Mommy wars? Nein, hier gibt es nur Superdaddy`s Wort zum Kind

Superdad_mommy wars*Mommy wars* – streitbare Supermütter, die sich leidenschaftlich für ihre persönliche Erziehungmodelle eingesetzten. Jene, die das Gelbe vom Ei gefunden haben – die Lösung aller Probleme. Stillen oder nicht. Impfen oder nicht. Kinderkrippe oder nicht. Die Liste ist lang.

Scheinbar, denn ganz ehrlich…ich bin noch nie mit einer anderen Mutter in einen konzeptionellen Streit über Familienbetten, Impfpässe oder Krippenbetreuung geraten, dabei kenne ich viele Mütter, die es anders machen als ich. Explizit anders. Also, das Gegenteil. Ich glaube, dass *Mommy wars* genauso real sind wie die Annahme, dass Frauen grundsätzlich untereinander stufenbissig wären. Ich denke, es könnte so etwas geben, aber richtig mitgekriegt habe ich es noch nicht.

Wohl sind Mütter eher sehr sanft zueinander. Sie halten meist still, wenn es ein Problem bei ihnen (mal ausnahmsweise) nicht gibt und lassen die betroffene Mutter in aller Ausführlichkeit jammern. Sie vertreten zwar die Auffassung, dass man ihrem eigenen Kind ja kein Nusshörnchen kaufen darf, es ist ihnen aber in der Regel ziemlich shitegal, ob ein fremdes Kind sich mit Zucker vollstopft. Meistens greifen sie überhabt nicht ein.

Mütter nicht, Väter schon.

Ich spreche von der Generation Neuer Väter. Die, die wickeln. Die, die wissen, welche Größe Windeln gerade gekauft werden muss.  Die, die am Spielplatz die Sandburgen bauen und schon in der Schwangerschaft wußten, dass man Folsäure schlucken sollte.

Ein Traum, diese neuen Männer. Ein Traum.

Dabei sollte man aber (ich alter Spielverderber) bedenken, dass diese New Daddys zwar wickeln können, aber nur, wenn du ihnen die Wickeltasche perfekt vorbereitet hast. Sie schmieren die Brote für die Kinderkrippe, allerdings solltest du im Vorfeld dafür sorgen, dass genügend Brot zu Hause ist. Sie bringen die Kinder auch ins Bett, allerdings nur, um dich zu entlasten, denn – da sind wir uns doch einig – das mit den Kindern ist Frauensache.

Und genau diese Gruppe Superdads sind in der Regel diejenigen, die mir einen typischen *Mommy war* – Spruch reindrücken.

Beim Thema *Kinderkrippe ja oder nein* – das war ein Streitgespräch mit einem werdenden Vater, der mir ganz genau erklärt hat, wie ich die Beziehungsfähigkeit meiner Kinder mit einer Krippe gefährden würde. Da habe ich erst mal geschluckt. Von einer Mutter würde so ein konkreter Vorwurf nie kommen. Die denken sich zwar ihren Teil, wissen aber meistens aus Erfahrung, dass es keine abschließende Meinung über irgendein Kinderthema gibt. Alles ist im Fluss, schwer, eine andere Mutter mit so präzisen Worten zu be- und verurteilen. Fremd-Väter tun sich da leichter, Fremd-Väter wissen es.

Letztens saß ich auf einem Elternabend und da ging es hoch her, als ich das Wort „Strafe“ in den Mund genommen habe. Du betrafst deine Kinder? Der Vater war ersthaft entzürnd über mich. Klar, er muss es wissen – Superdad knows what to do.

Die Väter bringen es halt einfach auf den Punkt. Sie sagen dir ganz genau, wo du halt einfach falsch liegst. Wobei sie selbst natürlich auch einräumen, wenn etwas zu Hause schief läuft. Aber da gibt es halt auch noch eine Mutter, die stets die Hauptverantwortung zu tragen hat und halt einfach zu inkonsequent oder zu überlastet ist – Job, Haushalt, Kinder und Karriere, da fällt die perfekte Erzeihung halt manchmal hinten runter. Väter haben dafür Verständnis.

