Weibamarkt in Bad Feilnbach

Weibamarkt 2016 3Szene am Frühstückstisch. Heute morgen.

Einer meiner Söhne fragt, was das für ein Markt sei, wo wir heute hinfahren.

Vater: Hmmm, so was wie ein Bauernmarkt, glaub ich. 

Sohn: Oh, gibts da Hühner?

Vater (lacht): Ich glaube, es gibt viele Hühner da. 

Diese Wochenende findet der 26. Weibamarkt in Bad Feilnbach statt. Ein Geheimtipp unter den Landfrauen, der sich allerdings schon ziemlich herumgesprochen hat – ein gut besuchtes Stückchen Klangschalenromantik. Alles findet um einen Gasthof herum statt und ein Marktständchen steht neben dem anderen. Auch im Gasthof haben sich Aussteller eingefunden. Jedes Eckchen wird für die schönen Dinge benutzt. Der Markt rund um die *Kraft der Weiblichkeit* findet zweimal im Jahr statt.

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Die örtliche Gemeinde hat des auch schon spitz gekriegt und versucht, mit einer Menge *Halteverbots-Schilder zu Marktöffnungszeiten* auf den totalen Ansturm der Landfrauen, Kräuterhexen und Gartenverziererinnen zu reagieren. Zu der Zeit stehen wohl hier mehr Autos herum als Bad Feilnbach Einwohner hat, aber mei: in der Ruhe liegt ja die göttliche Kraft.

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Insgesamt ist der Markt aber einen Besuch wert. Die Pavillons in weiß werden mit allerlei Klimbim, Seifen, Schmuck und Handwerklichem ausgefüllt. Liebevoll, das muss man schon sagen. Eine Freude war es mir, meine Naturkosmetik zu finden, die da auch einen Stand hatte. Und mein spezielles Blüten-Make up hatte sie auch dabei.  Gott sei Dank, ich krieg das immer nur bei der großartigsten Kosmetikerin in Bad Tölz, die ich mir aber nur 1-2 Mal im Jahr gönne. Aber die beiden kennen sich natürlich – war ja klar. Mein Mann und die Kinder rollten schon die Augen, als wir nochmal meinen Hautton bestimmt haben.

Viele Dinge gucke ich mir aber auch nur an und denke dann: Stimmt, einen Schal aus Merinowolle wolltest du dir auch jetzt dann mal nähen. Eine Tasche zur Tracht muss auch mal sein. Und so ein Tischläufer – wir arbeiten daran. Selbermacher haben es auf solchen Märkten schwer, denn mir kommt es akut gar nicht in den Sinn, etwas Handgemachtes von einer anderen Frau abzukaufen, was ich selbst auf meiner internen Liste stehen habe. Völlig egal, ob ich dies dann auch wirklich machen werd. Letztendlich werde ich damit das ein oder andere nie besitzen und ich sehe mich schon bei der nächsten Trachtereigetrage wieder meine normale Handtasche benutzen. Schicksal.

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Mein Mann hat sich als erstes was gekauft. Einen Flaschenöffner mit nem Geweih dran. Da stand ich dann da und hab mit den Augen gerollt. Toll, jetzt sind wir auf nem Werbemarkt und er kauft ein. Sein Resümee war trotzdem verhalten: *Wär vielleicht eher was für dich, wenn du mit deinen Freundinnen hier her fährst?* Der Weibamarkt hat aber sehr wohl männliche Besucher – vielleicht 3 oder 4 Stück. Nein, im Ernst, ich sehe lauter Gruppen von lachenden Frauen sich durch die Marktgässchen schieben.

Viel Spaß macht es dann aber auch, die Toilette zu suchen, die sich im Gastraum befindet. Vor allem, mit einem Kleinkind, das einem verhalten ins Ohr flüstert, es müsse jetzt Stinker machen. Großartig. Lange Schlange, ich hasse diesen Toilettensexismus eh und habe lauthals am Ende der Wartenden angekündigt, dass wir jetzt halt einfach gegen die Wand pinseln würn. Klar, da muss jede Frau dringend – ein kameradschaftliches Vorwinken geht da nicht. Ich bin also kurzerhand in die Männertoilette. Da besteht zwar immer die Gefahr, dass man gleich Pissoire sieht, in Benutzung sozusagen, aber ich hab ja irgendwie einen Mann dabei. Wenn auch noch in klein. Die Männer reagieren gelassen und ich nehme mir jetzt öfter vor, Toiletten zu entgenderisieren. Vor allem mit Kleinkind an der Hand.

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Mein Garten hat jetzt ein Windrad mehr, ich eine lange Liste von Nähsachen und meine Kosmetika, die Jungs gedrechselte Kreisel aus Holz und einen Würfel, der mit Magnet an der Kühlschranktür pappt. Und mein Mann endlich einen Flaschenöffner und einen Schlüsselanhänger. Insgesamt hat sich der Markt als Ausflugsziel so oder so gelohnt und er geht auch noch bis morgen, Sonntag 24.April und ja, es gibt auch Kaffee und Kuchen.

Nächstes Halbjahr fahr ich aber mit meinen Weibern da hin. Wer kommt mit?

9 Kommentare

  1. Ich gratuliere dir zum genderisieren der Toiletten! Bei uns ist das ganz normal mittlerweile. Oft gibts sogar nur eine Frauenschlange und die geht einfach rechts oder links hinein, je nachdem wos schneller geht. Und die Pissoir-Männer schlängeln sich dann halt vorbei.
    Und auf Feuerwehr-internen Fortbildungen und Veranstaltungen kommen mir auch immer wieder Männer von den dort nicht so nachgefragten Frauen-Klos entgegen. War unter Erwachsenen auch noch nie ein Problem. Also nur Mut!
    Ich würde dich auch sofort auf den Markt begleiten, wenn du nicht so weit weg wärst….
    Lg Carmen

    • fadenvogel

      25. April 2016 at 10:38

      Ganz ehrlich: Das fände ich total toll, wenn du mich auf so einen Markt begleiten würdest…wie weit weg ist denn weit weg?

  2. Ich komme mit 👍 ist das nächste Mal wohl sogar in Bad Aibling

  3. Bin auch mit dabei :)

  4. Besonders gefallen haben mir die Ausdrücke „ein gut besuchtes Stückchen Klangschalenromantik“ und „Toiletten zu entgenderisieren“ :D hihi

  5. Ich war gestern auf einem Feuerwehrfest und musste an dich denken. Vor mir ist eine ca. 80-jährige alte Dame total selbstbewusst aufs Männerklo nachschauen gegangen, ob dort noch frei ist. War aber schon eine andere Frau drinnen ;-)
    und keiner von den Männern fühlte sich gestört.

    Lg Carmen

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