Schlagwort: Gender

München ist ein Dorf

Stellt euch vor, ihr seid ein Stadtmensch. Vielleicht müsste ihr euch das auch gar nicht vorstellen. Aber ich versuche mal, präziser zu sein: Stellt euch vor, in eurer Stadt gibt es ein Viertel,in dem ihr echt lange gelebt habt. Als Student irgendwann hingezogen, verliebt, verlobt, zusammengezogen, Kinder. Das erste Jahr mit Baby. Und dann stellt ihr fest, dass ihr noch an keinem Ort zuvor so lange gelebt habt wie dort. In jenem Viertel.

Mir geht es so. Ich habe die größte Zeit meines bisherigen Lebens im Münchner Westend verbracht.

Dann bin ich verschwunden. Aufs Land verzogen.

Nach genau einem Jahr bin ich zum Sommerfest-Picknick unserer ehemaligen Krippe wieder dahin zurück gekommen. Ich war neugierig, wie die Kinder auf ihre alte Heimat reagieren. Ob ihnen bestimmte Menschen, Kinder und Plätze noch was sagen.

Schließlich war unser Leben doch anders hier als auf dem Land. Wir sind die meiste Zeit mit dem Fahrrad herumgefahren und nicht mit dem Auto. Wir hatten unsere Crew am Spielplatz getroffen und haben erst gegen 4 Uhr nachmittag überlegt, was wir denn zum Abendessen machen. Dann sind wir noch schnell zum Türken was einkaufen gegangen. Oder zum Griechen. Oder zum Edeka. Oder zum Aldi.

Mein erster Weg führte mich zur San Francisco coffee company. Die Jungs wollten Babycappuccino – ok, sie erinnern sich doch. Bisschen nostalgisch war ich da. Habe ich mich dort oft mit meiner Freundin getroffen. Die ist inzwischen auch weg.

München is a Dorf Kaffeelove

Und während wir da so draußen sitzen und ich irritiert bin, dass alles noch so aussieht, wie es mal war, treffe ich die erste Bekannte. Eine Frau, deren Namen ich nicht mehr weiß, aber die ich immer exakt an dieser Stelle traf. Sie wohnt ein Haus weiter und die Schneise hin mit dem San Francisco an der Ecke ist ihr Weg. Ich kreuze also nach einem Jahr wieder ihren Weg. Wir unterhalten uns kurz. Wie immer. Sie sagt, dass die anderen Zwillinge vom Viertel sich nachher im Biergarten treffen. Ich verspreche, vorbeizuschauen.

Ich weiß nicht, ob ich das so richtig wiedergebe, aber unser letztes Gespräch verlief ähnlich. Sie lehnte auf ihrem Fahrrad, ihre Kinder waren um sie herum und die Sonne schien. Alle unsere Gespräche verliefen so. Die Menschen gehen weiter ihren Weg. Ob du nun da bist oder nicht. Wären wir wieder hergezogen, dann hätte sich diese Bekanntschaft wieder nahtlos eingefügt. So, als ob wir nicht weg gewesen wären. So muss es sich anfühlen, in sein Dorf zurückzukehren. Alles auf Anfang. Alles wie immer.

Wir gehen weiter auf unseren alten Wegen. Manchmal hat sich ein Laden verändert, ist plötzlich aufgeploppt und wirkt für mich irgendwie unwirklich. Es gibt jetzt einen veganen Supermarkt mit Superfood und eine Salatbar-kette. Früher war an der Stelle ein Jogging-Laden. Man geht halt mit dem Trend. Das ist München.

Mein Sohn legt sich plötzlich auf den Boden. Er will nicht weiter. Ich verspreche ihm den Kuchen, den ich gemacht habe. Er mag nicht zum Picknick. Er mag nicht, dass er nicht weiß, was passiert und wen er trifft. Verdammtes Landei. Ich zweifle an der Idee und schupse ihn mit Worten liebevoll weiter. Für das letzte Stück brauchen wir eine gefühlte Ewigkeit, aber schließlich sitzen sie auf einer Decke am Rand der Feier und mampfen Kuchen. Unser Kuchen lockt die anderen Kinder an und es dauert nicht lange, da ist er mit der Situation doch einverstanden und verschwindet auf dem nahegelegenen Spielplatz.

