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Dark Canopy und Dark Destiny von Jennifer Benkau

Dark canopyKennt ihr das? Wenn man von einem Buch so gnadenlos in den Bann geschlagen wird, dass es eigentlich keinen Spaß mehr macht? Wenn man die halbe Nacht liest und sich verzweifelt im Internet spoilern will, es aber nicht schaffte, weil keiner die entscheidenden Informationen verrät? Wenn man wirklich erleichtert ist, wenn man das Buch ausgelesen hat und es einem damit wieder entlässt?

Mir passiert das nicht oft. Ich lese dystopische Jugendbücher und ich bleibe als erwachsene Frau dann doch eher Herrin der Lage, spiele in Gedanken bisschen mit der Idee, träume ein wenig, aber entlarve dann meist die lächerlichen Details und spotte in Gedanken über das eine oder andere.

Nicht hier.

irgendwo hat sich eine Schleuse geöffnet und ich kam nicht mehr raus. Knapp 1000 Seiten in 10 Tagen und ich habe gelitten wie ein Tier.

Schlimm.

Ich drösle auf:

Sprache

Die Sprache der beiden Bücher von Jennifer Benkau Dark Canopy und Dark Destiny ist wirklich gut. Ohne Frage. Die Bücher sind nicht übersetzt, sie wurden in deutsch geschrieben und das merkt man ihnen an. Sie ist detailliert und schmückt aus, verliert sich aber nicht, denn ein Endzeitbuch lebt auch von der Spannung.

Thema

Das Motiv ist nicht neu, und ich bin ja ein Fan von bekannten Dingen, die man nicht gewaltsam neu erfindet, sondern nur geschickt neu verbindet.

Die Geschichte spielt in England irgendwo in der Zukunft, unsere Welt ist vergessen. Es geht um eine Stadt und das darum liegende Umland. Mehr Horizont ist für eine lange Zeit in der Geschichte nicht auszumachen. In der Stadt herrscht eine genveränderte Spezies von Soldaten, die aus den lange vergangenen Weltkriegen übriggebliebene ist und sich aus der Sklaverei der Menschen einst befreit haben. Sie leben in einem militärischen System und haben die Menschen der Stadt unterjocht. Ihre Regeln sind grausam. Die Autorin läßt hier nichts aus. Es fließt Blut, es wird vergewaltigt und Menschen sterben. Außerhalb der Stadt leben Rebellen. Sie sind auf den zweiten Blick nicht minder grausam.

Klassisches Motiv, also.

Natürlich gibt es ein paar interessante Details über die Supersoldaten, die mir in dieser Form noch nicht untergekommen sind, aber das Gerüst wirkt bekannt.

Die Geschichte entfaltet sich als Romeo-und-Julia-Thema um ein Rebellenmädchen und einen der Soldaten. Das wirkt jetzt auf den ersten Blick sehr überschaubar, aber irgendwas an den beiden hat mich doch grundsätzlich berührt. Vielleicht, weil die Autorin mich in entscheidenen Momenten überraschen konnte, vielleicht, weil weder Romeo noch Julia besonders unschuldig sind. Sie laden in Laufe der Geschichte eine Menge Schuld auf ihre Beziehung, aber ihre Handlungen sind immer so gut nachzuvollziehen, dass es wehtut, wenn man ein bisschen mehr weiß als sie.

Das erste Buch hat einen klareren Spannungsbogen als das zweite Buch, aber ich habe sie eh in einem gesehen und gelesen, denn es geht nahtlos weiter. Das Ende zieht sich sehr und ist dann doch abrupt.

In den meisten dystopischen Romanen gibt es eine oder mehrere Verknüpfungen zu unserer heutigen Welt und das ist hier ganz klar der Rassismus. Besonders gegen Ende des zweiten Buches wird das nochmal deutlich unterstrichen und das tut weh, denn man hofft automatisch, dass er überwunden werden kann.

Ich habe in vielen Rezensionen gelesen, dass man unzufrieden mit dem Ende gewesen wäre. Das Ende eines Buches, vor allem in diesem Genre, ist auch nicht einfach. Ich habe noch keines gelesen, dass mir wirklich gefallen hätte. Entweder die Protagonisten blicken einem Sonnenaufgang entgegen oder einem Sonnenuntergang. Meistens ist es ein Sonnenaufgang. Klappe zu. Zum Ende des zweiten Buches hat man das Gefühl, dass man bis zum Mittagessen geblieben ist und den romantischen Abgang mit allen offenen Möglichkeiten leider nicht serviert bekommt. Sie schließt an einem anderen Punkt ab, wodurch das Ende abrupt wirkt und nicht mehr so verschlafen schön ist. Aber die Autorin hat das Buch auch angefangen mit der ersten Begegnung des Rebellenmädchens mit einem Supersoldaten und diese pinkelt erst mal ihre Hose nass…Gut, so fiel Realitätssinn bleibt das ganze Buch über bestehen und so ist auch das Ende.

Einfach nur schlimm.

Und leider berührte es mein Herz.

ich kann jetzt abends wieder andere Dinge machen wie nähen, fernsehgucken oder Blogartikel schreiben. Ich wünsche allen, die diese Bücher nach mir lesen viel Glück, viel Kaffee und sende doch einen Dankesgruß an Early Birdy für die Empfehlung. Vielen Dank auch, der Scheiß hat mich jetzt 10 Nächte gekostet und ich hätte fast geweint. Wer will schon Bücher lesen, die einen verliebt machen.

