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Die Alpträume der Neuen Digitalen Welt

Ganz ehrlich gesagt: Ich hasse manchmal das Internet. Kaum öffne ich lustlos Facebook und co., springen mich Videos von Kleinkindern an, die ins Affengehege fallen. Ich finde jeden Tag neue Alpträume. Das Netz ist machmal der Alp, der sich abends auf meinem Brustkorb setzt und mich schwerer atmen lässt. Einmal bin ich versehentlich auf die Seite einer Ärztin geraten, die zeigte, wie man einen Eiterpfropfen aus einem Kopf rausschneiden kann. Das Bild bleibt, Leute, das Bild bleibt.

Dabei bin ich sehr viel im Netz unterwegs. Ich lese Zeitungsartikel, Blogartikel, twitter-Halbsätze und Statusmeldungen von Bekannten. Ich sollte es besser wissen und meine eigene Nachrichtenblase besser beeinflussen können.

Das ist ja die neue Theorie des unendlichen Informationsflusses. Dass jeder selektiert und die dahinter liegenden Werbemechanismen nun automatisch die zuvor selektierten Informationswünsche weiter ausbauen. Auch was meine Freunde gut finden, wird mir angezeigt. Homogene Gedankenwelten. Keine Störfaktoren vorhanden. Die ständige Bestätigung der eigenen Meinung. So, als gäbe es keine anderen.

Doch die anderen tauchen doch auf. In Hasskommentaren und superschlauen Einwürfen unter Zeitungsartikeln. Wer muss diese Wortflut eigentlich in den Redaktionen verwalten? Kriegt derjenige oder diejenige mit ihrem morgendlichen Kaffee auch noch ein Stamperl Schnaps hingestellt?

Manchmal klicke ich mich durch die Profile der Kommentatoren. Einige zeigen Klischeebilder aus einem Mix von Hunden, Campingplätzen und Pfannkuchenselfies, andere bedienen sich eher dem Ghetto-Glam und posieren als Rapper, wieder andere sind offensichtlicher Fake und bemühen sich gar nicht, ihr Dasein als Troll zu verschleiern. Ich sehe nach, wer ihren Fotos ein Like  gibt und klicke mich weiter. Manchmal versuche ich mir vorzustellen, in welcher Nachrichtenblase sie herumsitzen. Wie werden zukünftige Forscher, die sich mit diesem Jahrhundert auseinandersetzen, diese einzelnen Blasen nennen? Wird es Muster geben? Wird es Namen geben? Was sind das für Menschen, die in den anderen Blasen sitzen?

Das Schöne an der Geschichte an sich ist ja, dass es nie so weiter geht. Es ändert sich immer alles und nichts. Oder anders: Alles findet nur andere Formen. Und wie immer, können sich die Lebenden nie vorstellen, was sich denn ändern wird.

Ich kann mich an meinen Uniabschluss erinnern, der ist grad mal 10 Jahre her. Da war es noch voll verpönt, einen Laptop mit an die Uni zu nehmen. Da schrieb mal auf Collegeblöcken. Laptops hatten nur irgendwelche Angeber-BWLer. Das gemeine Volk schrieb noch per Hand. Beim Abschlussgespräch über Zukunftchancen und Berufsvorstellungen hatte der Typ gesagt, dass wir uns in einer Revolution befänden. Einer digitalen Revolution, die ähnlich wie die Industrielle unser Leben beeinflussen wird. Damals habe ich höchstens 3 Stunden in der Woche im Netz verbracht und habe nur milde gelächelt. Was soll denn das Internet sein außer, dass man da ein Buch bestellen kann oder schneller zu nem Lexikonartikel kommt. Und zudem noch ärgerlicherweise die Telefonleitung blockiert.

Heute kriege ich minutenweise die Alpträume dieser Welt geliefert. Ein japanisches Paar setzt einen Jungen zur Strafe in einen Wald ab und fährt davon. Genau 500 Meter weit. Wie lange dauerte diese Bestrafung? 10 Minuten?  Als sie zurückkommen, ist er verschwunden. Der Sturm der Empörung bricht digital los. Bin ich die einzige, die weint, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich das nicht auch gemacht hätte? Kann sich jemand an die Szene aus Desperate Housewives erinnern, in der Lynette auch ihre vorlauten Zwillinge aus dem Auto geworfen hat und davon gefahren ist? Damals war es eine Komödie. Eltern machen solche Sachen. Total dumme Sachen. Gut, vielleicht würde ich sie nicht unbedingt wo zurücklassen, weil *verlassen werden* nicht zu meinen bevorzugten Erziehungsmethoden gehört, aber ich bin nicht frei von idiotischen Ideen. Vielleicht wäre das auch in meinem zukünftigen Fall eine hervorragende Idee und würde total fruchten, aber ich werde das jetzt nie machen. Der japanische Junge wird als Angstbild zurückbleiben.

Jetzt wird gegen die Eltern des getöteten Gorillas ermittelt. Warum ihr kleiner Junge überhaupt in das Affengehege klettern konnte. Und ich sehe Bilder von trauernden Menschen, die den Gorilla beweinen. Auch hier stelle ich mir vor, dass ich mich kurz weggedreht hätte. Ich hätte sie nicht eng umschlungen an der Hand gehalten. Jeder könnte diesen Fehler begehen.

Immer wieder tauchen also die digitalen Angstbilder auf und werden gefüttert. Was nicht alles immer geschehen kann. Wie soll man denn hier nicht zur Glucke mutieren? Wie soll man sich denn von den vielen Alpträumen befreien? So gesehen sitzen Eltern in der Falle. Wenn sie sich jeder Gefahr bewusst werden, so gelten sie als Helikopter und erziehen die nächste Generation Weicheier. Wenn sie die Kinder loslassen, dann muss man das fast schon aktiv machen – trotz der Bilder, die einem täglich begegnen.

So, manchmal hasse ich das Internet, weil es mir Alpträume zuflüstert, die mich nicht weiser machen, sondern nur ängstlicher. Vielleicht bin ich auch einfach zu sensibel für die Neue Welt. Vielleicht brauchen wir mehr Abstumpfung. Vielleicht werde ich als alte Frau dasitzen und meinen Enkeln von irgendwelchen Geisterbildern erzählen und meine Schwiegertochter wird augenrollend schweigen. Die Alten, wird es heißen. Die Alten und dieses ständige Identifizieren mit allem und jedem. Aber ich gehöre einer Generation an, die sich schwertut mit den Bildern der Alpträume. Die sich noch wiederfindet in den tausend Filmen und Fotos. Die an einem Strand sitzen und ihr Kind dabei zusehen, wie es dösend am Meer in der Sonne liegt und dabei unwillkürlich an das tote fremde Kind denken werden. Und jetzt sagt ihr nicht, ihr wisst nicht, welches Bild ich meine.

 

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Eltern packen ihre Ellenbogen aus: Tatort Kinderkarussell

Kinderkarusell_TumultWeihnachtsmärkte sind beliebte Ausflugsziele hierzulande. Fast überall gibt es einen. Letztes Jahr standen wir noch bei Honigwein am Tollwood in München herum, jetzt sind wir halt bei den Alpenhörnern. Die Kinder finden es großartig. Vor allem, weil auf dem Christkindlmarkt in Bad Tölz ein Karussell seine Runden dreht.

Alles ist so harmonisch. Stellt euch vor, die ersten Schneeflöckchen tanzen im Wind, man hält einen nicht gepanschten Glühwein in der Hand, alles ist schon erledigt, alles in schon getan. Extra Lebenszeit. Die Füße werden ein bisschen kalt, aber man freut sich auf die kuschelige Couch daheim, während man von pausbäckigen Kindern aus kleinen Feuerwehrautos ein *Huhuuuuu, Mama, hier bin ich.* zugerufen bekommt.

Goldig, alles.

Ich glaube, für die Kinder ist es auch so.