Es ist so unglaublich voll hier. Ich bin unsicher, wie stark ich auf meine Kinder achten soll. ich habe vergessen, was so der Rahmen der Freiheit ist. Ich mein, der ganze verdammte Park ist voller Leuten. Waren hier immer so viele Leute? Habe ich meine Kinder hier früher so unbekümmert zwischen den ganzen Menschen herumlaufen lassen oder hab ich die dabei beobachtet? Ich weiß es nicht mehr.

Die Begrüßung mit den anderen Eltern verläuft herzlich. Die meisten Väter sitzen im Anzug oder schon im Freizeitdress auch mit auf den Decken rum. Ja, da ist normal hier. Moderne Elternschaft und so. Working parents, Kinderkrippe. Wo ich jetzt herkomme, taucht die Mehrzahl der Frauen alleine mit ihren Kindern auf. So wie ich heut. Ich war gar nicht auf die Idee gekommen, meinen Mann zu überreden mitzufahren. Wie schnell man sich an Geschlechterrollen gewöhnt. Man macht immer das, was die Mehrheit macht. Picknick am frühen Freitag Nachmittag? Frauensache. Die letzen Jahre waren wir hier zu zweit. Ich habe mich schneller ans Land angepasst, als ich dachte.

Eine Mutter bemerkt trocken, dass ich ganz schön bayerisch reden würd. Ich muss fast lachen. Dass muss ich meinen Landfrauen erzählen. Die kippen mir glatt vom Stuhl. Grad ich. Ich rede ein gepflegtes Münchner Hochdeutsch. Die müssten hier mal hören, wie es klingt, wenn man wirklich Dialekt spricht. Da ist das hier nicht mehr München, sondern Minga und kein Mensch würd glauben, dass man sich hier wie am Dorf vorkommen könnt.

Ich bemerke, dass es wenig zu essen gibt. Aprikosen, Reiswaffeln, jemand hat Pizza besorgt. Auch das ist normal hier. Meine Landfrauen haben mich stadttechnisch völlig ruiniert. Die würden einen Haufen Essen zu einem Picknick anschleppen – glaub ich zumindest. Ich habe auch Kuchen gemacht und habe belegte Brote dabei. Massenweise. Letztes Jahr ist mir das auch noch nicht passiert.

Die Details, die anders sind, sind nicht die Details, die ich so damals im Blick hatte. Die Leute verändern sich nirgends. Vielleicht sind neue Gesichter dazugekommen, aber wie man sich so verhält, was man so macht. Da gibt es überall Rhythmen, aus denen nicht ausgebrochen wird. Klar, die meisten Frauen arbeiten. Man tauscht sich schnell über Berufe und Perspektiven aus. Meine Landfrauen arbeiten auch, aber darüber wird nicht so viel gesprochen. Wer nicht arbeitet, der arbeitet auch nicht weniger. Der hat dann halt Hühner oder so. Die Männer sind auch hier selbstständig oder auch nicht. Aber der Beruf Schreiner kommt nicht vor. Die arbeiten hier in verenglischten Berufsbezeichnungen und sitzen im Büro. Aber tauchen zu großer Zahl an einem Freitag nachmittag beim Picknick auf.

Jetzt heulen meine Kinder fast, weil wir gehen. Sie wollen ihre alte Erzieherin am liebsten mitnehmen. Ich verspreche den Spielplatz am Biergarten. Das stimmt sie zumindest friedlich.