 

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Die Partials Serie von Dan Wells

Dan Brown PartialsEine Weltmacht hatte einen simplen Plan: Nicht mehr die eigenen Soldaten in ihre Kriege zu schicken, sondern genmanipulierte, menschenähnliche Wesen, die zu diesem Zweck gezüchtet wurde. Partials. Sie gewonnen den Krieg, doch dann blieben sie übrig. Mit Empfindung ausgestattet, stellten sie plötzlich eine neue Spezies dar. Doch die Integration in die menschliche Gesellschaft scheiterte. Die Revolte war unvermeidlich. Die Partials starteten einen Bürgerkrieg, der letztendlich zur Auslöschung von über 90% der Erdbevölkerung führte. Eine Seuche, von der man glaubte, es sei eine biologische Waffe der Partials, raffte alle dahin.

Ein kleiner Rest Menschheit blieb übrig und überdauerte fast 20 Jahre.  Doch die Menschheit hat einen schweren Schaden aus der Seuche mitgenommen: Kein Neugeborenes überlebte die ersten paar Stunden.

Kira Walker macht sich auf, um mehr über die Partials und die Seuche herauszufinden. Denn auch die Partials werden in ihrer Existenz bedroht: Ein in ihrer Genstruktur eingebautes Verfallsdatum lässt Tausende binnen Tagen qualvoll sterben. Wenn beide Spezien kurz vor ihrer endgültigen Ausrottung stehen, können vielleicht nur vereinte Kräfte den Untergang aufhalten.

In den 3 Bänden erzählt Dan Wells viel über Biologie, Verschwörungen, Freundschaft, eine apokalyptische Welt und eine unmögliche Liebe. Geheimnisse werden entdeckt und die Lösung der Geschichte ist gelungen. Die Details sind nicht überfrachtet und die Spannung bleibt. Ich hätte an manchen Stellen gern mehr über die Loyalität und Selbstwahrnehmung der Partials erfahren, aber ich kann die Bände als dystopischen Jugendroman uneingeschränkt empfehlen.

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Dan Wells Partials Fragmente – der zweite Band einer young adult Dystopie

Dan Wells FragmenteIm zweiten Band der Trilogie von Dan Wells Partials mit dem Titel Fragmente geht es im Großen und Ganzen darum: um Bruchstücke. Kira Walker, ihr Partialgefährte Samm und das Spionagemodell Heron verlassen Long Island, um die Bruchstücke des Plans zu finden, die zum Zusammenbruch der Welt geführt haben. Ihr Ziel ist es, ein dauerhaftes Heilmittel für die Menschen zu finden und eine Lösung für den körperlichen Zerfall der Partials nach genau 20 Jahren – eine Sicherung aus alten Tagen, damit man mit dem Problem der neuen Menschengattung nicht zu lange beschäftigt ist.

Je mehr man über die Welt erfährt, desto abgefuckter wird es. Nichts ist wirklich gut, niemand ist unschuldig. Dunkle Geheimnisse und eine Welt in Ruinen. Kira, Samm und Heron reisen in diesem Buch sehr viel und entdecken die verschiedenen Orte des zerstörten Amerikas. Waren im ersten Band noch die Forschungsergebnisse und die Suche nach Lösungen im Blutkreislauf der verschiedenen Gattungen wichtig, so ist die Reise diesmal größer angelegt.

Erstaunlich für einen zweiten Band. Hier ist einiges neu. Ist normalerweise der erste Band ein grandioser Auftakt, so schwinden die dystopischen Kräfte und das ganze lahmt im zweiten Band ab. Alles, was bleibt, ist die Erinnerung an einen entsetzlichen Cliffhänger. Allerdings ist die Hauptfigur im zweiten Band von ihrer großen Liebe meist getrennt – hier findet sie mal einfach nicht statt. Großartig. Mit einem Seufzen – so denkt man – hat Dan Wells doch noch eine Romanze eingebaut, aber sie ist so unbedeutend, dass es schon wieder schön ist.

Auch sind hier alle Hauptfiguren mal nicht weiß. Ethnisch gesehen. Aber ihre mexikanische oder indianische Herkunft ist völlig unwichtig. Sie sind es nur zufällig und damit hat es sich – kein übertriebener Indianerroman, nur weil die Hauptfigur diese Herkunft hat. Ich finde das ziemlich cool und hoffe sehr, dass diese Bücher verfilmt werden – mit der gleichen Beiläufigkeit der Hautfarben.

Der dritte Band ist noch nicht auf deutsch erschienen, auf englisch ist er aber schon raus. Keine Ahnung, ob dies eine Rückkehr zum digitalen Buch für mich bedeutet oder ob ich faul warte, bis das Buch in meiner Bibliothek um die Ecke auftaucht.
Die Grundgeschichte ist gegeben, es werden keine neuen Schwierigkeiten dazukommen und ich erahne den Ausgang der Handlung. Natürlich kenne ich nicht den tatsächlichen Weg dorthin, aber es ist alles schon so angelegt, dass ich mich auch gedulden kann…

Da ich ein Fan von Booktubern bin und mir echt gerne Fanfictionkram über Bücher in Videoform ansehe, hier ein witziges Video über Dan Wells Fragmente:

Partials Serie von Dan Wells – der Aufbruch

Dan Wells AufbruchHier ist es also, mein erstes Buch in Papierform seit einem Jahr. Eine spontaner Griff in der Bibliothek um die Ecke.

