Schlagwort: Liebesgeschichte

Fifty shades of grey – ein Film über die Moral

Ein Samstagskaffee verspätet ohne Kaffee, dafür mit Cocktail und irgendeinem wirklich seltsamen Mischgetränk. Wir sind Samstag Nacht aus. Diesmal auf dem Programm: 50 shades of grey

Das Kino ist voll, Spätvorstellung 22.30 Uhr. Ich bin überrascht. Komisch. Was dieser Film so alles macht.

Von vornherein: Ich steh auf diesen Hype. Ich steh darauf, wenn irgendeine Mutti aus einem Vorort eine fanfiction (selbstgeschriebene Geschichte mit bekannten Hauptdarstellern in einer bekannten Welt) über die Twilight Serie schreibt und damit irgendwie einen weltweiten bombastischen Erfolg hat. Durch den trash-verbreitenden Netzpöbel. Geil. Dachte ich zumindest – VOR dem Film.

Wir sind also bei Mommy porn, sprich erotische Geschichten von Frauen für Frauen. Ich rümpfe bisschen die Nase über dieses Wort. Als ob nur Männer ein Anrecht auf „echte“ Pornographie hätten. Aber da muss ich noch mal genauer überlegen, wahrscheinlich ist das auch so.

Ich habe diese Bücher nicht gelesen, aber ich habe eine wage Vorstellung, um was es jetzt wohl gleich geht. In den ersten 5 Minuten wird mir klar, dass dies ein Märchen ist. Arme Studentin, reicher junger Mann mit dunkler Vergangenheit. Ein Märchen.

Die Studentin soll 21 Jahre alt sein, aber die Schauspielerin kommt mir wie 31 vor. Ein bisschen wirkt die Jungfer dadurch altbacken. Als sie ihm ihre Jungfernschaft schließlich gesteht, sagt er irgendetwas Sachliches wie :“Das sollten wir korrigieren.“ und vögelt sie erstmal. Das wirkt natürlich witzig, wenn man die 30jährige Schauspielerin vor sich hat, die mit Ponyfrisur und kauender Unterlippe irgendwie mädchenhaft wirken soll. (und es nicht tut, das ist eine echte ausgewachsene Frau, nichts mehr für Teen mom)

Insgesamt hat der Film ziemlich viele solcher völlig witzigen Stellen. Das Kino lacht. 50 shades of grey trifft meinen Humor auch ziemlich oft, keine Ahnung, ob das von Anfang an so gewollt wurde.

Die Geschichte dreht sich darum, dass ihr ein Vertrag vorgelegt wird. Ein Vertrag, der sie zu einer ganz bestimmten extrem devoten, sexuell orientierten Rolle ihm gegenüber verpflichtet. Diesen Vertrag soll sie unterschreiben und die Kontrolle abgeben.

Irgendwie verstehe ich das Ganze nicht ganz, weil die ganze Zeit sagt er, er wäre so unromantisch und suche eine Sklavin und dann macht er die ganze Zeit hyperromantische Sachen mit ihr, fliegt mit ihr zu seiner Familie, alles schon bisschen wie Maiglöckchen im Wind.

Kein Wunder, dass sie verwirrt ist und die ganze Zeit vor sich hin stammelt, sie wolle „mehr“.

Ich bin genervt und denke mir mehr als einmal: so eine Zicke…

Dabei geht es in diesem Film darum, dass sie nicht etwa irgendein „mehr“ jenseits der wilden sexuellen Spielchens von ihm will, sie will was „anderes“.

Sie will Blümchensex und Löffelchenstellung, so in etwa kommt mir das vor. Falscher Mann, Baby, falscher Mann. Dann aber enttäuscht mich das Märchen und macht mich traurig, denn er ist wohl offensichtlich krank. Klar ist er krank, sonst würde ein Mann wohl so eine dominante Rolle nicht ausleben wollen. Ich kotz gleich. Sie soll ihn retten, es ist wohl irgendein dunkles Kindheitstrauma, dass ihn zu einem abartigen Sadomaso-künstler hat werden lassen. Ätzend. Das soll die Botschaft sein?

Dieser Hype war eine Chance auf eine so wunderbare Botschaft, aber es wurde vermasselt und zu einem moralisierenden Anklage an alles, was irgendwie anders ist. 50 shades of grey ist spießig und stärkt nur die, die auf den Mainstream stehen. Alle anderen sollen gerettet werden. Vielleicht schafft es Ana (so heißt die Studentin) auch, einen schwulen Mann wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Beim dominanten Mann hat sie es ja fast geschafft….

