Schlagwort: Schlaf

Vom Einschlafen und Durchschlafen

Familienbett verstecktMeine Kinder teilen sich ein Zimmer. Es ist groß, hat sogar eine zweite Ebene und da sie in diesem Haus ja nicht alt, sondern nur erwachsen werden sollen, denken wir gar nicht an zwei Zimmer. Alleine das Spielzeug gehört ihnen zusammen. Das auseinander zu diskutieren – unmöglich. Jeder besitzt aber einen eigenen Schrank und seit Neuestem eine handbemalte Kiste aus dem Baumarkt. Darin legen wir die Kleidung für den nächsten Tag. Unsere Langschläfer-Familie hat morgens nämlich überhaupt keine Zeit, sich um die Anziehfragen zu kümmern. Unsere Kinder sind jetzt 3 Jahre alt. Im Sommer werden sie 4.

Ihre Betten stehen Kopf an Kopf – dazwischen steht ein kleiner Stuhl. Wenn ich sie ins Bett bringe, dann sitze ich auf dem Stuhl: singend und kopfstreichelnd. Ich bete auch mit ihnen. Manchmal ist es rührend, für wen und für was sie ihr Gebet sprechen wollen.

Der Papa sitzt und liest ein Märchen vor.

Manchmal lassen wir auch immer noch den Silberkopf laufen. Das selbst erstellte Hörbuch zum free download findet ihr hier: >Klick<

Der Onkel liest Rudi Rüssel, sitzt aber wo anders, denke ich.

Was ich damit sagen will, ist, dass sie NICHT alleine ins Bett gehen. Der Deal der Erwachsenen sieht so aus: der eine räumt die Küche auf, der andere bringt die Kinder ins Bett. Klar, dass ist mehr Aufwand, aber ich verstehe das auch.

Manchmal dauert das Zu-Bett-bringen länger, so eine halbe bis Dreiviertel Stunde, aber nur, wenn sie irgendwann unter tags geschlafen haben. Sonst sind es so 20 Minuten. Ich versuche das Schläfchen zwischendrin zu vermeiden. Ich glaube, jeder versucht das zu vermeiden. Aber es ist eben nicht immer zu vermeiden. Dann ist das Zu-Bett-gehen eine zähere Angelegenheit.

Doch dann, wenn sie gegen 8 Uhr schlafen, und so die erste Tiefschlafphase hinter sich haben, wird gewandert. Es finden hier jede Nacht Wanderungen statt und das schon seit längerem: vom Kinderzimmer ins Wohnzimmer mit dem obligatorischen „Duuuuurst„. Vom Kinderzimmer stillsschweigend ins Elternbett – ohne das wir das im ersten Moment mitbekommen. Ich gehe dann zu Bett und sehe, dass quer über meinem Kopfkissen schon einer schläft. Oder irgendwo im Gang mit dem Geheule *Ich will ins Elternbett.*. Dann wird das Kind dann geschnappt und in unser Bett getragen – mit noch nem extra Kuss. Manchmal werde ich auch abgeholt von der Couch. Wie eine innere Uhr kommt jemand am Sofa vorbei und ich sehe auf die Uhr. oK, es wäre auch für mich Zeit, ins Bett zu gehen. Und dann gehe ich mit. Bis ich mal fertig bin mit dem Bad-Tamtam schläft das betreffende Kind meistens schon. Manchmal wird sich auch in der Zeit geirrt und ich hole jemanden heulend im leeren dunkeln Wohnzimmer ab. Wir schlafen doch schon, sage ich dann leise. Es ist immer anders, die meiste Zeit aber findet der eine seinen Weg ganz alleine, meistens auch später in der Nacht, und der andere möchte nochmal ein Gekuschle haben. Menschen sind verschieden, Zwillinge ganz besonders.

Unser Bett ist jetzt nicht mehr 140 cm breit, sondern 220 cm breit und es macht uns nichts mehr aus. Vor einem Jahr habe ich ja schon mal über diese Situation geschrieben und wir haben uns halt mit dem Umzug ein fettes Bett gekauft. Nicht nur wegen der Kinder, wir mögen Platz. Und deswegen haben sich unsere Nächte auch extrem verbessert, denn jeder findet jetzt seinen Platz. Unter der Decke, über der Decke – wie auch immer.

