Hirschbachstüberl – das vegane Anderswo

Gestern Abend waren wir im Hirschbachstüberl in Lenggries. Lenggries werden die meisten Münchner kennen: Es ist da, wo man aus dem Zug aussteigt, um mit dem Bus zum ersten Skigebiet vor der Stadt zu kommen. Es ist da, wo man lauter rustikale Bauernhäuser findet. Da, wo ein sehr bayerisches Deutsch gesprochen wird und zur Verkehrskontrolle extra Polizisten aus einer anderen Gemeinde geholt werden, weil sonst der Dorfsegen schief hängt. Lenggries mündet in all den kleinen Dörfern des Tölzer Landes: traditionell, provinziell, bayerisch, schwarz wie die Nacht. Hier heißen Kühe noch Milchviecher.

Und ausgerechnet in Lenggries gibt es eine vegane Kneipe.

Verlottert und verlebt, ohne chic, Berlin ist mal ganz weit weg hier. Das alte bäuerliche Haus hat viel Klimbim, eingestaubt und zigarettenverraucht, eine Borzen eben. Eine Kneipe, in der man sich mit seinen Kumpels trifft. Im Wintergarten steht eine Statue von Bruno, dem Bären. Eine Geschichte aus 2006, als im Voralpenland ein freilaufender Bär gesichtet wurde, den die Tageszeitungen Bruno nannten. Es gibt einen kleinen Kinderspielplatz und rustikale Biertische, auch als Biergarten. Um einen Tisch sitzen Mittdreißiger, die aussehen als hätten sie grobe, handwerkliche Berufe. Vor ihnen steht Bier und sie drehen sich ihre Zigaretten selbst. Frauen ohne Make-up, in weiten Kleidern laufen Kleinkindern nach. Eine ist schwanger und trägt ihr naturbraunes Haar lang zu einem unordentlichen Dutt. Ihr Freund hat Dreadlocks und wickelt das gemeinsame Kind auf dem Biertisch. Geht man in den Wintergarten hängen an der Wand Traumfänger, ein großer Plastikindianer steht am Eingang.

Wo bin ich hier?

Ich bin in der alternativen Szene von Lenggries, wo der Alpenchic keinen Platz hat, wo Frauen Nähmaschinen und Gärten haben und Kleinfamilien mit Hunden keine Trachten tragen. Ich bin im Paradies. Ich bin weit weg von München mit den Hype um Berliner Schischi. Ich bin im veganen Anderswo. Es ist großartig.

Wir bestellen Fingerfutter und bekommen fettiges Essen in veganer Ausführung. Wir trinken Bier und essen Burger und Wraps. Die Qualität ist zwiegestalten. Mein Wrap war irgendwie mexikanisch, hatte kein Fleisch, sondern Tofu, aber da war irgendein Pulver dran. Ich kenne den Geschmack, es schmeckt wie 3 Uhr morgens, es schmeckt nach Kneipe. Der Burger war fantastisch, die Pommes ordentlich gewürzt. Es gab zum Nachtisch veganen Apfelkuchen. Beim Soya-Cappuccino musste ich auflachen: Milka-schokolade und ein glückliches Schwein als Logo? Ich liebe es hier.

2 Kommentare

  1. Liebe Sabine!

    Dein Blog verwandelt sich jedes Mal, wenn ich vorbeikomme ;o) Schön gemütlich hast du es hier, sogar mit Slideshow – gefällt mir!
    Und dieses Lokal würde ich auch unheimlich gerne besuchen. Seit kurzem wurde mir ja eine Latte an Intoleranzen ins Gesicht geworfen und da bleibt unterm Strich nicht mehr all zu viel übrig und bei veganer Kost (bis auf Soja und Sesam) kann ich nichts falsch machen ;o)
    Danke für den schönen Einblick und ich hoffe, ich finde bei uns auch so eine Perle.

    lg aus Ösi

    • fadenvogel

      23. August 2014 at 22:18

      Liebe Celeste,

      danke, ich bin auch sehr stolz auf den ganzen digitalen Firlefanz, den ich bis jetzt gemacht habe. Bloggen ist grad irgendwie mein Ding. IRGENDWAS schreiben muss der Mensch ja. Sonst wär die Erfindung ja blödsinnig.

      Wie, du bist intolerant ? Hab ich was nicht mitgekriegt?

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