Sophia Thiel und der Konzern im Hintergrund

#sweating beauties und Sophia ThielDer Markt für Online-Diäten ist in den letzen Jahren echt explodiert. Mit Online-Diät meine ich, dass man sich Zugang zu einem Programm kauft, dass eben online angeboten wird und bei dem Woche für Woche bestimmte Videos oder pdf-Dateien freigeschalten werden, die dir deinen Weg zum Abnehm-Erfolg bereiten sollten. Die Videos drehen sich um Ernährung und um Sport. Verkauft wird das Ganze unter dem Namen eines Prominenten.

Zuerst kam 10 weeks body change mit Detlef D. Soost. Sympathisch war mir an diesem ganzen Gedönse vor allem, auf welchem Mist es gewachsen ist. Ein junges Star-up in München, zwei Jungs, wenig Startkapital und dann Zack. Ab durch die Decke. Hier mein Artikel zu den Hintergründen. Ich lasse die nicht mehr funktionierenden Videos mal drin. Sieht man schön, dass alles seine Zeit hat.

Bei Sophia Thiel ist es anders herum. Das Mädel hat ihren eigenen youtube-Kanal und wollte damit vor allem junge Frauen ansprechen. Gleichzeitig hat sie sich Instagram-Fame aufgebaut. The star is born online. Als jemand, der sich explizit an eine bestimmte Gruppe richtet. Zu dieser Gruppe gehöre ich nicht. Ich bin niemand, der sich Fitness-Videos oder Instagram-Waschbrettbäuche anguckt.

Das jetzt angebotene Online-Programm wird von einem Ableger der ProSiebenSat1 Gruppe produziert. Kein Wunder, dass diese ihre Bekanntheit mit Berichten in diversen Fernsehsendungen puschen. Der Überbau, also die Produzenten der ganzen neuen Sophia Thiel- Sache sind also alte Business-Hasen, die eine junge youtuberin neben vielen anderen jetzt abgrasen. Sie bedient ein weibliches Publikum, während die andere Galionsfigur der Moderator Daniel Aminati mit dem Programm *Mach dich krass“ ist. Vergleicht man die Internetauftritt der Programme, erkennt man schnell, dass es hier um Mädels und hier um Jungs geht.

Genau das Gegenteil von 10 weeks, meiner Meinung nach. Da war der Prominente schon vorher prominent und dann kam das Start-up und zusammen haben sie (hoffentlich, verdient hätten sie´s) Millionen verdient. Bei Sophia Thiel kam sie als kleine Instagram-Maus ins Geschäft und zusammen mit dem großen Medienhaus versuchen sie jetzt genau das Gleiche. Oder eher: das große Medienhaus versucht durch sie genau das Gleiche. 

Doch wer macht so eine Online-Diät? 65 % der Nutzer sind wohl Frauen. Ich lese in einem Artikel, dass Harkort – einer der Gründerjungs von 10 weeks body change – seine durchschnittliche Kundin als Mitte 30, junge Mutter und Lehrerin beschrieb. Haha, also ich. Gut, Lehrerin bin ich nicht, aber ich glaube auch, dass das Format vor allem Frauen (und auch Männer) in den 30ern angesprochen hat. Generation Thermomix, sozusagen.

Sophia Thiel nennt ihre Follower sweating beauties und ich glaube, die sind durchweg jünger. Beim Anmelden wurde mir eine Einladung zu einer geschlossenen Facebook-Gruppe gesendet. Die konnte ich jetzt doch noch annehmen…(Leute, echt, glaubt ihr, der medial vernetzte Mensch hat nur EINE Emailadresse und kauft damit fröhlich im Netz ein und dann lädt er noch ein paar Fotos in Facebook hoch und dann …ach, geh) Die Facebook-gruppe wird von einer Lena geführt. Null Profilinformation,aber wohl eine offizielle Abgesandte des Medienimperiums. Jobbeschreibung: sweating beauties moderieren.

Moderiert wird hier nur überhaupt nichts. In der Gruppe sind an die 16000 Nutzer registriert und tauschen sich aus. Manchmal geht es darum, sich gegenseitig aufzubauen. Manchmal geht es um eine Frage zur Ernährung. Manchmal geht es um Kritik. Da sich das Programm hauptsächlich ein junge Frauen richtet, gibt es auch wenig Scham, seine Vorher/Nachher-Fotos in Unterwäsche und Socken zu teilen. So *unter Mädels*. Der Beef ist aber auch vorprogrammiert. Allgemeine Kritik wird manchmal so verstanden, als ob man sich gegenseitig Erfolge nicht gönnt.

Insgesamt bin ich von dem Forum mehr als enttäuscht, vor allem, weil es sich lediglich um eine *geheime* Facebook-Gruppe handelt. Ein so großes Medienhaus hätte schon ein besseres Forum programmieren können, so teuer ist das jetzt auch nicht und sie hätten das Personal bereitstellen sollen, dieses Forum auch zu moderieren. Was bei 10wbc noch ein Start-up-Problem war, kann man bei dem Hintergrund jetzt nicht als *Geldproblem* ausmachen. Hier wurden ganz klar Kosten eingespart.

