Pfeif mal dein unmögliches Kind zurück.

Bald beginnt wieder die Freibadesaison und mit ihr ein ganz spezielles Sommervergnügen unter Müttern. Das Spiel heißt: „Pfeif mal dein unmögliches Kind zurück.“

Ja, das Schwimmbecken ist ein Tummelplatz für kleine Haifische und kleine Pinguine. Wer wen frisst, ist dabei ganz klar. Wobei, ganz so klar ist es nicht.

Neulich waren genau 3 Kinder im Kinderbecken. Und zwei Erwachsene. Übrigens ist es mir völlig schleierhaft, warum Mütter und Großmütter zu einem sehr ausgewachsenen Kindergartenkind ins Kinderbecken steigen müssen, aber das Pinguin-Mädchen war ein Augapfel-Kind. Ich habe es schon gesehen, als sie reingekommen sind. Zöpfe, bisschen übergewichtig, Kommandoton. Ihr kennt diese Kinder. Herzchens.

Meine beiden Jungs sind jetzt bald 5 und lernen schwimmen. Tauchen ist grad ihr Thema und sie tauchen diese Schwimmringe wie besessen aus dem Kinderbecken. Sie werfen sie ein/zwei Meter vor sich und tauchen danach.

Und dann passiert es. Mein Sohn wirft zu weit! Das Mädchen wird getroffen! Er versteckt sich hinter  so nem Wasserspielzeug. Hätte ich auch gemacht, denn das Riesenmädchen schaut, wer es da getroffen hat und setzt zur Rache an. Ich hätte mich auch versteckt. Ich hätte jetzt auch Angst.

Aber das Mädchen kann meinem Sohn gar nicht böse sein, denn es wird von Helikopter-Mom unterbrochen. Sie reist ihr den Kopf herum und schaut, wie schlimm es verletzt ist. Oma ist auch schon da. Das Mädchen beginnt zu heulen. Es wurde schlimm getroffen. Mein Sohn bleibt versteckt.

Dann kommt er. Der Blick zu mir. Zur Mutter des unmöglichen Kindes, das mit Tauchringen um sich wirft.

In solchen Momenten weiß ich immer nicht, was ich machen soll. Klar, ist es blöd.

Klar, tut das bestimmt weh. Klar, hat er es sofort gewusst, dass er zu weit geworfen hat. Klar, dass das Mädchen ihm das auch sehr deutlich gemacht hätte, wenn man sie gelassen hätte.  Vielleicht wäre es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft geworden. Vielleicht hätte sie ihm ordentlich eine verpasst. Vielleicht hätten am Ende alle geheult. Vielleicht sind meine Kinder Rotzlöffel. Vielleicht sollte man Kinder ihre kleinen Konflikte aber auch selber lösen lassen.

Die Oma watet im knietiefen Wasser zu mir und macht mir Erziehungsvorschläge. Ich solle meinen Kindern sagen, dass sie mit den Tauchringen nicht so weit werfen sollen. Ich nicke und schweige. Sie wartet ab. Offensichtlich erwartet sie eine bestimmte Reaktion von mir und ich weiß nicht, welche. Soll ich einmal quer über das Becken schreien, dass er mit den Schießteilen nicht auf unschuldige Mädchen werfen soll, weil die sonst heulen? Soll ich ins Wasser stürmen und ihm eine scheuern? Soll ich ihn ganz klein mit Hut zusammen brüllen?Was soll ich machen? Vielleicht sollte ich auch sagen, dass man Mädchen nicht zu solchen Heulsusen erziehen sollte. Die sollte sich lieber wehren lernen. Ja, das sind so meine Phantasien, wenn ich da sitze und schweige.

Aufgelöst hat sich das Ganze, weil ich eh am Gehen war. Ich habe meine Kinder also zu mir gerufen und bin zum Mittagessen angewatschelt. Das geht natürlich nicht immer. Ich muss mich wieder wappnen und zusehen, dass mich die anderen nicht verunsichern und ich fair bleibe. Ich brülle mein Kind nicht zusammen, nur weil jemand anderes es von mir erwartet. Ich brülle mein Kind nur zusammen, wenn ich der Meinung bin, es geht nicht anders grad.

Das ist nicht die erste Situation und wird nicht die letzte sein. Das Sommervergnügen kommt wie jedes Jahr. Ich freu mich drauf.

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6 Kommentare

  1. Kinderbecken sind auch AUSSCHLIESSLICH für Kinder zwischen 3 Monaten und 2 Jahren gemacht. Insbesondere AUSSCHLIESSLICH für Mädchen, die sich natürlich nicht wehren können, weil sie ja rosa Hello-Kitty-Bikinis anhaben.
    Und natürlich sind Kinderbecken auch als Warmkuschelbecken für Eltern gemacht.
    Herrlich. Ich freue mich schon auf den Beginn der Spritzpistolensaison.

  2. Solche Situationen hat es schon gegeben ja….aber ich bin eine Mutte die ehrlich gesagt nie den Mund halten konnte….egal ob Sohn getroffen hat oder getroffen wurde☺️
    Und ist so ne Oma oder Mutter mir gekommen hatte ich dementsprechend auch die Antwort parad…freundlich aber mit Pfeffer.
    Wir Mütter wissen alle unsere Kinder sind kleine süße Monster und Engel und ich kann Helikopter, übermütter und Besserwisserinnen NICHT ab….darum bin ich auch froh das die Schwimmsaison für mich erledigt ist 😉 Entspannter und mit Ruhe kommt man immer besser weg…lach

  3. Oha, das erinnert mich auch an eine Situation: mit einer Bekannten und unseren Kids am See Wasser plantschen. Dann hat meine unglaubliche Monster-Tochter -damals zwei Jahre alt – diesen wunderbaren Prinzen-Sohn ein bisschen mit Wasser angespritzt. Der Prinz hat natürlich sofort geheult. Anstatt einer sachlixhen Erklärung, dass der Prinz keine Wassertropfen mag, hat die Königin beinhart meine Tochter angespritzt, dass sie triefend nass war und wir heim müssten. Irgendwie fehlten mir da die Worte, obwohl die Monster-Mum in mir die Königin schon gern anständig getaucht hätte. Lg

    1. Na liebe Uli das hätte ich dem Fall gemacht….die Mutti getaucht.😋
      Schlussendlich sollen die Kinder das regeln, ich hab mich wirklich nur dann eingemischt wenn es unfair geworden ist oder eben manche Super Muttis meinten mir zu sagen wie ich Dennis zu erziehen hab 😂

      1. Ich war einfach total perplex… Noch dazu eine gute Bekannte, bei Fremden schieße ich schneller… Als Monster dem Prinzen eine mit der Sandschaufel betoniert hat, haben sich dann die Treffen eh eingestellt, das war wohl für die Königin dann doch zu viel 🙂

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