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Patchwork von Uwe Rosenberg: Spiel für Alle

Die Tage werden länger, die Kinder größer und irgendwann kommt die Stunde, auf die erwachsene Spieler warten: Kinder, die Erwachsenenspiele mitspielen und toll finden.

Yeah!

Eines meiner persönlichen Lieblingsspiele ist das 2-er Spiel *Patchwork* von Uwe Rosenberg. Ok, thematisch auch nah an mir dran, denn es ist tatsächlich *Patchwork* im Sinne von *Flickennähen* gemeint.

Bei Patchwork baut jeder Spieler aus verschiedenen *Flicken*, die man nach einem einfachem Muster erwerben kann, einen kleinen Teppich zusammen. Ein *Bauspiel*, bei dem es mal nicht um Rohstoffe wie Fisch oder Lehm geht, sondern um ein Quadrat. Sehr abstrakt eigentlich.

Das Spiel ist hochwertig gemacht, die Währung sind Knöpfe und Zeit. Herrlich.

Im Netz sind  manch männliche Spieler davon begeistert, weil es sehr geometrisch, klar und strategisch ist und die hübschen Fleckenuntensilien, die ich ja schön finde, wohl grundsätzlich ignoriert werden.

Meine Quelle für neue Spiele und Rezensionen ist der youtube-Kanal

„Hunter  & Cron“.  , die hier mit einer Bestenliste verlinkt sind. In dieser Top 10 aus dem Jahre 2016 liegt *Patchwork* bei meinen beiden liebsten Nerds aus den 90ern auf Platz 1. Die Spielerszene ist echt begeistert und so sind wir es hier auch. Vor allem, weil das Spiel eben kein *Kinderspiel* ist, sondern einfach ein Spiel. Für alle.

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Spiel für Kinder

Spiel für zwei Spieler

 

Da es echt so eine Sache ist mit den glücklichen Momenten und weil sie manchmal selten sind und noch seltener abfotographiert werden, wird dieser Beitrag geteilt auf dem Freu-Tag. Eine Linkparty, gie genau solche Momente sammelt: die glücklichen.

 

München ist ein Dorf

Stellt euch vor, ihr seid ein Stadtmensch. Vielleicht müsste ihr euch das auch gar nicht vorstellen. Aber ich versuche mal, präziser zu sein: Stellt euch vor, in eurer Stadt gibt es ein Viertel,in dem ihr echt lange gelebt habt. Als Student irgendwann hingezogen, verliebt, verlobt, zusammengezogen, Kinder. Das erste Jahr mit Baby. Und dann stellt ihr fest, dass ihr noch an keinem Ort zuvor so lange gelebt habt wie dort. In jenem Viertel.

Mir geht es so. Ich habe die größte Zeit meines bisherigen Lebens im Münchner Westend verbracht.

Dann bin ich verschwunden. Aufs Land verzogen.

Nach genau einem Jahr bin ich zum Sommerfest-Picknick unserer ehemaligen Krippe wieder dahin zurück gekommen. Ich war neugierig, wie die Kinder auf ihre alte Heimat reagieren. Ob ihnen bestimmte Menschen, Kinder und Plätze noch was sagen.

Schließlich war unser Leben doch anders hier als auf dem Land. Wir sind die meiste Zeit mit dem Fahrrad herumgefahren und nicht mit dem Auto. Wir hatten unsere Crew am Spielplatz getroffen und haben erst gegen 4 Uhr nachmittag überlegt, was wir denn zum Abendessen machen. Dann sind wir noch schnell zum Türken was einkaufen gegangen. Oder zum Griechen. Oder zum Edeka. Oder zum Aldi.

Mein erster Weg führte mich zur San Francisco coffee company. Die Jungs wollten Babycappuccino – ok, sie erinnern sich doch. Bisschen nostalgisch war ich da. Habe ich mich dort oft mit meiner Freundin getroffen. Die ist inzwischen auch weg.

München is a Dorf Kaffeelove

Und während wir da so draußen sitzen und ich irritiert bin, dass alles noch so aussieht, wie es mal war, treffe ich die erste Bekannte. Eine Frau, deren Namen ich nicht mehr weiß, aber die ich immer exakt an dieser Stelle traf. Sie wohnt ein Haus weiter und die Schneise hin mit dem San Francisco an der Ecke ist ihr Weg. Ich kreuze also nach einem Jahr wieder ihren Weg. Wir unterhalten uns kurz. Wie immer. Sie sagt, dass die anderen Zwillinge vom Viertel sich nachher im Biergarten treffen. Ich verspreche, vorbeizuschauen.

Ich weiß nicht, ob ich das so richtig wiedergebe, aber unser letztes Gespräch verlief ähnlich. Sie lehnte auf ihrem Fahrrad, ihre Kinder waren um sie herum und die Sonne schien. Alle unsere Gespräche verliefen so. Die Menschen gehen weiter ihren Weg. Ob du nun da bist oder nicht. Wären wir wieder hergezogen, dann hätte sich diese Bekanntschaft wieder nahtlos eingefügt. So, als ob wir nicht weg gewesen wären. So muss es sich anfühlen, in sein Dorf zurückzukehren. Alles auf Anfang. Alles wie immer.

Wir gehen weiter auf unseren alten Wegen. Manchmal hat sich ein Laden verändert, ist plötzlich aufgeploppt und wirkt für mich irgendwie unwirklich. Es gibt jetzt einen veganen Supermarkt mit Superfood und eine Salatbar-kette. Früher war an der Stelle ein Jogging-Laden. Man geht halt mit dem Trend. Das ist München.

Mein Sohn legt sich plötzlich auf den Boden. Er will nicht weiter. Ich verspreche ihm den Kuchen, den ich gemacht habe. Er mag nicht zum Picknick. Er mag nicht, dass er nicht weiß, was passiert und wen er trifft. Verdammtes Landei. Ich zweifle an der Idee und schupse ihn mit Worten liebevoll weiter. Für das letzte Stück brauchen wir eine gefühlte Ewigkeit, aber schließlich sitzen sie auf einer Decke am Rand der Feier und mampfen Kuchen. Unser Kuchen lockt die anderen Kinder an und es dauert nicht lange, da ist er mit der Situation doch einverstanden und verschwindet auf dem nahegelegenen Spielplatz.

Es ist so unglaublich voll hier. Ich bin unsicher, wie stark ich auf meine Kinder achten soll. ich habe vergessen, was so der Rahmen der Freiheit ist. Ich mein, der ganze verdammte Park ist voller Leuten. Waren hier immer so viele Leute? Habe ich meine Kinder hier früher so unbekümmert zwischen den ganzen Menschen herumlaufen lassen oder hab ich die dabei beobachtet? Ich weiß es nicht mehr.

Die Begrüßung mit den anderen Eltern verläuft herzlich. Die meisten Väter sitzen im Anzug oder schon im Freizeitdress auch mit auf den Decken rum. Ja, da ist normal hier. Moderne Elternschaft und so. Working parents, Kinderkrippe. Wo ich jetzt herkomme, taucht die Mehrzahl der Frauen alleine mit ihren Kindern auf. So wie ich heut. Ich war gar nicht auf die Idee gekommen, meinen Mann zu überreden mitzufahren. Wie schnell man sich an Geschlechterrollen gewöhnt. Man macht immer das, was die Mehrheit macht. Picknick am frühen Freitag Nachmittag? Frauensache. Die letzen Jahre waren wir hier zu zweit. Ich habe mich schneller ans Land angepasst, als ich dachte.