Mein Handy klingelt morgens mit der Weckfunktion und einem echt nervigen Sound – jedes Mal denke ich, ich muss das ändern – und ich drücke auf *Snoooooze*. Einer meiner Söhne ist ein echter Frühaufsteher – der einzige von uns. Er wartet immer bisschen ungeduldig und sagt, wir müssen jetzt dann echt frühstücken. Manchmal kuschelt er noch und erzählt mir Geschichten. Manchmal steht er bisschen genervt früher als wir anderen auf und geht spielen. Den anderen Zwilling müssen wir immer als letztes aus dem Bett hauen. Der versteht, was wir meinen, wenn wir verschlafen sagen, wir müssten noch ausbacken. Es ist nie gleich mit dem Aufstehen. Wir haben keine Familien- Choreographie, Wochenenden sind anders als unter der Woche, aber:

Im Prinzip haben wir ein verstecktes Familienbett.

Wenn wir alleine aufwachen, weil es mal in der Nacht ausnahmsweise keine Nachtwanderung gegeben hat, sind wir kurz erschrocken und gucken nach, ob es allen gut geht.

Manchmal sagt mein Mann, ob wir sie nicht irgendwann rausschmeißen müssen. Zwengs der Entwicklung oder so. Aber ich denke, wir haben erst ein Problem, wenn zwei halbwüchsige junge Männer zu uns ins Bett kommen – und nicht Kindergartenkinder. Zeit vergeht sowieso. Wir müssen nicht hetzen.

Trotzdem lassen wir sie unabgesprochen immer (mit Krankheitsausnahme) in ihren eigenen Betten einschlafen. Ich glaube, weil wir uns sicher sind, dass es eines Tages aufhört mit der Wanderung. Von ganz alleine. Manchmal lachen wir, weil es so unsinnig erscheint, sie wandern zu lassen anstatt sie gleich mit ins große Bett zu nehmen, aber auf den zweiten Blick macht das für uns schon Sinn. Das ist unser Bett. Es wird auch so genannt: das Eltern-Bett. Es ist eben nicht ihr Bett.

Vielleicht ist das Ganze auch eine vertrackte, sich eingeschlichene *Erziehung* von uns und total blöd, dass Kinder in der Nacht herumwandern und es wäre eigentlich viel besser für sie, wenn wir ihnen das wieder austreiben. Indem wir sie immer wieder zu sich ins Bett legen. Und nicht zu uns. Ein paar harte Nächte und dann würde es keine Nachtwanderung mehr geben.

Um uns herum existieren so viele Meinungen und Ratschläge. Ich bin mir sicher, dass sich alle Eltern da ab und an verunsichern lassen. Was denn nun das Beste ist. Aber da sollte man sich vor Augen halten, dass es das Beste gar nicht gibt. Es gibt für jeden Menschen ein unterschiedliches Bestes. Unsere Kinder wachsen in unserer Familie auf und bei uns ist das halt so. Basta. Als Eltern ist man eben auch nur ein Mensch mit gewissen Vorstellungen über Harmonie, Glück und Alltag. Anders herum:

Ich frage mich immer, ob mich was stört, ob uns als Eltern was stört. Wenn mich das stören würde, dass Kinder zu mir ins Bett gekrochen kommen, dann muss ich das ändern. Ich mein, wir sind doch hier eine Kleinst-Gesellschaft. Da machen wir selber aus, was die Regel sind und wie sich jeder wohl fühlt. Ich muss mich doch als Mutter nicht verbiegen und mich in ein *Frauenzeitschrift/Erziehungsratgeber*-Modell hinein quetschen. Kinder merken Unaufrichtigkeit. Kinder sollten die Chance haben, in authentischen Regeln zu leben – und nicht in Trend-Regeln. Uns stört es eben nicht. So von Grund auf.  Deswegen ändern wir das auch nicht von uns aus. Leben und leben lassen. Der Regenbogen hat viele Farben.