Eigentlich lese ich ja seit Wochen an dem 3. Teil von Terri Terrys Slated-Serie. Meine Rezension zum ersten Teil fiel ja ziemlich positiv aus, der zweite Teil hat aber schon deutlich abgenommen, der 3. Teil ist zäh. Zu zäh. Mein Lesejahr hat damit gar nicht gut angefangen. Ich bin gerne in so einem Rutsch drin, denn beim Lesen (und beim Gucken von Serien) bin ich ziemlich besessen. Ich kann alles ausschalten, selbst das Schlafbedürfnis.

Aber nun zu Dan Wells dystopischen Serie „Partials“

Wir befinden uns 11 Jahre nach dem Zusammenbruch der Welt. 99% der Weltbevölkerung ist einem Virus zum Opfer gefallen, das Sterben ging schnell – ein kleiner Rest, der immun zu sein scheint, hat auf Long Island eine Gesellschaft aufgebaut, die verbissen nach einer Heilung des RM Virus sucht. Denn selbst die Tatsache, dass die Menschen, die überlebt haben, immun sind, tötet sie dennoch langsam: kein Neugeborenes hat bis heute überlebt. Kurz nach der Geburt werden die Babys infiziert und sterben binnen Tagen.

Kira Walker ist 16 Jahre alt. Beim Zusammenbruch der Welt war sie so jung, sie hat nur schemenhafte Erinnerungen. Ihr Leben ist von der neuen Gesellschaftsordnung geprägt: ein Senat erlässt Gesetze, die Abwehr kontrolliert die Grenzen der Stadt und die Frauen haben sich dem Zukunftsgesetz zu beugen: permanente Schwangerschaft. Das Kalkül ist einfach: eines Tages MUSS einfach ein immunes Baby auf die Welt kommen. Kira hat noch zwei Jahre Zeit, dann muss auch sie sich dem Zukunftsgesetz beugen.

Kira Walker ist in der Entbindungsstation tätig und dokumentiert die Todesfälle. Ihr ungeheures Wissen über Virologie lässt sie weiter über mögliche Forschungsmöglichkeiten rätseln. Doch die Bedrohung der Krankheit ist nicht die einzige. Auf der Insel gibt es die Stimme, eine Gruppe  Rebellen, die ihre eigenen Ziele verfolgen…und es sind immer noch jene Wesen am Leben, die für das RM Virus verantwortlich gemacht werden: die Partials

Doch wer sind die Partials? Kira selbst hat noch keinen Partial zu Gesicht bekommen. Sie sind auf dem Festland und aus dem Leben der Menschen verschwunden.

Partials sind künstlich geschaffene menschenähnliche Soldaten. Jene Soldaten haben einst für die Menschen Kriege gewonnen, doch nach Ende der Kriege schien ein Aufstand der Partials letztendlich zur Vernichtung der Menschheit geführt zu haben.

Meine Meinung zum Buch

Ich habe jetzt schon einige Dystopien gelesen und die Protagonistinnen sind in zwei Gruppen zu unterteilen:

Gruppe A
Mädchen liebt Jungen und dieser muss sie ständig retten. Er ist bisschen genervt, aber natürlich völlig hoffnungslos verliebt…

Gruppe B
Mädchen ist stark und unabhängig, aber liebt zwei Jungen. Hin und her und her und hin, schließlich Entscheidung.

In dieser Dystopie ist es anders. Kira hat schon zu Beginn einen Freund. Die Liebe, die ihr begegnet (oder die der Leser vermutet) findet aber nicht statt, es ist die Geschichte des RM Virus, der Kira antreibt. Und diese Unterschwelligkeit des Ganzen überzeugt. Keine Herumgeschmachte, kein hin und Her.

Diese Geschichte steht für sich selbst.
Diese Geschichte hat einen Anfang und ein Ende…und einen Cliffhänger.
Wie angenehm, eine Geschichte wird erzählt. Es ist auch nicht unüblich, dass die Grundidee der Dystonie für das ganze Buch herhalten muss und die Geschichte untergeht, in die Länge gezogen wird, völlig im Liebesschmachten verloren ist.

Gerne habe ich mir die Rezension von Chrissie dazu angesehen. Sie hat es ganz gut zusammengefasst, allerdings finde ich, dass die Fähigkeiten von Kira durchaus Sinn machen und ich den ganzen Charakter gut nachvollziehen konnte.

Über meine heimliche Liebe, youtube-Videos zu Büchern anzusehen, bin ich auf Chrissies Lesechallenge 2015 gestoßen, die ich mal total cool finde.

Hier die Challengepunkte:
1. Crown the King – Lese ein Buch eines Königs (oder eines Autors, der König genannt wird).
2. Horror pur – Lese ein Buch, das dich so richtig schön mit ängstlicher Gänsehaut versorgt.
3. Reread – Lese ein Buch erneut.
4. Insane – Lese ein Buch, das in einer Irrenanstalt spielt oder dass einen psychisch kranken Protagonisten hat.
5. Seltsam – Lese ein Buch, das in einer Welt spielt, die sich von unserer unterscheidet.
6. Schinken – Lese einen richtigen Schinken (1000 Seiten oder mehr)
7. Inside out – Lese ein Buch, dessen Cover den Inhalt perfekt wiederspiegelt.
8. Ende – Lese ein Buch vom Ende der Welt.