Eine Mutter bemerkt trocken, dass ich ganz schön bayerisch reden würd. Ich muss fast lachen. Dass muss ich meinen Landfrauen erzählen. Die kippen mir glatt vom Stuhl. Grad ich. Ich rede ein gepflegtes Münchner Hochdeutsch. Die müssten hier mal hören, wie es klingt, wenn man wirklich Dialekt spricht. Da ist das hier nicht mehr München, sondern Minga und kein Mensch würd glauben, dass man sich hier wie am Dorf vorkommen könnt.

Ich bemerke, dass es wenig zu essen gibt. Aprikosen, Reiswaffeln, jemand hat Pizza besorgt. Auch das ist normal hier. Meine Landfrauen haben mich stadttechnisch völlig ruiniert. Die würden einen Haufen Essen zu einem Picknick anschleppen – glaub ich zumindest. Ich habe auch Kuchen gemacht und habe belegte Brote dabei. Massenweise. Letztes Jahr ist mir das auch noch nicht passiert.

Die Details, die anders sind, sind nicht die Details, die ich so damals im Blick hatte. Die Leute verändern sich nirgends. Vielleicht sind neue Gesichter dazugekommen, aber wie man sich so verhält, was man so macht. Da gibt es überall Rhythmen, aus denen nicht ausgebrochen wird. Klar, die meisten Frauen arbeiten. Man tauscht sich schnell über Berufe und Perspektiven aus. Meine Landfrauen arbeiten auch, aber darüber wird nicht so viel gesprochen. Wer nicht arbeitet, der arbeitet auch nicht weniger. Der hat dann halt Hühner oder so. Die Männer sind auch hier selbstständig oder auch nicht. Aber der Beruf Schreiner kommt nicht vor. Die arbeiten hier in verenglischten Berufsbezeichnungen und sitzen im Büro. Aber tauchen zu großer Zahl an einem Freitag nachmittag beim Picknick auf.

Jetzt heulen meine Kinder fast, weil wir gehen. Sie wollen ihre alte Erzieherin am liebsten mitnehmen. Ich verspreche den Spielplatz am Biergarten. Das stimmt sie zumindest friedlich.

Es wuselt am Biergarten und doch finde ich meine Zwillingseltern wieder. Ein Dorf. Dieses Viertel ist ein Dorf und die Leute verlassen die Dorfgrenze nicht. Aus der Masse an Aktivitäten und Plänen, die eine ganze Stadt bietet, wählt man halt doch nur das, was im Viertel passiert. Da passiert ja auch genug. Keiner würde groß mit einem Auto rumfahren. Und fährt man mal mit der U-Bahn bis zum Marienplatz, dann sagen die hier: Wir sind in die Stadt gefahren und das ist als Ausflug zu werten. Der Radius auf dem Land ist viel weiter als in der Stadt. Da fährt man zu dem nächsten Dorf zwengs am Judounterricht und zum nächsten für die Milch. Das fällt einem erst auf, wenn man weg ist. Die Entfernungen schrumpfen. Meine Freundin hat mal gesagt, der Weg von der Stadt zum Land ist viel weiter als umgekehrt. Da hatte sie recht. Es ist kein großes Ding, mal ne Stunde wo hinzufahren, aber ich bin nie freiwillig weit aus dem Viertel rausgefahren, als ich noch hier lebte. Obwohl es kleiner war, war es groß genug.

Mein Sohn fällt von der Wippe und heult, es ist Zeit zu gehen. Die sind jetzt müde. Komisch, dass ich die Zeit überhaupt nicht im Blick hab. Ich muss doch noch weiter fahren und nicht bis um die Ecke. Ich bin deswegen aber überhaupt nicht nervös. Dann fahr ich halt noch.

Ich muss das Abschlusseis noch einlösen. Die Schlange ist mir zu lang am Biergarten und ich will zum Edeka. (Allein bei dem Gedanken, dass mir irgendwo zu viel los sein könnte, da muss ich schon innerlich grinsen)

Als wir den Biergarten verlassen, sagt eine Frau grad zu ihrer Tochter, sie solle zum X gehen. Mein Sohn horcht auf und sagt, er sei X. Sie lächelt und meint, dass ihr Sohn auch so heiße und sie den Bruder des Mädchens meinte. Mein Sohn sagt, sein Bruder heiße Y. Da bleibt die Frau stehen und lächelt diesmal mich an. Ihr Sohn heiße XY. Da grinse ich auch. Wir erinnern uns beide an ein lustige Gespräch vor Jahren vor dem Italiener im Viertel. Da haben wir nämlich festgestellt, dass sie ihren Sohn XY genannt hat und ich meine Zwillinge X und Y. Und wir fanden es total witzig. Ein bisschen ist sie irritiert, mich zu treffen und dann geht sie wieder weiter.

Westend München

Beim Edeka, den ich echt in und auswendig kenne, fröstelt es mich dann doch. Wenn was total gleich aussieht. Und ich den Impuls unterdrücken muss, hier noch schnell was einzukaufen. Die Zeit schien eingefroren. Irgendwie bin ich auch stolz, dass ich so verwurzelt war. Dass ich ein Dorf hatte, in dem ich viele zu kennen schien. Es ist erst ein Jahr vergangen. Vergehen 10 Jahre, lehnt die Frau vielleicht nicht mehr an der einen Stelle an ihrem Fahrrad oder versammeln sich die üblichen Verdächtigen um den Spielplatz am Biergarten.

München ist nur die Imitation eines Dorfes. Für eine gewisse Zeit fühlt es sich wohl ähnlich an, aber die Besetzung wechselt schon schneller. Die meisten, denen ich begegnet bin, sind hier nicht geboren worden und aufgewachsen. Wir kennen uns nicht aus Schulzeiten und es tauchen bei jedem Lebensabschnitt nicht immer wieder die gleichen 5 Hanseln auf. Aber ist man in einem bestimmtem Lebensabschnitt, dann kommt man auch nicht voran ohne einen Ratsch an der Ecke. Ich habe ein paar Leute zu uns eingeladen. Vielleicht verlassen sie für uns doch mal das Viertel. Für einen Kaffee am Land.

 

Das weiße Land – von Autos, Winterdiensten und der königlichen Elternschaft

WinterdienstEs schneit. Endlich, sagen einige. Von anderen hört man gar nichts mehr. Die sind wohl eingeschneit. Letztens habe ich bei Sonnenschein noch ein Fachgespräch unter Müttern mitgehört – über Schneeschaufeln. Wo man welche kriegt – und wo sie bald ausverkauft sein könnten. Man erinnere sich da an ein Jahr, da waren Schneeschaufeln mal Mangelware. Eine Horrorvorstellung.

Ich kenne Schneeschaufeln. In München schippt man auch. Aber da ist es eher eine Frage der nassen Füße. Bis man aus seinem Hinterhaus hervorgekrochen ist und die öffentliche Straße betritt – Tonnen an Streu liegen da rum. Und dann die Sache mit den öffentlichen Verkehrsmitteln! Kaum etwas, was bei Schneefall nach Plan fährt. Die Bahn gesteckt voll. Ein Geruch aus Wollfilz, Schweiß und Matsch. Die Viren schwirren dann so dicht, dass man das Gefühl hat, man könne sie sehen.

Schneeschaufeln haben aber nie existenzielle Sorgen ausgelöst.

Hier sind Schneeschaufeln eng mit der Frage verknüpft, ob man das Haus verlassen kann oder nicht. So generell. Jetzt mal wurscht, ob man dazu nasse Füße hat oder nicht. Denn das Auto muss aus der Garage kommen. Wenn es denn eine Garage hat und nicht unter einem Haufen Schnee liegt. Bei anderen fahren Landwirte mit Traktoren rum und räumen. Bei uns auch. Wir müssten wohl um 5 Uhr morgens aufstehen, wenn wir mit der Hand schippen müssten. So den Erstschnee. Ganz ohne Schippen geht nicht, aber nicht existenziell. Ich bin mir sicher, ich begegne aber Menschen im Kindergarten, die bereits eine Stunde geschnippt haben.