Bei uns sind damit die beiden wichtigsten Punkte erfüllt: alle schlafen gut und alle sind glücklich.

10 Regeln für die Nacht mit Kleinkindern

Schlafen mit KleinkindernHeute Nacht bin ich aufgewacht und ein Fuß lag auf meiner Nase.

Der Fuß war ein kleiner Fuß, ganz glatt und ohne Hornhaut, nur 26 cm lang, aber er roch bisschen nach Käse mit Babyöl.

Als ich untersuchte, zu wem dieser Fuß gehört und wie sein Besitzer in meinem Bett liegt, damit ich ihn so quer über der Nase habe, musste ich feststellen, dass dieser Fuß wohl einem meiner Kinder gehört (was machen die eigentlich hier in meinem Bett?) und dass sein Besitzer quer und nicht längs liegt.

Wer nachts ins Eternbett steigt, sollte sich zumindest an die allgemeine Liegerichtung halten…Sardellenschlafen, sozusagen und nicht einfach quer zwei Kopfkissen belegen.

Ich schaue auf die Uhr. Wenn es schon gegen morgen geht (also ab 4 Uhr) ist es schlecht, ein Kind aufzuwecken und in die richtige Schlafposition zu befördern, da die Gefahr einfach zu groß ist, dass es dann mit großen Augen mitten auf deinem Kopfkissen sitzt und „Frühstück.“ sagt.

Alles vor 4 Uhr wird gnadenlos herumgezerrt und wieder in Sardellenlage gebracht…

Es ist noch nicht mal 2 Uhr morgens, also: Kind wird herumgedreht.

Dabei fällt mir auf, dass da noch ein Kind liegt. (Die Zwillingsüberraschung hört nicht auf. Das erste Mal beim Frauenarzt mit dem süffisanten: Ach, da ist ja noch eins. zum Ultraschallbild. Jetzt, fast 3 Jahre später, nachts im Bett: Ach, da ist ja noch eins…)

Das andere Kind hat sich eingekeilt und liegt auf meiner Bettdecke auf Papas Fuß.

Papa grunzt bisschen. Er kann sich eigentlich nicht mehr bewegen im Schlaf. Ich kann mich nicht mehr richtig zudecken. Chapeau – zwei Fliegen mit einer Klappe, das muss man ihm lassen, dem Zwerg.

Ich seufze und versuche zu rekapitulieren, wie ich in die Lage gekommen bis, um 2 Uhr morgens meine Bettdecke und mein Kopfkissen verloren zu haben…

Was habe ich falsch gemacht? Eigentlich nichts, denke ich mir und krümmle mich wieder in die freie Stelle zurück. In den letzten Jahren bin ich gelassen geworden was der richtige Umgang mit Kleinkinder beim Einschlafen und beim Durchschlafen und beim Eltern-Kind-Co-sleeping ist. Die Wahrheit? Es gibt kein Patentrezept für alle und jeden. Ich habe aber einen 10-Punkte-Leitplan für mich, die ich euch hier mal aufschreibe:

Die 10 Erkenntnisse für die Nacht mit Kleinkindern:

1. Schlaf ist das Wichtigste überhaupt. Alles andere wird untergeordnet. (alles andere: Erziehungsideale, Vorstellungen von deiner Schwiegermutter, Vorstellungen von dir selbst, Vorstellungen deines Partners) Ist alles nicht so wichtig wie Schlaf.

