Blaubeer-Muffins und die Kunst, einen Veganer zum Grillen einzuladen

SamstagskaffeeHi, ich komme vom Planeten Vegan und ich vermeide es, mich als vegan zu bezeichnen. Erstens reizt es die Menschen dazu, darin eine authentische bruchlose politische Aktion zu lesen und diese zu piesacken. Ich hasse es. Ich bin kein Missionar, ich interessiere mich nicht dafür, was andere essen. Ich glaube nur, dass wir zu den letzten Generationen gehören, die noch diese Unmengen an Fleisch verzehren können. Ich denke, das wird aufhören müssen. Vielleicht erlebe ich es noch als Großmutter, dass Fleisch und Kuhmilch rationiert wird. Vielleicht essen meine Urenkel mit Vorliebe geröstete Heuschrecken und verstehen gar nicht, was daran mal nicht normal war. Vielleicht schlendern meine Ururenkel über den Weihnachtsmarkt und bekommen gebrannte Maden als Delikatesse serviert und darüber steht ein mittelalterliches Holzschild mit einem fetten Wurm drauf. Und meine Ururenkelin wird sich zu ihrem Kind runterbeugen und sagen: „Guck mal, wie bei den Rittersleuten auf Holzspieße aufgesteckt.“ – Ganz ehrlich, wenn man heute über einen Mittelaltermarkt geht und authentische Ofenkartoffeln kaufen kann, hört man auch so ein uriges Raunen und kein Mensch überlegt, dass Kartoffeln im Mittelalter in Europa gänzlich unbekannt waren… So wird das sein…wir werden unsere Hühnerfarmen eines Tages vergessen – müssen.

Wir werden andere Dinge essen müssen, weil alle Schweine verseucht und alle Kuheuter leergetrunken wurden. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich Grillen sein werden. Ich esse jetzt auch keine Grillen, aber ich esse halt Gemüse und trinke meine Hafermilch. Ich möchte mich, wenn es soweit ist, nicht zwingen lassen müssen und fange halt jetzt schon an, alle Bohnensorten durchzukochen. That´s it. Nennt es vorauseilender Gehorsam.

Mit meiner Abneigung, mich öffentlich und überall zu outen, kommen zweitens gelegentlich doch ernsthafte Nachfragen und ich werde gerne als unendlich kompliziert angesehen. Herr Gott, es ist nicht kompliziert, mit mir einen Grillnachmittag zu verbringen. Ich esse gegrilltes Gemüse mit Rosmarin und Olivenöl für mein Leben gern. Einfach mal eine Aubergine aufschneiden und ein paar Pilze dazulegen. Fertig. Als Soße nehme ich wie alle anderen auch Mango-Chutney oder auch Ketchup. Wenn man dazu noch ne Wassermelone aufschneidet, muss ich an meine Oma denken, die Wassermelone wirklich zu allem gegessen hat und lasse den Eierpunschkuchen dafür auch gerne stehen. Wer mir Kaffee einschenkt, muss an die Sahne nicht denken. Ich trinke meinen Kaffee auch schwarz, aber Soyamilch gibt es inzwischen auch beim Discounter, aber macht euch keine Umstände. Schwarz reicht völlig.

Ich frage mich ernsthaft, was daran kompliziert ist. Normalerweise wird bei Grillfeiern auf das Fleisch geachtet, und man muss sich merken, wer welche Sorte isst. Ich mache das auch. Auf meinen Grillfeiern gibt es auch Fleisch, ich bin – wie gesagt – kein Missionar. Ich esse es einfach nicht. Ich halte den Veganer für ein ziemlich simplen Gast.

Meine eigenen Kochkünste auf dem Planeten Vegan sind bis jetzt am Backrohr gescheitert. Vegan zu backen ist auch irgendwie nicht einfach. Ich habe mehrere Kuchenversuche in den Sand gesetzt und mich bereits in der Dessertrubrik völlig auf Reismilchschokolade spezialisiert, da kam mir dieses geniale Blaubeerrezept unter. Ich liebe es, es ist völlig simpel und wer mal Lust hat, sich in der veganen Küche zu bewegen, der muss das einfach mal ausprobieren. Nicht für mich, ich habe hier grad welche gemacht und freue mich auf die zweite Picknickrunde für heute nachmittag im Park, nur für sich selber.

>>Klick<<

Jetzt mach ich mir noch einen Kaffee dazu und schicke das alles zu Ninjasieben.