Klar, es gibt einen Bus. Der fährt so zwei Mal am Tag. Also nehmen die meisten das Auto.

In einer Großstadt eine völlig unsinnige Wahl der Fortbewegung, aber hier kann man Autofahren ohne je einparken zu müssen. Natürlich hat der Kindergarten einen Parkplatz. Gibt es denn Kindergärten ohne Parkplatz? Muhaha, ich hab bis jetzt keinen MIT gesehen, aber gut.

Trotzdem fällt es einigen Eltern schwer, diesen auch zu benutzen. Da muss man nämlich vom Parkplatz noch 10 Meter gehen. Also direkt vorm Eingang geparkt. Dieses Verhalten – verboten und saugefährlich – erschließt sich mir zwar nicht, aber das ist wohl ein kultureller Unterschied. In München hält man jeden Parkplatz für *in der Nähe*, wenn er in einem Radius von 500 Metern vom Zielort liegt. Wobei kultureller Unterschied jetzt bös formuliert ist. Es parken nicht Land vs. Zugezogene richtig oder falsch, sondern eher die Fraktion der königlichen Elternschaft – und die ist bunt gemischt. Und ich glaub, jeder, der sich unter Eltern bewegt, weiß, wer unter ihnen die Königseltern sind.

Am Land hab ich mein Auto lieben gelernt – obwohl es eine Diesel-Drecksschleuder ist. Ich kenne auch inzwischen die Leuchtlampe, die angeht, wenn er am Rutschen ist. Da haben wir dann beide ein bisschen Angst, aber er macht das schon. Und ich habe Automatik. Aber inzwischen kann ich die Automatik abschalten und wieder mit Gang fahren – hilft, wenn der Motor bremsen soll und nicht die Bremse. Ist in hügeliger Landschaft mit gefrierender Nässe eine äußerst beruhigende Funktion. Hab ich bis jetzt nicht geschnallt, wozu das gut sein soll. Automatik abschalten? Wer macht das schon? Aber in den letzten Tagen ist es auch mir klar geworden.  Mein Auto und ich halten sich immer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen – und jetzt fahren wir eh im Schneckentempo. Manchen hinter uns macht das ja fertig. Aber das ist mir egal. Und Wuppi auch. Er und ich wissen, dass er sauschnell kann. Aber wir wollen nicht. Es ist einfach gefährlich. (Ja, mein Auto hat einen Namen. Er heißt Wuppi – weil er alles wuppen kann) Aber die geübten Landfahrer sehen das wohl noch nicht als apokalyptische Zustände hier an und kleben manchmal ungeduldig an mir dran. Ich steig gleich aus und huste euch ins Gesicht, ihr Pisser. Auch von dem Arsch eines Autos sollte man Abstand halten. Fahr halt früher los, wenn´s dir ned ausgeht alles.

Ich sehe an meinem Hügel gefühlt alle Stunde den Schneepflug räumen – ich winke immer, wenn ich grad draußen bin. Der Fahrer winkt belustigt zurück. Ohne den Räumdienst wäre hier Essig. Ich könnte praktisch gesehen nicht mehr weg. Kein Job, kein Kindergarten, kein Essen – nix. Wie so ein kleines Element wie der orangefarbene Winterdienst das Zünglein an der Waage sein kann – ob mein Leben funktioniert oder nicht. Ihr versteht, Ich winke immer und lächle dabei. Der Fahrer friert sich wahrscheinlich den Arsch ab. Mein Held.

 

 

Eltern packen ihre Ellenbogen aus: Tatort Kinderkarussell

Kinderkarusell_TumultWeihnachtsmärkte sind beliebte Ausflugsziele hierzulande. Fast überall gibt es einen. Letztes Jahr standen wir noch bei Honigwein am Tollwood in München herum, jetzt sind wir halt bei den Alpenhörnern. Die Kinder finden es großartig. Vor allem, weil auf dem Christkindlmarkt in Bad Tölz ein Karussell seine Runden dreht.

Alles ist so harmonisch. Stellt euch vor, die ersten Schneeflöckchen tanzen im Wind, man hält einen nicht gepanschten Glühwein in der Hand, alles ist schon erledigt, alles in schon getan. Extra Lebenszeit. Die Füße werden ein bisschen kalt, aber man freut sich auf die kuschelige Couch daheim, während man von pausbäckigen Kindern aus kleinen Feuerwehrautos ein *Huhuuuuu, Mama, hier bin ich.* zugerufen bekommt.

Goldig, alles.

Ich glaube, für die Kinder ist es auch so.

Die Eltern stehen aber in Trauben vor dem Karussell und wenn die Glocke ertönt und das Karussell stoppt, bricht der Tumult los.

Eine Frau packt ihr Kind (im roten Wollmantel sieht er aus wie ein Weihnachtself) und schiebt ihn in das Feuerwehrauto. Ich lasse einen amüsierten Kommentar fallen. Sie fährt mich an, dass IHR Kind schon seit 3 Runden auf das Feuerwehrauto warte. Ich erschrecke ein wenig. Das ist nicht lustig hier, das ist total ernst. Die Frau trägt einen hippen Turban aus gebatikten Tüchern. Es lehnt ein Kinderfahrrad aus Holz an ihrem Kinderwagen. Sie bringt ihrem Sohn sicherlich die westlichen Werte aus Toleranz, Biokaffee und Holzspielzeug bei, aber beim Kinderkarussell hört der Spaß auf. Kein Zucker in den ersten 3 Lebensjahren,aber das Feuerwehrauto wird mit Ellenbogen durchgesetzt.

Ich sehe mich um. Viele Eltern reagieren so, schieben ihre Kinder auf eines der sechs Fahrgeräte. Viele, nicht alle. Aber viele sehen zu, dass ihr Kind nicht zu kurz kommt. Vor allem die Eltern der Jüngeren. Die Älteren können sich schon ohne Mama durchsetzen. Aber es ist wie die Reise nach Jerusalem – es sind einfach nicht genug da. Oder etwa doch? Es gibt nur ein Feuerwehrauto, ein Auto in Regenbogenfarben, ein Kreisel. Mein erster Impuls ist es, auch meinen Kinder den gewünschten Platz zu sichern. Ihnen ihre Wünsche zu erfüllen. Gerecht geht es nämlich nicht zu. Der erste mahlt zuerst. Wer wartet, verliert. Auf dem Kinderkarussell regiert das Recht des Stärkeren.

Aber das Feuerwehrauto hat vier Plätze. Zwei vorne, zwei weiter hinten. ich erkenne, dass wir Erwachsenen die hinteren als schlechtere Wahl empfinden. Die Kinder müssen vorne sitzen. Immer in der ersten Reihe.

Mein erster Impuls lässt nach und ich setze keinen Platz für meine Kinder durch. Ich gebe ihnen ihre Karten und lasse sie ziehen. Klar, der eine sitzt jetzt nicht ganz vorne. Aber – während ich im leichten Nieselregen stehe (von Schneeflocken keine Spur) – sehe ich auch, wie scheißegal ihnen das ist. Ihnen geht es ums Karussellfahren. Nicht, um irgendwelche Plätze. Sie verhandeln mit mir schon während der Fahrt, weil sie mir – immer wenn sie an mir vorbeifahren – zurufen: Noch eine? Noch eine?

