Germany´s Next Topfmodel

Next TopmodelGermany`s Next Topmodel flimmert seit 10 Jahren über unsere Bildschirme. 10 Jahre und heute Abend zum Staffelende wird eine ganze Arena gefüllt mit der Verkündung der Siegerin. Das Format hat ein amerikanisches Vorbild, doch die Sendung wurde in viele Länder verkauft. So erfolgreich wie in Deutschland scheint mir das aber nirgends zu laufen – außer vielleicht in den USA.

Die Show bringt nicht wirklich etwas Neues zu Stande. Einzelne Elemente werden als *neu* hinzugefügt, aber der grundsätzliche Tenor bleibt gleich. Es gibt immer ein Umstyling, es gibt immer Tränen dazu. Es gibt das Fotoshooting der Woche und eine inszenierte Kundenvorstellung mit dem dazugehörigen Job. Die Werbeaufnahmen sind zu immer denselben Produkten – ein Damenrasierer, Autos, Make-up.

Die Mädchen – schlank, provinziell, jung – kommen aus der Versenkung und verschwinden wieder darin. Dazwischen werden sie mit Attributen wie *anpassungsfähig*, *professionell* und *kundenfreundlich* ausgestattet – der Körper wird verkauft, der schlanke, schöne, junge Körper. Erinnert alles nicht nur an eine Modellkarriere.

Wirft man junge Mädchen auf einen Haufen, gibt ihnen einen Wettstreit, so entsteht fast automatisch ein Zickenkrieg. Es wird gelästert, die manikürten Finger werden auf die Wunden der Gegnerin gelegt, es wird geschrien und geheult.

Ich schaue die Sendung, weil ich froh bin, nicht mehr 16 Jahre alt zu sein. Ich war auf einer Mädchenschule und alles an dieser Sendung erinnert mich an die verhassten Mädchen meiner Schulzeit. Ich bin schadenfroh, wenn eine von ihnen öffentlich geohrfeigt wird. Aber ich scheine mit der Sendung gealtert zu sein und die Mädchen erinnern mich nicht mehr an die Topgirls meiner Schulzeit, sondern eher an Kinder. Ich verdrehe die Augen und denke mir, nein, sie muss dass nicht können. Sie ist erst 16 Jahre alt. Es ist okay, wenn sie schüchtern ist.

Dabei schwenke ich merklich um und stelle mir vor, eine meiner Töchter wäre unter ihnen. Und frage mich, ob ich das überhaupt erlauben würde. Wahrscheinlich nicht. Ich möchte meine Tochter nicht heulend im TrashTV sehen, wie ihr gesagt wird, sie solle ein bisschen repräsentativer sein und die Zähne zusammenbeißen.

Aus meinem Studium ist mir eine These zur Frauenbewegung übrig geblieben. Die Frauenbewegung sei gescheitert, hieß es in der These. Sie sei gescheitert, weil sich Frauen nicht mit anderen Frauen solidarisieren, sondern eher mit der sozialen Schicht aus der sie kommen.
Beispiel: Eine weiße westliche Frau identifiziert sich eher mit einem weißen westlichen Mann als mit einer schwarzen afrikanischen Frau. Frau-sein als bindendes Glied reicht nicht aus. Die kinderlose Karrierefrau gegen die arbeitslose Mutter, die Frau vom Land nicht mit der Frau aus der Stadt, usw. Das Prinzip der These müsste klar sein. Ich sehe mir den Zickentanz der Halbwüchsigen an und erinnere mich an die These, die Frauengemeinschaften für unloyal hält. Wie Puppenspieler kommen mir die Macher vor. Wenn zwei Mädchen Streit haben, so kommen sie extra zusammen in eine Gruppe. Sie giften sich an, die Kamera hält drauf. Ich wünschte, sie hätten es schwerer, einen Zickenkrieg zu inszenieren. Ich wünschte, diese schlanken, schönen Mädchen aus Pupertätshausen würden für einen Wimpernschlag länger Loyalität zeigen und damit dem Format das Wasser abgraben.

