. Auffallend ist dabei, dass es eigentlich total dämliche Dinge gefehlt haben, aber die haben dann wirklich gefehlt. Ich bin nicht so die Ratgeber-Tante, aber vielleicht führt eine Idee zu einer Idee, die auch euch nützt. Meine Kinder sind jetzt dann 3 Jahre alt.

1. Buggy or not. 

Bollerwagen

Keine Ahnung, aber irgendwann lassen sich Kinder nicht so ohne Weiteres durch den Supermarkt schieben. Oder über einen Kirmes. Oder einen Markt. Sie wollen raus und alles erkunden. Ich verstehe das. Ich lasse das auch gerne zu, aber nicht immer. Irgendwo geht es halt auch nicht. Ich habe eine Menge Transportmittel für Kinder: einen Fahrradanhänger, einen Buggy, einen Rollkoffer, einen Kinder-wander-rucksack. Aber ich muss hier mal die Lanze für den Bollerwagen brechen. Bollerwagen sehe ich kaum in der Stadt, aber er ist sein Geld wert gewesen. Das erste Mal kam er im Campingurlaub zum Einsatz, da Sand am Strand kein Hindernis darstellt. Kinder fahren einfach gerne damit. Es hat nichts von Kinder-einschnall-Baby-Transporter, wahrscheinlich liegt es daran. Ich gehe damit auch einkaufen, ja. Bisschen schwerer zu fahren, aber Hey, solange alle sitzen bleiben, wenn sie´s sollen…Für Zwillinge gibt es keine Einkaufwagen mit Kleinkindsitz für zwei…

2. Wertsachen am Spielplatz

Wertsachen am Spielplatz

Okay, der ist einfach. Ehrlich. Ich spaziere wie die anderen Mütter auch am Rand des Sandkastens und unterhalte mich. Ich sitze manchmal auch im Sand drin. Ich spiele Fussball. Handy, Geldbeutel und Hausschlüssel sind da gerne mal in der Manteltasche, aber im Sommer? Einfach auf der Mom-Decke liegen lassen und auf das gute Herz hoffen? Früh habe ich mir angewöhnt, einen Gürtelbeutel oder Hüfttasche oder wie immer man die Dinger nennt..zu tragen. Ich habe die Hände frei und im Notfall kann ich so mein ganzen Kinderwagen-Besitz stehen lassen und irgendeinem Kind nachrennen. Das sieht nicht unbedingt geil aus, aber es ist praktisch. Inzwischen besitze ich auch ein von einer lieben Freundin Selbstgenähtes für die schicken Momente.

3. Zitronenwasser und Limonade

Zitronenwasser

Okay, ich bin kein Freund von Süßgetränken, Apfelschorle ist der höchste Genuss aus meinem Kühlschrank. Meistens gibt es Sprudelwasser, das mögen meine Kinder auch am liebsten. Manchmal quetsche ich eine Zitrone aus und schütte Sprudelwasser drauf. Das kann man auch ohne Zucker beruhigt Limonade nennen, vor allem gibt das so einen Zitronenschaum, wenn man zuerst die Zitrone ins Glas schüttet und dann das Sprudelwasser drauf. Limonade ist immer ein Hit.

4. Iss deinen Teller auf

Kleinkinder am Esstisch

Mein Mann mag nicht, wenn man Essen wegwirft. Mit Kinder kommt das leider öfter vor. Ich habe immer hübsche Teller zusammengestellt. Nach meinem Besuch in Wien habe ich von Julia einen sehr simplen Tipp bekommen: Sie essen das, was sie sich selber auf den Teller legen. Bäm, was für eine brilliant einfache Idee. Es funktioniert aber tatsächlich. Kinder essen ihren Teller leer. IHREN, nicht meine Vorstellung davon. Wenn jemand heute nur Bock auf 3 Nudeln ohne Soße hat, gut. Selbstbewußtsein hat auch was damit zu tun, dass man lernen muss, sich bewußt zu werden, wie viel man von was essen möchte. Ich persönlich arbeite jetzt an mir. Ich kann das nämlich gar nicht gut und stelle jetzt meinen Teller immer heimlich in die Küche….