Gut, noch eine. Ich lasse den Tumult der anderen am Ende der ersten Fahrt an mir vorbeiziehen. Die Mutter mit Holzfahrrad (ich muss zugeben, wir haben dasselbe, wir spielen eigentlich in der gleichen Bio-Liga, oder?) rät ihrem Weihnachtselfen, einfach sitzen zu bleiben. Ein anderer Vater versucht, sein schreiendes Kind auf ein Holzpferd zu hieven. Offensichtlich mag die Kleine keine Karusselle. Sie schreit und er nimmt sie schließlich runter. Er redet mit seiner Frau. Ratlosigkeit. Sie haben bereits den Sparpreis mit 7 Fahrten und eine umsonst gekauft. Schenkelklopfer. So ein Karussell scheint ein Kleinkosmos von Elternwünschen zu sein. Welcher Platz der beste ist. Was denn alles den Kindern Spaß machen MUSS. Manche Kinder wollen einfach nicht auf Holzpferden im Kreis fahren. Das soll es auf dieser bunten Welt auch geben.

Ich habe keine Ahnung, ob es Kinder gibt, die nur glücklich werden, wenn sie im Regenbogenauto rechts vorne sitzen. Vielleicht gibt es auch stille Schüchterne, die nie zu einem Ritt auf dem Holzpferd kommen, wenn man sie nicht drauf sitzt und das ältere Kind böse anguckt dabei. Vielleicht sollte man aber auch gar nicht hinschauen und sie machen lassen. Vielleicht ist es auch eine Kettenreaktion. Fängt irgendjemand an, sein Kind vorzuschieben und durchzuboxen, haben alle anderen auch das Gefühl, dass jetzt mal für ihr Kind auch richten zu müssen.

Der Tumult ist nach einer knappen Minute auch wieder vorbei. Alle Eltern stehen wieder besinnlich um das Fahrgeschäft und winken ihren Kindern zu. Die Frau mit dem Holzfahrrad macht Handyphotos von ihrem Weihnachtselfen. Und lächelt stolz dabei. Bei der dritten und letzten Fahrt sitzen meine Kinder auf der Kuh. Ich finde die Kuh doof. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kuh besser sein soll als das Feuerwehrauto. Aber ich fahre ja nicht mit dem Karussell. Und meine Kinder turnen auf der Kuh rum und winken mir pausbäckig zu. Ihre Wahl, ihr Platz, ihre Fahrt.

Es weihnachtet sehr.

Über Kindergärten, Landfrauen und Nabelschnurkinder

Kindergarten EingewöhnungDer Kindergarten hat für uns begonnen. Das Leben besteht aus Kleinigkeiten. Eine Brotzeitdose, eine Matschhose, pünktlicher Morgenkreis.

Ich vermisse die Kinderkrippe. Ein kleines Team, 12 Kinder, enger Kontakt, pädagogisches Feedback. Im Kindergarten scheint alles ganz anders. Erzieherinnen im Hintergrund, viele Kinder, unbeobachtete Ecken.

Ich sitze mit einer anderen Mutter am Kaffeetisch der Einrichtung. Unsere Kinder machen sich unterschiedlich *gut*. Es ist klar, was ein problemloses Kind ist. Ein problemloses Kind ist ein Kind, dass alleine aufs Klo geht, unabhängig ist und sich auf die Mama freut, aber sie nicht unbedingt braucht.

Zuerst wachsen Kinder in deinem Bauch, dann kommen sie auf die Welt und wachsen heran. Sie gehen immer ein Stückchen weiter von dir weg. Ein ständiger kleiner Abschied. Je mehr du dich verabschiedest, desto unabhängiger werden sie.

Ich mag die andere Mutter. Wir unterhalten uns. Sie sagt, man nehme sich als Mutter doch etwas weg, wenn man sein Kind in die Krippe gibt. Die alte Leier. Innerliches Augenrollen. Ich nenne die Frauen hier *Landfrauen* und diese strikte Haltung gegen Krippen ist mir hier schon öfters begegnet. Bei den *Landfrauen*. In der Stadt waren alle Kinder in der Krippe und ich mit meinem 2-Tages-Modell ein Exot. Erklärungsversuche. Behutsam.

Ist es euch schon auch öfters so gegangen, dass man sehr wohl starke Sätze als Krippenmama einstecken muss aber umgekehrt nicht so wirklich austeilt? Und wenn ein Kind besonders anhänglich ist und man quasi die Nabelschnur noch sehen kann, dass da dann eher lächelndes Schweigen angebracht ist? Man sagt ja auch nicht zu einer anderen Mutter Sätze wie: Aber mit fast 4 Jahren sollte sie nicht in Tränen ausbrechen, wenn du den Raum verlässt…da wäre eine Krippe schon besser gewesen. Dann wäre sie jetzt halt nicht so ein Nabelschnurkind…. Sätze wie: Man verpasst doch so viel, wenn es in der Krippe ist. werden halt schicklich nicht mit Sätzen wie Ja, wenn es nicht in der Krippe ist, dann verpasst man auch eine Menge. Wie ich sehe, vor allem den Punkt der Unabhängigkeit.

Aber zurück zu den Kinder. Ich habe noch gar nicht wirklich Fuß gefasst, da bin ich schon vor der Tür und fahre weg. Lasse meine Kinder in fremder Obhut. Ich zweifle. Ich kenne die Erzieher noch nicht. Mir gefällt nicht, dass sie die Kinder gar nicht ansprechen. Kein Hineingleiten in eine neue Situation, eher ein Schubsen. Aber die Kinder fühlen sich gar nicht wie geschubst, ich bin die Geschubste.

Ich hole sie wieder ab und einer hat in die Hose gemacht. Ich bin bisschen wütend und kritisiere scharf, dass mein Kind erst 3 Jahre alt ist und es nicht reicht, ihm mal zuzurufen, er könne doch aufs Klo gehen. Er muss schon bisschen begleitet werden. Am Abend läuft er selber aufs Klo. Ich gehe hinterher. Er schickt mich weg. Mama, das kann ich alleine. Ich zweifle diesmal an mir. Vielleicht bin ich eine Helikopter-Mom.

Am Ende der Woche gehen sie schon den ganzen Tag in den Kindergarten. Ich beobachte sie beim Abholen heimlich und sie scheinen mir glücklich. Vielleicht sind sie befreit, ohne emotionale Erzieherbindung wie in der Krippe. Vielleicht sehe ich sie nur einsam und alleine, aber sie sehen sich unabhängig und frei.

Der Kindergarten hat zwei Gruppen, die Zwillinge sind getrennt. Bei meinem ersten Besuch hatte ich ein langes Gespräch mit der Leitung darüber. Zuerst fand ich es verstörend, die Kinder zu trennen, aber jetzt erkenne ich das Potential. Jeder Mensch muss sich selbst finden und die Werkzeuge dazu sollten in der Kindheit geschmiedet werden. Wenn sie sich in Kindergruppen nie alleine behaupten müssen und immer nur ein Zwei sind, wie sollen sie es dann plötzlich später können.

Am Ende ist man als Eltern meistens alleine mit seinen Entscheidungen. Welche Wege man einschlägt, um seine Kinder zu erziehen und ihnen den Weg in ihr eigenes Leben zu weisen. Alle Kinder sind verschieden, so wie alle Wege.

Kinder ohne Stress – 9 Ideen für das Kriegsgebiet Elternschaft

Kriegsgebiet ElternschaftIch bin eine Mutter, die keinen Stress haben will. Das ist doch mal ein hohes Ziel. Bin ich im Stress, wird die Situation nicht mehr gut. Verloren. Kinder sind da nie Schuld dran, mal vorausgeschickt. Nur meine miese Organisation. Getreu dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Dabei haben mir oft kleine Kniffe und Überlegungen geholfen, die ich beim Beobachten anderer Mütter oder beim abendlichen Analysieren irgendwelcher Katastrophensituationen für mich mitgenommen habe. Auffallend ist dabei, dass es eigentlich total dämliche Dinge gefehlt haben, aber die haben dann wirklich gefehlt. Ich bin nicht so die Ratgeber-Tante, aber vielleicht führt eine Idee zu einer Idee, die auch euch nützt. Meine Kinder sind jetzt dann 3 Jahre alt.