Ich würde mich mal sagen, dass ich hier Punkt 8 erfüllt habe, allerdings ist es auch wahrscheinlich so, dass ich diesen Punkt ziemlich oft dieses Jahr erfüllen werde.
Vorschläge für die anderen Punkte?

Zersplittert von Teri Terry – zweiter Band einer Jugendbuchdystopie

Ach, was „liebe“ ich die zweiten Bände einer Trilogie…

Das Schicksal des zweiten Bandes ist ja ganz oft, dass es eine kleine Steigerung zum ersten Band gibt, klassisch gesehen die weibliche Hauptfigur stets vom Liebsten getrennt irgendeine geistige Entwicklung durchmachen muss und am Ende der Vorgeschmack des großen Highlight der Endschlacht mit dem Endgegner im dritten Band dann angeschnitten wird.

Ein Hoch an dieser Stelle an die „Hunger Games“, die den zweiten Band nicht mit diesem klassischen Schicksal hat aufprotzen müssen.

Nun aber zu Teri Terry mit einer zu unrecht wenig beachteten Trilogie.

Im ersten Band lernen wird Kyla kennen, einen Teenager, deren Erinnerungen von der Regierung gelöscht wurden, als Strafe und als zweite Chance auf ein neues Leben in einer ihr zugeteilten Familie. Hier die Rezension.

Der zweite Band enthält nun eine langatmige Geschichte, die mich persönlich nicht wirklich fesseln konnte, aber die dennoch ihre spannenden Momente hatte. Kyla ist halb in der Widerstandsbewegung, halb in ihrem neuem Leben, halb als Doppelagent tätig und versucht, in diesem Gewirr aus Forderungen, Geheimnissen und Bedrohungen zu überleben – und sie versucht nach wie vor, den Jungen zu finden, von dem sie im ersten Band getrennt wurde. Eine eher halbherzige Liebesgeschichte, aber dennoch ist es ganz oben auf ihrer Prioritätenliste, ihn zu finden.

Ich entscheide im generellen immer nach dem ersten Band, ob ich eine Trilogie zu Ende lese oder nicht, deswegen bin ich bisschen stolz auf mich, dass ich durch den zweiten Band jetzt durchgekommen bin und freue mich, jetzt das Ende zu lesen – dort wird sich dann entscheiden, ob es eine gelungene Reihe ist oder nicht…

Ich habe schon in meinem Post zum ersten Band die Review von dem jungen, verrückten Kerl hier verlinkt und hab mir gerade seine Meinung zum zweiten Band angesehen.
Er sagt, dass es Reihen Ende gibt, da kann die Geschichte für sich selbst stehen, bei Zersplittert/Fractured von Teri Terry gelingt das nicht. Die Geschichte an sich hält dich nicht bei der Stange…ja, so oder so ähnlich empfinde ich das auch….

Auch hier gilt wieder mein „Lieblingssatz“: Der Link zu amazon ist nicht verpflichtend. Ich nehme darüber nur in der Theorie Pfennigbeträge ein. Ich halte aber nicht viel davon, amazon als Bücherlieferant im klassischen Bereich zu nutzen. kindle, ok, aber echte Bücher? Da gibt es den Buchladen um die Ecke oder auch www.buch7.de, der Internetbuchladen mit der sozialen Seite….oh, da gibt es auch Ebooks…da muss ich mal genauer forschen….

Gelöscht – der Auftakt einer dystopischen Trilogie von Teri Terry


Wie so oft, ist auch diese Geschichte in einer Trilogie untergebracht und ich bin gerade dabei, den zweiten Teil zu lesen. Die dystopische Netzgemeinschaft verspricht mir, dass in dieser Reihe alle Fragen beantwortet werden und die Geschichte ein nachvollziehbares Ende hat. Hoffen wir´s. Jetzt erst mal zum ersten Teil.

Teri Terry ist eine sympathische Autorin, in ihrem Internetprofil erinnert sie mich an eine meiner Kolleginnen – also ein girl next door? Würde ich schon sagen. Jeder kennt ihren Typ. Sie verschwindet in der Masse. Verschwindet auch ihr Buch?

Nicht ganz. Ich war doch beeindruckt, wobei man sagen muss, dass ich zunächst immer die grundlegende Idee eines Romanes bewerte – vor allem, wenn er sich an Jugendliche richtet.

In dieser Reihe spielt die Geschichte in England. Wir befinden uns weit im 21.Jahrhundert. Immer wieder werden geschichtliche Ereignisse aufgegriffen, die es für uns nicht gibt: einen Aufstand 2020, die Abspaltung Englands von Europa, neue militärische Regierungsformen. Kyla ist bereit, aus dem Krankenhaus entlassen zu werden und wird einer neuen Familie zugeteilt. Kyla hat in den letzten 7 Monaten sprechen, gehen und schreiben neu lernen müssen, denn sie wurde als verurteilte Jugendliche unter 16 Jahren geslated. Das bedeutet, ihr Gehirn wurde neu programmiert und alle ihre Erinnerungen wurden gelöscht. Das ist als eine Chance auf ein neues Leben zu verstehen. Doch sie muss sich gut in die Gesellschaft eingliedern lassen und in ihrer neuen Familie zurechtkommen, damit die Lorder (so nennt sich die Gestapo-ähnliche Organisation) sie in Ruhe lassen. Überwacht wird sie mit einem Gerät, dass als Armband an ihrem Handgelenk befestigt ist – das Levo. Wenn sie eine unerwünschte Stimmung hat – Wut, Trauer, Aggression – dann fällt ihr Levowert. Fällt er unter 4, so piepst das Gerät. Fällt er unter 3, wird sie wahrscheinlich ohnmächtig. Fällt er unter 2, so schaltet sich der Chip in ihrem Kopf aus und sie stirbt. Kyla versucht zurechtzukommen. Sie versucht es wirklich. Doch sie schafft es nicht. Denn etwas an ihr ist anders als bei anderen Geslateten – sie erinnert sich an früher.