Die Eltern stehen aber in Trauben vor dem Karussell und wenn die Glocke ertönt und das Karussell stoppt, bricht der Tumult los.

Eine Frau packt ihr Kind (im roten Wollmantel sieht er aus wie ein Weihnachtself) und schiebt ihn in das Feuerwehrauto. Ich lasse einen amüsierten Kommentar fallen. Sie fährt mich an, dass IHR Kind schon seit 3 Runden auf das Feuerwehrauto warte. Ich erschrecke ein wenig. Das ist nicht lustig hier, das ist total ernst. Die Frau trägt einen hippen Turban aus gebatikten Tüchern. Es lehnt ein Kinderfahrrad aus Holz an ihrem Kinderwagen. Sie bringt ihrem Sohn sicherlich die westlichen Werte aus Toleranz, Biokaffee und Holzspielzeug bei, aber beim Kinderkarussell hört der Spaß auf. Kein Zucker in den ersten 3 Lebensjahren,aber das Feuerwehrauto wird mit Ellenbogen durchgesetzt.

Ich sehe mich um. Viele Eltern reagieren so, schieben ihre Kinder auf eines der sechs Fahrgeräte. Viele, nicht alle. Aber viele sehen zu, dass ihr Kind nicht zu kurz kommt. Vor allem die Eltern der Jüngeren. Die Älteren können sich schon ohne Mama durchsetzen. Aber es ist wie die Reise nach Jerusalem – es sind einfach nicht genug da. Oder etwa doch? Es gibt nur ein Feuerwehrauto, ein Auto in Regenbogenfarben, ein Kreisel. Mein erster Impuls ist es, auch meinen Kinder den gewünschten Platz zu sichern. Ihnen ihre Wünsche zu erfüllen. Gerecht geht es nämlich nicht zu. Der erste mahlt zuerst. Wer wartet, verliert. Auf dem Kinderkarussell regiert das Recht des Stärkeren.

Aber das Feuerwehrauto hat vier Plätze. Zwei vorne, zwei weiter hinten. ich erkenne, dass wir Erwachsenen die hinteren als schlechtere Wahl empfinden. Die Kinder müssen vorne sitzen. Immer in der ersten Reihe.

Mein erster Impuls lässt nach und ich setze keinen Platz für meine Kinder durch. Ich gebe ihnen ihre Karten und lasse sie ziehen. Klar, der eine sitzt jetzt nicht ganz vorne. Aber – während ich im leichten Nieselregen stehe (von Schneeflocken keine Spur) – sehe ich auch, wie scheißegal ihnen das ist. Ihnen geht es ums Karussellfahren. Nicht, um irgendwelche Plätze. Sie verhandeln mit mir schon während der Fahrt, weil sie mir – immer wenn sie an mir vorbeifahren – zurufen: Noch eine? Noch eine?

Gut, noch eine. Ich lasse den Tumult der anderen am Ende der ersten Fahrt an mir vorbeiziehen. Die Mutter mit Holzfahrrad (ich muss zugeben, wir haben dasselbe, wir spielen eigentlich in der gleichen Bio-Liga, oder?) rät ihrem Weihnachtselfen, einfach sitzen zu bleiben. Ein anderer Vater versucht, sein schreiendes Kind auf ein Holzpferd zu hieven. Offensichtlich mag die Kleine keine Karusselle. Sie schreit und er nimmt sie schließlich runter. Er redet mit seiner Frau. Ratlosigkeit. Sie haben bereits den Sparpreis mit 7 Fahrten und eine umsonst gekauft. Schenkelklopfer. So ein Karussell scheint ein Kleinkosmos von Elternwünschen zu sein. Welcher Platz der beste ist. Was denn alles den Kindern Spaß machen MUSS. Manche Kinder wollen einfach nicht auf Holzpferden im Kreis fahren. Das soll es auf dieser bunten Welt auch geben.

Ich habe keine Ahnung, ob es Kinder gibt, die nur glücklich werden, wenn sie im Regenbogenauto rechts vorne sitzen. Vielleicht gibt es auch stille Schüchterne, die nie zu einem Ritt auf dem Holzpferd kommen, wenn man sie nicht drauf sitzt und das ältere Kind böse anguckt dabei. Vielleicht sollte man aber auch gar nicht hinschauen und sie machen lassen. Vielleicht ist es auch eine Kettenreaktion. Fängt irgendjemand an, sein Kind vorzuschieben und durchzuboxen, haben alle anderen auch das Gefühl, dass jetzt mal für ihr Kind auch richten zu müssen.

Der Tumult ist nach einer knappen Minute auch wieder vorbei. Alle Eltern stehen wieder besinnlich um das Fahrgeschäft und winken ihren Kindern zu. Die Frau mit dem Holzfahrrad macht Handyphotos von ihrem Weihnachtselfen. Und lächelt stolz dabei. Bei der dritten und letzten Fahrt sitzen meine Kinder auf der Kuh. Ich finde die Kuh doof. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kuh besser sein soll als das Feuerwehrauto. Aber ich fahre ja nicht mit dem Karussell. Und meine Kinder turnen auf der Kuh rum und winken mir pausbäckig zu. Ihre Wahl, ihr Platz, ihre Fahrt.

Es weihnachtet sehr.

Frühstück mit Kinder: Saras weltbestes Müsli

Müsli selbstgemachtMeine Kinder sind Frühstückskinder. Um 6 Uhr 30 steht der eine senkrecht im Bett und singt Frühstück! Frühstück! Früüüühstück!

Der andere liegt da eher noch länger faul herum, aber gegen 7 Uhr wird gefrühstückt.

(An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich ein totaler Morgenmuffel bin und als Letztes aufstehe und die ganze Frühstückskiste ein Papa-Job bei uns ist. Der Papa hat mal versucht, mich mehr zu involvieren, indem er den Kindern sagte, sie sollen doch mal zu mir gehen für die Frühstücksgesänge, aber da kamen dann entsetzte Blicke und ein Flüstern..die Mama schläft doch noch…ok, ich bin ein Morgenmuffel und meine Kinder machen da wohl respektvoll einen Bogen um mich…Ich möchte ja nicht, dass dieser Blog den Eindruck von SuperMOM macht, deswegen diese Erwähnung der tatsächlichen Verhältnisse…ich komme schon zum Frühstückstisch und setze mich zum Kaffee. Nach 10 Minuten werde ich auch angesprochen…jeder hat seine dunklen Seiten)

Aber zurück zum Frühstück. Wenn ich dann komme, gibt es meistens Honigbrote.(Das finde ich noch gut.)  Oder auch mal Müsliriegel. (Jetzt geht es dann um komisches Erdbeermilchgedönse) Oder dieses Plastikschokomüslizeug. (Jetzt essen dann lustige Tiger/Bären/Sonstwas bei uns mit) Es wurde auf jeden Fall immer süßer. Wobei die Süße nicht mein Problem ist, eher die *Plastiksüße* (Versteht man da, was ich meine?) Das habe ich selbst in meiner Morgenmuffelstimmung bemerkt.

Müsli selbstgemacht Frühstück

Deswegen kam mir das selbstgemachte Müsli von Sara präsentiert von Early Birdy gerade recht. Ich habe mal versucht, Haferflocken als Frühstück zu etablieren, aber das scheiterte. Jetzt haben wir das Müsli selbst gemacht und damit stieg das Interesse an. Das Rezept findet ihr auf diesem tollen Blogbeitrag. Ich bin also grad eher ein Blog-Trittbrettfahrer, aber manchmal lese ich irgendwo irgendwas und setze es dann auch tatsächlich um und hinterlasse dem Blog noch nicht mal einen lausigen Kommentar. Blogs sollen ja auch still inspirieren, aber schöner ist es doch, wenn man es mitbekommt. (An dieser Stelle werde ich mir vornehmen, jetzt mal mehr Blog-Trittbrettfahrer zu sein und Sachen auch öfter kommentieren oder sie hier gar vorstellen)

Müsli selbstgemacht 2

Das Müsli war also eine erfolgreiche Frühstücksidee. Gut, der eine von meinen Kindern isst jetzt morgens am liebsten nur Rosinen, aber der andere findet das Müsli mit Joghurt und Apfelmus *echt lecker*. Und wenn einer es toll findet, dann zieht der andere meistens irgendwann mit. I hope so.