Viele Menschen stehen auf ganz unterschiedliche Dinge. Männer schlafen mit Männern, andere Männer schlafen mit Frauen, Frauen schlafen mit Frauen, andere Frauen schlafen mit Männern.

Eine Frau, die auf Männer steht und ein Mann, der auf Frauen steht, das ist der Mainstream. Sie treffen sich, verlieben sich, haben fotspflanzungsgerichteten Sex auf gleicher Augenhöhe. Ist doch auch irgendwie okay, dass das Mainstream ist. Die meisten Menschen leben so oder streben es zumindest an.

Ich kann mir gut denken, dass es schwieriger ist, in einer Gesellschaft den passenden Partner zu finden, wenn das nicht das persönliche Gelbe vom Ei ist. Ich kann mir vorstellen, dass es anstrengend ist und nervenaufreibend und enttäuschend und befreiend. Ich denke, dass es Männer und Frauen gibt, die voll auf dieses Sklaven-Herren-Sex-ding stehen. Ich hätte mir gerne eine Geschichte angesehen, die von dieser Liebessuche erzählt, auch gerne in Märchenform mit Millionärsprinz und Literaturstudentinnenprinzessin. Aber das wurde nicht erzählt.

Vielmehr sagt 50 shades of grey, dass ein Mann, der auf das Sklaven-Herren-Sex-ding steht, zwangsläufig krank sein muss, denn er hatte bestimmt eine entsätzliche Kindheit. Man sollte diesen Mann emotional retten. Ihn von seinen Zwangshandlungen befreien.

Dazwischen zeigt der Film die Soft-Porno-Sex-Szenen, die mit Fesselspielchen und Augenverbinden und auch kleineren Schlägen einen ganz zur übrigen Handlung konträren Punkt hineinbringen: es gefällt ihr nämlich ganz ausgesprochen gut, das ganze Sex-ding mit dem Monster. Die Szenen sind lustvoll und erotisch und versprechen eine ganz ausgezeichnete Zeit mit einem Mann, den man mit „Sir“ anzureden hat…Was ist also dein Problem, Mädchen? Scheint doch insgesamt eine ganz angenehme Wochenendbeschäftigung für dich zu werden.

Aber dann kommt die Szene der Szenen: über die Grenze hinaus geschossen, Mr. Grey. Ich drehe mich im Kino um und beobachte den Pöbel: Was sagen mir die Gesichter? Wer hat jetzt schuld daran? Wer hat jetzt wen missbraucht? Er doch wohl sie, oder? Die Hauptdarstellerin heult, er ist bisschen hilflos und ich? Ich rege mich auf…da wird lang und breit darüber philosophiert, dass sie Worte hat, die die Handlung sofort beenden. Ich kenne das mit diesen Exit-Worten schon auch. Gerade bei Sex-dingern, bei denen mit den Grenzen gespielt wird, ist es doch ziemlich wichtig, solche Worte zu vereinbaren, und sie auch zu benutzen. Sie hat sie nicht benutzt und wollte nur mal sehen, wie weit er denn so geht. Blödsinn. Klar ist das dann Missbrauch. Klar ist das nicht schön – gerade auch für ihn nicht schön. Die große Frage ist für mich eher: Was, wenn sie diese Worte benutzt hätte und was, wenn er trotzdem nicht aufgehört hätte…damit wäre es auch bei mir angekommen, dass er krankhaft agiert. So aber verschwimmt alles und der Film klärt über nichts auf. Die Moral bleibt bei der Blümchensex-Fraktion, es gibt keine Inseln für die anderen.

Erinnert sich jemand noch an Secretary aus dem Jahr 2002 von Shainberg? Da gab es auch einen Mr. Grey, der gepeinigt war von seinen dominanten Vorstellungen, keinen Platz für sich gefunden hat und schließlich auf einen Menschen getroffen ist, der gepeinigt war von seinen devoten Gefühlen und keinen Platz gefunden hat. Bingo. Jedes Tröpfchen findet sein Deckelchen. Das ist doch die Grundidee von Liebesgeschichten. Und in einem Film kann man das auch noch einem mainstream-sex-geprägten Pöbel erklären und alle fühlen sich besser danach.Etwas muss nicht für alle nachlebbar sein, etwas muss nicht immer moralisiert werden, um für alle verständlich zu sein.