Großartiger Plot für Teenager – ein Thema, das sie alle interessiert: Identität, Erinnerung, der Platz in der Gesellschaft. Wenn man 16 ist, dann betrachtet man ja die paar Jahre Leben als viel globaler als mit 30. Mit 30 hat sich die Welt schon ein paar Mal gedreht und man hat die ersten Sachen aus seiner Jugend schon wieder vergessen. Mit 16 erinnert man sich noch an alles. Und es ist wichtig. Jede Freundschaft wird seziert, jeder Blick eines anderen untersucht. In diesem Roman werden der Hauptfigur alle diese Erfahrungen genommen – auch für mich noch eine Horrorvorstellung. Die Frage nach dem „Wer bin ich ohne Erinnerung?“ wird aufgeworfen. Spannendes Konzept.

Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte. Ben, ein ebenfalls geslateter Junge und Kyla kommen sich näher. Aber da schwindet meine Begeisterung auch schon. Ein lahmer Part in dem Buch. Wie immer, wenn es nicht hauptsächlich um die Liebe geht, wird auch hier der Bogen nicht geschafft. Die Liebesgeschichte blubbert oberflächlich an der Geschichte herum.

Dennoch finde ich den Auftakt gelungen. Nicht alles macht Sinn, nicht jede Wendung gefällt mir und ich denke, dass es auch ein guter Roman in der Originalsprache wäre. Die Sprache ist nämlich sehr einfach und richtet sich an Jugendliche. Vielleicht mal eine gute Idee, sein Englisch aufzupolieren? Schon möglich. Ich habe das zu spät gemerkt und bin jetzt schon im deutschem Lesefluss.

Diese Dystopie wurde noch nicht von der Filmindustrie aufgegriffen, deswegen ist youtub und Co auch noch nicht zugefüllt mit Videos über den Film, sondern mit den Kreativen Auswüchsen der wahren Digital Natives. Süß.

Oder auch ihn hier:

Wie immer mein Hinweis zu dem amazon-link:

P.S. ich benutze einen Link zu amazon, um halbwegs legal das Cover auf meinem Blog zu zeigen. Ihr braucht diesen Link, der erscheint, wenn man die Maus über das Coverbild zieht, nicht benutzen. Er bringt mir auch finanziell eigentlich fast nichts. Also bis jetzt hat mir amazon noch 0.00 € ausgezahlt. Kauf das Buch also wo ihr wollt.

Die Tribute von Panem – Überblick und Filmkritik

Als geschätzter Kenner der Jugendbuchdystophien kam ich natürlich auch nicht am Spotttölpel vorbei. Der Film läuft derzeit mit einem großen Hype im Kino. Die Gemüter sind gespalten – genial oder witzlos?

Die Tribute von Panem oder im Original The Hunger Games ist eine Romantriologie einer gewissen Suzanne Collins. Frau Collins ist eine Amerikanerin um die 50, sie ist im Kinderfernsehen zu Hause und hat bereits eine andere Kinderbuchserie als Buch herausgebracht. Kennt kein Mensch. Die Tribute kennt inzwischen jeder. Es gibt wohl Plagiatsvorwürfe, denn die Geschichte klingt bekannt, ist aber in dieser Zusammensetzung dann doch neu, würde ich mal platt behaupten.

Um was geht es?

Es geht um eine Gesellschaft in der Zukunft. Sie ist ganz anders strukturiert und sie erinnert uns an das alte Rom. Es gibt ein Zentrum, das Kapitol. um dieses Zentrum herum liegen die Distrikte 1 bis 12.

Jeder der Distrikte hat ein eigenes Thema: Holzverarbeitung, Kohleabbau, Landwirtschaft, usw. Alle Distrikte dienen letztendlich dem Kapitol und versorgen es. Doch die Distrikte leiden darunter: es herrschen Hunger, Not und Zwangsarbeit. Die Distrikte haben sich in der Vergangenheit bereits einmal gegen das Kapitol zur Wehr gesetzt und den Krieg verloren. Ein früher existenter Distrikt 13 wurde bei diesem Bürgerkrieg völlig zerstört. Das Kapitol hat seine eigene Erinnerungskultur zu diesem Krieg erfunden: Die sogenannten Hungerspiele. In einem aufwendig medial inszenierten jährlichem Ereignis werden von jedem Distrikt je zwei Jugendliche in eine Arena gesperrt und diese Jugendliche kämpfen erinnernd an Gladiatoren gegeneinander. Am Ende bleibt nur ein Überlebender übrig: der Sieger. Die Jugendlichen werden Tribute genannt. Tribute, da jeder Distrikt in Erinnerung an den todbringenden Aufstand zwei seiner Kinder zu opfern hat. Diese Tribute erreichen in der kurzen Zeit ihres Lebens erheblichen Einfluss und werden im Fernsehen und in Shows aufwendig in Szene gesetzt.