5. Eis zum Frühstück

Eis zum Frühstück

Ab und an habe ich seltsame Ideen. ich stelle mir vor, dass ich es besser fände, wenn Kinder so was wie Pfirsiche und Buttermilch zum Frühstück essen würde statt Honigbrote oder Müsliriegel. Nichts gegen Honig und Müsli, aber wie gesagt, ich fand Pfirsiche und Buttermilch plötzlich ganz groß. Ab und an hole ich jetzt an heißen Tagen Buttermilch mit Pfirsichen heraus – meine Kinder nennen es Frühstückseis oder Milcheis. Keine Ahnung, ob Eis jetzt der pädagogische Food-Gipfel ist, aber ich finde es toll. Pfirsiche ganz mit Buttermilch pur in den Mixer geben und in so Fertigeisformen schütten. Gibt es überall – im Netz, bei IKEA, usw. Honig, Zucker und so weiter sind da von Haus aus schon drin und müssen nicht extra zugegeben werden.

6. Wasserschuhe

wasserschuhe

Meine Kinder besitzen nicht viele Schuhe. Aber sie haben so Wasserschuhe. Zuerst war ich nicht sehr begeistert davon, weil ich sie fürs Schwimmen bisschen klobig finde, aber es sind die idealen Spielplatzschuhe, vor allem bei Spielplätzen mit Wasserstellen und kleinen spitzen Steinen. Klar, Kinder sollten auch barfuß herumlaufen – im weichen Gras, im warmen Sand, aber nicht dort, wo auch Glassplitter und Zigarettenstummel herumliegen. Und diese Art von Schuhen halten auch noch die Füße warm. Das mag im Sommer absurd wirken, aber das meiste Wasser an Spielecken ist nicht soooo warm. Und mehr Trittsicherheit bieten sie auch.

7. Plastiktüten

Jetzt kommt etwas, was ich in keinem Foto festhalten konnte und wollte. Ich bemühe mich immer, mindestens zwei Plastiktüten auf Ausflügen oder Spielplatzbesuchen mitzunehmen. Eine für die nassen Sachen, die bei den sommerlichen Wasserspielen anfallen. Die andere für den würdigen Moment, nicht mit einer versch+++ Windel in der Hand zum Mülleimer spazieren zu müssen, sondern mit einer Plastiktüte, wo man all den Müll aus Taschentüchern und Steckerleispapier auch hineingeben kann. Simpel, aber keine schlechte simple Idee.

8. Naturjoghurt und Kinder

Naturjoghurt und Kinder

Hand aufs Herz, wer will nicht, dass die eigenen Kinder lieber Naturjoghurt essen würden als „Omas Apfelkuchen“ oder „Fantasia“ oder – worse – Schokoriegel-versionen von Joghurt. Manchmal gebe ich ihnen die volle Dröhnung Zuckerjoghurt, manchmal mische ich Naturjoghurt darunter, um es bisschen abzumildern, manchmal peppe ich den Naturjoghurt auf – mit Lebensmittelfarbe und Honig. OK, das ist natürlich nicht, was alle Eltern wollen: Die Kinder, die bei weißen nackten Joghurt anfangen zu jubeln, aber man muss mit dem arbeiten, was man kriegt…und notfalls das Essen mit Farbe aufpeppen. Hat schon seine Dienste erfüllt. Blauer Joghurt ist hat tausendmal interessanter als der weiße…keine Ahnung, wieso.

9. Kinder sollen auch mal ruhig sitzen können

Tisch und Spiele

Das ist schwer, vor allem, wenn es um Essengehen geht. Ich habe mich ja schon hier gefragt, ob man Kinder mit Iphones stumm schalten darf. Unabhängig davon, dass ich es gut finde, wenn sie ein bisschen Medien mitkriegen, habe ich jetzt einen Jutebeutel zusammengestellt, den ich im Auto lagere. So kann ich in den Momenten, an dem ich todsicher vergessen habe, Malheft mitzunehmen, darauf zurückgreifen. Auch bisschen simpel, aber effektiv.

Seit langem spielen wir auch ein Spiel, wenn es sehr unerträglich wird, noch 5 Minuten auf etwas zu warten…ich stelle Dinge am Tisch in eine Reihe: Salzstreuer, Pfefferstreuer, Messer, Gabel, meine Sonnenbrille und sage ihnen die Reihe vor. Dann müssen sie wegschauen und ich entferne eine Sache. Sie müssen dann raten, welche. Mit Zweijährigen reichen vier Sachen, jetzt sind sie schon sehr viel besser und ich muss manchmal die Reihe heimlich verschieben. Damit es kniffliger wird.

