Dark Canopy und Dark Destiny von Jennifer Benkau

Dark canopyKennt ihr das? Wenn man von einem Buch so gnadenlos in den Bann geschlagen wird, dass es eigentlich keinen Spaß mehr macht? Wenn man die halbe Nacht liest und sich verzweifelt im Internet spoilern will, es aber nicht schaffte, weil keiner die entscheidenden Informationen verrät? Wenn man wirklich erleichtert ist, wenn man das Buch ausgelesen hat und es einem damit wieder entlässt?

Mir passiert das nicht oft. Ich lese dystopische Jugendbücher und ich bleibe als erwachsene Frau dann doch eher Herrin der Lage, spiele in Gedanken bisschen mit der Idee, träume ein wenig, aber entlarve dann meist die lächerlichen Details und spotte in Gedanken über das eine oder andere.

Nicht hier.

irgendwo hat sich eine Schleuse geöffnet und ich kam nicht mehr raus. Knapp 1000 Seiten in 10 Tagen und ich habe gelitten wie ein Tier.

Schlimm.

Ich drösle auf:

Sprache

Die Sprache der beiden Bücher von Jennifer Benkau Dark Canopy und Dark Destiny ist wirklich gut. Ohne Frage. Die Bücher sind nicht übersetzt, sie wurden in deutsch geschrieben und das merkt man ihnen an. Sie ist detailliert und schmückt aus, verliert sich aber nicht, denn ein Endzeitbuch lebt auch von der Spannung.

Thema

Das Motiv ist nicht neu, und ich bin ja ein Fan von bekannten Dingen, die man nicht gewaltsam neu erfindet, sondern nur geschickt neu verbindet.

Die Geschichte spielt in England irgendwo in der Zukunft, unsere Welt ist vergessen. Es geht um eine Stadt und das darum liegende Umland. Mehr Horizont ist für eine lange Zeit in der Geschichte nicht auszumachen. In der Stadt herrscht eine genveränderte Spezies von Soldaten, die aus den lange vergangenen Weltkriegen übriggebliebene ist und sich aus der Sklaverei der Menschen einst befreit haben. Sie leben in einem militärischen System und haben die Menschen der Stadt unterjocht. Ihre Regeln sind grausam. Die Autorin läßt hier nichts aus. Es fließt Blut, es wird vergewaltigt und Menschen sterben. Außerhalb der Stadt leben Rebellen. Sie sind auf den zweiten Blick nicht minder grausam.

Klassisches Motiv, also.

Natürlich gibt es ein paar interessante Details über die Supersoldaten, die mir in dieser Form noch nicht untergekommen sind, aber das Gerüst wirkt bekannt.

Die Geschichte entfaltet sich als Romeo-und-Julia-Thema um ein Rebellenmädchen und einen der Soldaten. Das wirkt jetzt auf den ersten Blick sehr überschaubar, aber irgendwas an den beiden hat mich doch grundsätzlich berührt. Vielleicht, weil die Autorin mich in entscheidenen Momenten überraschen konnte, vielleicht, weil weder Romeo noch Julia besonders unschuldig sind. Sie laden in Laufe der Geschichte eine Menge Schuld auf ihre Beziehung, aber ihre Handlungen sind immer so gut nachzuvollziehen, dass es wehtut, wenn man ein bisschen mehr weiß als sie.

Das erste Buch hat einen klareren Spannungsbogen als das zweite Buch, aber ich habe sie eh in einem gesehen und gelesen, denn es geht nahtlos weiter. Das Ende zieht sich sehr und ist dann doch abrupt.

In den meisten dystopischen Romanen gibt es eine oder mehrere Verknüpfungen zu unserer heutigen Welt und das ist hier ganz klar der Rassismus. Besonders gegen Ende des zweiten Buches wird das nochmal deutlich unterstrichen und das tut weh, denn man hofft automatisch, dass er überwunden werden kann.

Ich habe in vielen Rezensionen gelesen, dass man unzufrieden mit dem Ende gewesen wäre. Das Ende eines Buches, vor allem in diesem Genre, ist auch nicht einfach. Ich habe noch keines gelesen, dass mir wirklich gefallen hätte. Entweder die Protagonisten blicken einem Sonnenaufgang entgegen oder einem Sonnenuntergang. Meistens ist es ein Sonnenaufgang. Klappe zu. Zum Ende des zweiten Buches hat man das Gefühl, dass man bis zum Mittagessen geblieben ist und den romantischen Abgang mit allen offenen Möglichkeiten leider nicht serviert bekommt. Sie schließt an einem anderen Punkt ab, wodurch das Ende abrupt wirkt und nicht mehr so verschlafen schön ist. Aber die Autorin hat das Buch auch angefangen mit der ersten Begegnung des Rebellenmädchens mit einem Supersoldaten und diese pinkelt erst mal ihre Hose nass…Gut, so fiel Realitätssinn bleibt das ganze Buch über bestehen und so ist auch das Ende.

Einfach nur schlimm.

Und leider berührte es mein Herz.

ich kann jetzt abends wieder andere Dinge machen wie nähen, fernsehgucken oder Blogartikel schreiben. Ich wünsche allen, die diese Bücher nach mir lesen viel Glück, viel Kaffee und sende doch einen Dankesgruß an Early Birdy für die Empfehlung. Vielen Dank auch, der Scheiß hat mich jetzt 10 Nächte gekostet und ich hätte fast geweint. Wer will schon Bücher lesen, die einen verliebt machen.

 

Bildquelle: pixabay

3 Kommentare

  1. Cool, freut mich, dass ich dich anfixen konnte ;-) Ich bin auch beim Lesen halb wahnsinnig geworden! Und über das Ende wird immer gemeckert, da mach ich mir nix draus. Finde sogar, dass es halbwegs passabel gelöst wurde.

  2. Danke für den Buchtipp. Ich hatte das Buch tatsächlich auch auf der Wunschliste, bin aber bis jetzt nicht dazu gekommen. Jetzt ist es auf meiner Liste direkt hochgerutscht und wird in Angriff genommen.
    Wenn ich Dir auch ein Buch empfehlen darf, das apokalyptisch ist und von einem deutschen Autor dann ist es Reset von Jens Bühler. Lies nicht die Rezensionen (Die alle hochlobend sind, aber zu viel verraten) sondern fang direkt an und lass Dich fesseln.

    LG Mareike

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