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Die Schere im Kopf: #regrettingbloggerhood

#regrettingbloggerhoodEin eben nicht handelsüblicher Familienblog (I Love Noch ne Muddi) hat die Frage nach der Schere im Kopf gestellt. Die Schere, die man selber hat, wenn man öffentlich seine Alltagsgeschichten ins Netz trägt.

Ob das denn ein Problem wäre. Ob man schon mal bereut habe, dass man bloggt.

Zugegeben, ich habe auch schon Beiträge von öffentlich auf privat umgestellt, vor allem aber deswegen, weil das Thema des Blogs sich über die Zeit verändert hat und manche Beiträge einfach keinen Sinn mehr machten.

Erzähle ich im privatem Umfeld viel davon? Keine Ahnung, ich mache jetzt kein Geheimnis draus. Ich lade auch mache meiner Freunde direkt ein, hier mitzulesen. Aber es ist nicht das erste, was mir einfällt. Manchmal erzähle ich aus praktischen Gründen von meinem Blog. Wenn ich ein Foto mache von einem komischen Blickwinkel aus – nur Hände oder absichtlich ohne Gesicht.

Aber das ist auch kein Familienblog. Hier sind an die 250 Artikel angesammelt, unter 50 davon handeln von Erziehung, Kindern oder dem ganzen Kram. Ich glaube, dass das schon einen Unterschied macht. Letztendlich blogge ich über Randthemen aus meinem Leben. Etwas, was ich einer Freundin erzählen würde. Mal ein Buch gelesen, mal einen Film gesehen, mal ein Rock genäht. Der Blog ist der Ort, an dem ich mich parke und auf die Dinge schaue, die mich interessieren. Schließlich geht es sonst immer um die anderen.

Aber meine Schere gibt es doch. Manchmal, wenn ich über irgendein Nähprojekt schreibe oder meine Kaffeetasse fotografieren, dann komme ich mir vor wie in einem Werbefilm der 50er Jahre. Ich mag manchmal nicht, welches Frauenbild ich hier unterstütze. Oder denke, dass ich es unterstütze. Diese ganzen Frauenthemen hier. Alles schön weiblich. Alles weich. Wird Zeit, dass ich über Menstruationsprobleme blogge.

Aber meine Schere gibt es doch. Manchmal, wenn ich so schreibe, kommt doch der Leser auf und rollt die Augen. Alles so Butter bei dir. Harmonisch, glücklich, wieder ein Werbefilm. Wann haste denn dafür Zeit? Arbeitest du nicht wirklich? Leben deine Kinder im Schrank? Sieht es bei dir aus wie Sau? Ich komme mir vor wie ein Teenager und vor mir steht ein dreizehnjähriges Mädchen und fragt gelangweilt: Ach, bei dir ist das so? Ach ja? Da frage ich mich dann schon, ob ich nicht übertreibe. Ob ich nicht eine Art Seelen-selfie hier mache, um möglichst toll zu wirken. Ob ich nicht lieber die Klappe halten sollte, denn Selbstlob stinkt ja bekanntlich.

Aber meine Schere gibt es doch. Manchmal, wenn ich so schreibe, kommen mir die Leute in den Sinn, die mich so kennen. So privat. Dann überlege ich mir, was die wohl denken. Oder denken könnten. Ob ich jemanden auf den Schlips trete. Unabsichtlich. Oder ob die auch mit den Augen rollen und sagen: Guck mal, für was die Trulla hier wieder Zeit hat. Kommt sie sich wieder mächtig geil vor mit ihrer Nähmaschine, der Kindererziehung und dem ganzen Kram.  

Aber meine Schere gibt es doch. Die Welt um mich herum ist es, die mich manchmal am Bloggen zweifeln lässt. Nicht die kleine Welt, die große. In der Kinder verdursten, in der Menschen sich auf Schlauchbooten übers Meer fahren lassen, in der Beiträge über Familien in ausgebombten Straßenzügen hämische Kommentare ernten und in der der Rassismus wieder salonfähig geworden ist. Das Internet ist zu einem Ort des Hasses geworden. Kann man hier noch Frühjahrsdiäten posten oder Strickmodelle? Wie eine römische Patrizierin stelle ich im Netz meine Traubenschale zur Schau und komme mir manchmal dumm dabei vor. Ob ich unbewusst mit dem Veröffentlichen vom satten reichen Leben nicht das Bild einer Welt hochhalte, das angefüllt ist mit Selbstverliebtheit, Oberflächlichkeit und dem privilegiertem westlichen Leben.

Führen diese Gedanken dazu, dass ich das Bloggen bereue?

Bereuen ist ein zu schweres Wort. Im Endeffekt habe ich mehr positive Begegnungen durch meinen Blog gehabt als negative. Und die negativen waren nicht so heftig für mich, dass ich irgendwas grundsätzlich bereuen würde. Ich glaube, den meisten Bloggern geht es nach wie vor um Austausch, um Vernetzung, um eine positive Begegnung.

In diesem Zuge habe ich mich gefragt, ob ich zensiere. Zensur ist etwas, was veröffentlicht werden will, es aber verhindert wird. Aus den falschen Gründen verhindert. Von den falschen Leuten. Das ist ja nicht so. Kein Mensch redet mir hier groß rein, aber ich halte es da mit dem guten Grundsatz: Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Rede ich also von anderen oder über andere, dann mache ich mir klar, was das für mich heißt – vor allem in Bezug auf Kinder. Ich schreibe meine Artikel bewusst und hoffe, dass meine Definition für sie am Ende stimmig sein wird. Das gilt auch für Geschichten, die mir Freunde erzählen. Manchmal frage ich direkt nach, was ich verwenden darf. Ob es sie stört, wenn ich aus diesem oder jenem einen Artikel schreiben würde. Meistens ernte ich ein Schulterzucken. Es gibt auch die Variante, dass ich mehrere Geschichten zusammenfasse und damit Fiktion und Fakten zum Schutz der betroffenen Personen mische, um den wahren Kern darstellen zu können.

