Autor: fadenvogel (Seite 3 von 38)

Samstagskaffee….ist heute ein Glas Wasser

September. Die letzte Ferienwoche geht für die bayrischen Schulkinder zu Ende. Wir müssen heute noch los und Hausschuhe für den Kindergarten kaufen. Und ich habe die Tomaten reingeholt und zwischen Äpfel gelegt. Für das letzte Rotwerden.

In der letzten Woche waren wir in Ravensburg. Vor allem wegen dem Spieleland, das wir schon letztes Jahr besucht haben. Diesmal halt mit Baby und das ist schon ne andere Nummer. Nicht, weil das Baby so schwierig zu haben ist. Nein, nein, das macht, was es machen soll: essen, schlafen und rumgucken. Nein, ein Elternteil ist halt immer blockiert mit einem Baby. Drei Kinder auf zwei Erwachsene aufteilen: da wartet immer einer. Tut ihnen ja nicht weh, aber unsere Familie muss geduldiger werden. Vor allem ich.

Ich bin da ja am unentspanntesten. Ich will schon mit der ersten Öffnung da sein und ich will auch, dass keiner zu kurz kommt. Mein Mann hat mir da mal den Kopf gewaschen und ich sollte doch mein Tempo drosseln. Recht hat er bisserl, aber wenn es nur nach seinem Tempo geht, dann essen wir um 16 Uhr zu Mittag. Und ich stille noch. Habt ihr mal einer stillenden Frau gesagt, dass das Mittagessen ausfällt? Haha. Wer nicht weiß, was ich damit meine: Probiert es mal aus. Überlebt ihr nicht.

Nun gut, das ist eben so der Perfektionismus, der das Leben übersieht. Leiden eine Menge Mütter dran. Es ist aber auch ein Spagat. Zwischen entspannter Mama und gut organisiertem Haushalt. Aber wenn ich mich mal *gehen lasse* und so, dann gibt es eben keine Hausschuhe in der richtigen Größe fürs neue Kindergartenjahr oder auch mal nix zu essen oder mal kein Klopapier. Dann möchte ich die Herren dieses Hauses aber auch sehen.

Eine Freundin meinte, dass ich schon recht ordentlich wäre. Das ist richtig. Ich bin ordentlich, weil ich faul bin. Ich möchte nix suchen, nix zweimal kaufen oder umsonst, ich will nicht in der Früh hetzen und es ist einfach so, dass Kinder besser alleine spielen, wenn es wenige Spielsachen gibt, die irgendwie aufgeräumt sind. Meine Faulheit hat eben einen Preis. Den Preis der Ordnung.

Aber ich philosophiere hier so am Rande des mütterlichen Perfektionismus herum, während ich eigentlich die Kurve kriegen möchte, um zu sagen, dass Ravensburg eine großartige Jugendherberge hat. Mit einem erstaunlich gutem Essen.

Jugendherberge sind ja bekannt für Kantinenfrass. Manche sind immer noch traumatisierte von ihren eigenen Klassenfahrten und würden nie in eine Jugendherberge fahren. Aber es ist so entspannt da. Überall Kinder, meistens ein Spielplatz, keiner regt sich über brüllende Kinder oder wahlweise brüllende Eltern auf. Und die in Ravensburg, die ist in einer echten Burg, stadtzentral sozusagen.

Am zweiten Tag im Spieleland konnte ich dann auch besser loslassen. Wir sind eben nicht pünktlich gewesen und wir haben aber was zu essen mitgebracht. Wir sind nicht alles alles gefahren und manchmal musste jemand lange warten. Als einer der Zwillinge aber sein komplettes Shirt im Wasserpark nass gemacht hat, waren alle wieder froh, dass der Perfektionismus in mir dafür gesorgt hat, dass wir auch Wechselklamotten dabei haben.

Ich bin eine Alge.

 

Samstagskaffee

Heute habe ich lange geschlafen. Hmmm, das stimmt natürlich so nicht. Ich schlafe überhaupt nicht lange oder viel. Ich habe ein Baby und das bestimmt meinen Schlaf. Ich lag nur lange im Bett und damit haben wir eher ein Brunch als ein Frühstück.

