bloglovin, Kommentarfelder und der Zufall im Netz

Kennt ihr das Gedankenspiel: Was wäre, wenn irgendwo auf der Welt jemand genauso aussieht, genauso fühlt und genauso lebt wie ich? Oder gerade genau dasselbe macht? In diesem Augenblick? Ein unbekannter Zwilling, das verlorene Lottchen. Das ist ein Kinderspiel und ich fand es immer gruselig. In der digitalen Welt werden unsere Kinder schnell lernen, dass das nur ein Hirngespinst ist. Dachte ich. Die heutige Geschichte ist eine Bloggeschichte. Und so fing sie an:

Ich hatte mal meinen Blog auf blogloving eingestellt, aber das ist schon bisschen her und ich habe mich nicht weiter darum gekümmert, sondern meinen account dort geschlossen. Jetzt habe ich mich wieder eingeloggt, um festzustellen, dass ich auf blogloving bereits zwei ganze Leser habe.

Ich habe mich also wieder registriert, meinen Blog zu meinen account dazu adoptiert und eine nette email von Thea und Linda (wer?) bekommen, dass sie sich freuen (in english), dass ich zur bloglovin-family gehöre. Ich freue mich auch, wirklich. Ich weiß zwar, dass ich meinen Blog nie wieder da runterbekomme und diese Bilder und Texte nun für die Ewigkeit dort gespeichert sind (das habe ich schon mal versucht), aber wat soll´s. Man lebt ja nur einmal und dann ewig im Netz. Ich surfe bei meinen Blogloving-Lesern herum und lese einen interessanten Artikel bei NoRobotsMagazine. Es geht um Kommentare, die man auf anderen Blogs hinterlässt und wie nervig es ist, dass man bei manchen Blogs nur mit bestimmten digitalen Identitäten (google,wordpress, etc.) dort was schreiben darf. Ich habe diese ganzen Identitäten nicht zur Verfügung und schreibe nur mit meiner Email, meiner Webseite und meinem Namen. Das ist mein Ewigkeits-Thema. Ich mag diesen Blog. Auch aus München. Er ist klar und strukturiert und gehört so gar nicht zu den Mami-kauf-mich-Blogs. Er ist fast ernst.

Ich bin natürlich auch sofort zu der Seite meiner anderen bloglovin-Leser gesurft und einen Mama-Ich-liebe-mein-Kind-und-nähe-ihm-hübsche-Sachen-Blog gefunden. Auch aus München. Irgendwie witzig. Wie zwei Seiten einer Stadt. Ich schaue mir also die ganzen Posts an und kriege einen recht guten Eindruck von der Schreiberin (sie postet wirklich viel über das Glücklich-sein-mit-Kind ) und siehe da, sie hat denselben Fahrradanhänger wie ich. Viele, viele Fotos später sehe ich dann ein selbstgenähtes Sonnendeck für den Kinderwagen. Sie benutzt HAARGENAU dieselbe Technik wie ich bei dem Sonnensegel für meinen Croozer. Mir wird ganz heiß und kalt. Ich habe das nicht abgeguckt, ich bin wirklich auf den gleichen Gedanken gekommen. Vielleicht ist das auch der einzige Gedanke, der bei dem Versuch, ein Sonnensegel zu nähen, herauskommt, aber mich gruselt es wie als Kind bei dem Spiel „was wäre wenn“.

Ich kommentiere den schlichten Blog von NoRobotsMagazine und die Bloggerin schreibt zurück. Ein Pläuschchen über Kommentare und der Sinn des Bloggens. Ich versuche auch den Mama-Blog zu kommentieren, von diesem sagenhaften Zufall zu schreiben, eine Visitenkarte zu hinterlassen – und dann kann ich nicht. Irgendwie will dieser Blog mich nur mit meiner Google-Identität reinlassen und ich melde mich an und ab, ich fahre den Computer runter und wieder hoch und nichts geht. Wie NoRobots grad heut beschrieben hat. Eine Email möchte die Mama auch nicht haben, die ist nur für Firmen. (Wieso Firmen? Wegen dem ganzen Kauf-mich-Quatsch auf ihrem Blog?). Ich sehe Facebook (hab ich ja nicht mehr, vielleicht kriegt der fadenvogel doch bald eine Facebook-Seite) und Instagram…und die Adresse einer Packstation. Und im Zuge der Postkartenliebe schreibe ich einen Kommentar. Per Post.