1. Buggy or not. 

Bollerwagen

Keine Ahnung, aber irgendwann lassen sich Kinder nicht so ohne Weiteres durch den Supermarkt schieben. Oder über einen Kirmes. Oder einen Markt. Sie wollen raus und alles erkunden. Ich verstehe das. Ich lasse das auch gerne zu, aber nicht immer. Irgendwo geht es halt auch nicht. Ich habe eine Menge Transportmittel für Kinder: einen Fahrradanhänger, einen Buggy, einen Rollkoffer, einen Kinder-wander-rucksack. Aber ich muss hier mal die Lanze für den Bollerwagen brechen. Bollerwagen sehe ich kaum in der Stadt, aber er ist sein Geld wert gewesen. Das erste Mal kam er im Campingurlaub zum Einsatz, da Sand am Strand kein Hindernis darstellt. Kinder fahren einfach gerne damit. Es hat nichts von Kinder-einschnall-Baby-Transporter, wahrscheinlich liegt es daran. Ich gehe damit auch einkaufen, ja. Bisschen schwerer zu fahren, aber Hey, solange alle sitzen bleiben, wenn sie´s sollen…Für Zwillinge gibt es keine Einkaufwagen mit Kleinkindsitz für zwei…

2. Wertsachen am Spielplatz

Wertsachen am Spielplatz

Okay, der ist einfach. Ehrlich. Ich spaziere wie die anderen Mütter auch am Rand des Sandkastens und unterhalte mich. Ich sitze manchmal auch im Sand drin. Ich spiele Fussball. Handy, Geldbeutel und Hausschlüssel sind da gerne mal in der Manteltasche, aber im Sommer? Einfach auf der Mom-Decke liegen lassen und auf das gute Herz hoffen? Früh habe ich mir angewöhnt, einen Gürtelbeutel oder Hüfttasche oder wie immer man die Dinger nennt..zu tragen. Ich habe die Hände frei und im Notfall kann ich so mein ganzen Kinderwagen-Besitz stehen lassen und irgendeinem Kind nachrennen. Das sieht nicht unbedingt geil aus, aber es ist praktisch. Inzwischen besitze ich auch ein von einer lieben Freundin Selbstgenähtes für die schicken Momente.

3. Zitronenwasser und Limonade

Zitronenwasser

Okay, ich bin kein Freund von Süßgetränken, Apfelschorle ist der höchste Genuss aus meinem Kühlschrank. Meistens gibt es Sprudelwasser, das mögen meine Kinder auch am liebsten. Manchmal quetsche ich eine Zitrone aus und schütte Sprudelwasser drauf. Das kann man auch ohne Zucker beruhigt Limonade nennen, vor allem gibt das so einen Zitronenschaum, wenn man zuerst die Zitrone ins Glas schüttet und dann das Sprudelwasser drauf. Limonade ist immer ein Hit.

4. Iss deinen Teller auf

Kleinkinder am Esstisch

Mein Mann mag nicht, wenn man Essen wegwirft. Mit Kinder kommt das leider öfter vor. Ich habe immer hübsche Teller zusammengestellt. Nach meinem Besuch in Wien habe ich von Julia einen sehr simplen Tipp bekommen: Sie essen das, was sie sich selber auf den Teller legen. Bäm, was für eine brilliant einfache Idee. Es funktioniert aber tatsächlich. Kinder essen ihren Teller leer. IHREN, nicht meine Vorstellung davon. Wenn jemand heute nur Bock auf 3 Nudeln ohne Soße hat, gut. Selbstbewußtsein hat auch was damit zu tun, dass man lernen muss, sich bewußt zu werden, wie viel man von was essen möchte. Ich persönlich arbeite jetzt an mir. Ich kann das nämlich gar nicht gut und stelle jetzt meinen Teller immer heimlich in die Küche….

5. Eis zum Frühstück

Eis zum Frühstück

Ab und an habe ich seltsame Ideen. ich stelle mir vor, dass ich es besser fände, wenn Kinder so was wie Pfirsiche und Buttermilch zum Frühstück essen würde statt Honigbrote oder Müsliriegel. Nichts gegen Honig und Müsli, aber wie gesagt, ich fand Pfirsiche und Buttermilch plötzlich ganz groß. Ab und an hole ich jetzt an heißen Tagen Buttermilch mit Pfirsichen heraus – meine Kinder nennen es Frühstückseis oder Milcheis. Keine Ahnung, ob Eis jetzt der pädagogische Food-Gipfel ist, aber ich finde es toll. Pfirsiche ganz mit Buttermilch pur in den Mixer geben und in so Fertigeisformen schütten. Gibt es überall – im Netz, bei IKEA, usw. Honig, Zucker und so weiter sind da von Haus aus schon drin und müssen nicht extra zugegeben werden.

6. Wasserschuhe

wasserschuhe

Meine Kinder besitzen nicht viele Schuhe. Aber sie haben so Wasserschuhe. Zuerst war ich nicht sehr begeistert davon, weil ich sie fürs Schwimmen bisschen klobig finde, aber es sind die idealen Spielplatzschuhe, vor allem bei Spielplätzen mit Wasserstellen und kleinen spitzen Steinen. Klar, Kinder sollten auch barfuß herumlaufen – im weichen Gras, im warmen Sand, aber nicht dort, wo auch Glassplitter und Zigarettenstummel herumliegen. Und diese Art von Schuhen halten auch noch die Füße warm. Das mag im Sommer absurd wirken, aber das meiste Wasser an Spielecken ist nicht soooo warm. Und mehr Trittsicherheit bieten sie auch.

7. Plastiktüten

Jetzt kommt etwas, was ich in keinem Foto festhalten konnte und wollte. Ich bemühe mich immer, mindestens zwei Plastiktüten auf Ausflügen oder Spielplatzbesuchen mitzunehmen. Eine für die nassen Sachen, die bei den sommerlichen Wasserspielen anfallen. Die andere für den würdigen Moment, nicht mit einer versch+++ Windel in der Hand zum Mülleimer spazieren zu müssen, sondern mit einer Plastiktüte, wo man all den Müll aus Taschentüchern und Steckerleispapier auch hineingeben kann. Simpel, aber keine schlechte simple Idee.

8. Naturjoghurt und Kinder

Naturjoghurt und Kinder

Hand aufs Herz, wer will nicht, dass die eigenen Kinder lieber Naturjoghurt essen würden als „Omas Apfelkuchen“ oder „Fantasia“ oder – worse – Schokoriegel-versionen von Joghurt. Manchmal gebe ich ihnen die volle Dröhnung Zuckerjoghurt, manchmal mische ich Naturjoghurt darunter, um es bisschen abzumildern, manchmal peppe ich den Naturjoghurt auf – mit Lebensmittelfarbe und Honig. OK, das ist natürlich nicht, was alle Eltern wollen: Die Kinder, die bei weißen nackten Joghurt anfangen zu jubeln, aber man muss mit dem arbeiten, was man kriegt…und notfalls das Essen mit Farbe aufpeppen. Hat schon seine Dienste erfüllt. Blauer Joghurt ist hat tausendmal interessanter als der weiße…keine Ahnung, wieso.