8 Kommentare

  1. Deine Muffins sehen jedenfalls sehr gelungen aus. Dein erster veganer Backerfolg? Ich seh auch nicht, was an veganer Küche kompliziert sein soll. Ich koche vegan, wenn ich weiss, dass ich solche Gäste habe. Ich finde Fleischesser viel komplizierter, weil sie viel höhere Ansprüche stellen. Was die Menge von konsumiertem Fleisch angeht, gehe ich mit dir völlig einig. Es gilt m.E. sowieso, das ganze Konsumverhalten zu überdenken. Wenn wirs nicht freiwillig tun, werden wir früher oder später gezwungen. Liebe Grüsse von Regula

    • fadenvogel

      27. Juli 2014 at 09:53

      Ja, das ist so ziemlich der erste vegane Backerfolg. Sieht man von selbstgemachter Schokolade ab, aber die wird ja zusammengeschmolzen und nicht gebacken. Halt, nein, Bananenbrot hab ich auch schon gemacht, aber das ist sehr gesund und zu backen zählt es für ich erst, wenn ein Haufen Zucker reinkommt….:-)

  2. In der heutigen globalen Welt ist es traurig, dass man nicht individuell sein darf, ohne mit einem schiefen Lächeln angesehen zu werden. Bei mir würdest du auf dem Griller gewiss etwas für dich finden, denn wir experimentieren gerne und haben auch immer viel Vegetarisches als auch Veganes dabei ;o)

    • fadenvogel

      27. Juli 2014 at 22:50

      Ach, Celeste, das glaub ich dir aufs Wort. Vielleicht ist ja eines Tages tatsächlich was für mich drauf….

  3. Ich bin zwar „nur“ Vegetarier, aber ich weiß genau, was du meinst! Immer diese Fragen, was ich denn überhaupt esse. Als ob andere nur Fleisch essen würden! Wenn das so ist, dann ist meine Ernährung auf jeden Fall abwechslungsreicher! Aber mittlerweile haben sich die meisten dran gewöhnt. Und Grillen ist ja nun wirklich kein großes Drama. Dann legt man sich eben das Gemüse auf den Grill. Fertig. Ich gehe aber trotzdem nicht so gerne auswärts grillen. Mich nervt es nämlich, wenn die Leute nicht wissen/vergessen, dass ich kein Fleisch esse und dann jeder Salat mit Speck ist.
    Viele Grüße
    Larissa

  4. Ich finde es auch schade, dass viele Menschen kaum ihr Essverhalten überdenken bzw andere Ernährungsformen akzeptieren können. Leider fühlen sich viele angegriffen, sobald man auf etwas verzichtet bzw den Willen hat, etwas nicht essen zu wollen. Naja, ewiges Thema ;-)

    Schön, dass dir mein Rezept gelungen ist und gefällt!

    Viele Grüße
    Katharina

  5. Kompliziert wirds, sobald man als Gastgeber Fertigprodukte verwendet – als Allesesser denkt man ja gar nicht dran, wo überall tierische Zusätze drin sein können! Ich hatte mal eine Freundin mit ihrem damaligen Veganer-Freund als Übernachtungsgäste, schaue vorm Frühstück auf die Zutatenlister der Margarine-Packung – enthält Milchpulver. Gna.
    Ansonsten finde ich vegan backen aber gar nicht schwierig, es gibt ja viele Rezepte, die ohne Ei auskommen und Butter verwende ich fürs Backen nur für Kekse, die sonst keine starken Geschmackskomponenten enthalten. Vielleicht hast du bisher einfach blöde Rezepte erwischt?

    [Und manche Veganer sind tatsächlich kompliziert – ein Kumpel wollte mal einem Veganer ein Stück Brot abschneiden, was dieser ablehnte, weil mit dem Messer ja vorher Käse geschnitten wurde (das Messer war nach dem Käse vor seinen Augen gründlich gespült worden …) Solche Leute zu bewirten, ist tatsächlich nicht einfach!]

    • fadenvogel

      31. Juli 2014 at 20:20

      DAS mache ich mal wirklich nicht. Ich finde, dass ist ganz schön unhöflich. Ich lege mein Gemüse ungern in Fleischsoßenrest am Grill. Aber abgewaschene Messer? Das ist nicht ernst so gemeint, dass ist dazu da, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ein absichtliches Kompliziert-sein. Schließlich sind die meisten Veganer freiwillige Veganer. Keine Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten. Die sterben alle nicht an der Berührung von tierischen Produkten. Sie wollen nur unbedingt ihr Statement abgeben. Aber mit Kompliziert-sein fängt man ja auch eine neuen Clubmitglieder…und wir wollen doch, dass es mehr Gemüsegriller gibt…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2018 Fadenvogel

Theme von Anders NorénHoch ↑