Danke an Early!

 

Mach mal das Ipad aus. Kindererziehung 2.0

Ipad und KinderBis vor kurzen sah ich in der Verwendung des Ipads als Kinderspielzeug kein Problem. Wer viel draußen ist, darf auch bisschen mit dem Ipad herumspielen. Es gibt auch wirklich schöne Kinderspiele. Und ein youtube-Video von Dinosauriern zu zeigen – so what.

Dann kam aber relativ schnell der Sog. Meine Kinder sind 3 Jahre alt. Ich beobachtete eine beängstigende Fixierung auf das Gerät. Ich habe angefangen, einen Wecker zu stellen und nach der vorgegebenen Zeit sollten sie mir das Ding wieder bringen und dann ist die Ipad-Zeit halt vorbei. Das hat auch gut geklappt. Es ging viel besser, weil sie das Gefühl hatten, nicht ich komme (übermächtige Mutter) rein und beende ihr Zocken, sondern der Wecker klingelt und sie beenden es selber. Manchmal habe ich so getan, als ob ich den Wecker nicht gehört habe und mir die Diskussion angehört. Das Ergebnis war aber immer, dass sie das Ding ausgemacht haben. Manchmal aber mit Schluchzen.

Kinder sind halt Abziehbilder ihrer Eltern. Der Papa spielt auch gerne Computerspiele und ich hänge auch gerne an meinem Laptop herum.

Trotzdem. Als sie angefangen haben, zu fragen, wann denn wieder Ipad-Zeit ist, war mir das alles zu viel. Es war uns zu viel. Kinder mit 3 Jahren brauchen doch wohl nicht vor dem Ipad rumhängen. Auch nicht kurz vor dem Schlafen, auch nicht Sandmännchen. Ein Bilderbuch tut es doch da auch. Wir haben also als Eltern beschlossen, dass Ipad irgendwie wieder abzuschaffen.

Leichter gesagt, als getan. Unser Horrorszenario von sich auf den Boden werfenden Wutbündeln blieb aber aus. Wir haben ihnen gesagt, dass Ipad brauche der Papa in der Arbeit und er hat es morgens mitgenommen. Das Ganze wurde über das Wochenende immer wieder erwähnt. Dann kam der Montag und das Ipad war weg.

Ich wartete gespannt auf die Reaktion und versuchte mich auf Ruhe zu schalten.

Und es passierte….nichts.

Sie spielten nach dem Kindergarten mit ihrer Eisenbahn, wollten raus zum Fahrradfahren und kein Ton über Computerspiele.

Aber damit viel auch ein Stück meiner Zeit weg, dann mit dem Ipad kannst du ja Kinder stumm schalten und deinen eigenen Kram machen. Und mir dämmerte es: Ich bin diejenige, die das Ipad benutzt hat: Um zu kochen, um aufzuräumen, um auf der Couch zu sitzen.

Ohne Ipad musst du halt manchmal mitspielen bei der Eisenbahn.

Nach geschlagenen 3 Tagen fiel es einem der beiden wieder ein: Ipad?  Das hat doch der Papa in der Arbeit. Ach, stimmt.

Fertig war die medienkonsumfreie Woche.

Am Wochenende ist es wieder erlaubt (Papa ist ja auch nicht im Büro), aber sie wollen da dann viel lieber Sendungen ansehen. Wir sitzen also alle vor dem Fernseher, essen zu Abend und machen Kino. Für uns eine ideale Lösung.

Und wie immer habe ich meine Kinder unterschätzt. Es ist sehr wohl möglich, ungewünschte Tendenzen zu unterbinden und bei bestimmten Sachen wieder zurückzurudern. (Keine Ahnung, ob und wie man das mit älteren Kindern dann macht, ich werde es noch herausfinden…) Man braucht nur Eltern, die sich hundertprozentig einig sind, Konsequenz und den Willen, selber wieder aktiv zu werden. Kippt man einmal um, weil es grad *praktisch* wäre, dann klappt das alles nicht. Ziehen nicht beide Eltern an einem Strang, klappt das nicht. (DAS gilt doch wohl auch bei älteren Kindern) 

Dieses Thema wird mich noch lang Zeit begleiten. In der heutigen Zeit ist der Umgang mit elektronischen Medienkonsum einfach ein Thema. Und wie immer hilft es nicht, sich zu versteifen, sondern man muss sich irgendwie anpassen und selber als Vorbild vorangehen. (Kinder sollen beim Essen nicht auf ihre Handy gucken? ja, aber dann bitte die Eltern auch nicht…) Das ist anstrengend. Kinder zu erziehen ist anstrengend. Es hat einfach sehr viel damit zu tun, dass man sich selbst einschränkt. Man muss sich ein bisschen selber erziehen. Aber dabei authentisch bleiben. Sich selbst begeistern. Pffff, mach das mal an einem Migränemontag…

I´ll do my very best.

 

 

Bildquelle: Pixabay

Über Kindergärten, Landfrauen und Nabelschnurkinder

Kindergarten EingewöhnungDer Kindergarten hat für uns begonnen. Das Leben besteht aus Kleinigkeiten. Eine Brotzeitdose, eine Matschhose, pünktlicher Morgenkreis.

Ich vermisse die Kinderkrippe. Ein kleines Team, 12 Kinder, enger Kontakt, pädagogisches Feedback. Im Kindergarten scheint alles ganz anders. Erzieherinnen im Hintergrund, viele Kinder, unbeobachtete Ecken.

Ich sitze mit einer anderen Mutter am Kaffeetisch der Einrichtung. Unsere Kinder machen sich unterschiedlich *gut*. Es ist klar, was ein problemloses Kind ist. Ein problemloses Kind ist ein Kind, dass alleine aufs Klo geht, unabhängig ist und sich auf die Mama freut, aber sie nicht unbedingt braucht.

Zuerst wachsen Kinder in deinem Bauch, dann kommen sie auf die Welt und wachsen heran. Sie gehen immer ein Stückchen weiter von dir weg. Ein ständiger kleiner Abschied. Je mehr du dich verabschiedest, desto unabhängiger werden sie.

Ich mag die andere Mutter. Wir unterhalten uns. Sie sagt, man nehme sich als Mutter doch etwas weg, wenn man sein Kind in die Krippe gibt. Die alte Leier. Innerliches Augenrollen. Ich nenne die Frauen hier *Landfrauen* und diese strikte Haltung gegen Krippen ist mir hier schon öfters begegnet. Bei den *Landfrauen*. In der Stadt waren alle Kinder in der Krippe und ich mit meinem 2-Tages-Modell ein Exot. Erklärungsversuche. Behutsam.

Ist es euch schon auch öfters so gegangen, dass man sehr wohl starke Sätze als Krippenmama einstecken muss aber umgekehrt nicht so wirklich austeilt? Und wenn ein Kind besonders anhänglich ist und man quasi die Nabelschnur noch sehen kann, dass da dann eher lächelndes Schweigen angebracht ist? Man sagt ja auch nicht zu einer anderen Mutter Sätze wie: Aber mit fast 4 Jahren sollte sie nicht in Tränen ausbrechen, wenn du den Raum verlässt…da wäre eine Krippe schon besser gewesen. Dann wäre sie jetzt halt nicht so ein Nabelschnurkind…. Sätze wie: Man verpasst doch so viel, wenn es in der Krippe ist. werden halt schicklich nicht mit Sätzen wie Ja, wenn es nicht in der Krippe ist, dann verpasst man auch eine Menge. Wie ich sehe, vor allem den Punkt der Unabhängigkeit.

