Erzähl mir von…deinem Silvester

Alle wollen vorwärts kommen. Zukunft, Kind, Karriereplan. Immer geht es um das Morgen. Aber wie war dein Leben denn, als du ein Kind warst? Wie war es denn als Teenager? Erzähl mal.

Larissa vom No Robots Magazine, Roxana vom early birdy und Sabine vom fadenvogel tauschen jeden ersten Sonntag im Monat Erinnerungsstücke aus. Ein Thema – drei unterschiedliche Texte, drei unterschiedliche Frauen, drei unterschiedliche Leben.

Diesmal konnten wir uns nicht zurückhalten. Wenn unser gemeinsamer Termin schon so fällt, dass wir tatsächlich alle unseren Text für den 1. Januar schreiben, dann mussten wir irgendwie das Thema zum Thema machen: Silvester, Neujahr, die Party des Jahres.

Ja, das war mal ne Party. Dieses Jahr sind wir an irgendeiner Kinderkrankheit erkrankt. Scharlach. Klingt dramatisch, ist es auch. Unser Silvesterplan ging den Bach runter.

Früher gab es diesen Plan gar nicht. Ich glaube, irgendwann jenseits der 30 fängt man an, einen Silvesterplan zu haben, fast ein Ritual, das bestimmte Menschen und/oder Orte einschließt und andere damit automatisch ausschließt. Ich wurde lange nicht mehr von jemand Neuem zu Silvester eingeladen. Kommt auch keiner auf die Idee. Ich selbst auch nicht.

(Nachtrag: Das stimmt nur zur Hälfte. Als eine Freundin mitgekriegt hat, dass wir Scharlachopfer sind, hat sie uns schon eingeladen.)

Früher schon. Da wurde wild herum geplant und eingeladen. Stundenlang diskutiert. Da wurde dann gemunkelt und geguckt, wer zu was geht. Wer mit wem feiert. Irgendwann wollte man dann eine Hütte in den Bergen, aber dafür war es freilich schon viel zu spät. So ne Hütte hätte man mal vor zwei Jahren reserviert.

Eigentlich ist man immer bei irgendwem zu Hause gehockt. Oder in einem Partykeller mit Gulasch und *kleiner Feigling*. Was ja auch zu Hause ist. Nur mit Tapeten und einer Bar aus den 70ern.

Verbringt man Weihnachten mit seiner Familie,so sieht man an Silvester die Menschen, die mit einem durch dick und dünn gehen. Die wahren Freunde. Der innere Kreis. So hat man das zumindest als Teenager geglaubt. Und eine Nicht-einladung zu Silvester, das war wie ein *Nein* zu der Frage: *Willst du mit mir gehen?* Freundschaftlich gesprochen. Die besten Freunde sehen sich halt zu Silvester, nicht die fast-besten.

Vielleicht ist es genau das, dass das Drama der Teenager so widerspiegelt. Das Drama um alles oder nichts. Um die übertriebenen Gefühle. Ich kann mich erinnern, dass zu manchen Zeiten die Katastrophen um Freundschaften viel größer und mächtiger waren als die um die Liebe.

Irgendwann hat das aufgehört. Keiner hat mehr nach irgendwelchen Plänen gefragt, manche haben sich auch durch Kinder und Nichtkinder erledigt. Heute wären wir eigentlich bei einer anderen Familie. Manchmal sehen wir uns nur zweimal im Jahr, aber das macht nichts.

Dieses Jahr nicht. Dieses Jahr haben wir Scharlach. Das ist kein Drama. Schon lange nicht mehr.

Ich glaube, an Silvester haben sich über die Jahre die Teile von selbst weggestrichen, die mir eh nie gefallen haben. ich mag keine Feuerwerke und wenn mir jemand was Brennendes vor die Füße wirft, flipp ich aus. Ich mag es nicht besonders gerne, weil mich das umkoordinierte Feuerwerk eher an Kriegsbilder erinnert als an ein fröhliches Hurra. Deswegen kaufe ich auch überhaupt kein Feuerwerk ein. Morgens zünden wir Knallfrösche und Wunderkerzen mit den Kindern vor der Haustür. Zum Geistervertreiben. Das hat die andere Mama (mit der wir seit ein paar Jahren feiern) angefangen. Das find ich gut.

Ich gucke also am liebsten in die Berge und sehe irgendwo am Horizont das Feuerwerk. Ich muss nicht mehr in einem Partykeller herumsitzen und mir Gedanken um die Gefühlswelt von XY machen und warum Carmen schmollt und Vivienne nicht gekommen ist und Babsi jetzt den Konsti küsst.

Ein gutes 2017 euch allen.

2 Kommentare

  1. Ach, euer Silvester klingt sehr nach unserem. Und es war so gut, wie es war (obwohl ich froh bin, dass der Krankheitsstand bei uns einige Latten unter Scharlach lag).
    Frohes neues Jahr!

  2. Oh, Scharlach ist doof… Hoffentlich bald wieder besser. Ich wuneche dir und deiner Familie ein gesundes neues Jahr. Mein geschichtsträchtigstes Silvester habe ich bei Roxy geschildert, is aber gscheider, wenn ichnes nicht zu sehr drsufanlege, es im Netz zu verbreiten :-) lg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2018 Fadenvogel

Theme von Anders NorénHoch ↑