{Samstagskaffee} Warum sagt man sich von Freunden los

Samstagskaffee FreundeDie FAZ hat in einem interessanten Artikel die Frage gestellt, was uns Freundschaften heute bedeuten und wie sie beendet werden, wenn sie enden.

Jeder kennt das Ende einer Freundschaft und doch erzählen wir nicht von ihnen, wie wir frühere Liebesbeziehungen beschreiben. Mit einem klaren Anfang und einem klaren Ende – das ist zumindest der Gedanke. Dabei ist eine Liebesbeziehung manchmal zu Ende lange bevor man sich tatsächlich trennt. Bei einer meiner Beziehungen könnte ich direkt ein Telefonat nennen. Zu Beginn des Gespräches waren wir noch zusammen. Als ich auflegte, waren wir getrennt – ein Jahr bevor wir es ausgesprochen haben. Sind wir bei Freundschaften auch so definitiv, so absolut?

Als ich jünger war, habe ich meine Freundschaften sehr radikal gesehen – heute bin ich toleranter. Ich kann leichter jemanden so sein lassen wie er ist, denn ich musste auch eine bittere Pille schlucken: Nur weil mir jemand etwas bedeutet, muss das nicht auch umgekehrt der Fall sein. Früher habe ich das nicht verstanden, heute schon.

Heute messe ich die Intensität einer Freundschaft auch oft nicht mehr an der Nähe, die wir teilen, sondern meistens daran, wie unbeschwert und gedankenlos ich dieser Person gegenüber sein kann. Aber das unterschiedliche Maß der Toleranz, dass der Artikel beschreibt, trifft auch auf mich heute zu. Habe ich früher nach meinen Regeln gelebt und alle meine Freunde mit der gleichen Intoleranz oder Toleranz behandelt, so mache ich heute unbewusste Unterschiede. Das gleiche Thema, dass mich bei der einer Freundin nervt, kann mir bei der anderen ein Augenrollen und ein „Mei, so ist sie halt.“ entlocken. Ich bin ein Wechselbalg bei meinen eigenen Grenzen geworden.

Und da ist noch ein großer Unterscheid zu früher. Früher habe ich gedacht, jemand kennt mich nur, wenn ich ihm alles erzähle. Heute ist das nicht mehr so. Heute halte ich Geheimnisse und Schweigen besser aus. Denn nicht alles muss besprochen werden, nicht alles muss geteilt werden, um eine echte Freundschaft führen zu können – nur das Wichtigste. Und manchmal besteht das nur aus einer Tasse Tee mit Schweigen.

Samstagskaffee ist eine Aktion von Ninjassieben.

3 Kommentare

  1. Hallo Sabine,
    interessante Gedanken zum Thema Freundschaft. Dass man Freundschaft daran misst wie gedankenlos und unbeschwert man sich einer Person gegenüber verhalten kann trifft es meiner Meinung nach genau.
    Liebe Grüße, Kerstin M.

  2. Du hast mich nachdenklich gemacht.
    Ich habe schon lange keine Liebesbeziehung mehr beendet. (Unsere besteht jetzt schon seit 26 Jahren,mit Raufs und Runters)
    Aber Freundschaften mit Freundinnen,die trennen sich. Dafür halten die, die auf Entfernung sind,oft so viel besser.

    Ich könnte jetzt unendlich weiter…
    Ich grübel mal noch ein wenig weiter…
    Liebe Grüße
    Andrea

    • fadenvogel

      25. November 2014 at 09:31

      26 Jahre sind eine lange Zeit. Du kannst bestimmt viel über die Rauf und Runters erzählen. Ja, die Freundinnen, die gehen. Ganz ehrlich gesagt ist das ein großes Thema in meinem Leben gewesen. Mehr als die Männer es waren.

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