9. Kinder sollen auch mal ruhig sitzen können

Tisch und Spiele

Das ist schwer, vor allem, wenn es um Essengehen geht. Ich habe mich ja schon hier gefragt, ob man Kinder mit Iphones stumm schalten darf. Unabhängig davon, dass ich es gut finde, wenn sie ein bisschen Medien mitkriegen, habe ich jetzt einen Jutebeutel zusammengestellt, den ich im Auto lagere. So kann ich in den Momenten, an dem ich todsicher vergessen habe, Malheft mitzunehmen, darauf zurückgreifen. Auch bisschen simpel, aber effektiv.

Seit langem spielen wir auch ein Spiel, wenn es sehr unerträglich wird, noch 5 Minuten auf etwas zu warten…ich stelle Dinge am Tisch in eine Reihe: Salzstreuer, Pfefferstreuer, Messer, Gabel, meine Sonnenbrille und sage ihnen die Reihe vor. Dann müssen sie wegschauen und ich entferne eine Sache. Sie müssen dann raten, welche. Mit Zweijährigen reichen vier Sachen, jetzt sind sie schon sehr viel besser und ich muss manchmal die Reihe heimlich verschieben. Damit es kniffliger wird.

9 Sachen, weil es immer unvollständig ist und man nie bis Punkt 10 kommt.  9 Sachen, weil man nie bis zum Schluss alles planen und sich überlegen kann. Das muss man auch gar nicht. Die beste Idee ist immer noch, dass man sich einfach Zeit nimmt und sich nicht stressen läßt. Stress ist dann nur da, wenn man eine andere Vorstellung hatte und Kinder dann in diese Richtung bringen will. Oder sich irgendwas vorgenommen hat, dass man dann nicht erledigt kriegt. Bei der Liste bemerke ich, dass mir Ernährung ziemlich wichtig ist, obwohl ich es toll finde, mit ihnen zu McDonald´s zu fahren und Picknick im Auto zu machen. Kindererziehung kommt mir vor wie ein Cocktail – die Mischung macht´s: sind zu wenig Früchte drin,schmeckt er nicht – aber auch, wenn zu viel Alkohol (sprich Gift) drin ist. Ich übe und hoffe, dass die Bar heute läuft…

 Bildquelle Artikelbild: pixabay

 

 

IPhone an – Kind aus: Darf man Kinder mit Technik stumm schalten?

Shaun pixabay iphone KinderIn mittelprächtigen Hotels oder in Restaurants mit einer extra Weinkarte sieht man sie immer wieder: die Kinder. Obwohl alles gegen sie spricht: Uhrzeit, gestärkte weiße Stoffservietten, Platzteller, drei Vorspeisengänge. Manchmal sehe ich vor meinem geistigen Auge die Fernseh-Warnung: Für Zuschauer unter 16 Jahren ist die folgende Sendung nicht geeignet.

Ja, und wie alle anderen Eltern ignorieren wir unser besseres Wissen und nehmen unsere Kinder gerne mal in die freie Wildbahn der Erwachsenenwelt mit. Gewillt, die ganze Sache nach der ersten Vorspeise abzubrechen und uns höflich zu empfehlen.

Neben uns am Tisch sitzen auch Zwillinge. Ein Jahr jünger. Wir Mütter unterhalten uns kurz, innerlich denke ich: Strike! Die beiden Rotzlöffel werden bestimmt die ganze Aufmerksamkeit der Umgebung auf sich ziehen und dann fallen meine Rotzlöffel nicht mehr so auf.

Doch die Familie verabschiedet sich zum Salatbüffet und als sie zurückkommt, dann stellen die Eltern ihre beiden Smartphones auf und lassen ihre Kinder in youtube abtauchen. Mir fällt fast der Suppenlöffel aus dem Gesicht. Die Kinder sind abgeschaltet, kaum ist das Handy angeschaltet. Sie bleiben ruhig sitzen und die drei Vorspeisen passieren den Tisch und nichts geschieht. Kein Kind will aufstehen, keines wirft aus Trotz einen Löffel auf den Boden. Die Eltern müssen nicht verkrampft in die Runde lächeln und besorgt Kinder davon abhalten, mit den Straßenschuhen auf Polstermöbel herumzulaufen.

An einem anderen Tisch sehe ich die Methode 1.0. Eine große Familie ist zusammengekommen. Omas, Cousinen, Kinder, Eltern. Sie begrüßen sich und die Kinder bekommen Spielsachen geschenkt. Sofort wird der Legokasten aufgerissen und in vom Salatbüffet geklauten Schüsselchens geschüttet und sortiert. Der Tisch ist lauter als die youtube-Zwillinge, aber auch diese Kinder bleiben sitzen. Konsum macht Kinder an Essenstischen von Erwachsenen auch geduldiger.

Ich schaue wieder zu den youtube-Zwillingen rüber. Nach eineinhalb Stunden ist auch dort Schluß mit lustig. Ich beobachte immer mehr Eltern, die die Situation so lösen. Nach ein paar Tagen stille Beobachtung probieren wir es auch aus. Das Abschalten mit dem Anschalten.

Wir lassen unsere Kinder beim Mittagessen im Hotel mit unseren Iphones spielen. Es wird unnatürlich ruhig um uns. Ein bisschen komme ich mir vor, als ob ich ihnen Alkohol eingeflößt hätte. Oder Beruhigungstabletten. Auf jeden Fall irgendwie unpädagogisch. Aber wir machen auch lauter unpädagogische Dinge. Sitzen auf einer Sonnenterrasse und warten auf Essen, danach noch ein Käffchen…kann schon lange sein, wenn man mit einer Handvoll Pommes auskommen könnte.

Am nächsten Tag lassen wir es wieder. Heiße Tränen, Heultieraden. Aus der Nummer wieder auszusteigen ist schwieriger als gedacht. Einmal auf dem Iphone-am-Tisch-Zug, immer darin? Wir schaffen es trotzdem, die ganze Sache abends nicht einreißen zu lassen und unsere Kinder springen zwischen Kellner und Vorspeisen herum. Keiner sagt was, sind halt Kinder. Ob sie stören oder nicht, weiß ich nicht. Ich bin zu beschäftigt damit, dass sie nicht den mit Eis gefüllten Weinkühler umschmeißen.

An den Nachbartischen: die youtube-Generation. Mein Sohn traut sich rüber und schaut mit. Ich gehe zu ihm und sage, dass wir jetzt Eis holen. Er sagt, er möchte weitergucken. Ich stelle ihm frei, dort noch stehen zu bleiben oder mit zum Eis zu kommen. Er bekomme aber später kein Extra-Eis mehr. Er entscheidet sich für das Iphone und ich hole mit dem anderen sein Eis. Ein bisschen bin ich traurig, dass das Iphone so attraktiv ist. Als wir zurückkommen, möchte mein youtube-Kind natürlich jetzt auch ein Eis. Ich sage, nein. Heultierade. Schluchzendes Kindergesicht. Ich gehe mit ihm auf die Sonnenterasse – ohne Eis-  und wir untersuchen die ganze Deko dort. Zugucken beim Eisessen muss er nicht. Und ich hoffe insgeheim, dass das Iphone des Nachbartisches nicht morgen schon wieder das Eis schlägt – jetzt, wo er sich sicher ist, dass es tatsächlich keines mehr gibt.

Ich bin immer noch unschlüssig, wie ich die Iphone-Kiste finde. Grundsätzlich mag ich an kleinen wie an großen Menschen nicht, wenn sie sich auf etwas so versteifen. Ich mag es eigentlich nicht, wenn sich jemand aus der Realität so abschalten kann. Klar, mit bestimmten Dingen kann ich das auch – Standby und durch, aber Kinder mit Iphones stummschalten kommt mir sehr weit in der digitalen Fixierung vor. Nach dem Motto: Allzuviel ist ungesund. Aber was kann man gegen ein bisschen youtube sagen?

