Samstagskaffee

Heute habe ich lange geschlafen. Hmmm, das stimmt natürlich so nicht. Ich schlafe überhaupt nicht lange oder viel. Ich habe ein Baby und das bestimmt meinen Schlaf. Ich lag nur lange im Bett und damit haben wir eher ein Brunch als ein Frühstück.

Mein Mann ist selbstständig und wir haben vor, noch ein paar Tage wegzufahren. Es ist aber auch gleichzeitig viel los im *Geschäft*. Deswegen arbeitet er samstags. Das Brunchen macht es möglich, heute auch spät Mittag zu essen. Vielleicht kommt er zu Mittagessen nach Hause. Er ist oft und viel zu Hause. Aber er ist nie ganz *frei* wie ein Angestellter. Vielleicht sollte ich das mal erwähnen, weil vieles hier manchmal so einfach aussieht.

Das Bild vom Brunchen wird jemanden zum Lachen bringen. Darauf sind nämlich versteckt nur Dinge zu sehen, die Anna gekocht hat. Eingekocht hat.  Marmelade und Zwetschgen. Da wir uns trotzdem sehen wollten, hat sie bei mir ihre Zwetschgen eingekocht und ein paar Gläser dagelassen. Dabei habe ich gelernt, wie einfach das Einkochen geht, was für einen phantastischen Dampfgarer ich doch habe und mit meinen Tomaten im Garten gleich damit weitergemacht.

Ich weiß, jetzt werden sich einige meiner Freundinnen ans Hirn fassen und sich fragen, wie man in seinem Leben das Einkochen von Tomatensoße hat auslassen können, aber ich habe es ausgelassen. Ich habe es nie gebraucht, denn die Industrie hat mir eh vorgegaukelt, dass ich Tomatensoße im Glas nie selber machen könnte, deswegen kann man ja auch Tomatensoße im Glas kaufen. Gut, ist einfach. Werde ich wohl auch einfach in Zukunft mehr machen. Dinge einkochen.

Was ich aber diese Woche tatsächlich gemacht habe, ist Sauerteig. Einige Versuche gingen daneben, aber jetzt ist aus Mehl, Salz, Wasser und dem Atem dieses Hauses Brot gebacken worden. Ein Prozess über Tage. Aber der Sauerteig vom Sommer werde ich jetzt liebevoll füttern und weiter Roggenbrot backen. Brot zu kaufen ist an bestimmten Tagen nämlich das einzige, was ich so wirklich besorgen muss und dafür dann ins Auto? Klar, wenn normaler Betrieb ist mit Kindergarten und Larifari ist das ja kein Problem, aber nur und einzig wegen Brot wegfahren? Nervt mich total. Und der Winter wird auch kommen und damit das Problem von wirklich unfahrbaren Tagen. Selbermachen liegt da ab und zu nahe. Aber ich wollte kein Hefe-Baguette im Schnellverfahren. Ich wollte ein schönes Brot ohne alles.

Wenn man Blogs so liest, so kommt es einem ja manchmal so vor, als ob sich bestimmte Menschen nur in Schönheit hüllen. Brotbacken, Marmelade einkochen, ein neues Baby. Ach ja.

Dabei habe ich eine Tonne Wäsche gewaschen, die heute aufs Einräumen wartet. Wie ein Monster sitzt der Wäscheberg neben der Waschmaschine. Und auf dem Bild ist eh nur die Hälfte zu sehen. Das ist nicht schlimm. Ich und das Wäschemonster – wir verstehe uns und meistens ist er eh mein sekundärer Kleiderschrank. Aber ich sollte auch das mal erwähnen, weil machmal hier alles zu einfach aussieht.

Manchmal schreit mein Baby auch die Bude hier zam und einer von meinen Zwillingen braucht einen persönlichen Sklaven. Der andere beschäftigt sich selber, aber einer von beiden steht immer mit vorwurfsvollen Gesicht neben mir und möchte ein Spiel spielen, ein Glas Wasser, ein Spiel spielen, Mittagessen, alles gleich, sofort und jetzt.