Mein Mann ist selbstständig und wir haben vor, noch ein paar Tage wegzufahren. Es ist aber auch gleichzeitig viel los im *Geschäft*. Deswegen arbeitet er samstags. Das Brunchen macht es möglich, heute auch spät Mittag zu essen. Vielleicht kommt er zu Mittagessen nach Hause. Er ist oft und viel zu Hause. Aber er ist nie ganz *frei* wie ein Angestellter. Vielleicht sollte ich das mal erwähnen, weil vieles hier manchmal so einfach aussieht.

Das Bild vom Brunchen wird jemanden zum Lachen bringen. Darauf sind nämlich versteckt nur Dinge zu sehen, die Anna gekocht hat. Eingekocht hat.  Marmelade und Zwetschgen. Da wir uns trotzdem sehen wollten, hat sie bei mir ihre Zwetschgen eingekocht und ein paar Gläser dagelassen. Dabei habe ich gelernt, wie einfach das Einkochen geht, was für einen phantastischen Dampfgarer ich doch habe und mit meinen Tomaten im Garten gleich damit weitergemacht.

Ich weiß, jetzt werden sich einige meiner Freundinnen ans Hirn fassen und sich fragen, wie man in seinem Leben das Einkochen von Tomatensoße hat auslassen können, aber ich habe es ausgelassen. Ich habe es nie gebraucht, denn die Industrie hat mir eh vorgegaukelt, dass ich Tomatensoße im Glas nie selber machen könnte, deswegen kann man ja auch Tomatensoße im Glas kaufen. Gut, ist einfach. Werde ich wohl auch einfach in Zukunft mehr machen. Dinge einkochen.

Was ich aber diese Woche tatsächlich gemacht habe, ist Sauerteig. Einige Versuche gingen daneben, aber jetzt ist aus Mehl, Salz, Wasser und dem Atem dieses Hauses Brot gebacken worden. Ein Prozess über Tage. Aber der Sauerteig vom Sommer werde ich jetzt liebevoll füttern und weiter Roggenbrot backen. Brot zu kaufen ist an bestimmten Tagen nämlich das einzige, was ich so wirklich besorgen muss und dafür dann ins Auto? Klar, wenn normaler Betrieb ist mit Kindergarten und Larifari ist das ja kein Problem, aber nur und einzig wegen Brot wegfahren? Nervt mich total. Und der Winter wird auch kommen und damit das Problem von wirklich unfahrbaren Tagen. Selbermachen liegt da ab und zu nahe. Aber ich wollte kein Hefe-Baguette im Schnellverfahren. Ich wollte ein schönes Brot ohne alles.

Wenn man Blogs so liest, so kommt es einem ja manchmal so vor, als ob sich bestimmte Menschen nur in Schönheit hüllen. Brotbacken, Marmelade einkochen, ein neues Baby. Ach ja.

Dabei habe ich eine Tonne Wäsche gewaschen, die heute aufs Einräumen wartet. Wie ein Monster sitzt der Wäscheberg neben der Waschmaschine. Und auf dem Bild ist eh nur die Hälfte zu sehen. Das ist nicht schlimm. Ich und das Wäschemonster – wir verstehe uns und meistens ist er eh mein sekundärer Kleiderschrank. Aber ich sollte auch das mal erwähnen, weil machmal hier alles zu einfach aussieht.

Manchmal schreit mein Baby auch die Bude hier zam und einer von meinen Zwillingen braucht einen persönlichen Sklaven. Der andere beschäftigt sich selber, aber einer von beiden steht immer mit vorwurfsvollen Gesicht neben mir und möchte ein Spiel spielen, ein Glas Wasser, ein Spiel spielen, Mittagessen, alles gleich, sofort und jetzt.

Das macht mich zur Zeit wahnsinnig. Ich spiele gerne, wirklich, aber ich hab das Gefühl, dass es nie genug ist. Kinder können einem auch das Gefühl vermitteln, dass es nie genug ist. Was du vor einer halben Stunde gemacht hast, ist für sie nämlich Schnee von vorgestern. Nie hast du Zeit, Mama.

Diese Woche habe ich einen Entschluss gefasst. Dieser Entschluss dreht sich darum, wie ich die Dinge sehe. Ich finde nämlich, dass diese Kinder hier eine ausgezeichnete Kindheit haben. Und ich lass mich nicht mehr davon wegbringen. Auch von einem vorwurfsvollen Kindergesicht nicht. Ich habe manchmal Zeit, manchmal nicht. Und ich finde, dass sich jeder hier auch mal mit seinem eigenen Scheiß beschäftigen kann.