Es wuselt am Biergarten und doch finde ich meine Zwillingseltern wieder. Ein Dorf. Dieses Viertel ist ein Dorf und die Leute verlassen die Dorfgrenze nicht. Aus der Masse an Aktivitäten und Plänen, die eine ganze Stadt bietet, wählt man halt doch nur das, was im Viertel passiert. Da passiert ja auch genug. Keiner würde groß mit einem Auto rumfahren. Und fährt man mal mit der U-Bahn bis zum Marienplatz, dann sagen die hier: Wir sind in die Stadt gefahren und das ist als Ausflug zu werten. Der Radius auf dem Land ist viel weiter als in der Stadt. Da fährt man zu dem nächsten Dorf zwengs am Judounterricht und zum nächsten für die Milch. Das fällt einem erst auf, wenn man weg ist. Die Entfernungen schrumpfen. Meine Freundin hat mal gesagt, der Weg von der Stadt zum Land ist viel weiter als umgekehrt. Da hatte sie recht. Es ist kein großes Ding, mal ne Stunde wo hinzufahren, aber ich bin nie freiwillig weit aus dem Viertel rausgefahren, als ich noch hier lebte. Obwohl es kleiner war, war es groß genug.

Mein Sohn fällt von der Wippe und heult, es ist Zeit zu gehen. Die sind jetzt müde. Komisch, dass ich die Zeit überhaupt nicht im Blick hab. Ich muss doch noch weiter fahren und nicht bis um die Ecke. Ich bin deswegen aber überhaupt nicht nervös. Dann fahr ich halt noch.

Ich muss das Abschlusseis noch einlösen. Die Schlange ist mir zu lang am Biergarten und ich will zum Edeka. (Allein bei dem Gedanken, dass mir irgendwo zu viel los sein könnte, da muss ich schon innerlich grinsen)

Als wir den Biergarten verlassen, sagt eine Frau grad zu ihrer Tochter, sie solle zum X gehen. Mein Sohn horcht auf und sagt, er sei X. Sie lächelt und meint, dass ihr Sohn auch so heiße und sie den Bruder des Mädchens meinte. Mein Sohn sagt, sein Bruder heiße Y. Da bleibt die Frau stehen und lächelt diesmal mich an. Ihr Sohn heiße XY. Da grinse ich auch. Wir erinnern uns beide an ein lustige Gespräch vor Jahren vor dem Italiener im Viertel. Da haben wir nämlich festgestellt, dass sie ihren Sohn XY genannt hat und ich meine Zwillinge X und Y. Und wir fanden es total witzig. Ein bisschen ist sie irritiert, mich zu treffen und dann geht sie wieder weiter.

Westend München

Beim Edeka, den ich echt in und auswendig kenne, fröstelt es mich dann doch. Wenn was total gleich aussieht. Und ich den Impuls unterdrücken muss, hier noch schnell was einzukaufen. Die Zeit schien eingefroren. Irgendwie bin ich auch stolz, dass ich so verwurzelt war. Dass ich ein Dorf hatte, in dem ich viele zu kennen schien. Es ist erst ein Jahr vergangen. Vergehen 10 Jahre, lehnt die Frau vielleicht nicht mehr an der einen Stelle an ihrem Fahrrad oder versammeln sich die üblichen Verdächtigen um den Spielplatz am Biergarten.

München ist nur die Imitation eines Dorfes. Für eine gewisse Zeit fühlt es sich wohl ähnlich an, aber die Besetzung wechselt schon schneller. Die meisten, denen ich begegnet bin, sind hier nicht geboren worden und aufgewachsen. Wir kennen uns nicht aus Schulzeiten und es tauchen bei jedem Lebensabschnitt nicht immer wieder die gleichen 5 Hanseln auf. Aber ist man in einem bestimmtem Lebensabschnitt, dann kommt man auch nicht voran ohne einen Ratsch an der Ecke. Ich habe ein paar Leute zu uns eingeladen. Vielleicht verlassen sie für uns doch mal das Viertel. Für einen Kaffee am Land.

 

Vom Aushalten der Welt

Wörter zu PflastersteinenIn diesen Tagen mag ich schon gar nichts mehr ins Internet schreiben. Zwischen Banalitäten werden Steine geworfen. Jeder hat plötzlich Meinungen. Jeder ist plötzlich politisch. Schlagwörter werden zu Schlagstöcken.

