{3 Liter Leitungswasser am Tag} Wasser als Erziehungsmantra

Header 3 Liter Leitungswasser am Tag 15. TagEine weitere Woche pures Wasser. Nicht immer fällt es leicht, aber der Flow kommt. Irgendwie gewöhnt man sich an die Menge. Ich erkenne auch meine Schwachstelle: ich bin arrogant. Ich bin eine arrogante westliche Einwohnerin aus dem verwöhnten Niemandsland des Überflusses. Ja, wirklich. Es ist mir peinlich, auf der Frankfurter Buchmesse auf die Toilette zu gehen und meine Feldflasche am Wasserhahn aufzufüllen. Komische Blicke von rechts, ein Ignorieren von links. Ich komme mir pennermäßig vor und ich frage mich, woran das liegt. Warum haben wir Wasser aus dem Wasserhahn als zweitklassige Alternative abgetan? Wie konnte das passieren?

Ich fülle mir morgens meine Teekanne voll Wasser. Sie steht auf dem Tisch und ich trinke immer wieder vor mich hin. Kinder wohnen hier ja mit mir. Ich dachte immer, meine Kinder trinken auch Wasser, aber das ist nicht ganz richtig. Sie trinken wie ich Sprudelwasser. Wenn ich Cola trinke oder Kaffee, trinken sie Orangensaft oder Apfelschorle. Richtiges Leitungswasser trinken sie selten. Das fiel mir auf, als ich mit dem Leitungswasser anfing.

Ich trinke also aus meiner Teekanne voller Wasser und meine Kinder machen mit. Wie einfach, dachte ich mir. Wie simpel. Wie alle kleinen Kinder, wollen sie genau das, was die Mama macht. Trinkt die Mama literweise Leitungswasser, ist es kein Orangensaft mehr, kein Apfelsaft, kein Wasser mit Sprudel, sondern Leitungswasser. Ich werde mir diese Brücke für die Zukunft gut merken. Wenn ich wieder etwas von meinen Kinder will, dann sollte ich es zuerst mal selber machen. Mit gutem Beispiel voran, sozusagen. Platte Erkenntnis? Superplatt, aber so einfach kann es manchmal sein. Das Wasser ist mein neues Erziehungsmantra.

In der ersten Woche plagte ich mich noch mit den Fragen nach dem „Wie viel Wasser ist zu viel Wasser?“ herum, dann kamen die politischen Wassertrinker dazu und ich habe irgendwie erkannt, dass das Geschäft mit dem Wasser ein völlig absurdes Konstrukt ist und heute sind es die Wirkungen, die dieses Projekt auf meine Kinder hat. Meine Haut? Nein, ich denke inzwischen nicht mehr, dass das bloße Wassertrinken meine Haut wirklich verbessert hat. 3 Liter Wasser am Tag 15.TagAber, wenn ich mir zwischen Frühstück, Kindern und Zahnbürste das schnelle Selfie mal anschaue, dann denk ich plötzlich, ganz umsonst ist es irgendwie ja auch nicht…hauttechnisch, meine ich. Dass ich die Augenringe nicht wegtrinken kann, habe ich auch schon begriffen. Es hat aber alles andere verbessert. Ich starte voller Motivation in die neue Wasserwoche.

6 Kommentare

  1. Ich merke das auch oft, vor allem, wenn ich bei meiner Familie bin. Die können es gar nicht verstehen, dass ich viel lieber Leitungswasser als Sprudelwasser trinke (das ich mittlerweile richtig eklig finde).

    • fadenvogel

      15. Oktober 2014 at 14:09

      Ja, das ist mir eben auch aufgefallen. meine Kinder haben mein Wasser am Anfang „alt“ genannt….ich meine, hallo, sie sind zwei Jahre alt, wie kommen sie auf Leitungswasser=altes Wasser? Nur durch uns, sprich die Erwachsenen. So schnell kann Prägung gehen…pfff…ach, noch ein Nachtrag zu unserer Gender-debatte-erziehung: Meine Söhne sind grad schwanger…mit ihren Kuscheltiere…sie stecken sich die Kuscheltiere vorne in das Shirt, küssen sie ab und sagen: Baby, Baby, Baby und schwanger! Schwanger! Schwanger! In der Sozialpsychologie gibt es ja die Theorie, dass Jungs das erste Trauma erleben, wenn sie merken, dass sie anders sind als die Mama. Bei Mädchen ist das dann anders. Laut meinem dunklen vergrabenen Studienwissen ist das so mit 3 Jahren bei Jungs. Na ja, unwichtig. Im Moment sind sie auch nachts manchmal schwanger mit ihren Kuscheltieren…

  2. Man sieht tatsächlich schon einen Unterschied bei deiner Haut (zumindest so wie es auf dem Foto rüberkommt)!
    Ich krieg immer Augenringe,wenn ich abends ne Tüte Chips/sehr salzig esse oder zu wenig schlafe. Irgendwie motivierst du mich! Ich achte seit ein paar tagen jetzt zumindest darauf auch zwischen den Mahlzeiten mehr/überhaupt was zu trinken.
    Liebe Grüße,
    Julika

  3. Hm, ich kann mich nicht erinnern, beim Flaschenauffüllen am Wasserhahn schonmal komisch angeguckt worden zu sein – allerdings war ich auch noch nie auf der Frankfurter Buchmesse ;)

    Auch, als ich unterwegs noch mehr Flaschen-Wasser oder Apfelschorle getrunken habe, habe ich aber schon die leere Flasche davon am Wasserhahn aufgefüllt – ein Kilo oder mehr allein an Getränken mitzuschleppen, war mir einfach immer zu schwer. Finde ich völlig normal …

    • fadenvogel

      15. Oktober 2014 at 13:59

      Du bist einfach cooler als ich, that´s it. Keine Ahnung, was sich meine Umgebung bei meinem Anblick wirklich gedacht hat, aber diese Wasserhähne, die mit Sensor immer ausgehen, die sind nicht geschaffen für das Wasserauffüllen…ich habe eine gefühlte Ewigkeit gebraucht und irgendwie waren es schon seltsame Blicke…vielleicht auch deswegen, weil ich mich so doof anstellte? Vielleicht…

  4. Tolles Projekt! Ich hab auch den anderen Beitrag angeschaut und finde schon, dass man eine Veränderung sieht.

    Ich selber habe immer sehr viel Leitungswasser getrunken. Bis ich hier her gezogen bin. Da habe ich es probiert. Wirklich. Aber es schmeckt einfach nicht. Gar nicht. Es gibt natürlich Steigerungen davon, die man nicht trinken kann. Das Wasser hier _kann_ man trinken, muss man aber nicht.. . Ich bin da sehr verwöhnt und als ich das erste mal Grüntee hier mit Leitungswasser machen wollte und danach erstmal den Wasserkocher entkalken und den Tee (ein braunes etwas mit dicken Platten) wegschütten musste war für mich klar – das kann irgendwie auch nicht gesund sein..

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