An Heidi Klum fällt mir über die Jahre auf, dass extremes Schlank-sein vor allem alt macht. Über die 10 Jahre scheint sie um 20 Jahre gealtert zu sein. Eine dürre Schönheit mit ausgemergelten Gesicht. Ich erschrecke jedes Mal ein bisschen mehr. Dabei ist die TV-Version ihrer Selbst immer noch die beste Version. Wie mag sie inzwischen ohne Make-up aussehen? Dabei bin ich im Grunde jemand, der Erfolg gönnt. Ich gönne auch Heidi Klum ihre Millionen und ihren Erfolg. Aber dennoch kommt s mir vor, als hätte sie ihren Zenit überschritten. Wie ein Sportler. Boris Becker der Modelwelt?

Der Sendung wird vorgeworfen, Magersucht unter Mädchen zu schüren. Bei legendären Szenen aus der ersten Staffel wie dieser hier, wundert mich der Vorwurf nicht.

Inzwischen versuchen die Macher dagegen zu steuern und die Mädchen werden oft beim Essen aufgenommen.Den Grundtenor können sie trotzdem nicht ändern. Wer Top Dollar haben will, muss eben Top aussehen.

Dabei wundert mich vor allem der Trailer, der die Worte TOPMODEL mit einer weiblichen Silhouette zeigt. Irgendwie halte ich es für einen Insider-witz, denn ich lese statt Topmodel immer Topfmodel…

Also sehe ich mir heute Abend das Staffelfinale an und habe eine persönliche Favoritin, die es natürlich nicht schaffen wird, weil es immer die Angepasste schafft. Dieses Mal gibt es wenigstens auch Geld zu gewinnen. Ein Trost für mediale Prostitution, will ich den Meeedchen zurufen.

 

Bildquelle: pixabay

3 Kommentare

  1. Ja, die Serie ist gealtert. Und früher fand ich sie besser … Aber beim Start der Sendung war ich auch noch ungefähr um Alter der Kandidatinnen. Heute bin ich fast doppelt so alt wie die Jüngsten. Macht schon einen Unterschied.

    Gestern habe ich zufällig einen Ausschnitt aus der ersten Staffel gesehen – wirklich krass, wieviel jünger Heidi Klum da noch aussieht! Und da war sie etwas älter als ich heute … Seltsam, das zu sehen. Aber je dünner man ist, desto besser sieht man halt auch Falten. Hat alles seine Vor- und Nachteile ;)

    Übrigens habe ich gerade in einer Zeitschrift einen Artikel gelesen, dass GNTM durchaus einen Einfluss auf Magersucht hat, es gab eine Studie dazu. Und das Fazit war: Es ist kein Problem, junge Mädchen das schauen zu lassen, aber besser nicht ohne die Eltern, die mit ihnen dann drüber reden.

  2. GNTM ist zu so einer Art scripted reality-Nummer geworden. Ich empfange seit einiger Zeit kein Pro 7 mehr, also schaue ich auch GNTM nicht, obwohl ichs früher schon ganz gerne mochte. Aber es hat angefangen mich zu nerven, als das product placement überhand genommen hat und die Zickereien allzu konstruiert wirkten.

  3. Ich bin so froh, dass es die Sendung noch nicht gegeben hat, als ich noch im beeinflussbaren Alter war. Wenn einem ständig jemand sagt: „Hey, du bist so groß, willst du Model werden?“, dann will man es vermutlich irgendwann auch versuchen, selbst wenn man gar nicht so genau weiß, was das eigentlich ist. Vor allem, wenn einem der Fernseher ständig sagt, dass das doch der ganz große Traum ist … Und die jetzigen Meeedchen wachsen ja schon mit der Sendung auf. Sie hatten Jahre, sich diesen Wunsch einreden zu lassen. Ich wundere mich nur, warum die Mütter das immer noch zulassen.

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