9 Sachen, weil es immer unvollständig ist und man nie bis Punkt 10 kommt.  9 Sachen, weil man nie bis zum Schluss alles planen und sich überlegen kann. Das muss man auch gar nicht. Die beste Idee ist immer noch, dass man sich einfach Zeit nimmt und sich nicht stressen läßt. Stress ist dann nur da, wenn man eine andere Vorstellung hatte und Kinder dann in diese Richtung bringen will. Oder sich irgendwas vorgenommen hat, dass man dann nicht erledigt kriegt. Bei der Liste bemerke ich, dass mir Ernährung ziemlich wichtig ist, obwohl ich es toll finde, mit ihnen zu McDonald´s zu fahren und Picknick im Auto zu machen. Kindererziehung kommt mir vor wie ein Cocktail – die Mischung macht´s: sind zu wenig Früchte drin,schmeckt er nicht – aber auch, wenn zu viel Alkohol (sprich Gift) drin ist. Ich übe und hoffe, dass die Bar heute läuft…

 Bildquelle Artikelbild: pixabay

 

 

IPhone an – Kind aus: Darf man Kinder mit Technik stumm schalten?

Shaun pixabay iphone KinderIn mittelprächtigen Hotels oder in Restaurants mit einer extra Weinkarte sieht man sie immer wieder: die Kinder. Obwohl alles gegen sie spricht: Uhrzeit, gestärkte weiße Stoffservietten, Platzteller, drei Vorspeisengänge. Manchmal sehe ich vor meinem geistigen Auge die Fernseh-Warnung: Für Zuschauer unter 16 Jahren ist die folgende Sendung nicht geeignet.

Ja, und wie alle anderen Eltern ignorieren wir unser besseres Wissen und nehmen unsere Kinder gerne mal in die freie Wildbahn der Erwachsenenwelt mit. Gewillt, die ganze Sache nach der ersten Vorspeise abzubrechen und uns höflich zu empfehlen.

Neben uns am Tisch sitzen auch Zwillinge. Ein Jahr jünger. Wir Mütter unterhalten uns kurz, innerlich denke ich: Strike! Die beiden Rotzlöffel werden bestimmt die ganze Aufmerksamkeit der Umgebung auf sich ziehen und dann fallen meine Rotzlöffel nicht mehr so auf.

Doch die Familie verabschiedet sich zum Salatbüffet und als sie zurückkommt, dann stellen die Eltern ihre beiden Smartphones auf und lassen ihre Kinder in youtube abtauchen. Mir fällt fast der Suppenlöffel aus dem Gesicht. Die Kinder sind abgeschaltet, kaum ist das Handy angeschaltet. Sie bleiben ruhig sitzen und die drei Vorspeisen passieren den Tisch und nichts geschieht. Kein Kind will aufstehen, keines wirft aus Trotz einen Löffel auf den Boden. Die Eltern müssen nicht verkrampft in die Runde lächeln und besorgt Kinder davon abhalten, mit den Straßenschuhen auf Polstermöbel herumzulaufen.

An einem anderen Tisch sehe ich die Methode 1.0. Eine große Familie ist zusammengekommen. Omas, Cousinen, Kinder, Eltern. Sie begrüßen sich und die Kinder bekommen Spielsachen geschenkt. Sofort wird der Legokasten aufgerissen und in vom Salatbüffet geklauten Schüsselchens geschüttet und sortiert. Der Tisch ist lauter als die youtube-Zwillinge, aber auch diese Kinder bleiben sitzen. Konsum macht Kinder an Essenstischen von Erwachsenen auch geduldiger.

Ich schaue wieder zu den youtube-Zwillingen rüber. Nach eineinhalb Stunden ist auch dort Schluß mit lustig. Ich beobachte immer mehr Eltern, die die Situation so lösen. Nach ein paar Tagen stille Beobachtung probieren wir es auch aus. Das Abschalten mit dem Anschalten.

Wir lassen unsere Kinder beim Mittagessen im Hotel mit unseren Iphones spielen. Es wird unnatürlich ruhig um uns. Ein bisschen komme ich mir vor, als ob ich ihnen Alkohol eingeflößt hätte. Oder Beruhigungstabletten. Auf jeden Fall irgendwie unpädagogisch. Aber wir machen auch lauter unpädagogische Dinge. Sitzen auf einer Sonnenterrasse und warten auf Essen, danach noch ein Käffchen…kann schon lange sein, wenn man mit einer Handvoll Pommes auskommen könnte.

Am nächsten Tag lassen wir es wieder. Heiße Tränen, Heultieraden. Aus der Nummer wieder auszusteigen ist schwieriger als gedacht. Einmal auf dem Iphone-am-Tisch-Zug, immer darin? Wir schaffen es trotzdem, die ganze Sache abends nicht einreißen zu lassen und unsere Kinder springen zwischen Kellner und Vorspeisen herum. Keiner sagt was, sind halt Kinder. Ob sie stören oder nicht, weiß ich nicht. Ich bin zu beschäftigt damit, dass sie nicht den mit Eis gefüllten Weinkühler umschmeißen.

