Schlagwort: Erste Liebe

Der Sommer der schlechten Bücher

Zugegeben, ich bin kein Literaturfetischist. Ich steh schon auf Literatur, aber ganz oft lese ich Schund. Am liebsten Schund aus den Rubriken *Dystopie/ Jugendbuch/ Zombies/ everlasting love* 

Nur diesen Sommer, dieser Sommer ist nur Mist dabei. Kein Wunder, dass ich hier keine Rezensionen mehr veröffentliche. Ich klappe mein kleines elektronisches Büchlein zu, seufzte und denke mir: Wat a Käse.

Vielleicht habe ich auch das magische Alter der *first kiss Bücher* mit meinen 35 Sommern endgültig überschritten und das Gezeter der jungendlichen Protagonisten langweilt mich. Kann sein. Aber selten habe ich von so vielen guten Ideen gelesen, die von den Schreibern so fröhlich in den Sand gesetzt wurden. A Schand.

Zeitrausch-Trilogie von Kim Kestner

*Es sollte ein gewöhnlicher Sommerferientag werden. Ausschlafen, frühstücken, vom kleinen Bruder genervt werden, die Sonne genießen. Doch dann muss die siebzehnjährige Alison feststellen, dass ihr Bruder verschwunden ist. Schlimmer noch, es hat ihn nie gegeben – zumindest nicht in dieser Realität. Und damit beginnt das Spiel: Im Rausch durch die Zeiten, vor Millionen von Zuschauern und einer unerbittlichen Jury bekommt Alison die Aufgabe, die Vergangenheit so zu korrigieren, dass sie wieder in ihre ursprüngliche Gegenwart zurückkehren kann. Eine Aufgabe, die Alison durch sämtliche Jahrhunderte führt, vor unmögliche Herausforderungen stellt und viel schwieriger ist, als sie es sich jemals vorgestellt hat. Gerade mit dem geheimnisvollen Kay an ihrer Seite, der sie viel besser kennt, als es eigentlich möglich sein sollte…* Zitat aus der Buchbeschreibung von amazon. 

Klingt das nicht geil? Doch, das ist auch cool. Eine coole Idee. Drei Bücher lang kann man Alison folgen wie sie sich durch ein Gemisch aus Hungerspielen mit Rubinrot,Saphierblau und Smaragdgrün kämpft. Und dann liest man und liest man und dann kommt der große Absturz. Das Buch findet nicht zu seinem Ende. Oder: die Bücher finden nicht zu ihrem Ende. Man konnte richtig zusehen, wie die Welle immer weiter abflachte. Ein Graus. Der Showdown ist nicht das Gelbe vom Ei. Und was mit den Menschen in der Zukunft passiert, das kümmert dann eh keine Sau mehr.

Das Meer der Seelen von Jodi Meadows

*Ana ist das Mädchen mit der reinen, neuen Seele. Und das macht sie zur Außenseiterin. Denn jeder in ihrer Welt wurde mehrmals wiedergeboren und kann sich an seine vorherigen Leben erinnern. Doch als Ana geboren wurde, passierte etwas Ungewöhnliches: Eine Seele musste für sie sterben. Weil jeder dies als schlechtes Omen deutet, will niemand etwas mit ihr zu tun haben, niemand außer Sam. Doch plötzlich greifen schreckliche Wesen an. Trägt Ana tatsächlich die Schuld daran? Sie wird es herausfinden müssen, wenn sie in dieser Welt überleben will …* Zitat aus der Buchbeschreibung von amazon. 

High Fantasy ist eigentlich von vornherein nicht so mein Fall. Ich mag es nicht, ständig von mystischen Kreaturen bedroht zu werden und mich in ein Gesellschaftssystem einzulesen, dass so ganz ganz anders ist. Aber dem Buch habe ich eine Chance gegeben. Die Idee, dass dort nur Menschen rumlaufen, die sich an 5000 Jahre eigenes Leben erinnern, machte es kurzzeitig spannend, aber das Problem war, dass Ana es einfach nicht herausfindet, warum das jetzt alles so passiert ist. Klar, es ist der Auftakt einer Trilogie, aber ich war zwischendrin so gelangweilt. Manchmal wußte ich gar nicht, wer jetzt mit wem spricht und die Liebesgeschichte ist so an den Haaren herbeigezogen, es ist wirklich nix rübergekommen. Ich lese selten Trilogien nicht zu Ende, aber diesmal is es wohl so. Bin wohl im Meer der Seelen abgesoffen.