Aber zurück zu den Kinder. Ich habe noch gar nicht wirklich Fuß gefasst, da bin ich schon vor der Tür und fahre weg. Lasse meine Kinder in fremder Obhut. Ich zweifle. Ich kenne die Erzieher noch nicht. Mir gefällt nicht, dass sie die Kinder gar nicht ansprechen. Kein Hineingleiten in eine neue Situation, eher ein Schubsen. Aber die Kinder fühlen sich gar nicht wie geschubst, ich bin die Geschubste.

Ich hole sie wieder ab und einer hat in die Hose gemacht. Ich bin bisschen wütend und kritisiere scharf, dass mein Kind erst 3 Jahre alt ist und es nicht reicht, ihm mal zuzurufen, er könne doch aufs Klo gehen. Er muss schon bisschen begleitet werden. Am Abend läuft er selber aufs Klo. Ich gehe hinterher. Er schickt mich weg. Mama, das kann ich alleine. Ich zweifle diesmal an mir. Vielleicht bin ich eine Helikopter-Mom.

Am Ende der Woche gehen sie schon den ganzen Tag in den Kindergarten. Ich beobachte sie beim Abholen heimlich und sie scheinen mir glücklich. Vielleicht sind sie befreit, ohne emotionale Erzieherbindung wie in der Krippe. Vielleicht sehe ich sie nur einsam und alleine, aber sie sehen sich unabhängig und frei.

Der Kindergarten hat zwei Gruppen, die Zwillinge sind getrennt. Bei meinem ersten Besuch hatte ich ein langes Gespräch mit der Leitung darüber. Zuerst fand ich es verstörend, die Kinder zu trennen, aber jetzt erkenne ich das Potential. Jeder Mensch muss sich selbst finden und die Werkzeuge dazu sollten in der Kindheit geschmiedet werden. Wenn sie sich in Kindergruppen nie alleine behaupten müssen und immer nur ein Zwei sind, wie sollen sie es dann plötzlich später können.

Am Ende ist man als Eltern meistens alleine mit seinen Entscheidungen. Welche Wege man einschlägt, um seine Kinder zu erziehen und ihnen den Weg in ihr eigenes Leben zu weisen. Alle Kinder sind verschieden, so wie alle Wege.

Abschied von der Kinderkrippe

Krippe_1Vor zwei Jahren habe ich meine Zwillinge in eine Kinderkrippe gebracht. Heute war ihr letzter Tag dort. Die Praktikantin hat geweint. Zeit für einen Rückblick.

Blackbox Kinderkrippe.

Keine Ahnung, wie andere das empfinden, aber ich fand es nicht so schlimm, meine Kinder in fremde Hände zu geben. Ich hatte schnell Vertrauen in die Erzieher. Ich fands eher komisch, dass sie jetzt neue Dinge entdecken und ich bin nicht dabei. Bis jetzt habe ich immer anderen Erwachsenen von den Eigenschaften und Vorlieben meiner Kinder erzählt und plötzlich ist es anders herum. Das erste Mal hängen Geburtstagskalender mit ihren Namen an der Wand, sie haben Becher mit Namen und der Raum dort ist ihr Revier. Ich bin außen vor und andere Erwachsene erzählen mir von ihnen und kennen meine Kinder intensiver als ich diese Menschen kenne. Sie haben eigenständige Beziehungen dort – ohne mich als Vermittler oder Chief.

Selbstständigkeit – das große Ziel aller Eltern und es fängt an. Bis zu dem Punkt, dass sie mich irgendwann mal anrufen und sagen, dass sie es Weihnachten nicht schaffen, nach Hause zu kommen, aber gewiss mal über die Feiertage Mutti besuchen werden. Der erste leise Hauch davon weht hier jetzt vorbei.

Aber noch ist es ja nur ein Hauch (Gott sei Dank)

Das ist ein Teil des Textes, den ich vor zwei Jahren geschrieben habe. Als ich sie gebracht habe, waren es 14 Monate alte Babys. Sprachlos, mit Windel, ohne laufen zu können. Heute gehen sie als Kindergartenkinder aufrecht aus den Räumen wieder heraus, mit einen Haufen Wörter, ohne Windel oder Schnuller. Das Bild von der Wand des Geburtstagskalenders wurde wieder abgenommen und mir mit all Ihren Fotos und Werken als sogenanntes Portfolio mit nach Hause gegeben. Ein Ordner voller Eindrücke, pädagogisch sortiert.

Obwohl wir nur zwei Tage die Wochen in der Einrichtung verbracht haben, war es doch eine prägende Zeit. Doch sollte ich heute ein oder zwei Dinge nennen, die konkret prägend waren, welche waren das?

Die Sache mit dem Puzzle

Ich saß mit Leitungswasser und Knabberkeksen in einem meiner ersten Erziehungsgespräche. fand ich erst völlig übertrieben.  Die Leitung hatte ihr pädagogisches Programm vor Augen und sprach mit mir über Entwicklung und Sprachvermögen. Beziehungen zu anderen, Gefühle, Beobachtungen. Sie erwähnte die Spielsachen, mit denen meine Kinder gerne spielten. Als Entwicklungsschritt nannte sie, dass beide 5 teilige Puzzles legen können. Puzzle, was? dachte ich mir. Bei mir zu Hause gab es noch Babyspielsachen. Ich dachte, sie wären noch mit Greifbällen und Schlüsselbund zufrieden. Waren sie auch, aber sie waren auch schon weiter. Ich bin also Puzzles kaufen gegangen.

So ging es mir die ganzen 2 Jahre über bis kurz vor Schluss. Ich habe meine Kinder ständig unterschätzt. Die Kinderkrippe hat mich immer überrascht. Meine Söhne decken den Tisch und kämmen sich die Haare. Sie gehen aufs Klo und malen mit Acrylfarbe. Sie können sehr genau ihr Umgebung benennen. Letztens haben wir einen Vogel beobachtet und mein einer Sohn sagte: Guck, eine Kohlmeise. Ich bin fast vom Rand des Sandkastens gefallen. (Es war keine Kohlmeise, sondern eine Amsel, aber in meiner Erziehungs-Welt habe ich bis jetzt nur gesagt: Vogel)

Ich nenne das also den Puzzle-Moment. Ich hatte einige Puzzle-Momente in den letzten zwei Jahren. Dass meine Kinder heute ohne Windel nach Hause gehen, ist auch so ein Puzzle-Moment. (Wie, die gehen bei euch aufs Klo????)

Die Sache mit den Arschloch-Eltern

Keine Frage, es ist eine zumindest interessante Kiste, dass man auch gleichzeitig in einer Art Gemeinschaft hineinkommt. Eine Gemeinschaft von Eltern. Darunter gibt es nette und weniger nette Exemplare. Freundschaften entwickeln sich langsam, wenn überhaupt. Die Kinder der Eltern sind die Bezugspunkt meiner Kinder und ich habe es mit *nicht ernstzunehmenden* Bedauern bemerkt, dass sie sich unter Umständen auch prächtig mit den Kindern verstehen, deren Eltern für mich zu der Kategorie Arschloch-Eltern gehören.

Vor ein paar Jahren hatte ich eine Nachbarsfamilie, die mich nervte. Die Mutter war laut und unfreundlich. Ihre 8jährige Tochter hatte ich automatisch zu ihr dazugetan. Emotional. Einmal spielte die Tochter alleine im Hof. Ich rollte mit den Augen und verstand nicht, wieso eine andere Nachbarin so nett zu ihr war. Du darfst die Kinder nicht mit den Eltern verwechseln. sagte sie mir und ich habe die Ausmaße dieser Antwort noch nicht voll begriffen. Nicht intellektuell, intellektuell wußte ich das schon immer, aber so emotional. Emotional war mir das noch nicht klar. Ich schämte mich meiner Gedanken, aber so war es halt.