An den Nachbartischen: die youtube-Generation. Mein Sohn traut sich rüber und schaut mit. Ich gehe zu ihm und sage, dass wir jetzt Eis holen. Er sagt, er möchte weitergucken. Ich stelle ihm frei, dort noch stehen zu bleiben oder mit zum Eis zu kommen. Er bekomme aber später kein Extra-Eis mehr. Er entscheidet sich für das Iphone und ich hole mit dem anderen sein Eis. Ein bisschen bin ich traurig, dass das Iphone so attraktiv ist. Als wir zurückkommen, möchte mein youtube-Kind natürlich jetzt auch ein Eis. Ich sage, nein. Heultierade. Schluchzendes Kindergesicht. Ich gehe mit ihm auf die Sonnenterasse – ohne Eis-  und wir untersuchen die ganze Deko dort. Zugucken beim Eisessen muss er nicht. Und ich hoffe insgeheim, dass das Iphone des Nachbartisches nicht morgen schon wieder das Eis schlägt – jetzt, wo er sich sicher ist, dass es tatsächlich keines mehr gibt.

Ich bin immer noch unschlüssig, wie ich die Iphone-Kiste finde. Grundsätzlich mag ich an kleinen wie an großen Menschen nicht, wenn sie sich auf etwas so versteifen. Ich mag es eigentlich nicht, wenn sich jemand aus der Realität so abschalten kann. Klar, mit bestimmten Dingen kann ich das auch – Standby und durch, aber Kinder mit Iphones stummschalten kommt mir sehr weit in der digitalen Fixierung vor. Nach dem Motto: Allzuviel ist ungesund. Aber was kann man gegen ein bisschen youtube sagen?

Die meisten Eltern lassen ihre Kinder Sandmännchen und Co. gucken. Manche sagen, sie lassen ihre Kinder nicht fernsehen, aber dazu zählt das Ipad für sie nicht. Eine seltsame Mischung aus medialen Unbehagen in der Erziehung und Medienkompetenz gehen schon sehr früh Hand in Hand, dann die Wahrheit ist: Keiner hat Ahnung, wie er es jetzt eigentlich richtig machen soll. Meistens werfen Kinderlose oder Generation Oma den ersten Stein und haben ein fertiges Bild im Kopf, wie es denn richtig richtig. Und wirklich geil ist die Konsummethode aus den 80ern ja auch nicht. Malhefte immer im Gepäck? Vielleicht stelle ich so eine Tisch-Beschäftigung zusammen aus Malsachen und Spielen und muss einfach früher gehen, wenn es für meine Kinder zu doof wird. Nicht alles geht mit Kindern und ich glaube, ich bin für die Youtube-Methode zu konservativ. Obwohl ich kein Gegner vom Kinderkanal bin – metaphorisch gesprochen.

Darf man also Kinder mit Technik stumm schalten? Im groben gesprochen: nein, natürlich nicht. Aber, aber, aber…jeder kennt die Situationen, die man schnell und pragmatisch löst, ohne Butterblumen-Erziehung. Wo man nur froh ist, dass irgendwas klappt, weit entfernt davon, dass man mit der Methode jetzt den *Eltern-des-Jahres-Button* kriegt. Nehmen wir jetzt nur mal den Ausschnitt mit den Abendessen in einem Hotel. Darf man als Eltern die Iphones zücken für ein bisschen Suppe ohne Suppenkasper? Kommt es auf das Kind drauf an? Auf Alter und Temperament? Ist es in Ordnung, wenn man davor den ganzen Tag zusammen Butterblumen-Erziehung am Spielplatz an der frischen Luft gemacht hat? Kommt es dabei auf die Menge an? Ist *am iphone spielen* irgendwie besser als *am Iphone youtube gucken*? Ist ein Malheft über Feuerwehrmann Sam oder Shaun, das Schaf nicht letztendlich auch Medienkonsum?

Der Mutter mit den youtube-Zwillingen ist die Situation auf jeden Fall peinlich. Sie zuckt entschuldigend mit den Schultern in meine Richtung. Na ja, wir sind alle nicht perfekt. Sie schaut bisschen neidisch auf meine Kinder, die tatsächlich erstaunlich lange am Tisch aushalten. Das machen meine nicht so mit, sagt sie. Ich zucke daraufhin auch mit den Schultern. Ich bin inzwischen klug genug, nicht zu denken, dass sie irgendetwas *falsch* und ich irgendetwas *richtig* gemacht habe. Ich weiß, dass meine Kinder einfach verfressen sind und Gängemenüs meistens geil finden. Ständig kommt jemand mit Essen, toll. Jedes Kind ist anders und ich hatte einfach Glück, dass das so ist. Wenn sie regelmäßig Restaurants auseinander nehmen würden, was würde ich tun? Mein Iphone zücken oder nur noch zu Hause essen?  Ich bin nicht ohne Erziehungssünden, ich weiß das.