Die Hauptfigur Katniss ist ein solcher Tribut und mit ihr erleben wir den Horror der Spiele, die sich im Laufe der Bücher ganz anders entwickeln als von den Machthabern im Kapitol erdacht.

Im Kino liefen inzwischen 3 Filme, wobei der letzte Roman in zwei Teile aufgeteilt wurde. Ein finaler Film fehlt also noch. Das Ende, das ich mir genauso eindeutig erhoffe wie in den Büchern.

Den ersten Film zu den Tributen von Panem habe ich mir angesehen und war erst erheblich irritiert. Irritiert deswegen, weil das antike/römische Thema in ein völlig anderes Setting verwandelt wurde. Das Kapitol erinnert an ein Frankreich mit weißen Perücken und Puderdosen, die Distrikte erscheinen im Grau der 20er Jahre. Die Schrillheit und die Rauheit der Kostüme müssen erst einmal verdaut werden. Auch wie schön die Hauptdarsteller sind. Ein Leben in den Kohleminen scheint gegeltes Haar und Perlenzähne nach sich zu ziehen – aber, na gut, das habe ich ja schon bei der anderen Dystrophie bemängelt.

Der erste Film ist eine in sich geschlossene Geschichte und handelt hauptsächlich um die Spiele, an denen Katniss teilnehmen muss. Die Arena ist ein waldähnliches Gelände und es gibt einige für uns unbekannte Tiere wie zum Beispiel der berühmte Spottölpel, der das wiederholen kann, was er hört.

Der zweite Film ist eine klare Steigerung zum ersten Film, hier geht es nämlich um die Spiele, die sich im Jahr darauf ereignen. Da es sich um ein sogenanntes Jubeljubiläum handelt, also um die 75. Hungerspiele (3 mal 25 Jahre), ist die Arena um einiges komplizierter. Das Ende ist abgebrochen und offen, wer ist der Feind? Wer ist ein Freund? Alles scheint offen…

Und genau hier setzt der neue Film zum ersten Teil des 3. Teiles an. Mockingjay – jenes Kunstwort ist in der Geschichte ein Vogel, der zum Symbol wird – ein Spottölpel eben. Und der Film entlässt uns genau an dem anderen offenen Ende der Geschichte wieder.

Ich bin überrascht, wie gut es mir gefallen hat. Inzwischen komme ich mit den Kostümen sehr gut zurecht, mehr noch, sie finde sie genial und sehe mir das eine oder andere Teil genauer an. Hinzu kommt, dass die Geschichte wirklich sehr gut und nicht zu kurz aus den Büchern nacherzählt wird und das Thema der Medienmanipulation, der Kriegspropaganda mit der antiken Mischung finde ich für einen Jugendroman genau richtig. Einzig die Liebesschnulzen sind mir immer schleierhaft – der eine oder der andere. Katniss scheint ihren Kopf stets an den zu lehnen, der grad dasteht. Schade, dass ich noch keinen Jugendroman gesichtet habe, der es geschafft hat, Liebe und die starke Frau ausreichend zu würdigen – es scheint immer entweder oder zu sein.

Hier habe ich euch einen Artikel verlinkt, der von Studenten berichtet, die ein Widerstands-Symbol aus dieser Filmreihe genommen und auf eigene Missstände hinweisen. Vermischung von Fantasy und Realität?

Mein Hang zur Apokalypse

mein Hang zur ApokalypseIch habe einen Hang zur Apokalypse, einen Hang zu der Vorstellung, dass die moderne Welt zusammenbricht und ein Großteil der Menschheit verschwindet – durch Zombies aufgegessen wurde, beispielsweise. Diese Vorstellung begleitet mich nicht mit einem Schauer, sondern eher mit einem unbestimmten Seufzen. Oft denkt man ja, dass die Menschen, die nicht zufrieden mit ihrem eigenen Leben sind, auf das Zusammenbrechen der Welt hoffen – ich bin zufrieden und hoffe trotzdem.

Ich stelle mir vor, dass unter all den unechten und unnützen menschlichen Eigenschaften dann die Wahren zum Vorschein kommen würden.

Die, die uns zu mitfühlenden Wesen machen und die, das Gegenteil mit uns machen. Vielleicht würde der nette freundliche Kioskbesitzer, der mir morgens meinen Sesamring einpackt, in der Apokalypse auf mich schießen, weil ich noch eine Tomatendose gefunden habe – vielleicht würde er mich selbstlos retten vor Untoten und lebenden Leichen – man weiß es nicht. Ich sehe es ihm nicht an. Vielleicht würde er auch zu beidem fähig sein und tut er das eine oder das andere – nur von einem Zusammenspiel von Zufällen abhängig.

Bei meinen Überlegungen zu meinem persönlichen Weltuntergang spielt meine jetzige Lebenssituation keine Rolle – ich vergesse in meinen Gedanken meine Kinder, meinen Mann, meine Eltern, meinen Bruder. Ich habe keine Lust, in mir Trauergefühle heraufzubeschwören. darum geht es bei diesen Gedanken nicht – es geht eher um die globale Vorstellung, dass im Zusammenbruch das wahre Gesicht zu sehen ist – und die echten Handlungen zu tun. Essen besorgen – statt zur Arbeit zu gehen, Geld zu bekommen und dann Essen zu kaufen. Keinen Umweg mehr, alles unmittelbar. Deswegen wohl auch das eine oder andere oder jene Zombiebuch dieses Jahr.