Ich gehe aus dem Kino raus mit extrem gemischten Gefühlen. Wer ist noch mal gleich Erfinderin der Suppe? Jahrgang 63, Mutter von zwei Söhnen…ich habe jetzt keine Ahnung, wer die Frau wirklich ist, aber ist das eine Phantasie oder schreibt da jemand von etwas, von dem er auch wirklich was versteht? Ich befürchte nicht. Ich glaube, dass ist eine Phantasie und verrät in ihrem Hype nichts über die BDSM-Inselbewohner, sondern klagt nur über die Unzufriedenheit und die Verwirrtheit der Blümchensex-Fraktion. Schade. Ich wäre scharf gewesen auf einen voyeuristischen und seichten Blick auf die Insel. Und hätte gerne eine Liebesgeschichte, die mir sagt: es ist alles in Ordnung, es gibt für jeden Prinzen eine Prinzessin…relaaaaax…

Sexgeschichten für erwachsene Frauen oder die Highland-saga von Diana Gabaldon

Lesen ist für mich ein Wellengang. Mal lese ich viel, mal lese ich weniger. Es schaukelt und schwankt. Gerade war wieder Ebbe, viele andere Dinge zu tun.

Eine kurze Geschichte, wie ich zum Lesen gekommen bin, findet ihr in einem Gastbeitrag bei Celeste Ealain hier *Klick*.

Es gibt aber ein Buch, das ich immer wieder zur Hand nehme und gedankenlos hineinlese, weiterlese und wieder unterbreche. Es ist kein großes Stück Literatur, es ist nur unglaublich schnulzig, unglaublich spannend und detailliert. Obwohl mir es ein bisschen peinlich ist, verrate ich den Titel doch.

Ja, ja, das ist der erste Band der berühmten Highland-Saga. Inzwischen läuft in den USA auch eine TV-Serie dazu. Dieser Band erschien vor Jahren. Inzwischen sind acht weitere Bände rausgekommen und das ist nicht das einzige, was sich Frau Gabaldon aus Arizona über Schottland zusammengeträumt hat. Sie hat noch weitere Nebenbände geschrieben und Figuren, die in diesen Bänden nur am Rande vorkommen, zum Mittelpunkt gemacht. So habe ich es zumindest verstanden, denn ich habe noch nicht mal von diesen Bänden alle acht Stück gelesen und werde es wohl auch nicht. Irgendwann verliert sich mein Interesse. Der Anfang ist aber grandios, die Mutter aller Highland-Steinkreis-Liebesromanen.

Es ist nämlich tatsächlich so klischeehaft, wie es sich im ersten Moment anhört: Eine Krankenschwester, von ihrem Mann durch die Kriegswirren entfremdet, macht nach Kriegsende 1945 mit Ihrem Gatten zusammen eine Reise nach Schottland. Er ist sehr interessiert an der schottischen Geschichte, weil er selbst Vorfahren hat, die auf der englischen Seite dort gelebt haben. {So ist es auch verständlich, warum sie bei manchen Verletzungen so abgebrüht ist und warum sie sich überhaupt in schottischer Geschichte auskennt…} Eines Tages macht sie, nennen wir sie ruhig beim Namen, es ist Claire, einen Ausflug und entdeckt einen Steinkreis. Sie geht hindurch und findet sich im 18.Jahrhundert wieder. Clans, raue Sitten, Krieg, Hungersnot. Das ganze Spektrum. Und auch so ist der Roman nicht unklug. In die Zeit taucht man schon ein, in völlig verromantisierter Weise, denn Claire wird durch Intrigen und Spannungen im 18. Jahrhundert zur Heirat gezwungen. Diese Ehegeschichte verfolgen wir mit all den Clan-, Kriegs- und Machtgeschichten darum herum. Aber diese Ehe ist kein Twilight-Kindergarten, sie ist rauh und schön und ursprünglich und treu. Ja, Jamie Fraser, der junge schottische Adlige, ist das, was sich nur Frauen ausdenken können: ein echter Mann. Jener, der liebt über seinen eigenen Tod hinaus (er stirbt nicht, ihm geschieht Schlimmeres). Ich muss an dieser Stelle schwärmen, denn die Geschichte der beiden ist Seite um Seite ein Pathosgewitter, ein Sturm an unendlichen Sätzen und immer wieder kommt eine Steigerung. Nicht, dass man Jamie immer besonders gut leiden kann. Er ist ein Sturkopf, er ist bisschen arg gewalttätig und er ist gerne betrunken und öfter mal halb tot- alles  Eigenschaften, die man im echten Leben nicht so gerne neben sich liegen haben möchte, aber in den schottischen Bergen ist so manches vorstellbar. Natürlich muss an dieser Stelle gesagt sein, dass uns dieser Roman nicht von der Bettkante mit den berühmten drei Punkten (…) stößt. Er lädt uns ein und führt detailliert uns mit hinab in die Leidenschaft, die sich zwischen Jamie und Claire entwickelt. Doch gab es da nicht noch einen anderen Ehemann? Den gibt es und es gibt seinen Vorfahren, der sich schnell als grausamer Feind entpuppt. Ein Feind, der ein für Claire so vertrautes und nahes Gesicht trägt.