Wenn mein Mann einen *Superdad war* mit mir anfängt, dann fllippe ich aus. Ernsthaft, es fliegen die Fetzen bei uns. Da er mich aber ziemlich gut kennt, ist er da schon bisschen klüger. Wenn er was unbedingt will, dann bewegt er mich ohne Superdad-allüren dorthin.

Bei Fremd-väter habe ich nicht so viel Glück. Bei denen klappt mir immer der Unterkiefer runter und ich weiß gar nicht so schnell, was ich jetzt sagen soll. Da gibt es nämlich eine Krux: Läuft es bei ihrem Kind scheiße, ist die Mutter schuld und ich greife keine anderen Mütter an. Läuft es bei ihrem Kind richtig toll, so fehlt ja im ersten Moment die Basis für einen Kommentar. Und man hat echt nur ganz kurz Zeit….tarockt man später nach, so ist man wieder eine bissige Frau, die mal wieder keine Kritik verträgt. Also, Mund wieder zugeklappt, schultergezuckt und Naja gemurmelt. Themenwechsel.

Alles in allem sind es also keine *Mommy wars* da draußen.

It´s daddy war, baby. Keep drinking coffee with the girls.

Hier ein echt gelungener Werbespot dazu. Ignoriert die Werbung, er ist trotzdem cool.

Update: Diesen Artikel habe ich schon vor ein paar Tagen geschrieben und nochmals alles setzen lassen. Ich muss inzwischen zugeben, dass ich kürzlich doch haarscharf an einen *mommy war* vorbei geschlittert bin. Vielleicht berichte ich mal darüber.

Und offensichtlich (sorry, Jungs) bin ich auch ganz schön sexistisch, aber mir sind noch nicht so viele *Teilzeitväter und Vollzeitmütter* – Modell begegnet. Im Endeffekt laufen die meisten Familien schon so, dass MOM die Wickeltasche vorbereitet und DAD Platz 2 im Babyorgateam einnimmt. Die einzige Familie, die ich zwar nicht so gut kenne, von der ich aber weiß, dass es anders herum läuft ist eine Mutter mit türkischen Migrationshintergrund, die einen deutschen Mann geheiratet hat. Da blieb er im zweiten Jahr zu Hause und sie ging wieder ins Office. Alles nicht so einfach über den Kamm zu scheren, die Sache mit den Kindern…

3 Kommentare

  1. Ha, ja, und the „Old Dads“ haben am lautesten applaudiert, als die Herdprämie eingeführt wurde. Weil Familien „endlich wieder die Wahl haben, Frauen in ihrem natürlichen Umfeld zu belassen“ :p

  2. Ich muss jetzt mal eine Lanze für die Väter brechen:
    1. Mein Mann kann alles, was mit den Kindern zu tun hat, genausogut wie ich (ok, außer Stillen, aber damit sind wir ja schon durch). Wir haben da nämlich zufällig gleichzeitig denselben Ausbildungsgang mitgemacht. Einziger Unterschied: Ich vergesse häufiger die Wickeltasche. (Die wir zum Glück auch nicht mehr oft brauchen.)
    2. Die meisten Situationen, die ich beobachte, wo der Mann deutlich weniger macht oder sich deutlich weniger zutraut, verlaufen nach dem Muster „Kind schreit – Papa nimmt es auf den Arm – Mama springt auf und nimmt es ihm ab“. Wer als Mama weniger Arbeit will, muss halt auch delegieren und vertrauen lernen. (Ich bin so froh, dass ich endlich eine gute Seite an meiner Faulheit entdeckt habe. :) )
    3. Milde Mommy-wars-Kommentare kriege ich regelmäßig entweder von anderen Mamas („Also, ich würde da einfach…“) oder von Leuten ohne Kinder. Wobei Väter oft schon auch ein gewisses Konkurrenz-Spiel aus der ganzen Kindererziehungskiste zu machen scheinen. („Wie, ihr seid mit dem Laternen-Basteln jetzt erst fertig?“) Andererseits sind bei uns im Kindergarten die Väter einfach leider sehr in der Unterzahl. Vielleicht fällt mir das deswegen nicht so auf.