Einen Lichtblick habe ich aber schon:

Eine Leserin hat mir Reset von Jens Bühler empfohlen.

*Hauptkommissar Markus Steller leitet einen Polizeieinsatz von Spezialkräften in der Frankfurter Innenstadt. Zeitgleich, nur wenige hundert Meter entfernt, überfällt Demir Kara zusammen mit seinem Komplizen einen Diamantenkurier. Beide Unternehmungen versinken im Chaos, als sich die Stadt innerhalb von Minuten in ein Tollhaus verwandelt. Von rasender Wut besessen beginnen die Menschen übereinander herzufallen. Wer sich nicht in Sicherheit bringt, wird in Stücke gerissen. Verzweifelt versuchen beide Männer, gemeinsam mit anderen Überlebenden, der Hölle zu entkommen. 

Während die Welt dem Wahnsinn zu erliegen droht, erfährt die Kommandantin des Forschungsbunkers Fenris, Generalmajor Aila Torbeck, dass der Feuersturm der Wut, der die Welt verbrennt, erst der Anfang ist. Der Druck, der auf Torbeck lastet, ist gewaltig. Sie und ihre Mitarbeiter sind die letzte Hoffnung auf Rettung vor dem drohenden Untergang. Aber die Kommandantin hat noch ganz andere Sorgen. Wie soll sie ihre Tochter Katta retten, die alleine in Frankfurt um ihr Leben kämpft?* Zitat aus der Buchbesprechung von amazon.

Jens Bühler kommt mit einer Handvoll Protagonisten aus. Er wechselt die Perspektive, führt sie zusammen, wieder auseinander. Gibt ihnen realistische Pläne. Und ein Profil. Die Figuren sind nicht platt und Stereotyp, sondern haben eine für Horrorszenarien erstaunliche Tiefe. Zeichnet sich so ein Roman doch im Allgemeinen weniger durch Charakterstudien aus, sondern eher durch Aktion.

Doch die Spannung und die Aktion kommen nicht zu kurz. Das ist auf jeden Fall gelungen. Ich finde, dass die Geschichte nur einen echten Haken hat. Obwohl die Charaktere und ihre persönliche Geschichte gut aufgelöst werden, mag ich die große Erklärung darüber nicht so besonders. Da sind wohl die Pferde mit Jens durchgegangen. Aber diese Kritik kann ich jetzt gar nicht weiter ausbauen, denn da würde ich zu viel von der Geschichte verraten. Und das will ich nicht. Wer noch einen Roman für den Strand sucht und sich gerne mit Zombies und der Apokalypse auseinandersetzt, der kann das gut lesen.

Ihr seht, ich bin diesen Sommer nicht so zufrieden mit meinem Schund. Ich hoffe, ich entdecke noch eine Reihe oder ein Buch, dass mich gefangen nimmt, mich verliebt macht und mich gegen die Zeit/die Zombies oder gegen sonst was Böses kämpfen lässt. Empfehlungen?

Erinnerungen an Berlin

Berlin_is goneVor über 10 Jahren bin ich in diese Wohnung gezogen. Als ich hier ankam, war ich ziemlich demoliert. Ich bin in München geboren und aufgewachsen, aber ich habe auch eine Zeit lang in Berlin gelebt. Ich bin dorthin seither nicht mehr zurückgekehrt und werde es wohl auch nicht. A tribute.

Berlin ist eine Stadt aus Städten. Groß und alles. Ich habe nie verstanden, wo ihr Herz liegt und mein eigenes habe ich dort schließlich auch verloren.

Mein damaliger Freund zog mit mir mit. Eine spontane Aktion, denn Berlin war der große Traum der pochenden urbanen Freiheit. Mein Freund ist Koch und arbeitete dort auch als Koch. Er war älter als ich. Unsere Lebensrealität bröckelte schnell. Ich suchte mir Vorlesungen aus, er besuchte das Arbeitsamt. In Berlin wurden wir bald zu Tag und Nacht, Schatten und Licht. Er war auf der Schattenseite, ich trank Latte Macchiato. Nachdem unsere Beziehung zerbrochen ist, haben wir oft gesagt, wir sind in Berlin geblieben. Der Teil mit dem wir. Unser Wir ist dort geblieben und wir sind als ich und er zurückgekommen.

