A dingo ate my baby – ein medialer Lacher und eine Frau, die sich nicht so verhalten hat wie wir es verlangen

Ich kenne den Film, der in diesem Video angesprochen wird, ziemlich gut. Es ist auf deutsch „Ein Schrei in der Dunkelheit“ aus dem Jahr 1988 mit Meryl Streep. In den USA hieß der Film „A cry in the dark“, in Australien hieß er „Evil Angels“.

Meine Mutter hält Meryl Streep für eine begnadete Schauspielerin und sieht sich gerne Filme mit ihr an. Sie mag, dass diese Schauspielerin skandalfrei und scheinbar normal lebt- verheiratet, mit Kindern, ohne großes Schischi. „Ein Schrei in der Dunkelheit ist also ein Film aus meiner Kindheit. Wenn er im Fernsehen läuft, dann zappe ich meistens nicht weg.

Die Geschichte berührt mich. Eine junge Mutter beschuldigt einen australischen Wildhund, ihr Baby getötet zu haben. Die Leiche wird nie gefunden. Die Aussage der Mutter wird bezweifelt.

Vor allem wird die Aussage der Mutter bezweifelt, weil sie in dem aufkommenden medialen Interesse sich selbst nicht so inszeniert wie die Gesellschaft sich eine trauernde Mutter vorstellt. Lindy Chamberlain scheint aus einer anderen Zeit zu kommen. In der der Tod noch näher war und eine solche Katastrophe irgendwie zum Leben einer jeden Familie das ein oder andere Mal dazu gehört. Sie spricht von den Essgewohnheiten der Dingos wie sie wahrscheinlich auch ein Marmeladenrezept weitergeben würde. Völlig sachlich und pragmatisch. Die Gesellschaft glaubt ihr nicht und sie wird unschuldig ins Gefängnis kommen – bis ein Fund ihre Unschuld beweist. Aber da endete diese neuzeitliche Hexenjagd nicht. Ein modernes Stück zu einem alten Thema.

NY Times hat eine Zusammenfassung dazu gebracht und ich habe euch das Video oben verlinkt. Googelt mal nach dem Aufschrei der Mutter „A Dingo ate my baby“ – die mediale Comicflut dieses persönlichen Unglücks ist erschreckend. Auch die Verweise am Ende des Videos der NY Times – ein Lacher in einer Fernsehsendung? – daran sieht man noch die Strukturen, in der wir leben. Und ich wage die These: Wenn diese Frau sich so verhalten hätte, wie die Gesellschaft es von ihr verlangt, dann wäre diese Geschichte eine andere gewesen. Oder: Die Macht der Bilder legt Frauen in Ketten – und macht ihr Unglück zu einem medialen Lacher…

Kennt ihr den Film „Ein Schrei in der Dunkelheit“?

Vollständige Quellenangabe zum Video mit dazugehörigem Artikel – Klick –

3 Kommentare

  1. Liebe Sabine!
    Gibts zu diesem Video noch einen Link? Dieses eingebettetes Video lädt ein bisschen gar langsam.
    Lg Carmen

  2. Achja, das alte Thema: Mediengewalt. Ich erwische mich leider immer wieder selbst dabei, solchen Bildern in die Falle zu tippen und das obwohl ich die ganze Theorie dazu im Nacken sitzen habe (Geschichtsstudium zB). Ich glaube anderen reflektierten Menschen geht es da einfach genauso, sodass man das Thema wohl immer und immer wieder ansprechen und durchkauen muss und so immer offen bleiben sollte seine vorgefertigte Meinung zu revidieren…
    LG Kerstin

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