Manchmal starten bei uns daheim regelrechte the-Walking-Dead-Wochen und es wird eine Folge nach der anderen geguckt, wobei die Geschichte mich streckenweise auch nicht interessiert und mir alles zu gelackt rüberkommt- dennoch sind meine Hauptbestandteile – homo homini lupus und die Geburtsstunde der wahren Helden – bei dieser Serie dabei.

the Walking Dead hat ihren Anfang bei einem Deputy Sheriff: Rick Grimes. Rick fällt ins Koma, nachdem er bei einem Einsatz angeschossen wird – man erfährt ein bisschen was über seinen Teenager-Sohn Carl und seine Eheschwierigkeiten mit Lori, seiner Frau. Er ist eng befreundet mit seinem Kollegen Shane Walsh – ein ganz normales Leben irgendwo im Südosten der USA.

Rick erwacht wieder aus dem Koma. Doch währenddessen ist die Zombieapokalypse über die Welt hinweggezogen und er (und damit als Zuschauer auch wir) lernen mit der neuen Situation ad hoc umzugehen.

Rick findet seine Frau und seinen Sohn wieder – doch seine Frau glaubte, er wäre tot und hat sich mit Shane zusammengetan. Die Gruppe wird immer größer und plötzlich würfelt sich die Gesellschaft neu. Aus dem White Trash werden Helden, aus einer geschlagenen Ehefrau eine Kämpferin, aus Rick ein gebrochener Mann. Die guten Menschen sind nicht mehr dieselben wie vor der Apokalypse. Ein engelsblonder Teenager zuckt mit den Schultern, wenn ein boyfriend stirbt; ein Buchhalter wird zum Massenmörder und eine ehemalige Upper-class-Mom zur Schwertkämpferin – alles ändert sich – jeder fällt auf seine Ursubstanz zurück. Aus was seine persönliche Ursubstanz besteht – keine Ahnung – ich habe eine Traumvorstellung von meiner, aber das ist ja aus Ermanglung der Zombierealität nicht wirklich nachprüfbar und getreu den Worten von Anna (Leb du deine Träume, ich lebe mein Leben und ich träume meine Träume) auch für mich im Endeffekt irrelevant.

Ich habe nur einen Hang zur Apokalypse.

 

*das Foto stammt aus meiner persönlichen Sammlung über Fahrräder, die vergessen wurden und die jetzt irgendwo eingewachsen oder im Winter vereist herumstehen. Ich sammle diese Fahrräder – erst nur im Kopf, jetzt auch als Foto. Okay, so viele Fotos habe ich noch nicht, aber es wird bestimmt mal eine nette Ansammlung werden…*

 

The Undead: Der Anfang vom Ende von Anne Reef

Ich habe Angst vor Zombies. Nicht einfach nur gruselige Angst, es ist wirklich mein Alptraum. Aber nicht wegen den ganzen Hautlappen, die herunterhängen, den Verwesungsgerüchen und dem fauligem Fleisch. Es ist mein Alptraum, da sich Zombies langsam bewegen und man einen Moment noch denkt, man könnte es schaffen. Wie Ertrinken.

Anne Reef hatte es also leicht mit mir, als sie die Zombieapokalypse in meine Heimatstadt brachte. Danach verliert sich aber schnell die Spur wieder. Zwischendurch wird Frankfurt genannt. Ich kann das beschriebene Gebiet also grob eingrenzen, aber es ist eigentlich schade, dass es so völlig unwichtig ist. Dieses Buch könnte überall spielen. Allerdings wundere ich mich zwischendurch schon, dass es so viel Einöde gibt. Wenn hier die Toten aufstehen würden, dann wären es viel mehr.

Gleich zu Beginn gibt es eine Szene, in der einer bedauert, keine lautlose Armbrust zu haben und ich dachte – wie einige Male – an The Walking Dead. Anne Reef muss die Serie wirklich inhaliert haben, denn sie kommt zu den selben Schlüssen: die Lebenden sind gefährlicher als die Toten und man braucht eine Gruppe, für die es sich zu kämpfen lohnt. Das ist nicht negativ gemeint. Ich hätte eine Abwandlung von The Walking Dead echt genossen, aber ich hatte mit dem Zentrum  – der Gruppe –  meine Probleme.

[spoiler title=“Neugier wird dir hinter SHOW die Leselust bis zur Mitte des Buches verderben“]Das Tempo ist zu Beginn noch unbestimmt und langsam, man trifft die Hauptfigur Jenny und ihren Bruder Chris. Er bringt noch einen Freund mit und die drei ziehen los. Relativ schnell werden sie brutal, relativ schnell finden sie ihre Gruppe und es kommt nicht zu einzelnen Figureneinführungen, sondern der Leser ist mit vielen Menschen konfrontiert.

Jenny macht ihrer Namensvettern alle Ehre, sie ist tatsächlich eine Seeräuberbraut, da sie kalt wie ein Fisch ist. Und da man die Welt mit durch ihre Augen sieht oder zumindest über ihre Schulter gucken muss, ist man auch nicht sonderlich berührt.

Ich habe ständig die Personen verwechselt. Dave und David? Wer war jetzt noch mal der Vater von dem Kind? Manche wohl klug ausgedachte Wendung blieb so für mich völlig auf der Strecke. Einen kleiner Faden, eine winzige Erinnerung, die die Hauptfigur mit den einzelnen Figuren verbindet, eine Emotion, die der Leser (der nicht moralisch abbaut und von Zombies gejagt wird) mit den Figuren verbindet, wäre schön gewesen.