Ich kann nicht sagen, dass der Punkelmunkel-Blog mein Lieblingsblog ist. Ich bin immer bisschen skeptisch, wenn Frauen im selbstgenähten Eulendress von der neuen weiblichen Selbstzufriedenheit berichten. Wenn ich Kauf-mich-Artikel durchlese, Konsumherzen fliegen sehe und das alles zwischen hundert Kinderfotos, dann bin ich einfach nicht dort. Aber ich sehe dann auch die Liebe und die Fürsorge und denke mir, dass es zwar nicht meine Art ist, aber es ist eine positive Art. Und für positive Vibes bin ich alter Hippie immer zu haben. Und vielleicht bin ich genau zwischendrin, zwischen der Vorstadtidylle und den Anhängern der Geisteswissenschaft.

9 Kommentare

  1. fadenvogel

    30. Juli 2014 at 23:51

    Nachtrag: Nachdem ich jetzt bloglovin ein bisschen verstanden habe, muss ich sagen, dass der Mama-blog noch nie Notiz von mir genommen hat. Eine der beiden Leserinnen hat nur einen Beitrag von ihr geherzt und so sah es erst für mich so aus, als ob das irgendwie zusammengehört. Aber dem ist gar nicht so. Jetzt finde ich es noch gruseliger, dass ich heute so durch die Blogwelt gestolpert bin und so viele doppelte Gedankengänge wiedergefunden habe und einer davon wurde nur durch eine gemeinsame Leserin ausgelöst, die zufällig genau zwei Artikel geherzt hat, und zwar aus der Flut an verschiedenen Blogs genau die, die mich zu dem Mama-Blog geführt haben, auf dem ich das Sonnensegel wieder fand. Verspuhlt alles. Ich sollte jetzt ins Bett gehen und Zombie-Bücher lesen.

    • Ich habe grade deinen Blog gefunden (nicht über Bloglovin) und wollte nur sagen: Wenn man verspuhlte Gedanken hat, sollte man ins Bett gehen und Zombiebücher lesen. Ich bin da ganz bei dir ;)

  2. Hallo Fadenvogel!

    Wow, du hast mir jetzt ein richtig ungutes Gefühl gemacht. Ich hab eigentlich jede Menge Blogs auf meiner Bloglovin-Liste – jeder, wo mir ein Ding gefallen hat, und ich ihn in Erinnerung behalten möchte.
    Dass das aber so viel auslösen kann, war mir gar nicht bewusst. Ich wusste zwar, dass du siehst, dass ich dir folge, aber nicht, dass du auf alles, was ich sonst noch lese auch Zugriff hast.
    Ich hab jetzt auch ein gruseliges Gefühl, aber nicht, weil ich mir Sorgen mache, dass noch jemand denkt und fühlt wie ich. Sondern einfach darum, weil ich Bedenken zum Datenschutz habe. Wenn du (als relativ ungeübter Bloglovin-Nutzer) schon so viel über mich gesehen hast, was wissen dann die anderen 30+ Blogschreiberinnen wohl alles??? Und vermutlich die Betreiber von Bloglovin noch viel mehr…..