Es gibt hier also keine Zensur. Ich schreibe, was ich denke, was ich sehe und was ich erlebe. Meine Scheren drehen sich eher um Selbstzweifel und Selbstbild. Ich muss manchmal damit zurecht kommen, dass ein Blog nur eine Momentaufnahme ist, ein Bild aus eine Sommertag, ein Lächeln, ein Satz dazwischen. Zwischen was? Na, zwischen dem echten Leben. Zwischen jetzt und nachher. Ich denke manchmal, ob die Menschen aus meinem Seelen-selfie nicht die falschen Schlüsse ziehen und sagen, dass ich oberflächlich wäre, weil es mir selbst manchmal zu hübsch vor kommt alles. Weil ein Blog eben nur ein sprechendes Bild ist, es ist nicht das Leben. Und wie bei allen Bildern kann niemand wirklich beeinflussen, was der Betrachter darin sieht. Aber das ist Teil des Spieles.

Musik & du – ein Song für die Zeit als Teenager

London and meMaribel Skywalker trägt jeden Monat nach euren Songs. Diesen Monat geht es um eine Lied zu eurer Teenagerzeit. Ein *young and wild and free* Mix … Larissa von No Robots fällt da vor allem die Stadt ein. Die Stadt als Symbol. Nicht mal irgendeine Konkrete.

Bei mir ist das ziemlich konkret. Die Stadt.

London

Mit einer Cordjacke vom Kleidermarkt, weiten Cordschlaghosen und Anstecknadeln gelangweilt durch Camden Market zu marschieren, dabei Zigaretten zu rauchen und ein abgewetztes Buch unterm Arm geklemmt zu haben – das war es. August 1998. Dabei wurden kaum Fotos geschossen, weil man sich nicht zu touristisch geben wollte. Aber selbst wenn es damals Selfiesticks gegeben hätte, wir wären (hoffentlich) einfach zu cool dafür gewesen.

Dabei kam mir nie in den Sinn, nach England ziehen zu wollen. Aber wir fanden so ziemlich alles toll, was von der Insel kam…die Musik, die Teenagerhefte (Sugar?), Fish and Chips, das Bier (da waren wir nicht so genau, wir tranken auch irisches….) die Frisuren…wir waren sogar Beatles-Fans.

Britpop war ein Trend, eine Modeerscheinung, aber damals empfanden wir das alles ziemlich individuell und einzigartig. Blur, Pulp, Oasis, Garbage – das gehörte alles zu unserem Soundtrack, während wir heimlich auf dem Schulklo rauchten.

Wer *wir* überhaupt waren, weiß ich gar nicht mehr so genau. Aber als mein Mann mir einmal sagte, dass er noch nie in London gewesen sei, bin ich fast vom Stuhl gekippt. I can not marry a man who has never been to England, Baby.
Ihm haben letztendlich Bettwanzen in unserer billigen Absteige gebissen und ich denke, er fand es mäßig spannend und lächelte bisschen über meine Begeisterung, aber wat cool war, is halt einfach cool.

Dabei verschwand das alles bei mir und kam dann wieder, wie in Wellen. Typisch für einen Teenager, denk ich mir. Alles nicht so stringent, alles nicht so einheitlich. Ich kann mich auch dunkel daran erinnern, dass wir Winter 1997 wie russische Zarentöchter rumgelaufen sind und in Hinterhof-Kinos wichtige Stummfilme angesehen haben. (von denen ich jetzt keinen einzigen mehr benennen könnte…) Schwarzer Tee mit Rum war da groß in Mode. Da war dann kurz nix mehr mit Jarvis Cocker, England und God save the music. Das war dann ein anderes *wir*. Andere Mädchen. Manchmal kam es mir aber nicht wie ein *wir* vor, sondern eher wie ein *bloß ich*. Aber darum geht es ja nicht, sondern nur um einen Song, der für eine bestimmte Zeit als Teenager steht. Also nehmen wir England. Nehmen wir Suede. Mitsingen kann ich immer noch.

Bildquelle: pixabay

Frisch aus dem Meer gefischt : Liste der besten Blogs Teil 1

beste BlogsWer mit dem Bloggen anfängt, der erkennt schnell, dass es alles bereits gibt. Es gibt Tausende von Blogs. Ein Meer. Ein Ozean persönlicher Statements zum persönlichem Tagesgeschehen. Dabei gibt es große Fische und kleine Fische. Die meisten streben danach, ein großer Fisch zu werden. Was man mit dem Blog dann eigentlich macht, wenn er eine bestimmte Leserschaft erreicht hat – keine Ahnung. Manche schreiben weiter, manche werden zu Werbeplattformen.

Blogs sind für Unternehmen attraktiv. Es gibt Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben, Bloggbetreiber anzuschreiben und zu fragen, ob sie nicht ein bestimmtes Kontingent bezahlter Artikel aufnehmen – mit Links zu Produkten, Produkttests und Kaufempfehlungen. Dabei wird auch gerne gleich des Pudels Kern angesprochen: Am liebsten, ohne dass die Leser bemerken, dass es sich um gesponserte Artikel handelt. Ich fühle mich geschmeichelt bei diesen Anfragen und lehne dankend ab. Ich halte mich für einen kleinen Fisch, freue mich über Klicks und Kommentare, Verlinkungen und Ideen, aber bemerke auch, dass die großen Blogger nicht mehr unbeschwert ihren Müll raushauen können, weil da der Gegenwind dann weht – vielleicht auch nur im Kopf.

So denke ich mir es zumindest, weil es wenige große Blogger gibt, bei denen ich das Gefühl habe, sie flachen nicht ab. Eine Mama-Bloggerin mit großer Leserzahl hat mal über Fahrradanhänger gebloggt. In ihren Kommentarfelden wimmelte dann die Frage, warum sie auf den Bildern keinen Fahrradhelm trägt. Die Internetgemeinschaft ist kritisch, Unbeschwertheit beizubehalten stelle ich mir da schwierig vor.