Jetzt bin ich einen kleinen Schritt in meinem internen Eltern-Kind-Arschlochstatus-Rassismus weiter. Ich versuche es wenigstens aktiv, die Kinder nicht mit den Eltern zu verwechseln. Die eigenständigen Beziehungen in der Krippe, von denen ich in meinem ersten Eindrücke vor zwei Jahren schon mal einen Hauch wahrgenommen habe, haben sich im Laufe der Zeit verfestigt und sie helfen mir, selbst kleine Kinder ernst zu nehmen und für sich stehen zu lassen – machen meine Kinder ja auch so. In gewisser Weise lerne ich von ihnen, in denen ich ihr Verhalten kopiere.

Das Für und Wider von Kinderkrippen ist in diesem Land eine Diskussion, die höchst emotional geführt wird. Der Kokon *Mutter und Kind* wird irgendwann aufgelöst, nur wann, dass ist die Frage. Dass wir es alle als ungesund empfinden, wenn Mutter und Kind nach 30 Jahren noch so aufeinander hocken wie im ersten Lebensjahr – ok, da sind wir uns einig. Aber wann dann? Da gibt es so viele Thesen und Entwürfe wie Kinder. Mein persönlicher Blick auf meine Runde *Mutterkinder* (im Gegensatz zu *Krippenkinder*) zeigt mir aber, dass es da meist noch eine Oma gibt, die im Zweifel im selben Haus wohnt. Ob da mehr *Kokon* noch da ist, als ich das persönlich für gut empfinde, kann und will ich gar nicht beurteilen, aber ich will damit nur sagen, dass ohne Krippe nicht Mutter und Kind automatisch zusammenkleben. Ich finde das Oma-Konzept toll (gibt es hier bei uns ja auch), aber die Krippenkinder haben es deswegen nicht schlechter. Sie profitieren von anderen Dingen. Ich bedanken mich für diese Zeit und würde mich immer wieder für eine Krippe entscheiden – nicht für mich, sondern für meine Kinder.

Weiterlesen: Krippenkinder haben es besser und Regretting motherhood

 

 

Kinder ohne Stress – 9 Ideen für das Kriegsgebiet Elternschaft

Kriegsgebiet ElternschaftIch bin eine Mutter, die keinen Stress haben will. Das ist doch mal ein hohes Ziel. Bin ich im Stress, wird die Situation nicht mehr gut. Verloren. Kinder sind da nie Schuld dran, mal vorausgeschickt. Nur meine miese Organisation. Getreu dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Dabei haben mir oft kleine Kniffe und Überlegungen geholfen, die ich beim Beobachten anderer Mütter oder beim abendlichen Analysieren irgendwelcher Katastrophensituationen für mich mitgenommen habe. Auffallend ist dabei, dass es eigentlich total dämliche Dinge gefehlt haben, aber die haben dann wirklich gefehlt. Ich bin nicht so die Ratgeber-Tante, aber vielleicht führt eine Idee zu einer Idee, die auch euch nützt. Meine Kinder sind jetzt dann 3 Jahre alt.

1. Buggy or not. 

Bollerwagen

Keine Ahnung, aber irgendwann lassen sich Kinder nicht so ohne Weiteres durch den Supermarkt schieben. Oder über einen Kirmes. Oder einen Markt. Sie wollen raus und alles erkunden. Ich verstehe das. Ich lasse das auch gerne zu, aber nicht immer. Irgendwo geht es halt auch nicht. Ich habe eine Menge Transportmittel für Kinder: einen Fahrradanhänger, einen Buggy, einen Rollkoffer, einen Kinder-wander-rucksack. Aber ich muss hier mal die Lanze für den Bollerwagen brechen. Bollerwagen sehe ich kaum in der Stadt, aber er ist sein Geld wert gewesen. Das erste Mal kam er im Campingurlaub zum Einsatz, da Sand am Strand kein Hindernis darstellt. Kinder fahren einfach gerne damit. Es hat nichts von Kinder-einschnall-Baby-Transporter, wahrscheinlich liegt es daran. Ich gehe damit auch einkaufen, ja. Bisschen schwerer zu fahren, aber Hey, solange alle sitzen bleiben, wenn sie´s sollen…Für Zwillinge gibt es keine Einkaufwagen mit Kleinkindsitz für zwei…

2. Wertsachen am Spielplatz

Wertsachen am Spielplatz

Okay, der ist einfach. Ehrlich. Ich spaziere wie die anderen Mütter auch am Rand des Sandkastens und unterhalte mich. Ich sitze manchmal auch im Sand drin. Ich spiele Fussball. Handy, Geldbeutel und Hausschlüssel sind da gerne mal in der Manteltasche, aber im Sommer? Einfach auf der Mom-Decke liegen lassen und auf das gute Herz hoffen? Früh habe ich mir angewöhnt, einen Gürtelbeutel oder Hüfttasche oder wie immer man die Dinger nennt..zu tragen. Ich habe die Hände frei und im Notfall kann ich so mein ganzen Kinderwagen-Besitz stehen lassen und irgendeinem Kind nachrennen. Das sieht nicht unbedingt geil aus, aber es ist praktisch. Inzwischen besitze ich auch ein von einer lieben Freundin Selbstgenähtes für die schicken Momente.

3. Zitronenwasser und Limonade

Zitronenwasser

Okay, ich bin kein Freund von Süßgetränken, Apfelschorle ist der höchste Genuss aus meinem Kühlschrank. Meistens gibt es Sprudelwasser, das mögen meine Kinder auch am liebsten. Manchmal quetsche ich eine Zitrone aus und schütte Sprudelwasser drauf. Das kann man auch ohne Zucker beruhigt Limonade nennen, vor allem gibt das so einen Zitronenschaum, wenn man zuerst die Zitrone ins Glas schüttet und dann das Sprudelwasser drauf. Limonade ist immer ein Hit.

4. Iss deinen Teller auf

Kleinkinder am Esstisch

Mein Mann mag nicht, wenn man Essen wegwirft. Mit Kinder kommt das leider öfter vor. Ich habe immer hübsche Teller zusammengestellt. Nach meinem Besuch in Wien habe ich von Julia einen sehr simplen Tipp bekommen: Sie essen das, was sie sich selber auf den Teller legen. Bäm, was für eine brilliant einfache Idee. Es funktioniert aber tatsächlich. Kinder essen ihren Teller leer. IHREN, nicht meine Vorstellung davon. Wenn jemand heute nur Bock auf 3 Nudeln ohne Soße hat, gut. Selbstbewußtsein hat auch was damit zu tun, dass man lernen muss, sich bewußt zu werden, wie viel man von was essen möchte. Ich persönlich arbeite jetzt an mir. Ich kann das nämlich gar nicht gut und stelle jetzt meinen Teller immer heimlich in die Küche….

5. Eis zum Frühstück

Eis zum Frühstück

Ab und an habe ich seltsame Ideen. ich stelle mir vor, dass ich es besser fände, wenn Kinder so was wie Pfirsiche und Buttermilch zum Frühstück essen würde statt Honigbrote oder Müsliriegel. Nichts gegen Honig und Müsli, aber wie gesagt, ich fand Pfirsiche und Buttermilch plötzlich ganz groß. Ab und an hole ich jetzt an heißen Tagen Buttermilch mit Pfirsichen heraus – meine Kinder nennen es Frühstückseis oder Milcheis. Keine Ahnung, ob Eis jetzt der pädagogische Food-Gipfel ist, aber ich finde es toll. Pfirsiche ganz mit Buttermilch pur in den Mixer geben und in so Fertigeisformen schütten. Gibt es überall – im Netz, bei IKEA, usw. Honig, Zucker und so weiter sind da von Haus aus schon drin und müssen nicht extra zugegeben werden.