Sophia Thiel bleibt als Vorbild zurück. Sie soll inspirieren aus der Ferne und ihr Körper soll ein Programm verkaufen, dass explizit als *Anfänger-Programm* betitelt wird. Das Programm hat wenig mit ihrem Waschbrett-Bauch zu tun. Der versprochene *Traumbody* lässt sich erreichen, wenn man seinen persönlichen *Traumbody* realistisch einschätzt. Man läuft aber in 12 Wochen bestimmt nicht als kleine Sophia Thiel über den Strand. Den meisten Nutzern wird das wohl auch klar sein, aber die Werbestrategie zielt darauf ab, dass du das Programm mit diesem Körper verbindest. Werbung übertreibt immer und bei Waschmittel, Zahnpasta und Haarshampoo wird es ja auch nicht anders gemacht. Die schönsten Haare fallen dem Model gekonnt ins Gesicht und im Kopf ist es allen klar, dass man mit dem Shampoo jetzt nicht genau diese Haare bekommt, aber das Bild wird ja in einem anderem Gehirnteil mit dem Produkt verbunden und damit: Voila, beim nächsten Drogeriemarktbesuch bleibt nur noch ein unscharfes Bauchgefühl zurück und man greift zum Shampoo der Träume. Wie der Tipp einer guten Freundin.

Making money is ja nicht mein Problem. Alle sollen viel Geld verdienen. Ich vergönne jedem seinen ehrlichen Erfolg. Und ich freue mich für Sophia Thiel, dass sie als Youtuberin hoffentlich einen so guten Vertrag mit ProSieben unterschrieben hat, dass sich das auch auszahlt für sie. Professionelle Trainer mit Trainerlizenz und Ausbildung hört man zwar schon arg schnaufen, aber that´s bloody business. Mir drängt sich aber der Eindruck grad mit der *Nachbetreuung* und dem großen Medienhaus auf, dass da dahintersteht, dass es sich bei dem Programm tatsächlich um ein *Aufspringen* auf den Zug der online-Diäten handelt, weil man damit zwar nicht sein Hauptgeld macht, aber dennoch ordentlich Kröten abfallen. Authentisch ist definitiv was anderes.

Kleiner Vorteil ist, dass die Videos professionell gemacht sind. Ausgeleuchtet, im Vorspann immer eine Erklärung, wie diese Übung jetzt zu machen ist. Aber wenig Aufwärmen und überhaupt keinen Cool-Down am Ende. Auch die sonstigen Informationen sind hübsch aufbereitet. Ob das jetzt alles so super-effektiv ist, kann ich zu diesem Bereich überhaupt nicht sagen, aber es macht Spaß und verkehrt ist es ja nicht. Es erinnert aber alles stark an die Pioniere auf dem deutschen Markt mit 10wbc. Kochvideos und so. Was neu ist, sind diese anatomischen Erklärungsvideos oder die inszenierten *Trainer*-Videos mit verschiedenen Informationen zur Ernährung. Ob das jetzt alles so richtig ist, bleibt offen. Vielleicht gibt es bei diesen Themen auch gar kein richtig, sondern nur Trends. Wie gesunde Ernährung definiert wird, ist ja häufig auch eine Modeerscheinung.

Meine Ergebnis nach 3 Wochen mit Sophia Thiel ist bei 2,5 kg. Ich habe mich bei den Rezepten aber nur mengenmäßig inspirieren lassen und vieles ersetzt. Inzwischen kann Mudda kochen. War mit Anfang 20 auch noch ned so. Die Rezepte richten sich aber auch eher an Kocheinsteiger.

Die Trainingseinheiten fallen mir schwer, weil ich da noch nicht so in den Tritt mit *festen Trainingstagen* gekommen bin. Lustig ist, dass ich vor allem den Tipp mit dem Vorkochen umsetze und viele Rezepte in Mengen koche und mir dann Portionen abfülle und sie für den Rest der Familie mit Kolenhydraten bereichert schnell zu Hand habe. So sind Hackfleischchillis bei mir auch Nudelsoßen oder Erdnusshühnchen auch Reissoßen…Im Prinzip esse ich aber immer Gemüse mit Eiweiß. Außer morgens, da gibt Porridge. Beim nächsten Bericht zum fetten Vogel nehme ich mir mal mehr die Küche vor und zeige so *typische* Gerichte aus dem Programm.