Im Meer der Blogs lese ich auch gerne herum. Dabei habe ich noch lange nicht das Gefühl, ich habe alle *meine* Blogs entdeckt. Hier kommt mal meine Auswahl der Blogs, die ich unabhängig ihrer Lesergröße für großartige Blogger halte. Die Liste ist nicht hierarchisch, sondern zeitlich:

Einer der ersten Blog, auf den ich gestoßen bin und bei dem ich nicht regelmäßig, aber immer mal wieder mitlese, ist Mädchen mit Herz. Katja ist definitiv ein größerer Fisch und hat es trotzdem geschafft, dass ihr Blog nicht zum Werbeträger verkommt. Sie mag die Sache mit dem Bloggen einfach und das merkt man. Sie ist unperfekt perfekt, liebt Ostfriesland und bastelt viel herum. Auffallend an ihrem Blog ist tatsächlich das runde Design: Fotos, Text, Thema und Aufbereitung sind schon ziemlich gut. Ihre Ode an das Unperfekte oder der Blick hinter dem Blog sind einfasch Gute-Laune-Texte zum Lesen. Unpolitisch, ungenörgelig, ein Popsong als Blog.

Mehr in das intellektuelle Leben geht es mit Larissa von No Robots Magazine. Larissa ist so der erste Mensch, den ich über ihren Blog kennen gelernt  und auch im Leben 1.0 getroffen habe. Ein langes Gespräch über Kommentarfelder führen wir seit fast einem Jahr. Sie hebt sich absichtlich ab von einem Tagebuch, sonder schreibt in Magazinstil Artikel zu politischen Themen, zur Popkultur, zu Kinofilmen und zu ihrem persönlichem Kampf mit der Nähmaschinen und Kochtöpfen: Wie man es nicht tun sollte. Selbstironisch, einen klaren Hang zu Öko ohne Schischi, ein Augenrollen in Richtung Blingbling und Protz, einer Liebe zu klaren Linien und guter Musik.

Vanessa Piccola ist Punk und Parodie. Partyfähnchen für kugel rum! Hier wird nicht mit gephotoshopten Texten zu Herzchenbilder weischgespühlt, sondern hier geht es derb zu, mit Intelligenz, Witz und (Selbst)ironie. Vanessa schreibt über Phänomene der modernen Gesellschaft, Netzkulturfragen, macht mal einen Abstecher zu den Kuscheltieren ihrer früheren Beziehungen, hört Musik und ist für mich eine der großen Fische, die sich nicht verbiegen lassen. Hamburg ist ihr Kiez und Game of thrones ihre Serie. Sie ist laut und bunt und kann – im Gegensatz zum Meer der Blogger – wirklich schreiben. Viele haben es bedauert, dass sie ihren youtube Channel nicht mehr füttert, aber mei, Vanessa macht, was ihr Spaß macht. Ihr Blog ist ihr Partykeller – the place to be Saturday night.

Frau Margarete ist die TV-Spezialistin unter meinen Lieblingsblogs, dabei ist ihr Spektrum natürlich nicht so eingeschränkt. Alle Geschichten sagen ihr etwas – erzählt, gespielt, gesungen – egal. Dennoch sind Serien und auch ihre regelmäßige Blogparade dazu mein absolutes Lese-Highlight. Sie ist die Interaktive, schätzt den Austausch, möchte was von anderen wissen, diskutiert und stellt auch mal Kontroversen zusammen. Auch das ist klein Blog des täglichen Grauens moderner Frauenleben, sondern eine der besten medialen Überblicke, die ich so kenne. Sie ist der informative Kommentar zur Popkultur.

Bei Splitter von Glück schaue ich gar nicht so oft vorbei wie ich wollte. Jedes Mal, wenn ich ihn anklicke, streife ich durch meine verpassten Artikel und verweile ziemlich lange. Es sind Auszüge aus ihrem Leben – man kommt mit auf ihre Reisen und den persönlichen Details dazu, sie regt zum Nachdenken an und photographiert. Für mich ist dieser Blog wie ein Bergsee – er ist klar und ruhig, persönlich und charakterstark. Lesenswert, gut geschrieben ohne exhibitionistische Züge oder Effekthascherei.

Early Birdy hat wie ich einen Vogel im Kopf und schreibt, worüber sie Lust hat. Sie beweist, dass Schubladendenken in der Bloggerei unangebracht ist, denn ich kann gar nicht richtig fassen, was ich an ihr so mag. Ihre an die Wand genagelten Garne? Ihre Liebe zu Reisen und Architektur?  Sie hatte mich mit nur einem Satz: Mein Herzblut fließt durch die Donnersbergerstrasse. Ganz ehrlich, das hat mich geflasht. Aber all ihre Texte zeichnen sich einfach durch ihren hervorragenden Schreibstil aus. Sie ist mein Kneipenbesuch mit einer Freundin, ich höre Geschichten und lache dazu. Es ist mir egal, ob ich mich für Fototechnik interessiere oder nicht, ich freue mich wie ein Schnitzel auf ihren Fotokurs. Vielleicht wird sie der Grund sein, wenn ich mir auch mal ne Kamera wünsche und nicht nur mit dem Handy photographiere….

Jetzt bewegen wir uns mal mit Noch ne Muddi in die Sphere der Mamablogs – oder doch nicht? Bei Kindern hört der Spaß ja auf. Meine Muddi stellt nicht ihr Kind in selbst genähten Rock online, sondern schreibt über zerstörte Illusionen und wie man seinen Platz in der Realität mit Kind findet. Da geht es um die Grauen der Spielzeugindustrie, die ganz anders durchzechten Nächte, aber ohne voyeuristischen Blick aufs Kind. Muddi will nicht andere Mütter beraten, Muddi will schreiben – und kann das auch. Unter all der Realität mit Kind findet man aber eine ganz große unterschwellig immer: die große Liebe zur Tochter.

Andrea Harmonika ist eine ganz Bissige. Ein Mama-Blog der oberen Unterhaltungsklasse. Sie kommentiert sarkastisch die Auswüchse mancher Erziehungsvorschlägen, ihren Blick auf ein Kinderbuch werde ich mein Leben lang nicht mehr loswerden: Henriette Pimmelbahn? Ich brech ab. Sie trifft den Nagel auf den Kopf – mit wenigen Worten, einem Bild, einem Kommentarartikel. Großartiger Blog, der Spaß macht – meine Morgenzeitung.