2. Falls du ein Kind erwartest und in einem gemütlich-kuscheligem Ehebett in Löffelchenstellung eng mit der großen Liebe deines Lebens liegst: Kauf dir das größte Bett, dass in dein Schlafzimmer passt. Irgendwann kommen sie alle…und da ist es besser, in einem großen Bett zu liegen, als in einem hübschen kleinen…(an dem Fehler arbeite ich noch…)

3. Glaube nicht, die Schlacht ist gewonnen, nur, weil dein Baby mit seinem Babybettchen jetzt im eigenem Zimmer schläft: sie kommen zurück, wenn sie laufen können…

4. Kinder haben keine Ahnung von Platzdimensionen. Seit kurzem quetsche ich mich in das Gitterbettchen von Kind A, um ihn davon abzuhalten, direkt in meinem Bett einschlafen zu wollen…da kam Kind B und wollte sich dazulegen…und sagte, ich solle rutschen…nein, es heulte, ich solle rutschen…ich habe versucht, ihm klar zu machen, dass ich nicht rutschen KANN…irrelevant, ich solle rutschen…Heultirade…

5. Wer seinen Kindern abends ungesundes Zeug wie Pizza oder Pommer zu essen gibt, der muss damit rechnen, dass vor dem Einschlafen mehrmals Wasser gefordert wird. Deswegen ist es auch schlafpolitischen Gründen sinnvoll, abends leichte Kost mit wenig Salz zu geben…

6. Einschlafrituale sind toll. Ich bete mit meinen Kindern, lösche das Licht, küsse sie und denke, dass es diesmal klappt. …dann dürfen sie doch noch lesen, doch noch ein Hörspiel hören, doch noch ein Glas Wasser trinken… versuche, nicht genervt zu sein. Es ist überall so. Kinder haben halt einen langen Atem…er ist immer länger als deiner…gewöhn dich dran.

7. Kenne deine Grenze und orientier dich nur an ihr und nicht an dem Gelabere von anderen Müttern. Es ist dein Leben. Wenn du deine Kinder in deinem Bett einschlafen lassen möchtest, weil sich damit am besten Punkt 1 erfüllt: do it. Wenn du das nicht möchtest, weil sich damit nicht am besten Punkt 1 erfüllt: Don´t do it. Bei uns ist das Im-Bett-Einschlafen total ausgeufert und ich habe feststellen müssen, dass es eben Nachtwanderer sind. Einschlafen in ihrem Bett und dann aufwachen in unserem. Okay, okay, dann machen wir das für unsere Familie eben so.

8. Die Zeit heilt alle Wunden. Stell dir vor, dass ist jetzt ein Baby, morgen ein Kleinkind, aber übermorgen ist es ein erwachsener Mensch. Irgendwann gehört dir dein Bett schon wieder selbst. Einfach mal gelassen bleiben und die Sache aussitzen.

9. Sei nie genervt. Egal, was du machst, schrei nicht rum. Droh nicht mit dem bösem Wolf, denke nicht an deinen Fernsehabend. Es ist einfach so. Wenn ein Kind wieder aus seinem Bett aussteigt und dich vorne im Wohnzimmer besucht, dann lächle, schalte den Ton ab, trag ihn wieder zurück und küsse ihn. Schlafen gehen ist keine Strafe. Der Mensch ist so gemacht, dass er schlafen muss. Deswegen ist es unsinnig, darauf zu pochen. Kinder essen, weil sie Hunger haben und schlafen, weil sie schlafen müssen. Hör auf, daraus eine Regel oder eine Pflicht zu machen. Du bist Eltern, dein Job endet nicht um 20.15 Uhr.

10. Finde heraus, was der Grund für Schwierigkeiten beim Einschlafen sein könnte. Und gewöhn dich daran, dass dieser Grund sich auch wieder ändert. Einer meiner Söhne ist nachts immer aufgeschreckt und hat uns gesucht. Irgendwann bin ich drauf gekommen, dass er vielleicht Verlustangst hat. Ich habe ihn darauf hin ein Foto von Mama und Papa an sein Gitterbettchen geklebt und gesagt, ich passe immer auf ihn auf, auch wenn ich vorne beim Fernseher sitze. Hat ein paar Mal geklappt Jetzt ist es halt wieder ein anderer Grund. Ich suche noch. Manchmal ist man als Erwachsener aber schon zu sehr sozialisiert und gedanklich eingekastelt, um Kinder zu verstehen. Dann greife auf Punkt 9 zurück und hoffe, dass Punkt 1 sich erfüllt.

 

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