6. Wasserschuhe

wasserschuhe

Meine Kinder besitzen nicht viele Schuhe. Aber sie haben so Wasserschuhe. Zuerst war ich nicht sehr begeistert davon, weil ich sie fürs Schwimmen bisschen klobig finde, aber es sind die idealen Spielplatzschuhe, vor allem bei Spielplätzen mit Wasserstellen und kleinen spitzen Steinen. Klar, Kinder sollten auch barfuß herumlaufen – im weichen Gras, im warmen Sand, aber nicht dort, wo auch Glassplitter und Zigarettenstummel herumliegen. Und diese Art von Schuhen halten auch noch die Füße warm. Das mag im Sommer absurd wirken, aber das meiste Wasser an Spielecken ist nicht soooo warm. Und mehr Trittsicherheit bieten sie auch.

7. Plastiktüten

Jetzt kommt etwas, was ich in keinem Foto festhalten konnte und wollte. Ich bemühe mich immer, mindestens zwei Plastiktüten auf Ausflügen oder Spielplatzbesuchen mitzunehmen. Eine für die nassen Sachen, die bei den sommerlichen Wasserspielen anfallen. Die andere für den würdigen Moment, nicht mit einer versch+++ Windel in der Hand zum Mülleimer spazieren zu müssen, sondern mit einer Plastiktüte, wo man all den Müll aus Taschentüchern und Steckerleispapier auch hineingeben kann. Simpel, aber keine schlechte simple Idee.

8. Naturjoghurt und Kinder

Naturjoghurt und Kinder

Hand aufs Herz, wer will nicht, dass die eigenen Kinder lieber Naturjoghurt essen würden als „Omas Apfelkuchen“ oder „Fantasia“ oder – worse – Schokoriegel-versionen von Joghurt. Manchmal gebe ich ihnen die volle Dröhnung Zuckerjoghurt, manchmal mische ich Naturjoghurt darunter, um es bisschen abzumildern, manchmal peppe ich den Naturjoghurt auf – mit Lebensmittelfarbe und Honig. OK, das ist natürlich nicht, was alle Eltern wollen: Die Kinder, die bei weißen nackten Joghurt anfangen zu jubeln, aber man muss mit dem arbeiten, was man kriegt…und notfalls das Essen mit Farbe aufpeppen. Hat schon seine Dienste erfüllt. Blauer Joghurt ist hat tausendmal interessanter als der weiße…keine Ahnung, wieso.

9. Kinder sollen auch mal ruhig sitzen können

Tisch und Spiele

Das ist schwer, vor allem, wenn es um Essengehen geht. Ich habe mich ja schon hier gefragt, ob man Kinder mit Iphones stumm schalten darf. Unabhängig davon, dass ich es gut finde, wenn sie ein bisschen Medien mitkriegen, habe ich jetzt einen Jutebeutel zusammengestellt, den ich im Auto lagere. So kann ich in den Momenten, an dem ich todsicher vergessen habe, Malheft mitzunehmen, darauf zurückgreifen. Auch bisschen simpel, aber effektiv.

Seit langem spielen wir auch ein Spiel, wenn es sehr unerträglich wird, noch 5 Minuten auf etwas zu warten…ich stelle Dinge am Tisch in eine Reihe: Salzstreuer, Pfefferstreuer, Messer, Gabel, meine Sonnenbrille und sage ihnen die Reihe vor. Dann müssen sie wegschauen und ich entferne eine Sache. Sie müssen dann raten, welche. Mit Zweijährigen reichen vier Sachen, jetzt sind sie schon sehr viel besser und ich muss manchmal die Reihe heimlich verschieben. Damit es kniffliger wird.

9 Sachen, weil es immer unvollständig ist und man nie bis Punkt 10 kommt.  9 Sachen, weil man nie bis zum Schluss alles planen und sich überlegen kann. Das muss man auch gar nicht. Die beste Idee ist immer noch, dass man sich einfach Zeit nimmt und sich nicht stressen läßt. Stress ist dann nur da, wenn man eine andere Vorstellung hatte und Kinder dann in diese Richtung bringen will. Oder sich irgendwas vorgenommen hat, dass man dann nicht erledigt kriegt. Bei der Liste bemerke ich, dass mir Ernährung ziemlich wichtig ist, obwohl ich es toll finde, mit ihnen zu McDonald´s zu fahren und Picknick im Auto zu machen. Kindererziehung kommt mir vor wie ein Cocktail – die Mischung macht´s: sind zu wenig Früchte drin,schmeckt er nicht – aber auch, wenn zu viel Alkohol (sprich Gift) drin ist. Ich übe und hoffe, dass die Bar heute läuft…

 Bildquelle Artikelbild: pixabay

 

 

IPhone an – Kind aus: Darf man Kinder mit Technik stumm schalten?

Shaun pixabay iphone KinderIn mittelprächtigen Hotels oder in Restaurants mit einer extra Weinkarte sieht man sie immer wieder: die Kinder. Obwohl alles gegen sie spricht: Uhrzeit, gestärkte weiße Stoffservietten, Platzteller, drei Vorspeisengänge. Manchmal sehe ich vor meinem geistigen Auge die Fernseh-Warnung: Für Zuschauer unter 16 Jahren ist die folgende Sendung nicht geeignet.

Ja, und wie alle anderen Eltern ignorieren wir unser besseres Wissen und nehmen unsere Kinder gerne mal in die freie Wildbahn der Erwachsenenwelt mit. Gewillt, die ganze Sache nach der ersten Vorspeise abzubrechen und uns höflich zu empfehlen.

Neben uns am Tisch sitzen auch Zwillinge. Ein Jahr jünger. Wir Mütter unterhalten uns kurz, innerlich denke ich: Strike! Die beiden Rotzlöffel werden bestimmt die ganze Aufmerksamkeit der Umgebung auf sich ziehen und dann fallen meine Rotzlöffel nicht mehr so auf.

Doch die Familie verabschiedet sich zum Salatbüffet und als sie zurückkommt, dann stellen die Eltern ihre beiden Smartphones auf und lassen ihre Kinder in youtube abtauchen. Mir fällt fast der Suppenlöffel aus dem Gesicht. Die Kinder sind abgeschaltet, kaum ist das Handy angeschaltet. Sie bleiben ruhig sitzen und die drei Vorspeisen passieren den Tisch und nichts geschieht. Kein Kind will aufstehen, keines wirft aus Trotz einen Löffel auf den Boden. Die Eltern müssen nicht verkrampft in die Runde lächeln und besorgt Kinder davon abhalten, mit den Straßenschuhen auf Polstermöbel herumzulaufen.

An einem anderen Tisch sehe ich die Methode 1.0. Eine große Familie ist zusammengekommen. Omas, Cousinen, Kinder, Eltern. Sie begrüßen sich und die Kinder bekommen Spielsachen geschenkt. Sofort wird der Legokasten aufgerissen und in vom Salatbüffet geklauten Schüsselchens geschüttet und sortiert. Der Tisch ist lauter als die youtube-Zwillinge, aber auch diese Kinder bleiben sitzen. Konsum macht Kinder an Essenstischen von Erwachsenen auch geduldiger.

Ich schaue wieder zu den youtube-Zwillingen rüber. Nach eineinhalb Stunden ist auch dort Schluß mit lustig. Ich beobachte immer mehr Eltern, die die Situation so lösen. Nach ein paar Tagen stille Beobachtung probieren wir es auch aus. Das Abschalten mit dem Anschalten.

Wir lassen unsere Kinder beim Mittagessen im Hotel mit unseren Iphones spielen. Es wird unnatürlich ruhig um uns. Ein bisschen komme ich mir vor, als ob ich ihnen Alkohol eingeflößt hätte. Oder Beruhigungstabletten. Auf jeden Fall irgendwie unpädagogisch. Aber wir machen auch lauter unpädagogische Dinge. Sitzen auf einer Sonnenterrasse und warten auf Essen, danach noch ein Käffchen…kann schon lange sein, wenn man mit einer Handvoll Pommes auskommen könnte.

