Revue einer Online-challenge: 21 Tage aus der Komfortzone

Vor drei Wochen habe ich einen Artikel gelesen. Auf einem anderen Blog und weil ich da grad nichts Besseres im Sinn hatte, habe ich mich zu einer Art kostenlosem Seminar angemeldet. Ich mein, hey, kostenlos. Was soll schon passieren?

Zuerst habe ich ein wenig geseufzt, weil ich so gar nicht der Klangschalenromantiker bin. Ich nehme Reißaus, wenn es um esoterische Seelenerfahrungen geht. Versteht mich nicht falsch, ich halte mich für einen religiösen Menschen. Ich bete mit meinen Kindern, lasse sie an Gottesdiensten teilnehmen und habe bereits spirituelle Erfahrungen in meinem Leben genießen dürfen, aber beim Sonnengesang steige ich aus. Nächster Halt: Karma und Co. Da wink ma dann mal freundlich den Spinnern vom Fenster aus zu und fahren weiter.

Meine Grundstimmung war am Anfang also mehr als skeptisch.

Das Ganze nannte sich Reise und sollte dich in 21 Tagen an die Grenze deiner Komfortzone bringen. Es gab eine Gruppe in Facebook, die von den Machern der ganzen Geschichte (Katja und Markus) gegründet wurde und du konntest nur dabei bleiben, wenn du die Aufgabe erfüllst, die gestellt wurde. Einmal hattest du die Möglichkeit, einen Joker zu ziehen. Ansonsten hatte du pro Aufgabe 2 Tage Zeit, diese irgendwie umzusetzen und davon zu berichten. Sagst du nix, bist du draußen. Aus der Gruppe entfernt. Game over.

Klingt wie ein Spiel? Ist auch eins. Und bei Spielen sind wir wieder dabei. Die Gruppe war erst riesig, 200 Mitglieder oder so und die erste Aufgabe war gleich mit einem mulmigem Gefühl verbunden. Du solltest tanzen. Alleine und für dich. Die ersten posteten Videos von ihrerm Getanze und damit war es vorbei. Mann, Mann, ein Video aufzunehmen und bei Facebook zu posten. Dazu gehört schon was. Mut, vor allem. Und dann auch noch von einem selber. Und auch noch tanzend. Aber der Spieltrieb brach durch und Neugier war auch dabei.

So folgte Aufgabe auf Aufgabe. Und die einzelnen Episoden waren konkret, aber auch interpretierbar. Du machtest dir Gedanken darüber. Manchmal war es total leicht, umzusetzen. Nur eine Kleinigkeit. Manchmal habe ich lange überlegen müssen. Denn da fiel es mir dann doch schwerer, diese besagte Kleinigkeit.  Dabei ging es nie darum, etwas zu machen, was du jetzt nicht umsetzen KÖNNTEST. Also, keine Beziehungstaten, Flugbuchereinen oder *wir ziehen dir mal deine Lebensgrundlage weg*- Aufgaben. Es waren eher Impulse. Und der Effekt war erstaunlich, denn du hast dich selbst in Frage gestellt.

Eher so nach dem Motto: Warum fährst du an dieser Stelle nicht einfach geradeaus? Du bist schon immer aber genau da abgebogen und da blickst du aus dem Fenster und stellst fest, dass der Berg, der da mal stand, gar nicht mehr da ist. Du bist immer um einen Geisterberg herumgefahren. Und da steigst du ungläubig aus deinem Auto aus, schlägst dir kurz ans Hirn und denkst dir: Gut, fahr´n ma mal geradeaus. Ist auch schneller. Es war spannend. Scheiße, es war wirklich spannend.

Die Gruppe wurde immer kleiner, es wurde von den Moderatoren gnadenlos aussortiert. Aber es gab auch Feedback. Jede einzelne Herausforderung wurde registriert und begleitet. Die Moderatoren haben es geschafft, einen geschützten Raum zu bieten und mir wurde klar, dass da Leute dahinter sind, die wissen, was sie machen. Die moderieren können, die begleiten können. Die machen das nicht zwischen 17 und 20 Uhr, die machen das beruflich.