Wie sind eure Erfahrungen?

Schon mal youtube-Kinder in der Öffentlichkeit gesehen? Wie reagierte die Umwelt? Gab es *Guck-mal-die-assozialen-Eltern-da*-Blicke? Lieber Lego-sachen verschenken am Tisch? Unangenehme öffentliche Auftritte der Kinder einfach aushalten und bei einer bestimmten Grenze gehen? Ist das Erziehung, dass man immer erziehen muss? Kann es Pausen geben mit unpädagogischem Zeug? Fragen über Fragen, wie immer….

Bildquelle: pixabay

Die Glücklichen von Kristine Bilkau

die GlücklichenDas Ende der Behaglichkeit.…titelt die Zeit zu diesem Debütromen … er legt die Risse einer jungen Generation frei, die an der modernen Arbeitswelt scheitert.

Ich finde im Netz einiges zu diesem 2015 erschienenen scheinbar brandaktuellem Stück urbanem Lebensentwurf, dem ohne Geld die Puste ausgeht.

Ungewöhnlich lange habe ich für diesen Roman gebraucht. Bin immer wieder hängengeblieben an der Schwermut. Zuerst dachte ich, ich kenne diese Leute nicht. Dann ist mir aufgefallen, dass ich sie doch kenne. Schließlich musste ich mich fragen, ob ich einer von ihnen bin, von den Glücklichen. Den Urbanen. Denen mit dem schönen Schein.

Im Großen und Ganzen beschäftigt sich dieser Roman nur mit den zwei Menschen – der Cellistin und dem Redakteur. Drum herum gibt es kaum Kontakte. Seltsam, denn gerade mit Kleinkind wird ein Viertel schnell zum Dorf – man schafft es ja kaum über die Grenzen hinaus – und darin gibt es eine Menge Menschen – Mütter, Postboten, Nachbarn, Kassierer, Kellner. Alle diese verwobenen Kontakte finden in diesem Buch nicht statt. Isabella und Georg bleiben einsam mit ihrer Bio-Marmelade und dem Brot aus der Manufaktur zurück.

Doch die Arbeitslosigkeit macht sich zwischen den beiden breit und während sie den Kopf in den Sand steckt und die drohende Rechnerei ignoriert, versucht er, pragmatisch an die Sache heranzugehen. Ein Zitat aus dem Buch:

„Übrigens, die billige Marmelade, die du neuerdings kauft, besteht zu achtzig Prozent aus Zucker.“
Er lehnt sich zurück, die Hände gleiten vom Lenkrad, der Motor läuft.
„Wir können uns die Marmelade sogar sparen und Matti den Zucker einfach direkt aufs Brot schütten. Was meinst du? Das wäre noch billiger.“

Nein, ich mochte die beiden nicht. Ich mochte ihre Haltung nicht. Ich mochte nicht, dass sie sich keinen Moment überlegt haben, ob sie nicht doch einen anderen Job machen. Ich mochte nicht, dass ihre Antwort zueinander nur vorwurfsvolles Schweigen ist. Und die Option, aus dem teuren Viertel der Stadt aufs Land zu ziehen, wurde von Bildern begleitet, die mir eher das Gefühl gaben, sie planen mit dem Auszug ihren Selbstmord.

Dabei wirken die beiden unmodern auf mich. Er ist Redakteur – bei der Zeitung hat er sein Praktikum gemacht und war dann 20 Jahre dabei. Moderne Arbeitswelt? Schien mir eher wie eine Karriere aus der guten alten Zeit. Aus meinem Umfeld habe ich kaum Journalisten getroffen, die sich nicht mit Zeitverträgen und der Selbstständigkeit über Wasser gehalten haben.

Die Cellistin ohne die große Karriere – wo ist der Unterricht? Musiker ohne ihren Background an zahlenden Schülern habe ich auch noch nicht gesehen. Sie sitzt stumm in ihrem Zimmer und hört Jacqueline du Pré (what a Klischee), kauft sich teuere Kleidung und presst ihre Lippen zu einem dünnen Strich.

Wer soll das sein? Ist das tatsächlich die intellektuelle Quintessenz meiner Generation? Treffe ich Isabella auf dem Spielplatz meines Viertels? Kenne ich sie?