Die meisten Eltern lassen ihre Kinder Sandmännchen und Co. gucken. Manche sagen, sie lassen ihre Kinder nicht fernsehen, aber dazu zählt das Ipad für sie nicht. Eine seltsame Mischung aus medialen Unbehagen in der Erziehung und Medienkompetenz gehen schon sehr früh Hand in Hand, dann die Wahrheit ist: Keiner hat Ahnung, wie er es jetzt eigentlich richtig machen soll. Meistens werfen Kinderlose oder Generation Oma den ersten Stein und haben ein fertiges Bild im Kopf, wie es denn richtig richtig. Und wirklich geil ist die Konsummethode aus den 80ern ja auch nicht. Malhefte immer im Gepäck? Vielleicht stelle ich so eine Tisch-Beschäftigung zusammen aus Malsachen und Spielen und muss einfach früher gehen, wenn es für meine Kinder zu doof wird. Nicht alles geht mit Kindern und ich glaube, ich bin für die Youtube-Methode zu konservativ. Obwohl ich kein Gegner vom Kinderkanal bin – metaphorisch gesprochen.

Darf man also Kinder mit Technik stumm schalten? Im groben gesprochen: nein, natürlich nicht. Aber, aber, aber…jeder kennt die Situationen, die man schnell und pragmatisch löst, ohne Butterblumen-Erziehung. Wo man nur froh ist, dass irgendwas klappt, weit entfernt davon, dass man mit der Methode jetzt den *Eltern-des-Jahres-Button* kriegt. Nehmen wir jetzt nur mal den Ausschnitt mit den Abendessen in einem Hotel. Darf man als Eltern die Iphones zücken für ein bisschen Suppe ohne Suppenkasper? Kommt es auf das Kind drauf an? Auf Alter und Temperament? Ist es in Ordnung, wenn man davor den ganzen Tag zusammen Butterblumen-Erziehung am Spielplatz an der frischen Luft gemacht hat? Kommt es dabei auf die Menge an? Ist *am iphone spielen* irgendwie besser als *am Iphone youtube gucken*? Ist ein Malheft über Feuerwehrmann Sam oder Shaun, das Schaf nicht letztendlich auch Medienkonsum?

Der Mutter mit den youtube-Zwillingen ist die Situation auf jeden Fall peinlich. Sie zuckt entschuldigend mit den Schultern in meine Richtung. Na ja, wir sind alle nicht perfekt. Sie schaut bisschen neidisch auf meine Kinder, die tatsächlich erstaunlich lange am Tisch aushalten. Das machen meine nicht so mit, sagt sie. Ich zucke daraufhin auch mit den Schultern. Ich bin inzwischen klug genug, nicht zu denken, dass sie irgendetwas *falsch* und ich irgendetwas *richtig* gemacht habe. Ich weiß, dass meine Kinder einfach verfressen sind und Gängemenüs meistens geil finden. Ständig kommt jemand mit Essen, toll. Jedes Kind ist anders und ich hatte einfach Glück, dass das so ist. Wenn sie regelmäßig Restaurants auseinander nehmen würden, was würde ich tun? Mein Iphone zücken oder nur noch zu Hause essen?  Ich bin nicht ohne Erziehungssünden, ich weiß das.

Wie sind eure Erfahrungen?

Schon mal youtube-Kinder in der Öffentlichkeit gesehen? Wie reagierte die Umwelt? Gab es *Guck-mal-die-assozialen-Eltern-da*-Blicke? Lieber Lego-sachen verschenken am Tisch? Unangenehme öffentliche Auftritte der Kinder einfach aushalten und bei einer bestimmten Grenze gehen? Ist das Erziehung, dass man immer erziehen muss? Kann es Pausen geben mit unpädagogischem Zeug? Fragen über Fragen, wie immer….

Bildquelle: pixabay

10 Regeln für die Nacht mit Kleinkindern

Schlafen mit KleinkindernHeute Nacht bin ich aufgewacht und ein Fuß lag auf meiner Nase.

Der Fuß war ein kleiner Fuß, ganz glatt und ohne Hornhaut, nur 26 cm lang, aber er roch bisschen nach Käse mit Babyöl.

Als ich untersuchte, zu wem dieser Fuß gehört und wie sein Besitzer in meinem Bett liegt, damit ich ihn so quer über der Nase habe, musste ich feststellen, dass dieser Fuß wohl einem meiner Kinder gehört (was machen die eigentlich hier in meinem Bett?) und dass sein Besitzer quer und nicht längs liegt.

Wer nachts ins Eternbett steigt, sollte sich zumindest an die allgemeine Liegerichtung halten…Sardellenschlafen, sozusagen und nicht einfach quer zwei Kopfkissen belegen.

Ich schaue auf die Uhr. Wenn es schon gegen morgen geht (also ab 4 Uhr) ist es schlecht, ein Kind aufzuwecken und in die richtige Schlafposition zu befördern, da die Gefahr einfach zu groß ist, dass es dann mit großen Augen mitten auf deinem Kopfkissen sitzt und „Frühstück.“ sagt.

Alles vor 4 Uhr wird gnadenlos herumgezerrt und wieder in Sardellenlage gebracht…

Es ist noch nicht mal 2 Uhr morgens, also: Kind wird herumgedreht.

Dabei fällt mir auf, dass da noch ein Kind liegt. (Die Zwillingsüberraschung hört nicht auf. Das erste Mal beim Frauenarzt mit dem süffisanten: Ach, da ist ja noch eins. zum Ultraschallbild. Jetzt, fast 3 Jahre später, nachts im Bett: Ach, da ist ja noch eins…)

Das andere Kind hat sich eingekeilt und liegt auf meiner Bettdecke auf Papas Fuß.

Papa grunzt bisschen. Er kann sich eigentlich nicht mehr bewegen im Schlaf. Ich kann mich nicht mehr richtig zudecken. Chapeau – zwei Fliegen mit einer Klappe, das muss man ihm lassen, dem Zwerg.

Ich seufze und versuche zu rekapitulieren, wie ich in die Lage gekommen bis, um 2 Uhr morgens meine Bettdecke und mein Kopfkissen verloren zu haben…

Was habe ich falsch gemacht? Eigentlich nichts, denke ich mir und krümmle mich wieder in die freie Stelle zurück. In den letzten Jahren bin ich gelassen geworden was der richtige Umgang mit Kleinkinder beim Einschlafen und beim Durchschlafen und beim Eltern-Kind-Co-sleeping ist. Die Wahrheit? Es gibt kein Patentrezept für alle und jeden. Ich habe aber einen 10-Punkte-Leitplan für mich, die ich euch hier mal aufschreibe:

Die 10 Erkenntnisse für die Nacht mit Kleinkindern:

1. Schlaf ist das Wichtigste überhaupt. Alles andere wird untergeordnet. (alles andere: Erziehungsideale, Vorstellungen von deiner Schwiegermutter, Vorstellungen von dir selbst, Vorstellungen deines Partners) Ist alles nicht so wichtig wie Schlaf.