    Lg Carmen

    • fadenvogel

      31. Juli 2014 at 20:40

      Ich wollte dir kein ungutes Gefühl machen, ich habe nur eine Geschichte erzählt, die neben vielen anderen Geschichten an dem Tag passiert ist. Keine große Geschichte, eine kleine. Ich habe gesehen, dass man bei bloglovin auch „Private und unsichtbar“ Blogs folgen kann, aber natürlich sehen die Betreiber diese dann trotzdem und haben wohl Statistiken über die durchschnittliche Anzahl von Blogverfolgungen, von Themen, die gut ankommen, von länderspezifischen Verteilungen von Themen und so weiter. Es ist wie die Bonuskarte von dm. Du registrierst alle Einkäufe und dm wertet fröhlich dein Konsumverhalten aus, dafür bekommst du eine Baumwolltasche umsonst. Oh, jetzt bin ich sarkastisch. Nein, sehen wir das mal positiv. Der Familiengedanke. Vielleicht geht es auch genau darum. Du hast irgendein Thema mal gut hier auf dem Blog gut gefunden und hast den Blog verfolgt. Mal gelesen, mal nicht. Und dann habe ich dein Profil angesehen und mir die öffentlichen Sachen, die du neben meinem Blog auch gut fandest,angesehen. Die Blogger wollen das ja. Sie wollen weiterverlinkt werden. Sie wollen, dass Menschen ihre Sachen lesen und angucken. Den Kreis vergrößern. Wenn du dieses Bindeglied zwischen den Blogs nicht gerne bist (was ich auch nachvollziehen kann), dann habe ich dir ja mit der Geschichte irgendwie was Wichtiges gezeigt. Das ist ja ein Grund fürs Bloggen.

      Nichts für ungut. Ich wollte echt keine negativen Gefühle auslösen….eher konstruktive…

  3. Juhu, einer deiner zwei Leser bin ich! :)
    Juhu, danke für die Erwähnung! (Fast schon ernst? Scheint, als müsste ich mehr Quatsch machen. ;))
    Und ein drittes Juhu: Starten wir eine Revolution gegen die Kommentar-Zensur. ;)

    • PS: Ich habe auch gerade überlegt, wie ich überhaupt auf deinen Blog gestoßen bin. Und wenn es nicht über Bloglovin war, dann muss ich auf irgendeinen Kommentar oder so irgendwo geklickt haben. (Oder war’s der Samstagskaffee?) Auf jeden Fall zeigt das mal wieder, wie wichtige solche „Visitenkarten“ sind.

    • fadenvogel

      31. Juli 2014 at 20:22

      Ich bin dabei! Bei der Revolution!

  4. Hallo lieder Fadenvogel,
    heute war ich bei meiner Packstation uns musste wirklich schmunzeln über deine liebe Postkarte. Erst dachte ich mir „wieso schreibt sie denn nicht einen Kommentar?“ aber irgendwie ist es doch auch mal was sehr besonderes echte Post in den Händen zu halten, da wird einen gleich bewusst, dass da tatsächlich ein Mensch hinter steckt. Zuhause angekommen musste ich gleich mal nachschauen wer da hinter steckt, so bin ich auf deinen schönen Blog gestoßen. Danke für deine ehrlichen Worte. Der Grund weshalb die Emailadresse nur für Firmen ist, ist der, dass es sonst zu viele Mails werden und mein schlechtes Gewissen immer größer wird weil ich dem nicht gerecht werde. Natürlich kooperiere ich auch hin und wieder mit Firmen, das will ich gar nicht abstreiten. Es ist ein netter Nebeneffekt des Bloggens aber nicht der Grund weshalb ich das alles mache.
    Ich freue mich jedenfalls total über diese Karte und dass du dir die Mühe gemacht hast, sowas sollte man viel öfter tun. Ich werde es mir zu Herzen nehmen!
    Ganz liebe Grüße
    Julia

  5. Was für eine wunderbare Sache, den Kommentar dann einfach per Post zu schicken. Total toll!
    Ich bekomme das gruselige Unbekannte-Zwillings-Gefühl, wenn mir Leute sagen: „Ich kenne jemanden, der sieht genauso aus wie du. Wirklich exakt genauso!“ Ist mir tatsächlich schon zweimal passiert.
    Hab noch eine wunderbare Woche, liebste Grüße
    Eva

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