Verbotene Liebe hat ihren eigenen Tod überlebt….

Verbotene Liebe_pixabayManche Formate im Fernsehen scheinen ihren eigenen Tod überlebt zu haben und wandeln als Zombies über meinen Bildschirm. Verbotene Liebe scheint mir so ein Zombie zu sein.
Die Soap läuft seit 1995. Damals war ich 14 Jahre alt. Mitte der 90er waren die 80er noch zu spüren. Steffi Graf spielte noch Tennis und Franziska von Almsick schwamm als Goldfisch durch die Sportlandschaft. Claudia Schiffers Ära. Aufgedonnert. Top,Top, Top.

Und im Ersten lief Verbotene Liebe – täglich. Eine Adelsgeschichte. Intrigen, Reichtum, Liebe. Ein Format wie aus den 90ern eben. Daniel Brühl war 1995 kurz bei Verbotene Liebe dabei. Es krähte noch kein Hahn nach ihm.

Ich war in den letzten 20 Jahren immer mal wieder punktuell mit von der Partie.. In meiner Studentenzeit lungerten wir vor dem Bildschirm herum und manchmal begann der Tag auch erst richtig um diese Zeit. Waren wir damals tatsächlich im Schlafanzug bei Verbotene Liebe gesessen? Ich denke schon.

Ich kann mich an einen Brief einer Schulfreundin erinnern, die mir erzählte, dass sie in ihrer internatsähnlichen Ausbildung immer um 18 Uhr mit dem Lernen aufhörte und Verbotene Liebe den Abend einleitete.

Während meiner Schwangerschaft hatte ich ein Revival mit dem Format. Ich konnte mich irgendwann eh nicht mehr bewegen und lag wie ein Walfisch vor dem Fernseher. Vor mir kamen Tanja von Lahnstein und Sebastian wieder zusammen, trennten sich wieder, kamen wieder zusammen. Manchmal war ich richtig drin in der Geschichte. Ein Ausstieg war jedesmal möglich, ein Einstieg auch. Es gab immer ein Paar, das sich verliebte und die Hindernisse bis zum Zusammenkommen überwand. Danach war ein anderes Paar dran. Manchmal mochte ich die Paare, manchmal nicht. Am Ende hatte jeder mal was mit jedem. Schauspieler stiegen aus und andere kamen dazu und es ging von vorne los.

Anfang dieses Jahres wurde die Sendung als Daily Soap abgesetzt. Sang- und Klanglos. Inzwischen gibt es Verbotene Liebe nur noch am Freitag. Heute hat es mich zufällig gestreift und es war tatsächlich eine Zombiebegegnung.

Die Kameraeinstellungen spektakulärer und ein wenig wie Tatort, manchmal. Die Locations neu und feiner. Die meisten Charaktere erkenne ich wieder, andere nicht. Die Geschichte wirkt wie aus einer anderen Zeit. Eine Frau kommt im Schloß an und in Rückblenden wird erzählt, dass ihr die drei Brüder Sebastian, Ansgar und Tristan in ihrer Jugend wohl übel mitgespielt haben. Kurz kommt die Sequenz in wen sie sich wohl verlieben wird, aber die Geschichte ist nun die Geschichte um ihre Rache. Rache ist ein altes Motiv bei Verbotene Liebe, aber die Rückblenden sind neu. Vielleicht kam das aber alles schon mal vor und ich weiß es nur nicht.

Es wird aber klar, dass sie versuchen, die Szenerie neu zu erfinden, übersehen aber, dass die tragenden Elemente einfach veraltet sind. Was die Macher des neuen *Karate Kid* mit Jade Smith erkannt haben. In der Version von 1984 ging es um Reichtum und Standesdünkel. All diese Elemente wurden in der Version von 2010 entfernt. Dadurch wirkt die Geschichte moderner und ist angekommen.

Klunker, Goldkettchen, fette Autos, ein Schloß, ein Butler – das sind Elemente aus 1995. Die Sendung ist nicht wegen ihrer flachen schauspielerischen Leistung oder dem Inhalt der Geschichte zum Scheitern verurteilt, sondern wegen des grundsätzlichen Settings. Eine Geschichte um Männer, die sich mit ihrem Reichtum aus alles rauskaufen können und im Standesdünkel auf einem Schloß untergehen, das ist nicht mehr Top,Top,Top.

Ich wünschte mir, sie hätten das Format beendet. Ich wünschte, sie hätten es in ihre Zeit verabschiedet und etwas Neues gemacht. Irgendetwas ohne Goldkettchen und Galerien. Die Geschichte einer deutschen Bestattungsfamilie a la Six feet under oder auch ein bisschen DDR-Geschichte. Eine Daily Soap über ein Dorf an der Ostsee würde ich mir wohl lieber ansehen als die Liebeslügen der Oberen Zehntausend.

Bildquelle: pixabay

2 Kommentare

  1. Schön geschrieben!
    Ich konnte mit Verbotene Liebe nie etwas anfangen. Meins war früher GZSZ, und kurz habe ich mich während dem Lesen deines Artikels gefragt, warum GZSZ denn noch lebt. Aber ich denke es ist tatsächlich das Setting: GZSZ (ist zwar auch schlecht, aber) bewegte sich schon immer in Cafés, WGs, Agenturen… das ist auch heute noch in.

    Ich wusste nie genau, warum Verbotene Liebe mich nicht anspricht (also, noch weniger als andere Daily Soaps heutzutage) – aber es dürfte wohl tatsächlich das sein, was du hier ansprichst.

    • fadenvogel

      28. April 2015 at 09:07

      GZSZ, da war ich nie dabei. Aber ich denke auch, dass das Setting echt ausschlaggebend ist für die grundsätzliche Stimmung einer Daily Soap. Marienhof haben sie ja schon viel früher eingestellt. Obwohl die Hinterhof-Szenerie ja eher modern wirkt. und warum es Lindenstraße noch gibt -ja, das is ja auch so ein normaleres Umfeld.

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