In Gesellschaften geht es oft nicht um Sicherheit, Wohlstand oder Zukunftschancen. Es geht meistens nur um das Gefühl, dass man sicher ist. Oder reich oder eine Zukunft hat. Zustände lassen sich halt nun mal nur in Abgrenzung zu anderen Zuständen definieren.  Wenn es das grundsätzliche Gefühl für Sicherheit, Wohlstand und Zukunft nicht mehr gibt, so ist die Lage gefährlich. Unabhängig davon, ob dieser Zustand der Realität entspricht oder nicht. Gefühle sind nun mal diffus.

Und dazu gibt es natürlich jede Menge Meinungen, Wörter und Statusmeldungen.

Ein Graus.

Von manchen Menschen hätte ich lieber nicht gelesen, welche Meinung sie zu was haben. Und die Meinungen werden immer einfacher. Man muss sich schon Gruppen anschließen. Wenn du zu einem der zahlreichen Themen jenes denkst, gehörst du automatisch zu der und der Obergruppe. Oder: Wenn du sexualisierte Gewalt an Frauen ablehnst, dann kannste ja jetzt wohl nicht mehr mit einem Schild mit *Refugees welcome* rumrennen. Von Bahnhof zu Bahnhof, sozusagen. Ein bahnhofsübergreifendes Problem.

So einfach is des.

Ich wehre mich.

Gegen Stereotype, Meinungsgewalten und die politisch Unpolitischen.

Muss man denn heute zu allem eine Meinung haben? Reicht es nicht mehr aus, einfach Katzenbilder zu teilen? Was ist das Gegenteil von Gutmensch? Ein Schlechtmensch? Kann man sich jetzt nicht mehr aktiv an der Integration von Flüchtlingen beteiligen und es gleichzeitig total scheiße finden, wenn Männer ungefragt ihre Finger in die Möse von Frauen stecken? Warum scheint diese Gleichzeitigkeit nicht mehr zu funktionieren?

Diese Sätze liegen jetzt schon länger hier herum. Auf einem Blog ist man ja irgendwie öffentlich. Ich kann einfach nicht so im neuen Jahr zur persönlichen Tagesordnung mit Sticken, Nähen, Kochen und sonstigen Firlefanz übergehen ohne einmal kurz zu sagen, dass ich die Instrumentalisierung und Stereotypisierung von Menschen zum Kotzen finde.

Ich wehre mich auch gegen Wörter: Gutmensch! Was soll denn das sein? Ein blauäugiger linksorientierter westlicher Cappuccinotrinkender Idealist, der seine Augen vor der Wahrheit verschließt?

Ich kann nur eines sagen: Wer denkt, die Wahrheit zu kennen, die Welt mit wenigen Sätzen erklären zu können, der liegt von vornherein falsch. Der Augenzeuge sieht nur einen Ausschnitt der Realität. Und mehr als Augenzeugen können wir trotz hohem Informationsfluss nicht sein. Manchmal muss man es auch aushalten können, sich die Welt nicht bis ins kleinste Detail erklären zu können. Nicht, um tatsächlich die Augen verschließen zu dürfen. Immer weiter, immer interessiert sein.

Aber an manchen Stellen wird nicht alles zusammenpassen. Kulturell geprägte Frauenbilder, Sexismus, Flucht, Familientragödien, Werte, Diebstahl, Nötigung, Terroranschläge. Das kann gleichzeitig passieren, das kann in der Biographie eines einzigen Menschen alles vorkommen, das kann unabhängig voneinander passieren.

Gerade in Zeiten, wo Gruppen bestimmte Vorstellungen pauschal zugeordnet werden, muss man wachsam sein. Es ist weder so, dass alle Männer mit arabischen oder nordafrikanischem Hintergrund frauenverachtende Ansichten haben, noch ist es so, dass keiner von ihnen frauenverachtende Ansichten hat.

Kompliziert halt – und weder das eine noch das andere ist nachprüfbar.

Die Welt ist so, war schon immer so. Es gibt von Haus aus immer mehr Fragen als Antworten. Wer weniger Fragen hat als Antworten, der sollte sich überlegen, für wie viele verschiedene Fragen er die gleiche Antwort benutzt. Oder welche Fragen er unbeantwortet abgehakt hat.

Und dann kommen die Frauen.

