Tagebuch 1998Zu manchen Zeiten habe ich Tagebuch geführt. Und ich habe sehr viel geschrieben. Auf Briefbögen, auf Zettel, in Notizheftchen. Ich öffne meinen großen Karton, in dem ich alle diese Sachen aufbewahre, um nach Erinnerungen aus Berlin zu forschen. Dabei fällt mir ein Tagebuch in die Hände. Es ist von 1998. Damals war ich 17 Jahre alt. Blutjung, sozusagen und hochdramatisch. Existentielle Fragen, Liebesgeschichten, absolute Welteinstellungen und ein Meer aus Gefühlen. Heute ist der 27.6.1998. Ein Samstag und ich schrieb dies:

Die Tage plätschern vor sich hin, Tag um Tag um Tag. Samstag, viel Schlaf, denke zärtlich an gestern, denke kaum an Marlene. Könnte ich dich vergessen. Ich bin schuldig geworden, Milk, zarter Augen sanfter Schein. Ein Name taucht in meinem Kopf wieder auf, aber ich glaube erst an ihn, wenn ich ihn sehe. Du wirbelst alten Staub auf und deine Augen werden tränen.