{Samstagskaffee} der authentische Blog

Samstagskaffee mit Löffel in der Tasseder erste Kaffee am Samstag Morgen – mit Löffel in der Tasse und einfach mal da stehen gelassen, wo er eigentlich auch steht -. hinter dem Müsli, neben dem Honig. Unspektakulär.

Die große Frage beim dem Thema Warum schreibt man einen Blog?  gehört auch dem Thema Authentizität. Wie authentisch kann man sein und was ist das überhaupt – authentisch sein?

Authentisch sein bedeutet echt sein, das Original.

Als die Fotographie aufkam, haben die Menschen das Foto erst als die genaue Abbildung der Realität verstanden. Heute denken wir bei Nachrichten und News auch gerne noch an das authentische Foto und lassen uns täuschen von Hochglanzmagazinen und Werbefilmchen, wissen es aber schon längst besser. Das Foto ist nur der Ausschnitt der Realität, den der Fotograph uns zeigt und danach kommt noch eine Menge an Bearbeitungsmöglichkeiten, die nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Das Foto ist wie ein Kommentar der Realität, aber nicht die Realität selbst.

Bei Fotos haben wir das schon längst verstanden. Was ist aber mit den Internettagebüchern? Mit den berühmten Blogs?

Je „unprofessioneller“ ein Blog wirkt, desto mehr Authentizität wird ihm machmal zugesprochen. Oft habe ich in Kommentaren und Blogartikeln schon gelesen, dass man müde wird, die ganzen Hochglanz-Blogs zu betrachten und das perfekte Leben dahinter zu bewundern.

Dabei hat – wie bei der Fotographie – die Professionalität nichts mit Authentisch-sein zu tun. Natürlich ist uns das Unauthentische (Unechte? Nicht das Original Seiende?) daran nur sofort klarer. Eine Mutter von vier Kindern hat kein aufgeräumtes stylisches Badezimmer, das sie uns als Foto im Blog präsentiert. Eine berufstätige Frau backt nicht perfekte kleine Muffins, die in der Retro-küche so unbedarft herumstehen. Wahrscheinlich hat die Mutter das Bad in einer Megaaktion für den Blog hergerichtet und die berufstätige Frau hat ihre Muffins extra mit dem ersten Sonnenstrahl photographiert und das ganze Chaos ist im Spülbecken verschwunden – aus dem Blick des Fotos weggenommen.

Ist das jetzt umauthentisch?

Im ersten Moment: Ja.

Im zweiten: Nö.

Das Bad kann so aussehen, wenn man es lässt und die Muffins sind auch hübsch geworden, die weniger Hübschen sind für das Foto halt so hingerichtet, dass man es nicht sieht. Deswegen sind beide Dinge doch irgendwie so echt oder unecht wie der photographische Ausschnitt einer Realität halt sein kann.

Der böse Gedanke kommt ja erst damit, wenn wir als Leser annehmen, dass dieses Bad immer so aussieht und das diese Muffins überhaupt keine Anstrengung darstellten. Der böse Gedanke kommt erst mit dem Neid, warum das bei einem selbst grad nicht oder nie so ist.

Aber die „unpofessionellen“ Blogs – sind die wegen der weniger arrangierten Fotos und der weniger stylischen Headerschrift deswegen authentischer? ich sage nein. Auch hier stehen Leben dahinter, die uns nur einen gewählten Ausschnitt zeigen. Einen Kommentar zum eigenen Leben bieten und nicht das Leben selbst repräsentieren.

Das Leben selbst kann nicht gezeigt werden, es kann nur gelebt werden. 

Ich lese inzwischen eine Menge Blogs und kann nur sagen, dass ich oft nicht an den Fotos oder der Aufmachung erkenne, ob mich das wirklich interessiert – nur am geschriebenen Wort.

Und da kommen wir zu der eigentlichen Frage: das hier sind Worte. Worte, die irgendetwas auf einem Leben beschreiben, aus der Gedankenwelt, aus den Gefühlen oder auch nur Tips geben oder Geschichten erzählen.

Das ist es, was mich an Blogs interessiert und das ich auch authentisch finde. wenn mir jemand etwas mitteilt und ich das Gefühl habe, es ist echt. Egal – wie professionell oder unprofessionell der Schnodder drum herum aussieht.

Blogs sind also nicht die Photos und nicht die Aufmachung und das sonstige digitale Blingbling, sondern es sind letztendlich Worte, die ich hören möchte oder eben nicht. Ein Brief an den unbekannten Leser, ein Tagebuch, eine Geschichte. Manche Boge halte ich für authentisch, auch wenn ich fast nichts aus deren Privatleben erfahre, machen Blogs halte ich für unauthentisch, selbst wenn mir jeder Geburtstag und jedes neue Kind präsentiert wird. Für mich hat es also eher nichts mit der Nähe an der privaten Person zu tun, sondern nur an der Aufrichtigkeit des geschriebenen Wortes.