Mein Scheiß ist ja neben dem Einkochen und Brotbacken ja oft das Nähen. Wenn ich hier alles zeigen würde, was ich so nähe, pffff. Ich nähe zur Entspannung abends. Manche gehen in ein Schaumbad, manche sitzen vor dem Fernseher. ich nähe am liebsten. Klar brauch ich dafür auch einen bestimmten Schwung, Ab und zu bin ich so müde, da komm ich tagelang nicht vom Fernseher los, aber in guten Zeiten nähe ich, wenn alle Kinder schlafen…oder auch, wenn nur das Baby schläft.

Dem Baby habe ich gestern dafür auch noch kleine Schuhe genäht. Eher Socken. Und es ihm heute morgen gleich alles angezogen. Mich nervt es, dass Menschen dann als erstes zu meinen Nähobjekten dann Sachen sagen wie *Dass du dafür noch Zeit hast….* oder so ähnlich. Ich lasse das dann so stehen. Nähen ist für die meisten dann doch eher *Arbeit*. Und vielleicht unterschätzen sie auch, wie lange man braucht für manche Sachen. Wer viel näht, wird halt auch immer schneller. Für so einen Strampler brauche ich keine 2 Stunden. Vielleicht ist es auch ein Vorwurf. Dass man solche überflüssigen Dinge wie Nähen nicht mehr machen darf als Mutter. Weil man nur eine gute Mutter sein kann, wenn man sich aufopfert. 24/7. So Sklavenmäßig. Dass würde meinem einem Sohn ja gefallen. Immer eine Mama, die Ja und Amen sagt zu seinen Vorstellungen. Ich hätte keine Lust darauf zu sehen, was da für ein Mensch dann rauskommt.

Alles sieht im Internet so einfach aus. Manches ist einfach, anderes sieht nur so aus. Ich habe meinen schnell genähten Strampler übrigens bereits in der Waschmaschine. Das Baby hat ihn vollgeschissen – so schnell wie ich ihn genäht habe.

Frühstücksidee: Overnight Oats

Wer diesen Blog bisschen verfolgt, der weiß, dass ich echt Wert auf die erste Mahlzeit des Tages lege. Wir haben Müsli selber gemacht und haben Bananen-Muffins gebacken.

Seit das dritte Kind hier eigezogen ist, fällt mir aber auf, dass ich nicht mehr dahinter sein muss, dass alle anderen frühstücken – die machen das von Herzen gerne (alle) – sondern vor allem auf mich achten sollte.

Mama muss frühstücken und hat dafür so um die 3-5 Minuten Zeit.

Deswegen bin ich ein Fan von den berühmten Overnight Oats geworden. Gut, früher ham ma Bichermüsli dazu gesagt. Des Ganze gibt es in unzähligen Varianten. Ich stelle euch hier mal meine vor.

Meine Basis sind Haferflocken

Mit einem Schuss Milch 

Darauf ein bisserl Joghurt 

 

Vielleicht Leinsamen, aber auf alle Fälle Nüsse. Walnüsse, beispielsweise.

Und darauf noch gefrorene Früchte. Und Honig – soll ja nicht zu gesund sein…

Inzwischen habe ich auch Varianten mit vorher eingefrorenen Früchten. Ich habe beispielsweise eine Schale Brombeeren gehabt, die zu schimmeln anzufangen drohte und die sonst das Schicksal von Muffins gehabt hätte. Einfach in diese Schraub-Gläser portionieren und dann mit den Haferflocken anfangen. Auch Smoothie kann man so einfrieren und dann zu diesem Frühstück weiterverarbeiten – gerade wenn mal wieder was kaputt zu gehen scheint an Bananen oder Pfirsichen. Typisch Mama – Resteessen. Was weg muss, muss weg. Kann man aber trotzdem sich selbst schön und viel wichtiger echt lecker machen.

Über Nacht in den Kühlschrank – morgens ein schnelles Frühstück.

 

Samstagskaffee … am Sonntag im Garten

Diesen Samstag habe ich es nicht geschafft, einen kleinen Beitrag zum Kaffee zu schreiben. Deshalb gibt es den Samstagskaffee am Sonntag.

Obwohl noch August ist, spüre ich schon an manchen Ecken den Herbst. Morgens, wenn die Luft bisschen kühler ist und ganz nass vom Nachtregen.