Ich glaube, ich kenne sie. Teile davon. Aber als Ganzes zusammengesetzt wirkt sie auf mich wie eine Erfindung. Der ganze Roman wirkt auf mich wie eine Erfindung. Das Kind immer zwischen den beiden wie die Werbephotographie auf Windelkartons. Ein Porzellanjunge. Seitenlang wird er nicht beachtet. Sie räumt eine Wohnung auf und zwischen ihren Füßen blubbert das Kind? Im Ernst? Ein paar Mal nach seitenlanger Inneneinsicht über intellektuell verstörte Lebensgedanken habe ich mich immer gefragt: Wo ist das Kind? Ach ja, in der Kita. Wo sind die Gespräche mit den Erziehern? Wo sind die Fragen, was es schon kann? Wo ist die Kinderkrankheiten? Wo sind die Nächte?

Ein poetisches Dasein, dass die beiden pflegen. Ein schweigsames. Das Paar lebt ohne innere Wurzeln und klammert sich an verschwommene Familienbilder, die sie selbst kaum aus ihrer eigenen Vergangenheit kennen. Dabei entwirft die Autorin schöne melodische Bilder, die sich gut lesen lassen, aber die für mich zu flirrend und zu tief sind, um wirklich eine Realität abzubilden.

Bildquelle: pixabay

Krippenkinder haben es besser

Jede Mutter kennt den Satz der fremden alten Frau auf der Straße, die ungefragt in die Backen des Kindes zwickt und bedauerlich/vorwurfsvoll/mitleidig seufzt: So früh schon in der Krippe? Auf twitter begegnen mir manchmal Kommentare dazu, aber auch auf Facebook habe ich auch unter jüngeren Mütter schon die Diskussion über Krippenkinder verfolgen können.

Krippenkinder werden ganz schnell mit den berufstätigen Müttern in Verbindung gebracht. Der Mami ist der Job halt wichtiger als das Wohl des Kindes. Dabei wird automatisch davon ausgegangen, dass es den Kindern daheim besser gehen würde als in Betreuung. Diese Annahme ist so fest im gesellschaftlichen Bild verwurzelt, dass ich – als ich jung und dumm und kinderlos war – dieses Bild gar nicht hinterfragt habe.

Mein erste Begegnung mit einer Kinderkrippe war in meinem Sozialem Jahr. (Ein Freiwilliges Soziales Jahr in eine einjährige freiwillige soziale Arbeit, die man unter der Schirmherrschaft eines dafür zugelassenen Trägers in verschiedenen Einrichtungen leisten kann, es ist für Jungendliche bis 27 Jahre). Ich war dort 6 Monate als Hilfskraft einer Gruppe zugeteilt, danach war ich 6 Monate in einem Kindergarten. Ich habe für mein Leben gelernt.

Die Kinder waren in meinen Augen sehr klein und ich hatte noch nie etwas mit Wickelkindern zu tun. Ich war der Meinung, dass das alles arme kleine Wohlstandsbabys waren, deren Mütter in ihren Anwaltsjobs was Großes reißen wollten und ihre Kinder für das Familienphoto zu Weihnachten brauchten.

Oh shit ….lag ich falsch.

Diese Kinder waren in einer großen Gruppe, sie waren ihren engen Wohnungen entflohen und rasten um die Ecken. Sie lernten von den „älteren“ Kindern und waren frei von den hyperemotionalisierten Müttern. Ich erkannte: Diesen Kindern geht es besser hier als den Einzelkindern daheim. Kinder brauchen Kinder. Früher (das sagenumwobene stets bessere früher) ließ man die Kinder auch in ihren Gruppen alleine, genau das machen diese Frauen jetzt auch. Krippenkinder sind für mich Menschen, die es gelernt haben, aufzustehen und die ersten eigenen Schritte machen. So um die 1 Jahr herum.

Als meine Kinder geboren wurden, war mir klar, dass ich ihnen das auch ermöglichen wollte. Ich wollte auch, dass sie früh Teil einer Gruppe sind und am liebsten wäre es mir, wenn wir auf einem Bauernhof leben würden und alle Kinder zusammenkommen und ich abends eine Glocke läute und meine Kinder nach Hause stapfen. 

Aber ich lebe in einer Stadt und wenn ich hier eine Glocke läuten würde, dann kriege ich echt Ärger mit den Nachbarn.

Also, ab in die Krippe.

Meine Kinder wurden ein Jahr alt und ich tat mir schwer, sie abzugeben. Ich tat mir schwer, weil es der erste kleine Abschied ist, der letztendlich dazu führt, dass sie erwachsen werden. Ich entschied mich dafür, sie nur zwei Tage in der Woche in eine Einrichtung zu geben.