Am nächsten Tag lassen wir es wieder. Heiße Tränen, Heultieraden. Aus der Nummer wieder auszusteigen ist schwieriger als gedacht. Einmal auf dem Iphone-am-Tisch-Zug, immer darin? Wir schaffen es trotzdem, die ganze Sache abends nicht einreißen zu lassen und unsere Kinder springen zwischen Kellner und Vorspeisen herum. Keiner sagt was, sind halt Kinder. Ob sie stören oder nicht, weiß ich nicht. Ich bin zu beschäftigt damit, dass sie nicht den mit Eis gefüllten Weinkühler umschmeißen.

An den Nachbartischen: die youtube-Generation. Mein Sohn traut sich rüber und schaut mit. Ich gehe zu ihm und sage, dass wir jetzt Eis holen. Er sagt, er möchte weitergucken. Ich stelle ihm frei, dort noch stehen zu bleiben oder mit zum Eis zu kommen. Er bekomme aber später kein Extra-Eis mehr. Er entscheidet sich für das Iphone und ich hole mit dem anderen sein Eis. Ein bisschen bin ich traurig, dass das Iphone so attraktiv ist. Als wir zurückkommen, möchte mein youtube-Kind natürlich jetzt auch ein Eis. Ich sage, nein. Heultierade. Schluchzendes Kindergesicht. Ich gehe mit ihm auf die Sonnenterasse – ohne Eis-  und wir untersuchen die ganze Deko dort. Zugucken beim Eisessen muss er nicht. Und ich hoffe insgeheim, dass das Iphone des Nachbartisches nicht morgen schon wieder das Eis schlägt – jetzt, wo er sich sicher ist, dass es tatsächlich keines mehr gibt.

Ich bin immer noch unschlüssig, wie ich die Iphone-Kiste finde. Grundsätzlich mag ich an kleinen wie an großen Menschen nicht, wenn sie sich auf etwas so versteifen. Ich mag es eigentlich nicht, wenn sich jemand aus der Realität so abschalten kann. Klar, mit bestimmten Dingen kann ich das auch – Standby und durch, aber Kinder mit Iphones stummschalten kommt mir sehr weit in der digitalen Fixierung vor. Nach dem Motto: Allzuviel ist ungesund. Aber was kann man gegen ein bisschen youtube sagen?

Die meisten Eltern lassen ihre Kinder Sandmännchen und Co. gucken. Manche sagen, sie lassen ihre Kinder nicht fernsehen, aber dazu zählt das Ipad für sie nicht. Eine seltsame Mischung aus medialen Unbehagen in der Erziehung und Medienkompetenz gehen schon sehr früh Hand in Hand, dann die Wahrheit ist: Keiner hat Ahnung, wie er es jetzt eigentlich richtig machen soll. Meistens werfen Kinderlose oder Generation Oma den ersten Stein und haben ein fertiges Bild im Kopf, wie es denn richtig richtig. Und wirklich geil ist die Konsummethode aus den 80ern ja auch nicht. Malhefte immer im Gepäck? Vielleicht stelle ich so eine Tisch-Beschäftigung zusammen aus Malsachen und Spielen und muss einfach früher gehen, wenn es für meine Kinder zu doof wird. Nicht alles geht mit Kindern und ich glaube, ich bin für die Youtube-Methode zu konservativ. Obwohl ich kein Gegner vom Kinderkanal bin – metaphorisch gesprochen.

Darf man also Kinder mit Technik stumm schalten? Im groben gesprochen: nein, natürlich nicht. Aber, aber, aber…jeder kennt die Situationen, die man schnell und pragmatisch löst, ohne Butterblumen-Erziehung. Wo man nur froh ist, dass irgendwas klappt, weit entfernt davon, dass man mit der Methode jetzt den *Eltern-des-Jahres-Button* kriegt. Nehmen wir jetzt nur mal den Ausschnitt mit den Abendessen in einem Hotel. Darf man als Eltern die Iphones zücken für ein bisschen Suppe ohne Suppenkasper? Kommt es auf das Kind drauf an? Auf Alter und Temperament? Ist es in Ordnung, wenn man davor den ganzen Tag zusammen Butterblumen-Erziehung am Spielplatz an der frischen Luft gemacht hat? Kommt es dabei auf die Menge an? Ist *am iphone spielen* irgendwie besser als *am Iphone youtube gucken*? Ist ein Malheft über Feuerwehrmann Sam oder Shaun, das Schaf nicht letztendlich auch Medienkonsum?

Der Mutter mit den youtube-Zwillingen ist die Situation auf jeden Fall peinlich. Sie zuckt entschuldigend mit den Schultern in meine Richtung. Na ja, wir sind alle nicht perfekt. Sie schaut bisschen neidisch auf meine Kinder, die tatsächlich erstaunlich lange am Tisch aushalten. Das machen meine nicht so mit, sagt sie. Ich zucke daraufhin auch mit den Schultern. Ich bin inzwischen klug genug, nicht zu denken, dass sie irgendetwas *falsch* und ich irgendetwas *richtig* gemacht habe. Ich weiß, dass meine Kinder einfach verfressen sind und Gängemenüs meistens geil finden. Ständig kommt jemand mit Essen, toll. Jedes Kind ist anders und ich hatte einfach Glück, dass das so ist. Wenn sie regelmäßig Restaurants auseinander nehmen würden, was würde ich tun? Mein Iphone zücken oder nur noch zu Hause essen?  Ich bin nicht ohne Erziehungssünden, ich weiß das.

Wie sind eure Erfahrungen?

Schon mal youtube-Kinder in der Öffentlichkeit gesehen? Wie reagierte die Umwelt? Gab es *Guck-mal-die-assozialen-Eltern-da*-Blicke? Lieber Lego-sachen verschenken am Tisch? Unangenehme öffentliche Auftritte der Kinder einfach aushalten und bei einer bestimmten Grenze gehen? Ist das Erziehung, dass man immer erziehen muss? Kann es Pausen geben mit unpädagogischem Zeug? Fragen über Fragen, wie immer….

Bildquelle: pixabay

Krippenkinder haben es besser

Jede Mutter kennt den Satz der fremden alten Frau auf der Straße, die ungefragt in die Backen des Kindes zwickt und bedauerlich/vorwurfsvoll/mitleidig seufzt: So früh schon in der Krippe? Auf twitter begegnen mir manchmal Kommentare dazu, aber auch auf Facebook habe ich auch unter jüngeren Mütter schon die Diskussion über Krippenkinder verfolgen können.

Krippenkinder werden ganz schnell mit den berufstätigen Müttern in Verbindung gebracht. Der Mami ist der Job halt wichtiger als das Wohl des Kindes. Dabei wird automatisch davon ausgegangen, dass es den Kindern daheim besser gehen würde als in Betreuung. Diese Annahme ist so fest im gesellschaftlichen Bild verwurzelt, dass ich – als ich jung und dumm und kinderlos war – dieses Bild gar nicht hinterfragt habe.

Mein erste Begegnung mit einer Kinderkrippe war in meinem Sozialem Jahr. (Ein Freiwilliges Soziales Jahr in eine einjährige freiwillige soziale Arbeit, die man unter der Schirmherrschaft eines dafür zugelassenen Trägers in verschiedenen Einrichtungen leisten kann, es ist für Jungendliche bis 27 Jahre). Ich war dort 6 Monate als Hilfskraft einer Gruppe zugeteilt, danach war ich 6 Monate in einem Kindergarten. Ich habe für mein Leben gelernt.

Die Kinder waren in meinen Augen sehr klein und ich hatte noch nie etwas mit Wickelkindern zu tun. Ich war der Meinung, dass das alles arme kleine Wohlstandsbabys waren, deren Mütter in ihren Anwaltsjobs was Großes reißen wollten und ihre Kinder für das Familienphoto zu Weihnachten brauchten.

Oh shit ….lag ich falsch.

Diese Kinder waren in einer großen Gruppe, sie waren ihren engen Wohnungen entflohen und rasten um die Ecken. Sie lernten von den „älteren“ Kindern und waren frei von den hyperemotionalisierten Müttern. Ich erkannte: Diesen Kindern geht es besser hier als den Einzelkindern daheim. Kinder brauchen Kinder. Früher (das sagenumwobene stets bessere früher) ließ man die Kinder auch in ihren Gruppen alleine, genau das machen diese Frauen jetzt auch. Krippenkinder sind für mich Menschen, die es gelernt haben, aufzustehen und die ersten eigenen Schritte machen. So um die 1 Jahr herum.

