Rag-Quilt

Im Alltag bleibt ja einiges liegen. Als man von heute auf morgen zu Hause bleiben sollte und der Alltag jede Woche neu erfunden werden musste, habe ich mir diese liegengebliebenen Sachen mal angesehen. Etwas, was in meinem Leben auf alle Fälle liegengeblieben ist, sind Quilte. 

Als ich vor beinah zwei Jahrzehnten mit dem Nähen angefangen habe, waren Patchworkdecken das erste, was ich genäht habe. Davon übrig geblieben sind ein paar UFOs (ein Paket Flanell-Stoff von einer Messe und ein Stück paper Piecing) und die Erinnerung an Webware. Mittlerweile nähe ich hauptsächlich Kleidung aus Jersey. Was praktisches eben. Keine Decken, von denen ich inzwischen wirklich genug habe. Patchwork erschien mir wie etwas aus meiner Vergangenheit. 

Ich habe mich mal mit verschiedenen Techniken und wo auf der Welt sie welche Tradition haben. Muster mit bestimmten Bedeutungen aus dem Süden der USA, Stickstiche und Musteraufteilungen aus Japan.

Rag ist eine spezielle Technik aus Flanell. Man näht mehr oder weniger „Lappen“ zusammen und nach dem ersten Waschen entsteht der Rand aus Wuschelpuschel. 

Gerade in den letzten besonderen Wochen habe ich mehr und mehr zurück zu den Quiltdecken gefunden. Ich glaube, man muss sich selbst eben auch wieder neu zusammensetzen und sich neu erfinden. Schule zu Hause, plötzlich keine Krippe, der eigene Job mehr oder weniger ein Drahtseilakt, Umsatzverlust, alle sind ständig da, kein Fussball, Musikunterricht mit Videoschaltung, Masken in Supermärkten, erschreckende Bilder in den Nachrichten… das kann einen zerfallen lassen. 

Diese Reise zurück hat schon vor Corona angefangen. Ich habe Ende letzten Jahres eine Messe für Handarbeit besucht und irgendwie war plötzlich alles voller Quilts. Quilts oder Stempel. Doch mit den letzten Wochen ist es stärker geworden und ich habe ein großes UFO nach Jahren der Verstaubung wieder herausgeholt. 

Ich denke, meine Art, mich neu zu erfinden ist eher ein Rückblick. Auf die Dinge, die eben im Alltag irgendwann weggefallen sind. Abends, wenn alle schlafen, da hebe ich sie wieder auf. 

Die Namen unserer Familie wurden auf die Herzen gestickt. Ich habe diese aus Rücksicht und zum Schutz unkenntlich gemacht. Insgesamt wurden die einzelnen Teile nicht alle klassisch mit der Nähmaschine gequiltet, sondern auch mit der Stickmaschine. 

Verlinkung:  Handmade on Tuesday

Sabine Rest

Sabine Rest

schreibt auf diesem Blog seit 2014 mal mehr und mal weniger.
Sie lebt mit ihrer Familie zurückgezogen auf dem Land.
Sabine kann besser nähen als backen und wenn schon backen, dann nur Brot.

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