In Berlin brauste mir ein Sturm aus Vorurteilen entgegen. Ich tat mir nicht leicht mit meiner Identität. Ich tat mir nicht leicht, aus München zu kommen. München, die Teure. München, die Schicke. München, das Provinznestchen. München Möchtegern.

Ich war in Berlin gerne auf Flohmärkten unterwegs. Meistens alleine, weil mein Freund andere Uhrzeiten hatte. Überhaupt erinnere ich mich sehr viel an Dinge, die ich dort nur solo gemacht habe. Ich habe mir sehr viele Schwimmbäder angesehen, weil ich eine Zeit lang regelmäßig schwimmen gegangen bin. Von all diesen Orten und Zeitpunkten habe ich keine Fotos. Damals gab es noch kein Smartphone mit integrierter Sharing-Taste und auch sonst hat man wenig über Fotos mitgeteilt.Klar, es gab schon immer Hobby-Fotographen, aber dazu gehörte ich nicht. Ich fotografierte deswegen nicht. Das kam einfach nicht vor.

Worte wie Shabby chic oder vintage habe ich in Berlin gelernt. Wenn in München ein neuer Laden aufmachte und er gewollt abgerissen aussehen sollte, haben wir Münchner das immer mit Augenrollen kommentiert. Die wollen jetzt einen auf Berlin machen hier. Trotzdem faden wir es cool. So ist das mit Berlin. Wir finden es trotzdem cool und suchen im KaDeWe Augustiner-Bier.

Und ich erinnere mich an den weltbesten Cheesecake, den ich jemals gegessen habe. Mein Freund hat ihn mir mal nachgebacken und behauptet, er hätte das Rezept jetzt herausgefunden, aber er schmeckte nicht mehr so wie in dem kleinen Café irgendwo in einer Seitenstraße. Wie ein Rotwein, den man aus einem Urlaubsort mitgebracht hat, daheim schal schmeckt. Sie nannten ihn in dem Café tatsächlich Cheesecake und nicht Käsekuchen.

Den Anschluss, den ich fand, bestand aus einer diffusen Gruppe aus hippen Studenten, die in Altbauwohnungen Dosenbier ausschenkten. Da habe ich gemerkt, dass ich aus München komme, denn Bier aus Dosen gibt es hier tatsächlich nicht. Die Bierdosen standen auf dem Balkon, damit sie kalt bleiben. In allen Wohnungen faden sich noch Heizöfen, deren korrekte Befeuerung wissenschaftlich diskutiert wurden. In München befüllen wir Badewannen mit kaltem Wasser und Eis und lagern Augustiner-Bierflaschen für Parties darin. Vielleicht gab es auch echte Bierflaschen in Badewannen in Berlin und ich war nur auf den falschen Parties, ich bin mir sicher, in Berlin gibt es alles. Ich fand es nur nicht.

Aber ich fand mich, letztendlich. Und die Erkenntnis, dass dort, wo du lebst, nicht großartig in den Ohren anderer klingen muss.

Sexgeschichten für erwachsene Frauen oder die Highland-saga von Diana Gabaldon

Lesen ist für mich ein Wellengang. Mal lese ich viel, mal lese ich weniger. Es schaukelt und schwankt. Gerade war wieder Ebbe, viele andere Dinge zu tun.

Eine kurze Geschichte, wie ich zum Lesen gekommen bin, findet ihr in einem Gastbeitrag bei Celeste Ealain hier *Klick*.

Es gibt aber ein Buch, das ich immer wieder zur Hand nehme und gedankenlos hineinlese, weiterlese und wieder unterbreche. Es ist kein großes Stück Literatur, es ist nur unglaublich schnulzig, unglaublich spannend und detailliert. Obwohl mir es ein bisschen peinlich ist, verrate ich den Titel doch.

Ja, ja, das ist der erste Band der berühmten Highland-Saga. Inzwischen läuft in den USA auch eine TV-Serie dazu. Dieser Band erschien vor Jahren. Inzwischen sind acht weitere Bände rausgekommen und das ist nicht das einzige, was sich Frau Gabaldon aus Arizona über Schottland zusammengeträumt hat. Sie hat noch weitere Nebenbände geschrieben und Figuren, die in diesen Bänden nur am Rande vorkommen, zum Mittelpunkt gemacht. So habe ich es zumindest verstanden, denn ich habe noch nicht mal von diesen Bänden alle acht Stück gelesen und werde es wohl auch nicht. Irgendwann verliert sich mein Interesse. Der Anfang ist aber grandios, die Mutter aller Highland-Steinkreis-Liebesromanen.