Als meine Kinder geboren wurden, war mir klar, dass ich ihnen das auch ermöglichen wollte. Ich wollte auch, dass sie früh Teil einer Gruppe sind und am liebsten wäre es mir, wenn wir auf einem Bauernhof leben würden und alle Kinder zusammenkommen und ich abends eine Glocke läute und meine Kinder nach Hause stapfen. 

Aber ich lebe in einer Stadt und wenn ich hier eine Glocke läuten würde, dann kriege ich echt Ärger mit den Nachbarn.

Also, ab in die Krippe.

Meine Kinder wurden ein Jahr alt und ich tat mir schwer, sie abzugeben. Ich tat mir schwer, weil es der erste kleine Abschied ist, der letztendlich dazu führt, dass sie erwachsen werden. Ich entschied mich dafür, sie nur zwei Tage in der Woche in eine Einrichtung zu geben.

Ich kenne also beide Seiten, die Seite der home-alone Mutter – die Seite der Krippenmama.

Als meine Kinder zwei wurden, war ich sowas von heilfroh um die Krippe. Meine Kinder haben Beziehungen ohne mich, sie setzen sich durch ohne mich, sie streiten ohne mich, sie feiern ohne mich. Ihr Bild hängt an der Wand und eine Tasse trägt ihren Namen. Nicht für mich ist das wichtig, sondern für sie. Sie kommen aus der Alleinherrschaft der Mutter oder des Vaters, die sagen, was richtig und was falsch ist. Sie brauchen die Erzieher, die ihnen ohne emotionale Hyperbindung ihre Grenzen aufweisen. Sie brauchen die anderen Kinder, von denen sie andere Sachen lernen. Sie brauchen den erweiterten Horizont.

Wenn es nach mir ginge, würden wir den ganzen Tag am Spielplatz hocken, ihr wisst das. Aber es wäre egoistisch von mir, ihnen diese Welt vorzuenthalten.

Ich finde es schade, dass die Krippe von 9 bis 17 Uhr geht. Ich fände es total cool, wenn sie dort auch mal übernachten könnten. Ein Abenteuer mit Snack und Geschichten. Nicht jeden Abend, nicht jede Woche, aber die Krippe ist in unserer Gesellschaft eng mit der arbeitenden Mutter verbunden und die hat Bürozeit.

Ich wünschte, dieses Bild würde aufbrechen und es würde wieder mehr in der Diskussion um die Kinder gehen. In meiner utopischen Welt sind Krippen die Gesellschaft der Kleinkinder. Ohne die Übermacht der *Großen* im Kindergarten. Ohne die *Mama*, die sofort angerast kommt, wenn man was braucht. Es sind Orte für die Eroberung der ersten Selbstständigkeit, die Entdeckung neuer Spiele. Es ist die erste Identifikation außerhalb der Familie, der erste Platz in der Gesellschaft.

Alle halbe Jahr muss ich in der Krippe antanzen und es werden mit mir die Entwicklungen der Kinder besprochen. Manchmal rege ich mich auf, aber meistens habe ich einen dicken Zettel mit Spielen, die sie jetzt kennen. Mit Eroberungen, die sie gemacht haben. Mit Liedern, die sie singen. Dieser Zettel ist meine Inspiration.

Ich bemerke, dass die Mütter um mich herum, deren Kinder nicht in die Krippe gehen, versuchen, diese Situation irgendwann nachzustellen: Oma-nachmittage, Play-Dates, Spielgruppen. Obwohl die Krippenmamis als die Rabenmütter gelten, versuchen die Heiligenmamis die Krippensituation nachzustellen? wtf?

Aber so ist es und das liegt daran, dass das Vorurteil einer Krippe gegenüber nur eine leere Hülle ist.

Wenn einer meiner Söhne krank ist, dann geht der andere trotzdem in die Krippe. Ich lasse sie nicht daheim, weil ich daheim bin. Ich bin froh, dass er sich ohne seinen Zwillingsbruder in einer Gruppe behaupten kann. Ich bin froh, dass er glücklich ist. Der andere hockt dann traurig auf meiner Couch. Ich habe kurz das Gefühl für ein Einzelkind und kann mir nicht vorstellen, dass es da draußen ernsthaft Menschen gibt, die glauben, dass es für Kinder geil ist, wenn sie den ganzen Tag alleine spielen oder mit einer Erwachsenen. Jeden Tag, immer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwer das für sein Kind will. Wir essen zusammen, alleine. Wir gucken ein Buch an, alleine. Wir gehen raus, alleine. Die Einsamkeit der Großstadt wird deutlich.

Ab September gehen sie 5 Tage die Woche in den Kindergarten und mir graut schon. Nicht für sie, für mich. Werde mir dann wohl einen Job suchen, der mich nicht vereinsamen läßt und mich beschäftigt bis sie wieder nach Hause kommen.

Eine Mutter ist kein weiter Horizont, nur die Welt ist es.

Hier also meine ultimativen Thesen zur Krippe:

1. Fangen Kinder an zu laufen, sind es keine Babys mehr und sie brauchen andere Kinder. Und Mami sollte sich umdrehen.

2. Krippen sind für Kinder da und nicht für Eltern. Fuck the Bürozeiten. Orientiert euch an der Abenteuerlust der Kinder.

3. In der Krippe können Kinder an der Gesellschaft teilnehmen. Sie lernen es im Kleinen.

4. Mami ist nicht die erste Wahl beim Spielen. (Sorry, is so)

5. Ein distanzierter pädagogischer Blick auf die eigenen Kinder hat noch niemandem geschadet.

6. Wenn Kinder in die Krippe gehen, können in der Zeit beide Eltern arbeiten gehen. Nicht umgekehrt sollte das Bild in der Gesellschaft sein.

7. ICH würde meine Kinder in die Krippe geben, auch wenn ich keinen Job hätte, wenn das denn ging…

8. Der einzige Nachteil: Meine Söhne fangen früh an, Freundinnen zu haben.

9. Kinder essen alles in einer Gruppe mit anderen Kindern. Sie schlafen und räumen auf. Erholsam auch für Kinder, wenn der pädagogische Kampf nicht immer gleich mit Liebe zu tun hat.

10. All zu viel ist ungesund: all zu viel Krippe, aber auch all zu viel Home-alone. Eine perfekte Mischung für sein Exemplar zu finden, ist die Aufgabe. Dies kann eben nur eine Mischung sein. Ich habe Kinder gesehen, die am BESTEN 5 Tage die Woche in die Krippe gehen. Ich kenne Kinder, die am besten mit 1,5 Jahren gegangen wären. Ich kenne Kinder, die mit 2 Jahren abdampfen sollten mit den anderen Kindern. Ich kenne Kinder, die ihren ersten Geburtstag mit den anderen feiern sollten.

Krippen sind teuer, starr und Mami muss auch Geld verdienen. Das ist aber gesellschaftlich gesehen nur sekundär. Ich will, dass die Krippe für sich steht und die Gesellschaft einsieht, dass Kinder andere Kinder brauchen. Ich habe keinen Bock mehr, zu hören, dass Krippen die egoistische Wahl von Karrierebitches sei. Die meisten modernen Mütter in meinem Umfeld sind overprotectiv und die Käseglocke der Babyzeit bis 3 Jahre ist viel weniger „wie früher“ als die Clique in der Krippe, die um den großen Tisch herum eine Geschichte hört.

Wenn also noch mal eine alte Frau eurer Kind in die Backen kneift und bedauernd sagt: So früh schon in der Krippe? Dann sagt: Gott sei Dank, sonst wär der arme Tropf ja den ganzen Tag alleine. 

 

 

Bildquelle: pixabay

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