Unsere Gartensaison neigt sich damit dem Ende entgegen und wir haben einen Haufen Tomaten, Gurken und Bohnen gehabt/haben. Die letzte/erste Zucchini versucht noch ihr Glück. Wir halten ihr beide Daumen.

Gartenarbeit bindet. So eine Pflanze wächst zwar von allen, aber man muss sie zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort setzen. Und ich muss gestehen, ohne meine Schwiegermutter und ihr herzhaftes Eingreifen in unser Hochbeet wäre das nicht möglich gewesen. Meine Schwiegermutter ist aus Kroatien und da pflegt man seinen Nutzgarten mit Liebe. Da wachsen aber auch Feigen, Datteln und Aprikosen. Dass wir hier im Norden sind und wir uns auf robustere Pflanzen spezialisieren müssen, sieht sie zwar immer wieder nicht ein, aber die Tomaten, die sie vorbeigebracht hat, die wachsen wie Unkraut.

Beim Kaffee besprechen wir unsere Pläne für das nächste Jahr. Die Bohnen brauchen höheres Klettergerüst, die Tomaten brachen einen eigenen Kasten. Welche Pflanzen wollen wir noch einpflanzen, welche lassen wir weg. Ein typisches Gartengespräch für Ende August.

Dinge, die sich lohnen: Hörbert

Viele Eltern kennen den Holzkasten. Und finden ihn zu teuer für einen Kinder-Abspielgerät. Und kaufen haufenweise Plastik aus China, billig und schnell wieder kaputt. Und damit liegen die meisten deutlich über den Preis für den Hörbert. Denn eines kann ich euch sagen: Er hat bis jetzt 3 Jahre Zwillingshaushalt überlebt – ohne einen Tag Mucken zu machen.

Dabei ist er von Betten geflogen, wurde wild herumgedrückt, ist vergessen worden zwischen Kissen, wurde mal an die Wand gefeuert – alles ohne zu Bruch zu gehen.

Deswegen bin ich so ein Fan. Er ist nämlich großartig und hat eine extrem gute Akustik.

Kauft das Ding, falls ihr noch überlegt.

Dabei muss man den Hörbert aber immer selber bespielen. Das heißt man setzt sich als Eltern abends an seinen Rechner, nimmt den Chip aus dem Gerät raus, lädt sich so eine Software runter und überlegt dann, welche Hörspiele und CDs auf den Hörbert übertragen werden sollen.

Ja, das ist Arbeit.

Ja, ich habe mal ein Jahr den Hörbert mit immer den gleichen Sachen gehabt, weil ich zu faul war, meinen Kindern irgendeine geile Abwechslung zu bieten.

Ja, Kinder stehen auf Wiederholung und wollen nur die eine Pumuckle-Folge monatelang hören.

Perfekt.

Dazu kommt jetzt, dass ich ein Fan bin von Hörspielen.

Letztens habe ich folgende Seite entdeckt: OHRKA

Meine Söhne stehen total auf Baron Münchhausen und überlegen noch, ob sie Alice im Wunderland doof finden. Schaut auf der Seite vorbei, lohnt sich.

Und nein, ich habe von Hörbert nix dafür bekommen, dass ich hier so Lobeshymnen anstimme. Das ist keine Werbung, sondern eine Liebeserklärung.

 

Babydecke häkeln … mit Schnullerband

Ich kann nicht gut häkeln. Mein erster Versuch liegt Jahre zurück. Es ging um eine kleine Tasche und sie hat sich so verzogen, dass man sie gar nicht benutzen konnte. Viel Arbeit für nix.

Jetzt habe ich die Granny Squares entdeckt. Quadrate, die sich zu Decken oder eben allen möglichen verbinden lassen. Ich mag an Häkeln, dass man nicht so viel Gewurschtelt hat und das Häkelzeug leicht mitnehmen kann.

Mein erstes Projekt war diese Häkeldecke, das aus dem *originalem* Granny Square, sozusagen dem ursprünglichen Muster ohne Schnickschnack, in *Endlosschleife* besteht.

Da das Käferle ein Schnuller-Kind st, habe ich den (immer verloren gehenden) Schnuller kurzerhand drangehäkelt. Eine Freundin machte mich darauf aufmerksam, dass man ihn so nicht mehr auskochen kann. Gut, er wird ab und an unter kochendes Wasser gehalten. Wenn er zu klein wird, wird er abgeschnitten. Ist ja bloß Häkelzeug….