2. Falls du ein Kind erwartest und in einem gemütlich-kuscheligem Ehebett in Löffelchenstellung eng mit der großen Liebe deines Lebens liegst: Kauf dir das größte Bett, dass in dein Schlafzimmer passt. Irgendwann kommen sie alle…und da ist es besser, in einem großen Bett zu liegen, als in einem hübschen kleinen…(an dem Fehler arbeite ich noch…)

3. Glaube nicht, die Schlacht ist gewonnen, nur, weil dein Baby mit seinem Babybettchen jetzt im eigenem Zimmer schläft: sie kommen zurück, wenn sie laufen können…

4. Kinder haben keine Ahnung von Platzdimensionen. Seit kurzem quetsche ich mich in das Gitterbettchen von Kind A, um ihn davon abzuhalten, direkt in meinem Bett einschlafen zu wollen…da kam Kind B und wollte sich dazulegen…und sagte, ich solle rutschen…nein, es heulte, ich solle rutschen…ich habe versucht, ihm klar zu machen, dass ich nicht rutschen KANN…irrelevant, ich solle rutschen…Heultirade…

5. Wer seinen Kindern abends ungesundes Zeug wie Pizza oder Pommer zu essen gibt, der muss damit rechnen, dass vor dem Einschlafen mehrmals Wasser gefordert wird. Deswegen ist es auch schlafpolitischen Gründen sinnvoll, abends leichte Kost mit wenig Salz zu geben…

6. Einschlafrituale sind toll. Ich bete mit meinen Kindern, lösche das Licht, küsse sie und denke, dass es diesmal klappt. …dann dürfen sie doch noch lesen, doch noch ein Hörspiel hören, doch noch ein Glas Wasser trinken… versuche, nicht genervt zu sein. Es ist überall so. Kinder haben halt einen langen Atem…er ist immer länger als deiner…gewöhn dich dran.

7. Kenne deine Grenze und orientier dich nur an ihr und nicht an dem Gelabere von anderen Müttern. Es ist dein Leben. Wenn du deine Kinder in deinem Bett einschlafen lassen möchtest, weil sich damit am besten Punkt 1 erfüllt: do it. Wenn du das nicht möchtest, weil sich damit nicht am besten Punkt 1 erfüllt: Don´t do it. Bei uns ist das Im-Bett-Einschlafen total ausgeufert und ich habe feststellen müssen, dass es eben Nachtwanderer sind. Einschlafen in ihrem Bett und dann aufwachen in unserem. Okay, okay, dann machen wir das für unsere Familie eben so.

8. Die Zeit heilt alle Wunden. Stell dir vor, dass ist jetzt ein Baby, morgen ein Kleinkind, aber übermorgen ist es ein erwachsener Mensch. Irgendwann gehört dir dein Bett schon wieder selbst. Einfach mal gelassen bleiben und die Sache aussitzen.

9. Sei nie genervt. Egal, was du machst, schrei nicht rum. Droh nicht mit dem bösem Wolf, denke nicht an deinen Fernsehabend. Es ist einfach so. Wenn ein Kind wieder aus seinem Bett aussteigt und dich vorne im Wohnzimmer besucht, dann lächle, schalte den Ton ab, trag ihn wieder zurück und küsse ihn. Schlafen gehen ist keine Strafe. Der Mensch ist so gemacht, dass er schlafen muss. Deswegen ist es unsinnig, darauf zu pochen. Kinder essen, weil sie Hunger haben und schlafen, weil sie schlafen müssen. Hör auf, daraus eine Regel oder eine Pflicht zu machen. Du bist Eltern, dein Job endet nicht um 20.15 Uhr.

10. Finde heraus, was der Grund für Schwierigkeiten beim Einschlafen sein könnte. Und gewöhn dich daran, dass dieser Grund sich auch wieder ändert. Einer meiner Söhne ist nachts immer aufgeschreckt und hat uns gesucht. Irgendwann bin ich drauf gekommen, dass er vielleicht Verlustangst hat. Ich habe ihn darauf hin ein Foto von Mama und Papa an sein Gitterbettchen geklebt und gesagt, ich passe immer auf ihn auf, auch wenn ich vorne beim Fernseher sitze. Hat ein paar Mal geklappt Jetzt ist es halt wieder ein anderer Grund. Ich suche noch. Manchmal ist man als Erwachsener aber schon zu sehr sozialisiert und gedanklich eingekastelt, um Kinder zu verstehen. Dann greife auf Punkt 9 zurück und hoffe, dass Punkt 1 sich erfüllt.

 

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{Samstagskaffee} Unter Spielern

Unter Spielern_FotoIch bin mit einem Spieler verheiratet.

Mein Mann liebt Rollenspiele, Brettspiele, Computerspiele.

Am Anfang unserer Beziehung hatte er einen Schlüssel in der Hand und sperrte für mich die Welt der Spieler auf. Darin geht es die meiste Zeit zauberhaft zu. Es werden Schlachten auf offenen Feld geschlagen, mit Wikingertöchtern getrunken, Kleider von Hand genäht. Es gibt aber auch andere Spiele, mit Charakterbögen und regelmäßigen Treffen. Oder es werden riesige Brettspiele aufgebaut und bis tief in die Nacht hinein gezockt.

Alle halbe Jahr kommt eine Gruppe eines Spielerfreundeskreises zusammen, mieten eine Jugendherberge und spielen und feiern mit Kind und Kegel das ganze Wochenende lang. Sie feiern Geburtstage und ich habe das Glück, als loses Ende eines Beziehungsstranges auch dort zu sein. Aber auch als loses Ende bin ich fest verwoben. Unter Spielern ist es nicht wichtig, wie nah oder fern du jemandem bist. Man kennt sich eben. Als Freund eines Freundes bist du ein Freund. Dieser Samstagskaffee steht meine Kaffeetasse also auf einem Tisch in einer Jugendherberge. Unter Spielern. Unter Freunden.

Da wir unsere Kinder krankheitsbedingt zu Hause gelassen haben, kamen wir dieses Wochenende so richtig zum spielen. Wobei meine Definition von „richtig zum Spielen“ wohl nicht die in Spielerkreisen Übliche ist. Alle bringen Berge ihres Brettspielfundus mit, stapeln sie auf langen Tischen und man wählt sich eines aus und eröffnet eine Runde. Dabei wird meistens alles andere beiseite gelassen – Name und Beziehungsgrad, Statussymbole und Berufsgruppen, Alter und Geschlecht. Ein 14jähriger Spieler ist ein Spieler, wenn er ein Spieler ist. Genauso wie ein 40jähriger Spieler.

Packe ich an einem Tisch mein Strickzeug aus, so bleibe ich nicht alleine. Andere Frauen haben auch ihre Handarbeitsspiele dabei und nadeln mit. Wir sprechen und tauschen Geschichten, trinken oder trinken nicht. Die Welt der Spieler ist ungeschminkt und stets mit Hausschuhen zu betreten.

Dieses Jahr habe ich folgendes Spiel dort gefunden. Ein Klassiker, eigentlich. Ist mir schon begegnet, ich habe es aber noch nicht gespielt.

Das Spielprinzip ist einfach. Man hat einen Haufen kleiner einfarbiger Züge (im Sinne von Lokomotiven) und versucht, eine Strecke für sich in Anspruch zu nehmen. Die Strecken kauft man mit Farbkarten, die jede Runde nachgezogen werden. Simpel und Spannend. Ich liebe ja so was. Dieses Spiel gibt es in mehreren Versionen. Mit Deutschlandkarte oder auch als Original mit Amerikakarte. Ich fand die Version mit Europa sehr toll. Ich denke, dass man es auch gut mit Kindern spielen könnte. Eine Sache für eure Weihnachtsfeiertage? Bestimmt!

P.S. ich benutze einen Link zu amazon, um halbwegs legal das Cover auf meinem Blog zu zeigen. Ihr braucht diesen Link, der erscheint, wenn man die Maus über das Coverbild zieht, nicht benutzen. Er bringt mir auch finanziell eigentlich fast nichts. Also bis jetzt hat mir amazon noch 0.00 € ausgezahlt. Kauf das Spiel also wo ihr wollt.

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