 

7 Kommentare

  1. Haha, „sweating beauties“ ist ja cool. Ich hab’s eine zeitlang mit Billy Blanks gehalten, der hat mir im Wohnzimmer immer gesagt: „hey, you’re gooooood“ Werbemaschinerie hin oder her, im Grunde sitzen wir auf der Seite der Konsumenten und dürfen uns Gott sei Dank raus nehmen, was man für richtig hält, seien es Diäten, Super-Food oder Haarshampoos (ich ertappe mich allerdings auch immer wieder als Werbungsopfer ;-)

    Auf alle Fälle weiterhin viel Erfolg, wenn auch ich finde, dass du kein „fetter“ Vogel bist.

    glg und nicht vergessen: „you’re gooood, sweating beauty“ – doppelt hält bekanntlich besser ;-)

    • fadenvogel

      2. Mai 2016 at 10:40

      Danke. So richtig fetter Zwillings-Mama-Vogel bin ich auch nicht mehr. Ich würde nur einmal gerne im Normalbereich des BMI liegen – nur, um zu sehen, ob ich das jetzt auch normal finde, sehr schlank finde oder richtig gut finde. Schönheit wird aber nicht vom BMI her bestimmt. Leider sehe ich sehr viele junge Frauen, die das denken. Ich habe irgendwo ein Nacktbild von mir als 20jährige. Da fand ich mich mäßig hübsch und ziemlich dick. Heute fällt mir das Foto in die Finger und ich danke: *Mann, bist du a Hübsche gewesen.Warum bin ich denn damals nicht ständig im Mini rumgelaufen?* Meistens kann man sich auch nicht wirklich einschätzen und vergeudet seine echte Schönheit an ein selbst wahrgenommenes Trugbild.Ich hoffe, dass ich daran an mir noch arbeiten kann und diese Bilder ablege. Ich denke, dass ich mit dem Erreichen des Normalbereiches mich wieder mehr auf mich selbst konzentrieren kann und das Bild verabschiede, weil ich mir selbst dann wirklich nicht mehr einreden kann, ich wäre zu dick. Außerdem bin ich neugierig, ob meine eigene Wahrnehmung überhaupt etwas damit zu tun hat. Ich beschäftige mich echt nur im Frühling mit diesen Fragen. Die meiste Zeit des Jahres ist mir das eigentlich wurscht.

  2. oh je, ich hoffe, dass es die Start-up Jungs trotzdem irgendwie geschafft haben, die waren mir bei deinem Bericht letztes Jahr mit ihrer Erfindung auch sympathisch :D Aber interessant, wie die gleichen Programme einmal für Männer „mach dich krass“ haha was für eine Asdrucksweise schon und einmal für Mädels vermarktet werden. Dir weiterhin viel Erfolg!

    • fadenvogel

      2. Mai 2016 at 10:28

      Ja, ich hab irgendwo gelesen, dass sie jetzt einen Teil? oder der eine seinen Teil? verkauft haben. Die Online-Diäten sind ja grad eh am Vormarsch und jeder Dschungelkönig scheint seine persönliche Challenge am Start zu haben. Mit einer eingeschworenen sektenartigen Fan-Gemeinde. Dieser Trend wird nachlassen, wie jeder Trend. Ich merke aber, dass mich das immer weniger interessiert und werde wohl nach anderen Formen Ausschau halten….

    • Hallo,

      ich glaube auch das die Programme identisch sind, auf Grund des gleichen Vertriebs, aber Mach dich krass gab es vorher und es war für beide Geschlechter. Es wirkte wahrscheinlich nur durch die Werbefigur, als wäre es nur für Männer. Einige Frauen haben Mach dich krass auch erfolgreich absolviert, nur der hype war nicht so groß wie jetzt bei Sophia. Sie haben wahrscheinlich gemerkt, dass Frauen die größere Zielgruppe für die Programme sind und deshalb mehr Werbeinitiative für Sophia ergriffen. Aber wie ihr schon sagt es ist ein Trend und diese vergehen auch wieder, der Meinung schließ ich mich an.

  3. Ich denke, dass dieses Forum nur auf Facebook angeboten wird hat eben genau mit der Zielgruppe zu tun. Die sind eben alle nur noch auf Facebook unterwegs bzw auf Facebook sind sie eh jeden Tag, da kann man auch noch schnell in die Gruppe posten. Mit einem extra Forum würde es vermutlich deutlich weniger Aktivität geben.

    Auf typische Gerichte wäre ich gespannt. Ich mache gerade so ein 21-Clean-Eating-Plan aus einem Buch. Die erste Woche ist vegan und ich habe immerhin schon gelernt, dass ich Rote Bete hasse.

    Liebe Grüße!

  4. Interessanter Bericht. Mir ist auch aufgefallen, dass „Sophia Thiel“, „Mach dich krass“ und „Mach dich leicht“ sehr ähnlich wirken. Die Webseiten sind alle ähnlich aufgebaut. Auch die Werbestrategie scheint gleich zu sein. Ob die Programme auch zu weiten teilen identisch sind, kann ich nicht sagen. Jemand müsst mal alle kaufen und nebeneinander halten.

    Ganz klar ist, dass durch die Personen die entsprechenden Zielgruppen angesprochen werden sollen.

    Sophia: Junge Frauen
    Daniel: Junge – Mittelalte Männer
    Ursula: Frauen 40+

    Das mit dem Facabook-Forum ist natürlich ein bisschen schwach. Es wird einfach anders verkauft. Moderation gehört da schon dazu.

    LG
    Sophy

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