*to be continued

Da ist meine Liste der großartigen Blogger nicht zu Ende. Es gibt noch einen Haufen neumodischen Quatsch, den ich mir auf der Bloggerebene reinziehe, aber es soll ja eine zeitliche Liste werden. Die neu entdeckten Blogs müssen noch warten, denn ich interessiere mich brennend für eure Vorschläge. Welche Blogs lest ihr so? Und vor allem, warum? Zugebenen, ich hüpfe an manchen lauen Sommerabenden auch gerne von Blog zu Blog und lese Artikel, die ich so beim Schwimmem im Bloggermeer mitkriege – manche speichere ich für später, manchen hinterlasse ich einen Kommentar, bei vielen mache ich gar nichts. Dass mir ein Blog so im Gedächtnis bleibt, dass ich ihn regelmäßig besuche, kommt nur ab und an vor. Wie gesagt – ich geh lieber im offenem Meer baden. Trotzdem: Vorschläge? 

Eine andere Liste mit Blogs findest du HIER und HIER 

Über den Tellerrand: Der Vogel und das Soziale Netzwerk

bake-608264_1280_FotorÜber den Tellerrand blicken – das ist das Credo der Blogparade, die Kato von Innocent Glow ausgerufen hat. Insgesamt 35 Blogger haben sich diesem Aufruf angeschlossen. Es ist ein Spiel. Es gibt eine Liste, auf der man seinen Namen findet und man soll der Person, die unter einem steht, ein Thema zuteilen, dass nicht oder wenig blogtechnisch von dieser Person behandelt wird. Meine Person war ein Mädchen – im besten Sinne des Wortes. Blutjung und von der Welt inspiriert: Mademoiselle Moment. Der Name ist Programm und ich habe Mademoiselle Moment einen Moment heute innehalten lassen und gab ihr das weite Feld der Kindheitserinnerungen.
Carmen von online-wirbel hat mir ein Thema gegeben.

Ich sehe, dass Du bei Twitter, Google+ und Facebook aktiv bist, über Bloglovin kann man Dir auch noch folgen. Erzähl doch etwas über Dein Verhältnis zu den verschiedenen Plattformen, wo bist Du gerne aktiv, wo weniger, was macht Dir Spass daran und auf welchen Plattformen folgst Du am Liebsten anderen Menschen?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich keinen anderen Menschen folge. Ich folge Stimmen, Bildern, Geschichten, Zitaten, Musik und Firlefanz, hinter denen natürlich Menschen stecken. Ich blicke aber nicht ungefragt in fremde Wohnzimmer. Ich folge Blogs, die explizit einen gewählten Einblick in ihr Leben lassen. Manchmal habe ich aber auch da freilich das Gefühl, dass ich gerade auf die nackten Brüste einer stillenden Mutter starre, aber meistens denke ich eher, dass is so gelackt, das kann nicht echt sein. Mit diesen anderen Blogs interagiere ich grad am liebsten auf Facebook. Ich like oder teile, ich hinterlasse Kommentare oder öffne die Blogs über ihren Facebook-Link. Dabei hatte ich nicht immer so ein easy Facebook-Verhältnis.

Ich habe meinen privaten Account gelöscht und mir selbst eine Pause verordnet. Inzwischen bin ich privat und mit diesem Blog als Seite wieder dort zu finden. In meiner privaten Timeline werden aber meistens Zeitungen oder Nachrichten angezeigt, es gibt weniger Freundesstatusgedönse. Diesen Umgang mit dem Medium habe ich von No robots gelernt.

In meinem privaten Account ist alles öffentlich. Ich möchte mich selbst zum Nachdenken bringen, was ich wie poste. Ich möchte, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, dass das eh nur meine Handvoll „Freunde“ lesen. Es ist Facebook. Es ist nicht privat.

Mit dem Fadenvogel folge ich anderen Blogs und teile oder like gerne mit meinem Vogel. Ich sehe Facebook inzwischen eher als Sammelsurium und bin immer skeptisch, wenn Blogs gar keinen anderen Beitrag als ihre eigenen auf ihrer Seite haben. Früher habe ich meine Beiträge auch automatisch dorthin verlinkt. Heute mache ich das händisch und schreibe nochmal einen kleinen Text dazu. Dabei ist mir aufgefallen, dass manche Blogger ihnen fremde Beiträge nicht wirklich teilen, sondern direkt in ihrer Facebookseite verlinken. Auch das biete ich ja bei Fadenvogel an, nur manchmal sehe ich dann in meiner Statistik, dass meine Klicks hochgehen und ich wundere mich und suche nach meinen Beiträgen bei Facebook. Ein so verlinkter Beitrag in der Timeline von jemand anderen kann auch mal Kommentare abkriegen, die wohl nicht passieren würden, wenn der Beitrag nicht so scheinbar herrenlos im Netz stehen würde. Ich hatte zwar noch keinen richtigen Shitstorm, aber die Menschen reden garstiger, wenn sie denken, man höre ihnen nicht zu. Ich höre immer. Und ich antworte auch, wenn Facebook es zulässt.

Twitter habe ich erst kürzlich entdeckt. Ich hatte auch dort immer nur automatisch meine Beiträge online und habe sonst nie dorthin geguckt. Bis ich mal aus Spaß am HashtagTatort mitgetwittert habe. Ein großer Spaß. Die Verbindungen bei twitter sind lose. Man folgt, entflogt, man vergibt keine like-Herzchens, man zitiert – viel schneller als bei Facebook. Bei twitter ist immer die Hölle los. Ich verhalte mich zwar nicht anders bei twitter, aber ich kenne dort wirklich niemanden persönlich. Doch, eine. Ich liebe die Einschränkung der Worte und ich mag witzige treffende Kommentare zu Tatort oder zum Alltag. Sarkasmus liegt mir manchmal. Ich habe aktiv nach Kommentaren von Personen gesucht als ich diesen Artikel schrieb und ich war überrascht, wie offen twitter ist. Ob das allen immer so bewusst ist?

Ich habe dort auch erst Zeitungen und Politiker verfolgt, aber da Twitter so schnell ist, lese ich kaum meine Timeline, sondern suche nur über Hashtags direkt. Manche Bloggerkollegin treffe ich so fast nur auf twitter. Das ist wie ein anderer Ausschnitt. Inzwischen sagen mir die Accounts dort mehr und ich halte auch Kaffeeklatsch dort ab.