Nach Jahren kommen die Frauen – und die tausend kleinen und großen Verletzungen der Würde und der sexuellen Selbstbestimmung. In einer Gesellschaft, die ihre Produkte nur zu verkaufen scheint, wenn man daneben oder direkt drauf möglichst große Titten abbildet. Die Frauen, die immer einen zu kurzen Rock getragen haben. Die stets *richtig* reagieren müssen, wenn man sie nötigt oder vergewaltigt. Selbstbewusst und mit erheblichen Protest nämlich. Die man bei sexuellen Übergriffen immer mitfragt, was sie denn dazu getan haben. Die meistens eh schweigen, weil es nichts bringt, was zu sagen. Die meisten angezeigten Vergewaltigungen führen nicht zu einer Verurteilung.

Eine Armlänge Abstand muss ich mich von der Empörung fern halten. Dabei wäre die Empörung so richtig, wenn es denn nur einen Moment um Frauenrechte ginge.

Gerade in Zeiten, wo Gruppen bestimmte Vorstellungen pauschal zugeordnet werden, muss man wachsam sein. Die Welt läßt sich nicht so einfach erklären. Ich weiß, dass ich nichts weiß.

(unabgeschlossen) 

Bildquelle: pixabay

 

 

 

Nimm noch nen Schluck, Mutti.

Hoch die TassenVor einiger Zeit geisterte durch meine Onlinesachen folgendes Video als Zeichen des unglaublichen Sexismus der 50er Jahre. Ein Aufheulen war das.

Keine Sorge. Jetzt ist alles besser geworden.

Hoch die Tassen, Ladys. Long way to go.

 

 

Bildquelle: pixabay

I am going gay for…not only Ruby Rose

#MontagskommentarRuby Rose geistert durch mein Newsfeed. Who the f*** is Ruby Rose? Ein australisches Model,eine Seriendarstellerin, hat sie auch irgendwas gesungen? Keine Ahnung. Ruby hat vor einer gefühlten Ewigkeit ein youtube-Video veröffentlicht, dem nachgesagt wird, dass selbst die straighte Hetero-Hausfrau ganz feucht im Höschen wird.

I kissed a girl and I Liked it ist so 2008. Aber die Debatte um die Kategorisierung von Sexualität ist mal wieder im vollem Gange. Gender-fluid ist die Kategorie der Stunde und meint, dass man sich weder als Mann noch als Frau fühlt oder aber mal als Mann und mal als Frau. Fluid, halt. Wenn man jetzt aber davon ausgeht, dass Gender eh ein gesellschaftliches Konstrukt ist und *männliche* und *weibliche* Eigenschaften eine Erfindung sind – wäre dann Gender-fluid die Kategorie *Mensch*? Keine Ahnung, Verwirrung ist nicht mein Thema. Sexualität könne man sich nicht aussuchen, sagen die Kritiker. Und recht haben sie, denn es ist sicherlich nicht einfach, in einer heterosexuellen Gesellschaft homosexuell zu sein.

Sexualität sollte man aber ausprobieren, sage ich. In meiner Teenager-Zeit hatte ich ganz herzergreifende Liebesgeschichten mit Frauen und trotz meiner momentanen Sexualität habe ich mir dieser Tage mal überlegt, welche Frauen ich nicht so locker von der Bettkante schubsen könnte…und ja, Ruby Rose wäre jetzt auch darunter. Ich habe mal eine short list erstellt.

1. Kate Winslet

2. Lauryn Hill

3. Emmanuelle Béart

4.Tatiana Maslany

5. Lara Croft in der Version von Angelina Jolie

Puppen für Jungs {Teil 2}

Haba Puppen Jungs Vor Weihnachten habe ich ja mal über die Genderwelt der Spielzeugindustrie geseufzt und nach Puppen für meine beiden Zweieinhalbjährigen Ausschau gehalten.