Ganz gut hier erklärt:

Dieser Beitrag wird verlinkt mit dem Creadienstag und dem Kiddikram.

Samstagskaffee und die Frage nach dem Glück

Wir sind in Sommerferien. Sommerferien daheim. Das heisst, mit Besuch und Ausflügen. Nach einer langen Woche des Sonnenscheins heute der erste Regentag. Die größeren Jungs sind mit dem Papa zum Metzger gefahren, ich und das Käferle bleiben zu Hause. Wir wollen heute Spätzle machen.

Diese Woche kam viel Besuch zu uns. Der Besuch der anderen lässt einem ja gerne übe das Eigene nachdenken. In manchen Familien kracht es und die Leichen kommen aus dem Keller gekrochen – wobei, wie unsauber formuliert. Es sind ja gar nicht die Familien, die auseinander brechen, sondern die Paare. Papa und Mama bleibt man auf ewig. Und manche formen neue Familien oder erweiterte Teile von alten Familien. Manche Väter verschwinden.

Ich habe Freundinnen, die, wenn man ihr Leben vertauscht, keine Sekunde in der Ehe der anderen leben könnten. Ich will damit sagen, dass man vorsichtig sein soll mit der Wertung. Was einem selber guttut, muss nicht einem anderen guttun. Frauen vergleichen sich ja auch ganz gerne untereinander. Wessen Mann hilft wie viel im Haushalt, mit den Kindern, im Streit mit der Schwiegermama. Wer schläft lange, wer schläft nicht mehr. Dabei gibt es keine Formel, dabei hilft kein Messbecher zum Glück. Das ist für jeden anders. Wobei ich meistens den Ansatz schon seltsam finde, aber das bin ich. Es ist ja auch sein Haus, seine Kinder und seine Mutter. Da ist man ein Team oder man ist nix mehr. Einer Frau helfen? Ich würd eher sagen, jeder schaut, dass es allen gut geht. Immer.

Alle meine Besuche und alle Gespräche kann man auf diese eine Frage reduzieren: Was ist das Glück? Meine Version davon. Was macht mich aus?

Viele kennen mich in dieser Version und denken wohl, dass mich so Sachen wie das Handarbeiten ausmachen oder meine Kinder oder das Haus, in dem ich lebe, aber das stimmt nicht. Mich gibt es ja schon länger als diese Kinder und dieses Haus und selbst länger als das Nähen oder Stricken. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind unbedingt lesen können wollte. Ich weiß auch noch, welchen Buchstaben ich als Erstes von der Schule mit nach Hause brachte und dann dachte, ich könnte endlich das Buch über Kleopatra lesen. Mein Vater hat es mir gegeben und war wirklich einfühlsam, als er sagte, ich könne gerne alle Os aus dem Buch heraussuchen, wenn ich wollte. Ich konnte nicht gleich lesen und das hat mich geärgert, aber ich habe es mit viel Geduld gelernt. So wie alle Dinge danach.

Ich nähe nicht gerne, ich lerne gerne – das macht mein Glück aus: Eine Mischung aus Neuem und Vertrautem. Ein bisschen Herausforderung und dann aber auch Erfolg.

Jetzt bin ich auf dem Land in einem Haus mit drei Kindern gelandet – und versuche mich in Sauerteig, Nähzeitschriften und Brotbackbüchern. Mein Glück besteht darin, dass ich – auch nach etlichen Misserfolgen – etwas neues Gelernt habe und das erfolgreich.

Kein Wunder, dass ich gerne mit Kindern lebe. Kinder sind nie gleich. Sie wollen immer andere Sachen und sind in anderen Phasen. Mit Kindern lernt man echt viele Dinge kennen.

Kein Wunder, dass eine meiner ältersten Freundschaften aus einem Lehrer-Schüler-Verhältnis entstand. Ich bin gerne Schülerin.

Hätte ich ein anderes Leben und würde nicht nähen, so hätte ich sicher mein Glück in ähnlichen Strukturen gefunden: Neue Sprachen, Fortbildungen, eine berufliche Karriere mit immer höher hinaus.