Bloglovin war meine erste Anlaufstelle für das Lesen von Blogs. Inzwischen bin ich dort gar nicht mehr so oft. Meine erste Begegnung mit dem Portal hatte ich hier schon mal beschrieben. Ich mag es nicht, dass ich nur über bloglovin zu den Post gelange und dabei manchmal Schwierigkeiten mit dem Kommentieren habe. Bloglovin entlässt mich nicht zu der Webseite, da ist Facebook einfacher. Vielleicht bin ich zu doof. Ich muss die Blogs und Artikel mal besser sortieren dort.

google+ ist mein Stiefkind. Ich werde nicht warm damit. Ich hatte lange Zeit nur einen Leser dort – meinen Mann…Dann ist ein Verlag dazugekommen und ich habe mich ein bisschen erschreckt, dass irgendwo eine Marketingtante oder ein Marketingonkel sitzt und meinen Blog aus beruflichen Gründen vernetzt. Ich überlege, die Seite wieder zu schließen oder sie weiterhin stiefmütterlich zu behandeln. Da ich keine private Email-adresse verwende, ist mein Account auch null verknüpft mit meinen Freunden. (Was für ein seltsames Facebook-Wort, dass *Freunde* nun synonym mit mir persönlich bekannte Personen verwendet.)

Meine Bücherkiste ist lovelybooks. Seitdem ich weiß, dass man seinen Lesestatut auf seinem Blog verknüpfen kann, bin ich da öfter. Ich finde es hochspannend, bei anderen Leuten im Bücherregal zu stöbern. Obwohl ich Posts über Bücher fast nie aktiv lese, sondern wenn dann nur passiv nach dem Buch auf anderen Blogs suche, mag ich zumindest den Lesestatus gerne. Abgeguckt habe ich das natürlich von einem anderem Blog. Aber wie sagt man da unter Bloggern?…Inspiriert von einem anderen Blog.

Insgesamt interagiere ich also irgendwie oft und viel. Ich lese Kommentare und sehe mir die Blogs dahinter an, wenn es welche gibt. Ich hüpfe von Blog zu Blog über Kommentarfelder und mag das große Gespräch. Oft wird unter Bloggern diskutiert, wie viel Aufmerksamkeit man denn wirklich für seinen Blog haben will. Ich sehe meinen Blog – also das Schreiben an sich – eher als positive Innenwirkung für mich. Ich halte mich selbst an, resümiere über die Dinge, die nur wirklich mich angehen. Fasse zusammen. Ich mag das Format, ich finde, es sieht irgendwie *fertig* aus, wenn es als Beitrag in meinem Blog steht. Mehr als ein Gedanke in einem Notizbuch. Ich mache das tatsächlich wegen der Innenwirkung für mich und mein Leben. Eine Insel, eine große Schwester, die mich ermahnt, Dinge durchhalten, Sachen wieder aufzugreifen, etwas genauer zu formulieren.

Die Außenwirkung, das Gespräch, schätze ich aber aus anderen Gründen auch. Ich finde, dass man im Netz zwar negative Kommentare wohl schneller kriegt als im Leben 1.0, dafür aber auch positive schneller. Die Reaktionen sind unmittelbar und in der heutigen schwammigen Welt ist das doch ein guter Grund für einen Blog, zwei gute Gründe.

Man könnte es auch so formulieren. (Um ein Hausfrauen-Bild zu gebrauchen…) Der Blog ist mein Kuchen, den ich Samstag Abend backe. Ganz alleine und für mich, zunächst. Das Backen ist eine ganz eigene Tätigkeit. Manchmal finde ich, ich mach richtig kreative kleine Törtchen, manchmal habe ich das Gefühl, ich reiße eine Backmischung auf. Ich weiß nie, was ich denn backe und kaufe wahllos Zutaten ein. Ich mag es, wenn mein Schrank voll ist.  Wenn der Kuchen fertig ist, bin ich erstmal stolz und habe das Gefühl, ich hätte was gemacht. Was Gutes.

Mit diesem Kuchen gehe ich dann Sonntag morgen zu einem Brunch. Ich stelle den Kuchen auf das Büffet ab, setze mich an den Tisch und beäuge die anderen mitgebrachten Sachen. Ich unterhalte mich mit den anderen, rolle mit den Augen über mitgebrachte Kekse aus dem Supermarkt, die auch noch die Keksfirma bezahlt hat, ich staune über die dreistöckige Torte vom Nachbartisch und mache Photos davon, weil ich auch mal so was backen möchte. Ich war schon immer jemand, der gerne Menschen um einen Tisch hatte. Ich wollte immer schon vernetzen und in einem Netz sein. Und ab und zu gucke ich, ob mein Kuchen schon gegessen wurde. Ich staune, wenn die Backmischung gut ankommt und bin enttäuscht, wenn meine verzierten Törtchens verschmäht werden. Und ich freue mich, wenn jemand mit vollem Mund an mir vorbeiläuft, mit einem Stück meines Kuchens in der Hand, und mir zuzwinkert.

Ist noch Kaffee da?

Photo: Pixabay.com

 

 

Eine Reise durch die stilleren Teile fremder Leben….Menschen, die ich nicht bemerke…das Fazit

Menschen, die ich nicht bemerkeMeine erste Blogparade ging zu Ende und ich bin echt überwältigt. Viel Zuspruch zu dem Thema habe ich durch euch erfahren und meine bisschen spontane Idee entwickelte sich mit insgesamt 9 Beiträgen aus der Bloggerwelt zu einem Erfolg.

Dabei bin ich auf ein Phänomen gestoßen, auf ein wages, ein emotionales. Ich hatte nämlich bei den Beiträgen das Gefühl, dass ich den Menschen hinter diesem Blog auf eine sehr einfühlsame Art und Weise kennen lernen würde. Die Menschen, die uns nur kurz berühren, sagen doch mehr über uns aus, vor allem, wenn wir über sie sprechen und wie wir das tun.

Larissa vom No Robots Magazine erzählt eine Geschichte aus ihrer Jugend dazu. Der Ort, den sie verlassen hat und zu dem sie nicht mehr zurück möchte. Einen Blick in den Tankstellen-Job ihrer Jugend verrät uns die Stimmung.

Mit den Gesichtern kamen auch die Geschichten. Abend für Abend saß ich da und sie kamen. Manche erzählten mir von sich. Anderen sah man ihre Geschichte an.

Roxy von Early Birdy nimmt uns mit in ihre Straße, zu der Schneiderin, die ihr beim Hochzeitskleid geholfen hat. Zu dem Metzger an der Ecke.

