Fast jede Woche trage ich nun Dinge aus meiner Wohnung und stelle sie vor die Türe, damit ein anderer sie nehmen kann. Heute morgen waren es ein Kerzenhalter, den ich insgesamt vielleicht zehn Mal benutzt habe, eine Uhr, die wegen ihrer Ticktack-Geräusche nie von mir aufgezogen wurde, ein Bilderrahmen mit abgebrochenem Feenflügel in braungelb und eine Postkarte mit einer Eule drauf. Keine zehn Minuten später war der ganze Karton verschwunden.

Mein Freund trägt den vor Monaten kaputt gegangenen Drucker zum Wertstoffmobil. Vor Monaten kaputt gegangen. Man läßt die Dinge einfach stehen. Der Drucker ist hinten im Schlafzimmer langsam eingestaubt worden. Wir haben Sachen drauf gestellt. Ihn manchmal als Ablage für Briefe benutzt. Völlig sinnlos. Wir haben uns einfach nicht mehr mit ihm beschäftigt. Wir haben ihn vergessen.

Das Projekt Minimalismus fordert mich. Es ist echt erstaunlich, dass es mir vor dem Weggeben ein bisschen schwer fällt und ich sehr wohl Diskussionen mit mir habe (und mit meinem Freund, vor allem wegen dem Kerzenhalter, der Drucker und das Wertstoffmobil war seine Idee. Manchmal muss man Dinge einfach wieder anpacken), aber ich danach keinen Gedanken mehr daran verschwende. Grad fiel es mir schwer, mich jetzt genau zu erinnern, was in dieser Kiste von heute morgen überhaupt war.

Minimalismus Die Dinge sind erstaunlich. Ich weiß gar nicht, wozu ich so viele Einmachgläser gesammelt habe. Ich koche gar keine Marmelade ein. Ich koche auch sonst nichts ein. Ich fand das Einkochen nur immer eine gute Idee. Vorsorglich haben wir alle Marmeladengläser ausgespült und im Haushaltsschrank gesammelt. Es ist eine riesige Kiste geworden. eigentlich etwas Schönes, eine nachhaltige Idee, aber es passiert nie. Ich habe nun alle aussortiert und vier behalten. Diese vier sind für den Moment, da ich diese wunderbare Idee des Einkochens doch noch aufgreife. Sollte ich das innerhalb einer bestimmten Zeit nicht mehr machen, so werde ich auch diese weggeben und aufhören, Marmeladengläser zu sammeln und einfach zugeben, dass ich nicht einkoche.