Samstagskaffee über Familien mit Magnetismus

Samstagskaffee über die Sozialmontage

Letzens bin ich an einem Handwerkerwagen vorbei gegangen, an dem groß die Aufschrift „Spezialmontagen“ zu lesen war. ich habe ihn nur im Augenwinkel gesehen und verdutzt

„Sozialmontagen“

gelesen. Den Fehler amüsiert festgestellt, habe ich dennoch lange über das Wort Sozialmontage nachgedacht. Ich dachte an Familien. Familien als Sozialmontagen, die festgeschraubt sind und in sich keine magnetische Anziehungskraft mehr haben. Beziehungen, die gescheitert sind und wie in Wohngemeinschaften zusammenlebend Kinder großziehen müssen. Sozialmontagen, die sich nicht so einfach lösen lassen.

Von außen ist manchmal gar nicht so zu erkennen, ob jemand in einer Sozialmontage lebt oder in einer, in der es noch magnetische Anziehung gibt, in der noch die Liebe wohnt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie anstrengend eine solche festgeschraubte Sozialmontage sein kann, wie zermürbend.

Ich trinke meinen Kaffee heute morgen. Einen Samstagskaffee. Einen, den ich nicht selber gemacht habe und bin heilfroh. Was für ein Glück das alles hier. Trotz der Müdigkeit.

 

6 Kommentare

  1. Ich war vor kurzem auf einer Trauung, auf der der Pastor davon erzählt hat, dass die Ehe wie ein Band ist. Ich fand das schrecklich. Ich möchte doch nicht an meinen Partner „gefesselt“ sein. Ich stelle mir uns immer wie zwei Sterne vor, die umeinander kreisen. Magnetisch eben.

  2. Immer wieder lustig, wie das Kopfkini manchmal anspringt, wenn man etwa (vermeintlich) etwas liest.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
    Jutta

  3. Andrea Strickliesel

    30. August 2014 at 19:01

    Hmm, Sozialmontagen. Was für ein herrliches Wort. Da kann man tatsächlich sich so einiges zusammenreimen…
    Ist nicht vielleicht auch eine WG eine Sozialmontage? Oder ein Altenheim (was, nichts anderes als eine WG ist,nur nicht so angenehm)

    Mein Kerl hatte gerade den Einwand gebracht, dass das Soziale demontiert wird… Hmm, auch eine Überlegung

    Liebe soziale Grüße
    Andrea

  4. Deine Wortschöpfung gefällt mir wirklich gut. Es gibt sehr viele Familien, die nur den Schein wahren und im Außen heile Familie spielen. . . Es ist traurig, irgendwann auf sein Leben zurückzublicken und feststellen zu müssen, dass man viele Jahre unglücklich in solch einer Sozialmontage gelebt hat.
    Danke für deine Worte.
    dackwife

  5. Toller Text! :)

    Schau doch mal auf meinem Blog vorbei.
    http://momentaufnahmenblog.blogspot.co.at/

    Vielleicht willst du mir ja Feedback dalassen?
    Ich freue mich auf deinen Besuch.
    Liebe Grüße

  6. Montage tönt ein bisschen starr. Aber vielleicht sind ja die Schrauben, Nägel und Holzverbindungen die Liebe? Montage tönt nach bauen, und bauen ist in Entwicklung. So gesehen, kann deine Sozialmontage auch ein positives Bild sein.
    Deinen Gedanken kann ich aber ganz gut folgen. Ich finde diese Zweckgemeinschaften auch schrecklich. Nur wer kann von aussen beurteilen? Eine gute Woche wünsche ich dir. Regula

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