Ich bedauere nicht, dass ich lerne, indem ich mir neue Schnittmuster besorge statt neuen Positionen in irgendeiner Firma. Ich meine bloss, dass eben aus dem Lernen mein Glück besteht. Das macht mich aus.

Jetzt lebe ich in einer Ehe, in dem mein Glück so arg gefördert wird. Manchmal mit einem Augenrollen, aber grundsätzlich findet mein Mann diese Eigenschaft an mir toll. Das ich immer was Neues anschleife und daran dann arbeite. Er belächelt meine Versuche, Brot zu backen und wartet ab, was ich so herausfinde und findet es dann sicherlich ganz großartig, wenn es hier mal richtiges echtes Brot gibt – kein kleines Hefe-Thermomix-baguett, sondern Sauerteig-Brot mit Vorteig und Gärkörbchen. Ich weiß nicht, ob er mich genauso großartig finden würde, wenn ich kinderlos wäre und ihm von dem neuen Job in Singapur erzählen würd. Vielleicht überhaupt nicht, aber darum geht es in der totalen Innenperspektive ja nicht. Ich weiß, ich bin glücklich, solange ich was zu lernen habe.

Was macht dich aus?

Samstagskaffee #3

Heute kommt ein Kaffee aus dem Chaos. Eine befreundete Familie macht bei uns Halt auf dem Weg nach Italien. Jetzt sind es 7 Kinder hier. Zwillinge mit 5 Jahren, Zwillinge mit 2 Jahren, ein Mädel mit 3 und eines mit 8 Jahren und dazwischen unser Baby mit seinen 6 Wochen. 

Der erste Zwetschgendatschi des Jahres. 

Kaffee und eine Kanne Kakao. 

Die Großen spielen nachher „Achterbahn“ mit dem Bollerwagen. Besser, man guckt nicht genau hin. Solang sie lachen, ist doch eh alles in Ordnung. 

Die Kleineren räumen jede Spielzeugbox aus und untersuchen den Inhalt. Eine lange Schlange aus Dinosauriern wird aufgestellt. 

Das Baby kommt aber nicht zur Ruhe und wir beide ziehen uns ins Schlafzimmer zurück. Er guckt mich mit großen Augen an. Willkommen im Leben, Kleiner. 

Samstagskaffee #2

Meine Söhne haben sich die Schuhe ausgezogen. Jetzt schon. Verspricht ein heißer Tag zu werden.  Wir sind auf einem Spielplatz. Es ist erst halb 9.


Der letzte Friseurtermin für alle Männer war nur noch um 8 Uhr morgens zu bekommen. Also sind wir vor dem Frühstück los und haben am Lenggrieser Bahnhof Kaffee getrunken.

Klingt stressig, war es auch. Aber auch ruhig, als alle was zu essen hatten. So ist es mit Kindern immer: gleichzeitig stressig und ruhig.

Mein großes Thema diese Woche ist tatsächlich mein eigenes Bett. Die ersten Wochen habe ich auf der Couch geschlafen, um meinen Mann nicht zu stören und meinen anderen Kindern nicht ausgerechnet jetzt beibringen zu müssen, dass sie nicht mehr nachts unter unsere Bettdecke schlüpfen können. Und auch, um nahe beim Fernseher zu sein. Ich bin nachts schwer wach zu bekommen und wenn ich dann den Fernseher anschalte, geht es irgendwie besser. Aber die Couch und ich – wir sind an unsere Grenzen gestoßen. Mein Rücken hat das nicht mehr mitgemacht und so bin ich mit meinem Baby wieder ins Ehebett gezogen. Neben dran das Kinderbettchen – wobei, Baby schläft sowieso im Bett. Ich weiß, aber ich habe unseren Bereich mit so nem Riesen-Stillkissen abgetrennt von dem der anderen Schläfer und da ich nachts jetzt sowieso ständig wach bin, trage ich auch die älteren Kinder wieder in ihr eigenes Bett. Manchmal breche ich vor Müdigkeit zusammen und werde garstig zu allen und ich kann mir auch schwerer Sachen merken. Mitten im Satz weiß ich dann nicht mehr, welche Geschichte ich erzählt habe, aber ich weiß, dass sind nur die wenigen blöden Sachen – meistens ist es schön. Ruhig und stressig eben.

Blick von der Lenggrieser Brücke zur Isar an einem Samstag im August vor 9 Uhr morgens.

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