Mein Herzblut fließt durch die Donnersbergerstraße, vom Rotkreuzplatz bis zur Arnulfstraße, man grüßt sich hier, man ist per du. Aber bemerkt man sich auch?

Nicole von My Lifestyle Blog greift einen kurzen Moment auf ohne auf jemanden speziell einzugehen.

Die ganze Bahn ist voll mit unbekannten Menschen. Falsch. Die meisten Menschen sind mir schon mal irgendwo begegnet. Ich sehe sie fast täglich und irgendwie auch nicht.

Tinka von Keine Sau liest meinen Blog (geiler Titel übrigens) hat auch von einer Busfahrt in ihrem Leben gesprochen und von der Fremdheit. Sie fühlte sich in ihrer neuen Heimat nicht zu Hause. Doch wer hat ihr das Gefühl genommen? Der Liebste? Die Kinder? Die neue beste Freundin? Lest selbst.

Das war für mich der erste Tag, an dem ich das Gefühl hatte, ich könne mich im Rheinland doch wohl fühlen. Und nun bin ich seit über 20 Jahren hier

Silke von live an easy life hat den Blick auf ihren Kollegen gelenkt, der mit einem Geheimnis lebt. Einer Krankheit, die unbemerkt geblieben ist.

Auch sein hoher Kaffee-Konsum wunderte mich aber hey – was geht mich das an? Wahrscheinlich hätte ich diese Episode – wie viele vermutlich unzählige Episoden vorher – auch schon längst vergessen, wenn das Meeting einen anderen Ausgang gehabt hätte.

Morjanne bemerkt ihre eigene Verwurzelung beim Schreiben des Artikels. Ich auch. Eine langer Spaziergang durch ihre Strassen mit Begegnungen und Grüßen, Bonbons und Zigaretten.

Bis vor kurzem wusste ich nichts von ihm außer seinem Namen, seiner Vorliebe für arabische Fernsehserien und dass er oft im Laden mit seiner Familie skypet. Einmal durfte ich in die Kamera winken, als er seiner Familie zeigen wollte, wie Halloween in Deutschland aussieht

Katharina von frisch gebloggt stellt eine kuriose Mutter aus ihrem Haus vor und macht sich auf die Suche nach ihrer Erinnerung an einen singenden Barbesitzer.

Beim Servieren der Getränke tanzte er und er überzeugte fast jeden Gast davon, sich ein Lied aus dem großen, abgewetzten und teilweise etwas klebrigen Ordner auszusuchen, in dem hunderte von Karaoke-Titel standen.

Dani von Glucke und so bedankt sich bei den unsichtbaren Menschen in ihrem Leben, die ihr in einer Situation geholfen haben.

Es sind nicht viele Geschichten aber doch zeigen Sie mir, dass es viele gute Menschen gibt. Ich muss Sie nicht kennen oder in mein Haus lassen um sagen zu können, dass Sie sehr sehr nett und hilfsbereit sind.

Eine obdachlosen Frau, die für Jessi von Terrorpüppi immer eine berührende und nachdenklich machende Begegnung in ihrem Alltag darstellt, ist der Fokus des letzten Beitrages.

Nur wenn man inne hält und sich versucht, zu vergegenwärtigen, dass da immer noch ein Mensch wie du und ich drinnen steckt, kehrt das Mitgefühl zurück. Leider viel zu selten.

Danke an euch alle. Es war für mich eine wundervolle Reise durch die stilleren Teile fremder Leben, durch Straßen und Blicke, durch Fragen und Erinnerungen. Nachzügler sind mir herzlich willkommen, aber offiziell schließt sich nun der Kreis und das Thema. Ich habe schöne neue Blogs kennen gelernt und werde noch oft bei euch stöbern.

Frage und Antwort-Spiel aus der Bloggerwelt: der Liebste Award

Liebster AwardPlötzlich habe ich angefangen zu twittern. An einem Sonntag bei Tatort. Mein twitter-Account lag bis dahin brach und es wurden nur automatisch meine Blogpost dorthin weitergeleitet. Wirklich angesehen habe ich mir das Ding mit twitter nie. Bis zu jenem Sonntag bei Hashtag Tatort.

Machte tierisch viel Spaß. Twitter ist schnell und die Worte sind so höllisch begrenzt. Man muss seine Aussage bündeln. Ich habe viele witzige Tweets gelesen. Es ist ein großes Rauschen. Alle reden gleichzeitig. Manche formulieren genau meinen Gedanken bei einer Szene. Tatort-Twittern macht Spaß.

Das Twittern bringt schnell lose Kontakte. Man wird angeklickt und schnell wieder verlassen. Ein ständiges Hin und Her. So bin ich bei Terrorpüppi gelandet. Einer Bloggerin, deren Blog ich überhaupt nicht kannte. Sie hat mir – natürlich über Twitter – mitgeteilt, dass sie mir und anderen Bloggern eine Reihe von Fragen gestellt hat. Auf Blogdeutsch ist das ein Liebster Award, also ein Kettenbrief, der immer weitergegeben wird. Bei so etwas habe ich schon mal mitgemacht.

Terrorpüppi hat sich neue Fragen ausgedacht. Fragen, die nur um das Bloggen gehen. Na gut. Dabei geht es auch viel um die anderen Nominierten. Ich klicke mich durch ihre Blogs und wage es, von einem Muster zu sprechen. Alles Mama-Blogger. Bin ich das auch geworden? Bereit für ein Brigitte-Herz? Ich halte mich eigentlich nicht viel mit Mama-Themen auf, aber irgendwie kommen die doch hier vor. Ich blogge ziemlich spontan, ohne große Vorplanung. Wenn das Mama-Ding hier durchbricht, so ist das wohl so. Aber eigentlich bewege ich mich unter jenen Bloggern, die keine Kinder haben. Oder das Thema nicht als ein Hauptthema führen. Mama-Blogger sind mir eher fremd. Damit meine ich Blogs, die ausdrücklich das Thema *Kind* als ein Hauptgrund der Bloggerei ansehen. Grundsätzlich habe ich mich schon mal hier damit auseinandergesetzt. Innenwirkung statt Außenwirkung.