    Insgesamt muss ich mich da schon auch an die eigene Nase fassen: Zu Anfang hat es mich schon nervös gemacht, wenn mir eine Freundin erzählt hat, dass sie ihr Kind einfach schreien lässt, bis es einschläft. Oder halt andere Dinge tut, „wo man doch heute überall liest, dass das dem Kind nicht guttut“. Mittlerweile haben mir die Kinder dieser Freunde (fast wie im Video) aber gezeigt, dass ihre Eltern irgendwas richtig machen, weil sie offenbar zu glücklichen, ausgeglichenen und sozialkompetenten Kindern heranwachsen – genauso wie Kinder von Eltern, die’s anders machen. Also gelingt es mir meist, mich entspannt zurückzulehnen und alle glücklich sein zu lassen. Was mir nicht gelingt, ist mich bei Kritik zurückzulehnen und zu sagen, wieso, meine Kinder sind doch offensichtlich glücklich. Vor allem, wenn andere Dinge (neues Essen probieren, sich morgens anziehen…) grad nicht so gut laufen. Früher habe ich dann tagelang über sowas nachgedacht. Mittlerweile gelingt es mir aber, gerade bei Kritik von völlig Fremden, die das gar nichts angeht, völlig wider meine Natur zurückzureden. D.h. „Reden“ ist wohl bei der Lautstärke und Leidenschaftlichkeit, in der das i.d.R. stattfindet, das falsche Wort.
    Tatsächlich bin ich meinen Kindern aber sehr dankbar, dass sie mir das offenbar beigebracht haben. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur noch so wenig Nerven übrig, dass ich mir die für die Kinder aufhebe, und nicht an Fremde verschwende. In diesem Sinne: It’s go time! I think. ;)

    • fadenvogel

      4. März 2015 at 13:42

      DAS ist natürlich schon ein Punkt. Die wunderbaren Beziehungsdramen, die man mitkriegt, wenn es mal der Vater versucht, das heulende/wütende oder wahlweise zornig/trotzige Kind zu resozialisieren und dann die Mama aufspringt und sich das Bündel Elend an die Brust drückt und murmelt: Mami is ja da.

      In meiner persönlichen Statistik wirst du nun als Beispiel für Mutter-vergisst-die-Wickeltasche,-die-Papa-gepackt-hat geführt. Chapeau. Zwischen meinem Mann und mir läuft die Aufteilung wie unter Teenagern: Mein Ressort, dein Ressort. Und damit sind nicht unsere Jobs gemeint, sondern Hauhalt/Kinder/Kegelabend. Wobei ich viele Babyorgateam-Aufgaben und er viele Babymachmal-Aufgaben hat, aber das stört mich nicht. Das war auch nicht so als Beziehungstext gedacht.

      Ich habe eher ein Auge auf die Fremd-Väter geworfen, die ab und an schon mal einen Ratschlag mehr vom Stapel lassen und das auch in der Regel viel direkter machen und es mich grundsätzlich gestört hat, dass das in den *Mommy war* Diskussionen so überhaupt nicht vorkam. Oder anders: Mama und Papa gehen zu einem Krippenelterntreffen. Das Kind wirft sich wegen irgendwas auf den Boden und strampelt mit den Füßen. Andere Mama und Papa sehen das und dabei wirft sich deren Kind auch grad heulend vor die Gummibärchenbox. Meiner Erfahrung nach halten bei Gleichstand des umsozialisierten Kinderverhaltens beide Mütter die Klappe, dem Vater traue ich schon zu, doch noch einen Ratschlag zum fremden Kind zu erteilen…

      Aber natürlich sind Fremd-Väter im großen Kontest der ungebetenen Kommentare nicht die Spitzenplatzbeleger…da gehört schon noch die Trümmerfrauen-Generation mit einem Schuss BDM zu meinen Lieblingskommentatoren im öffentlichen Raum…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2018 Fadenvogel

Theme von Anders NorénHoch ↑