Das Internet ist grad voll von der neuen Outlander-TV-Serie aus den USA und ein bisschen ärgere ich mich darüber, denn einige Szenen, die ich im Vorbeiklicken dann auch als deutscher Besucher erhaschen konnte, machten mir nicht unbedingt Lust auf mehr.

Lust ist sowieso sehr schwer in fremde Bilder zu packen, geschriebene Worte tragen sich für mich viel weiter und so bin ich zwiegespalten, ob ich es nun nicht abwarten kann, die Serie hier zu sehen oder ob ich froh sein soll, dass der Roman noch ganz meinem Kopfkino gehört.

Habe ich vor einem Jahr noch fröhlich nach Fanfiction bei Youtube blättern können und mich gefreut über die illegalen Zusammenschnitte aus verschiedenen Filmen, die mit Schnörkelschrift irgendwelche Romanstellen wiedergaben, so ist jetzt alles voller TV-Serien-Mitschnitte, die ich nicht so unterhaltsam finde wie die liebevoll gezeichneten Herzensträume junger Youtuberinnen. Aber, das nur am Rande.

Kennt ihr dieses gute Stück Zeitreisegeschichte? Habt ihr schon davon gehört? Es selbst gelesen und zu schnulzig gefunden? Es selbst gelesen und es herrlich gefunden? Gibt es ein anderes Buch, dass auch in die Kategorie „Tagträume für erwachsene Frauen“ fällt und traut ihr euch, es hier unten in den Kommentaren zu nennen? Ich bin gespannt und freue mich über eure Kommentare!

*das Bild ist aus Urheberrechtsgründen (ähh, mir gehört das Cover-foto nicht und ich darf es nur so auf meinem Blog zeigen?) eigentlich ein Link zu amazon, der mir 0,00001 € einbringen würde, wenn man das Buch darüber bezieht. Ist mich nicht wichtig, ihr könnt das Buch auch gerne aus der Bibliothek ausleihen.*

 

„Zwischen ewig und jetzt“ von Marie Lucas

Ich kann jetzt eigentlich gar nichts dazu sagen. In dem Buch steht über die Autorin folgendes:“ Marie Lucas liebt Geheimnisse, Schlittschuhlaufen und ihren Hund. Sie lebt in Berlin und Hannover, schreibt ihre Bücher aber am liebst in einer kleinen Hütte irgendwo in den Bergen.“ ….während sie mit ihren Eltern in den Sommerferien ist. Marie Lucas ist nämlich 12 Jahre alt, so denke ich es mir zumindest. Und sie findet alles an Jungs und Mädchen wichtig, was Zwölfjährige wichtig finden. die Art, wie sie sich anziehen, wie viel Geld sie haben, wo sie wohnen und wie sie ihre Haare tragen. Dazwischen gibt es eine kleine Geistergeschichte, die sich absolut nicht hält. Wenn man über die Autorin bisschen recherchiert, dann sieht man, dass sie nicht 12 ist, dafür durchaus eine Tochter in dem Alter haben könnte. Vielleicht ist auch das der Fehler. Sie denkt, dass das Mädchen denken und wichtig finden – vielleicht tun sie das auch, keine Ahnung. Ich habe mich in meiner Pubertät durchaus für spannender gehalten.

Julia, die wunderschöne Hauptfigur….

…verliebt sich in den beliebten Jungen

…verliebt sich in den Außenseiter

…sucht den Mörder ihres Vaters

…sucht das Testament ihres Vaters

…kämpft gegen einen Dämon

Alles auf einmal und doch nichts richtig. Ich hätte mir so gewünscht, dass es mal eine Schattierung gibt oder dass das Ende bisschen spannend wird. War`s aber nicht. Gott sei dank war´s schnell vorbei. Wie Julias erstes Mal….

 

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