Wenn die Worte echt sind, ist der Blog authentisch. 

Das ist jetzt mal mein Resümee dazu und ich stelle meine Frühstückstasse als Ausschnitt und Kommentar zu meinem Leben zu Ninjassieben und den anderen BloggerInnen. Bin gespannt, welche Blickwinkel zum Thema Authentizität euch noch einfallen. Würde mich freuen, wenn ihr kommentiert.

 

5 Kommentare

  1. Eine spannende Fragestellung. Zumal ich mich dem Thema Authentizität (in Dokumentarfilmen) mal vor Urzeiten in meiner Magisterarbeit gewidmet habe. Heute wäre sicher das Thema „Authentizität in Blogs“ für eine nähere Untersuchung interessant. Ich plädiere dafür, das alles locker zu sehen. Blogs sind in erster Linie Selbstdarstellungen, auch wenn diese Netz-Darstellung natürlich völlig anders aussehen kann je nach blogger-Persönlichkeit. Und die Selbstdarstellungen im Netz unterscheiden sich von denen im Leben draußen auch nicht so sehr. Wenn ich im Alltag niemals geschminkt und immer gestylt vor die Tür gehe und mich die Leute chic wahrnehmen, sagt das doch auch nichts darüber aus, wie ich tatsächlich bin, was ich denke, wie ich mich fühle, wie ich wirklich lebe. Manchmal ist es wohltuend, ein unaufgeräumtes Badezimmer zu sehen anstelle einem durchgestylten, aber auf Dauer möchte ich in Blogs nicht zwingend auf das Chaos blicken, das mich zu Hause schon täglich erwartet. Als Bloggerin ist jede von uns auch ein bißchen eine Kunstfigur. Manche Details mögen vielleicht authentisch sein, ich möchte sie aber nicht immer zwingend erfahren… LG mila

    • fadenvogel

      15. November 2014 at 12:53

      Meine Magisterarbeit ging über die Darstellung von Geschichte im Film am Beispiel von Bernd Eichingers „Der Untergang“. Also nicht Dokumentarfilme, sonder um Dokumentarspielfilme…begleitet mich also auch schon länger, das Thema. :-)

      Wie wird das Unterbewusstsein in Filmen manipuliert mit Techniken, die uns das Gefühl geben: so war es…

      das anhand von Blogs zu untersuchen, och, schade, dass ich nicht mehr studiere…das wäre ja auch cool…Blogs, die uns das Gefühl geben: so ist es in meinem Leben.

      Die Bloggerin als selbst erklärte Kunstfigur. Ich muss lachen, skurriler Gedanke, aber nicht unwahr.

  2. Ich schaffe es ja nicht mal, „authentisch“ zu leben, weil ich noch nicht rausgefunden habe, was mein „authentisches Ich“ ist … wie soll ich da einen wirklich authentischen Blog schreiben?
    Aber ich denke, ich sehe das wie du. Mich stören Hochglanzfotos eigentlich nicht. Außer, eine Person preist ein perfektes, reiches Leben an, als wäre es ganz normal. Das geht mir dann auf die Nerven. Mag ja sein, dass es für die Person normal ist, für die meisten Leser aber eher nicht. Und das finde ich dann irgendwie … ich weiß nicht … arrogant.

  3. Ha, da hab ich Dir eben auf meinem Blog geantwortet, ohne vorher auf Deinem Blog vorbei geschaut zu haben, so schnell enstehen Missverständnisse. Denn alles was Du hier zur Authentizität schreibst, würde ich genau so unterschreiben!!! Mir geht halt in letzter Zeit ein wenig auf die Nerven, wenn Authentizität und (fehlende) Professionalität gerne mal 1 zu 1 gleich gesetzt werden, das ist einfach ein wenig blödsinnig, finde ich. Aber Du hast es super beschrieben!
    Ich finde bei bestimmten Themen (wie zum Beispiel halt bei mir) dennoch die Bilder wichtig. Aber lustigerweise geht es mir (obwohl beim eigenen Blog eben die Bilder wichtig sind) bei andern Blogs tatsächlich so, dass ich eher wegen der Texte hängen bleibe und wiederkomme, selbst bei Blogs mit wunderschönen Bildern. Mag vielleicht auch daran liegen, dass man gerade in Zeiten von Internet einfach einer viel zu großen Bilderflut ausgesetzt ist,
    LG, Mecki

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