Hier zum 1.Teil der Puppen für Jungs – Geschichte: *Klick*

Zu Auswahl standen mehrere Modelle und wir haben uns für zwei Haba-Puppen in der 30 cm- Größe entschieden. Wer meine Kinder persönlich kennt, der wird verstehen, warum ich da nicht drumrum kam : die beiden Haba-Puppen haben schon ziemliche Ähnlichkeit mit ihren neuen Puppenpapas

Die Reaktionen

Zunächst einmal wurde diese Puppen unter dem Weihnachtsbaum so überhaupt nicht beachtet. Die Reizüberflutung Vorweihnachtszeit hat einfach ihren Tribut gekostet. So viele neue Sachen (Wunderkerzen, Weihnachtsbäume, Christbaumkugeln, Geschenke, Plätzchen) – zu viele, um sie alle einzusortieren.

Eine paar Tage später habe ich meine Kinder gefragt, wie ihre Puppen denn heißen. Groß war das Interesse da auch noch nicht, aber sie haben überlegt.

Inzwischen denke ich mir, dass sie halt gerne mit Babypuppen spielen und das Aussehen dieser Puppen sie eher an noch mehr Kinder erinnert und sie mich dann nur angucken und sagen, sie wollen jetzt nicht auch noch ihr Spielzeug mit den Puppen teilen, wenn man schon immer mit dem anderen Zwilling teilen muss…

Aber das mit der Namensgebung fanden sie dann doch irgendwie spannend.

Die Puppe des einen Kindes heißt ab jetzt FINDUS

Die Puppe des anderen ist NIKOLAUS.

Mit der Namensgebung fing auch das Spielen damit an. Inzwischen wird für Findus und Nikolaus gekocht, sie werden mit zum Schlafen genommen und dürfen im Kinderzimmer mitspielen.

Ich musste über die Namenswahl der beiden nachdenken.

Findus ist die Katze aus „Petterson und Findus“ ein Bilderbuch, das beide kennen. „Petterson und Findus“ gibt es auch als TV-Serie und wir haben uns eine CD mit Liedern zu diesen Figuren aus der Bibliothek ausgeliehen. Alles also eher medial geprägt – ganz wie der dazugehörige Puppenpapa, der sehr großes Interesse an allen Formen von Medien hat – Bücher, Fernseher, Fotographie und iPad, iPhone und weiß der Geier noch alles, wenn ich die Sachen nicht dosieren würde…

Nikolaus ist wohl durch die Vorweihnachtszeit entstanden, mein anderer Sohn war ein großer Fan von allen Aktivitäten darum herum: Skifahren (nicht selber…er würd aber gern) , Rodeln, Plätzchen backen…und vor allem Geschenke.
Das Prinzip „Geschenke auspacken“ fand er schon sehr faszinierend und ich glaube, deswegen ist dieser Name so übrig geblieben…

Kinder sind witzige Zeitgenossen….

{Samstagskaffee} Puppen für Jungs

Samstagskaffee mit der PuppenfrageIch habe Kinder. Diesen Kinder gebe ich Sachen in die Hand, mit denen sie spielen dürfen. Manchmal sind es Dinge, die mir gehören. Manchmal sind es Dinge, die die große weite Industrie für Kinder in ihrem Alter entwickelt hat. Spielzeug eben. Alle diese Dinge sollen zwei Sachen erfüllen:

1. Es soll ihnen Spaß machen.

2. Sie sollen irgendwas lernen.

Die meiste Zeit erkenne ich nicht, was sie jetzt genau lernen sollen, sprich, meine Geschenke folgen keinem Lern-masterplan. Ich sehe, was ihnen Spaß macht und dann gebe ich Ihnen Dinge, die dazu passen (oder sie suchen es sich selbst)

Wenn Kinder jünger sind, dann sind das für Mädchen und Jungs die gleichen Sachen. Steckwürfel, Mamas Schlüsselanhänger, Holzpuzzelspiele, Wasserfarben.

Jetzt langsam fängt es aber an, dass die Spielzeuge nach Geschlecht aufgeteilt werden. Dabei sind die Spielsachen für Jungs (Bagger, Autos, ect.) oft neutral in Farben und Formen. Ein Feuerwehrauto in klein sieht halt aus wie ein Feuerwehrauto in groß. Was soll man da auch rosa anmalen?