Nun also zu den Fragen:

Welchen Blog – abgesehen von deinem eigenen – würdest du mir als allererstes empfehlen wollen?

Da du sehr viele Blogs aufgelistet hast, die in die Sphäre der Familien-Blogs fallen, habe ich nur einen Blog, den ich regelmäßig lese und von der ich weiß, dass sie eine Tochter hat: Fragmentage, ein Blog aus Israel. Daneben lese ich Larissas No robots Magazine und die wunderbare Frau Margarete sehr gerne. Für den derben Humor empfehle ich Vanessa Piccola kugel-rum.

Bitte schau dir doch mal die Blogs der anderen Nominierten an. Welche Beiträge sollte ich unbedingt von ihnen lesen?

Mit meiner Skepsis den Mama-Bloggern gegenüber im Bauch, habe ich mich durch alle Nominierten geklickt und musste feststellen, dass ich einiges doch sehr gut finde. Shame on me, ich alter Vorverurteiler…Am meisten hängengeblieben bin ich bei Noch ne Muddi und der Beitrag, bei dem sie erzählt, wie sie sich letztendlich davon verabschieden musste, dass ihr Kind nur mit Holzspielzeug spielt…

Welchen meiner eigenen Blogposts würdest du weiterempfehlen?

Als erstes würde ich empfehlen, mit dir und der Gang Tatort zu gucken.
Gestolpert bin ich auf deinem Blog über den Blick in die Vergangenheit. Irgendwie fand ich das verstörend schön, wie du deine Kindheitserinnerungen zusammengetragen hast.

Welchen Blogger oder welche Bloggerin möchtest du gerne mal im richtigen Leben kennenlernen?

Muss ich jetzt konkrete Namen nennen? Ich denke mir manchmal bei meinen regelmäßigen Blogs, dass ich die Person dahinter gerne treffen würde.

In welchen Situationen und welchen Menschen erzählst du außerhalb des Internets von deinem Blog?

Ich erzähle es, wenn es sich ergibt. In einem Gespräch. Dann wird das Thema gestreift. Dabei würde ich keine Personengruppe direkt ausgrenzen. Meine Kolleginnen wissen davon, meine Freunde, meine Familie. Dabei versuche ich stets meine eigene Begeisterung in Schach zu halten und mein Gegenüber nicht zuzutexten. Wenn jemand nicht so viel Interesse signalisiert, dann lasse ich es meist auch wieder. Aber wehe dem, der nur ein halbinteressiertes „Ach ja?“ mir gegenüber äußert….

Wenn du dir aussuchen könntest, mit jemanden ein Interview auf deinem Blog zu führen – egal mit wem – wer wäre das?

Ich habe noch nie ein Interview geführt…Ich bin schlecht darin, zuzugeben, wenn mir jemand gefällt. Understatement und so.

Beschreibe mir deinen Blog in drei Worten.

Oh Mann, Selbstbeschreibungen sind mies. Da kann man nur verlieren. Ich habe keine Ahnung, worüber ich morgen schreibe, aber bei mir geht es doch hauptsächlich um das Schreiben an sich. Das beruhigt mich. Mein Blog ist ein Ort für mein Dazwischen. Zwischen all den anderen Sachen einen Gedanken aufgreifen und ihn aufschreiben. Mein Blog ist für mich wie eine Kiste, in der ich die Muscheln von einem Strandspaziergang aufbewahre. Irgendwie persönlich. 3 Worte? Spontan, mit Worten und dazwischen.

Welche Art von Beiträgen liest du gerne auf anderen Blogs?

Pfff, das ist unterschiedlich. Es ist leichter zu nennen, welche Beiträge ich nicht gerne lese. Ich mag gut geschriebene Beiträge, humorvolle und Sachen, die mich irgendwie anderweitig noch interessieren. Serien, Bücher, Handarbeiten, durchzechte Nächte, so stuff halt.

Welche Art von Beiträgen magst du überhaupt nicht gerne auf anderen Blogs lesen?

Ich mag Sachen nicht so gerne, die in die persönliche Geschichte von Dritten hineingeht. Ich bin ein Fan von persönlichen Geschichten, aber mit einer undefinierten Kindergrenze. Ja, undefiniert, weil ich nicht genau sagen kann, was ich jetzt genau gut und was ich jetzt genau blöd finde. Beschreibungen zu Kindergeburtstagen, Photos von Kindern, Sachen, die Kinder anziehen. Schwierig bei mir.  Bei vielen Blogs, die sich explizit an Kindergeschichten halten, lese ich immer wieder, dass die schreibende Mutter selbst sich diese Fragen stellt. Ist die Nennung eines Kindernamens persönlicher als der Tagesablauf dieses Kindes?

Jetzt ist es natürlich so, dass du als die Fragenstellende einen Blog schreibst, der sich sehr viel um das Kind in deinem Leben dreht. Dabei erkenne ich mich selbst in vielen Beiträgen wieder. Kita-einmischungen, Schlafen oder nicht schlafen. Ich lese das eigentlich schon ganz gerne, aber ich bin so viel Mutter. Ich bin Mutter, wenn ich aufstehe und Mutter, wenn ich mich ins Bett lege. ich bin Mutter am Tag, auf dem Spielplatz mit anderen Müttern, ich bin es, für immer. Ich mache hier manchmal mit Artikeln zu anderen Themen Pause davon. Ich erinnere mich selbst auf meinem Blog wieder gerne an mich selbst, so ganz nackt und ohne Kinder.

Daneben bin ich überhaupt kein Make-up-girl und ich mag kein Modezeugs. Inneneinrichtung ist auch nur bedingt mein Fall, aber da kenne ich auch Blogs, die ich mag.

Was würdest du anderen Blogger-Neulingen raten?

Ich bin ein Blogger-Neuling! Krass, wie man sich selbst so sieht, aber ich entdecke immer wieder so viel Neues, ich weiß gar nicht, ob man da je so eine ruhige Netz-Kugel schieben kann und sagen kann, ich habe alles gesehen und gelesen, Leute.

Ich glaube aber, dass man beim Bloggen nicht so viel nachdenken sollte. Wenn man nur schreibt, damit man in irgendeiner (nicht existenten) Hall of fame landet, dann sollte man es lassen. Wer den großen Ruhm beim Bloggen sucht, der ist irgendwie falsch und der eigene Blog wird schnell schal. Mach, was du willst, aber mach es mit Herz.