Es ist nämlich tatsächlich so klischeehaft, wie es sich im ersten Moment anhört: Eine Krankenschwester, von ihrem Mann durch die Kriegswirren entfremdet, macht nach Kriegsende 1945 mit Ihrem Gatten zusammen eine Reise nach Schottland. Er ist sehr interessiert an der schottischen Geschichte, weil er selbst Vorfahren hat, die auf der englischen Seite dort gelebt haben. {So ist es auch verständlich, warum sie bei manchen Verletzungen so abgebrüht ist und warum sie sich überhaupt in schottischer Geschichte auskennt…} Eines Tages macht sie, nennen wir sie ruhig beim Namen, es ist Claire, einen Ausflug und entdeckt einen Steinkreis. Sie geht hindurch und findet sich im 18.Jahrhundert wieder. Clans, raue Sitten, Krieg, Hungersnot. Das ganze Spektrum. Und auch so ist der Roman nicht unklug. In die Zeit taucht man schon ein, in völlig verromantisierter Weise, denn Claire wird durch Intrigen und Spannungen im 18. Jahrhundert zur Heirat gezwungen. Diese Ehegeschichte verfolgen wir mit all den Clan-, Kriegs- und Machtgeschichten darum herum. Aber diese Ehe ist kein Twilight-Kindergarten, sie ist rauh und schön und ursprünglich und treu. Ja, Jamie Fraser, der junge schottische Adlige, ist das, was sich nur Frauen ausdenken können: ein echter Mann. Jener, der liebt über seinen eigenen Tod hinaus (er stirbt nicht, ihm geschieht Schlimmeres). Ich muss an dieser Stelle schwärmen, denn die Geschichte der beiden ist Seite um Seite ein Pathosgewitter, ein Sturm an unendlichen Sätzen und immer wieder kommt eine Steigerung. Nicht, dass man Jamie immer besonders gut leiden kann. Er ist ein Sturkopf, er ist bisschen arg gewalttätig und er ist gerne betrunken und öfter mal halb tot- alles  Eigenschaften, die man im echten Leben nicht so gerne neben sich liegen haben möchte, aber in den schottischen Bergen ist so manches vorstellbar. Natürlich muss an dieser Stelle gesagt sein, dass uns dieser Roman nicht von der Bettkante mit den berühmten drei Punkten (…) stößt. Er lädt uns ein und führt detailliert uns mit hinab in die Leidenschaft, die sich zwischen Jamie und Claire entwickelt. Doch gab es da nicht noch einen anderen Ehemann? Den gibt es und es gibt seinen Vorfahren, der sich schnell als grausamer Feind entpuppt. Ein Feind, der ein für Claire so vertrautes und nahes Gesicht trägt.

Das Internet ist grad voll von der neuen Outlander-TV-Serie aus den USA und ein bisschen ärgere ich mich darüber, denn einige Szenen, die ich im Vorbeiklicken dann auch als deutscher Besucher erhaschen konnte, machten mir nicht unbedingt Lust auf mehr.

Lust ist sowieso sehr schwer in fremde Bilder zu packen, geschriebene Worte tragen sich für mich viel weiter und so bin ich zwiegespalten, ob ich es nun nicht abwarten kann, die Serie hier zu sehen oder ob ich froh sein soll, dass der Roman noch ganz meinem Kopfkino gehört.

Habe ich vor einem Jahr noch fröhlich nach Fanfiction bei Youtube blättern können und mich gefreut über die illegalen Zusammenschnitte aus verschiedenen Filmen, die mit Schnörkelschrift irgendwelche Romanstellen wiedergaben, so ist jetzt alles voller TV-Serien-Mitschnitte, die ich nicht so unterhaltsam finde wie die liebevoll gezeichneten Herzensträume junger Youtuberinnen. Aber, das nur am Rande.

Kennt ihr dieses gute Stück Zeitreisegeschichte? Habt ihr schon davon gehört? Es selbst gelesen und zu schnulzig gefunden? Es selbst gelesen und es herrlich gefunden? Gibt es ein anderes Buch, dass auch in die Kategorie „Tagträume für erwachsene Frauen“ fällt und traut ihr euch, es hier unten in den Kommentaren zu nennen? Ich bin gespannt und freue mich über eure Kommentare!