Katja_Tongucer
Katja von *die Erfolgskomplizin*

Und ich alte Klangschalenhasserin habe mich eingelassen auf diese Gruppe und mir Gedanken zu längst anstehenden Fragen gemacht. Bald habe ich Sachen an mir entdeckt, die ich in Ordnung bringen könnte. Ich habe mich gefragt, warum das eine oder andere schwierig für mich ist und wie ich es bis jetzt geschafft habe, das vor anderen zu verheimlichen. Dabei ging es für mich gar nicht um Riesenthemen, keine Lebensveränderung oder anstehende Entscheidungen. Aber ab einem bestimmten Alter fährt man halt immer gerne gewohnte Gewässer ab, man ist unheimlich schnell, wenn es um Antworten geht, denn man gibt immer die gleichen und damit bleibt man halt immer in seiner berühmten Komfortzone. Da, wo man sich eingerichtet hat. Da, wo man sich auskennt.

Die Gruppe bestand aus einem sehr bunten Haufen. Es waren alle Altersgruppen vertreten. Leute mit großen Plänen, Studenten, Auswanderer auf irgendeiner Insel, Mütter mit erwachsenen Kindern, Ehefrauen vor dem Eheaus, zufriedene Hundebesitzer und Rentner mit klugen Blickwinkeln. Mein Vorurteil gegen *die esoterisch Interessieren* war also völlig aus der Luft gegriffen. Und überhaupt. Meine Themen hören sich auch verrückt an. Vielleicht war mein Vorurteil eher die Angst, selbst für eine esoterische Spinnerin gehalten zu werden. Man kreischt halt laut auf, wenn es um sein Spiegelbild geht.

Markus von *be-committed*
Markus von *be-committed*

Ich sollte es also sein lassen, mir darüber Gedanken zu machen, was man von mir halten könnte. Oder, was ich von anderen hielt. Eigentlich war das ja auch egal. Es ging auch gar nicht darum, bewertet zu werden oder jemand anderen zu bewerten. Und so blöd das auch klingt: Das war echt Gold wert.

Also habe ich mich getraut, doch Dinge anzugehen, die mir sonst unglaublich peinlich wären. Aus den falschen Gründen peinlich. Ich habe ein Video verfasst zu diesem Blog, zum Beispiel. Wäre mir ohne diese Reise überhaupt nicht in den Sinn gekommen.

Mein altes Ich hätte das jetzt für Selfie-verliebtheit gehalten, so stark mit sich selbst an eine Öffentlichkeit zu gehen – und sei es nur, sich mit anderen Prüflingen online zu verabreden und Vorträge auszutauschen. Ich bitte euch, was für eine Selbstdarstellung ist das denn bitte. Kommt nah an: Hält sich wohl für obergescheit.

Aber das ist ja der Witz daran: das ist der Gedanke, der dich abhält von Sachen. Der sich überlegt, was denn ANDERE von dir halten. Du weiß ja selber, dass du nicht die Weisheit mit dem Löffel gefressen hast. Und wenn dir das jemand unterstellt, wird es deswegen ja nicht wahr. Nach dem Motto: Es gibt immer Idioten da draußen. Ignoriere sie.

Im Endeffekt ist es nämlich völlig egal, ob andere dich für eine esoterische Spinnerin halten, weil es jetzt ein Facebook-Video von dir gibt, dass dich tanzend in deinem Schlafzimmer zeigt. Es geht nur darum, die Dinge zu ändern, die dich aufhalten und deine Grenzen abzustecken, damit du halt glücklich bist. Und wenn du das erreichst, indem du ein Tanz-video veröffentlichst. Na, go for it. Von 100 Leuten wird es immer darunter welche geben, die mit den Augen rollen. Nur wegen denen das nicht zu machen? Wie krass eigentlich. Gibt ja auch die anderen, die es cool finden. Und einen Haufen, die es nicht die Bohne interessiert. Who cares, sozusagen. Leben und leben lassen.

Das war meine erste Erfahrung mit moderierter Selbsterfahrung im Online-Bereich und ich glaube, ich hatte verdammtes Glück. Hier waren nämlich Leute am Werk, die es verstehen, so was zu leiten.

Da gibt es bestimmt genug Teufelsanbeter und versteckte Sektenanwerber in diesem Metier. Gleich so was Gutes zu erwischen – cool.