Was passiert aber mit speziellen Mädchenkram?

Aus meiner Kindheit sind noch Puppen übrig. Und Ja, Jungs spielen auch gerne mit Puppen. Meine Jungs machen das zumindest und füttern ihre Puppen, legen sie zum schlafen und versuchen sie zu wickeln…

Jetzt habe ich sie gefragt, ob ich dem Christkind fragen soll, ob es Puppen für sie bringen könnte….

Sie standen beide mit leuchtenden Augen da und haben „Jaaa!“ gerufen.

Also stöbere ich durch Online-händler und reale Spielzeugläden auf der Suche nach Puppen…eine rosa Glitzerwelt droht mich zu erschlagen. Spielen alle Mädchen wirklich nur mit Dingen aus Rüschen und rosafarbenen Plüsch?

Wo liegt meine persönliche Gender-Schmerzgrenze? Kaufe ich meinen Jungs rosafarbene Glitzerpuppen, die eigene Personalausweise haben, wo sich die „Puppenmama“ eintragen darf?

Bei einem bekannten Händler lese ich zum Thema „warum mit Puppen spielen?“ : …fördert die Fantasie und unterstützt nachweislich die Entwicklung sozialer Fähigkeiten und Werte wie Verantwortung, Kommunikation und Einfühlungsvermögen. Quelle babyborn

Ja, das hätte ich auch gerne…ohne Glitzer…gibt es keine Puppenpapas da draußen? Wieso separiert die Spielzeugindustrie wie in den 50er Jahren noch Spielzeug so stark? Ist unsere Gesellschaft nicht längst wo anders angekommen?

Sollen Puppen für Jungs anders sein als Puppen für Mädchen?

Es gibt bei Jako-o den berühmten Krümel.

Es gibt auch von Haba Puppen, die mich nicht sofort an einen Kleinmädchentraum aus den 80er Jahren erinnern.

Ich muss ehrlich sein. Ich finde schon, dass Jungs mit Puppen spielen dürfen. Aber ich habe keine Lust, dass mein Kinderzimmer zu einem Politikum wird. Ich habe keine Lust, dass ich Rosa-Zeug anschaffe, nur um anderen Müttern zu beweisen, wie genderneutral ich meine Jungs doch erziehe. Wie modern das alles hier ist.

Einem Mädchen eine kleine Bohrmaschine zu kaufen, ist längst kein Thema mehr. Was ist aber mit den Jungs? Ist es auch kein Thema mehr, ihnen Puppen zu kaufen, die wirklich alles (vom Kinderwagen bis zur Windelhose) in rosa und pastell haben?

Versteht mich nicht falsch, ich habe nicht vor, alles rosa zu verbannen. Ich habe nur was gegen diese einseitige Farbgebung. Bin ich jetzt unmodern? Traditionell? Eine verkappte CSU-Wählerin, weil ich nach Puppen Ausschau halte, die blau, braun, grün, rot UND rosa tragen?

Zu den Puppen werde ich wohl dann doch die meiste Kleidung selbst herstellen, also nicht wundern, wenn hier mal ein kleiner Puppenpullover auftaucht…ich muss gestehen, ich habe bereits nach Strickmuster und Schnittmuster gegoogelt…

Strickkorb gender SpielzeugApropos gender-Spielzeug und stricken. Ich habe einen Strickkorb. Meinen Kindern ist es wirklich verboten, diesen Strickkorb auch nur nahe zu kommen. Deswegen haben sie jetzt auch einen eigenen Strickkorb und sitzen friedlich herum und zerwuseln Wolle. Gott sei Dank, ist das weder männlich noch weiblich, sondern bunt. Kinder ( Jungs wie Mädchen) wollen nämlich vor allem ihre Welt imitieren. Und wenn Mama strickt, dann wollen sie auch „stricken“. Wenn Papa kocht, wollen sie auch kochen. Soll ihnen doch ohne Farbschablone und Politikum einfach gewährt werden…

Strickkorb Gender Spielzeug 2

Diese Gedanken stelle ich samstags seufzend und unfertig zu Ninjas Samstagskaffee.

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