Das macht mich zur Zeit wahnsinnig. Ich spiele gerne, wirklich, aber ich hab das Gefühl, dass es nie genug ist. Kinder können einem auch das Gefühl vermitteln, dass es nie genug ist. Was du vor einer halben Stunde gemacht hast, ist für sie nämlich Schnee von vorgestern. Nie hast du Zeit, Mama.

Diese Woche habe ich einen Entschluss gefasst. Dieser Entschluss dreht sich darum, wie ich die Dinge sehe. Ich finde nämlich, dass diese Kinder hier eine ausgezeichnete Kindheit haben. Und ich lass mich nicht mehr davon wegbringen. Auch von einem vorwurfsvollen Kindergesicht nicht. Ich habe manchmal Zeit, manchmal nicht. Und ich finde, dass sich jeder hier auch mal mit seinem eigenen Scheiß beschäftigen kann.

Mein Scheiß ist ja neben dem Einkochen und Brotbacken ja oft das Nähen. Wenn ich hier alles zeigen würde, was ich so nähe, pffff. Ich nähe zur Entspannung abends. Manche gehen in ein Schaumbad, manche sitzen vor dem Fernseher. ich nähe am liebsten. Klar brauch ich dafür auch einen bestimmten Schwung, Ab und zu bin ich so müde, da komm ich tagelang nicht vom Fernseher los, aber in guten Zeiten nähe ich, wenn alle Kinder schlafen…oder auch, wenn nur das Baby schläft.

Dem Baby habe ich gestern dafür auch noch kleine Schuhe genäht. Eher Socken. Und es ihm heute morgen gleich alles angezogen. Mich nervt es, dass Menschen dann als erstes zu meinen Nähobjekten dann Sachen sagen wie *Dass du dafür noch Zeit hast….* oder so ähnlich. Ich lasse das dann so stehen. Nähen ist für die meisten dann doch eher *Arbeit*. Und vielleicht unterschätzen sie auch, wie lange man braucht für manche Sachen. Wer viel näht, wird halt auch immer schneller. Für so einen Strampler brauche ich keine 2 Stunden. Vielleicht ist es auch ein Vorwurf. Dass man solche überflüssigen Dinge wie Nähen nicht mehr machen darf als Mutter. Weil man nur eine gute Mutter sein kann, wenn man sich aufopfert. 24/7. So Sklavenmäßig. Dass würde meinem einem Sohn ja gefallen. Immer eine Mama, die Ja und Amen sagt zu seinen Vorstellungen. Ich hätte keine Lust darauf zu sehen, was da für ein Mensch dann rauskommt.

Alles sieht im Internet so einfach aus. Manches ist einfach, anderes sieht nur so aus. Ich habe meinen schnell genähten Strampler übrigens bereits in der Waschmaschine. Das Baby hat ihn vollgeschissen – so schnell wie ich ihn genäht habe.

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4 Kommentare

  1. Wow! Das ist ein richtig wunderbarer Strampler! Ist zwar nicht das wesentlichste an diesem Beitrag! Aber musste auch mal gesagt werden.
    Lg Carmen

  2. Wunderbar aus dem alltäglichen Leben erzählt Ja, es sieht oft alles so einfach aus, wenn man es nicht selbst tun muss. Ich wünsche weiterhin gutes Gelingen bei all den vielen „einfachen“ Tätigkeiten. Auf jeden Fall würde ich auch nicht immer nur die Wünsche der Anderen berücksichtigen, sondern auch eigene. Es ist in einer Familie wichtig, dass Jeder auch dem Anderen Freiräume gewährt – auch die Kinder müssen das lernen für ihr späteres Leben. Ich finde es jedenfalls toll, wie Sie alles so organisieren.

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