*das Bild ist aus Urheberrechtsgründen (ähh, mir gehört das Cover-foto nicht und ich darf es nur so auf meinem Blog zeigen?) eigentlich ein Link zu amazon, der mir 0,00001 € einbringen würde, wenn man das Buch darüber bezieht. Ist mich nicht wichtig, ihr könnt das Buch auch gerne aus der Bibliothek ausleihen.*

 

Survive – Wenn der Schnee mein Herz berührt von Alex Morel

Das ist ein kleines Buch – ungewöhnlich für heutige Teenangerliteratur, da es kein Reihenband ist, sonder abgeschlossen. Damit geht alles natürlich auch ungewohnt schnell. Die Geschichte, mein ich. Die Geschichte um das Kennenlernen und das Verlieben passiert schnell – und dann ist das Buch aus.

Jane sitzt seit ihrem Selbstmordversuch in der Klapse fest und hat beschlossen, ihren nächsten Versuch ernsthaft durchzuziehen. Sie ist erst siebzehn, aber fühlt sich durch mehrere Selbstmorde in ihrer Familie zu einem frühen Ableben mehr als berufen. Ihr Plan ist es, auf dem Flug nach Hause über die Weihnachtsfeiertage in der Flugzeugkabine einen Medikamentencocktail zu schlucken. Der Plan geht auch fast auf – allerdings stützt die Maschine just in dem Moment mitten im eisigem Nirgendwo auf einem schneebedecktem Berg ab. Sie und der gut aussehende Paul – Rebell, Snowboardlehrer, Surfer, mit eigener bedrückender Vergangenheit – überleben als einzige den Absturz. Plötzlich findet Jane heraus, dass sie leben möchte. Paul rettet sie und sie rettet ihn – bis die Wildnis doch stärker zu sein scheint.

Ein kleines Buch, mit Herzschmerz und ein paar Seufzern. Ich mochte leider Jane nicht so gerne, die ganze Selbstmordnummer ist mir dann doch zu theatralisch. Vielleicht finde ich, dass man sich nicht an einem so öffentlichem Ort wie eine Flugzeugtoilette umbringen sollte.

Die Herzschmerzpassagen sind ordentlich Herzschmerz und fast peinlich (ich merke, dass es peinlich ist, nur, wenn ich beim Lesen von meinem kindle aufschaue und mich in der U-Bahn umschaue, ob jemand über meine Schulter guckt und mitliest….und das wär mir dann bei bstimmten Passagen peinlich.)

Was ich witzig fand, war, dass Paul sie erst viermal brüderlich auf den Kopf küsst, dann einmal auf die Stirne und dann erst kommt diese Stelle: „Dann zieht er seinen Kopf urplötzlich zurück, und wir sehen einander in die Augen. In diesem Moment weiß ich, dass er in mein Herz geblickt hat. Er küsst mich wieder. ich kann kaum sprechen.“ Ich finde, es ist verständlich, warum ich in der U-Bahn nervös nach Mitlesern Ausschau halte.

Was ich gut fand, war, dass der Autor in sehr konzentrierter Form die richtige Handhabe mit Teenagern erklärt, die sich auf theatralische Weise umbringen wollen. Paul ist sarkastisch, trocken und nimmt sie ernst. Dabei ist sie ihm auch erstmal egal. Während Jane darüber philosophiert, warum Gott ausgerechnet sie hat leben lassen, wo doch alle anderen tot sind und sie eigentlich sterben wollte, sagt er ihr, dass sie den Flugzeugabsturz nur überlebt haben könnte, um ihn zu retten. „Es geht nicht immer nur um dich, Jane.“ Herrlich, ich mag Paul. Aber es wäre auch schlimm, wenn man den Jungen in solchen Büchern nicht mögen würde. Dafür sind solche Bücher schließlich da.

Aber es ist auch sehr traurig und sehr spannend, wenn man sich mal auf die ungewöhnliche Situation eingelassen hat und über die Reihe der Klischees hinwegsieht. Ich bereue den Kauf nicht, schließlich ist es Zuckerliteratur vom Feinsten. Schnell gelesen, ein paar Highlights und dann klingt es noch bisschen nach.

© 2019 Fadenvogel

Theme von Anders NorénHoch ↑