Irgendwie sind wir für Katja und Markus so was wie ein Experiment gewesen. Der Erfolg hat sie wohl auch überrascht und sie planen, dieses Experiment zu wiederholen. Tragt euch einfach ein für Oktober. Was soll schon passieren. Draußen seid ihr ja automatisch. Klick aufs Bild:

noexcuses_header-1

Und natürlich geht es weiter, kann es weiter gehen. Die beiden Moderatoren haben jetzt eine kostenpflichtige Reise im Angebot.

Ein 12-Wochen-Sommercamp mit Aufgaben, aber auch einem mehr an Begleitung und zusätzlichen Webinaren und so einem Kram. Und ich sag es euch gleich: der Preis ist in Ordnung. Die beiden hängen sich da echt rein und verstehen was von ihrem Handwerk. Da gibt man für anderen Quatsch viel mehr Geld aus. Sicherlich, dass sind immer nur Impulse. Auch in meinem Kopf gibt es die Stimme, die mir sagt: DAS hättest du auch alleine herausgefunden. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Wäre eher wahrscheinlich, dass ich mir da überhaupt keine Gedanken dazu gemacht hätte.

Make yourself proud!

Ich überlege also ernsthaft, an der nächsten Reise teilzunehmen. Nicht, weil es bestimmte Themen gibt, die ich irgendwie klären möchte. Nicht, weil ich ein unglücklicher Mensch wäre auf der Suche nach meinem Stückchen Glück. Ich mache mit, weil es sich wie ein Spiel anfühlt, auf dass man zurückschaut mit dem Gefühl: Krass, das habe ich über mich selbst noch gar nicht gewusst. 

Du magst vielleicht auch

9 Kommentare

  1. Ich finde das zwar spannend, aber ich würde mich gewisse Sachen einfach nicht trauen. Zwar habe ich eine große Klappe und scheu mich überhaupt nicht, meine Meinung kund zu tun, aber ein Tanzvideo zu posten – no way. Mir hat mal jemand in jungen Jahren erklärt, dass ich extrem abgefahren tanze – seit dem mit ich in diesem Punkt sehr gehemmt. Lg Uli

    1. Ja, das war auch mein Punkt. Aber sie haben mir gesagt, dass sich die Aufgaben ändern. Vielleicht wird das Ding im Oktober einfach ganz anders – oder du machst was ganz anderes draus.

  2. Ich hab mich auch eingetragen! Ich bin experimentierfreudig! (Ohne deinen Bericht hätte ich mich aber bestimmt auch nicht darauf eingelassen.)
    Im Grunde ist es ja das, was alle über Kreativitätstraining sagen: Weiche mal ein kleines Stückchen von deinem Alltag ab. Und schon siehst du die Welt mit anderen Augen. Ich bin ja immer wieder erstaunt, wie oft ich neue Wege im Westpark entdecke, den ich seit Jahren ständig auf und ab laufe. Wie konnte ich da die Wege nicht sehen? Wir laufen einfach zu sehr auf Autopilot.

  3. Danke für diesen wunderbaren Erfahrungsbericht, liebe Sabine. Es war eine Freude, die Gruppe zu leiten. Wahnsinn, was alles passiert ist. Ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder dabei bist.

    Alles Liebe,
    Katja

  4. Hallo liebe Sabine,

    mann o mann. Was ein Video 🙂

    Schon wieder hast du gelacht! Sehr cool. Wir werden auch im Oktober wieder Aufgaben für UNS (grossgeschrieben weil es immer auch für Katja und mich eine Reise sein soll) finden die uns alle entsprechend fordern. Einfach die gleichen Dinge nochmal zu tun fördert ja nicht das Flatterband für neue Zonen in deinem Komfort zu Tage 🙂

    Entsprechend wird es auch im Sommer-Camp neue „Kleinigkeiten“ geben.

    Vielen Dank für deinen Bericht der mich schon etwas „stolz“ aus der Wäsche schauen lässt und dann auch gleichzeitig motiviert weiter zu machen.

    Ich freue mich auf dich und das was in der Zukunft noch so passiert.

    Viele Grüsse

    Markus

    Und einen neuen Blogleser hast du ausserdem. Feine Schreibe. Ich mag diese unterschwellige Ironie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.