Ich kenne also beide Seiten, die Seite der home-alone Mutter – die Seite der Krippenmama.

Als meine Kinder zwei wurden, war ich sowas von heilfroh um die Krippe. Meine Kinder haben Beziehungen ohne mich, sie setzen sich durch ohne mich, sie streiten ohne mich, sie feiern ohne mich. Ihr Bild hängt an der Wand und eine Tasse trägt ihren Namen. Nicht für mich ist das wichtig, sondern für sie. Sie kommen aus der Alleinherrschaft der Mutter oder des Vaters, die sagen, was richtig und was falsch ist. Sie brauchen die Erzieher, die ihnen ohne emotionale Hyperbindung ihre Grenzen aufweisen. Sie brauchen die anderen Kinder, von denen sie andere Sachen lernen. Sie brauchen den erweiterten Horizont.

Wenn es nach mir ginge, würden wir den ganzen Tag am Spielplatz hocken, ihr wisst das. Aber es wäre egoistisch von mir, ihnen diese Welt vorzuenthalten.

Ich finde es schade, dass die Krippe von 9 bis 17 Uhr geht. Ich fände es total cool, wenn sie dort auch mal übernachten könnten. Ein Abenteuer mit Snack und Geschichten. Nicht jeden Abend, nicht jede Woche, aber die Krippe ist in unserer Gesellschaft eng mit der arbeitenden Mutter verbunden und die hat Bürozeit.

Ich wünschte, dieses Bild würde aufbrechen und es würde wieder mehr in der Diskussion um die Kinder gehen. In meiner utopischen Welt sind Krippen die Gesellschaft der Kleinkinder. Ohne die Übermacht der *Großen* im Kindergarten. Ohne die *Mama*, die sofort angerast kommt, wenn man was braucht. Es sind Orte für die Eroberung der ersten Selbstständigkeit, die Entdeckung neuer Spiele. Es ist die erste Identifikation außerhalb der Familie, der erste Platz in der Gesellschaft.

Alle halbe Jahr muss ich in der Krippe antanzen und es werden mit mir die Entwicklungen der Kinder besprochen. Manchmal rege ich mich auf, aber meistens habe ich einen dicken Zettel mit Spielen, die sie jetzt kennen. Mit Eroberungen, die sie gemacht haben. Mit Liedern, die sie singen. Dieser Zettel ist meine Inspiration.

Ich bemerke, dass die Mütter um mich herum, deren Kinder nicht in die Krippe gehen, versuchen, diese Situation irgendwann nachzustellen: Oma-nachmittage, Play-Dates, Spielgruppen. Obwohl die Krippenmamis als die Rabenmütter gelten, versuchen die Heiligenmamis die Krippensituation nachzustellen? wtf?

Aber so ist es und das liegt daran, dass das Vorurteil einer Krippe gegenüber nur eine leere Hülle ist.

Wenn einer meiner Söhne krank ist, dann geht der andere trotzdem in die Krippe. Ich lasse sie nicht daheim, weil ich daheim bin. Ich bin froh, dass er sich ohne seinen Zwillingsbruder in einer Gruppe behaupten kann. Ich bin froh, dass er glücklich ist. Der andere hockt dann traurig auf meiner Couch. Ich habe kurz das Gefühl für ein Einzelkind und kann mir nicht vorstellen, dass es da draußen ernsthaft Menschen gibt, die glauben, dass es für Kinder geil ist, wenn sie den ganzen Tag alleine spielen oder mit einer Erwachsenen. Jeden Tag, immer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwer das für sein Kind will. Wir essen zusammen, alleine. Wir gucken ein Buch an, alleine. Wir gehen raus, alleine. Die Einsamkeit der Großstadt wird deutlich.

Ab September gehen sie 5 Tage die Woche in den Kindergarten und mir graut schon. Nicht für sie, für mich. Werde mir dann wohl einen Job suchen, der mich nicht vereinsamen läßt und mich beschäftigt bis sie wieder nach Hause kommen.

Eine Mutter ist kein weiter Horizont, nur die Welt ist es.

Hier also meine ultimativen Thesen zur Krippe:

1. Fangen Kinder an zu laufen, sind es keine Babys mehr und sie brauchen andere Kinder. Und Mami sollte sich umdrehen.

2. Krippen sind für Kinder da und nicht für Eltern. Fuck the Bürozeiten. Orientiert euch an der Abenteuerlust der Kinder.