Was hast du dich beim Bloggen schon „immer“ gefragt?

Gibt es ein Ende?


So, zu dem Spiel gehört natürlich auch, dass man diese Fragen weitergibt, aber ich habe gesehen, dass Terrorpuppi selbst eine Blogparade dazu aufgerufen hat. Vielleicht sollte man das Ganze auch globaler angehen und ich verweise nun einheitlich auf die Blogparade.  

Blog-Parade: Menschen, die ich nicht bemerke

Blogparade MenschenIn meinem Leben gibt es Menschen, die ich kenne, aber nicht bemerke. Ich registriere ihr Verschwinden, meist eine fast alltägliche Begegnung ohne Wiederkehr. Ich bin aber nicht mit ihnen befreundet. Ich kenne auch nicht ihre Namen, meistens.

Ich kenne meinen DHL-Menschen. Unter Hermes, Briefträger und Co. ist mir der DHL-Mensch am liebsten. Es ist ein junger Mann, der für mich ein bisschen die arabische Version von Donald Duck ist. Ist das jetzt gemein? Nein, das ist überhaupt nicht gemein gemeint. Ich mag ihn sehr. Er ist der einzige, der immer an meinem Fenster vorbeiläuft und mit seinem Päckchen winkt. Er wolle nicht so gerne klingeln mittags, wenn die Kinder schlafen, hat er mir erklärt. Er stellt mir meine Bestellungen auch vor die Türe. Einmal ist etwas gestohlen worden und ich habe den Verlust gemeldet. Er hat schwer geseufzt, denn letztendlich darf er ohne Unterschrift nichts vor meine Tür stellen und sie haben ihm den Verlust in Rechnung gestellt. Ich bin rot geworden. Das war unsere interne Abmachung mit dem Tür-stellen. Wir haben dann HalbeHalbe gemacht und ich habe ihm das Geld gegeben. Er war auch immer der einzige, der wußte, wo mein Mann sein Büro hat (die Straße runter) und wenn ich nicht zu Hause war, hat er die Pakete zu meinem Mann gebracht. Unaufgefordert. Ein Held, eben. Als ich angefangen habe, mir zu überlegen, dass ich ihm mal Trinkgeld geben sollte, war er weg. Ein anderer DHL-Mensch kommt jetzt zu mir und ich bin ernsthaft traurig. Manchmal sehe ich ihn noch und dann winke ich. Einmal haben wir uns auf der Straße auch unterhalten. Eine fundamentlose Freundschaft, eine kurze Begegnung von Menschen.

Vicki arbeitet im Coffeeshop. Sie ist eine laute, punkige, große Frau oder eher noch ein Mädchen. Meine Kinder haben sie sehr gemocht und sie hat mir Bilder von ihrem Neffen gezeigt. Um auch etwas zum „Kinderthema“ beizutragen. Vicki wußte ziemlich schnell, was ich gerne bestelle und sie hat mir manchmal Extra-Punkte auf meine Kundenkarte geladen. Sie hat gesagt, ihr gehöre der Laden, wobei ich ihr nie glaubte. Vicki hat sich auch immer laut über alle Mitarbeiter in ihrem Café beschwert und nach den Weihnachtsferien war sie weg. Einfach so. Ich habe mehrmals nachgefragt und die Reaktionen waren sehr verhalten. Okay, sie hat sich auch immer beschwert über die Superbosse oben, über versteckte Kameras, über alles mögliche. Sie war anstrengend, auch für mich, aber dennoch war ich überrascht und ein wenig traurig. Ich mochte Vicki.Ihre Art auf meine Art.

In der Bäckerei im Supermarkt in unserem Viertel arbeitet eine Verrückte. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie nicht richtig im Kopf ist. Sie ist älter und hat gelbliche Haare, die sie zu einem wirren Knoten bindet, der ein wenig an eine Frisur aus dem 19.Jahrhundert erinnert. Aber meine These stützt sich nicht auf Äußerlichkeiten, es ist die Art wie sie die Bestellungen aufnimmt, die Brötchen einpackt und das Geld entgegennimmt. Es ist so unglaublich langsam, als müsse sie sich bei jedem Schritt neu konzentrieren. Meistens arbeitet sie mit jungen Mädchen zusammen, die um sie herum ihre Defizite ausgleichen. Wenn ich das schreibe, dann klingt das so, als ob ich nicht ertragen könnte, dass jemand mal nicht so Zickzack seinen Job macht. Funktionieren und so. Immer schön funktionieren, aber das ist nicht so. Ich plane mir bei ihr eine extra Zeit ein und warte einfach ein bisschen. Aber das kann ich nicht immer. Einmal wollte ich nur zwei Brezen von ihr. Meine Kinder waren draußen im Fahrradanhänger und haben angefangen zu brüllen. Der Fahrradanhänger wirkte ein wenig verlassen und es blieben schon die ersten besorgten Mitbürger bei meinen Kindern stehen und sahen sich um, wo denn die verantwortungslose Mutter ist, die diese Kinder hier so alleine brüllen läßt. Ich habe der verrückten alten Frau zugesehen, wie sie die eine Brezel versuchte in eine viel zu kleine Tüte zu stecken. Ich nehme die ohne Tüte, sagte ich schnell und gebe ihr das Geld. Sie fängt an, mir langsam das Wechselgeld auszugeben, wendet die Münzen in ihrer Hand. Ich sage, stimmt so, nehme die Brezen und stecke sie direkt in die heulenden Münder meiner Kinder (die daraufhin sofort aufhörten zu brüllen) und radelte los. Eine andere Mutter sagte mir noch im Vorbeigehen, dass diese Verkäuferin furchtbar sein und ich lächelte zurück.

Mit welchen Menschen teilt ihr euer Leben, begegnet euch kurz und hinterlasst kaum Spuren. Wer ist bei euch mehr als ein X-beliebiger, obwohl er eigentlich nie mehr sein kann? Vielleicht wollt ihr eine kleine Geschichte dazu selbst schreiben auf eurem Blog. Gerne könnt ihr dazu hier euren Link setzen. Oder schreibt mir in den Kommentaren eure Gedanken dazu.

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