Einmal kurz hält Jenny inne und überlegt, ob die Folterung eines Gruppenmitgliedes, das danach zu Tode kommt, wirklich nötig war, aber das ist nur ein Halbsatz. Ich denke, Jenny ist es wurscht, wer gefressen wird und so ist es dem Leser auch egal. Manchmal erinnert sich Anne aber daran, dass es eine Gruppenstruktur gibt: sie erfindet einen Anführer. Klar, der wird immer wieder erwähnt, aber besonders heldenhaft kommt er nicht rüber. Wenn die Autorin nicht ständig sagen müsste, dass er der Anführer ist, dann würde man es nicht unbedingt merken. Zumindest zu Beginn nicht. Das ändert sich später im Buch. Auch der Bruder taucht abrupt auf und abrupt wieder ab. Lange macht sich Jenny über ihn keine Gedanken und dann doch wieder – wie aus dem Nichts[/spoiler]

The Walking Dead war auch deswegen so erfolgreich und spannend, weil die Figuren ihre eigenen Grenzen nach und nach überschritten haben – in allen Richtungen. Sie Haben ihren Ursprung im alten Leben, dem Leben vor den Zombies und dann werden sie erst in der Apokalypse real und finden sich selbst. Eine Verankerung in der Zeit davor, in der Zeit, in der wir sie kennen und sein könnten, als sie wie wir waren, ist aber unerlässlich.

[spoiler title=“Neugier wird dir hinter SHOW die Leselust bis kurz vor dem Ende des Buches verderben“] Anne Reef macht das mit ihren Figuren gesagterweise nicht. Ich habe mich sehr geärgert und habe trotzdem nicht aufgehört zu lesen. Irgendwie war es doch spannend. Die Wendungen kommen plötzlich, viel klappt nicht. Eine seitenlange Einführung wird je abgebrochen, da sich die Idee ins Gegenteil gekehrt hat.

Und irgendwann habe ich Jenny verstanden.

Anne Reef lässt ihre Figuren so sein wie sie sind. Vor allem bei Carlos fällt das auf. Keiner ist gut, keiner ist dazu da, sich mit ihm zu identifizieren. Sie sind alle auf ihre Art unmenschlich und das macht sie unberechenbar. Jenny tötet trotz gegenteiliger Versprechungen jemanden ohne mit der Wimper zu zucken. Ihr gefällt das Abenteuer, sie lebt den Alptraum mit Genuss. In einem Halbsatz vermisst sie mal das Internet, aber sonst kommt absolut nichts zu früher von ihr. Ich bin überrascht, dass sie das Leben im Dorf schätzt.

Wenn etwas allerdings moralische Fragen aufwirft, dann tippt Anne das nur an. Die Befreiung des Kindes, bei der Jenny kurz mit dem Kind alleine ist und ein sehr interessantes Gespräch führt, bleibt ohne Widerhall. Der Leser vergisst die Szenerie sofort wieder, da es Jenny sofort vergisst. Einzig der erste Mord wird einmal von Chris gegen Ende wieder erwähnt und Jenny sieht wenigstens wie sie reagiert: mit dummen Floskeln sitzt sie neben ihrem Bruder, sagt dumme Floskeln, ist null berührt und denkt wenigstens auch, dass das jetzt wohl dumme Floskeln sind. Wenn sich der Leser also einmal darauf eingelassen hat, von Jenny nichts mehr zu erwarten, sie gut und gerne nicht zu mögen und ihren moralischen Verfall von heute auf morgen einfach hinzunehmen, wird er trotzdem mit einer spannenden Geschichte belohnt [/spoiler]

Trotz den Probleme mit der Gruppe, die ich als Leser hatte, wird das Buch zum Ende hin immer besser. Besser, weil man sich eben schon auf bestimmte Beschreibungen der Autorin eingelassen hat und sie bringt ja wenig Zuwachs in die Gruppe, wenigstens wenig Zuwachs, für die Jenny sich interessiert. Die Enttäuschung, dass man mit den Gruppenmitgliedern nicht so mitfühlt und sie nicht erreichen kann, vergeht in der Mitte des Buches. Gegen Ende ist es so, dass ich wirklich die Art des Erzählens gut fand. Anne Reef möchte keine Gefühle erschreiben, sie lässt dich mit deinem Wunsch nach ein bisschen Zivilisation im Regen stehen.

[spoiler title=“Neugier wird dir hinter SHOW das Ende verderben“] Die Taktik, dass man das Gegenlager durch Carlos Augen sieht, ist wirklich gut gemacht. Der Leser kennt also mehr als Jenny und das tut der Spannung gut. Der Biss in die Hand ist genial. Wie alles, völlig nebensächlich und unnötig. Jenny kann sterben. Klar, der Leser ist mit dem Teil über die Wissenschaft schon in Erwartung, dass die Hauptfigur mutieren wird, aber kurz ist wieder alles möglich. Sie könnte sterben. [/spoiler]

Wer sich also darauf einlässt, dass es aussieht wie The Walking Dead, es aber überhaupt nicht so ist, da es den Leser mit den Figuren emotional nicht mitnimmt, es also nicht um eine Gruppe und ihre inneren Strukturen geht, sondern nur um das Scheitern, den Kampf und den kalten Fisch Jenny, der wird mit Spannung belohnt.

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