3. In der Krippe können Kinder an der Gesellschaft teilnehmen. Sie lernen es im Kleinen.

4. Mami ist nicht die erste Wahl beim Spielen. (Sorry, is so)

5. Ein distanzierter pädagogischer Blick auf die eigenen Kinder hat noch niemandem geschadet.

6. Wenn Kinder in die Krippe gehen, können in der Zeit beide Eltern arbeiten gehen. Nicht umgekehrt sollte das Bild in der Gesellschaft sein.

7. ICH würde meine Kinder in die Krippe geben, auch wenn ich keinen Job hätte, wenn das denn ging…

8. Der einzige Nachteil: Meine Söhne fangen früh an, Freundinnen zu haben.

9. Kinder essen alles in einer Gruppe mit anderen Kindern. Sie schlafen und räumen auf. Erholsam auch für Kinder, wenn der pädagogische Kampf nicht immer gleich mit Liebe zu tun hat.

10. All zu viel ist ungesund: all zu viel Krippe, aber auch all zu viel Home-alone. Eine perfekte Mischung für sein Exemplar zu finden, ist die Aufgabe. Dies kann eben nur eine Mischung sein. Ich habe Kinder gesehen, die am BESTEN 5 Tage die Woche in die Krippe gehen. Ich kenne Kinder, die am besten mit 1,5 Jahren gegangen wären. Ich kenne Kinder, die mit 2 Jahren abdampfen sollten mit den anderen Kindern. Ich kenne Kinder, die ihren ersten Geburtstag mit den anderen feiern sollten.

Krippen sind teuer, starr und Mami muss auch Geld verdienen. Das ist aber gesellschaftlich gesehen nur sekundär. Ich will, dass die Krippe für sich steht und die Gesellschaft einsieht, dass Kinder andere Kinder brauchen. Ich habe keinen Bock mehr, zu hören, dass Krippen die egoistische Wahl von Karrierebitches sei. Die meisten modernen Mütter in meinem Umfeld sind overprotectiv und die Käseglocke der Babyzeit bis 3 Jahre ist viel weniger „wie früher“ als die Clique in der Krippe, die um den großen Tisch herum eine Geschichte hört.

Wenn also noch mal eine alte Frau eurer Kind in die Backen kneift und bedauernd sagt: So früh schon in der Krippe? Dann sagt: Gott sei Dank, sonst wär der arme Tropf ja den ganzen Tag alleine. 

 

 

Bildquelle: pixabay

Yoko Tsuno und meine Kinder

Yoko Tsuno_SamstagskaffeeMeine Kinder haben meine Sammlung mit Comics entdeckt. Mehr noch, meine Sammlung Yoko Tsuno Comics. Schwere Kost für knapp Dreijährige. Zuerst dachte ich nur, sie suchen in den vielen Bildern alle Drachen heraus und geben sich damit zufrieden. Jetzt wandern sie abends mit dem riesigen Comicband von ihrem Bett wieder heraus und wollen genauer wissen, was da abgebildet ist und wie die Geschichte geht und was das da ist und wo das Mädchen hier hingeht und und und.

Ich war wohl zu voreilig und habe ihren Horizont unterschätzt.

Yoko Tsuno ist eine Comic-Heldin von 1970. Sie ist Japanerin und Elektrotechnikerin. Begleitet wird sie von zwei treuen Freunden: dem Tollpatsch Knut und dem smarten Vic. Sie gerät in fantastische Abenteuer, in futuristische und in mystische. Sie kann Aikido und kämpft natürlich auch mal gegen einen Drachen. Der Künstler ist Roger Leloup, der vor der japanischen Heldin Tim und Stuppi zeichnete.

Ich blättere durch meine Comics.

Nicht das Schlechteste – aus pädagogischer Sicht. Klar, es ist nicht für Kinder gedacht, aber es kommen keine Zombies vor, keine Nazis, keine nackten Brüste, keine erigierten Penisse und keine Toten oder abgetrennte Körperteile. (Ähh, anscheinend habe ich seltsame Auswahlkriterien für Kinderliteratur, kommt mir im großen Stil aber vernünftig vor, irgendwie) Technik ist hier Mädchensache, aber alle Figuren sind natürlich schön und schlank. Na ja, man kann nicht alles haben. Ich begnüge mich also mit dem positiven Effekt einer Technikerin

Jetzt muss ich aber auch eine Menge Elektronik erklären (ohne Smartphone oder Tablet, mit Funk und mit großen Computern…) und stelle mein Wasserglas (bin ja inzwischen in Woche 9 von 10wbc, ich habe weitergemacht nach meinem Tief, Resümee kommt nach Woche 10) zu den Samstagsleuten.

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